Rezension – „Sieg über Narzissmus“ von JH Simon & Matthias Arnoldt

Hallo liebe Leser,

in meinem Urlaub las ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks endlich mal wieder ein Fachbuch. Es reiht sich damit in die vielen Bücher dieses Jahr ein, die mir helfen, mein Projekt 2019 zu erreichen – auch mal abseits meiner typischen Genres zu lesen. Warum interessierte ich mich gerade für dieses Fachbuch? Nun zuerst einmal hat mich interessiert, ob die für mich bisher unbekannten Autoren dieses doch sehr umfangreiche Thema in so einer kleinen Seitenanzahl unterbringen können. Außerdem habe ich selbst mit einem Narzissten (vor der Lektüre dachte ich noch, es wäre nur einer) in meiner näheren Umgebung zu tun und habe mir erhofft, mehr über das Thema zu erfahren. Ob das Buch meine Erwartungen erfüllen konnte und wie es mir gefallen hat, möchte ich euch gern etwas näher erläutern.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Sieg über Narzissmus – Narzisstischen Missbrauch erkennen – überwinden – heilen
  • Autor: JH Simon / Matthias Arnoldt
  • Anzahl der Seiten: 217 Seiten
  • Verlag: Self Published / vom Autor verlegt
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2019)
  • Genre: Fachbuch (Psychologie)

INHALT:

Das Buch der beiden Autoren führt den Leser auf eine Reise in die Tiefen des Themas Narzissmus. Den Anfang bildet eine Erklärung, wie man selbst den Narzissmus vielleicht durchschaut hat und was alles dahintersteckt. Es wird ein erster Einblick in die Persönlichkeiten der Narzissten und auch die Langzeitwirkungen von narzisstischen Beziehungen gegeben, bevor als Grundlage der weiteren Kapitel eine umfassende Erläuterung erfolgt, wie Narzissmus funktioniert und warum es so schwer ist, aus dieser Dynamik zu entfliehen.
Im weiteren Verlauf wird auf das menschliche Schamgefühl eingegangen, welchem eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Narzissmus beikommt. Hierbei wird vor allem auf die toxische Scham eingegangen, die dabei ensteht.
Während dieser Einblicke in die psychologische Funktion der narzisstischen Beziehungen werden immer wieder Beispiele für narzisstische Persönlichkeiten gegeben und immer tiefer auch auf deren Beweggründe und den Kern dieses Problems eingegangen. Narzisst und Zielperson werden letztendlich in zwei Kapiteln gegenübergestellt, um deren Zusammenspiel besser verstehen zu lernen. Das Kennenlernen der Zielperson ist dabei ein Kennenlernen mit sich selbst, falls der Leser selbst Erfahrungen mit narzisstischen Beziehungen vorweisen kann. Vor allem Empathen haben häufig und wiederkehrend mit diesen Persönlichkeiten zu tun. Das Verständnis um die eigene Persönlichkeit und deren Anziehung auf einen Narzissten, genauso wie die Einsicht, welche Dynamiken man selbst in Gang setzt, ist der erste Schritt der Selbstreflektion für einen Ausbruch aus solchen Beziehungsstrukturen.
Schließlich widmet sich das Fachbuch der Frage, wie der Ausbruch gelingen kann. Hier werden nicht nur die Hindernisse auf diesem Weg erläutert – frei nach dem Motto: „Kenne deinen Feind.“, sondern auch erklärt, wie man eine umgekehrte Gehirnwäsche beginnen kann. Dazu werden sieben Übungen ausführlich erläutert, die nach und nach bei der Loslösung von einem Narzissten helfen sollen. Empfohlen wird, diese Übungen chronologisch anzugehen und die nächste Übung erst zu beginnen, wenn die vorhergehende abgeschlossen wurde.
Nach den Übungen wird man von den Autoren aber nicht sofort aus dem Buch entlassen. Es folgt ein Ausblick, welche Schwierigkeiten auch in Zukunft auf einen zukommen können und wie der neue Anfang sich gestalten kann. Der Abschluss wirkt hoffnungsvoll und motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen.

SCHREIBSTIL:

Das vorliegende Werk ist ein gut recherchiertes Fachbuch, was durch den teilweise umgangssprachlichen Sprachstil auch als Sachbuch durchgehen könnte. Die Fachtermini werden immer wieder durch gebräuchliche Redewendungen und zuweilen sehr roh formulierte Metaphern aufgelockert. Manchmal wirkte dieser Twist des Sprachstils etwas befremdlich, allerdings denke ich, dass diese Abwechslung dem ganzen Thema auch gut getan hat. Vor allem denke ich aber, dass Narzissmus durch seine Verschleierungstaktiken vielleicht auch besser in dieser herben Art beim Namen genannt werden sollte. Denn allzu oft ist der Betroffene in diesen Dynamiken so gefangen, dass er sich nicht daraus befreien kann. Hier braucht es dieses mentale Ausrufezeichen, damit die Problematik wirklich ins Bewusstsein tritt.
Das Buch hat sich mit seinen gut 200 Seiten länger gelesen als andere Bücher, was den fachspezifischen Erklärungen zugrunde liegt. Das tut dem wichtigen Thema und der guten Darstellung allerdings keinen Abbruch, denn für ein Fachbuch hat sich der ganze Stil extrem gut gelesen.

FAZIT:

Das Buch ist gut recherchiert, hochinteressant und gut geschrieben. Narzissmus als Thema ist nicht nur spannend, sondern zuweilen auch befremdlich. Gerade die Langzeitwirkungen der narzisstischen Beziehungen und die unbewussten Dynamiken haben mich hier besonders fasziniert, aber auch erschreckt. Der persönliche Bezug machte das Buch für mich noch viel brisanter und aktueller. Ich erkannte Muster, die mir so gar nicht bewusst waren und mir wurde klar, dass da nicht nur ein einziger Narzisst in meinem Leben ist und war.
Das Buch hat also die Fähigkeit, Betroffenen in vielen Belangen die Augen für das zu öffnen, was bewusst nicht sichtbar ist. Zudem hilft es, ein Grundverständnis für das Thema zu erlangen und erste Werkzeuge im Kampf gegen den Narzissmus an die Hand zu bekommen. Ein durchdachtes Werk. Für alle empfehlenswert, die selbst Narzissmus in ihrer Umgebung vermuten und für Leser, die sich für Psychologie und Narzissmus interessieren. Eine klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Love to share“ von Beth O´Leary

Meine lieben Leser,

ich hatte das Glück, wieder einmal bei einer Leserunde von Lovelybooks dabei zu sein. Dieses Mal habe ich es mit einem Liebesroman versucht, welcher mein Projekt 2019 weiter ausbauen soll, dass ich mal außerhalb meiner Genres lese. Ich hatte ungeheures Glück, mich bei über 450 Bewerbungen durchzusetzen und das Buch „Love to share“ von Beth O´Leary in der Leserunde zu besprechen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Love to share – Liebe ist die halbe Miete
  • Autor: Beth O´Leary
  • Anzahl der Seiten: 478 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2019)
  • Genre: Roman, Liebesroman

INHALT:

Der Roman beginnt mit der Wohnungssuche der Protagonistin Tiffy. Unterstützung erhält sie schon zu Beginn (sowie auch im Rest der laufenden Handlung) von ihren Freunden Mo und Gerty. Die beiden sind von Tiffys Wohnungsangeboten alles andere als begeistert, da deren schlechter Zustand die Sorge um ihre Freundin verstärkt. Tiffy entdeckt später eine Anzeige, in der eine WG in einer 1-Zimmer-Wohnung angeboten wird. Der Clou daran: Der Besitzer arbeitet genau zu anderen Zeiten als Tiffy und man würde sich nie begegnen. Für Tiffy klingt diese Abmachung nahezu perfekt, auch wenn sie bezüglich des geteilten Bettes einige Bedenken hat.
Letztendlich lässt sie sich jedoch trotzdem darauf ein und bezieht ihr neues Zuhause. Die Kommunikation mit ihrem WG-Mitbewohner Leon beginnt, als Tiffy kleine Nachrichten auf Post-it-Zettelchen an ihn schreibt.

Im Laufe der Geschichte lernt man viele Nebenfiguren kennen. Da wären zum Einen die Kollegen von Tiffy im Verlag für DIY-Themen, wo sie als Lektorin arbeitet. Zum Anderen die schon erwähnten Freunde Mo und Gerty, die sich stetig um das Wohlergehen von Tiffy sorgen und viele brisante Situationen zu erden wissen. Gerty kommt später als Rechtsanwältin sogar eine Art Schlüsselposition zu. Eine ebenfalls wichtige, wenn auch mehr als unsympathische Nebenfigur ist Tiffys Ex-Freund Justin, der sie nach wie vor kontaktiert und über den immer mehr erschreckende Details in Bezug auf die Ex-Beziehung gelüftet werden.
Leon als zweiter Protagonist bringt ebenfalls viele weitere Charaktere ins Spiel. Vor allem auf zwei seiner Patienten wird das Augenmerk gelegt – die kleine Holly und der liebe Mr. Prior, deren Schicksale Leon und auch den Leser tief berühren. Leons Bruder nimmt ungefähr ab der Hälfte des Buches ebenfalls mehr Raum ein und wird wie Gerty zu einer Schlüsselfigur. Abgesehen von diesen Nebendarstellern, gibt es freilich noch viele andere Personen, die den beiden Hauptfiguren im Laufe der Handlung begegnen.

Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Irgendwann begegnen sich Tiffy und Leon. Danach entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren, die sich eigentlich niemals begegnen wollten. Die Romanze steht zwar im Fokus, allerdings wird sie von vielen Elementen umrahmt, die sie nicht vorrangig erscheinen lassen. Wir lernen nicht nur viel über Tiffys Persönlichkeit und ihre Gefühle, sondern auch über ihren Arbeitsalltag und die Loslösung von ihrem Ex-Freund. Ähnlich sind die Themen, die bei Leon behandelt werden, wobei hier auch sein Bruder und dessen unschuldige Verurteilung vor Gericht immer wieder im Mittelpunkt steht. Richie sitzt zu Unrecht im Gefängnis und es gibt zunächst wenig Hoffnung auf Freilassung.

Gerade als sich die Liebesgeschichte zwischen Leon und Tiffy entwickelt, wird diese von der Einmischung durch Tiffys Ex-Freund Justin überschattet. Während der Leser auf der einen Seite nicht genug von romantischen Situationen zwischen dem Protagonisten-Paar bekommen kann, steigert sich die Spannung immer mehr und gipfelt im letzten Viertel in einem Höhepunkt, dem ein Happy End folgt.

SCHREIBSTIL:

Die Geschichte wird im Perspektivwechsel zwischen Tiffy und Leon erzählt. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass die Perspektiven in einem unterschiedlichen Stil gearbeitet wurden. Tiffy erzählt leicht und unbedarft, nimmt kein Blatt vor den Mund. Leon hingegen beschreibt gerade am Anfang alles in kurzen, abgehakten Sätzen, die sehr gut vermitteln, wie gestresst und ruhelos er ist. Sein Stil wird mit der Bekanntschaft von Tiffy und der voranschreitenden Entwicklung der Liebesgeschichte weicher und ausführlicher. Auch hier wird über den Schreibstil zwischen den Zeilen die Wandlung des männlichen Protagonisten durch die Liebe gezeigt.
Wie ich schon oft betonte, bin ich kein wirklicher Fan vom Perspektivwechseln in Büchern. Und wie ich in der letzten Zeit immer öfter betonen musste, gab es für mich gerade in den vergangenen Jahren wahnsinnig viele Bücher, die dieses Stilmittel super umgesetzt haben. Auch dieser Liebesroman hat es geschafft, dass einem der Wechsel zwischen den Protagonisten fast gar nicht mehr auffällt und es die Handlung überhaupt nicht stört.
Der Schreibstil von Beth O´Leary ist generell sehr unkompliziert, schnell und leicht zu lesen. Was mir aber besonders gut daran gefällt, ist, dass der Stil nicht nur sympathisch klingt, sondern sie es auch geschafft hat, selbst die unzähligen Nebenschauplätze zum Leben zu erwecken. Niemals wurde es langweilig den Nebenfiguren zu folgen und das auch abseits der Hauptstory. Die Autorin hat es wirklich geschafft, dass alle Charaktere Tiefe und Farbe bekamen. Wirklich perfekt.
Hinzu kommt ein großes Lob für das richtige Maß an Humor und Tiefe, welche im Wechsel den Großteil der Geschichte ausmachen.

FAZIT:

Was soll ich sagen? Obwohl ich Liebesgeschichten nicht zu meinen typischen Genres zähle, konnte mich dieses Buch fesseln und begeistern. Vor allem die gute Mischung aus allen genannten Komponenten war es, die es geschafft hat, die Lektüre zu etwas Besonderem zu machen. Nicht umsonst bezeichnet Cosmopolitan die Autorin als neue Jojo Moyes. „Love to share“ war für mich tatsächlich ein Highlight im bisherigen Lesejahr 2019. Kleine Abstriche gab es für mich in der Nachvollziehbarkeit des Verhaltens einiger Figuren in ein paar Situationen und im Lektorat, welches nicht perfekt war. Teilweise haben Leerzeichen gefehlt oder es wurde „wie“ anstatt „als“ genutzt. Sowas stört mich beim Lesen extrem. Allerdings hat der Inhalt mich so überzeugt, dass diese Kritik nicht weiter ins Gewicht fällt.
Das Buch hat einfach alles, was eine entspannte und gute Sommerlektüre braucht. Wer also noch eine Liebesgeschichte für den Strand sucht, der kann mit diesem Schmöker nichts falsch machen. Allerdings solltet ihr euch dann noch ein anderes Buch einpacken – denn ich konnte es nicht mehr weglegen und habe die Seiten praktisch eingeatmet. Deswegen wirken die rund 480 Seiten doch sehr kurzweilig. Eine unbedingte Leseempfehlung für alle Romantik-Liebhaber und alle, die entspannte Lektüre mögen!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ von Stephanie Butland

Hallo liebe Leser,

nach einer kurzen Zwangspause melde ich mich zurück mit der versprochenen Rezension zu „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ von Stephanie Butland. Wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich dieses Buch als Mängelexemplar vom Schnäppchentisch gerettet habe. Irgendwie hat mich der Titel sofort fasziniert und die Inhaltsangabe klang nach Potenzial. Deswegen möchte ich euch im Folgenden einen Überblick geben und verraten, ob sich der Wühltischfund gelohnt hat.

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Ich treffe dich zwischen den Zeilen
  • Autor: Stephanie Butland
  • Anzahl der Seiten: 311 Seiten
  • Verlag: Droemer Knaur Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Oktober 2017)
  • Genre: Roman, Liebesroman

INHALT:

Wir lernen auf den ersten Seiten die Protagonistin Loveday kennen, welche auf der Straße ein Buch findet. Ihre Beziehung zu Büchern ist innig und so beschließt sie, das Buch mitzunehmen und einen Aushang am Antiquariat, in dem sie arbeitet, anzubringen. Sie hofft, so den Besitzer des Buchs ausfindig zu machen.
Was gleich zu Anfang auffällt sind die Gedankengänge von Loveday, die unverblümt und manchmal auch etwas antisozial sind. Sie wirkt oft unbeholfen, wenn es um den Umgang mit anderen Personen geht, man könnte schon fast sagen, dass sie den Kontakt mit anderen Menschen nicht sonderlich gern hat. Unsere Hauptperson wird als Stereotyp eines Außenseiters beschrieben – unverstanden durch ihr Erscheinungsbild, mit ihren Tattoos, Piercings und gefärbten Haaren. Einzig ihr Arbeitgeber Archie, der wie ein Ziehvater für Loveday ist, scheint Zugang zu ihr zu haben.

Es kommt, wie es kommen muss: Der Besitzer des Buchs trifft im Antiquariat ein und sieht nicht einmal so schlecht aus (was Loveday sich natürlich nicht eingestehen möchte). Nathan, wie der Fremde heißt, lädt sie als Dankeschön zu einem Poetry-Slam ein und findet offensichtlich direkt Gefallen an der zurückhaltenden Dame, die so gar nicht in das Antiquariat zu passen scheint.

Nach einigem Hin und Her entscheidet sich Loveday, den Poetry-Slam aufzusuchen. Nach diesem Besuch entspinnt sich zwischen Nathan und ihr nicht nur eine ganz feinsinnige Liebesgeschichte, die Handlung wird auch durch Lovedays Ex-Freund Rob verkompliziert, der sie stalkt und Gefühle in ihr hervorruft, die zum anfänglich so trotzigen Rebellenverhalten gar nicht zu passen scheinen.

Die Ereignisse verwirren sich. Zusätzlich dazu bekommt man alle paar Kapitel Einblicke in das Leben der kleinen Loveday, als sie noch mit ihren Eltern zusammenwohnte. Die Dinge, die man dort erfährt, stehen zunächst in keinem erkennbaren Zusammenhang zur Gegenwart. Langsam wird aber auch dem Leser klar, dass sich diese beiden Handlungsstränge immer weiter annähern. Durch den Einblick in Lovedays Vergangenheit wird immer klarer, was sie fühlt und warum sie in die Lebenssituation geraten ist, in der sie sich befindet.

„Es geht nicht darum, ob du fällst, sondern darum, wie viele Menschen da sind, die dich aufheben, dein Knie verarzten, dich auf dem Sofa zudecken und mit Kakao und Büchern versorgen, bis es dir wieder besser geht.“

Loveday in „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ von Stephanie Butland , S. 183

Als das Gefühlschaos der Gegenwart und die Enthüllungen der Vergangenheit sich in der Handlung zusammenfügen, gipfelt der Roman in einer Art Showdown unerwarteter Ereignisse, die gerade im letzten Viertel des Buchs auf einmal jede Menge Spannung und Dramatik erzeugen.

Welche Wendungen das Buch bereithält und ob das Ganze für Loveday, Nathan, Archie und sämtliche Nebenfiguren gut ausgeht, lasse ich für euch spoilerfrei im Dunkeln. Es bleibt zu sagen, dass sich der Inhalt anders als bei typischen Liebesromanen für mich hart an den Grenzen der Genres Chick Lit und Romantic Suspense bewegt. Dadurch ist die Handlung nicht nur komplex an Ereignissen, sondern auch an Gefühlen, was der Haupthandlung manchmal nicht so wirklich gut tut. Viel zu leicht lässt man sich von diesem Buch ablenken, weil der rote Faden nicht durchgängig ersichtlich ist. Gefangen nehmen konnte mich die Geschichte erst im letzten Viertel.

SCHREIBSTIL:

Stephanie Butland hat einen Schreibstil, der sich leicht liest, der aber auch eine gewisse Ironie mitklingen lässt. Alleine die Recherche für dieses Werk muss man der Autorin allerdings anerkennen. Um eine schlüssige Handlung zu schreiben, hat sie sich vorher mit Dichtern und Juristen, Pflegeeltern und Sozialarbeitern, Zauberern und Buchhändlern zusammengefunden, um jede noch so kleine Information realistisch zu gestalten. Diese Aufzählung vermittelt auch einen Eindruck der vielfältigen Ausprägungen dieses Buchs, die ich allerdings auch oft unnötig oder als zuviel empfand. Wie oben bereits erwähnt, macht diese Fülle es leicht, sich beim Lesen nicht auf die Haupthandlung zu fokussieren und so den Faden zu verlieren.
In die Handlung hat Butland immer wieder Zitate oder Anspielungen auf Literatur eingebaut. Das mag ich in Büchern generell sehr gern. Loveday hat sich beispielsweise die ersten Sätze ihrer Lieblingsbücher tätowiert. Diese Bücher sind auch in aller Welt bekannt, weswegen mir ein Bezug recht leicht fiel. Anders verhielt es sich für mich mit den Anspielungen auf englische Autoren, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Der Bezug hier fehlte mir einfach komplett und so konnte ich die Anspielungen nicht direkt verstehen, was ich sehr schade fand, denn diese kleine Details machen am Ende den Schreibstil sehr liebevoll.
Auch die eingebauten Gedichte von Loveday und Nathan waren für mich eine wirklich schöne Idee. Ob die Übersetzung an allen Stellen wirklich gut gelungen ist, kann ich nicht beurteilen, mir hätte es allerdings besser gefallen, wenn sich alles gereimt hätte und nicht nur einige Passagen.

„Ich mag Bücher, denn es schert sie nicht,
passt deine Unterhose zum BH,
hast du heute gewaschen dein Haar.
Ich mag Bücher, denn sie mischen sich nicht ein.
Still, ganz still, sitzen sie im Regal,
wer du bist, ist ihnen egal.
Ich mag Bücher, denn es kümmert sie nicht,
was du für Dinge im Herzen trägst,
wen du für immer verloren hast. (…)“

Loveday in „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ von Stephanie Butland, S. 120

Das Lektorat war mäßig, ich habe einige Rechtschreib- und Grammatikfehler entdeckt. Ich finde einfach, dass ein gutes Lektorat zur Qualität von Büchern dazugehört.

Butland erzeugt durch ihren Schreibstil oft eine Art melancholische und bedeutungsschwangere Stimmung. Die Charaktere sind eigenwillig, aber nicht unrealistisch, obwohl ich manchmal über das Verhalten von Loveday den Kopf schütteln musste. Die Autorin hat es aber geschafft, dass man sich sehr intensiv mit der Gefühlswelt der Protagonistin auseinandersetzt und dass sich die Puzzleteile nach und nach zusammenfügen.

„Manchmal denke ich, ich möchte ein Buch über mein Leben schreiben,
Damit ich es dir – oder einer anderen Person, der ich zum ersten Mal begegne – zum Lesen geben kann und du nicht versuchen musst, mich zu lesen.
Du kannst es mitnehmen und entscheiden, ob es sich lohnt, mir deine Zeit zu schenken. (…)“

Nathan in „Ich treffe dich zwischen den Zeilen“ von Stephanie Butland, S. 46 ff.

FAZIT:

Ich war beim Lesen dieses Buches im Großteil extrem skeptisch. Der Einstieg in diese Story fiel mir sehr schwer, nicht zuletzt wegen dem Zeitwechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Die Jahreszahlen über den Kapiteln haben ehrlich gesagt für mich mehr Verwirrung gestiftet, als sie geholfen haben.
Dennoch bin ich nach dem Beenden des Buchs sehr überrascht. Das letzte Viertel und das Ende des Buchs haben mich überzeugt, weil sich alle Informationen der Geschichte zu einem großen Ganzen verbinden konnten.
An einigen Stellen hat die Autorin versucht, gefühlt zu viel in dieses kleine Werk hineinzupacken. Das ist für mich das einzige richtige Manko, dass der rote Faden etwas gelitten hat.
Aber die Charaktere waren liebenswert, vielschichtig und auch die Gefühlswelt von Loveday war spannend und die Entwicklung des Verständnisses von Seiten des Lesers war wirklich einfach gut gemacht.
Das Buch bietet ein bisschen Schrulligkeit, viel Tiefe, viele Details und eine feinsinnige Lebens- und Liebesgeschichte. Überraschend, auch für mich, hat sich die Rettung des Mängelexemplars wirklich gelohnt und das Buch wird meiner Meinung nach unterschätzt. Eine Empfehlung für alle, die ruhige, tiefgehend gefühlvolle Bücher mögen, die nicht laut sein müssen, um zu überzeugen.
Lesenswert, wenn man geduldig sein kann!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI