Rezension – „Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winter“ von Christelle Dabos

Meine lieben Leser,

endlich kann ich euch von meiner Urlaubslektüre berichten. Leider ist dieses Jahr ähnlich turbulent wie das letzte Jahr, sodass ich immer wieder mal ein paar Wochen vom Bloggen aussetzen muss. Vielleicht komme ich in einem neuen Beitrag zu Hachidoris Welt darauf zu sprechen. Aber es gibt auch Gutes zu berichten! Was bitteschön ist 2019 bisher für ein gutes Bücherjahr für mich gewesen!?

Ich bin schon sehr lange um „Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters“ herumgeschlichen, bis ich es endlich gekauft habe. Das Cover wirkt für Fantasy recht bieder und ich war mir auch beim Klappentext nicht sicher, ob mich das Buch begeistern oder enttäuschen wird.

Zudem hat irgendwer dieses Buch von Christelle Dabos mit Harry Potter verglichen. Das machte mich verständlicherweise mehr als skeptisch. Ich sehe solche Vergleiche sowieso sehr kritisch, weil sie ein wirklich gutes Buch in die Enttäuschung reißen können – weil Leser mit den falschen Erwartungen herangehen. Auch ich war nicht gefeit vor den sehr hohen Erwartungen, die ich vor der Lektüre entwickelte. Auch deswegen erläutere ich euch nun, wie mir das Buch gefallen hat. 😊

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters
  • Autor: Christelle Dabos
  • Anzahl der Seiten: 537 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag
  • Ausgabe: 2. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch

Inhalt:

Ophelia ist eine Animistin. Sie kann die Vergangenheit von Gegenständen erspüren. Zudem hat sie die Fähigkeit, durch Spiegel zu gehen. In ihrer Heimat „Anima“ wohnen viele Animisten, mit ganz unterschiedlichen Talenten.

Anima ist nur eine der 21 Archen, in die die Welt zerrissen wurde. Ophelia plante auch nie, ihre beschauliche Arche zu verlassen, in der sie ihr kleines Museum leitet. Doch dann wird von den Verwalterinnen Animas bestimmt, dass Ophelia einen Adligen der Arche „Pol“ heiraten soll. Ophelias geregeltes Leben gerät aus den Fugen, als sie sich nicht nur einer Zwangsheirat, sondern auch einem mehr als uncharmanten Verlobten gegenübersieht. Höchst mysteriös gibt sich dieser und sie wird zunächst nicht viel Kontakt zu ihm haben, da ihre Verlobung aus unerfindlichen Gründen geheim gehalten wird. Ophelias wird von der Tante ihres Verlobten in die Gepflogenheiten der Arche „Pol“ eingeführt. Als deren Page führt Ophelia ein verstecktes Leben am Hofe des Mondscheinpalastes und entdeckt immer mehr der Geheimnisse, die diese andere Gesellschaft für sie bereit hält. Neben Intrigen, Ränkespielen, Brutalität und Ausweglosigkeit erfährt Ophelia auch die Magie der Illusionen, echte Freundschaft und warum gerade sie für die ominöse Heirat ausgewählt wurde.

Am Anfang hatte ich das Gefühl, es könnte eine 0815-Geschichte werden, wie wir sie zu vielen im Fantasy-Dystopie-Genre finden. Ich wurde überrascht, denn Ophelia entspricht so gar nicht der typischen Protagonistin. Sie ist naiv, (schon fast nervend) tollpatschig und irgendwie schrullig mit ihren durcheinander geratenen, dunklen Locken und der runden Brille, die ihre Farbe je nach Stimmung wechselt. Zudem trägt sie am liebsten ihre alte Kleider, die wahrscheinlich jeden anderen an Omas Kleiderschrank erinnern würden. Ihr lebendiger Schal ist ihr ständiger Begleiter.

Generell ist dieses Werk hinreißend fantasievoll und skurril, mit unheimlich vielen Charakteren, die zu keiner Zeit blass wirken. Zudem bringt die Geschichte einige Wendungen und Ereignisse mit sich, die ich so nicht erwartet hatte.

Nachdem die erste Hälfte des Buches recht ruhig und gemütlich verläuft und in das Geschehen und die Gesellschaften auf den Archen einführt, nimmt das Buch ab der Hälfte sehr zügig an Fahrt auf und bringt einige Überraschungen mit sich.

Gerade die Ereignisse am Ende des ersten Bandes haben mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich blicke gespannt auf den zweiten Band, da noch einige Fragen zum Setting und Inhalt offen sind. Das ist bei diesem atmosphärischen und gewaltigen Worldbuilding aber nicht anders zu erwarten gewesen. Ich bin gespannt, was wir hier noch erleben und entdecken dürfen.

Schreibstil:

Der Schreibstil ist einer der ganz großen Gründe, warum das Buch von mir so heiß und innig geliebt wird. Dieser grenzt sich nicht nur von vielen anderen Werken im Genre ab, sondern ist von einer geradezu herausragenden Qualität. Seit Jahren musste ich das erste Mal zwei Begriffe im Duden nachschlagen, weil ich sie noch nie vorher gelesen oder gehört hatte. Das hat mich sehr begeistert. Auch sonst schafft Christelle Dabos es, dass man sich in dem ruhigen, bildgewaltigen und präzisen Schreibstil verliert. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich der Schreibstil an das inhaltlich vorgegebene Setting der Adelshäuser und das Worldbuilding, welches ein bisschen in Richtung Steam-Punk geht, anpasst. So ein ganz kleines bisschen fühlte ich mich (zumindest sprachlich) wie in einer Seifenoper ála Downton Abbey. Es erinnert etwas an Romane von Jane Austen, nur mit einem Einschlag von Fantasy.

Der Vergleich zu Harry Potter stimmt zumindest in der Hinsicht, dass nicht immer nur die Hauptgeschichte im Mittelpunkt steht, sondern auch abseits des roten Fadens Vorkommnisse und Schauplätze geschildert werden. Diese Schilderung von Alltäglichkeiten kann schnell langweilig werden, doch der Schreibstil der Autorin hat aus meiner Sicht dafür gesorgt, dass ich die Geschichte einfach zu jedem Zeitpunkt gern gelesen habe. Weil das Buch eben nicht nur spannend, sondern auch wirklich außerordentlich gefällig und charmant geschrieben wurde.

Der Schreibstil hat hundertprozentig meinen Geschmack getroffen. Ruhig, aber dennoch sprachgewaltig.

Fazit:

Besonders gut hat mir die Entwicklung von Ophelia gefallen, die von der ersten bis zur letzten Seite ein wahres Erwachsenwerden erlebt. Am Anfang war ich etwas genervt von ihr, doch dann habe ich mit einer sehr großen Leidenschaft die Geschichte um diese Protagonistin verfolgt.

Diese bildgewaltige und fantasievolle Geschichte punktet für mich vor allem mit dem wunderschönen Schreibstil, in dem sie verfasst wurde. Auch aus diesem Grund habe ich das Buch einfach supergern gelesen, vom Inhalt mal abgesehen. Die Fülle an Informationen hat es mir schwer gemacht, es auf eine Rezension herunterzubrechen, denn am liebsten würde ich euch die ganze Geschichte erzählen! Sollten hier genau so gute Nachfolger veröffentlicht werden, hat dieses Buch für mich eine Chance, ein echter Klassiker zu werden.

Ich war sehr skeptisch, aber ich muss neidlos zugeben, dass der Hype in diesem Fall gerechtfertigt ist.

Eine Mischung aus Fantasy, Steam-Punk und Jane Austen. Für mich ein Jahres-Highlight! Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Dry“ von Neal Shusterman

Meine lieben Leser,

spätestens nach „Scythe“ war ich ein absoluter Fan von Neal Shusterman. Sein Schreibstil hat mich direkt angesprochen. Da war für mich klar, dass ich auch „Dry“ unbedingt lesen muss. 🙂
Die folgende Rezension enthält zwar ein paar Spoiler, allerdings habe ich mir Details und das Ende gespart, damit ihr es trotzdem noch lesen könnt. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Dry – Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.
  • Autor: Neal Shusterman / Jarrod Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 437 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Thriller, Jugendbuch, Suspense, Dystopie

 

INHALT:

Zu Beginn lernen wir die Familie von Protagonistin Alyssa kennen, die sich ziemlich bald der Tatsache gegenüber sieht, dass kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kommt. Die Medien berichten über einen sogenannten Tap-Out, dem Zusammenbruch der Wasserversorgung.
Ebenfalls am Anfang lernen wir Alyssas Nachbarn Kelton und dessen Familie kennen, deren Hobby die Vorbereitung auf einen eventuellen Weltuntergang ist. Von der Nachbarschaft in der Vorstadtidylle verschrien, kommt ihnen ihre Vorbereitung während des Tap-Outs dann zugute.
Alyssas Familie versucht, Wasser aufzutreiben, doch die Regale der Supermärkte sind leer und die Menschen werden nicht nur panischer, sondern auch rücksichtloser. Jeder ist sich mit einem Mal selbst der nächste.
Als in den Medien die Neuigkeit verbreitet wird, dass am Meer Entsalzungsanlagen errichtet werden, reisen Alyssas Eltern dorthin, um aufbereitetes Wasser zu besorgen. Als sie nicht zurückkehren, machen sich Alyssa, ihr Bruder Garrett und Kelton zusammen auf die Suche nach ihnen. Beim Erreichen des Strandes jedoch bietet sich den Helden der Geschichte ein Bild des Grauens. Langsam verstehen sie, dass dieser Tap-Out das schlimmste in den Menschen zutage fördert.
Während ihrer Suche treffen sie auf Jaqui, eine kleine Rebellin, die schon vor dem Tap-Out auf der Straße lebte. Zusammen wollen sie bei Keltons Familie Zuflucht suchen, doch die Nachbarschaft fühlt sich von deren Haus leider sehr angezogen und so eskaliert die Situation nicht nur blutig, sondern für alle beginnt ein harter Kampf ums Überleben.
Die kleine Gruppe aus Jugendlichen bricht auf, um den Fluchtbunker von Keltons Familie zu finden. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf Henry, ein Sohn reicher Eltern, der sich an dem Leid seiner Nachbarschaft bereicherte.
Zwischendurch keimt Hoffnung auf, doch der Weg zum Fluchtbunker wird länger sein, als die Protagonisten es zunächst vermuteten.
Zum Ende wird der Kampf ums Überleben immer deutlicher und rückt immer mehr in den Fokus. Immer wieder ist ein kleiner Hoffnungsschimmer zu sehen, der sich wieder zerstreut.
Ob die Fünf endlich Wasser finden und den Tap-Out überleben, lasse ich euch aber lieber selbst lesen. Nur so viel – ich musste die letzten 200 Seiten in einem Rutsch lesen, weil mich die Geschichte nicht mehr losgelassen hat.

SCHREIBSTIL:

Wie nicht anders von Shusterman erwartet, hat er mich mit seinem Schreibstil wieder voll mitgenommen. Zugegeben, am Anfang musste ich ein wenig reinkommen, aber spätestens nach dem ersten Viertel des Buches, hat mich die Spannung nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil ist zwar nüchtern und vermittelt eine düstere, leere Stimmung – aber das passt zu dem Apokalypsen-Szenario.
Wir bekommen die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Alyssa, Garrett, Jaqui, Kelton und Henry erzählt. Zwischen der Hauptstory fließen immer kleine Einblicke in völlig außenstehende Personen ein – Nachrichtensprecher, Wasserflugzeugpiloten oder eine verzweifelte Frau, die auf einem Parkplatz wartet. Diese ganzen unterschiedlichen Blickwinkel fassen sich zu einem großen Gesamtbild der furchtbaren Situation des Tap-Outs zusammen.
Ein kleines Manko ist, dass die Perspektiven der Charaktere sich im Stil kaum unterscheiden. Deswegen war mir ziemlich lange nicht so richtig klar, wie jung Alyssas Bruder eigentlich ist.
Alles in allem kommt die machtlose Stimmung in einer apokalyptischen Situation hier voll zur Geltung. Einige Wendungen habe ich so nicht erwartet und es hat mich schon wirklich gefrustet, dass jeder Hoffnungsschimmer sich sofort wieder zerstreute. Ich dachte oft beim Lesen: „Wie bitte? Das kann er doch nicht so schreiben? Es muss doch alles gut werden!“

FAZIT:

Was will man mehr als Spannung, ein wichtiges gesellschaftliches, politisches Thema und ein durchdachtes Weltuntergangsszenario? Mich konnte die Geschichte wirklich fesseln, die Charaktere waren alle authentisch gezeichnet und ich konnte bei allen von ihnen mitfiebern, ob sie es nun schaffen oder nicht. Die bedrohliche Atmosphäre und die Abgründe sowie Chancen der Menschheit hat Shusterman super umgesetzt.
Ein Buch, welches den Wert unserer Ressource Wasser betont und in einem erschreckend realistischen Setting thematisiert. Schlimm ist es, dass diese Situation so unwahrscheinlich gar nicht ist und sich viel näher anfühlt, als es gut wäre. 
Für mich eine super Lektüre, die ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann. Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Fire & Frost – Von der Dunkelheit geliebt“ von Elly Blake

Meine lieben Leser,

nach einer kleinen Schreibpause auf dem Blog aus privaten Gründen, bekommt ihr heute endlich wieder einen neuen Beitrag zum Lesen. Den dritten und letzten Band von „Fire & Frost“ hatte ich mir direkt zum Release gekauft und seitdem kamen mir immer wieder andere Buchprojekte dazwischen, sodass ich ihn erst jetzt endlich lesen konnte. Ob das Finale mich mehr begeistern konnte als die letzten beiden Teile, werde ich euch im Folgenden erläutern.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Fire & Frost – Von der Dunkelheit geliebt
  • Autor: Elly Blake
  • Anzahl der Seiten: 446 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Romantasy

 

INHALT:

Nachdem Ruby, Arcus und Kai in Sudesien dem Gott Eurus gegenüberstanden, schmieden sie im dritten Band nun einen Plan, um das Böse aus der Welt zu vertreiben. Der Frostminax aus dem Frostthron wurde zerstört, doch Ruby trägt den Feuerminax aus dem Feuerthron in sich. Im zweiten Band erfuhr sie, dass sie die Tochter des Gittes Eurus ist und somit als Nightblood fähig ist, die Dunkelheit zu beherbergen und zu kontrollieren.
Am Anfang des dritten Bandes fahren Ruby und die anderen von Sudesien zurück nach Tempesien. Als sie dieses erreichen, müssen sie sich einer neuen unbekannten Bedrohung stellen – der blauen Legion. Diese Vereinigung hat in der Abwesenheit von Arcus das Frostkönigreich unter ihre Kontrolle gebracht.
Unsere Protagonisten beginnen, Tempesien von diesem Einfluss zu befreien, doch Ruby entschließt sich, in der Abtei mit Bruder Thistle über die jüngsten Entwicklungen zu sprechen und einen Weg zu diskutieren, auf dem sie dem Gott Eurus das Handwerk legen könnten. So erfährt die Truppe letztendlich von der Existenz einer Insel, auf der das Tor stehen soll, durch dessen Zerstörung Eurus die Minaxe und somit die Dunkelheit über die Welt senden möchte. Wo sich diese Insel befindet, gilt es nun zu erfahren. So kommt es, dass sie sich auf einer Seefahrt zu verschiedenen Adressen begeben, um mehr Informationen zu erhalten. Dabei folgen sie einer Vision, die Ruby hatte.

Im Verlauf der Handlung treffen die Charaktere auf alte Bekannte aus der Geschichte, es folgen ebenfalls einige Enthüllungen und spannende Ereignisse. Letztendlich wird die Insel erreicht und die große Schlacht um das Wohl der Welt beginnt. Ruby hat allerdings nicht nur physisch zu kämpfen, denn sie muss während der gesamten Reise immer wieder dem innewohnenden Minax widerstehen, der nach und nach mehr mit ihr verschmilzt, ihr Wesen verändert und sie an den Rand der Dunkelheit treibt. Als sie Eurus selbst in der Dunkelheit des Tores gegenübersteht, muss sie jeden Funken Selbstbeherrschung aufbringen, den sie in sich trägt und sogar noch mehr. Ihre einzige Stütze ist Arcus. Bleibt nur die Frage: Wird die Dunkelheit besiegt? Und wenn ja, zu welchem Preis?

SCHREIBSTIL:

Elly Blakes Stil ist immer noch leicht und gut lesbar, wenn es auch nicht die hohe literarische Sensation ist. Ich war überrascht, dass die Autorin vom ersten Band der Reihe bis zu diesem finalen Teil eine sprachliche Entwicklung durchgemacht hat. Tatsächlich hat sie viel weniger Längen in diesem Band gehabt als im zweiten Teil und die Sprache hat sich meiner Meinung nach in ihrer Bildhaftigkeit sehr verbessert. Was ich sehr begrüßt habe, war, dass die weit hergeholte Nähe zwischen Kai und Ruby nicht wirklich weiter ausgebaut wurde. Das hatte mich im zweiten Teil besonders gestört. Sehr gut dargestellt hat die Autorin Rubys Wesensveränderung und deren Zwiegespräche mit dem Minax.

FAZIT:

Der finale Band der Trilogie ist zusammengefasst sehr viel besser als der zweite Teil und weist im Vergleich zum ersten Band eine sichtbare Entwicklung auf. Ich finde, die Geschichte hat sich wahnsinnig komplex ausgeformt und für viele meiner Fragen, die ich mir nach dem Auftakt stellte, wurden auch Antworten gegeben.
Teilweise Längen haben die Spannung, die Ereignisse und die Wendungen nicht getrübt. Gerade kurz vor Ende spielten sich Dinge ab, die ich so nicht erwartet hatte und die mir das Herz brachen. Rubys Kampf mit der Dunkelheit war Dauerthema und hat mir sehr gut gefallen.
Der finale, dritte Band ist somit ein würdiger Abschluss einer Reihe, die sich weiterentwickelt hat und eine wirklich solide Romantasy-Geschichte präsentiert. Für Fans der Reihe ein absolutes Muss, da er mehr glänzen kann als der zweite Teil. Super Abendlektüre und empfehlenswert.

BEWERTUNG:❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge

Meine lieben Leser,

ging es euch auch so, wie den meisten anderen, denen ich erzählt habe, was ich aktuell lese? Habt ihr euch gewundert, warum ich freiwillig über den Tod lese? Ist doch ein ziemlich trauriges Thema – wieso tue ich mir das also an? Solche Fragen habe ich in den letzten Wochen oft gehört, wenn jemand mein Buch auf dem Tisch entdeckt hat.
Der Tod ist gerade heutzutage oft ein Tabuthema – zu schmerzhaft. Natürlich kann man frei darüber sprechen, aber eine wirkliche Auseinandersetzung oder ein Einbezug ins tägliche Leben ist in unserer Kultur verloren gegangen. Das habe ich stark an den ambivalenten Reaktionen meiner Mitmenschen gemerkt.

Ich hatte die tolle Gelegenheit dieses spannende Fachbuch zu lesen. Die Autorin C. Juliane Vieregge selbst hat auf Lovelybooks eine Leserunde zu diesem Buch veranstaltet und ich hatte das Glück, ein Rezensionsexemplar zu gewinnen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle, denn es hat sich mehr als gelohnt! Und besonders schön ist, dass die Autorin sogar eine Widmung im Rezensionsexemplar hinterlassen hat. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Lass uns über den Tod reden
  • Autor: C. Juliane Vieregge
  • Anzahl der Seiten: 301 Seiten
  • Verlag: Christoph Links Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (März 2019)
  • Genre: Fachbuch, Sachbuch

INHALT:

„Trauer ist nichts anderes als schmerzende Liebe.
Eine ganz reale Liebe.“

– Roland Kachler in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 132 –

In diesem Werk interviewt die Autorin Persönlichkeiten zu ihren Erfahrungen mit dem Tod. Dabei wird in verschiedenen Kapiteln der Tod in unterschiedlichen Rollen betrachtet, beispielsweise „Der Tod als Auftraggeber“ oder „Der Tod als Lehrmeister“. Jedes dieser Kapitel wird durch ein Essay der Autorin eingeleitet. Danach folgen die unterschiedlichen Geschichten der Interview-Partner. Diese sind keine typischen Prominenten, sondern echte Persönlichkeiten, wie beispielsweise Monika Erhardt-Lakomy, Ehefrau und Arbeitspartnerin des bekannten Komponisten Reinhard Lakomy oder Boris Palmer, Landtagsabgeordneter von Badem-Württemberg und Sohn des Politikers Helmut Palmer. Ich finde, das hat maßgeblich zur Qualität des Buches beigetragen.
Die Schicksale reichen von informativ bis tief berührend. Es werden unterschiedliche Facetten des Todes beleuchtet. Neben Tod der Eltern, Tod der eigenen Kinder oder Geschwister, werden auch Suizid, Unfälle und Holocaust thematisiert. Die Vielfalt der unterschiedlichen Ereignisse erschreckt, deckt die Endlichkeit des Lebens bis in jede noch so kleine Ecke auf, zeigt aber auch, welche Gemeinsamkeiten der Tod mit sich bringt und wie stark die Hinterbliebenen dadurch werden. Jede Geschichte ist eine ganz persönliche und zeigt einem sehr deutlich, wie sehr der Tod schmerzen kann. Auf der anderen Seite wird durch diese Schilderungen auch sehr stark deutlich, dass der Tod zum Leben nicht nur dazugehört, sondern dass er im Alltag sogar nötig ist, um den eigenen Weg manchmal in die richtige Richtung zu lenken. Das Werk von Vieregge entwickelt im Leser ein Verständnis für den allseits gesuchten Sinn des Todes.
Die unterschiedlichen Kapitel haben mich oft so stark berührt und ich konnte auch viele persönliche Parallelen ziehen, sodass ich die einzelnen Geschichten vor dem Weiterlesen erst einmal setzen lassen musste. Gleichzeitig war es tröstend und inspirierend, wie andere Menschen mit dem Tod umgehen. So banal es klingt, war es auch beruhigend, dass Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen und sonst so unverwundbar wirken, die gleichen Dinge erleben wie Du und Ich.

„Der Tod ist normal. Er betrifft alle. Er kann schlimm sein, aber er kann auch einfach sein.

– Ilse Rübsteck in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 203 –

Neben der angestoßenen Selbstreflektion wird hier auch der Blick für die anderen Schicksale geschärft.
Besonders faszinierend war auch, dass beim Lesen klar wurde, wie der Tod die Menschen zusammenbringt, obwohl er etwas so wichtiges nimmt. In den Interviews steckt so viel Wahrheit und so viel Schmerz – und trotzdem merkt man, wie heilsam es ist, sich wirklich eng mit der Thematik des Todes zu beschäftigen. Bei manchen Kapiteln fiel es mir schwer, es zu akzeptieren, dass solche schlimmen Geschehnisse tatsächlich Weichen stellen können. Doch das Buch schlägt einen guten Bogen vom Tod zum Leben und so versteht man immer mehr auf einer tieferen Ebene, was der Tod für die Menschen bedeutet und bewegt. Denn er ist nicht immer nur schlecht und schmerzhaft, er kann auch Erlösung und Erleichterung sein, beispielsweise, wenn sich jemand wünscht, zu gehen.

SCHREIBSTIL:

„Im Übrigen gibt es im Kapitalismus keine Zeit für die Toten oder für das Vergangene überhaupt. Kapitalismus lebt immer von der Gegenwart und von der Zukunft, die man zu Geld machen kann. Da ist kein Raum für den Tod.

– Roland Kachler in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 134 –

Neben der persönlichen Einleitung und der Essays der Autorin, glänzt das Buch „Lass uns über den Tod reden“ durch die unterschiedlichen Geschichten. Diese sind nicht im Interview-Stil geschrieben, sondern als fortlaufend erzählte Geschichte der jeweiligen Persönlichkeit. Vieregge hat es außerdem geschafft, dass den unterschiedlichen Personen ihr Sprachstil erhalten blieb. So hat man beim Lesen tatsächlich das Gefühl, mit der Person an einem Tisch zu sitzen, während man deren Schicksal erzählt bekommt. Bezeichnend dafür war eine Bemerkung meinerseits in der Leserunde, dass eine der Geschichten klang, als wenn man mit der Person zu einem Kaffee zusammensitzen würde. Die Autorin meldete sich zurück und meinte, dass es in diesem bestimmten Fall tatsächlich so gewesen war. Der individuelle Sprachstil macht die Schilderung jedes Einzelnen also sehr authentisch.
Ganz klar anerkennen muss man den Recherche-Aufwand – ich habe mich oft gefragt, wie Vieregge wohl auf die einzelnen Personen gekommen ist, um sie in das Buch einzubeziehen. Zudem ist der Zeitaufwand enorm. Bereits 2016 wurden einige der Interviews geführt.
Natürlich lässt sich dieses Fachbuch trotz der 300 Seiten nicht so schnell weglesen wie ein Roman, da der Inhalt so tief ist und wie bereits erwähnt, oft nachhallen muss. Für ein Fachbuch liest es sich trotzdem extrem gut und ist sehr lebensnah.
Am Ende jeder Geschichte wartet ein Bild der Persönlichkeit inklusive einer Kurzbiografie. Mir gefiel es besonders gut, dass dies nicht am Anfang der Geschichte passierte. So konnte man zunächst eine Verbindung zu den Gedanken der Person aufbauen, bevor man sie sehen konnte.

FAZIT:

„Unsere Kultur ist eine sehr moderne, die mit Reformation, dann mit Aufklärung und später mit Psychoanalyse (…) nicht nur den Tod, sondern auch die Toten aus dem Leben gedrängt hat. Beides ist ein ungeheurer Verlust.

– Roland Kachler in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 133 –

Ein wichtiges Werk, welches ein Thema aufgreift, das leider immer noch zu wenig besprochen wird. Ein Buch, bei dem man mitfühlt und für das eigene Leben lernen kann.
Neben den Gefühlen, die hier erzeugt werden, ist der informative Wert ganz groß hervorzuheben. Das Werk macht nachdenklich, aber auch große Hoffnung.
Das Buch kämpft für eine Renaissance einer Sterbekultur, die in unserer modernen, hektischen Zeit verloren gegangen ist. Aus meiner Sicht ein Buch, was man gelesen haben muss – weil es mit uns, dem Leben und eben mit dem Tod zu tun hat – und das betrifft uns immer, zu jeder Zeit. Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Heartless – Der Kuss der Diebin“ von Sara Wolf

Meine lieben Leser,

dieses Jahr ist anscheinend wirklich ein gutes Lesejahr. Ich kann mich kaum von den Seiten losreißen, um etwas anderes zu machen. 🙂
Ein Buch, welches schon seit geraumer Zeit bei mir herumliegt, ist „Heartless“ von Sara Wolf. Ich hatte es mir kurz nach Erscheinen gekauft, weil ich es vor Release schon auf meiner Wunschliste stehen hatte. Allerdings kam ich erst jetzt dazu, es wirklich zu schmökern. Und meinen Eindruck von diesem Stück Literatur möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten!

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Heartless – Der Kuss der Diebin (Band 1)
  • Autor: Sara Wolf
  • Anzahl der Seiten: 473 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch, Fantasy, Dystopie

INHALT:

In „Heartless“ treffen wir auf Zera, unsere Protagonistin. Wir lernen sie in einem dunklen Wald kennen und das Setting ist nicht nur düster, sondern auch brutal. Zera ist eine sogenannte Herzlose. Sie war einstmals ein Mensch, wurde aber getötet und durch eine Hexe wieder erweckt. Die Hexe Nightsinger besitzt Zeras Herz und hat somit die Kontrolle über sie. Wird man zum Herzlosen, verblassen die Erinnerungen an das Leben als Mensch; nur dunkel können einige wesentliche Dinge erinnert werden. Am Anfang der Geschichte erfahren wir, dass Zera mit der Hexe Nightsinger und anderen Herzlosen zusammenwohnt und es wird viel über die Welt an sich erklärt.
Dann bekommt Zera den Auftrag, den Kronprinzen zu töten, ihm sein Herz zu stehlen und somit auch ihn zu einem Herzlosen zu machen. Sie gibt sich als sogenannte Frühlingsbraut aus und wird als diese am Hofe dem Prinzen vorgestellt. Ihre Tarnung kann nur aufrecht erhalten werden, weil Lady Y´shennria als Adlige sie unterstützt. Sie gibt sich als Zeras Tante aus. Zera gewinnt nach und nach immer mehr die Aufmerksamkeit des Prinzen und sie lernt nicht nur ihn, sondern auch seinen Hofstaat und seine Freunde kennen. Hinter dem eitel geglaubten Prinzen verbirgt sich allerdings ein tiefsinniger Geist, der Zera zu gefallen scheint. Die beiden verlieben sich ineinander, stehen sich aber in vielerlei Hinsicht selbst im Weg. Vor allem Zera schwankt zwischen der Entscheidung, das menschliche Gefühl der Liebe zu genießen oder durch den Tod des Prinzen den Frieden zu bringen. Das Buch baut immer mehr Spannung auf, mit gelegentlichen Höhepunkten, um dann mit einem fiesen Cliffhanger zu enden.

SCHREIBSTIL:

Sara Wolf schreibt bildhaft, düster, melancholisch und an einigen Stellen auch brutal. Das passt zu dem Setting der ganzen Geschichte. Das Leseerlebnis war flüssig, das Lektorat gut. Mir hat vor allem der Einfallsreichtum von Sara Wolf gefallen. Das Werk hebt sich von den vielen Büchern dieses Genres in den letzten Jahren ab und kann mit einem einzigartigen Worldbuilding und einer spannenden Grundidee punkten.
Sara Wolf schafft es, alle Charaktere sehr lebendig zu zeichnen, auch die Nebenfiguren, von denen es einige gibt.

FAZIT:

Mit „Heartless“ hat mich mal wieder eine Autorin komplett abgeholt. Nicht nur die Charaktere sind authentisch und kaufe ich komplett ab, sondern auch diese einzigartige Welt und die Idee der Herzlosen ist endlich mal wieder etwas komplett anderes als der Einheitsbrei des Dystopie-/Fantasy-Genres.
Weit weg von einer typischen Liebesgeschichte, wird hier eine spannende, düstere und tiefsinnige Geschichte über Liebe, Freundschaft und politische/gesellschaftliche Verwirrungen erzählt.
Ein tolles Buch, was ich euch wärmstens empfehlen muss! Lesenswert!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe“ von Marieke Nijkamp

Hallo meine lieben Leser,

den Urlaub konnte ich wirklich gut für Lektüre nutzen. Eines der Bücher, die ich mir während des Sommerurlaubs auf den Nachttisch gelegt habe, war „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp. Das Buch wurde bereits 2016 in Originalsprache und 2017 in der Übersetzung bei uns hier in Deutschland verlegt. In diesem Jahr erschien nun eine neue Auflage mit einem neuen Cover. So wurde ich darauf aufmerksam und wollte mir unbedingt eine Meinung dazu bilden. Da das Buch das schwierige Thema eines Amoklaufs an einer Schule thematisiert, werde ich euch im Folgenden erläutern, was mich überzeugen konnte und was ich kritisch betrachtete.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: 54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
  • Autor: Marieke Nijkamp
  • Anzahl der Seiten: 327 Seiten
  • Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch, Drama, Roman

INHALT:

„Wir sind mehr als unsere Fehler. Wir sind mehr als das, was andere von uns erwarten. Daran muss ich glauben.“

Chris in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 119

Das Buch beginnt an einem normalen Tag in der Opportunity High. Die Schüler sind in der Aula versammelt, um der Begrüßungsrede für das neue Schuljahr Gehör zu schenken. Unter den Zuhörern sind auch die zwei Protagonistinnen Autumn und Sylv. Die beiden Mädchen verbindet eine Liebesbeziehung, die sie geheimhalten müssen.
Einige Schüler sind von der Begrüßungsrede freigestellt. Das betrifft beispielsweise das Sportteam der Schule, welches während der Rede mitten im Training steckt. Dort befindet sich die dritte Protagonistin Claire mit ihrem besten Freund Chris.
Zwei Schüler schwänzen die Rede. Tomás, als vierter Protagonist, ist mit seinem Kumpel Fareed in das Büro der Direktorin eingebrochen, um in den Schülerakten zu wühlen. Tomás ist der Bruder von Sylv und versucht etwas über Tyler Brown herauszufinden. Tyler ist der Bruder von Autumn. Er ist von der Schule gegangen und kehrt nun zurück. Sylv hat gegenüber Tomás erwähnt, dass sie Angst vor seiner Rückkehr hat. Tomás sucht nun also Hinweise in den Akten, was genau vorgefallen sein könnte.
Als die Begrüßungsrede endet, strömen die Schüler zu den Ausgängen. Diese sind jedoch verschlossen. Zunächst denken viele an einen Scherz. Als Tyler durch eine der Türen tritt, bemerken immer mehr Mitschüler, dass er bewaffnet ist. Unruhe verbreitet sich, danach unheimliche Stille. Spätestens nach den ersten, eiskalt geplanten Toten, haben alle verstanden, dass Tyler es ernst meint und nun die ganze Schülerschaft in der Aula in Lebensgefahr schwebt.

„Es ist einfacher zu sagen, wer ich nicht bin, als wer ich bin.
Wenn sowieso alle von mir erwarten, dass ich scheitere, ist es einfacher, gleich aufzugeben, als es weiter zu versuchen.
Der nächste Schuss haut mich fast um.“

Tomás in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 132

Im ersten Viertel des Buchs bleiben die Charaktere noch recht blass. Hier wird vor allem geschildert, was vor Beginn des Amoklaufs passiert. Zudem wird schon anfänglich auf die Vergangenheit der Protagonisten eingegangen. Hier fehlte es noch ziemlich an Tiefe. Durch die wenigen Seiten und vielen Perspektiven baute sich zunächst keine Bindung zu den Figuren auf und sie büßten so einiges an Authentizität ein. Vor allem traf das auf die Beweggründe von Tyler zu. Hier fehlte es mir zu Anfang des Buchs an Nachvollziehbarkeit. Das lag wahrscheinlich auch an den recht trockenen Schilderungen. Zusätzlich störte ich mich an einigen Logikfehlern in der Geschichte. Beispielsweise wird in einem Kapitel beschrieben, dass eine Tür sperrangelweit offen steht – in einem folgenden Kapitel wird dann aber erläutert, dass die Tür mit dem Fuß aufgestoßen wird. Zudem versuchen Charaktere, Hilfe zu holen, lassen aber ein Auto stehen, weil sie unter zu großem psychischen Druck stehen. Das war für mich störend und hat mich nach dem ersten Viertel des Buches sehr skeptisch zurückgelassen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt schon sehr sicher, dass das Buch mich nicht überzeugen wird. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass es mir am Anfang sehr schwer fiel, die Verbindungen zwischen den einzelnen Protagonisten herzustellen.

Neben der Hauptgeschichte, die eine sehr emotionale Problematik thematisiert, werden mehrere andere brisante Themen angesprochen. Zum Einen wäre da die lesbische Beziehung von Autumn und Sylv, welche geheim gehalten wird. Es wird kommuniziert, dass sie viel Ablehnung erfahren und sich nicht einmal trauen, Hand in Hand zu gehen. Bevor man die Hintergründe erfährt, kam mir diese Schilderung nicht mehr so zeitgemäß vor. Zugegebenermaßen wurde das Buch 2016 veröffentlicht und ich habe keine Ahnung, wie kritisch das Thema Homosexualität immer noch in Amerika betrachtet wird. Zum Glück wurden nachvollziehbare Motive für das Verhalten des Pärchens geliefert, die meine Überlegungen überflüssig machten. Dennoch war mir dieser Konflikt nicht wichtig genug für die Entwicklung der Geschichte und zu wenig ausgearbeitet. Dadurch war mir dieser Zweig der Geschichte etwas zu viel. Ich hätte mich gern mehr auf die Hauptgeschichte konzentriert, um dort mehr Emotionen zu spüren. Weitere Themen, die angesprochen wurden waren Alkoholismus, kranke/pflegebedürftige Verwandte, Vergewaltigung und die Suche nach einer eigenen Identität in der Pubertät. Mir persönlich war diese Ansammlung an Problematiken zu überladen. Es war nicht möglich, sich auf alle dieser Themen angemessen einzulassen. Das gaben die wenigen Seiten aber auch gar nicht her.

Ab Hälfte des Buches gewinnt es zunehmend an Ausdruckskraft, Spannung und Emotionalität. Hier nimmt die Geschichte mit einem Mal richtig Fahrt auf. Die Charaktere entwickeln Stärke und bekommen mehr Tiefe.
Hier war für mich der Wendepunkt in diesem Leseerlebnis. Ich konnte das Buch nach der Hälfte der Geschichte nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat nochmal alles aufgefahren und sich mehr auf die Hauptgeschichte fokussiert. Am Ende konzentriert sich das Geschehen auf einen Showdown, der einem nicht nur das Blut in den Adern gefrieren lässt, sondern wie versprochen dem Leser das Herz bricht.

SCHREIBSTIL:

„Wir werden uns über unsere Angst erheben. Wir werden heute hier heil rauskommen. Wir werden einen Weg finden.“

Claire in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 138-139

Die Geschichte um den Amoklauf wird aus vier Perspektiven geschildert. Abwechselnd werden die Ereignisse aus der Sicht der Protagonisten Claire, Autumn, Sylv und Tomás erzählt. Ich glaube, ich muss nicht besonders betonen, dass ich Perspektivwechsel als Element in einer Geschichte meistens nicht so toll finde. Erstaunlicherweise begegnen mir in den letzten Jahren sehr viele Werke, die genau diese Art der Erzählung nutzen. Auch in dem vorliegenden Roman ist der Wechsel gut gelungen. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass der Leser Informationen erhält, die er nur aus einer Perspektive heraus nicht bekommen hätte. Auch einen allwissenden Erzähler kann ich mir in dieser Geschichte nur schwerlich vorstellen. Von diesem Standpunkt aus kann ich sagen, dass mir der Perspektivwechsel hier wirklich gefallen hat und für die Wirkung und das Storytelling extrem wichtig war.

Die Übersetzung war leider nicht wirklich hochwertig. Neben Rechtschreib- gab es auch Grammatikfehler, wie bspw. Wortwiederholungen in aufeinanderfolgenden Sätzen. Leider mindert das immer sehr den Lesefluss, weswegen ich hier auf jeden Fall einen Punkt abziehen muss.

Zwischen den Kapiteln wurden immer wieder kleine Abbildungen eingebaut, die Social Media Posts oder SMS von Schülern zeigen, die keine Protagonisten sind. Dadurch wurde der Einblick in einzelne Schicksale erhöht. Teilweise erschreckend, aber auch berührend verfolgte man hier noch Nebenfiguren, die einem ans Herz wuchsen. Auch der Hass und Relativierung der Ereignisse wurde über dieses Element gezeigt. Hier hatte der Leser schon fast das Bedürfnis, dass sie bitte alle ruhig bleiben sollen und, dass sie nicht durch Hass die gleichen Dynamiken in Gang setzen, die bei Tyler zum Amoklauf führten.

Allgemein liest sich der Stil von Nijkamp gut. Kurze prägnante Sätze, anfänglich etwas trocken, im Verlauf immer emotionaler bilden den Grundtenor des Buches. An sich ein flüssig und schnell zu lesender Schreibstil, wenn man die Abstriche in der Übersetzung außer Acht lässt.

FAZIT:

„Die Welt besteht aus Veränderung. Aber solange du deine Erinnerungen wertschätzt und unterwegs immer wieder neue sammelst, ist es gleich.
Du wirst immer ein Zuhause haben.“

Sylv in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 295

Von einem Buch mit einem so sensiblen Thema wie dem eines Amoklaufs, erwarte ich auch eine sensible und vor allem tiefgreifende Auseinandersetzung mit diesem Sujet. Tatsächlich habe ich gehofft, dass beim Leser ein Gewissenskonflikt hervorgerufen wird, indem man den Amokläufer so authentisch und emotional beschreibt, dass man sich selbst vielleicht ertappt, seine Motivation nachvollziehen zu können. Hier hat der Klappentext die Messlatte bereits sehr hoch angesetzt, indem er verspricht „Dieser Roman lässt seine Leser mit gebrochenem Herzen zurück.“.
Der Gewissenskonflikt wurde nicht so erreicht, wie ich es erwartet hatte. Zumindest konzentrierte sich das Buch ab der Hälfte mehr auf Tiefe und Emotionalität sowie auf die Hauptgeschichte. Die nebenbei behandelten Themen hatten meiner Meinung nach nicht genügend Raum.
Zusammenfassend ein Buch, welches nach der Hälfte Fahrt aufnimmt und dann durch emotionale Charaktere, Spannung und Tiefe überzeugt. Erschreckend beschrieben und berührend in jeder Nebenfigur. Wie der Klappentext versprach, ist mir am Ende das Herz gebrochen. Ein gutes Jugendbuch mit einem sehr brisanten Thema. Lesenswert!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Sieg über Narzissmus“ von JH Simon & Matthias Arnoldt

Hallo liebe Leser,

in meinem Urlaub las ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks endlich mal wieder ein Fachbuch. Es reiht sich damit in die vielen Bücher dieses Jahr ein, die mir helfen, mein Projekt 2019 zu erreichen – auch mal abseits meiner typischen Genres zu lesen. Warum interessierte ich mich gerade für dieses Fachbuch? Nun zuerst einmal hat mich interessiert, ob die für mich bisher unbekannten Autoren dieses doch sehr umfangreiche Thema in so einer kleinen Seitenanzahl unterbringen können. Außerdem habe ich selbst mit einem Narzissten (vor der Lektüre dachte ich noch, es wäre nur einer) in meiner näheren Umgebung zu tun und habe mir erhofft, mehr über das Thema zu erfahren. Ob das Buch meine Erwartungen erfüllen konnte und wie es mir gefallen hat, möchte ich euch gern etwas näher erläutern.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Sieg über Narzissmus – Narzisstischen Missbrauch erkennen – überwinden – heilen
  • Autor: JH Simon / Matthias Arnoldt
  • Anzahl der Seiten: 217 Seiten
  • Verlag: Self Published / vom Autor verlegt
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2019)
  • Genre: Fachbuch (Psychologie)

INHALT:

Das Buch der beiden Autoren führt den Leser auf eine Reise in die Tiefen des Themas Narzissmus. Den Anfang bildet eine Erklärung, wie man selbst den Narzissmus vielleicht durchschaut hat und was alles dahintersteckt. Es wird ein erster Einblick in die Persönlichkeiten der Narzissten und auch die Langzeitwirkungen von narzisstischen Beziehungen gegeben, bevor als Grundlage der weiteren Kapitel eine umfassende Erläuterung erfolgt, wie Narzissmus funktioniert und warum es so schwer ist, aus dieser Dynamik zu entfliehen.
Im weiteren Verlauf wird auf das menschliche Schamgefühl eingegangen, welchem eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Narzissmus beikommt. Hierbei wird vor allem auf die toxische Scham eingegangen, die dabei ensteht.
Während dieser Einblicke in die psychologische Funktion der narzisstischen Beziehungen werden immer wieder Beispiele für narzisstische Persönlichkeiten gegeben und immer tiefer auch auf deren Beweggründe und den Kern dieses Problems eingegangen. Narzisst und Zielperson werden letztendlich in zwei Kapiteln gegenübergestellt, um deren Zusammenspiel besser verstehen zu lernen. Das Kennenlernen der Zielperson ist dabei ein Kennenlernen mit sich selbst, falls der Leser selbst Erfahrungen mit narzisstischen Beziehungen vorweisen kann. Vor allem Empathen haben häufig und wiederkehrend mit diesen Persönlichkeiten zu tun. Das Verständnis um die eigene Persönlichkeit und deren Anziehung auf einen Narzissten, genauso wie die Einsicht, welche Dynamiken man selbst in Gang setzt, ist der erste Schritt der Selbstreflektion für einen Ausbruch aus solchen Beziehungsstrukturen.
Schließlich widmet sich das Fachbuch der Frage, wie der Ausbruch gelingen kann. Hier werden nicht nur die Hindernisse auf diesem Weg erläutert – frei nach dem Motto: „Kenne deinen Feind.“, sondern auch erklärt, wie man eine umgekehrte Gehirnwäsche beginnen kann. Dazu werden sieben Übungen ausführlich erläutert, die nach und nach bei der Loslösung von einem Narzissten helfen sollen. Empfohlen wird, diese Übungen chronologisch anzugehen und die nächste Übung erst zu beginnen, wenn die vorhergehende abgeschlossen wurde.
Nach den Übungen wird man von den Autoren aber nicht sofort aus dem Buch entlassen. Es folgt ein Ausblick, welche Schwierigkeiten auch in Zukunft auf einen zukommen können und wie der neue Anfang sich gestalten kann. Der Abschluss wirkt hoffnungsvoll und motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen.

SCHREIBSTIL:

Das vorliegende Werk ist ein gut recherchiertes Fachbuch, was durch den teilweise umgangssprachlichen Sprachstil auch als Sachbuch durchgehen könnte. Die Fachtermini werden immer wieder durch gebräuchliche Redewendungen und zuweilen sehr roh formulierte Metaphern aufgelockert. Manchmal wirkte dieser Twist des Sprachstils etwas befremdlich, allerdings denke ich, dass diese Abwechslung dem ganzen Thema auch gut getan hat. Vor allem denke ich aber, dass Narzissmus durch seine Verschleierungstaktiken vielleicht auch besser in dieser herben Art beim Namen genannt werden sollte. Denn allzu oft ist der Betroffene in diesen Dynamiken so gefangen, dass er sich nicht daraus befreien kann. Hier braucht es dieses mentale Ausrufezeichen, damit die Problematik wirklich ins Bewusstsein tritt.
Das Buch hat sich mit seinen gut 200 Seiten länger gelesen als andere Bücher, was den fachspezifischen Erklärungen zugrunde liegt. Das tut dem wichtigen Thema und der guten Darstellung allerdings keinen Abbruch, denn für ein Fachbuch hat sich der ganze Stil extrem gut gelesen.

FAZIT:

Das Buch ist gut recherchiert, hochinteressant und gut geschrieben. Narzissmus als Thema ist nicht nur spannend, sondern zuweilen auch befremdlich. Gerade die Langzeitwirkungen der narzisstischen Beziehungen und die unbewussten Dynamiken haben mich hier besonders fasziniert, aber auch erschreckt. Der persönliche Bezug machte das Buch für mich noch viel brisanter und aktueller. Ich erkannte Muster, die mir so gar nicht bewusst waren und mir wurde klar, dass da nicht nur ein einziger Narzisst in meinem Leben ist und war.
Das Buch hat also die Fähigkeit, Betroffenen in vielen Belangen die Augen für das zu öffnen, was bewusst nicht sichtbar ist. Zudem hilft es, ein Grundverständnis für das Thema zu erlangen und erste Werkzeuge im Kampf gegen den Narzissmus an die Hand zu bekommen. Ein durchdachtes Werk. Für alle empfehlenswert, die selbst Narzissmus in ihrer Umgebung vermuten und für Leser, die sich für Psychologie und Narzissmus interessieren. Eine klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Schönste im ganzen Land“ von Serena Valentino

Liebe Leser,

nach meinem letzten Beitrag zum Buch „Das Biest in ihm“, welches mich mehr als enttäuscht zurückließ, habe ich mich direkt dem nächsten Buch aus der Villians-Reihe von Disney gewidmet. „Die Schönste im ganzen Land“ ist tatsächlich sogar der erste Band dieser Reihe, die von Serena Valentino geschrieben wurde. Die ganze Reihe wurde generell sehr kontrovers diskutiert. Diese Bücher behandeln im Allgemeinen die Vorgeschichten der Bösewichte aus dem Disney-Universum. Vielleicht lag es auch daran, dass das Biest kein Bösewicht ist, dass mich das Buch nicht begeistern konnte. Nach diesem Reinfall möchte ich nun meinen Eindruck zum ersten Band mit euch teilen. Vielleicht erleben wir hier sogar eine Überraschung. 😉

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Schönste im ganzen Land
  • Autor: Serena Valentino / Disney
  • Anzahl der Seiten: 261 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Ausgabe : 1. Auflage (2019)
  • Genre: Märchen, Fantasy

INHALT:

Im ersten Eindruck fällt direkt auf, dass der erste Band der Disney-Villians-Reihe etwas dicker ist als „Das Biest in ihm“. Hier habe ich mir von den 50 Seiten mehr auch mehr Inhalt und mehr Tiefe versprochen.

Tatsächlich verdient dieses Buch tatsächlich das Prädikat „Vorgeschichte“, soviel kann ich direkt vorweg nehmen. Die große Enttäuschung wie beim letzten Mal bleibt also diesbezüglich schon mal aus.

Das Buch steigt zum Zeitpunkt der Hochzeit der (später bösen) Königin und des Königs ein, der Schneewittchens Vater ist. Damals schon galt die neue Königin als unfassbar schön, im Gegensatz zur späteren Persönlichkeit, war sie aber auch sehr liebevoll. Sie liebte das Kind des Königs wie ihr eigenes. Das Buch berichtet über eine tiefe Liebe zwischen dem Paar, von einem sehr kleinen Selbstbewusstsein der Königin, die ihr Leben lang von ihrem Vater klein gehalten wurde und damit einhergehend ein Gefühl der Unterlegenheit gegenüber der früheren Königin, Schneewittchens Mutter.
Genau diese verstorbene Königin ist es aber, die durch ihren Nachlass ein Band der Liebe zwischen dem kleinen Schneewittchen und ihrer Stiefmutter knüpft. Schon fast rührend ist die Verbindung der beiden Frauen. Auch die Beziehung zu den Bediensteten des Schlosses wird erläutert, vor allem aber die Bindung zu Verona – der treuen Begleiterin der Königin.
Eine Wendung erlebt die Geschichte, als die Königin einen Spiegel als Geschenk erhält, der das längst vergessene Bild ihres Vaters enthält, dem allseits im Land bekannten Spiegelmacher.
Nachdem der König im Kampf verstirbt, stürzt der Spiegel die Königin in ihrer verzweifelten Suche nach Halt und Anerkennung in die Dunkelheit und verdirbt sie immer weiter, bis sie zu der bösen Königin wird, die wir aus dem klassischen Disney-Original kennen.

SCHREIBSTIL:

Der Stil von Valentino ist in diesem Buch wieder gut zu lesen und durch den einfachen Stil perfekt als Abendlektüre geeignet. Dennoch komme ich nicht umhin, zu betonen, dass der Unterschied zu „Das Biest in ihm“ frappierend ist. In „Die Schönste im ganzen Land“ ist der Schreibstil um einiges ausgereifter, macht viel mehr Sinn und man merkt deutlich, dass die Autorin hier Herzblut in die Geschichte gesteckt hat, die sich schlüssig in das Bild des Disney-Klassikers einfügt.
Weder wird hier die Verbindung zu anderen Klassikern erzwungen, noch wird ein neues Schneewittchen geschrieben – auch die Tiefe und psychologische Feinheit ist dieses Mal vorhanden. Toll!

FAZIT:

Auch hier muss ich zunächst erstmal wieder ein dickes Lob für die tolle Cover-Gestaltung aussprechen.
Dieses Mal hat Serena Valentino alles an Potential genutzt, was die Idee der Vorgeschichte hergab. Mich hat die innige Beziehung zwischen Schneewittchen und ihrer Stiefmutter ehrlich berührt. Auch die Zerrissenheit der Königin in Bezug auf ihr Selbstbild war abwechslungsreich und spannend dargestellt.
Einzig das Ende war nicht so mein Fall, dennoch aber in einem Rahmen umgesetzt, der es gut machte. Letztlich bleibt nur zu sagen, dass diese Vorgeschichte super mit dem Original zusammenfügt und die böse Königin auf einmal gar nicht mehr so böse erscheinen lässt, sondern sogar erschreckend menschlich.
Interessant, vor allem für alle Disney-Fans, die mehr über die böse Königin erfahren möchten. Lesenswert und deshalb eine klare Empfehlung von mir!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

 

Rezension – „Das Biest in ihm“ von Serena Valentino

Hallo meine lieben Leser,

wie sehr hatte ich mich auf die zwei frisch erschienenen Bücher aus dem Hause Disney gefreut! Während die Vorgeschichten einiger Disney-Figuren im englischen Sprachraum bereits vor Jahren erhältlich waren, wurden zwei der fünf Geschichten nun auch für den deutschen Sprachraum übersetzt. Da musste ich mir natürlich gleich mal vorbestellen, was da so frisch eintrudeln sollte. Zuerst gelesen habe ich „Das Biest in ihm“, weil „Die Schöne und das Biest“ schon als Kind zu meinen Lieblingsfilmen von Disney gehörte. Meinen Eindruck zum Buch der Vorgeschichte des Prinzen Adam alias „das Biest“ werde ich nun mit euch teilen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Das Biest in ihm
  • Autor: Serena Valentino / Disney
  • Anzahl der Seiten: 214 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Ausgabe : 1. Auflage (2019)
  • Genre: Märchen, Fantasy

INHALT:

Das Buch verspricht laut Klappentext eine Geschichte, die erklären soll, wie aus dem schönen und eitlen Prinzen Adam das Biest aus dem uns bekannten Disney-Filmklassiker werden konnte. Uns wird der Einblick in Adams Sicht der Geschichte versprochen. Außerdem ist hier von einem „spannenden, psychologisch einfühlsamen Roman“ die Rede. Schon vor dem Lesen fand ich das ziemlich dick aufgetragen für ein Buch, was gerade mal gut 200 Seiten umfasst.

Die Geschichte beginnt mit dem in Gedanken versunkenen Biest und einer Erläuterung, dass an seiner Verwandlung ein Fluch Schuld sei. Anders als im Film allerdings, wird dieser Fluch nicht von einer einzelnen Zauberin ausgesprochen, sondern von drei Hexen. Die Zauberin aus dem Film ist hier die Schwester dieser drei Hexen. In Bezug zum Film könnte das eine schlüssige Ergänzung abgeben, die sich mit den Geschehnissen des Originals auch nicht beißt.
Weiterhin erfährt man, dass der Prinz und Gaston als Kinder und junge Männer Freunde waren, bis sich das Biest verwandelte und Gaston den Prinzen nicht wiedererkannte. Auch diese Sicht der Dinge fand ich zunächst einmal interessant und ließ für mich auch spannende Optionen für den Ausbau der Geschichte offen.
Einige Details fand ich sehr vielversprechend und ebenfalls sehr interessant für den weiteren Verlauf, beispielsweise dass das Biest das Schloss anders wahrnimmt als alle anderen und zwar noch grausamer, weil es für seine Eitelkeit und seinen hässlichen Charakter bestraft werden soll.
Die Möglichkeiten der teils guten Ansätze wurden von Valentino leider nicht ausgereizt. Die Handlung bleibt flach, ohne Tiefe und leider auch ohne die psychologische Einfühlsamkeit, die der Klappentext versprach.

Bevor ich nun weiter aushole – von einer Vorgeschichte erwarte ich mir, dass sie bisher nicht bekannte Fakten und Geschehnisse aufdeckt, die mit der originalen Geschichte zusammenpassen und diese unberührt lassen. Eine Vorgeschichte soll für mich Aha-Momente herbeiführen, sodass unklare Details aufgeklärt werden, über die man vorher vielleicht auch gar nicht nachgedacht hat. Leider muss ich schon an dieser Stelle zugeben, dass mich das Buch diesbezüglich mehr als enttäuscht hat.

Wie ich schon erwähnte, konnte ich mich mit einigen Ansätzen wirklich gut anfreunden. Leider gewann beim Lesen zunehmend das Gefühl die Oberhand, dass das Gelesene mit dem Original nicht wirklich zusammenpasst. Für mich bleibt beispielsweise nach wie vor unverständlich, warum im Film existierende Szenen wiedererzählt und gleichzeitig verändert werden.
Ein Beispiel:
Als Belle aus dem Schloss wegläuft und sich gegen die Wölfe im Wald zur Wehr setzen muss, wird sie im Film vom Biest gerettet. Hier merkt man im Original unterschwellig, dass dem Biest etwas an Belle liegen muss, da es ihr in den Wald folgt.
Im Buch wird nun dieselbe Szene erzählt, allerdings folgt das Biest Belle nur, weil es in einem Tobsucht-Anfall Belle töten möchte und zufällig durch die Wölfe abgelenkt wird. Nebenbei bemerkt, werden im Buch die Wölfe vom Biest blutig zerfetzt, was im Film auch nicht der Fall ist. Im Film fliehen die Wölfe vor dem übermächtigen Biest, nachdem sie einige Prankenhiebe eingesteckt haben, was – wie ich finde – auch realistischer ist. Kein Wolfsrudel würde bis zum Tod kämpfen, wenn es sich nicht für sie lohnt. Vielleicht bin ich da auch zu detailverliebt, ABER hier stellt sich für mich die Frage, wieso das meisterhafte Original abgeändert werden muss? Es ist weder ein Sinn für die Vorgeschichte dahinter erkennbar, noch bringt es irgendeinen anderen Mehrwert. Schade, denn das hat für mich die Psychologie des Originals kaputt gemacht.

Ein weiterer Punkt, der mir als Disney-Fan schwer im Magen liegt ist, dass man in den letzten Jahren ja schon immer wieder gesehen hat, dass die Marketing-Maschine ordentlich angekurbelt wurde – und das nicht unbedingt immer zu Gunsten der Qualität der Filme, aber das würde jetzt zu weit führen. Leider merkt man das auch an der ein oder anderen Stelle im Buch. Die Hexen schmieden hier immer böse Pläne, um dem Biest zu schaden – und ganz nebenbei werden immer mal wieder andere Disney-Figuren erwähnt – da wären Aschenputtel, die böse Königin aus Schneewittchen und Ursula aus Arielle, die hier einen besonders großen Gastauftritt bekommt. Der Bezug zu anderen Figuren aus dem Universum Disney ist eigentlich okay, denn im Internet gibt es ja mehrere Spekulationen über eventuelle Verwandschaften, jedoch wird mir in einem Werk mit so wenigen Seiten etwas zu oft auf andere Charaktere/Geschichten verwiesen. Auch hier gab es außer bei Ursula (wenn auch weit hergeholt) keinen schlüssigen Grund für die Erwähnungen, es wirkte meist eher erzwungen, als hätte man sich gedacht „Lass uns doch noch ein Produkt erwähnen“.

Leider werden auch bekannte Szenen aus dem Film zeitlich verdreht geschildert. Das hat für mich dann auch nicht gerade dazu beigetragen, dass die Handlung authentisch blieb. Auch das hatte keinen erkennbaren Hintergrund oder Sinn für die Vorgeschichte. Weiterhin: Belles Vater findet sich ganz verwirrt am Ende auf dem Hochzeitsball wieder und weiß anscheinend nicht, wie er da hingekommen ist. Im Film reitet er mit Belle zum Schloss, als sie von Tassilo befreit wurden. Diese Szene wird natürlich nicht beschrieben im Buch, aber dann hätte man den Vater am Ende auch nicht unbedingt erwähnen müssen.

Der Höhepunkt war für mich erreicht, als jede, aber auch wirklich jede Szene irgendwie unter dem Einfluss der Hexenschwestern zustande gekommen sein soll. Praktisch wurde jede Möglichkeit genutzt, aus dem Film bekannte Szenen irgendwie auf die Hexenschwestern zurückzuführen. Ein weiteres Beispiel: Im Film hält das Biest Gaston über einen Abgrund – seine Züge erweichen sich, weil er durch die Liebe zu Belle gelernt hat, was es heißt, gütig zu sein – er lässt Gnade walten und Gaston daraufhin herunter und schickt ihn fort. Im Buch sollen die Hexenschwestern dem Biest in diesem Moment eine Kindheitserinnerung an Gaston geschickt haben. Für mich völlig unnötig, diese Szene umzuschreiben – auch hier macht es für mich die Psychologie des Originals kaputt, ohne etwas Besseres zu liefern.

Leider hatte ich mir vom Inhalt wirklich neue Informationen zum Biest/Prinz erwartet und zu dessen Vorgeschichte. Die bekommt man auch im ersten Drittel des Buches, wobei man dort noch nicht wusste, wo das Buch mit einem hin will. Diese Vorgeschichte hätte man meiner Meinung nach gern mehr ausbauen können. Denn alles, was danach im Buch folgt, ist nur eine abgewandelte Wiedergabe der Geschehnisse aus dem Original, was für mich nichts in einer Vorgeschichte zu suchen hat. Leider war es somit für mich keine Vorgeschichte, sondern größtenteils ein neu erzähltes „Die Schöne und das Biest“. Genau das möchte ich eben NICHT lesen.

SCHREIBSTIL:

Der Stil von Valentino ist okay, es liest sich gut und leicht, aber es ist auch nichts literarisch weltbewegendes. Das ist aber auch nicht unbedingt der Anspruch bei einem Märchen, wie ich finde. Leider hat die Übersetzung gewisse Fehler gemacht: Herr von Unruh ist der Name des Dieners, der in eine Uhr verwandelt wurde. Warum gerade dieser Name nicht übersetzt wurde und er stets als „Cogsworth“ bezeichnet wird, kann ich mir nicht erklären und finde ich schade. Außerdem sind grammatische Fehler enthalten, wenn auch wenige. Allerdings denke ich, dass man von großen Namen wie Disney und Carlsen ein gutes Lektorat erwarten kann. Das hat den Eindruck des Buches zusätzlich geschmälert.

FAZIT:

Einen Pluspunkt muss man auf jeden Fall für die unglaublich schöne Cover-Gestaltung vergeben. Nicht nur das Biest auf der Vorderseite ist super getroffen, sondern auch der Prinz auf der Rückseite. Allgemein begeistert die düstere Gestaltung, da es die Geschichten erwachsen wirken lässt.
Die guten Ansätze, die für mich auch ein gewisses Potential hatten, bekommen von mir ebenfalls einen Daumen, allerdings wurden diese nicht genutzt. Sehr schade.
Ich bin der Meinung, wer im Klappentext so dick aufträgt, sollte dann auf den wenigen Seiten auch liefern. Leider war es für mich oft lieblos geschrieben, an den richtigen Stellen fehlte die Tiefe, an den falschen Stellen war sie vorhanden. Dem grandiosen Original wurde hier in vielen Punkten keine Rechnung getragen, sondern es wurde umgeschrieben, was ich leider nicht begrüße. Das Prädikat „Vorgeschichte“ wird leider nicht erfüllt und deswegen bin ich wenig begeistert und hochgradig enttäuscht von dieser Umsetzung. Hoffen wir, dass das nächste Werk von Valentino mehr glänzen kann.
Gute Ansätze, jedoch oft einfallslos und wenig neue Informationen. Für Disney-Fans auf jeden Fall KEIN Must-Read, sondern nur ein nice-to-have. Schade.

BEWERTUNG: ❤❤♡♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Erebos“ von Ursula Poznanski

Hallo liebe Leser,

schon vor einiger Zeit kam mit der Titel „Erebos“ bei Recherchen unter die Augen. Seitdem stand das Buch auf meiner Liste der Jugendbücher, die ich unbedingt noch lesen muss. Nicht zuletzt, weil das Buch so viele Auszeichungen wie den deutschen Jugendliteraturpreis bekam, hatte es meine Neugier geweckt. Vergleichsweise spät beschäftige ich mich nun also mit diesem hochgelobten Werk der Jugendliteratur.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Erebos
  • Autor: Ursula Poznanski
  • Anzahl der Seiten: 488 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag
  • Ausgabe : 7. Auflage (2011)
  • Genre: Jugendbuch

INHALT:

Der Protagonist Nick führt ein ziemlich normales Leben, bis er eigenartige Vorkommnisse an seiner Schule wahrnimmt. Immer mehr Schüler verhalten sich eigenartig oder fehlen gänzlich, verteilen untereinander ein mysteriöses Paket. Nick möchte herausfinden, was es damit auf sich hat, nicht zuletzt, weil einer seiner besten Freunde diesem unbekannten Paket anheim gefallen ist. Eine Mitschülerin erwählt Nick schließlich, ebenfalls das Corpus Delicti weiterzugeben. Er möchte unbedingt herausfinden, was es damit auf sich hat und die merkwürdigen Vorfälle an der Schule stoppen. Als er herausfindet, dass es sich um ein Computerspiel handelt, ist er zunächst verwundert, lässt sich davon aber mitziehen und verliert sich schließlich selbst in der Welt von Erebos. Das Spiel bezieht sich dabei nicht nur auf das virtuelle Fantasy-Abenteuer, sondern greift mit Aufträgen immer wieder in das reale Leben und den Schulalltag ein. Als diese Aufgaben immer gefährlicher werden und dadurch sogar Personen zu Schaden kommen, merkt auch Nick, dass hier etwas nicht stimmen kann. Während Nick aber selbst den Bezug zur Realität verliert, regt sich Widerstand unter ein paar Mitschülern, die versuchen die Hintergründe des Spiels und dessen verborgenes Ziel aufzudecken, um die Vorfälle an der Schule aufzuklären.
Als sie, später auch mit Nicks Unterstützung, immer tiefer in das Spiel eintauchen, finden sie immer mehr erschreckende Details, die auf ein schreckliches Verbrechen hinweisen. Beim Versuch, diese Straftat zu verhindern, kommt es zum finalen Showdown zwischen alles Beteiligten und dem Spiel selbst.

SCHREIBSTIL:

Ursula Poznanski schreibt „Erebos“ packend, teilweise aber auch mit einem trockenen Pragmatismus, der einen erahnen lässt, wie eine virtuelle Welt das eigene Leben derart vereinnahmen kann, dass man nicht nur sich selbst, sondern auch alles andere um sich herum vergisst. Stellenweise hat das Buch einige Längen, dennoch zeigt die Darstellung von Nick erstaunlich realitätsnah, welchen Einfluss das Spiel auf seinen Alltag hat. Gelegentliche Spannungsmomente unterbrechen den sonst recht gleichbleibenden Bogen der Geschichte, um dann im letzten Viertel nochmal richtig loszulegen und ein fulminantes Ende zu liefern.

FAZIT:

Poznanski hat es geschafft, ein Jugendbuch zu schreiben, welches ganz unterschwellig die Gefahren eines Computerspiels aufzeigt. Dabei ist es in keinem Fall anklagend, jedoch in hohem Maße zur Vorsicht ermahnend und dabei erschreckend realistisch. Der „Verfall“ des Protagonisten Nick durch das Spiel und die Auswirkungen auf die Realität, lassen aufhorchen und reißen Nick in eine Art Sog, den der Leser ebenfalls zu spüren scheint. Die teilweisen Längen konnte das Buch gut durch die aufregenden Momente und das spannungsgeladene, etwas unerwartete Ende wettmachen. Für mich völlig zurecht ein viel gelobtes Jugendbuch, welches ich mir gerade als Schullektüre sehr gut vorstellen kann, weil es ein interessantes Thema für Jugendliche thematisiert, dabei Diskussionsstoff liefert und zur Selbstreflektion animiert. Wer Jugendbücher mag, sollte dieses Werk unbedingt lesen! Klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI