Rezension – „Aves – Vögel – Charakterköpfe“ von Tom Krausz

Meine lieben Leser,

dieses Buch hat sich zwischen mein Frühjahrsputz-Bingo gemogelt und war eine schöne Abwechslung. Es sollte Vögel unserer Erde porträtieren und ich war gespannt auf die Umsetzung. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Aves | Vögel | Charakterköpfe
  • Autor/in: Tom Krausz / Elke Heidenreich / Urs Heinz Aerni
  • Anzahl der Seiten: 176 Seiten
  • Verlag: Dölling und Galitz Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Oktober 2020)
  • Genre: Sachbuch, Bildband

INHALT:

Dieses Buch umfasst 65 Porträts von einheimischen und ausländischen Vogelarten. Jeder Vogel wird in einem oder mehreren großformatigen Fotos dargestellt und in einem dazu passenden Text beschrieben. Die Fotoaufnahmen sind in Schwarz-Weiß. Die wichtigsten Eckdaten sind jeweils in einer Kopfzeile vorhanden. Unterteilt werden die jeweiligen Vögel in verschiedene Gruppen: Luftjäger, Wasserjäger, Aasfresser, Ansitz- und Lauerjäger, Laufjäger, Wassersucher, Baum- und Bodensammler, Baumsammler und Bodensammler.
In der Einleitung wird gut beschrieben, warum die Bilder „nur“ in Schwarz-Weiß dargestellt sind. Dies soll an frühere physiognomische Arbeiten erinnern und auch die Vergänglichkeit des Lebens auf der Erde betonen. Denn viele dieser Vogelarten sind bedroht und darauf soll aufmerksam gemacht werden.

SCHREIBSTIL:

Die Autoren schaffen es, dass selbst der unansehnlichste Vogel noch zum Sympathieträger wird. Einige Arten sehe ich nach der Lektüre mit anderen Augen, auch aufgrund der Porträtfotografie, die sich nur auf das Gesicht der Vögel konzentriert. Es ist fast, als würden diese Lebewesen tatsächlich ganz eigene Charaktere haben und die Bilder mannigfaltige Emotionen transportieren.
Ich hatte allerdings eher einen Sachbuchcharakter erwartet, weswegen ich sehr überrascht war, wie umgangssprachlich die Texte dann doch geschrieben waren. Auch, wenn der Leser oft erkennen kann, welchen Spaß die Autoren beim Schreiben der Erläuterungen hatten, erinnerte mich die schriftlich Komponente in diesem Buch mehr an Feuilleton denn an ein Sachbuch. Dazu kamen einige Hinweise darauf, dass die Zeichen bzw. die vorgegebene Textlänge bei dem jeweiligen Abschnitt nicht mehr reichte und der Leser weitere Informationen bei den Autoren direkt erfragen sollte. Das fand ich nach mehrmaliger Anwendung etwas uncharmant. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich gut unterhalten und habe die Lektüre genossen.

FAZIT:

Die Vögel in diesem Buch bekommen eine angemessene Würdigung, nicht zuletzt aufgrund der wunderschönen und großformatigen Fotografien, die vor Emotionen überquellen.
Die Texte hätten für mich zwar gern mehr Sachbuchcharakter haben können, aber es war trotzdem genug Information vorhanden, um mein Leserherz zufriedenzustellen. Auch Gedichte sind hier eingeflossen, was ich sehr gelungen fand.
Ein lesenswertes Buch über Vogelarten unserer Zeit, welches durch die wunderschönen Fotografien besticht und grundlegende Informationen zu den porträtierten Vögeln bietet. Eine gelungene Lektüre für zwischendurch.


BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♡♡
Unterhaltung: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♡♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 3,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Wald der verlorenen Schatten“ von Danbi Eo

Meine lieben Leser,

als hätte ich mit dem Frühjahrsputz-Bingo nicht schon genug zu tun … da mogelte sich dieses Büchlein noch mit rein. Als ich die Inhaltsangabe las, war ich sofort Feuer und Flamme. Wie es mir nun gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Wald der verlorenen Schatten
  • Autor/in: Danbi Eo
  • Übersetzer/in: Hyuk-Sook Kim / Manfred Selzer
  • Anzahl der Seiten: 248 Seiten
  • Verlag: Golkonda Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (26. Februar 2021)
  • Genre: Fantasy, asiatische Literatur

INHALT:

Hyoju erwartet nicht mehr viel vom Leben, als sie ihren Freund und ihren Job verliert. Ganz unerwartet erreicht sie ein Brief, dass sie die Haupttrauerne auf der Beerdigung ihrer Großmutter wäre. Diese Großmutter kannte Hyoju jedoch nie.
Sie fährt in das Heimatdorf ihrer Oma und wird direkt vor dem angrenzenden Wald gewarnt, in dem Menschen einfach verschwinden sollen.
Sie betritt ihn trotzdem und verliert ihren Schatten, weshalb sie den Wald und das Haus ihrer Großmutter nicht mehr verlassen kann.
Sie begibt sich auf die Suche nach ihrem Schatten und trifft nicht nur auf einen geheimnisvollen Mann im Wald, sondern auch viele andere mysteriöse Wesen, die ihr die Suche mehr oder weniger erleichtern.

SCHREIBSTIL:

Die Idee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen und ich hatte aufgrund des Settings und der asiatischen Autorin auf ein Ghibli-Film-Feeling gehofft. Die Bilder, die beim Lesen entstanden, waren auch sehr schön, aber leider wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.
Der Text umfasst nur fast 250 Seiten, aber zieht sich leider für mich sehr in die Länge, aufgrund der vielen Wiederholungen. Der Ausdruck in diesem Roman bietet leider wenig Abwechslung, da immer die gleichen Wörter oder Umschreibungen genutzt werden. Beispielsweise haben viele Dinge eine „alabasterne“ Farbe oder die Augenlider, Pupillen und die Iris zittern bei jeder Gelegenheit.
Auch die Dialoge zwischen den Personen sind wenig inhaltsreich und wiederholen oft immer die gleiche Aussage in verschiedenen Ausprägungen.
Für mich war das leider sehr künstlich in die Länge gezogen und schwerfällig.
Zudem war die Protagonistin mir bis zuletzt sehr unsympathisch, weil sie auch oft sehr unfreundlich war. Es gab einige wenige Charaktere, die mich begeistern konnten, ansonsten blieb auch der Rest recht farblos und ich hätte gern mehr über die Hintergründe erfahren. Für mich wurde sich zu sehr auf unwichtige oder alltägliche Details konzentriert, dafür aber nicht auf die Charaktere oder die Hintergrundinformationen.

FAZIT:

Für mich blieben leider zu viele Fragen offen, dazu kamen einige Logikfehler. Das Buch und ich haben leider nicht zusammengefunden.
Dennoch kann ich mir vorstellen, dass es Lesern gefallen könnte, die dem typisch asiatischen Schreibstil alà Haruki Murakami etwas abgewinnen können.
Ein Buch mit einer guten Grundidee, für mich jedoch mit schwacher Umsetzung. Stetige Wiederholungen von Wörtern und Phrasen haben für mich den Ausdruck der Geschichte geschmälert. Logikfehler und offene Fragen ließen mich leider unzufrieden zurück. Für Fans asiatischer Literatur eventuell zugänglicher als für mich.

BEWERTUNG: ♥♥♡♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♡♡
Emotionen: ♥♥♡♡♡
Fantasy: ♥♥♡♡♡
Charaktere: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♡♡♡

Gesamtwertung = 2,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Freundinnen – Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom / Theresa Donovan Brown

Meine lieben Leser,

dieses Sachbuch war ebenfalls Teil meines Frühjahrsputz-Bingos. Ich habe es vor einiger Zeit in einem Sale ergattert und seitdem lag es auf meinem SuB. Ich bin sehr froh, dass ich es im Rahmen des Bingos gelesen habe. Wie es mir gefallen hat, könnt ihr im Folgenden lesen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Freundinnen – eine Kulturgeschichte
  • Autor/in: Marilyn Yalom, Theresa Donovan Brown
  • Übersetzer/in: Liselotte Prugger
  • Anzahl der Seiten: 409 Seiten
  • Verlag: btb Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2017)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Dieses Sachbuch ist sehr umfangreich und gut strukturiert aufgebaut. In drei Teilen sowie vierzehn Kapiteln wird auf die Geschichte von Frauenfreundschaften eingegangen.

In Teil I wird der Fokus auf die Zeit gelegt, in der das Erscheinungsbild von Freundschaften noch männlich war. Denn es ist keineswegs so, dass Freundschaft immer beiden Geschlechtern zugestanden worden ist. Ausführlich wird auch auf die wenigen Erwähnungen von Frauenbeziehungen in der Bibel eingegangen. Besonders interessant war unter anderem, dass Jesus einer der wenigen Propheten war, der auch weibliche Jüngerinnen annahm. Umso interessanter dass zwei Jüngerinnen, die historisch nachgewiesen werden können, weder auf dem Abendmahl auftauchen, noch in dieser textlichen Ausführlichkeit wie die anderen Jünger. Dies sollte einen nicht verwundern, wurde die Bibel doch von Männern geschrieben.
Weiterhin wird darauf eingegangen, dass auch sehr bekannte Philosophen und Kleriker nicht davor gefeit waren, Freundschaften zwischen Frauen als nicht existent oder minderwertig zu betrachten.

In Teil II dreht sich dann alles um die Zeit, in der die Geschichte Frauenfreundschaften entdeckte. Es wird von Nonnen erzählt, die zunächst die einzigen Frauen mit Zugang zu Bildung waren und somit die einzigen Schriftstücke zurückließen, die Frauenfreundschaften und -beziehungen dokumentieren. Denn auch, wenn es immer noch Menschen gibt, die es abstreiten: Auch Liebesbeziehungen gleichgeschlechtlicher Natur gab es schon allseits in der Menschheitsgeschichte.
Letztlich wird darüber berichtet, wie sich die Frauenfreundschaften auch immer mehr Raum außerhalb der Klöster errangen. Diese Freundschaften existierten auch selten mit Männern, die aber sonst solche Beziehungen eher als Klatsch, denn als Seelenverwandtschaft abtaten.
Es wird außerdem auf die sogenannten Précieuses eingegangen, ein literarischer Kreis von Frauen im 17. Jahrhundert, die sich der Pflege der französischen Sprache und gesellschaftlicher Sitten verschrieben hatten.
Ebenfalls wird auf patriotische und romantische Freundschaften eingegangen. Alle diese Kapitel sind jeweils mit historischen Beispielen veranschaulicht, sodass der Leser auch die kurzen Biografien der Personen erfährt.
Die Bedeutsamkeit von Gebeten, Vereinen oder des Quiltknüpfens in den ersten amerikanischen Siedlungen für Frauenfreundschaften wird danach thematisiert. Die Verbundenheit, die durch solche Vereinigungen und gemeinsame Tätigkeiten entstand, bot den perfekten Rahmen für die Entstehung eines Austauschs und Verbindungen zwischen Frauen.
Schließlich widmet sich das Kapitel der Erstarkung der Frau an sich und somit auch ihrer Beziehungen, indem es auf Studentinnen, Stadtmädchen und „die neue Frau“ eingeht. Diese neue Frau hat endlich größeren Zugang zu Bildung und definiert sich dadurch auf ganz anderen Ebenen, wird selbstständiger und selbstbewusster.
Maßgeblich dazu beigetragen und für Frauen eingesetzt hat sich Eleanor Roosevelt. Ihrer Biografie und ihren Freunden wurde ein ganzes Kapitel gewidmet, um das Schaffen dieser Persönlichkeit nicht nur darzustellen, sondern zu ehren.
Die Entwicklung der Partnerschaft hin zu einer schwesterlichen Beziehung bildet schließlich den Abschluss des zweiten Teils.

TEIL III beschäftigt sich mit dem modernen 21. Jahrhundert und dem persönlichen Kontakt von Frauen zu ihren Freunden. Es wird auf die sogenannte Freundintimität eingegangen und auf das Geben und Nehmen in einer Freundschaft, die in einer Marktwirtschaft existiert. Auch auf die allseits gern gestellte Frage: „Können Männer und Frauen Freunde sein?“ wird in einem Kapitel eingegangen. Letzlich werden auch die modernen Kommunikationswege kurz beleuchtet.

Der Epilog bietet schlussendlich ein Resümee über die Frauenfreundschaften über alle Jahrhunderte hinweg, was davon bleibt und wir für unsere Beziehungen daraus lernen können.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist für ein Sachbuch sehr eingängig. Viele Kapitel lesen sich sehr schnell weg, andere wiederum sind etwas trockener, was auch den vielen politischen Rahmenbedingungen geschuldet ist, die erklärt werden müssen, um den Zusammenhang zu verstehen.
Die kleinen Biografien, die überall mit einfließen, haben mir sehr gut gefallen, da sie auf das Nötigste reduziert waren und einen guten Einblick geben konnten, ohne den Leser zu überfrachten.
Die Autorinnen schreiben mit sehr viel Leidenschaft, oft auch appellierend, aber niemals belehrend. Kritische Stellen werden sachlich beleuchtet, sodass sich der Leser selbst ein Bild machen kann.

FAZIT:

Dieses Buch ist wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn Frauenfreundschaften zeigen sehr deutlich, wie sich auch das Bild der einzelnen Frau über die Jahrhunderte gewandelt hat. Wie eng auch die Beziehungen von Frauen mit dem politischen und gesellschaftlichen Geschehen verwoben sind, war mir vorher nicht in dieser Fülle und Klarheit bewusst. An so manchen Stellen des Buchs hatte ich Aha-Momente und wurde beeindruckt, ja bin ich sogar stolz, was unsere Vorfahrinnen für uns erreicht und gegen welche Widerstände sie sich behauptet haben. Ebenfalls interessant war, wie schmal der Grad zwischen Freundschaft und romantischer Beziehung ist. Denn wie die unzähligen Beispiele im Buch zeigen, kann eine Freundschaft auch ohne sexuellen Einschlag mindestens so leidenschaftlich ablaufen, wie eine Liebesbeziehung. Ich frage mich auch, wie unsere Freundschaften wohl dokumentiert werden, da wir doch heutzutage keine Briefe mehr schreiben. Denn nur dadurch wurde uns dieses Erbe erhalten.
Ein wichtiges historisches Dokument der Frauenfreundschaften im Wandel der Zeit. Es bietet nicht nur viele biografische Beispiele bekannter Persönlichkeiten, sondern macht auch deutlich, welches Einfluss das politische und gesellschaftliche Geschehen auf Frauen und deren Beziehungen hat. Sehr interessant und lesenswert.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♡
Unterhaltung: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,0


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Geisterseher“ von Kai Meyer

Meine lieben Leser,

dieses Buch liegt schon seit einigen Jahren auf meinem SuB. Im Rahmen des Frühjahrsputz-Bingos 2021 habe ich es nun endlich erlöst und damit nicht nur den SuB abgebaut, sondern auch ein weiteres Buch für mein Leseprojekt gesammelt, in dem ich mir das Ziel gesetzt habe, das Gesamtwerk von Kai Meyer zu lesen.
Wie mir dieser historische Roman von Kai Meyer gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Geisterseher – Ein unheimlicher Roman aus dem klassischen Weimar
  • Autor/in: Kai Meyer
  • Anzahl der Seiten: 362 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag
  • Ausgabe: Taschenbuch (2017)
  • Genre: Historischer Roman, Historische Mystery

INHALT:

Dieses Buch von Kai Meyer entführt uns in das Weimar des frühen 19. Jahrhunderts.
Er schickt die Gebrüder Grimm auf eine undurchsichtige Reise. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm treffen dabei auf viele bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit.
Die Geschichte beginnt und sie finden sich zu Gast beim großen Geheimrat Goethe wieder. In seinem Auftrag suchen sie den schwer erkrankten Schiller und dessen Frau auf. Sie liefern eine Medizin zu dem im Sterben liegenden Dichter. Gleichzeitig sollen sie sein letztes Manuskript abholen und anschließend Goethe übergeben.
Auf dem Rückweg werden sie jedoch von einer dunklen Gestalt überfallen, das Manuskript kommt abhanden und sie setzen nun alles daran, es wiederzufinden.

Aufgrund des Klappentextes könnte der Leser meinen, dass die Suche nach dem Manuskript zum zentralen Element wird, jedoch ist dem nicht im Geringsten so. Das Manuskript taucht bald wieder auf und mit ihm jede Menge Fragen und eine große Verschwörung darum. Auf einmal sehen sich die Gebrüder Grimm mit verschiedensten Parteien konfrontiert, die es auf das Manuskript abgesehen haben.
Goethe und die ägyptische Geheimloge kämpfen genau so um dessen Besitz wie eine mysteriöse Gräfin und die Nachfahrin der Gräfin Cosel.
Das Manuskript soll nach Warschau in Sicherheit gebracht werden, doch dort geht ein Mörder um, der nur „Der Sandmann“ genannt wird. Außerdem verliebt sich Wilhelm Hals über Kopf in eine Reisegefährtin die für Jacob hexerische Fähigkeiten besitzt.
Und auf einmal steht nicht nur das Manuskript im Fokus, sondern auch die Brüder – die sich immer mehr gegeneinander wenden.

SCHREIBSTIL:

Die Geschehnisse werden von Wilhelm Grimm selbst erzählt. Während dieser eher emotional getrieben und ungestüm ist, stellt sein Bruder Jacob die schiere Vernunft und das rationale Handeln dar. Klar, dass es zwischen diesen beiden Charakteren krachen muss. So werden immer wieder kleine Streitereien zwischen den Brüdern eingebaut, was ich teilweise anstrengend, aber auch authentisch fand.
Die vielen bekannten Persönlichkeiten, wie Goethe, Schiller oder auch E.T.A. Hoffmann wurden meiner Meinung nach etwas inflationär eingebaut. Da es sehr viele solcher Charaktere gab, fand ich es leider etwas unglaubhaft, dass die Gebrüder Grimm ihnen tatsächlich allen begegnet sein könnten – geschweige denn, dass diese Persönlichkeiten alle dermaßen in ein mysteriöses Komplott verstrickt sein könnten.
Der Sprachstil an sich hat mir sehr gut gefallen, da Wilhelm sich eines Ausdrucks bedient, der für die damalige Zeit typisch ist. Leider konnte das für mich nicht über die Schwächen der Handlung hinwegtrösten, denn so richtig gepackt hat mich das Buch leider bis zum Ende hin nicht.
Trotz allem fand ich den historischen Rahmen sehr interessant, denn der Leser lernt auch einiges über die Städte oder Umgebungen, in denen die Gebrüder unterwegs sind. Auch in der Danksagung ist erkenntlich, dass Kai Meyer sehr viel Recherche betrieben hat, um diesen Rahmen der Geschichte zu schaffen.

FAZIT:

Die Idee des Buches hat mich direkt zum Lesen animiert, da ich die Märchen der Gebrüder Grimm sammle und mich dafür interessiere. Aus ihrer Sicht ein Abenteuer zu erleben, klang zunächst nach einem spannenden Einfall. Leider ruckelte es für mich in der Umsetzung. Die Handlung war undurchsichtig und für lange Zeit war kein übergeordnetes Ziel erkennbar, sodass der Leser keine Ahnung erhält, wo die Geschichte hinführen soll. Die Aufgaben, die von den beiden Brüdern erledigt werden sollen, finden schnell ihre Lösung, sodass ich mich beim Lesen öfter fragte: „Und was soll jetzt noch kommen?“. Nicht unbedingt erleichtert wird dieser Umstand durch die vielen Charaktere, die mal mehr, mal weniger Bewandtnis haben und teilweise sehr blass bleiben. Es fehlte mir an Struktur, es wurden so viele Elemente gemischt, dass mich beim Lesen oft der Eindruck überkam, den Überblick und letzendlich den Überblick zu verlieren. Punktuell war die Handlung immer wieder mal spannend, danach aber auch immer wieder mal recht zäh. Die Atmosphäre war durch einige unheimliche Momente recht düster, aber nicht angsteinflößend. Am Ende spannt sich zwar ein kleiner Bogen, aber die Auflösung bleibt unspektakulär und lässt Fragen offen, weshalb ich doch etwas enttäuscht zurückblieb.
Sprachlich wunderbar, aber zusammenhangslos und zerstückelt in der Handlung. Sehr viele, teils blasse Charaktere und zu viele gemixte Elemente wie bekannte Persönlichkeiten und Geheimlogen lassen schnell den Überblick verlieren. Das Potenzial wurde für mich nicht ausgenutzt. Eines der schwächeren Bücher von Kai Meyer für mich.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♡♡
Spannung / Gruselfaktor: ♥♥♥♡♡
Historischer Rahmen: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Meine lieben Leser,

das dritte Buch im Frühjahrsputz-Bingo war „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens. Seit 2019 liegt dieses Buch auf meinem ungelesenen Stapel. Es wurde hochgelobt und deswegen wagte ich mich mal wieder aus meiner Fantasy-Komfortzone und entschied mich für diesen Roman. Ob er mich ebenso überzeugen konnte, wie alle anderen, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Gesang der Flusskrebse
  • Autor/in: Delia Owens
  • Übersetzer/in: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
  • Anzahl der Seiten: 462 Seiten
  • Verlag: Hanserblau Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Kriminalroman, Bildungsroman, Mystery

INHALT:

Das Buch handelt von Kya, einem kleinen Mädchen, welches im Laufe der Geschichte zur Frau erwächst. Sie lebt anfangs mit ihrer Familie, später auf sich allein gestellt in den sogenannten Marschlanden, einer speziellen Form des Umlandes, bestehend aus Sandbänken, Wiesen, Flussläufen und sumpfähnlichen Strukturen. Kya wächst isoliert auf und lernt im Gegensatz zu anderen Kindern, mit der Natur zu leben. Sie kennt jeden Stein, jeden Vogel und jedes Insekt und sammelt leidenschaftlich gern Federn, Muscheln und was die Natur noch zu geben hat. Dafür lebt sie zurückgezogen, eine Ausgestoßene, die von den Bewohnern des Nachbarortes misstrauisch beäugt wird.
Sie bleibt ungebildet, bis sich ein Junge dazu entschließt, ihr das Lesen beizubringen. So öffnet sich für Kya eine ganz andere Welt. Diese wird jedoch jäh erschüttert, als im nahegelegene Örtchen Barkley Cove ein Mordfall geschieht. Ein junger Mann wird tot aufgefunden und die Schuld sehen die Dorfbewohner in dem Marschmädchen – in Kya.

SCHREIBSTIL:

Dieses Buch ist so dicht und so atmosphärisch geschrieben, dass es mir schwer fällt, es in Worte zu fassen. Der Leser begleitet Kya nicht nur durch ihr gesamtes Leben, sondern auch durch den ungerechten Ablauf der Kriminalgeschichte. Selten habe ich so mit einem Charakter mitgefiebert, weil die Autorin sie so authentisch und doch außergewöhnlich gezeichnet hat.
Ganz besonders herausragend sind in diesem Debüt die Beschreibungen der Natur. Kyas Expertise der Marschlande geht nach und nach auch auf den Leser über, der in ihren Möwen nach kurzer Zeit ebenfalls gute Freunde entdeckt und die Faszination für die unterschiedlichsten Lebensformen teilt.
Auch die Beziehungsgeflechte zwischen Kya und ihrer Familie sowie zu den zwei Männern in ihrem Leben werden mit einer Tiefe erzählt, die mir oft eine Gänsehaut bereitete. Bereitwillig folgte ich Kya auf ihren Erkundungstouren und Versteckspielen in der Marsch, beim Einkaufen im Örtchen oder bei Jumpin, ihrem Vertrauten und Vaterersatz und ich erlebte so gern mit ihr die erste Liebe, die unzähligen ersten Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg durch das Erwachsenwerden gemacht hat.

FAZIT:

Für mich ist jetzt völlig klar, wo die Begeisterung vieler Leser für dieses Buch herrührt. Es ist nicht nur sprachlich wunderschön geschrieben, sondern sehr eingängig, tiefsinnig und feinfühlig. Es hat auf mich einen richtigen Sog ausgeübt. Es ist eine Hommage an die Natur, an das Erwachsenwerden und an die Toleranz, die in diesen Tagen oft fehlt. Es lädt zum Reflektieren ein, wenn es zwischen den Zeilen Vorurteile anprangert und überrascht mit einigen Verläufen der Handlung. Was das Buch besonders macht, sind nicht nur die vielen Details, sondern auch die unfassbare Authentizität, mit der sie erzählt werden.
Für mich ganz großes Kino. Starke Bilder, wunderschöne Naturbeschreibungen, tiefe Gefühle und Kritik zu immer noch aktuellen Themen. Ein Buch mit Sog-Charakter. Wer es noch nicht gelesen hat, sollte das nachholen. Für mich ein absolutes Highlight!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♥
Emotionen: ♥♥♥♥♥
Kriminalfall: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Iron Flowers – Die Rebellinnen“ von Tracy Banghart

Meine lieben Leser,

das zweite Buch des Frühjahrsputz-Bingos ist nun also schon geschafft und ich möchte euch die Rezension dazu natürlich nicht vorenthalten. Die zwei Bände von „Iron Flowers“ haben den Weg vor einigen Jahren durch ein Gewinnspiel zu mir gefunden. Endlich konnte ich den ersten Band vom SuB befreien. Ob sich das gelohnt hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Iron Flowers – Die Rebellinnen
  • Autor/in: Tracy Banghart
  • Übersetzer/in: Anna Julia Strüh
  • Anzahl der Seiten: 380 Seiten
  • Verlag: Fischer Sauerländer Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2018)
  • Genre: Dystopie

INHALT:

Das Buch „Iron Flowers – Die Rebellinnen“ handelt von den beiden Schwestern Nomi und Serina. Serina wurde ihr Leben lang dazu ausgebildet, eine Grace des Regenten zu werden, während Nomi die Rolle ihrer Zofe einnehmen sollte. Jedes Mädchen im Land hat theoretisch die Chance, eine Grace zu werden. Wichtig sind gefälliges Aussehen und bestimmte Begabungen wie Harfe spielen oder die Unterhaltung von hochrangigen Regierungsmitgliedern.
Die aktuellen Graces werden in einer Art Ausscheid bestimmt. Nachdem Serina in ihrer Region ausgewählt wurde, wird sie zum Ausscheid im Palast eingeladen. Das Besondere: Dieses Jahr werden die Graces nicht für den Regenten, sondern für den Thronfolger ausgewählt. Zu diesem Ereignis fahren Nomi und Serina gemeinsam. Während Nomi auf ihre Schwester wartet, sucht sie die Toilette und begegnet zufällig dem Thronfolger und seinem Bruder.
Als schließlich Nomi anstatt Serina als Grace gewählt wird, ist nicht nur die Verwirrung und Verzweiflung groß, sondern auch die Empörung der anderen Teilnehmerinnen. Serina wird nun die Rolle der Zofe einnehmen.
Zu sagen bleibt, dass in der Gesellschaft, die im Buch beschrieben wird, die Frauen eine niedere Stellung bekleiden. Sie dürfen nicht aufmüpfig werden, werden verheiratet und dürfen nicht lesen lernen. Gleichgeschlechtliche Liebe ist verboten. Wer dem nicht gehorcht, wird bestraft.
Da Nomi lesen kann, geht sie ein großes Risiko ein, als sie ein Buch aus der königlichen Bibliothek an sich nimmt. Serina und Nomi kennen das Buch. Serina kann zwar nicht lesen, aber rezitiert aus dem Buch und wird erwischt. Hier beginnt die eigentliche Handlung des Buches.
Serina wird auf die Frauengefängnisinsel gebracht und Nomi muss sich im Palast als Grace behaupten.

Welche Rolle der Thronfolger und sein Bruder in der ganzen Geschichte spielen, wie es beiden ergeht und wie stark ihr Zusammenhalt als Schwestern ist, dürft ihr gern selbst lesen.

SCHREIBSTIL:

Die Geschichte wird abwechselnd aus Nomis und Serinas Sicht erzählt. Mit Nomi erlebt der Leser das ganze Ausmaß der unsinnigen Regeln für Graces und lernt sowohl den Thronfolger als auch seinen Bruder kennen.
Aus Serinas Sicht wird man auf die Gefängnisinsel gebracht und muss sich unter unmenschlichen Bedingungen behaupten, ja gar bis zum Tode kämpfen.
Mir hat besonders dieser Wechsel der Szenarien gefallen und wie die Autorin sie umsetzte. Ganz entgegen meiner Erwartungen entwickelte sich die Geschichte oft in eine andere Richtung, als ich es mir vorgestellt hatte.
Der Schreibstil ist sehr klar, liest sich schnell und erzeugt fast durchgehend eine leichte Spannung. Der Fokus ist hier vor allem auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Politik sowie die Schwesternliebe gelegt, was ich als sehr angenehm empfand.

FAZIT:

Aufgrund des Thronfolgers und seines Bruders hatte ich eine platte Dreiecksgeschichte erwartet, aber ich wurde überrascht. Zwar hat die Geschichte typische moderne Elemente einer Dystopie, wie beispielsweise den Palast und den Ausscheid sowie den Überlebenskampf auf der Insel, jedoch hat die Autorin das mit einem ganz eigenen Charme umgesetzt. Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne heroische Heldin, sondern zwei Schwestern die auf ganz eigene Weise um ihre eigene Freiheit und die Freiheit aller Frauen im Land kämpfen. In der Geschichte gab es einige Wendungen, die ich nicht vorhersehen konnte und die mich sprachlos zurückließen. Zwar hatte ich auch mal kleinere Vorahnungen, habe diese aber oft wieder verworfen aufgrund des Verlaufs der Geschichte. Das Buch hat mich gut unterhalten und teilweise war es eine Mischung aus Panem und Selection, jedoch mit einem recht asiatischen Einschlag von den gesellschaftlichen Strukturen her und einer ganz individuellen Note.
Eine wirklich gute und zeitgemäße Dystopie über Frauenrechte, Schwesternliebe und politische Intrigen. Die Geschichte konnte mich super unterhalten, auch wenn einige Fragen offen blieben und das Worldbuilding gern detaillierter hätte sein können. Lesenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Dystopischer Rahmen: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 4,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Erebos 2“ von Ursula Poznanski

Meine lieben Leser,

im Rahmen des Frühjahrsputz-Bingos 2021 habe ich als erstes Buch „Erebos 2“ von Ursula Poznanski gelesen.
Das Buch lag bereits seit 2019 auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und ich habe es durch diese SuB-Abbau-Aktion endlich erlöst.
Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Erebos 2
  • Autor/in: Ursula Poznanski
  • Anzahl der Seiten: 512 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag
  • Ausgabe: Limitierte Auflage (2019)
  • Genre: Thriller

INHALT:

Nick, der im ersten Teil bereits mit dem Spiel Erebos zu kämpfen hatte, arbeitet mittlerweile als Fotograf, um sich sein Studium zu finanzieren. Es sind also schon viele Jahre vergangen seit den Ereignissen in Band 1. Auf einmal sieht Nick sich jedoch erneut Erebos gegenüber, als es sich ungefragt auf dem Handy und dem PC installiert und ihn so nun auf Schritt und Tritt überwacht. Doch welches Ziel steht dieses Mal hinter der Software? Wer ist der Drahtzieher?
Nick muss unbedingt Kontakt zu den anderen Spielern des ersten Teils aufnehmen. Allein ist er Erebos 2 nicht gewachsen, denn die Regeln des ersten Teils gelten nicht mehr. Die Spieler können nicht mehr aussteigen.

SCHREIBSTIL:

Das Buch hat sich ganz im Stil Poznanskis flüssig und gut gelesen. Es war sehr spannend, auch wenn es zuweilen durch kleinere Längen an Tempo verlor. Die Geschichte und die Charaktere haben mir gut gefallen, weil sie lebendig waren und ich wirklich wissen wollte, wie es weitergeht.
Die Längen ergaben sich vor allem durch viele Schilderungen der Spielwelt, also in Erebos selbst. Unzählige Kämpfe, Missionen und Begegnungen, die auch im Nachgang nicht wirklich viel zur Handlung beigetragen haben. Mir fehlten wirklich sichtbare Spuren oder Hinweise, die die Spieler schlussendlich auf den Drahtzieher brachten. Natürlich wurde das am Ende aufgelöst, aber das erklärte nicht alles, was im Spiel vorkam und wirkte auch etwas willkürlich.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus zwei Perspektiven erzählt – aus Nicks Perspektive und aus Dereks Perspektive. Während Nick den Part des erfahrenen Spielers einnimmt, der den Drahtzieher hinter dem zweiten Teil ausmachen will, erfüllt Derek die Rolle des neuen Spielers, der in dem Spiel Zuflucht und Anerkennung findet.

FAZIT:

Das Buch hat sich alles in allem gut und spannend gelesen und ich war sehr auf die Auflösung am Ende gespannt. Jedoch störten mich neben den Längen ein paar Sachen. Einerseits machte es für mich nach der Auflösung wenig Sinn, warum das Spiel reaktiviert wurde – die Person, die dahintersteckte fand ich auch etwas weit hergeholt. Auch, dass am Ende alle sozusagen nachvollziehen konnten, warum er es getan hatte und keiner der Beteiligten sauer war, konnte ich nicht verstehen. Immerhin hat eine Spielerin ihr Kind an das Jugendamt verloren und solche Sachen – da sollte man doch etwas mehr Emotionen erwarten.
Der andere Punkt, der mich unzufrieden zurück lässt ist der technische Hintergrund. Ich hatte auf eine Erklärung am Ende gehofft, die die Geschehnisse logisch und nachvollziehbar darstellt. Allerdings wurde der Leser hier mit wenigen Sätzen zurückgelassen, so ganz nach dem Motto: „Das war einfach so.“. Technisch gesehen ist diese Umsetzung allerdings mehr als unrealistisch, wenn man betrachtet, wer hinter dem ganzen am Ende steckte. Leider wirkt es so, als hätte die Autorin hier zu wenig im Bereich IT recherchiert. Da es ein realistisches und zeitgemäßes Setting hat, kann da auch leider kein Auge zugedrückt werden.
Spannend geschrieben, sympathische Charaktere, kleinere Längen – leider inhaltliche und Logikfehler. Das Ende und die Auflösung ließen mich eher unzufrieden zurück. Schade. Hatte mir etwas mehr erhofft.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♡♡
Spannung: ♥♥♥♥♡
Logik / Rahmen: ♥♥♡♡♡
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Wir müssen reden, Frau Doktor!“ von Dr. med. Yael Adler

Meine lieben Leser,

kennt ihr das auch, wenn Ärzte sich nicht immer so verhalten, wie ihr es von ihnen erwartet? Ich selbst habe eine wahre Ärzte-Odyssee hinter mir durch meine Histaminintoleranz und weiß, dass es gute und schlechte Ärzte gibt. Wie wichtig eine gute Beziehung zwischen Arzt und Patient ist, erläutert Dr. med. Yael Adler in ihrem Ratgeber „Wir müssen reden, Frau Doktor!“. Ich hatte das große Glück, dass ich ein Rezensionsexemplar bei Lovelybooks gewonnen habe und werde euch im Folgenden berichten, ob das Buch mich überzeugen konnte.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Wir müssen reden, Frau Doktor! – Wie Ärzte ticken und was Patienten brauchen
  • Autor: Dr. med. Yael Adler
  • Übersetzer:
  • Anzahl der Seiten: 368 Seiten
  • Verlag: Droemer-Knaur Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (September 2020)
  • Genre: Ratgeber, Sachbuch, Medizin

INHALT:

Das Buch verspricht einen Überblick darüber, wie Ärzte ticken und was Patienten brauchen. Dabei soll die Wichtigkeit einer gesunden Beziehung zwischen diesen beiden Parteien unterstrichen werden.

In 16 Kapiteln plus Einleitung und Nachwort berichtet die Autorin nicht nur über Ärzte- und Patienten-Klischees, sondern auch über die Grundlagen unseres Gesundheitssystems und Kommunikation. Außerdem werden exemplarisch Probleme dargestellt, die in dieser Beziehung auftauchen können sowie Tipps für beide Seiten gegeben, um die Kommunikation und Beziehung zu verbessern.

Oft werden Anekdoten erzählt, die die Autorin entweder selbst erlebt oder von anderen Ärzten oder Patienten erzählt bekommen hat. Das macht die Erklärungen gut nachvollziehbar und lebhaft.

Bei den beschriebenen Klischees hätte ich mir gewünscht, dass diese nicht nur auf den Erfahrungen der Autorin selbst beruhen, sondern in Umfragen o.ä. erhoben worden wären. So ist es nur ein Auszug einer einzelnen Meinung und ich habe oft gedacht, dass ich diese Arzt-Typen gar nicht kenne bzw. ich die Ärzte, die ich erlebt habe gar nicht in diesem Buch repräsentiert finde. So ging es mir teilweise auch mit den Krankheiten oder mit den Schilderungen von Problemen. Natürlich kann nicht von allen existierenden Krankheiten gesprochen werden, das würde den Rahmen sprengen, aber ich hätte mir zumindest bei der Schilderung der Krisen der Beziehung zwischen Arzt und Patient gewünscht, dass ich mich dort wiederfinde. Die Probleme, die für mich existieren, wurden dort nicht wirklich abgedeckt, was ich sehr schade fand.

Ebenfalls auffällig waren die oft abwertenden und negativen Äußerungen über alternative Heilmethoden. Natürlich sollten Patienten vor Abzocke geschützt werden, aber ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Offenheit gegenüber Methoden wie ganzheitlicher Osteopathie oder Homöopathie nicht vorhanden war. Dabei weist die Autorin selbst auf einen Zusammenhang zwischen Körper und Geist hin und darauf, dass diese beiden Einheiten nicht getrennt betrachtet werden sollten. Genau diese Einstellung haben viele alternative Heilmethoden und ich kann sagen, dass mir das zehnmal mehr gebracht hat, als ein Schulmediziner, der wirklich NUR den Körper betrachtet. Oder manchmal auch NUR die Psyche, wenn sie körperlich auf den ersten Blick keine Ursache finden konnten.

Mir hat gut gefallen, dass die Autorin darauf aufmerksam macht, dass heutzutage nur Symptome behandelt werden und nicht nach Ursachen geforscht wird. Diesem Problem stehe ich momentan auch gegenüber und auch dort waren die alternativen Methoden eine größere Unterstützung als alle Schulmediziner, bei denen ich bereits war. 

Auch die Nutzung von Social Media im medizinischen Kontext wird für mich gefühlt im eher negativen Licht gezeigt, obwohl ich aus meiner Erfahrung sagen kann, dass gerade bei sehr seltenen Diagnosen der Austausch über solche Medien unabdingbar geworden ist, weil die Ärzte als Ansprechpartner oft einfach inkompetent sind und man sich auf die Erfahrungen von anderen Betroffenen verlassen muss, um seinen eigenen Weg zu finden. Da hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.

SCHREIBSTIL:

Dr. med. Yael Adler schreibt zugänglich und leicht, der Lesefluss ist stets gegeben. Das Buch ist auch für Laien sehr gut verständlich und liest sich auch als Abendlektüre sehr gut weg. Immer wieder wird in die Schilderungen etwas Humor eingebaut, bisweilen sogar Sarkasmus und Appelle.
Was mir leider nicht so gut gefallen hat, waren die redundanten Informationen. Es kam doch recht häufig vor, dass Dopplungen und Wiederholungen vorzufinden waren, was mir persönlich den Lesespaß etwas trübt, weil ich mich dann schnell langweile und die betreffenden Passagen eher überfliege als sie wirklich in mich aufzunehmen.
Es war auch ab und zu der Fall, dass die Schilderungen durch diesen Umstand an Aussagekraft verloren. Ich vermisste klare Handlungsempfehlungen. Zwar werden in Tabellen immer Tipps mitgeliefert, aber mir waren viele Aussagen zu schwammig und wenig hilfreich für mich selbst. Das ist natürlich eine subjektive Einschätzung und kann für andere Leser ganz anders sein. Ich hatte aber oft das Gefühl, dass in dem Buch für mich selbstverständliche Sachen erklärt werden, die sowieso beachtet werden sollten (schlimm genug, dass das offensichtlich nicht selbstverständlich ist), weswegen ich mir im Rückblick doch etwas mehr Tiefe und Fachlichkeit gewünscht hätte.

Ich hätte mir außerdem an einigen Stellen gewünscht, dass Aussagen näher erklärt werden. Leider kam es doch öfter vor, dass ein Satz in den Raum geworfen wurde, aber ich mich danach fragte: „Ja und wieso ist das jetzt so?“ – bestes Beispiel ist die Aussage, dass ein Einlauf zur Darmreinigung überhaupt nichts bringt und dabei eher Verletzungen entstehen, als dass es beim Aufbau einer gesunden Darmflora hilft. Ich frage mich immer noch: „Warum, wieso, weshalb?“ Da hätte ich gern einfach mehr darüber gewusst.

Natürlich finde ich es gelungen, dass die Beziehung zwischen Arzt und Patient mit Freundschaften oder Liebesbeziehungen verglichen wird – denn die Dynamiken in Beziehungen sind immer gleich. Allerdings hätte ich die Verweise auf sexuelle Teile der Liebesbeziehungen nicht unbedingt gebraucht, weil das dann wirklich nichts mit meinem Arzt zu tun hat. 😉

FAZIT:

Das Buch war angenehm zu lesen und hat mich um einige Erkenntnisse reicher gemacht – beispielsweise war ich erstaunt, dass die Homöopathie nur durch die Nationalsozialisten den Stellenwert hat, den sie heute besitzt.
Andererseits blieben für mich doch viele Fragen offen und die redundanten Informationen haben einige Passage für mich etwas schwerfällig gemacht.
Ein netter Ratgeber für zwischendurch, der sich leicht wegliest und mit Humor aufwartet. Interessante Fakten, ein wichtiger Appell für mehr Empathie in deutschen Arztzimmern, leider hat das Buch aber kleinere Schwächen.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Oliver Twist“ von Charles Dickens

Meine lieben Leser,

wie ihr mitbekommen habt, befreie ich jetzt recht regelmäßig ein paar Klassiker von meinem Stapel ungelesener Bücher. Und schon kann ich euch erneut von einem Buddyread mit der lieben Gabriela von Buchperlenblog berichten; denn wir haben gemeinsam „Oliver Twist“ von Charles Dickens gelesen. Wer im Disney-Universum bewandert ist, dem ist vielleicht schon aufgefallen, dass dieses Buch unter anderem die Vorlage für den Film „Oliver & Co.“ ist. Ich war gespannt, ob ich erneut Parallelen entdecken würde.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Oliver Twist
  • Autor: Charles Dickens
  • Übersetzer: Gustav Meyrink
  • Anzahl der Seiten: 432 Seiten
  • Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
  • Ausgabe: 3. Auflage (April 2013)
  • Genre: Klassiker, Gesellschaftsroman

INHALT:

Der Titel des bekannten Klassikers verrät bereits den Namen des vermeintlichen Protagonisten – Oliver Twist. Vermeintlich deshalb, weil die Handlung sich nicht hauptsächlich um den Jungen dreht, der im Armenhaus geboren wurde. Vielmehr werden viele Nebenstränge und -figuren in den Mittelpunkt gestellt, die den gesellschaftlichen Rahmen umreißen, in dem Oliver sein Leben fristet.
Olivers Leben im Armenhaus nimmt eine Wendung, als er um eine zusätzliche Essensration bittet – wozu er von den anderen Kindern angestiftet wird. Dadurch wird er für seinen Vormund Mr. Bumble zum Kriminellen und hart bestraft. Um ihm Zucht und Ordnung beizubringen, wird er als Lehrling des Leichenbestatters verpflichtet. Der andere Lehrling und das Dienstmädchen sind ihm alles andere als wohlgesonnen, da er aus dem Armenhaus kommt und lassen ihn das durch Gewalt und hinterhältige Intrigen spüren.
Die zarte Seele von Oliver jedoch ist zu verletzlich für diese rohen Umstände, könnte er doch nie auch nur etwas Böses denken. Ungerecht wirken die Situationen, in denen er stets den Kürzeren zieht.
Schließlich flieht Oliver nach London und trifft dort bald auf Fagins und seine Diebesbande, die unser kleiner Oliver aber zunächst nicht als diese erkennt. Als zwei anderen Jungs der Bande ein Diebstahl misslingt, lassen sie Oliver zurück und dieser wird von der Polizei aufgegriffen. Zum Glück kann seine Unschuld bewiesen werden. Mr. Brownlow, ein alter und gutherziger Mann hatte nur widerwillig gegen ihn ausgesagt und nimmt sich nach dieser Aufregung dem kleinen Oliver an. Letztlich pflegt er Oliver nach einer langen Krankheit gesund.
Als Oliver wieder genesen ist, will er sich durch einen Botengang bei seinem Wohltäter erkenntlich zeigen, wird bei diesem aber von Nancy und Sikes abgefangen und entführt, die im Auftrag von Fagin handeln. Oliver wird gezwungen, mit den beiden in eine Villa einzubrechen. Der Coup gelingt nicht, Oliver wird angeschossen und verletzt zurückgelassen. Die Besitzer der Villa, Mrs. Maylie und ihre Adoptivtochter Rose pflegen ihn daraufhin gesund. Dabei fällt die Ähnlichkeit zwischen Oliver und einem Gemälde auf.
Fagin versucht indes wieder, Oliver an sich zu bringen. Der Unbekannte – Monks – will Oliver unbedingt in Verbrechen verstricken. Warum, bleibt zunächst unklar. Wie die Umstände es wollen, geraten Mr. Bumble und seine Frau an Monks – denn Mrs. Bumble hat in ihrer Tätigkeit im Armenhaus ein Medaillon einer sterbenden Frau erhalten. Wie sich herausstellt, war dies Olivers Mutter und das Medaillon bezeugt seine wahre Herkunft. Monks will um jeden Preis verhindern, dass Oliver seine wahre Herkunft erfährt und entsorgt diese Beweise dafür.
Währenddessen versuchen auch Mrs. Maylie, Rose und schlussendlich Mr. Brownlow Licht in das Dunkel von Olivers Lebensgeschichte zu bringen.
Ob sie das am Ende schaffen und ob Olivers Pechsträhne ein Ende findet, dürft ihr aber selbst entdecken.

SCHREIBSTIL:

Wer „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens gelesen hat, wird über den Schreibstil in „Oliver Twist“ staunen. Tatsächlich war dieser viel ausschweifender und weniger fokussiert, ja geradezu langatmig.

Schlimm werden die Zustände im Milieu der Armen Londons beschrieben. Jedem, der sich auch vermeintlich harmlose Dinge leistet, wird der Galgen versprochen – Betrug, Misshandlungen und eine raue Sprache gehören zum Alltag, genau so wie der Kampf um Essen und das Überleben im damaligen London. Ein wirklich wichtiges Zeitzeugnis, welches beim Lesen nicht nur einmal erschreckt.

Die vielen Nebenfiguren, aus deren Sicht die Geschichte hauptsächlich erzählt wird, machten es mir leider nicht so leicht, in die Geschichte zu finden oder eine Bindung zu den einzelnen Charakteren aufzubauen. Weiterhin bestand das Buch gefühlt größtenteils aus unwichtigen und uninteressanten Dialogen, was mich oft langweilte.
Letztlich wurde der Lesefluss für mich auch durch die Übersetzung getrübt, denn alle armen Leute sprechen in so dermaßen ausgeprägten Dialekten, dass es mir keinen Spaß gemacht hat, diese zu lesen. Es wäre für mich deutlich angenehmer gewesen, wenn die Personen verständliches Deutsch gesprochen hätten und vielleicht nur eine kleine Färbung erhalten hätten. Durch diese Art der Übersetzung war die Lektüre zeitweise mehr als anstrengend.

FAZIT:

Wie man an meinen Schilderungen merkt, war ich alles andere als Feuer und Flamme für dieses Buch – leider. Ich hielt bisher große Stücke auf Dickens, aber mit diesem Werk wurde ich dann enttäuscht. Für mich ist ehrlich gesagt nicht direkt nachvollziehbar, dass es so ein großer Klassiker geworden ist. Lediglich die Wichtigkeit dieses Buches als Zeitzeugnis der Verhältnisse im Armenmilieu kann ich verstehen.
Der Rest war mir zu diffus und nicht greifbar genug, als dass ich mich in diesem Buch hätte fallen lassen können.

Ein Klassiker, der mich leider nicht überzeugen konnte. Ein interessantes Zeitzeugnis, welches mit zu vielen überflüssigen Dialogen und zu wenig Fokus auf den Protagonisten viele Längen produziert. Das kann Dickens besser.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Ruf der rosa Delfine“ von Sy Montgomery

Meine lieben Leser,

ich hatte wieder einmal Glück und durfte im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks das Buch „Der Ruf der rosa Delfine“ von Sy Montgomery lesen. Nach ihrem Buch „Rendezvous mit einem Oktopus“ dürfte sie vielen von euch ein Begriff sein. Für mich ist das vorliegende Werk meiner erste Lektüre der Autorin und ich war gespannt, wie mir das Buch gefallen würde.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Ruf der rosa Delfine – Wie die schlauen Säugetiere uns in die letzten Geheimnisse des bedrohten Amazonas einweihen
  • Autor: Sy Montgomery
  • Übersetzer: Gertrud Bauer
  • Anzahl der Seiten: 272 Seiten
  • Verlag: Eden Books
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Das vorliegende Buch beginnt sehr spannend mit einer Bestandsaufnahme der letzten zwanzig Jahre – denn vor so langer Zeit wurde es bereits veröffentlicht. Aus diesem Grund war es der Autorin ein Anliegen, die Zustände im Amazonas zwischen damals und heute gegenüberzustellen. Es ist dabei erschreckend, wie wenig sich getan hat.
Weiterhin bekräftigt die Autorin stets und auch in einer eigens dafür angelegten Einleitung, dass sie ihr Herz an den Amazonas verloren hat. Auch aus diesem Grund ist dieses Werk für sie etwas ganz Besonderes.
Im weiteren Verlauf beschreibt sie ihre Forschungsreise durch den Amazonas und die Orte Manaus, Iquitos und dem Reservat von Tamshiyacu-Tahuayo. Sie versucht, die Delfine aufzuspüren und kommt während ihrer Suche immer wieder auf die Tierarten im Amazonas zu sprechen, aber vor allem auch auf die gesellschaftlichen Um- und Missstände in Peru und dem gesamten Gebiet des Amazonas.
Die persönlichen Erfahrungen der Autorin auf ihrer Reise stehen im Fokus, genau so wie die vielen Legenden, die sich die Einheimischen erzählen.
Die rosa Delfine werden eher nebensächlich behandelt und kommen erst im letzten Viertel des Buches etwas detaillierter zur Sprache.
Abgerundet wird das Erscheinungsbild durch ein wirklich wunderschönes Cover und kleine Tierillustrationen im Text.
(Vorsicht Spinnenphobiker: Leider gibt es keine Triggerwarnung und es wird eine Vogelspinne illustriert abgebildet!)

SCHREIBSTIL:

Das Buch ist in einem einfachen, zugänglichen Stil geschrieben, der es auch Laien verständlich macht, worüber die Autorin informieren möchte. Nichtsdestotrotz hat es mich extrem gestört, dass sie in ihren Beschreibungen sehr häufig zwischen der 1. Person im Präteritum und Präsens gewechselt hat. Das hat den Lesefluss leider sehr ausgebremst und machte den Text für mich inkonsistent.
Weiterhin konnte ich mich mit den vielen Dopplungen nicht so recht anfreunden. Fakten oder auch Beschreibungen werden oft wiederholt. Durch diese Redundanz verlor ich als Leser schnell das Interesse und quälte mich durch einige Abschnitte geradezu durch, weil nichts von Mehrwert erzählt wurde. Zusätzlich wurden auch Informationen gegeben, die ich so nicht hätte wissen wollen und die ich eher als Selbstdarstellung empfand. Beispielsweise beschreibt Montgomery, wie sie menstruierend in den Fluss steigt, weil das die angeblich Delfine anlocken soll oder wie Ameisen ihren verbrannten Rücken „auffressen“, indem sie ihre Wundflüssigkeit tranken und Hautfetzen wegschleppten. Natürlich spricht ihr niemand diese Erfahrungen ab, ich fragte mich nur oft, was das jetzt zu dem Thema der Delfine beitragen soll. Die wissenschaftliche Komponente fehlte mir im Text leider gänzlich.

FAZIT:

Dieses Buch versprach nicht zuletzt durch den Titel viele Informationen über die mysteriösen rosa Delfine im Amazonas. Schlussendlich ist das Buch für mein Dafürhalten viel zu wenig wissenschaftlich gewesen. Es wird über die Delfine so wenig gesprochen, dass ich über die Tiere selbst kaum etwas erfahren konnte, außer deren Farbe, ihr grobes Aussehen und einige wenige Vermutungen zum Verhalten. Der Fokus des Buches liegt zwar mit den gesellschaftlichen Missständen und kulturellen Bräuchen sowie der Beschreibung der Forschungsreise auf nicht weniger wichtigen und interessanten Themen – jedoch wurden durch den Titel und das Cover des Buches völlig falsche Erwartungen geweckt, die somit nicht erfüllt wurden. Die angesprochenen Themen werden für mich abschließend gesehen auch zu grob behandelt, als diesen wirklich gerecht zu werden. Es hätte mir daher besser gefallen, wenn die Autorin sich eher auf diese Themen fokussiert und sie detaillierter ausgearbeitet hätte, anstatt es um die wenigen Informationen der Delfine herumzubasteln.

Ein interessantes Buch, welches über gesellschaftliche Missstände, kulturelle Bräuche und Tiere in der Amazonas-Region berichtet. Die Delfine spielen leider nur eine untergeordnete Rolle – für mich war es eher ein Reisebericht einer Forschungsreise mit ein paar Schwächen als ein Sachbuch über Delfine.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI