Rezension – „Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle“ von Justine Pust

Meine lieben Leser,

heute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen. Besonders ist es für mich, weil es das erste Buch ist, welches ich aufgrund von sozialen Medien gekauft und gelesen habe. Normalerweise informiere ich mich über andere Quellen über Neuerscheinungen und stöbere im Buchladen. Doch gerade Instagram hat mittlerweile eine starke Buch-Community und in dieser Gemeinschaft, die sich auf „Bookstagram“ austauscht, bin ich irgendwann auf Justine (the reading mermaid) gestoßen. Mit ihrer unverwechselbaren Art und vor allem mit ihren Mecker-Rezensionen hatte ich sie direkt ins Herz geschlossen. Außerdem wurde vor nicht allzu langer Zeit ihr Debütroman „Devilish Beauty“ veröffentlicht. Ziemlich schnell hatte ich beschlossen, dass ich das Buch lesen möchte. Wie es mir gefallen hat, könnt ihr im Folgenden lesen. Ich bin mittlerweile sehr froh, dass ich über die sozialen Medien immer mehr tolle Bücher entdecke, die nicht so bekannt sind bzw. nicht so eine große Marketing-Maschine hinter sich wissen. Hier verstecken sich oft echte Perlen. 🙂 Und nun zum Buch!

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle
  • Autor: Justine Pust
  • Anzahl der Seiten: 340 Seiten
  • Verlag: Dark Diamonds (Imprint CARLSEN Verlag)
  • Ausgabe: 1. Auflage (Juli 2019)
  • Genre: Fantasy, Romantasy

INHALT:

Mimi ist eine Dämonin. Eine untypische Dämonin. Sie hasst es, für die Hölle Seelen einzutreiben. Noch dazu hat sie eine Affäre mit ihrem Chef – der zufällig einer der Prinzen der Hölle ist. Auch, wenn dieser sie nicht gerade zimperlich behandelt und sie anhält, ihren Job zu machen, hat er eine Sonderregelung für die aufmüpfige Dämonin ausgehandelt. Unterstützt wird Mimi vor allem von ihrem Dämonenhund, der zur Strafe für ihr ständiges Aufbegehren in der Form eines Dackels durch die Welt laufen muss.

Auch ihre Freundin Tessa, eine begabte Hexe, ist Mimi eine große Stütze. In Tessas Bar arbeitet die Protagonistin als Barkeeperin und kommt dabei mit allen möglichen Wesen in Kontakt. Neben betrunkenen Werwölfen und Vampiren sieht sich Mimi allerdings bald ganz anderen Problemen gegenüber.

Um ihre Seelen einzutreiben, schließt sie einen Deal mit einem begnadigten Jäger namens Drake. Die für die Hölle vorbestimmte Seele des Jägers war durch die Begnadigung dem Himmel zugesagt. Durch den Deal bricht Mimi aus Versehen das Friedensabkommen zwischen Himmel und Hölle und löst somit die Apokalypse aus. Drake avanciert zum zweiten Protagonisten der Geschichte.

„Ihr habt damit den Waffenstillstand zwischen Himmel und Hölle gebrochen und den Grundstein zur Apokalypse gelegt, ihr elenden Idioten!“

– Tessa in „Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle“ von Justine Pust, S. 94 –

Auf einmal sind sowohl Engel als auch Höllenfürsten hinter Mimi her und sie muss mit ihren Freunden einen Plan schmieden, um die nahende Apokalypse aufzuhalten. Der Plan lautet vorrangig: Jesus muss getötet werden, bevor er die sieben Siegel zum Untergang der Welt öffnen kann.
Schon alleine dieser Punkt der Geschichte birgt einiges an Konfliktpotenzial. Nimmt man nicht nur den geplanten Tod des Sohn Gottes, sondern auch andere Äußerungen in diesem Werk, komme ich nicht umhin, streng gläubigen Christen von diesem Buch abzuraten! Gott und seine Unterstützer nehmen hier ganz ungewohnt die Rollen der Gegenspieler ein. Noch dazu wurde Jesus als Frau wiedergeboren – als homosexuelle Frau. Auch das könnte für streng gläubige Christen ein Problem sein. Ich fand es tatsächlich amüsant und passend zum Humor des Buches. Was Sexualitäten angeht, ist hier von den Love-Storys her für jeden etwas dabei. 🙂

Wer schnell rot wird (so wie ich), wird einige Stellen in diesem Büchlein finden, die er nicht in der Öffentlichkeit lesen will. Hihi. Frei nach dem Motto Sex, Drugs & Rock´n´Roll wird hier ordentlich Unterhaltung geboten. 😉 Langeweile kommt in „Devilish Beauty“ auf jeden Fall nicht auf.

Ob Mimi und ihre Allianz es schlussendlich schaffen, Jesus zu töten, die Öffnung der Siegel und somit die Apokalypse zu stoppen, dürft ihr selbst lesen. Nur so viel sei verraten – es wird spannend, romantisch und herzzerreißend zugleich.


SCHREIBSTIL:

„All diese Menschen, die nichts von dem ewigen Krieg zwischen Himmel und Hölle wissen … sie werden ins Verderben stürzen. Zusammen mit den Tieren, den Pflanzen und all dem restlichen Leben auf dieser kleinen Welt. All die Menschen, all die Seelen – für immer im Nichts. Und ich bin schuld.“

– Mimi in „Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle“ von Justine Pust, S. 96 –

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm leicht zu lesen, immer gewürzt mit einer guten Prise Humor und Sarkasmus.

Geschildert werden die Ereignisse hauptsächlich aus der Sicht der Protagonistin Mimi, aber auch immer mal wieder aus dem Blickwinkel des Jägers Drake. Wer mich kennt, weiß, dass ich Perspektivwechsel nicht so sehr mag. In der Geschichte von Justine Pust hat man durch diese Art der Geschichtsdarstellung Informationen erhalten, die Mimi vorenthalten geblieben sind. Somit waren die unterschiedlichen Perspektiven sinnvoll angelegt. Für mich hätte auch nur Mimis Blickwinkel gereicht, aber Drakes Kapitel waren schlüssig und haben mich nicht gestört. Zudem war die Love-Story von Drake einfach zuckersüß.

Was mir an dem Schreibstil besonders gut gefallen hat, war die bildhafte Sprache und die fantasievollen Beschreibungen. Damit hebt sich dieses Buch von den vielen Romantasy-Werken ab. Die Autorin kann zudem alle Situationen glaubhaft schildern, egal ob es sich um Liebesszenen, brutale Kämpfe oder mysteriöse Träume handelt.


FAZIT:

Ich war zuerst sehr skeptisch, ob mir eine sexy Dämonen-Geschichte gefallen wird. Ich bin ja eher eine Disney-Prinzessin als ein Bösewicht. Doch diesbezüglich hat mich die Story und vor allem Mimi komplett abgeholt. Mimi ist nicht der typische Dämon und mir hat es erstaunlich gut gefallen, dass die klassischen „Guten“ dieses Mal den Part des Gegenspielers eingenommen haben.

Meine Befürchtung, dass ich bei jeder zweiten Seite rot anlaufe, weil das Buch zu sexy geschrieben sein könnte, wurde auch nicht bestätigt. Die vielen Szenen, in denen sich die Charaktere näher kommen sind zwar vorhanden, aber stehen nicht im Fokus, was ich sehr angenehm fand.
Erstaunt war ich über die Wendungen, die gerade gegen Ende des Buches eintreffen. Sehr gut gefallen hat mir außerdem, dass Mimi mysteriöse Träume hat und sie auf die Suche nach ihren Erinnerungen an ihr früheres Leben geht. Das hat der ganzen Geschichte nochmal mehr Tiefe und Spannung gegeben. Und dann war auch noch so viel Romantik vorhanden, dass es mich zum Schmachten gebracht hat, es aber auch nicht zu viel war. Was will man also mehr.

Spannung, Romantik und eine unkonventionelle Basis der Geschichte konnten mich begeistern. Viel zu sagen bleibt nicht außer: Was für ein Debüt! Für Fantasy- und Romance-Fans eine klare Leseempfehlung! 

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast“ von Christelle Dabos

Meine lieben Leser,

ganz ungewohnt bekommt ihr heute einen Beitrag mitten in der Woche, passend zum Feiertag. 🙂 Ich wünsche euch schon einmal viel Spaß beim Schmökern.
Nachdem mich der erste Band der Spiegelreisenden-Reihe restlos begeistern konnte, war ich voller Vorfreude auf den zweiten Band. Ob der Nachfolger dem Auftakt gerecht werden konnte, schildere ich euch im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
  • Autor: Christelle Dabos
  • Anzahl der Seiten: 613 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch

INHALT:

„Je voller ihr Herz war, desto leerer war ihr Kopf.“
– Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, S. 222 –

Nach den unerwarteten Wendungen am Ende des ersten Bandes, wird Ophelia eher ungeplant zur Vize-Geschichtenerzählerin am Hofe ernannt. Ihre Aufgabe besteht nun darin, dem Familiengeist Faruk Geschichten zu erzählen, die ihm gefallen. Dabei muss Ophelia sich im Theater vor dem gesamten Hofstaat behaupten. Während sie den Intrigen und Wirrungen am Hofe widersteht, schlägt Ophelia sich weiterhin mit Thorn herum, der trotz der bevorstehenden Hochzeit auf Abstand geht.
Und als wenn das nicht reicht, kündigt sich Ophelias Familie zu einem Besuch an. Da es der Protagonistin nicht möglich war, sich persönlich bei ihrer Verwandschaft per Telegramm zu melden, machte sich diese schnurstracks auf den Weg zu ihr.
Damit das Chaos auch perfekt ist, verschwinden mehrere Personen in der so sicher geglaubten Himmelsburg. Als Ophelia in die Ermittlungen einbezogen wird, muss sie einsehen, dass der Schuldige jedwede Vorkehrungen getroffen hat, um ihre Fähigkeit des Lesens zu blockieren.
Thorn tut alles dafür, dass Ophelia als Leserin nicht in den Fokus von Faruk gerät, damit er selbst das Lesen von Faruks Buch übernehmen kann. Damit möchte er seine Verlobte schützen. Ophelia ihrerseits erwirkt, dass Thorn ihre Wünsche erfüllt – sie darf ein eigenes Lese-Atelier führen. Als Faruk darauf aufmerksam wird, überschlagen sich schließlich die Ereignisse. Ophelia muss die Ermittlungen zu den Verschwundenen leiten und hat eine sehr kurze Gnadenfrist. Außerdem muss sie das Buch von Faruk lesen und der Botschafter Archibald verschwindet bei seinen Ermittlungen ebenfalls plötzlich.
Ob sie diese Aufgaben meistert, warum Thorn im Gefängnis landet, wer hinter den Verschwundenen steckt und warum „Gott“ endlich ein Gesicht bekommt, müsst ihr allerdings selbst lesen.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist wie vom ersten Band gewohnt sehr niveauvoll, bildhaft und atemberaubend. Unterbrochen werden die Kapitel von den sogenannten „Fragmenten“, die inhaltlich aus dem Rahmen fallen und einen Rückblick zu den Familiengeistern und Gott zeigen. Mit den Fragmenten konnte ich bis zum Ende nicht viel anfangen, weil sich erst am Ende der Sinn des Ganzen ergab. Mich haben die Fragmente tatsächlich sogar etwas genervt, weil sie den Lesefluss gestört haben. Ansonsten war der Schreibstil aber wieder wunderbar zu lesen und ich muss sagen, dass die Autorin wieder nur für den Schreibstil einen Bonuspunkt bei der Bewertung bekommt.

FAZIT:

Leider brauchte das Buch für mich dieses Mal sehr, sehr lange, um in die Gänge zu kommen. Deswegen war der zweite Band für mich sehr viel schwächer als der Auftakt. Das ist oftmals bei zweiten Bänden der Fall, aber dennoch hat mir das Wiedersehen mit den Charakteren wieder sehr viel Freude gemacht. Im letzten Viertel des Buches sind dann einige Wendungen und Entwicklungen vorhanden, die ich so wieder nicht erwartet habe. Wie schon der erste Band, konnte mich der zweite Teil diesbezüglich sehr begeistern. Ich hätte mir gewünscht, dass der Spannungsbogen schon etwas eher beginnt und auch kontinuierlich weitergeführt wird. Dafür muss ich leider Punkte abziehen. Mit gefällt sehr gut, dass Ophelia sich auch im zweiten Band wieder entwickelt und immer mehr zu einer starken Frau reift.

Die Mischung aus Fantasy, Steam-Punk und Jane Austen ist weiterhin vorhanden. Als Nachfolger leider schwächer, aber dennoch lesenswert!

BEWERTUNG:❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Einsame im Meer“ von Serena Valentino

Liebe Leser,

bereits vor einiger Zeit hatte ich aus der Disney-Villians-Reihe die deutschen Übersetzungen „Das Biest in ihm“ und „Die Schönste im ganzen Land“ gelesen.
Nach der großen Enttäuschung der Geschichte um das Biest, konnte mich die Vorgeschichte der bösen Königin überzeugen. Das machte mir Hoffnung für den frisch erschienenen Band „Die Einsame im Meer“, denn dort soll die Vorgeschichte von Ursula der Meerhexe aus dem Disney-Film „Arielle die kleine Meerjungfrau“ erzählt werden.
Ob mich das Buch genau so begeistern konnte wie die böse Königin oder genau so enttäuschte wie das Biest, das möchte ich euch nun näher erläutern.

 

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Einsame im Meer
  • Autor: Serena Valentino / Disney
  • Anzahl der Seiten: 194 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Disney, Jugendbuch, Fantasy, Märchen

Inhalt:

Der Klappentext verspricht, dass dieses Buch die Vorgeschichte von Ursula erzählt und verspricht (wie bei den Büchern zuvor auch) einen spannenden, psychologisch einfühlsamen Roman.
Das Buch widmet sich leider nur in etwa 10% der tatsächlichen Vorgeschichte. Diese wird von Ursula selbst nur sehr oberflächlich in einem Dialog erzählt. Ansonsten behandelt diese Geschichte ebenfalls oberflächliche Einblicke in den Film „Arielle – Die kleine Meerjungfrau“, wobei Textpassagen aus dem Film auftauchen, die im Wortlaut jedoch geändert wurden. Warum das gemacht wurde, bleibt mir genau wie bei der Geschichte um das Biest ein Rätsel. In ihrem berühmten Lied „Arme Seelen in Not“ wurde beispielsweise folgender Satz gesungen: „Beluga, Selfruga, kommt Winde vom kaspischen Meer.“. Im Buch lautet der Satz dann: „Beluga, Selfruga, die Winde der Wolga sind hier.“ Vielleicht bin ich zu detailverliebt – aber wenn man schon Szenen aus dem Film exakt nacherzählt, sollte meiner Meinung nach nicht das Original verändert werden.
Der Rest der Geschichte handelt von Tulip, einer Prinzessin, die im Disney-Universum nie erwähnt wurde. Sie ist eine der Prinzessinnen, die das Biest bzw. Prinz Adam angehimmelt hatten und die er abwies. Dadurch stürzte sie sich in den Tod und wurde von Ursula wiederbelebt. Warum die Geschichte um Tulip dermaßen aufgebauscht wurde und der echten Vorgeschichte den Platz gestohlen hat, kann ich mir nicht erklären. Das wollte ich jedenfalls nicht in diesem Buch lesen. Zudem treten die drei Hexen aus den anderen beiden Büchern wieder auf und bekommen ebenfalls ungerechtfertigt viel Anteil an der gesamten Geschichte. Bei den vorangegangenen Teilen war es für mich ebenfalls nicht sehr authentisch, dass die Hexen so viel Einfluss auf jede Disney-Geschichte gehabt haben sollen. Hier allerdings wird die Geschichte um Tulip und die drei Hexen der Geschichte von Ursula vorangestellt.
Leider lässt mir das bisschen Geschichte um Ursula auch wieder viele Fragen offen. Es wird beschrieben, dass sie schwarze Nebelschwaden kontrollieren könnte, die alles zerstören können. Da frage ich mich doch, warum sie nach Tritons Macht strebt – denn diese Macht kontrolliert ja schon Nebel – ein Wetterphänomen. Diese „Magie“ war für mich nicht schlüssig.
Was ich auch nicht abgekauft habe, war die Freundschaft zwischen Ursula und den drei Schwestern. Alle dieser vier Hexen werden als erbarmungslos brutal beschrieben – für mich undenkbar, dass sie wirklich ein echtes Gefühl von Freundschaft empfinden können. Generell werden die sonst so brutalen Schwestern in diesem Band erstaunlich harmlos dargestellt. Dass sie sogar das Ende von Ursula herbeigeführt haben sollen, war für mich wie in den letzten Bänden wieder an den Haaren herbeigezogen.
Leider werden auch dieses Mal in der Geschichte unwichtige Details genannt, die dann keine Bewandtnis mehr haben und an anderer Stelle fehlt es an Tiefe. Auch hier muss ich leider sagen – wie soll man auch auf 194 einen psychologisch einfühlsamen Roman schreiben? Für mich war auch die neue Wesensdarstellung von Triton nicht wirklich nachvollziehbar. Er soll neuerdings total besessen von Schönheit sein und Ursula nur aus diesem Grund nicht geduldet haben. Es wurden keine Motive genannt, die mir das alles schlüssig erscheinen lassen. Für mich war diese Darstellung viel zu flach, dafür, dass man eine Disney-Figur in ihrem Wesen komplett anders beschrieb. Vielleicht hätte die Autorin an dieser Stelle mehr Augenmerk auf die Geschichte von Triton und Ursula als Geschwister legen sollen, anstatt diese vielen unnötigen Nebenschauplätze zur Hauptstory zu machen.

Schreibstil:

Wie schon vorher, ist der Schreibstil von Valentino einfach gehalten und liest sich tendenziell gut. Ich fand aber, dass dieser Band auch vom Lesefluss bisher der schwächste Teil war. Irgendwie stockte ich beim Lesen immer wieder.
Das lag wahrscheinlich an dem wiederholt sehr schlechten Lektorat. Neben Rechtschreibfehlern und Tippfehlern konnte ich Grammatikfehler finden, Nebensätze waren alleinstehende Haupsätze und Satzzeichen fehlten. Das finde ich für große Namen wie Carlsen und Disney leider nicht in Ordnung. Da erwarte ich Qualität und vor allem dann, wenn die Vorgänger schon ein schlechtes Lektorat hatten. Da muss dringend nachgebessert werden.
Und wie beim letzten Mal angekreidet, muss ich auch dieses Mal fragen: Wieso werden einige Namen nicht übersetzt? Beim Biest war es „Cogsworth“ anstatt „Herr von Unruh“ und in diesem Buch hier wird „Maleficant“ erwähnt anstatt „Malefiz“. Klar, der Film heißt so, aber auch nur die Realverfilmung, was ich auch schon nicht richtig fand. Im Original heißt die gute Dame nun einmal Malefiz.

Fazit:

Das war wirklich eine wahre Meckerrezension. Aber was soll ich sagen? Hier kommt für mich alles zusammen, was ich von einem Buch nicht erwarte. Wenig Tiefe, falsche Versprechungen auf dem Klappentext und dadurch nicht erfüllte Erwartungen. Zudem eine Story, die für mich echt langweilig war und das Original „Arielle“ teilweise neu erzählte. Und als wenn das nicht reicht, kommt dazu noch das miese Lektorat, die Logikfehler, die offenen Fragen und die unnötigen Nebenschauplätze.
Leider wirkt der bisherige Großteil der Villians-Reihe so, als wenn man einfach diese supercoole Idee hatte, die Disney-Geschichten düster und erwachsen aus der Sicht der Bösewichte zu erzählen bzw. deren Vorgeschichte – es aber mal so richtig schlecht umgesetzt hat. Versteht mich nicht falsch, die Idee ist echt nett und ich bin ein großer Disney-Fan, aber wahrscheinlich auch genau deswegen hat mich dieses Buch sogar noch mehr enttäuscht als „Das Biest in ihm“.
Mein Flop 2019 – keine Tiefe, schlechtes Lektorat und nur minimal Vorgeschichte oder neue Informationen. Leider keine Empfehlung von mir – auch nicht für eingefleischte Disney-Fans. 

BEWERTUNG:♡♡♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Dry“ von Neal Shusterman

Meine lieben Leser,

spätestens nach „Scythe“ war ich ein absoluter Fan von Neal Shusterman. Sein Schreibstil hat mich direkt angesprochen. Da war für mich klar, dass ich auch „Dry“ unbedingt lesen muss. 🙂
Die folgende Rezension enthält zwar ein paar Spoiler, allerdings habe ich mir Details und das Ende gespart, damit ihr es trotzdem noch lesen könnt. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Dry – Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.
  • Autor: Neal Shusterman / Jarrod Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 437 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Thriller, Jugendbuch, Suspense, Dystopie

 

INHALT:

Zu Beginn lernen wir die Familie von Protagonistin Alyssa kennen, die sich ziemlich bald der Tatsache gegenüber sieht, dass kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kommt. Die Medien berichten über einen sogenannten Tap-Out, dem Zusammenbruch der Wasserversorgung.
Ebenfalls am Anfang lernen wir Alyssas Nachbarn Kelton und dessen Familie kennen, deren Hobby die Vorbereitung auf einen eventuellen Weltuntergang ist. Von der Nachbarschaft in der Vorstadtidylle verschrien, kommt ihnen ihre Vorbereitung während des Tap-Outs dann zugute.
Alyssas Familie versucht, Wasser aufzutreiben, doch die Regale der Supermärkte sind leer und die Menschen werden nicht nur panischer, sondern auch rücksichtloser. Jeder ist sich mit einem Mal selbst der nächste.
Als in den Medien die Neuigkeit verbreitet wird, dass am Meer Entsalzungsanlagen errichtet werden, reisen Alyssas Eltern dorthin, um aufbereitetes Wasser zu besorgen. Als sie nicht zurückkehren, machen sich Alyssa, ihr Bruder Garrett und Kelton zusammen auf die Suche nach ihnen. Beim Erreichen des Strandes jedoch bietet sich den Helden der Geschichte ein Bild des Grauens. Langsam verstehen sie, dass dieser Tap-Out das schlimmste in den Menschen zutage fördert.
Während ihrer Suche treffen sie auf Jaqui, eine kleine Rebellin, die schon vor dem Tap-Out auf der Straße lebte. Zusammen wollen sie bei Keltons Familie Zuflucht suchen, doch die Nachbarschaft fühlt sich von deren Haus leider sehr angezogen und so eskaliert die Situation nicht nur blutig, sondern für alle beginnt ein harter Kampf ums Überleben.
Die kleine Gruppe aus Jugendlichen bricht auf, um den Fluchtbunker von Keltons Familie zu finden. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf Henry, ein Sohn reicher Eltern, der sich an dem Leid seiner Nachbarschaft bereicherte.
Zwischendurch keimt Hoffnung auf, doch der Weg zum Fluchtbunker wird länger sein, als die Protagonisten es zunächst vermuteten.
Zum Ende wird der Kampf ums Überleben immer deutlicher und rückt immer mehr in den Fokus. Immer wieder ist ein kleiner Hoffnungsschimmer zu sehen, der sich wieder zerstreut.
Ob die Fünf endlich Wasser finden und den Tap-Out überleben, lasse ich euch aber lieber selbst lesen. Nur so viel – ich musste die letzten 200 Seiten in einem Rutsch lesen, weil mich die Geschichte nicht mehr losgelassen hat.

SCHREIBSTIL:

Wie nicht anders von Shusterman erwartet, hat er mich mit seinem Schreibstil wieder voll mitgenommen. Zugegeben, am Anfang musste ich ein wenig reinkommen, aber spätestens nach dem ersten Viertel des Buches, hat mich die Spannung nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil ist zwar nüchtern und vermittelt eine düstere, leere Stimmung – aber das passt zu dem Apokalypsen-Szenario.
Wir bekommen die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Alyssa, Garrett, Jaqui, Kelton und Henry erzählt. Zwischen der Hauptstory fließen immer kleine Einblicke in völlig außenstehende Personen ein – Nachrichtensprecher, Wasserflugzeugpiloten oder eine verzweifelte Frau, die auf einem Parkplatz wartet. Diese ganzen unterschiedlichen Blickwinkel fassen sich zu einem großen Gesamtbild der furchtbaren Situation des Tap-Outs zusammen.
Ein kleines Manko ist, dass die Perspektiven der Charaktere sich im Stil kaum unterscheiden. Deswegen war mir ziemlich lange nicht so richtig klar, wie jung Alyssas Bruder eigentlich ist.
Alles in allem kommt die machtlose Stimmung in einer apokalyptischen Situation hier voll zur Geltung. Einige Wendungen habe ich so nicht erwartet und es hat mich schon wirklich gefrustet, dass jeder Hoffnungsschimmer sich sofort wieder zerstreute. Ich dachte oft beim Lesen: „Wie bitte? Das kann er doch nicht so schreiben? Es muss doch alles gut werden!“

FAZIT:

Was will man mehr als Spannung, ein wichtiges gesellschaftliches, politisches Thema und ein durchdachtes Weltuntergangsszenario? Mich konnte die Geschichte wirklich fesseln, die Charaktere waren alle authentisch gezeichnet und ich konnte bei allen von ihnen mitfiebern, ob sie es nun schaffen oder nicht. Die bedrohliche Atmosphäre und die Abgründe sowie Chancen der Menschheit hat Shusterman super umgesetzt.
Ein Buch, welches den Wert unserer Ressource Wasser betont und in einem erschreckend realistischen Setting thematisiert. Schlimm ist es, dass diese Situation so unwahrscheinlich gar nicht ist und sich viel näher anfühlt, als es gut wäre. 
Für mich eine super Lektüre, die ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann. Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Fire & Frost – Von der Dunkelheit geliebt“ von Elly Blake

Meine lieben Leser,

nach einer kleinen Schreibpause auf dem Blog aus privaten Gründen, bekommt ihr heute endlich wieder einen neuen Beitrag zum Lesen. Den dritten und letzten Band von „Fire & Frost“ hatte ich mir direkt zum Release gekauft und seitdem kamen mir immer wieder andere Buchprojekte dazwischen, sodass ich ihn erst jetzt endlich lesen konnte. Ob das Finale mich mehr begeistern konnte als die letzten beiden Teile, werde ich euch im Folgenden erläutern.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Fire & Frost – Von der Dunkelheit geliebt
  • Autor: Elly Blake
  • Anzahl der Seiten: 446 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Romantasy

 

INHALT:

Nachdem Ruby, Arcus und Kai in Sudesien dem Gott Eurus gegenüberstanden, schmieden sie im dritten Band nun einen Plan, um das Böse aus der Welt zu vertreiben. Der Frostminax aus dem Frostthron wurde zerstört, doch Ruby trägt den Feuerminax aus dem Feuerthron in sich. Im zweiten Band erfuhr sie, dass sie die Tochter des Gittes Eurus ist und somit als Nightblood fähig ist, die Dunkelheit zu beherbergen und zu kontrollieren.
Am Anfang des dritten Bandes fahren Ruby und die anderen von Sudesien zurück nach Tempesien. Als sie dieses erreichen, müssen sie sich einer neuen unbekannten Bedrohung stellen – der blauen Legion. Diese Vereinigung hat in der Abwesenheit von Arcus das Frostkönigreich unter ihre Kontrolle gebracht.
Unsere Protagonisten beginnen, Tempesien von diesem Einfluss zu befreien, doch Ruby entschließt sich, in der Abtei mit Bruder Thistle über die jüngsten Entwicklungen zu sprechen und einen Weg zu diskutieren, auf dem sie dem Gott Eurus das Handwerk legen könnten. So erfährt die Truppe letztendlich von der Existenz einer Insel, auf der das Tor stehen soll, durch dessen Zerstörung Eurus die Minaxe und somit die Dunkelheit über die Welt senden möchte. Wo sich diese Insel befindet, gilt es nun zu erfahren. So kommt es, dass sie sich auf einer Seefahrt zu verschiedenen Adressen begeben, um mehr Informationen zu erhalten. Dabei folgen sie einer Vision, die Ruby hatte.

Im Verlauf der Handlung treffen die Charaktere auf alte Bekannte aus der Geschichte, es folgen ebenfalls einige Enthüllungen und spannende Ereignisse. Letztendlich wird die Insel erreicht und die große Schlacht um das Wohl der Welt beginnt. Ruby hat allerdings nicht nur physisch zu kämpfen, denn sie muss während der gesamten Reise immer wieder dem innewohnenden Minax widerstehen, der nach und nach mehr mit ihr verschmilzt, ihr Wesen verändert und sie an den Rand der Dunkelheit treibt. Als sie Eurus selbst in der Dunkelheit des Tores gegenübersteht, muss sie jeden Funken Selbstbeherrschung aufbringen, den sie in sich trägt und sogar noch mehr. Ihre einzige Stütze ist Arcus. Bleibt nur die Frage: Wird die Dunkelheit besiegt? Und wenn ja, zu welchem Preis?

SCHREIBSTIL:

Elly Blakes Stil ist immer noch leicht und gut lesbar, wenn es auch nicht die hohe literarische Sensation ist. Ich war überrascht, dass die Autorin vom ersten Band der Reihe bis zu diesem finalen Teil eine sprachliche Entwicklung durchgemacht hat. Tatsächlich hat sie viel weniger Längen in diesem Band gehabt als im zweiten Teil und die Sprache hat sich meiner Meinung nach in ihrer Bildhaftigkeit sehr verbessert. Was ich sehr begrüßt habe, war, dass die weit hergeholte Nähe zwischen Kai und Ruby nicht wirklich weiter ausgebaut wurde. Das hatte mich im zweiten Teil besonders gestört. Sehr gut dargestellt hat die Autorin Rubys Wesensveränderung und deren Zwiegespräche mit dem Minax.

FAZIT:

Der finale Band der Trilogie ist zusammengefasst sehr viel besser als der zweite Teil und weist im Vergleich zum ersten Band eine sichtbare Entwicklung auf. Ich finde, die Geschichte hat sich wahnsinnig komplex ausgeformt und für viele meiner Fragen, die ich mir nach dem Auftakt stellte, wurden auch Antworten gegeben.
Teilweise Längen haben die Spannung, die Ereignisse und die Wendungen nicht getrübt. Gerade kurz vor Ende spielten sich Dinge ab, die ich so nicht erwartet hatte und die mir das Herz brachen. Rubys Kampf mit der Dunkelheit war Dauerthema und hat mir sehr gut gefallen.
Der finale, dritte Band ist somit ein würdiger Abschluss einer Reihe, die sich weiterentwickelt hat und eine wirklich solide Romantasy-Geschichte präsentiert. Für Fans der Reihe ein absolutes Muss, da er mehr glänzen kann als der zweite Teil. Super Abendlektüre und empfehlenswert.

BEWERTUNG:❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge

Meine lieben Leser,

ging es euch auch so, wie den meisten anderen, denen ich erzählt habe, was ich aktuell lese? Habt ihr euch gewundert, warum ich freiwillig über den Tod lese? Ist doch ein ziemlich trauriges Thema – wieso tue ich mir das also an? Solche Fragen habe ich in den letzten Wochen oft gehört, wenn jemand mein Buch auf dem Tisch entdeckt hat.
Der Tod ist gerade heutzutage oft ein Tabuthema – zu schmerzhaft. Natürlich kann man frei darüber sprechen, aber eine wirkliche Auseinandersetzung oder ein Einbezug ins tägliche Leben ist in unserer Kultur verloren gegangen. Das habe ich stark an den ambivalenten Reaktionen meiner Mitmenschen gemerkt.

Ich hatte die tolle Gelegenheit dieses spannende Fachbuch zu lesen. Die Autorin C. Juliane Vieregge selbst hat auf Lovelybooks eine Leserunde zu diesem Buch veranstaltet und ich hatte das Glück, ein Rezensionsexemplar zu gewinnen. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle, denn es hat sich mehr als gelohnt! Und besonders schön ist, dass die Autorin sogar eine Widmung im Rezensionsexemplar hinterlassen hat. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Lass uns über den Tod reden
  • Autor: C. Juliane Vieregge
  • Anzahl der Seiten: 301 Seiten
  • Verlag: Christoph Links Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (März 2019)
  • Genre: Fachbuch, Sachbuch

INHALT:

„Trauer ist nichts anderes als schmerzende Liebe.
Eine ganz reale Liebe.“

– Roland Kachler in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 132 –

In diesem Werk interviewt die Autorin Persönlichkeiten zu ihren Erfahrungen mit dem Tod. Dabei wird in verschiedenen Kapiteln der Tod in unterschiedlichen Rollen betrachtet, beispielsweise „Der Tod als Auftraggeber“ oder „Der Tod als Lehrmeister“. Jedes dieser Kapitel wird durch ein Essay der Autorin eingeleitet. Danach folgen die unterschiedlichen Geschichten der Interview-Partner. Diese sind keine typischen Prominenten, sondern echte Persönlichkeiten, wie beispielsweise Monika Erhardt-Lakomy, Ehefrau und Arbeitspartnerin des bekannten Komponisten Reinhard Lakomy oder Boris Palmer, Landtagsabgeordneter von Badem-Württemberg und Sohn des Politikers Helmut Palmer. Ich finde, das hat maßgeblich zur Qualität des Buches beigetragen.
Die Schicksale reichen von informativ bis tief berührend. Es werden unterschiedliche Facetten des Todes beleuchtet. Neben Tod der Eltern, Tod der eigenen Kinder oder Geschwister, werden auch Suizid, Unfälle und Holocaust thematisiert. Die Vielfalt der unterschiedlichen Ereignisse erschreckt, deckt die Endlichkeit des Lebens bis in jede noch so kleine Ecke auf, zeigt aber auch, welche Gemeinsamkeiten der Tod mit sich bringt und wie stark die Hinterbliebenen dadurch werden. Jede Geschichte ist eine ganz persönliche und zeigt einem sehr deutlich, wie sehr der Tod schmerzen kann. Auf der anderen Seite wird durch diese Schilderungen auch sehr stark deutlich, dass der Tod zum Leben nicht nur dazugehört, sondern dass er im Alltag sogar nötig ist, um den eigenen Weg manchmal in die richtige Richtung zu lenken. Das Werk von Vieregge entwickelt im Leser ein Verständnis für den allseits gesuchten Sinn des Todes.
Die unterschiedlichen Kapitel haben mich oft so stark berührt und ich konnte auch viele persönliche Parallelen ziehen, sodass ich die einzelnen Geschichten vor dem Weiterlesen erst einmal setzen lassen musste. Gleichzeitig war es tröstend und inspirierend, wie andere Menschen mit dem Tod umgehen. So banal es klingt, war es auch beruhigend, dass Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen und sonst so unverwundbar wirken, die gleichen Dinge erleben wie Du und Ich.

„Der Tod ist normal. Er betrifft alle. Er kann schlimm sein, aber er kann auch einfach sein.

– Ilse Rübsteck in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 203 –

Neben der angestoßenen Selbstreflektion wird hier auch der Blick für die anderen Schicksale geschärft.
Besonders faszinierend war auch, dass beim Lesen klar wurde, wie der Tod die Menschen zusammenbringt, obwohl er etwas so wichtiges nimmt. In den Interviews steckt so viel Wahrheit und so viel Schmerz – und trotzdem merkt man, wie heilsam es ist, sich wirklich eng mit der Thematik des Todes zu beschäftigen. Bei manchen Kapiteln fiel es mir schwer, es zu akzeptieren, dass solche schlimmen Geschehnisse tatsächlich Weichen stellen können. Doch das Buch schlägt einen guten Bogen vom Tod zum Leben und so versteht man immer mehr auf einer tieferen Ebene, was der Tod für die Menschen bedeutet und bewegt. Denn er ist nicht immer nur schlecht und schmerzhaft, er kann auch Erlösung und Erleichterung sein, beispielsweise, wenn sich jemand wünscht, zu gehen.

SCHREIBSTIL:

„Im Übrigen gibt es im Kapitalismus keine Zeit für die Toten oder für das Vergangene überhaupt. Kapitalismus lebt immer von der Gegenwart und von der Zukunft, die man zu Geld machen kann. Da ist kein Raum für den Tod.

– Roland Kachler in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 134 –

Neben der persönlichen Einleitung und der Essays der Autorin, glänzt das Buch „Lass uns über den Tod reden“ durch die unterschiedlichen Geschichten. Diese sind nicht im Interview-Stil geschrieben, sondern als fortlaufend erzählte Geschichte der jeweiligen Persönlichkeit. Vieregge hat es außerdem geschafft, dass den unterschiedlichen Personen ihr Sprachstil erhalten blieb. So hat man beim Lesen tatsächlich das Gefühl, mit der Person an einem Tisch zu sitzen, während man deren Schicksal erzählt bekommt. Bezeichnend dafür war eine Bemerkung meinerseits in der Leserunde, dass eine der Geschichten klang, als wenn man mit der Person zu einem Kaffee zusammensitzen würde. Die Autorin meldete sich zurück und meinte, dass es in diesem bestimmten Fall tatsächlich so gewesen war. Der individuelle Sprachstil macht die Schilderung jedes Einzelnen also sehr authentisch.
Ganz klar anerkennen muss man den Recherche-Aufwand – ich habe mich oft gefragt, wie Vieregge wohl auf die einzelnen Personen gekommen ist, um sie in das Buch einzubeziehen. Zudem ist der Zeitaufwand enorm. Bereits 2016 wurden einige der Interviews geführt.
Natürlich lässt sich dieses Fachbuch trotz der 300 Seiten nicht so schnell weglesen wie ein Roman, da der Inhalt so tief ist und wie bereits erwähnt, oft nachhallen muss. Für ein Fachbuch liest es sich trotzdem extrem gut und ist sehr lebensnah.
Am Ende jeder Geschichte wartet ein Bild der Persönlichkeit inklusive einer Kurzbiografie. Mir gefiel es besonders gut, dass dies nicht am Anfang der Geschichte passierte. So konnte man zunächst eine Verbindung zu den Gedanken der Person aufbauen, bevor man sie sehen konnte.

FAZIT:

„Unsere Kultur ist eine sehr moderne, die mit Reformation, dann mit Aufklärung und später mit Psychoanalyse (…) nicht nur den Tod, sondern auch die Toten aus dem Leben gedrängt hat. Beides ist ein ungeheurer Verlust.

– Roland Kachler in „Lass uns über den Tod reden“ von C. Juliane Vieregge, S. 133 –

Ein wichtiges Werk, welches ein Thema aufgreift, das leider immer noch zu wenig besprochen wird. Ein Buch, bei dem man mitfühlt und für das eigene Leben lernen kann.
Neben den Gefühlen, die hier erzeugt werden, ist der informative Wert ganz groß hervorzuheben. Das Werk macht nachdenklich, aber auch große Hoffnung.
Das Buch kämpft für eine Renaissance einer Sterbekultur, die in unserer modernen, hektischen Zeit verloren gegangen ist. Aus meiner Sicht ein Buch, was man gelesen haben muss – weil es mit uns, dem Leben und eben mit dem Tod zu tun hat – und das betrifft uns immer, zu jeder Zeit. Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Heartless – Der Kuss der Diebin“ von Sara Wolf

Meine lieben Leser,

dieses Jahr ist anscheinend wirklich ein gutes Lesejahr. Ich kann mich kaum von den Seiten losreißen, um etwas anderes zu machen. 🙂
Ein Buch, welches schon seit geraumer Zeit bei mir herumliegt, ist „Heartless“ von Sara Wolf. Ich hatte es mir kurz nach Erscheinen gekauft, weil ich es vor Release schon auf meiner Wunschliste stehen hatte. Allerdings kam ich erst jetzt dazu, es wirklich zu schmökern. Und meinen Eindruck von diesem Stück Literatur möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten!

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Heartless – Der Kuss der Diebin (Band 1)
  • Autor: Sara Wolf
  • Anzahl der Seiten: 473 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Buchverlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch, Fantasy, Dystopie

INHALT:

In „Heartless“ treffen wir auf Zera, unsere Protagonistin. Wir lernen sie in einem dunklen Wald kennen und das Setting ist nicht nur düster, sondern auch brutal. Zera ist eine sogenannte Herzlose. Sie war einstmals ein Mensch, wurde aber getötet und durch eine Hexe wieder erweckt. Die Hexe Nightsinger besitzt Zeras Herz und hat somit die Kontrolle über sie. Wird man zum Herzlosen, verblassen die Erinnerungen an das Leben als Mensch; nur dunkel können einige wesentliche Dinge erinnert werden. Am Anfang der Geschichte erfahren wir, dass Zera mit der Hexe Nightsinger und anderen Herzlosen zusammenwohnt und es wird viel über die Welt an sich erklärt.
Dann bekommt Zera den Auftrag, den Kronprinzen zu töten, ihm sein Herz zu stehlen und somit auch ihn zu einem Herzlosen zu machen. Sie gibt sich als sogenannte Frühlingsbraut aus und wird als diese am Hofe dem Prinzen vorgestellt. Ihre Tarnung kann nur aufrecht erhalten werden, weil Lady Y´shennria als Adlige sie unterstützt. Sie gibt sich als Zeras Tante aus. Zera gewinnt nach und nach immer mehr die Aufmerksamkeit des Prinzen und sie lernt nicht nur ihn, sondern auch seinen Hofstaat und seine Freunde kennen. Hinter dem eitel geglaubten Prinzen verbirgt sich allerdings ein tiefsinniger Geist, der Zera zu gefallen scheint. Die beiden verlieben sich ineinander, stehen sich aber in vielerlei Hinsicht selbst im Weg. Vor allem Zera schwankt zwischen der Entscheidung, das menschliche Gefühl der Liebe zu genießen oder durch den Tod des Prinzen den Frieden zu bringen. Das Buch baut immer mehr Spannung auf, mit gelegentlichen Höhepunkten, um dann mit einem fiesen Cliffhanger zu enden.

SCHREIBSTIL:

Sara Wolf schreibt bildhaft, düster, melancholisch und an einigen Stellen auch brutal. Das passt zu dem Setting der ganzen Geschichte. Das Leseerlebnis war flüssig, das Lektorat gut. Mir hat vor allem der Einfallsreichtum von Sara Wolf gefallen. Das Werk hebt sich von den vielen Büchern dieses Genres in den letzten Jahren ab und kann mit einem einzigartigen Worldbuilding und einer spannenden Grundidee punkten.
Sara Wolf schafft es, alle Charaktere sehr lebendig zu zeichnen, auch die Nebenfiguren, von denen es einige gibt.

FAZIT:

Mit „Heartless“ hat mich mal wieder eine Autorin komplett abgeholt. Nicht nur die Charaktere sind authentisch und kaufe ich komplett ab, sondern auch diese einzigartige Welt und die Idee der Herzlosen ist endlich mal wieder etwas komplett anderes als der Einheitsbrei des Dystopie-/Fantasy-Genres.
Weit weg von einer typischen Liebesgeschichte, wird hier eine spannende, düstere und tiefsinnige Geschichte über Liebe, Freundschaft und politische/gesellschaftliche Verwirrungen erzählt.
Ein tolles Buch, was ich euch wärmstens empfehlen muss! Lesenswert!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe“ von Marieke Nijkamp

Hallo meine lieben Leser,

den Urlaub konnte ich wirklich gut für Lektüre nutzen. Eines der Bücher, die ich mir während des Sommerurlaubs auf den Nachttisch gelegt habe, war „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp. Das Buch wurde bereits 2016 in Originalsprache und 2017 in der Übersetzung bei uns hier in Deutschland verlegt. In diesem Jahr erschien nun eine neue Auflage mit einem neuen Cover. So wurde ich darauf aufmerksam und wollte mir unbedingt eine Meinung dazu bilden. Da das Buch das schwierige Thema eines Amoklaufs an einer Schule thematisiert, werde ich euch im Folgenden erläutern, was mich überzeugen konnte und was ich kritisch betrachtete.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: 54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
  • Autor: Marieke Nijkamp
  • Anzahl der Seiten: 327 Seiten
  • Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch, Drama, Roman

INHALT:

„Wir sind mehr als unsere Fehler. Wir sind mehr als das, was andere von uns erwarten. Daran muss ich glauben.“

Chris in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 119

Das Buch beginnt an einem normalen Tag in der Opportunity High. Die Schüler sind in der Aula versammelt, um der Begrüßungsrede für das neue Schuljahr Gehör zu schenken. Unter den Zuhörern sind auch die zwei Protagonistinnen Autumn und Sylv. Die beiden Mädchen verbindet eine Liebesbeziehung, die sie geheimhalten müssen.
Einige Schüler sind von der Begrüßungsrede freigestellt. Das betrifft beispielsweise das Sportteam der Schule, welches während der Rede mitten im Training steckt. Dort befindet sich die dritte Protagonistin Claire mit ihrem besten Freund Chris.
Zwei Schüler schwänzen die Rede. Tomás, als vierter Protagonist, ist mit seinem Kumpel Fareed in das Büro der Direktorin eingebrochen, um in den Schülerakten zu wühlen. Tomás ist der Bruder von Sylv und versucht etwas über Tyler Brown herauszufinden. Tyler ist der Bruder von Autumn. Er ist von der Schule gegangen und kehrt nun zurück. Sylv hat gegenüber Tomás erwähnt, dass sie Angst vor seiner Rückkehr hat. Tomás sucht nun also Hinweise in den Akten, was genau vorgefallen sein könnte.
Als die Begrüßungsrede endet, strömen die Schüler zu den Ausgängen. Diese sind jedoch verschlossen. Zunächst denken viele an einen Scherz. Als Tyler durch eine der Türen tritt, bemerken immer mehr Mitschüler, dass er bewaffnet ist. Unruhe verbreitet sich, danach unheimliche Stille. Spätestens nach den ersten, eiskalt geplanten Toten, haben alle verstanden, dass Tyler es ernst meint und nun die ganze Schülerschaft in der Aula in Lebensgefahr schwebt.

„Es ist einfacher zu sagen, wer ich nicht bin, als wer ich bin.
Wenn sowieso alle von mir erwarten, dass ich scheitere, ist es einfacher, gleich aufzugeben, als es weiter zu versuchen.
Der nächste Schuss haut mich fast um.“

Tomás in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 132

Im ersten Viertel des Buchs bleiben die Charaktere noch recht blass. Hier wird vor allem geschildert, was vor Beginn des Amoklaufs passiert. Zudem wird schon anfänglich auf die Vergangenheit der Protagonisten eingegangen. Hier fehlte es noch ziemlich an Tiefe. Durch die wenigen Seiten und vielen Perspektiven baute sich zunächst keine Bindung zu den Figuren auf und sie büßten so einiges an Authentizität ein. Vor allem traf das auf die Beweggründe von Tyler zu. Hier fehlte es mir zu Anfang des Buchs an Nachvollziehbarkeit. Das lag wahrscheinlich auch an den recht trockenen Schilderungen. Zusätzlich störte ich mich an einigen Logikfehlern in der Geschichte. Beispielsweise wird in einem Kapitel beschrieben, dass eine Tür sperrangelweit offen steht – in einem folgenden Kapitel wird dann aber erläutert, dass die Tür mit dem Fuß aufgestoßen wird. Zudem versuchen Charaktere, Hilfe zu holen, lassen aber ein Auto stehen, weil sie unter zu großem psychischen Druck stehen. Das war für mich störend und hat mich nach dem ersten Viertel des Buches sehr skeptisch zurückgelassen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt schon sehr sicher, dass das Buch mich nicht überzeugen wird. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass es mir am Anfang sehr schwer fiel, die Verbindungen zwischen den einzelnen Protagonisten herzustellen.

Neben der Hauptgeschichte, die eine sehr emotionale Problematik thematisiert, werden mehrere andere brisante Themen angesprochen. Zum Einen wäre da die lesbische Beziehung von Autumn und Sylv, welche geheim gehalten wird. Es wird kommuniziert, dass sie viel Ablehnung erfahren und sich nicht einmal trauen, Hand in Hand zu gehen. Bevor man die Hintergründe erfährt, kam mir diese Schilderung nicht mehr so zeitgemäß vor. Zugegebenermaßen wurde das Buch 2016 veröffentlicht und ich habe keine Ahnung, wie kritisch das Thema Homosexualität immer noch in Amerika betrachtet wird. Zum Glück wurden nachvollziehbare Motive für das Verhalten des Pärchens geliefert, die meine Überlegungen überflüssig machten. Dennoch war mir dieser Konflikt nicht wichtig genug für die Entwicklung der Geschichte und zu wenig ausgearbeitet. Dadurch war mir dieser Zweig der Geschichte etwas zu viel. Ich hätte mich gern mehr auf die Hauptgeschichte konzentriert, um dort mehr Emotionen zu spüren. Weitere Themen, die angesprochen wurden waren Alkoholismus, kranke/pflegebedürftige Verwandte, Vergewaltigung und die Suche nach einer eigenen Identität in der Pubertät. Mir persönlich war diese Ansammlung an Problematiken zu überladen. Es war nicht möglich, sich auf alle dieser Themen angemessen einzulassen. Das gaben die wenigen Seiten aber auch gar nicht her.

Ab Hälfte des Buches gewinnt es zunehmend an Ausdruckskraft, Spannung und Emotionalität. Hier nimmt die Geschichte mit einem Mal richtig Fahrt auf. Die Charaktere entwickeln Stärke und bekommen mehr Tiefe.
Hier war für mich der Wendepunkt in diesem Leseerlebnis. Ich konnte das Buch nach der Hälfte der Geschichte nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat nochmal alles aufgefahren und sich mehr auf die Hauptgeschichte fokussiert. Am Ende konzentriert sich das Geschehen auf einen Showdown, der einem nicht nur das Blut in den Adern gefrieren lässt, sondern wie versprochen dem Leser das Herz bricht.

SCHREIBSTIL:

„Wir werden uns über unsere Angst erheben. Wir werden heute hier heil rauskommen. Wir werden einen Weg finden.“

Claire in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 138-139

Die Geschichte um den Amoklauf wird aus vier Perspektiven geschildert. Abwechselnd werden die Ereignisse aus der Sicht der Protagonisten Claire, Autumn, Sylv und Tomás erzählt. Ich glaube, ich muss nicht besonders betonen, dass ich Perspektivwechsel als Element in einer Geschichte meistens nicht so toll finde. Erstaunlicherweise begegnen mir in den letzten Jahren sehr viele Werke, die genau diese Art der Erzählung nutzen. Auch in dem vorliegenden Roman ist der Wechsel gut gelungen. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass der Leser Informationen erhält, die er nur aus einer Perspektive heraus nicht bekommen hätte. Auch einen allwissenden Erzähler kann ich mir in dieser Geschichte nur schwerlich vorstellen. Von diesem Standpunkt aus kann ich sagen, dass mir der Perspektivwechsel hier wirklich gefallen hat und für die Wirkung und das Storytelling extrem wichtig war.

Die Übersetzung war leider nicht wirklich hochwertig. Neben Rechtschreib- gab es auch Grammatikfehler, wie bspw. Wortwiederholungen in aufeinanderfolgenden Sätzen. Leider mindert das immer sehr den Lesefluss, weswegen ich hier auf jeden Fall einen Punkt abziehen muss.

Zwischen den Kapiteln wurden immer wieder kleine Abbildungen eingebaut, die Social Media Posts oder SMS von Schülern zeigen, die keine Protagonisten sind. Dadurch wurde der Einblick in einzelne Schicksale erhöht. Teilweise erschreckend, aber auch berührend verfolgte man hier noch Nebenfiguren, die einem ans Herz wuchsen. Auch der Hass und Relativierung der Ereignisse wurde über dieses Element gezeigt. Hier hatte der Leser schon fast das Bedürfnis, dass sie bitte alle ruhig bleiben sollen und, dass sie nicht durch Hass die gleichen Dynamiken in Gang setzen, die bei Tyler zum Amoklauf führten.

Allgemein liest sich der Stil von Nijkamp gut. Kurze prägnante Sätze, anfänglich etwas trocken, im Verlauf immer emotionaler bilden den Grundtenor des Buches. An sich ein flüssig und schnell zu lesender Schreibstil, wenn man die Abstriche in der Übersetzung außer Acht lässt.

FAZIT:

„Die Welt besteht aus Veränderung. Aber solange du deine Erinnerungen wertschätzt und unterwegs immer wieder neue sammelst, ist es gleich.
Du wirst immer ein Zuhause haben.“

Sylv in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 295

Von einem Buch mit einem so sensiblen Thema wie dem eines Amoklaufs, erwarte ich auch eine sensible und vor allem tiefgreifende Auseinandersetzung mit diesem Sujet. Tatsächlich habe ich gehofft, dass beim Leser ein Gewissenskonflikt hervorgerufen wird, indem man den Amokläufer so authentisch und emotional beschreibt, dass man sich selbst vielleicht ertappt, seine Motivation nachvollziehen zu können. Hier hat der Klappentext die Messlatte bereits sehr hoch angesetzt, indem er verspricht „Dieser Roman lässt seine Leser mit gebrochenem Herzen zurück.“.
Der Gewissenskonflikt wurde nicht so erreicht, wie ich es erwartet hatte. Zumindest konzentrierte sich das Buch ab der Hälfte mehr auf Tiefe und Emotionalität sowie auf die Hauptgeschichte. Die nebenbei behandelten Themen hatten meiner Meinung nach nicht genügend Raum.
Zusammenfassend ein Buch, welches nach der Hälfte Fahrt aufnimmt und dann durch emotionale Charaktere, Spannung und Tiefe überzeugt. Erschreckend beschrieben und berührend in jeder Nebenfigur. Wie der Klappentext versprach, ist mir am Ende das Herz gebrochen. Ein gutes Jugendbuch mit einem sehr brisanten Thema. Lesenswert!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Sieg über Narzissmus“ von JH Simon & Matthias Arnoldt

Hallo liebe Leser,

in meinem Urlaub las ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks endlich mal wieder ein Fachbuch. Es reiht sich damit in die vielen Bücher dieses Jahr ein, die mir helfen, mein Projekt 2019 zu erreichen – auch mal abseits meiner typischen Genres zu lesen. Warum interessierte ich mich gerade für dieses Fachbuch? Nun zuerst einmal hat mich interessiert, ob die für mich bisher unbekannten Autoren dieses doch sehr umfangreiche Thema in so einer kleinen Seitenanzahl unterbringen können. Außerdem habe ich selbst mit einem Narzissten (vor der Lektüre dachte ich noch, es wäre nur einer) in meiner näheren Umgebung zu tun und habe mir erhofft, mehr über das Thema zu erfahren. Ob das Buch meine Erwartungen erfüllen konnte und wie es mir gefallen hat, möchte ich euch gern etwas näher erläutern.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Sieg über Narzissmus – Narzisstischen Missbrauch erkennen – überwinden – heilen
  • Autor: JH Simon / Matthias Arnoldt
  • Anzahl der Seiten: 217 Seiten
  • Verlag: Self Published / vom Autor verlegt
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2019)
  • Genre: Fachbuch (Psychologie)

INHALT:

Das Buch der beiden Autoren führt den Leser auf eine Reise in die Tiefen des Themas Narzissmus. Den Anfang bildet eine Erklärung, wie man selbst den Narzissmus vielleicht durchschaut hat und was alles dahintersteckt. Es wird ein erster Einblick in die Persönlichkeiten der Narzissten und auch die Langzeitwirkungen von narzisstischen Beziehungen gegeben, bevor als Grundlage der weiteren Kapitel eine umfassende Erläuterung erfolgt, wie Narzissmus funktioniert und warum es so schwer ist, aus dieser Dynamik zu entfliehen.
Im weiteren Verlauf wird auf das menschliche Schamgefühl eingegangen, welchem eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Narzissmus beikommt. Hierbei wird vor allem auf die toxische Scham eingegangen, die dabei ensteht.
Während dieser Einblicke in die psychologische Funktion der narzisstischen Beziehungen werden immer wieder Beispiele für narzisstische Persönlichkeiten gegeben und immer tiefer auch auf deren Beweggründe und den Kern dieses Problems eingegangen. Narzisst und Zielperson werden letztendlich in zwei Kapiteln gegenübergestellt, um deren Zusammenspiel besser verstehen zu lernen. Das Kennenlernen der Zielperson ist dabei ein Kennenlernen mit sich selbst, falls der Leser selbst Erfahrungen mit narzisstischen Beziehungen vorweisen kann. Vor allem Empathen haben häufig und wiederkehrend mit diesen Persönlichkeiten zu tun. Das Verständnis um die eigene Persönlichkeit und deren Anziehung auf einen Narzissten, genauso wie die Einsicht, welche Dynamiken man selbst in Gang setzt, ist der erste Schritt der Selbstreflektion für einen Ausbruch aus solchen Beziehungsstrukturen.
Schließlich widmet sich das Fachbuch der Frage, wie der Ausbruch gelingen kann. Hier werden nicht nur die Hindernisse auf diesem Weg erläutert – frei nach dem Motto: „Kenne deinen Feind.“, sondern auch erklärt, wie man eine umgekehrte Gehirnwäsche beginnen kann. Dazu werden sieben Übungen ausführlich erläutert, die nach und nach bei der Loslösung von einem Narzissten helfen sollen. Empfohlen wird, diese Übungen chronologisch anzugehen und die nächste Übung erst zu beginnen, wenn die vorhergehende abgeschlossen wurde.
Nach den Übungen wird man von den Autoren aber nicht sofort aus dem Buch entlassen. Es folgt ein Ausblick, welche Schwierigkeiten auch in Zukunft auf einen zukommen können und wie der neue Anfang sich gestalten kann. Der Abschluss wirkt hoffnungsvoll und motiviert, sich nicht unterkriegen zu lassen.

SCHREIBSTIL:

Das vorliegende Werk ist ein gut recherchiertes Fachbuch, was durch den teilweise umgangssprachlichen Sprachstil auch als Sachbuch durchgehen könnte. Die Fachtermini werden immer wieder durch gebräuchliche Redewendungen und zuweilen sehr roh formulierte Metaphern aufgelockert. Manchmal wirkte dieser Twist des Sprachstils etwas befremdlich, allerdings denke ich, dass diese Abwechslung dem ganzen Thema auch gut getan hat. Vor allem denke ich aber, dass Narzissmus durch seine Verschleierungstaktiken vielleicht auch besser in dieser herben Art beim Namen genannt werden sollte. Denn allzu oft ist der Betroffene in diesen Dynamiken so gefangen, dass er sich nicht daraus befreien kann. Hier braucht es dieses mentale Ausrufezeichen, damit die Problematik wirklich ins Bewusstsein tritt.
Das Buch hat sich mit seinen gut 200 Seiten länger gelesen als andere Bücher, was den fachspezifischen Erklärungen zugrunde liegt. Das tut dem wichtigen Thema und der guten Darstellung allerdings keinen Abbruch, denn für ein Fachbuch hat sich der ganze Stil extrem gut gelesen.

FAZIT:

Das Buch ist gut recherchiert, hochinteressant und gut geschrieben. Narzissmus als Thema ist nicht nur spannend, sondern zuweilen auch befremdlich. Gerade die Langzeitwirkungen der narzisstischen Beziehungen und die unbewussten Dynamiken haben mich hier besonders fasziniert, aber auch erschreckt. Der persönliche Bezug machte das Buch für mich noch viel brisanter und aktueller. Ich erkannte Muster, die mir so gar nicht bewusst waren und mir wurde klar, dass da nicht nur ein einziger Narzisst in meinem Leben ist und war.
Das Buch hat also die Fähigkeit, Betroffenen in vielen Belangen die Augen für das zu öffnen, was bewusst nicht sichtbar ist. Zudem hilft es, ein Grundverständnis für das Thema zu erlangen und erste Werkzeuge im Kampf gegen den Narzissmus an die Hand zu bekommen. Ein durchdachtes Werk. Für alle empfehlenswert, die selbst Narzissmus in ihrer Umgebung vermuten und für Leser, die sich für Psychologie und Narzissmus interessieren. Eine klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Love to share“ von Beth O´Leary

Meine lieben Leser,

ich hatte das Glück, wieder einmal bei einer Leserunde von Lovelybooks dabei zu sein. Dieses Mal habe ich es mit einem Liebesroman versucht, welcher mein Projekt 2019 weiter ausbauen soll, dass ich mal außerhalb meiner Genres lese. Ich hatte ungeheures Glück, mich bei über 450 Bewerbungen durchzusetzen und das Buch „Love to share“ von Beth O´Leary in der Leserunde zu besprechen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Love to share – Liebe ist die halbe Miete
  • Autor: Beth O´Leary
  • Anzahl der Seiten: 478 Seiten
  • Verlag: Diana Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2019)
  • Genre: Roman, Liebesroman

INHALT:

Der Roman beginnt mit der Wohnungssuche der Protagonistin Tiffy. Unterstützung erhält sie schon zu Beginn (sowie auch im Rest der laufenden Handlung) von ihren Freunden Mo und Gerty. Die beiden sind von Tiffys Wohnungsangeboten alles andere als begeistert, da deren schlechter Zustand die Sorge um ihre Freundin verstärkt. Tiffy entdeckt später eine Anzeige, in der eine WG in einer 1-Zimmer-Wohnung angeboten wird. Der Clou daran: Der Besitzer arbeitet genau zu anderen Zeiten als Tiffy und man würde sich nie begegnen. Für Tiffy klingt diese Abmachung nahezu perfekt, auch wenn sie bezüglich des geteilten Bettes einige Bedenken hat.
Letztendlich lässt sie sich jedoch trotzdem darauf ein und bezieht ihr neues Zuhause. Die Kommunikation mit ihrem WG-Mitbewohner Leon beginnt, als Tiffy kleine Nachrichten auf Post-it-Zettelchen an ihn schreibt.

Im Laufe der Geschichte lernt man viele Nebenfiguren kennen. Da wären zum Einen die Kollegen von Tiffy im Verlag für DIY-Themen, wo sie als Lektorin arbeitet. Zum Anderen die schon erwähnten Freunde Mo und Gerty, die sich stetig um das Wohlergehen von Tiffy sorgen und viele brisante Situationen zu erden wissen. Gerty kommt später als Rechtsanwältin sogar eine Art Schlüsselposition zu. Eine ebenfalls wichtige, wenn auch mehr als unsympathische Nebenfigur ist Tiffys Ex-Freund Justin, der sie nach wie vor kontaktiert und über den immer mehr erschreckende Details in Bezug auf die Ex-Beziehung gelüftet werden.
Leon als zweiter Protagonist bringt ebenfalls viele weitere Charaktere ins Spiel. Vor allem auf zwei seiner Patienten wird das Augenmerk gelegt – die kleine Holly und der liebe Mr. Prior, deren Schicksale Leon und auch den Leser tief berühren. Leons Bruder nimmt ungefähr ab der Hälfte des Buches ebenfalls mehr Raum ein und wird wie Gerty zu einer Schlüsselfigur. Abgesehen von diesen Nebendarstellern, gibt es freilich noch viele andere Personen, die den beiden Hauptfiguren im Laufe der Handlung begegnen.

Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Irgendwann begegnen sich Tiffy und Leon. Danach entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte zwischen den beiden Hauptfiguren, die sich eigentlich niemals begegnen wollten. Die Romanze steht zwar im Fokus, allerdings wird sie von vielen Elementen umrahmt, die sie nicht vorrangig erscheinen lassen. Wir lernen nicht nur viel über Tiffys Persönlichkeit und ihre Gefühle, sondern auch über ihren Arbeitsalltag und die Loslösung von ihrem Ex-Freund. Ähnlich sind die Themen, die bei Leon behandelt werden, wobei hier auch sein Bruder und dessen unschuldige Verurteilung vor Gericht immer wieder im Mittelpunkt steht. Richie sitzt zu Unrecht im Gefängnis und es gibt zunächst wenig Hoffnung auf Freilassung.

Gerade als sich die Liebesgeschichte zwischen Leon und Tiffy entwickelt, wird diese von der Einmischung durch Tiffys Ex-Freund Justin überschattet. Während der Leser auf der einen Seite nicht genug von romantischen Situationen zwischen dem Protagonisten-Paar bekommen kann, steigert sich die Spannung immer mehr und gipfelt im letzten Viertel in einem Höhepunkt, dem ein Happy End folgt.

SCHREIBSTIL:

Die Geschichte wird im Perspektivwechsel zwischen Tiffy und Leon erzählt. Was mir sehr gut gefallen hat, war, dass die Perspektiven in einem unterschiedlichen Stil gearbeitet wurden. Tiffy erzählt leicht und unbedarft, nimmt kein Blatt vor den Mund. Leon hingegen beschreibt gerade am Anfang alles in kurzen, abgehakten Sätzen, die sehr gut vermitteln, wie gestresst und ruhelos er ist. Sein Stil wird mit der Bekanntschaft von Tiffy und der voranschreitenden Entwicklung der Liebesgeschichte weicher und ausführlicher. Auch hier wird über den Schreibstil zwischen den Zeilen die Wandlung des männlichen Protagonisten durch die Liebe gezeigt.
Wie ich schon oft betonte, bin ich kein wirklicher Fan vom Perspektivwechseln in Büchern. Und wie ich in der letzten Zeit immer öfter betonen musste, gab es für mich gerade in den vergangenen Jahren wahnsinnig viele Bücher, die dieses Stilmittel super umgesetzt haben. Auch dieser Liebesroman hat es geschafft, dass einem der Wechsel zwischen den Protagonisten fast gar nicht mehr auffällt und es die Handlung überhaupt nicht stört.
Der Schreibstil von Beth O´Leary ist generell sehr unkompliziert, schnell und leicht zu lesen. Was mir aber besonders gut daran gefällt, ist, dass der Stil nicht nur sympathisch klingt, sondern sie es auch geschafft hat, selbst die unzähligen Nebenschauplätze zum Leben zu erwecken. Niemals wurde es langweilig den Nebenfiguren zu folgen und das auch abseits der Hauptstory. Die Autorin hat es wirklich geschafft, dass alle Charaktere Tiefe und Farbe bekamen. Wirklich perfekt.
Hinzu kommt ein großes Lob für das richtige Maß an Humor und Tiefe, welche im Wechsel den Großteil der Geschichte ausmachen.

FAZIT:

Was soll ich sagen? Obwohl ich Liebesgeschichten nicht zu meinen typischen Genres zähle, konnte mich dieses Buch fesseln und begeistern. Vor allem die gute Mischung aus allen genannten Komponenten war es, die es geschafft hat, die Lektüre zu etwas Besonderem zu machen. Nicht umsonst bezeichnet Cosmopolitan die Autorin als neue Jojo Moyes. „Love to share“ war für mich tatsächlich ein Highlight im bisherigen Lesejahr 2019. Kleine Abstriche gab es für mich in der Nachvollziehbarkeit des Verhaltens einiger Figuren in ein paar Situationen und im Lektorat, welches nicht perfekt war. Teilweise haben Leerzeichen gefehlt oder es wurde „wie“ anstatt „als“ genutzt. Sowas stört mich beim Lesen extrem. Allerdings hat der Inhalt mich so überzeugt, dass diese Kritik nicht weiter ins Gewicht fällt.
Das Buch hat einfach alles, was eine entspannte und gute Sommerlektüre braucht. Wer also noch eine Liebesgeschichte für den Strand sucht, der kann mit diesem Schmöker nichts falsch machen. Allerdings solltet ihr euch dann noch ein anderes Buch einpacken – denn ich konnte es nicht mehr weglegen und habe die Seiten praktisch eingeatmet. Deswegen wirken die rund 480 Seiten doch sehr kurzweilig. Eine unbedingte Leseempfehlung für alle Romantik-Liebhaber und alle, die entspannte Lektüre mögen!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI