Frauen der Weltgeschichte – Karen (Tania) Blixen

Karen „Tania“ Blixen
1885 – 1962
Dänische Schriftstellerin

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Titel: Svenska: Ungdomsfotografi av Karen Dinesen (Karen Blixen). Fotograf Carl Sonne cirka 1903. (Quelle)
Fotograf: Carl Sonne 1845-1919

Karen Blixen wurde weltberühmt durch den Hollywood-Film „Jenseits von Afrika“, in dem sie von Meryl Streep dargestellt wurde. Auf dem deutschen Buchmarkt trägt die Schriftstellerin das Pseudonym Tania Blixen. Als Isak Dinesen veröffentlichte sie englischsprachige Bücher.

Aufgewachsen ist Blixen in Dänemark. Ihre Kindheit war geprägt durch eine strenge, bürgerliche Erziehung. Ihr Vater war Offizier, Schriftsteller und Politiker. Ihre Mutter lebte streng religiös. Sie hatte vier Geschwister.
Schon als Kind hatte sie viel Kontakt zu ihrem späteren Ehemann Bror von Blixen-Finecke, da er der Sohn der Cousine ihres Vaters war.
Karen wandte sich zeitig von der strengen und religiösen Lebensweise der Eltern ab. Ihrem Vater stand sie dennoch sehr nah, weswegen sein Selbstmord sie besonders schwer traf. Sie war erst zehn Jahre alt, als es geschah.
Karen Blixen besuchte in Kopenhagen mehrere Kunstschulen. Während ihres Studiums an der Kunstakademie begann sie zu schreiben. Auch ihre ersten Kurzgeschichten aus dieser Zeit veröffentlichte sie unter einem ihrer vielen Pseudonyme, die schon fast so etwas wie weitere Persönlichkeiten wurden.

Nach der Heirat mit ihrem Halbcousin Bror, wanderten die beiden nach Kenia aus, um dort eine Milchfarm zu betreiben. So hatte Karen endlich die Chance, den Ketten ihres strengen Elternhauses zu entfliehen. In Kenia angekommen, erkannte sie aber, dass ihr Mann anstatt einer Milch- eine Kaffeefarm gekauft hatte. Diese lag außerdem zu hoch, denn bis dato sah man es als unmöglich an, in 1700 Metern Höhe Kaffee anzubauen. Karen versuchte das Unmögliche. Später sollte ihr Buch „Afrika, dunkel lockende Welt“ mit ein paar Worten zu dieser Farm beginnen, genauso die bekannte Hollywood-Verfilmung. Später besaßen sie nicht nur Kaffeefarmen, sondern auch die anfänglich geplante Milchfarm.
Ihr Mann Bror verschwendete ihr Geld und das ihrer Familie, denn er war schon beim Kauf der Farm pleite. Er war ein Weiberheld und Anhänger der Prostitution. Aus diesem Grund erkrankten er und Karen an Syphilis. Neuartige Behandlungen mit Quecksilber und arsenhaltigen Mitteln und die Spätfolgen der Erkrankung führten dazu, dass sie lebenslang unter chronischen Schmerzen litt. Später litt sie zudem an der Spanischen Grippe, Blutvergiftung und ständigen Schmerzattacken. Die Ehe mit Bror wurde schlussendlich geschieden, nachdem sich Karen zunächst gegen eine Trennung wehrte. Nach der Trennung half ihr Bruder dabei, die Farmen allein weiterzuführen. Nach 17 Jahren Ertragslosigkeit musste sie jedoch endgültig dieses Projekt aufgeben. Allerdings sorgte sie dafür, dass ihre Angestellten vom Volksstamm der Kikuyu nicht vertrieben, sondern gemeinsam umgesiedelt wurden. Das Land um die Farm trägt bis heute den Namen „Karen“.

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Titel: Baroness Karen Blixen and her brother, engineer Thomas Dinesen, on the baroness’s African farm (Quelle)
Fotograf: Gottlieb Foto

Ihre spätere große Liebe zu Denys Finch Hatton war von Wirrungen durchzogen. Sie pflegte bereits eine Affäre zu ihm, als die Trennung zu Bror noch nicht vollzogen war. Als sie schwanger wurde, konnte sich Denys nicht vorstellen, Vater zu werden und verließ sie – Schluss gemacht hat er per Telegramm. Karen erlitt danach ihre zweite Fehlgeburt. Danach kehrte Denys wieder zu ihr zurück und wohnte mit auf der Farm. Das Verhältnis zerbrach, als Denys bei einem Besuch des Prinzen von Wales auch Bror mit auf die königliche Safari einlud. Denys kam bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Nach Karens Rückkehr nach Dänemark veröffentlichte sie dann mehrere Bücher, von denen nicht nur eines verfilmt wurde. Für eines dieser Werke gewann sie einen Preis. Mit „Sieben phantastische Geschichten“ gelang ihr der Durchbruch. 1954 munkelte man, sie wäre für den Literaturnobelpreis nominiert, den allerdings Ernest Hemingway gewann. Dieser betonte, Blixen wäre dem Preis würdiger gewesen.
Aufgrund ihrer Gesundheit war ihr das Schreiben schließlich unmöglich, aber sie sprach in vielen Radiosendungen vor. Viele ihrer Werke erschienen postum. Sie wurde 77 Jahre alt.
Sie starb kurz vor der Verleihung des Literaturnobelpreises, für den sie nominiert war. Aufgrund ihres Todes konnte sie ihn nicht mehr entgegen nehmen und so wurde er John Steinbeck verliehen.

(Vgl. Rustikal u.a.: Karen Blixen. https://de.wikipedia.org/wiki/Karen_Blixen [Stand: 15.11.2019])

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Titel: Baroness Karen Blixen-Finecke at Kastrup Airport CPH, Copenhagen 1957-11-02. (Quelle)
Fotograf: SAS Scandinavian Airlines

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Es ist wieder soweit – Lovelybooks-Leserpreis nominieren!

Meine lieben Leser,

es ist wieder soweit! Wie jedes Jahr kann zurzeit jeder beim Lovelybooks-Lesepreis seine Lieblingsbücher nominieren.

Untergliedert ist das ganze nach den verschiedenen Genres. Neben den eigenen Nominierungen findet man hier auch mal ein paar neue Anregungen, was den anderen Lesern noch gefallen hat. Also worauf wartet ihr noch? 🙂 Die Autoren warten auf eure Stimmen.

Pro Kategorie können drei Stimmen vergeben werden.

Ganz viel Spaß und bis bald,

Eure Hachidori

Rezension – „One true Queen – Von Sternen gekrönt“ von Jennifer Benkau

Meine lieben Leser,

heute möchte ich mit euch über ein Buch sprechen, welches praktisch in aller Munde ist. Schon allein das wunderschöne Cover treibt einen dazu, dieses Buch wenigstens einmal in die Hand zu nehmen. Ich hatte das Glück, bei einer Aktion von Thalia, ein signiertes Exemplar zu ergattern. Nun endlich hatte ich Zeit, es zu lesen und möchte meine Eindrücke wie immer mit euch teilen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: One true Queen – Von Sternen gekrönt (Band 1)
  • Autor: Jennifer Benkau
  • Anzahl der Seiten: 509 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Romantasy

INHALT:

Mailin ist ein ganz normales Mädchen. Oder naja – vielleicht ist in ihrem Leben doch nicht alles normal. Ihre alleinerziehende Mutter gönnt sich selbst kaum eine Pause, damit die Protagonistin und ihre Schwester nicht zu kurz kommen. Vicky, Mailins Schwester, liegt seit sieben Jahren im Wachkoma. Sie wird zuhause von ihrer Mutter gepflegt, obwohl diese noch nebenbei arbeiten geht. Mailin wollte nicht, dass Vicky in ein Heim verlegt wird. Einzig das Hobby unserer Hauptperson gibt ihr Halt – sie trainiert Kendou, eine japanische Sportart.
Nach einem Training bricht Mailin zusammen. Plötzlich findet sie sich in einer anderen Welt wieder – in Lyaskye. Nicht nur die Natur und die Tiere sind komplett anders, sondern auch ihr Verhalten. In Lyaskye ist nichts, wie es scheint. Das spürt Mailin am eigenen Leib, als sie von einem wildgewordenen Baum fast umgebracht wird. Sie kämpft um ihr Leben und mehr oder minder kommt ihr ein Fremder zu Hilfe.
Der Fremde wird von Mailin auf den Namen „Peter“ getauft, nach der Geschichte von Peter Pan. Er willigt ein, sie bis in die Hauptstadt Rubia zu begleiten, danach allerdings soll Mailin auf sich selbst gestellt sein. Sie ist natürlich mehr als verwirrt, warum sie in dieser Welt ist und nicht in ihrer eigenen. Zudem muss sie sich mit „Peter“ durch einige kleine Abenteuer schlagen. Als wäre diese Situation nicht schon verwirrend genug, erfährt sie bei ihrer Ankunft in Rubia eher unfreiwillig, dass die Königin dieses Landes ihrer Schwester zum Verwechseln ähnlich sieht. Und nicht nur das – sie regiert seit sieben Jahren …

Mailin versucht im Folgenden Kontakt zur Königin aufzunehmen und gerät in ein Geflecht aus politischen Verwirrungen und Intrigen. Auf ihrer Suche nach einem Weg zurück in ihre Heimat bringt sie sich mehr als einmal in Lebensgefahr und verliebt sich in einen ihr alten Bekannten. Doch nichts ist, wie es scheint, in Lyaskye und so weiß Mailin zu keiner Zeit, wem sie wirklich trauen kann und wem nicht.

Wen Mailin alles auf ihrer Reise trifft, ob die Königin mit ihrer Schwester zu tun hat, was der geheimnisvolle „Peter“ für eine Rolle spielt und welche Abenteuer sie erlebt, das lasse ich euch lieber selbst lesen. Aber am liebsten würde ich euch direkt die ganze Geschichte erzählen!

SCHREIBSTIL:

Am Anfang hat es mich etwas genervt, dass Gedanken und Gesprochenes direkt ineinander übergehen. Diese wurden nicht, wie sonst gewohnt, durch Absätze getrennt. Das hat mich anfänglich sehr verwirrt und mich auch öfter beim Lesen innehalten lassen, weil ich aufpassen musste, was Mailin nun wirklich sagt oder nur denkt.

Ansonsten ist der Schreibstil von Jennifer Benkau wunderbar fantasievoll und ausführlich, aber nie langweilig. Die Seiten flogen nur so dahin und ich konnte mich in ihrer Sprache verlieren, ohne zu merken, wieviel ich wirklich gelesen habe. Das ist immer ein gutes Zeichen.

Die unterschiedlichen Charaktere waren gut herausgearbeitet und ich habe selbst in den Nebenfiguren Leben gespürt. Es ist toll, wenn die Figuren zum Leben erwachen und nicht farblos bleiben.

FAZIT:

Am Anfang war ich mehr als skeptisch – die Grundidee eines Menschen, der im Koma liegt und einer damit verbundenen Reise in eine andere Welt ist schließlich nicht ganz neu. Noch dazu liest Mailin Vicky am Anfang aus „Alice im Wunderland“ vor. Dadurch hatte ich extreme Angst, dass es in diese Richtung gehen würde. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Adaptionen der Alice-Geschichte gelesen und die waren alle nicht so wirklich prall. Diese Angst wurde schnell ausgeräumt. Allerdings blieb eine weitere Angst – denn die Geschichte erinnerte mich am Anfang direkt auch an „The Unwhispered World“, ein Videospiel, in dem ein Junge im Koma liegt und nur wieder erwacht, weil er das Böse in dieser Welt besiegt. Ich hatte wirklich Bedenken, es könnte ein Abklatsch werden und war zunächst etwas enttäuscht. Denn ich ahnte irgendwie direkt, dass die Schwester von Mailin und Lyaskye zusammenhängen würden.
Meine Bedenken wurden restlos ausgeräumt. Die Geschichte ging in eine völlig andere Richtung, als ich es erwartet hatte und auch der Übergang zwischen den Welten war anders geregelt als gedacht. Auch die Entwicklung der Charaktere und er gesamte Plot waren nicht so angelegt, wie befürchtet. Hier wurde ich definitiv überzeugt.
Dazu kam eine herzzerreißend schöne Liebesgeschichte mit ordentlich Verwirrung und tiefen Gefühlen. Auch das Worldbuilding konnte mich überzeugen, wenngleich die Welt an sich etwas in den Hintergrund vor der großen Geschichte trat. Ich hätte gern mehr zu meckern und würde gern Punkte abziehen – aber ich weiß einfach nicht warum. Vielleicht hat die Königskrone von mir Besitz ergriffen und erfüllt mich mit purer Harmonie und Glückseligkeit. 😉

Alles in allem und wider Erwarten eines meiner Jahres-Highlights 2019. Fantasy gepaart mit Romantik, Spannung und Dramatik. Liebevoll gezeichnete Charaktere runden die gewaltige Story ab. Klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Japan – Tag 11: Onsen-Ausflug nach Yufuin, Spezialzug „Yufuin no Mori“ und Karaoke in Fukuoka

Liebe Leser,

da habe ich die Weiterführung des Reiseberichts aus Japan ja wirklich lange genug vor mir hergeschoben. Ich gebe aber zu, dass das vor allem daran liegt, dass ich mir nicht eingestehen will, dass die Reise schon wieder 1,5 Jahre her ist und ich diese Beitragsreihe nicht beenden möchte. Dann ist es wirklich vorbei. Seufz. Mir kommt das überhaupt nicht so vor. Zwischendurch ist auch so viel passiert, dass ich gar keinen Kopf hatte, mir die Zeit für diese ausführlichen Berichte zu nehmen. Allerdings werde ich das jetzt nachholen. 🙂 Denn es gibt noch zwei Tage zu berichten. Zum vorletzten Tag unserer Reise kommen wir heute. Nachdem wir im letzten Beitrag Hiroshima und Miyajima besichtigten, machen wir uns am elften Tag der Reise auf den Weg in das kleine Dorf Yufuin, um in einem Onsen zu baden.

Vor unserer Reise stand für uns fest: Wir wollen unbedingt ein Onsen besuchen. Für alle, die das Wort eventuell noch nicht gehört haben, folgt eine kurze Definition. Ein Onsen ist eine heiße Quelle, in der man baden kann. Es gibt heiße Quellen mit Freiluftbecken, Hotels haben kleine innenliegende Bäder und es gibt auch Badehäuser, die von heißen Quellen gespeist werden. Das besondere daran ist die hohe Temperatur und die Zusammensetzung des Wassers, welches sehr mineralreich und somit kreislaufanregend und gesundheitsfördernd wirkt. Onsen können nach Geschlechtern getrennte Becken besitzen oder gemischte Becken.

Für uns stand ebenfalls fest, dass wir auf jeden Fall ein Onsen im Freien besuchen wollten, damit wir ein Naturerlebnis dabeihaben. Wir haben viel recherchiert, denn es stellte sich uns ein kleines Problem. Ein Onsen mit Freiluftbecken, welches unseren ästhetischen Ansprüchen genügt, würde sich immer sehr weit von unserer Route entfernt befinden. Wir erkundigten uns bei unseren Gastgebern in Fukuoka, welche uns schlussendlich das Onsen in Yufuin empfohlen hatten. Mit seinem großen gemischten Becken, welches einen Ausblick auf die Berge bietet, gehört es sogar zu den schönsten Onsen in Japan. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Yufuin no Mori – ein japanischer Spezial-Zug

Noch in Tokyo und ganz am Anfang unserer Reise besprachen wir unsere Pläne mit meinem japanischen Kumpel, der uns empfahl, an einem Fahrkartenschalter der japanischen Zuglinie JR direkt alle Fahrten vorzubuchen und zu reservieren. Eher durch Zufall erfuhren wir, dass nach Yufuin ein Spezialzug namens „Yufuin no Mori“ fährt. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als der Bahnmitarbeiter uns erklärte, dass wir nicht einmal einen Aufpreis für diesen Zug zahlen müssten, weil es im JR-Pass inklusive wäre. Da sagt man doch nicht nein und schon war unser Trip nach Yufuin gebucht!

Als wir dann am elften Tag unserer Reise in Fukuoka zum Bahnhof aufbrachen, waren wir etwas aufgeregt und freuten uns schon auf einen entspannten Tag. Die Fahrt von Fukuoka nach Yufuin dauert mit dem Spezialzug gute vier Stunden. Japaner lieben das Zugfahren und es ist eine Art Urlaubserlebnis lange Zugreisen zu unternehmen. Richtig begreifen konnten wir den Zug-Hype erst, als wir den Zug betraten. Mit unseren Fahrkarten im Anschlag, machten wir uns auf den Weg zum betreffenden Gleis. Als wir dort warteten, fuhr schließlich der Zug ein. In diesem Moment realisierte eine meiner Freundinnen, dass sie ihre Fahrkarte nicht mehr finden konnte – sie hatte sie verloren. Wir brachen natürlich dezent in Panik aus und machten uns alle schnell auf den Weg zum Bahnhofsbüro. Mit Händen und Füßen erklärten wir, was vorgefallen war. Ihre Rückfahrkarte konnte meine Freundin schließlich noch vorzeigen. Die Mitarbeiter des Bahnhofs waren mehr als zuvorkommend und druckten uns mir nichts, dir nichts eine neue Fahrkarte aus. Dazu muss man sagen, dass man in diesem Spezialzug feste Sitzplätze hat und deswegen eigentlich sehr streng mit den Fahrkarten umgegangen wird. Wir waren superglücklich. Meine Freundin hatte eine neue Fahrkarte für einen anderen Platz und setzte sich erstmal auf den Platz, den sie eigentlich reserviert hatte, damit wir nebeneinander sitzen konnten. Wir waren völlig außer Atem, als wir uns auf den Plätzen niederließen, weil wir zurück zum Gleis gerannt waren, um den Zug noch rechtzeitig zu erreichen. Gerade, als wir uns ein bisschen beruhigt hatten, kam eine Zugbegleiterin in unser Abteil und blieb vor dem Platz meiner Freundin stehen. Sie übergab ihr die verlorene Fahrkarte und erklärte uns, dass sie beim Schaffner abgegeben wurde. Ein Fremder hatte die Karte also im Bahnhof gefunden und zum Zug gebracht. Wieder einmal waren wir beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Japaner.

Als der Zug dann startete, bewunderten wir das erste Mal das auffallend luxuriöse Interior. Der Zug ist auch deswegen ein Spezial-Zug. Er ist bekannt für seine aus Holz geschaffene Innenausstattung. An vielen Orten in diesem Zug kam man sich eher vor, als würde man sich in einem Hotel befinden und nicht in einem Zug. Während der Fahrt machten wir einen interessanten Rundgang durch den Zug, der uns vielfältig faszinieren konnte. Hier lasse ich gern die Bilder sprechen.

Was haben wir denn noch gemacht in diesen vier Stunden? Erstaunlicherweise ging die Zeit wahnsinnig schnell rum. Wir haben manchmal einfach nur aus dem Fenster geschaut und genossen, wie Japan an uns vorbeizieht. Nach den turbulenten und ereignisreichen Tagen, die hinter uns lagen, tat uns diese Entschleunigung und Entspannung einfach wahnsinnig gut. Außerdem hatten wir ja mobiles Internet und konnten so ein bisschen in den japanischen Apps und Spielen stöbern. Eine lange Zugfahrt war auch perfekt zum Reisetagebuch oder Postkarten schreiben. Und dann kam eine Zugbegleiterin mit einem großen Bild des Zuges inklusive Datum vorbei – inklusive in der Zugfahrt ist nämlich, dass man ein Erinnerungsfoto bekommt. Die Zugbegleiterin drückt einem dieses Bild in die Hand und bietet sich an, ein Foto zu schießen. Für Kinder gibt es die Möglichkeit, kleine Schaffnermützen aufzusetzen. Einfach liebevoll, wie man umsorgt wird. Zudem können Souvenirs im Zug gekauft werden oder typische Essenspakete, Getränke und Süßigkeiten. Zudem gibt es kleine Stempelkarten, auf denen man sich im Zug einen Stempel platzieren kann. Dieses Sammeln von Stempeln ist in Japan offensichtlich sehr beliebt und uns hatte dieser Virus direkt infiziert. Und dann waren die vier Stunden auch schon um. Wir hätten nie gedacht, dass diese Zeit so schnell vergeht. Doch am Ende fuhren wir schneller als gedacht in den Bahnhof des kleinen Dorfes Yufuin ein.

Yufuin – ein kleines japanisches Dorf

Yufuin begrüßte uns mit einem aus Holz gebauten Bahnhof. Wir fühlten uns direkt in der Zeit zurück versetzt. Nach dem Durchqueren des kleinen Bahnhofsgebäudes empfängt einen Yufuin mit direktem Blick auf den Berg Yufu.

Auf unserem Weg zum Onsen wanderten wir durch kleine Straßen, einen kleinen Berg empor und standen dabei ziemlich oft im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieses Dorf ist wirklich sehr weit weg von den üblichen Touristenzentren und die Bewohner beäugten uns interessiert und zuweilen kritisch. Eine meiner Freundinnen hatte sich entschieden, einen Spaziergang durch das Dorf zu machen, während meine andere Freundin und ich uns im Onsen entspannen würden. Deswegen teilt sich hier meine Berichterstattung, weil ich euch die Entdeckungen auf ihrem Spaziergang nicht vorenthalten möchte. Yufuin ist nicht groß und fast von überall im Dorf hat man einen wunderbaren Blick auf den Berg Yufu und die Natur um das Dorf herum. Auch hier möchte ich gern die Bilder sprechen lassen.

Das Onsen „Musouen“ in Yufuin

Nachdem wir den kleinen Berg zum Onsen erklommen hatte, sahen wir schon von Weitem einen kleinen Eingang aus Holz. Erstmal waren wir leicht orientierungslos, weil wir nicht wussten, wo wir einen Ansprechpartner finden würden. Dann fanden wir so etwas wie eine kleine Rezeption mit einer älteren Dame dahinter. Wir machten ihr verständlich, dass wir gern das Onsen nutzen würden. Es brauchte einige Zeit, bis wir verstanden, was sie uns im Gegenzug klarmachen wollte. Das große Becken mit Blick auf die Berge wurde an diesem Tag gereinigt und deswegen konnten wir es nicht nutzen. 😦 Wir waren so enttäuscht, waren wir doch extra wegen diesem Ausblick in dieses Onsen gefahren! Nach der ersten Enttäuschung besuchten wir also das kleinere Becken, welches nur für Frauen war. Für unsere erste Onsen-Erfahrung war das vielleicht auch besser so, denn in diesem kleinen Rahmen konnten wir uns besser an den anderen Frauen orientieren. Wir hatten uns vorher einige Anleitungen durchgelesen, wie man sich im Onsen verhält. Als wir dann tatsächlich im Umkleideraum zwischen den Japanerinnen standen, hatten wir ein totales Black-Out und sehr viel Angst, etwas falsch zu machen. Deswegen ließen wir uns ganz viel Zeit bei allen Dingen, die wir taten und orientierten uns an den Japanerinnen vor uns. Von dem Becken selbst haben wir leider keine Bilder, weil wir niemanden in Verlegenheit bringen wollten.

Zur Erklärung, in einem Onsen ist man komplett nackt. Es wird keine Badekleidung genutzt. Als wir die Tür zum Becken öffneten, standen wir gleich das nächste Mal im Mittelpunkt. So oft hatten die Japanerinnen wohl noch keine Ausländer dort gesehen. 🙂 Wir wunderten uns zunächst, dass die Anwesenden nicht direkt im Wasser saßen, sondern außen auf den Steinen. Es war Februar und nur fünf Grad Außentemperatur. Als wir dann eine Weile im sehr heißen Wasser saßen und die Minerale unseren Kreislauf auf Touren gebracht hatten, wussten wir wieso. Wir hielten es im Wasser gar nicht mehr aus und saßen auf einmal selbst draußen auf den Steinen, mit den Füßen im Wasser. Als nächstes waren wir verwirrt, dass die Anwesenden das Onsen so schnell wieder verließen. Selbst Personen, die nach uns das Becken betraten, waren eher wieder weg als wir. Später lasen wir nach, dass in einem Onsen eine Verweildauer von 10-15 Minuten empfohlen wird, da die Mineralien für den Kreislauf so fordernd sind. Das wussten wir nicht und waren ungefähr eine halbe Stunde in dem Becken. Danach war uns nicht nur wohlig warm, sondern wir schwebten wie auf Wolken durch die Welt. Unsere Haut und unsere Haare waren butterweich. Ein wunderbares Gefühl. Pure Entspannung. Warum wir so wabbelige Beine hatten, wussten wir ja dann später. 😉 Auf dem Rückweg machten wir noch ein paar Fotos von Yufuin und trafen unsere Freundin. Die Sperrung des Hauptbeckens hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon komplett vergessen, wir waren einfach glückselig.

Abschied von Yufuin

Wieder vereint, besuchten wir ein Restaurant und genossen das erste Mal kalte Soba. Spätestens seit unserem ersten Soba-Genuss in Kyoto waren wir große Fans dieses japanischen Nudelgerichts. In den angrenzenden Souvenir-Shops gingen wir noch kurz auf Entdeckungstour, bevor wir wieder in den Yufuin no Mori stiegen, der uns zurück nach Fukuoka bringen sollte. Zu unserem Erstaunen saßen wir dieses Mal sogar im Abteil der ersten Klasse, welches sehr nobel aussah und uns wieder mit der schönen Ausstattung begeisterte. Auch diese vier Stunden vergingen wie im Flug. Wahrscheinlich waren wir wirklich einfach geschafft von den Eindrücken der bisherigen Reise. Zudem mussten wir für unsere Abendpläne noch etwas Energie tanken.

Karaoke in Fukuoka

In Fukuoka trafen wir uns mit einem Freund von mir, den ich gebeten hatte, dass wir zusammen eine Karaoke-Bar besuchen. Das stand ganz groß auf unserer To-Do-Liste und am vorletzten Tag unserer Reise wollten wir da gern noch einen Haken dran setzen. Unweit vom Bahnhof nutzten wir eine Karaoke-Bar – Bezahlung und Klärung aller Details übernahm zum Glück mein Kumpel, denn unser Kopf war nach dem Onsen-Abenteuer wie in Watte gepackt. Wie läuft das alles ab? Man bezahlte eine Grundgebühr für einen bestimmten Zeitraum und bekam ein separates Zimmer mit Mikrofonen, Bildschirmen und einem Tablet. Zudem lag dort eine Getränkekarte. Jeder musste mindestens ein Getränk bestellen. Und danach begann unser Karaoke-Abend. Auf dem Tablet kann nach jedem erdenklichen Lied gesucht werden. Wer denkt, er muss japanische Schlager singen, hat hier weit gefehlt, denn wir konnten unsere gesamten Singstar-Erfahrungen unter Beweis stellen. Von George Michael bis Queen war alles dabei. Leider war die Zeit viel zu schnell vorbei. Danach sind wir noch ein bisschen im Book-Off-Store stöbern gegangen und haben eine Kleinigkeit zum Abendbrot gegessen. Und danach war der entspannte Onsen-Tag auch schon wieder vorbei. Für den nächsten Tag hatten wir gar nicht viel geplant. Und damit endete der elfte Tag unserer Japan-Reise.

Erfahrt im nächsten Beitrag, was wir an unserem letzten Tag in Fukuoka unternommen haben und wie sich unser Rückflug nach Deutschland am darauffolgenden Tag für uns angefühlt hat.

Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Rezension – „Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle“ von Justine Pust

Meine lieben Leser,

heute möchte ich euch ein ganz besonderes Buch vorstellen. Besonders ist es für mich, weil es das erste Buch ist, welches ich aufgrund von sozialen Medien gekauft und gelesen habe. Normalerweise informiere ich mich über andere Quellen über Neuerscheinungen und stöbere im Buchladen. Doch gerade Instagram hat mittlerweile eine starke Buch-Community und in dieser Gemeinschaft, die sich auf „Bookstagram“ austauscht, bin ich irgendwann auf Justine (the reading mermaid) gestoßen. Mit ihrer unverwechselbaren Art und vor allem mit ihren Mecker-Rezensionen hatte ich sie direkt ins Herz geschlossen. Außerdem wurde vor nicht allzu langer Zeit ihr Debütroman „Devilish Beauty“ veröffentlicht. Ziemlich schnell hatte ich beschlossen, dass ich das Buch lesen möchte. Wie es mir gefallen hat, könnt ihr im Folgenden lesen. Ich bin mittlerweile sehr froh, dass ich über die sozialen Medien immer mehr tolle Bücher entdecke, die nicht so bekannt sind bzw. nicht so eine große Marketing-Maschine hinter sich wissen. Hier verstecken sich oft echte Perlen. 🙂 Und nun zum Buch!

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle
  • Autor: Justine Pust
  • Anzahl der Seiten: 340 Seiten
  • Verlag: Dark Diamonds (Imprint CARLSEN Verlag)
  • Ausgabe: 1. Auflage (Juli 2019)
  • Genre: Fantasy, Romantasy

INHALT:

Mimi ist eine Dämonin. Eine untypische Dämonin. Sie hasst es, für die Hölle Seelen einzutreiben. Noch dazu hat sie eine Affäre mit ihrem Chef – der zufällig einer der Prinzen der Hölle ist. Auch, wenn dieser sie nicht gerade zimperlich behandelt und sie anhält, ihren Job zu machen, hat er eine Sonderregelung für die aufmüpfige Dämonin ausgehandelt. Unterstützt wird Mimi vor allem von ihrem Dämonenhund, der zur Strafe für ihr ständiges Aufbegehren in der Form eines Dackels durch die Welt laufen muss.

Auch ihre Freundin Tessa, eine begabte Hexe, ist Mimi eine große Stütze. In Tessas Bar arbeitet die Protagonistin als Barkeeperin und kommt dabei mit allen möglichen Wesen in Kontakt. Neben betrunkenen Werwölfen und Vampiren sieht sich Mimi allerdings bald ganz anderen Problemen gegenüber.

Um ihre Seelen einzutreiben, schließt sie einen Deal mit einem begnadigten Jäger namens Drake. Die für die Hölle vorbestimmte Seele des Jägers war durch die Begnadigung dem Himmel zugesagt. Durch den Deal bricht Mimi aus Versehen das Friedensabkommen zwischen Himmel und Hölle und löst somit die Apokalypse aus. Drake avanciert zum zweiten Protagonisten der Geschichte.

„Ihr habt damit den Waffenstillstand zwischen Himmel und Hölle gebrochen und den Grundstein zur Apokalypse gelegt, ihr elenden Idioten!“

– Tessa in „Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle“ von Justine Pust, S. 94 –

Auf einmal sind sowohl Engel als auch Höllenfürsten hinter Mimi her und sie muss mit ihren Freunden einen Plan schmieden, um die nahende Apokalypse aufzuhalten. Der Plan lautet vorrangig: Jesus muss getötet werden, bevor er die sieben Siegel zum Untergang der Welt öffnen kann.
Schon alleine dieser Punkt der Geschichte birgt einiges an Konfliktpotenzial. Nimmt man nicht nur den geplanten Tod des Sohn Gottes, sondern auch andere Äußerungen in diesem Werk, komme ich nicht umhin, streng gläubigen Christen von diesem Buch abzuraten! Gott und seine Unterstützer nehmen hier ganz ungewohnt die Rollen der Gegenspieler ein. Noch dazu wurde Jesus als Frau wiedergeboren – als homosexuelle Frau. Auch das könnte für streng gläubige Christen ein Problem sein. Ich fand es tatsächlich amüsant und passend zum Humor des Buches. Was Sexualitäten angeht, ist hier von den Love-Storys her für jeden etwas dabei. 🙂

Wer schnell rot wird (so wie ich), wird einige Stellen in diesem Büchlein finden, die er nicht in der Öffentlichkeit lesen will. Hihi. Frei nach dem Motto Sex, Drugs & Rock´n´Roll wird hier ordentlich Unterhaltung geboten. 😉 Langeweile kommt in „Devilish Beauty“ auf jeden Fall nicht auf.

Ob Mimi und ihre Allianz es schlussendlich schaffen, Jesus zu töten, die Öffnung der Siegel und somit die Apokalypse zu stoppen, dürft ihr selbst lesen. Nur so viel sei verraten – es wird spannend, romantisch und herzzerreißend zugleich.


SCHREIBSTIL:

„All diese Menschen, die nichts von dem ewigen Krieg zwischen Himmel und Hölle wissen … sie werden ins Verderben stürzen. Zusammen mit den Tieren, den Pflanzen und all dem restlichen Leben auf dieser kleinen Welt. All die Menschen, all die Seelen – für immer im Nichts. Und ich bin schuld.“

– Mimi in „Devilish Beauty – Das Flüstern der Hölle“ von Justine Pust, S. 96 –

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm leicht zu lesen, immer gewürzt mit einer guten Prise Humor und Sarkasmus.

Geschildert werden die Ereignisse hauptsächlich aus der Sicht der Protagonistin Mimi, aber auch immer mal wieder aus dem Blickwinkel des Jägers Drake. Wer mich kennt, weiß, dass ich Perspektivwechsel nicht so sehr mag. In der Geschichte von Justine Pust hat man durch diese Art der Geschichtsdarstellung Informationen erhalten, die Mimi vorenthalten geblieben sind. Somit waren die unterschiedlichen Perspektiven sinnvoll angelegt. Für mich hätte auch nur Mimis Blickwinkel gereicht, aber Drakes Kapitel waren schlüssig und haben mich nicht gestört. Zudem war die Love-Story von Drake einfach zuckersüß.

Was mir an dem Schreibstil besonders gut gefallen hat, war die bildhafte Sprache und die fantasievollen Beschreibungen. Damit hebt sich dieses Buch von den vielen Romantasy-Werken ab. Die Autorin kann zudem alle Situationen glaubhaft schildern, egal ob es sich um Liebesszenen, brutale Kämpfe oder mysteriöse Träume handelt.


FAZIT:

Ich war zuerst sehr skeptisch, ob mir eine sexy Dämonen-Geschichte gefallen wird. Ich bin ja eher eine Disney-Prinzessin als ein Bösewicht. Doch diesbezüglich hat mich die Story und vor allem Mimi komplett abgeholt. Mimi ist nicht der typische Dämon und mir hat es erstaunlich gut gefallen, dass die klassischen „Guten“ dieses Mal den Part des Gegenspielers eingenommen haben.

Meine Befürchtung, dass ich bei jeder zweiten Seite rot anlaufe, weil das Buch zu sexy geschrieben sein könnte, wurde auch nicht bestätigt. Die vielen Szenen, in denen sich die Charaktere näher kommen sind zwar vorhanden, aber stehen nicht im Fokus, was ich sehr angenehm fand.
Erstaunt war ich über die Wendungen, die gerade gegen Ende des Buches eintreffen. Sehr gut gefallen hat mir außerdem, dass Mimi mysteriöse Träume hat und sie auf die Suche nach ihren Erinnerungen an ihr früheres Leben geht. Das hat der ganzen Geschichte nochmal mehr Tiefe und Spannung gegeben. Und dann war auch noch so viel Romantik vorhanden, dass es mich zum Schmachten gebracht hat, es aber auch nicht zu viel war. Was will man also mehr.

Spannung, Romantik und eine unkonventionelle Basis der Geschichte konnten mich begeistern. Viel zu sagen bleibt nicht außer: Was für ein Debüt! Für Fantasy- und Romance-Fans eine klare Leseempfehlung! 

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast“ von Christelle Dabos

Meine lieben Leser,

ganz ungewohnt bekommt ihr heute einen Beitrag mitten in der Woche, passend zum Feiertag. 🙂 Ich wünsche euch schon einmal viel Spaß beim Schmökern.
Nachdem mich der erste Band der Spiegelreisenden-Reihe restlos begeistern konnte, war ich voller Vorfreude auf den zweiten Band. Ob der Nachfolger dem Auftakt gerecht werden konnte, schildere ich euch im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
  • Autor: Christelle Dabos
  • Anzahl der Seiten: 613 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch

INHALT:

„Je voller ihr Herz war, desto leerer war ihr Kopf.“
– Die Spiegelreisende – Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast, S. 222 –

Nach den unerwarteten Wendungen am Ende des ersten Bandes, wird Ophelia eher ungeplant zur Vize-Geschichtenerzählerin am Hofe ernannt. Ihre Aufgabe besteht nun darin, dem Familiengeist Faruk Geschichten zu erzählen, die ihm gefallen. Dabei muss Ophelia sich im Theater vor dem gesamten Hofstaat behaupten. Während sie den Intrigen und Wirrungen am Hofe widersteht, schlägt Ophelia sich weiterhin mit Thorn herum, der trotz der bevorstehenden Hochzeit auf Abstand geht.
Und als wenn das nicht reicht, kündigt sich Ophelias Familie zu einem Besuch an. Da es der Protagonistin nicht möglich war, sich persönlich bei ihrer Verwandschaft per Telegramm zu melden, machte sich diese schnurstracks auf den Weg zu ihr.
Damit das Chaos auch perfekt ist, verschwinden mehrere Personen in der so sicher geglaubten Himmelsburg. Als Ophelia in die Ermittlungen einbezogen wird, muss sie einsehen, dass der Schuldige jedwede Vorkehrungen getroffen hat, um ihre Fähigkeit des Lesens zu blockieren.
Thorn tut alles dafür, dass Ophelia als Leserin nicht in den Fokus von Faruk gerät, damit er selbst das Lesen von Faruks Buch übernehmen kann. Damit möchte er seine Verlobte schützen. Ophelia ihrerseits erwirkt, dass Thorn ihre Wünsche erfüllt – sie darf ein eigenes Lese-Atelier führen. Als Faruk darauf aufmerksam wird, überschlagen sich schließlich die Ereignisse. Ophelia muss die Ermittlungen zu den Verschwundenen leiten und hat eine sehr kurze Gnadenfrist. Außerdem muss sie das Buch von Faruk lesen und der Botschafter Archibald verschwindet bei seinen Ermittlungen ebenfalls plötzlich.
Ob sie diese Aufgaben meistert, warum Thorn im Gefängnis landet, wer hinter den Verschwundenen steckt und warum „Gott“ endlich ein Gesicht bekommt, müsst ihr allerdings selbst lesen.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist wie vom ersten Band gewohnt sehr niveauvoll, bildhaft und atemberaubend. Unterbrochen werden die Kapitel von den sogenannten „Fragmenten“, die inhaltlich aus dem Rahmen fallen und einen Rückblick zu den Familiengeistern und Gott zeigen. Mit den Fragmenten konnte ich bis zum Ende nicht viel anfangen, weil sich erst am Ende der Sinn des Ganzen ergab. Mich haben die Fragmente tatsächlich sogar etwas genervt, weil sie den Lesefluss gestört haben. Ansonsten war der Schreibstil aber wieder wunderbar zu lesen und ich muss sagen, dass die Autorin wieder nur für den Schreibstil einen Bonuspunkt bei der Bewertung bekommt.

FAZIT:

Leider brauchte das Buch für mich dieses Mal sehr, sehr lange, um in die Gänge zu kommen. Deswegen war der zweite Band für mich sehr viel schwächer als der Auftakt. Das ist oftmals bei zweiten Bänden der Fall, aber dennoch hat mir das Wiedersehen mit den Charakteren wieder sehr viel Freude gemacht. Im letzten Viertel des Buches sind dann einige Wendungen und Entwicklungen vorhanden, die ich so wieder nicht erwartet habe. Wie schon der erste Band, konnte mich der zweite Teil diesbezüglich sehr begeistern. Ich hätte mir gewünscht, dass der Spannungsbogen schon etwas eher beginnt und auch kontinuierlich weitergeführt wird. Dafür muss ich leider Punkte abziehen. Mit gefällt sehr gut, dass Ophelia sich auch im zweiten Band wieder entwickelt und immer mehr zu einer starken Frau reift.

Die Mischung aus Fantasy, Steam-Punk und Jane Austen ist weiterhin vorhanden. Als Nachfolger leider schwächer, aber dennoch lesenswert!

BEWERTUNG:❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Einsame im Meer“ von Serena Valentino

Liebe Leser,

bereits vor einiger Zeit hatte ich aus der Disney-Villians-Reihe die deutschen Übersetzungen „Das Biest in ihm“ und „Die Schönste im ganzen Land“ gelesen.
Nach der großen Enttäuschung der Geschichte um das Biest, konnte mich die Vorgeschichte der bösen Königin überzeugen. Das machte mir Hoffnung für den frisch erschienenen Band „Die Einsame im Meer“, denn dort soll die Vorgeschichte von Ursula der Meerhexe aus dem Disney-Film „Arielle die kleine Meerjungfrau“ erzählt werden.
Ob mich das Buch genau so begeistern konnte wie die böse Königin oder genau so enttäuschte wie das Biest, das möchte ich euch nun näher erläutern.

 

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Einsame im Meer
  • Autor: Serena Valentino / Disney
  • Anzahl der Seiten: 194 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Disney, Jugendbuch, Fantasy, Märchen

Inhalt:

Der Klappentext verspricht, dass dieses Buch die Vorgeschichte von Ursula erzählt und verspricht (wie bei den Büchern zuvor auch) einen spannenden, psychologisch einfühlsamen Roman.
Das Buch widmet sich leider nur in etwa 10% der tatsächlichen Vorgeschichte. Diese wird von Ursula selbst nur sehr oberflächlich in einem Dialog erzählt. Ansonsten behandelt diese Geschichte ebenfalls oberflächliche Einblicke in den Film „Arielle – Die kleine Meerjungfrau“, wobei Textpassagen aus dem Film auftauchen, die im Wortlaut jedoch geändert wurden. Warum das gemacht wurde, bleibt mir genau wie bei der Geschichte um das Biest ein Rätsel. In ihrem berühmten Lied „Arme Seelen in Not“ wurde beispielsweise folgender Satz gesungen: „Beluga, Selfruga, kommt Winde vom kaspischen Meer.“. Im Buch lautet der Satz dann: „Beluga, Selfruga, die Winde der Wolga sind hier.“ Vielleicht bin ich zu detailverliebt – aber wenn man schon Szenen aus dem Film exakt nacherzählt, sollte meiner Meinung nach nicht das Original verändert werden.
Der Rest der Geschichte handelt von Tulip, einer Prinzessin, die im Disney-Universum nie erwähnt wurde. Sie ist eine der Prinzessinnen, die das Biest bzw. Prinz Adam angehimmelt hatten und die er abwies. Dadurch stürzte sie sich in den Tod und wurde von Ursula wiederbelebt. Warum die Geschichte um Tulip dermaßen aufgebauscht wurde und der echten Vorgeschichte den Platz gestohlen hat, kann ich mir nicht erklären. Das wollte ich jedenfalls nicht in diesem Buch lesen. Zudem treten die drei Hexen aus den anderen beiden Büchern wieder auf und bekommen ebenfalls ungerechtfertigt viel Anteil an der gesamten Geschichte. Bei den vorangegangenen Teilen war es für mich ebenfalls nicht sehr authentisch, dass die Hexen so viel Einfluss auf jede Disney-Geschichte gehabt haben sollen. Hier allerdings wird die Geschichte um Tulip und die drei Hexen der Geschichte von Ursula vorangestellt.
Leider lässt mir das bisschen Geschichte um Ursula auch wieder viele Fragen offen. Es wird beschrieben, dass sie schwarze Nebelschwaden kontrollieren könnte, die alles zerstören können. Da frage ich mich doch, warum sie nach Tritons Macht strebt – denn diese Macht kontrolliert ja schon Nebel – ein Wetterphänomen. Diese „Magie“ war für mich nicht schlüssig.
Was ich auch nicht abgekauft habe, war die Freundschaft zwischen Ursula und den drei Schwestern. Alle dieser vier Hexen werden als erbarmungslos brutal beschrieben – für mich undenkbar, dass sie wirklich ein echtes Gefühl von Freundschaft empfinden können. Generell werden die sonst so brutalen Schwestern in diesem Band erstaunlich harmlos dargestellt. Dass sie sogar das Ende von Ursula herbeigeführt haben sollen, war für mich wie in den letzten Bänden wieder an den Haaren herbeigezogen.
Leider werden auch dieses Mal in der Geschichte unwichtige Details genannt, die dann keine Bewandtnis mehr haben und an anderer Stelle fehlt es an Tiefe. Auch hier muss ich leider sagen – wie soll man auch auf 194 einen psychologisch einfühlsamen Roman schreiben? Für mich war auch die neue Wesensdarstellung von Triton nicht wirklich nachvollziehbar. Er soll neuerdings total besessen von Schönheit sein und Ursula nur aus diesem Grund nicht geduldet haben. Es wurden keine Motive genannt, die mir das alles schlüssig erscheinen lassen. Für mich war diese Darstellung viel zu flach, dafür, dass man eine Disney-Figur in ihrem Wesen komplett anders beschrieb. Vielleicht hätte die Autorin an dieser Stelle mehr Augenmerk auf die Geschichte von Triton und Ursula als Geschwister legen sollen, anstatt diese vielen unnötigen Nebenschauplätze zur Hauptstory zu machen.

Schreibstil:

Wie schon vorher, ist der Schreibstil von Valentino einfach gehalten und liest sich tendenziell gut. Ich fand aber, dass dieser Band auch vom Lesefluss bisher der schwächste Teil war. Irgendwie stockte ich beim Lesen immer wieder.
Das lag wahrscheinlich an dem wiederholt sehr schlechten Lektorat. Neben Rechtschreibfehlern und Tippfehlern konnte ich Grammatikfehler finden, Nebensätze waren alleinstehende Haupsätze und Satzzeichen fehlten. Das finde ich für große Namen wie Carlsen und Disney leider nicht in Ordnung. Da erwarte ich Qualität und vor allem dann, wenn die Vorgänger schon ein schlechtes Lektorat hatten. Da muss dringend nachgebessert werden.
Und wie beim letzten Mal angekreidet, muss ich auch dieses Mal fragen: Wieso werden einige Namen nicht übersetzt? Beim Biest war es „Cogsworth“ anstatt „Herr von Unruh“ und in diesem Buch hier wird „Maleficant“ erwähnt anstatt „Malefiz“. Klar, der Film heißt so, aber auch nur die Realverfilmung, was ich auch schon nicht richtig fand. Im Original heißt die gute Dame nun einmal Malefiz.

Fazit:

Das war wirklich eine wahre Meckerrezension. Aber was soll ich sagen? Hier kommt für mich alles zusammen, was ich von einem Buch nicht erwarte. Wenig Tiefe, falsche Versprechungen auf dem Klappentext und dadurch nicht erfüllte Erwartungen. Zudem eine Story, die für mich echt langweilig war und das Original „Arielle“ teilweise neu erzählte. Und als wenn das nicht reicht, kommt dazu noch das miese Lektorat, die Logikfehler, die offenen Fragen und die unnötigen Nebenschauplätze.
Leider wirkt der bisherige Großteil der Villians-Reihe so, als wenn man einfach diese supercoole Idee hatte, die Disney-Geschichten düster und erwachsen aus der Sicht der Bösewichte zu erzählen bzw. deren Vorgeschichte – es aber mal so richtig schlecht umgesetzt hat. Versteht mich nicht falsch, die Idee ist echt nett und ich bin ein großer Disney-Fan, aber wahrscheinlich auch genau deswegen hat mich dieses Buch sogar noch mehr enttäuscht als „Das Biest in ihm“.
Mein Flop 2019 – keine Tiefe, schlechtes Lektorat und nur minimal Vorgeschichte oder neue Informationen. Leider keine Empfehlung von mir – auch nicht für eingefleischte Disney-Fans. 

BEWERTUNG:♡♡♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winter“ von Christelle Dabos

Meine lieben Leser,

endlich kann ich euch von meiner Urlaubslektüre berichten. Leider ist dieses Jahr ähnlich turbulent wie das letzte Jahr, sodass ich immer wieder mal ein paar Wochen vom Bloggen aussetzen muss. Vielleicht komme ich in einem neuen Beitrag zu Hachidoris Welt darauf zu sprechen. Aber es gibt auch Gutes zu berichten! Was bitteschön ist 2019 bisher für ein gutes Bücherjahr für mich gewesen!?

Ich bin schon sehr lange um „Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters“ herumgeschlichen, bis ich es endlich gekauft habe. Das Cover wirkt für Fantasy recht bieder und ich war mir auch beim Klappentext nicht sicher, ob mich das Buch begeistern oder enttäuschen wird.

Zudem hat irgendwer dieses Buch von Christelle Dabos mit Harry Potter verglichen. Das machte mich verständlicherweise mehr als skeptisch. Ich sehe solche Vergleiche sowieso sehr kritisch, weil sie ein wirklich gutes Buch in die Enttäuschung reißen können – weil Leser mit den falschen Erwartungen herangehen. Auch ich war nicht gefeit vor den sehr hohen Erwartungen, die ich vor der Lektüre entwickelte. Auch deswegen erläutere ich euch nun, wie mir das Buch gefallen hat. 😊

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters
  • Autor: Christelle Dabos
  • Anzahl der Seiten: 537 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag
  • Ausgabe: 2. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch

Inhalt:

Ophelia ist eine Animistin. Sie kann die Vergangenheit von Gegenständen erspüren. Zudem hat sie die Fähigkeit, durch Spiegel zu gehen. In ihrer Heimat „Anima“ wohnen viele Animisten, mit ganz unterschiedlichen Talenten.

Anima ist nur eine der 21 Archen, in die die Welt zerrissen wurde. Ophelia plante auch nie, ihre beschauliche Arche zu verlassen, in der sie ihr kleines Museum leitet. Doch dann wird von den Verwalterinnen Animas bestimmt, dass Ophelia einen Adligen der Arche „Pol“ heiraten soll. Ophelias geregeltes Leben gerät aus den Fugen, als sie sich nicht nur einer Zwangsheirat, sondern auch einem mehr als uncharmanten Verlobten gegenübersieht. Höchst mysteriös gibt sich dieser und sie wird zunächst nicht viel Kontakt zu ihm haben, da ihre Verlobung aus unerfindlichen Gründen geheim gehalten wird. Ophelias wird von der Tante ihres Verlobten in die Gepflogenheiten der Arche „Pol“ eingeführt. Als deren Page führt Ophelia ein verstecktes Leben am Hofe des Mondscheinpalastes und entdeckt immer mehr der Geheimnisse, die diese andere Gesellschaft für sie bereit hält. Neben Intrigen, Ränkespielen, Brutalität und Ausweglosigkeit erfährt Ophelia auch die Magie der Illusionen, echte Freundschaft und warum gerade sie für die ominöse Heirat ausgewählt wurde.

Am Anfang hatte ich das Gefühl, es könnte eine 0815-Geschichte werden, wie wir sie zu vielen im Fantasy-Dystopie-Genre finden. Ich wurde überrascht, denn Ophelia entspricht so gar nicht der typischen Protagonistin. Sie ist naiv, (schon fast nervend) tollpatschig und irgendwie schrullig mit ihren durcheinander geratenen, dunklen Locken und der runden Brille, die ihre Farbe je nach Stimmung wechselt. Zudem trägt sie am liebsten ihre alte Kleider, die wahrscheinlich jeden anderen an Omas Kleiderschrank erinnern würden. Ihr lebendiger Schal ist ihr ständiger Begleiter.

Generell ist dieses Werk hinreißend fantasievoll und skurril, mit unheimlich vielen Charakteren, die zu keiner Zeit blass wirken. Zudem bringt die Geschichte einige Wendungen und Ereignisse mit sich, die ich so nicht erwartet hatte.

Nachdem die erste Hälfte des Buches recht ruhig und gemütlich verläuft und in das Geschehen und die Gesellschaften auf den Archen einführt, nimmt das Buch ab der Hälfte sehr zügig an Fahrt auf und bringt einige Überraschungen mit sich.

Gerade die Ereignisse am Ende des ersten Bandes haben mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich blicke gespannt auf den zweiten Band, da noch einige Fragen zum Setting und Inhalt offen sind. Das ist bei diesem atmosphärischen und gewaltigen Worldbuilding aber nicht anders zu erwarten gewesen. Ich bin gespannt, was wir hier noch erleben und entdecken dürfen.

Schreibstil:

Der Schreibstil ist einer der ganz großen Gründe, warum das Buch von mir so heiß und innig geliebt wird. Dieser grenzt sich nicht nur von vielen anderen Werken im Genre ab, sondern ist von einer geradezu herausragenden Qualität. Seit Jahren musste ich das erste Mal zwei Begriffe im Duden nachschlagen, weil ich sie noch nie vorher gelesen oder gehört hatte. Das hat mich sehr begeistert. Auch sonst schafft Christelle Dabos es, dass man sich in dem ruhigen, bildgewaltigen und präzisen Schreibstil verliert. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich der Schreibstil an das inhaltlich vorgegebene Setting der Adelshäuser und das Worldbuilding, welches ein bisschen in Richtung Steam-Punk geht, anpasst. So ein ganz kleines bisschen fühlte ich mich (zumindest sprachlich) wie in einer Seifenoper ála Downton Abbey. Es erinnert etwas an Romane von Jane Austen, nur mit einem Einschlag von Fantasy.

Der Vergleich zu Harry Potter stimmt zumindest in der Hinsicht, dass nicht immer nur die Hauptgeschichte im Mittelpunkt steht, sondern auch abseits des roten Fadens Vorkommnisse und Schauplätze geschildert werden. Diese Schilderung von Alltäglichkeiten kann schnell langweilig werden, doch der Schreibstil der Autorin hat aus meiner Sicht dafür gesorgt, dass ich die Geschichte einfach zu jedem Zeitpunkt gern gelesen habe. Weil das Buch eben nicht nur spannend, sondern auch wirklich außerordentlich gefällig und charmant geschrieben wurde.

Der Schreibstil hat hundertprozentig meinen Geschmack getroffen. Ruhig, aber dennoch sprachgewaltig.

Fazit:

Besonders gut hat mir die Entwicklung von Ophelia gefallen, die von der ersten bis zur letzten Seite ein wahres Erwachsenwerden erlebt. Am Anfang war ich etwas genervt von ihr, doch dann habe ich mit einer sehr großen Leidenschaft die Geschichte um diese Protagonistin verfolgt.

Diese bildgewaltige und fantasievolle Geschichte punktet für mich vor allem mit dem wunderschönen Schreibstil, in dem sie verfasst wurde. Auch aus diesem Grund habe ich das Buch einfach supergern gelesen, vom Inhalt mal abgesehen. Die Fülle an Informationen hat es mir schwer gemacht, es auf eine Rezension herunterzubrechen, denn am liebsten würde ich euch die ganze Geschichte erzählen! Sollten hier genau so gute Nachfolger veröffentlicht werden, hat dieses Buch für mich eine Chance, ein echter Klassiker zu werden.

Ich war sehr skeptisch, aber ich muss neidlos zugeben, dass der Hype in diesem Fall gerechtfertigt ist.

Eine Mischung aus Fantasy, Steam-Punk und Jane Austen. Für mich ein Jahres-Highlight! Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Dry“ von Neal Shusterman

Meine lieben Leser,

spätestens nach „Scythe“ war ich ein absoluter Fan von Neal Shusterman. Sein Schreibstil hat mich direkt angesprochen. Da war für mich klar, dass ich auch „Dry“ unbedingt lesen muss. 🙂
Die folgende Rezension enthält zwar ein paar Spoiler, allerdings habe ich mir Details und das Ende gespart, damit ihr es trotzdem noch lesen könnt. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Dry – Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr.
  • Autor: Neal Shusterman / Jarrod Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 437 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Thriller, Jugendbuch, Suspense, Dystopie

 

INHALT:

Zu Beginn lernen wir die Familie von Protagonistin Alyssa kennen, die sich ziemlich bald der Tatsache gegenüber sieht, dass kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn kommt. Die Medien berichten über einen sogenannten Tap-Out, dem Zusammenbruch der Wasserversorgung.
Ebenfalls am Anfang lernen wir Alyssas Nachbarn Kelton und dessen Familie kennen, deren Hobby die Vorbereitung auf einen eventuellen Weltuntergang ist. Von der Nachbarschaft in der Vorstadtidylle verschrien, kommt ihnen ihre Vorbereitung während des Tap-Outs dann zugute.
Alyssas Familie versucht, Wasser aufzutreiben, doch die Regale der Supermärkte sind leer und die Menschen werden nicht nur panischer, sondern auch rücksichtloser. Jeder ist sich mit einem Mal selbst der nächste.
Als in den Medien die Neuigkeit verbreitet wird, dass am Meer Entsalzungsanlagen errichtet werden, reisen Alyssas Eltern dorthin, um aufbereitetes Wasser zu besorgen. Als sie nicht zurückkehren, machen sich Alyssa, ihr Bruder Garrett und Kelton zusammen auf die Suche nach ihnen. Beim Erreichen des Strandes jedoch bietet sich den Helden der Geschichte ein Bild des Grauens. Langsam verstehen sie, dass dieser Tap-Out das schlimmste in den Menschen zutage fördert.
Während ihrer Suche treffen sie auf Jaqui, eine kleine Rebellin, die schon vor dem Tap-Out auf der Straße lebte. Zusammen wollen sie bei Keltons Familie Zuflucht suchen, doch die Nachbarschaft fühlt sich von deren Haus leider sehr angezogen und so eskaliert die Situation nicht nur blutig, sondern für alle beginnt ein harter Kampf ums Überleben.
Die kleine Gruppe aus Jugendlichen bricht auf, um den Fluchtbunker von Keltons Familie zu finden. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf Henry, ein Sohn reicher Eltern, der sich an dem Leid seiner Nachbarschaft bereicherte.
Zwischendurch keimt Hoffnung auf, doch der Weg zum Fluchtbunker wird länger sein, als die Protagonisten es zunächst vermuteten.
Zum Ende wird der Kampf ums Überleben immer deutlicher und rückt immer mehr in den Fokus. Immer wieder ist ein kleiner Hoffnungsschimmer zu sehen, der sich wieder zerstreut.
Ob die Fünf endlich Wasser finden und den Tap-Out überleben, lasse ich euch aber lieber selbst lesen. Nur so viel – ich musste die letzten 200 Seiten in einem Rutsch lesen, weil mich die Geschichte nicht mehr losgelassen hat.

SCHREIBSTIL:

Wie nicht anders von Shusterman erwartet, hat er mich mit seinem Schreibstil wieder voll mitgenommen. Zugegeben, am Anfang musste ich ein wenig reinkommen, aber spätestens nach dem ersten Viertel des Buches, hat mich die Spannung nicht mehr losgelassen. Der Schreibstil ist zwar nüchtern und vermittelt eine düstere, leere Stimmung – aber das passt zu dem Apokalypsen-Szenario.
Wir bekommen die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Alyssa, Garrett, Jaqui, Kelton und Henry erzählt. Zwischen der Hauptstory fließen immer kleine Einblicke in völlig außenstehende Personen ein – Nachrichtensprecher, Wasserflugzeugpiloten oder eine verzweifelte Frau, die auf einem Parkplatz wartet. Diese ganzen unterschiedlichen Blickwinkel fassen sich zu einem großen Gesamtbild der furchtbaren Situation des Tap-Outs zusammen.
Ein kleines Manko ist, dass die Perspektiven der Charaktere sich im Stil kaum unterscheiden. Deswegen war mir ziemlich lange nicht so richtig klar, wie jung Alyssas Bruder eigentlich ist.
Alles in allem kommt die machtlose Stimmung in einer apokalyptischen Situation hier voll zur Geltung. Einige Wendungen habe ich so nicht erwartet und es hat mich schon wirklich gefrustet, dass jeder Hoffnungsschimmer sich sofort wieder zerstreute. Ich dachte oft beim Lesen: „Wie bitte? Das kann er doch nicht so schreiben? Es muss doch alles gut werden!“

FAZIT:

Was will man mehr als Spannung, ein wichtiges gesellschaftliches, politisches Thema und ein durchdachtes Weltuntergangsszenario? Mich konnte die Geschichte wirklich fesseln, die Charaktere waren alle authentisch gezeichnet und ich konnte bei allen von ihnen mitfiebern, ob sie es nun schaffen oder nicht. Die bedrohliche Atmosphäre und die Abgründe sowie Chancen der Menschheit hat Shusterman super umgesetzt.
Ein Buch, welches den Wert unserer Ressource Wasser betont und in einem erschreckend realistischen Setting thematisiert. Schlimm ist es, dass diese Situation so unwahrscheinlich gar nicht ist und sich viel näher anfühlt, als es gut wäre. 
Für mich eine super Lektüre, die ich ohne Bedenken weiterempfehlen kann. Unbedingt lesen!

BEWERTUNG:❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Fire & Frost – Von der Dunkelheit geliebt“ von Elly Blake

Meine lieben Leser,

nach einer kleinen Schreibpause auf dem Blog aus privaten Gründen, bekommt ihr heute endlich wieder einen neuen Beitrag zum Lesen. Den dritten und letzten Band von „Fire & Frost“ hatte ich mir direkt zum Release gekauft und seitdem kamen mir immer wieder andere Buchprojekte dazwischen, sodass ich ihn erst jetzt endlich lesen konnte. Ob das Finale mich mehr begeistern konnte als die letzten beiden Teile, werde ich euch im Folgenden erläutern.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Fire & Frost – Von der Dunkelheit geliebt
  • Autor: Elly Blake
  • Anzahl der Seiten: 446 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy, Romantasy

 

INHALT:

Nachdem Ruby, Arcus und Kai in Sudesien dem Gott Eurus gegenüberstanden, schmieden sie im dritten Band nun einen Plan, um das Böse aus der Welt zu vertreiben. Der Frostminax aus dem Frostthron wurde zerstört, doch Ruby trägt den Feuerminax aus dem Feuerthron in sich. Im zweiten Band erfuhr sie, dass sie die Tochter des Gittes Eurus ist und somit als Nightblood fähig ist, die Dunkelheit zu beherbergen und zu kontrollieren.
Am Anfang des dritten Bandes fahren Ruby und die anderen von Sudesien zurück nach Tempesien. Als sie dieses erreichen, müssen sie sich einer neuen unbekannten Bedrohung stellen – der blauen Legion. Diese Vereinigung hat in der Abwesenheit von Arcus das Frostkönigreich unter ihre Kontrolle gebracht.
Unsere Protagonisten beginnen, Tempesien von diesem Einfluss zu befreien, doch Ruby entschließt sich, in der Abtei mit Bruder Thistle über die jüngsten Entwicklungen zu sprechen und einen Weg zu diskutieren, auf dem sie dem Gott Eurus das Handwerk legen könnten. So erfährt die Truppe letztendlich von der Existenz einer Insel, auf der das Tor stehen soll, durch dessen Zerstörung Eurus die Minaxe und somit die Dunkelheit über die Welt senden möchte. Wo sich diese Insel befindet, gilt es nun zu erfahren. So kommt es, dass sie sich auf einer Seefahrt zu verschiedenen Adressen begeben, um mehr Informationen zu erhalten. Dabei folgen sie einer Vision, die Ruby hatte.

Im Verlauf der Handlung treffen die Charaktere auf alte Bekannte aus der Geschichte, es folgen ebenfalls einige Enthüllungen und spannende Ereignisse. Letztendlich wird die Insel erreicht und die große Schlacht um das Wohl der Welt beginnt. Ruby hat allerdings nicht nur physisch zu kämpfen, denn sie muss während der gesamten Reise immer wieder dem innewohnenden Minax widerstehen, der nach und nach mehr mit ihr verschmilzt, ihr Wesen verändert und sie an den Rand der Dunkelheit treibt. Als sie Eurus selbst in der Dunkelheit des Tores gegenübersteht, muss sie jeden Funken Selbstbeherrschung aufbringen, den sie in sich trägt und sogar noch mehr. Ihre einzige Stütze ist Arcus. Bleibt nur die Frage: Wird die Dunkelheit besiegt? Und wenn ja, zu welchem Preis?

SCHREIBSTIL:

Elly Blakes Stil ist immer noch leicht und gut lesbar, wenn es auch nicht die hohe literarische Sensation ist. Ich war überrascht, dass die Autorin vom ersten Band der Reihe bis zu diesem finalen Teil eine sprachliche Entwicklung durchgemacht hat. Tatsächlich hat sie viel weniger Längen in diesem Band gehabt als im zweiten Teil und die Sprache hat sich meiner Meinung nach in ihrer Bildhaftigkeit sehr verbessert. Was ich sehr begrüßt habe, war, dass die weit hergeholte Nähe zwischen Kai und Ruby nicht wirklich weiter ausgebaut wurde. Das hatte mich im zweiten Teil besonders gestört. Sehr gut dargestellt hat die Autorin Rubys Wesensveränderung und deren Zwiegespräche mit dem Minax.

FAZIT:

Der finale Band der Trilogie ist zusammengefasst sehr viel besser als der zweite Teil und weist im Vergleich zum ersten Band eine sichtbare Entwicklung auf. Ich finde, die Geschichte hat sich wahnsinnig komplex ausgeformt und für viele meiner Fragen, die ich mir nach dem Auftakt stellte, wurden auch Antworten gegeben.
Teilweise Längen haben die Spannung, die Ereignisse und die Wendungen nicht getrübt. Gerade kurz vor Ende spielten sich Dinge ab, die ich so nicht erwartet hatte und die mir das Herz brachen. Rubys Kampf mit der Dunkelheit war Dauerthema und hat mir sehr gut gefallen.
Der finale, dritte Band ist somit ein würdiger Abschluss einer Reihe, die sich weiterentwickelt hat und eine wirklich solide Romantasy-Geschichte präsentiert. Für Fans der Reihe ein absolutes Muss, da er mehr glänzen kann als der zweite Teil. Super Abendlektüre und empfehlenswert.

BEWERTUNG:❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI