Japan – Tag 5: Katzen-Café, Fushimi Inari, Kiyomizudera und Gion Shinbashi

Meine lieben Leser,

mein letzter Beitrag über meine Japanreise im Februar 2018 ist schon viel zu lange her. Mittlerweile ist ja schon fast ein Jahr vergangen, seit ich in dem Land der aufgehenden Sonne war. Das kommt mir wirklich überhaupt nicht so vor. Mittlerweile habe ich gut ein Dreiviertel der Fotos sortiert (leider haben mich die Highlights des letzten Jahres etwas aufgehalten) und das erste Fotobuch über Tokyo fertiggestellt.

Dieses Jahr geht es für euch und mich hier auf dem Blog mit den Reiseberichten aus Kyoto weiter. Wie ihr euch vielleicht dunkel erinnert, habe ich euch im letzten Beitrag berichtet, wie wir abends nach einer dreistündigen Zugfahrt mit viel Gepäck auf einem Berg in unserer Ferienwohnung ankamen und mit einem atemberaubenden Ausblick aus unserem Zimmer über ganz Kyoto überrascht wurden. Wow! Danach sind wir ziemlich geschafft ins Bett gefallen – oder sollte ich besser „ins Futon gefallen“ sagen? Denn in unserer Unterkunft in Kyoto haben wir auf echten Futons (dünne Matratzen auf dem Boden) geschlafen. Ich habe nie besser geschlafen als auf einem Futon. Dazu die angenehm kalte Luft durch fehlende Zentralheizung … es war unheimlich erholend. Unsere Gastgeberin hatte uns extra zwei Futons übereinander gelegt, damit es für unsere bettenverwöhnten Rücken nicht zu hart wird. Über uns lagen schließlich drei Schichten aus Decken, um uns gut zu wärmen. Unbequem war das Futon zu keiner Zeit, was sicherlich auch an den Tatami-Matten liegt, die in diesen traditionellen Häusern ausliegen. Tatami-Matten werden aus Reisstroh hergestellt und haben eine dämmende und dämpfende Wirkung. Es ist ein ganz anderes Gefühl, über diese Matten zu laufen oder darauf zu schlafen, als auf unserem gewohnt harten Boden in Deutschland.

Nach diesem Exkurs, zurück zu Tag 5 in Japan. Wir wachten also den ersten Morgen in Kyoto auf. Wir hatten auf den Futons traumhaft gut geschlafen, ohne jegliche Rückenschmerzen. Meine Freundin, die direkt am Fenster lag, schob die Schiebetür vor dem Fenster beiseite, sodass Tageslicht ins Zimmer fiel und wir Kyoto das erste Mal bei Tag sahen. Wieder schoss ein leises „Wow“ durch meine Kopf. Der Blick über die Stadt bei Tag war mindestens so atemberaubend wie bei Nacht. Zudem konnte man nun den wunderschönen Garten und mehr Details des Hauses im Außenbereich erkennen.

Unsere Gastgeberin hatte das Haus bereits am Morgen verlassen. Wir begannen den Morgen damit, in der Wohnküche Tee und Kaffee zuzubereiten, um in den Tag zu starten. Wie jeden Tag hatten wir uns am Vortag in einem Konbini (24/7-Shop) ein paar frische Onigiri (gefüllte Reisbällchen) besorgt, die wir immer zum Frühstück aßen. Meine Lieblingssorte war neben dem Klassiker Thunfisch mit Mayo übrigens Kombu-Alge und Lachs. Ei und Kürbis war nicht so mein Fall. Und die beiden anderen Mädels haben noch andere Sorten probiert, von denen wir zum Teil nicht mal wissen, was es war, weil wir keine Übersetzung wussten oder gefunden haben. xD

Als wir uns auf den Weg machten, die Stadt zu erkunden, waren wir davon fasziniert, was für eine malerische Umgebung um unsere Ferienunterkunft zu finden war. Wir hatten Blick auf die umliegenden Berge, auf denen im Sommer zum Sommerfestival große Schriftzeichen entzündet werden. Die dafür vorgesehen Stellen konnten wir auch im Winter erkennen. Unsere Gastgeberin betonte immer wieder, dass wir im Sommer zu diesem Festival unbedingt nochmal wiederkommen müssten. Und das habe ich vor. Das steht ganz groß auf meiner To-Do-Liste. Nun weiter mit der Beschreibung der Umgebung. Denn dort fand sich nicht nur der tolle Blick auf die Berge, sondern auch ein kleiner Bambus-Hain direkt vor unserer Haustür. Unser erster japanischer Bambus!

Unsere Gastgeberin hatte uns den Weg zum Bahnhof beschrieben, allerdings zweigten wir erstmal falsch ab und kamen nicht nur an einem Warnschild „Vorsicht, Bären!“ vorbei, sondern auch an einem japanischen Friedhof. Dieser war im Gegensatz zu unseren Friedhof erstaunlich prunk- und vegetationslos. An einem Getränkeautomaten hatten wir dann wieder mal die Gelegenheit uns eine kleine Erfrischung zu holen. Ich habe extra fotografiert, wie die heißen und kalten Getränke dort gekennzeichnet werden.

Irgendwann wählten wir dann den richtigen Weg und kamen an der Bushaltestelle zum Bahnhof an. Dort bot sich uns ein Schauspiel, was sich mir für immer eingeprägt hat. Anscheinend war gerade ein Marathon gewesen, denn überall waren Baken und Läufer zu sehen. Allerdings schien dies das Ende des Marathons zu sein. Denn hinter dem letzten Läufer fuhr ein kleiner Lastwagen und neben diesem Gefährt liefen mehrere Japaner, die die Baken und alles, was an den Marathon erinnerte, direkt auf den Wagen schmissen. Während bei uns nach einem Marathon noch zwei Tage aufgeräumt wird, wird in Japan kurzerhand direkt hinter dem letzten Läufer alles in Ordnung gebracht. Das war nicht nur beeindruckend, sondern auch beneidenswert.

Als wir nach einer Busfahrt (in Kyoto gibt es hauptsächlich Busnetze und nicht so viele S- und U-Bahnen) am Bahnhof ankamen, wählten wir endlich eine Bahn in Richtung unseres ersten Ziels für den fünften Tag in Japan. Auf in Richtung Fushimi Inari!

Das Katzen-Café

Auf dem Weg von der Station „Fushimi-Inari“ zum Schrein, stolperten wir sehr zufällig über das Neko Café TIME, ein Katzen-Café. Mittlerweile haben davon ja schon fast alle mal etwas gehört, die sich irgendwie mit Japan beschäftigen, aber für alle anderen: Ein Katzen-Café bietet die Möglichkeit Getränke zu bestellen und nebenbei mit Katzen zu kuscheln. Für eine meiner Begleiterinnen stand es auf der unbedingten To-Do-Liste, ein solches Café zu besuchen. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, wo und wann wir es machen wollten und wählten nun spontan dieses Café aus. Unsere Wahl sollte nicht enttäuscht werden. Oftmals werden in den Cafés Katzen aus dem Tierheim oder von der Straße aufgepeppelt und versorgt. Zudem bietet Japan mit dem geringen Wohnraum den Japanern oft auch gar nicht die Möglichkeit Tiere zu halten, weswegen die Katzen-Cafés so auch einen sozialen Nutzen haben. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass die vielen Tier-Cafés (es gibt auch welche mit Igeln, Eulen, Pinguinen o.ä.) nicht immer gut geführt und die Tiere nicht immer gut versorgt werden. Immer wieder wird von fatalen Zuständen berichtet. Wir hatten Glück und haben ein Café mit genügend Platz und sehr gut gepflegten und glücklichen Katzen vorgefunden. Daher möchten wir hier auf jeden Fall eine Empfehlung für das Neko Café TIME aussprechen. Hier gibt es sogar die Möglichkeit, für seinen Liebling am Ausgang zu voten und am Ende des Monats wird die Katze des Monats gekürt. Das Café wurde zudem von Trip Advisor ausgezeichnet und hatte eine helle und freundliche Atmosphäre. In einem kleinen Buch kann man etwas über die Geschichten und Charaktere der Katzen nachlesen. Wir haben auch Getränke bestellt und ich hatte endlich meinen Zitronentee in der Dose gefunden! Ich habe vor vielen Jahren eine Folge in Detektiv Conan gesehen, wo es um den berühmten heißen Zitronentee in einer Dose ging. Deswegen war ich etwas enttäuscht, in den Getränkeautomaten immer nur Flaschen vorzufinden. Hier war ich also nun voller Glück und hatte eine heiße Dose Zitronentee ergattert. Meine Freundin war ebenfalls selig und widmete sich ganz den kleinen Vierbeinern.

Das Stäbchen-Fachgeschäft

Ebenfalls zufällig drüber gestolpert sind wir über ein Stäbchen-Fachgeschäft. Ich garantiere euch, so viele verschiedene Stäbchen habt ihr auf einem Haufen noch nie gesehen! Als Europäer mag ein Stäbchen oftmals nicht so eine Bedeutung haben, aber für die Japaner ist es DAS Utensil zur Nahrungsaufnahme und das auch heute noch. In diesem Laden merkte man, dass es für jede Person das passende Stäbchen geben muss. Unterschiedliche Materialien, angeraute oder glatte Spitzen, ausfahrbare und zusammenschraubbare Reisestäbchen, Luxusstäbchen, verzierte Stäbchen, geschirrspülergeeignete Stäbchen, handbemalte und gravierte Stäbchen und ja – sogar Partnerstäbchen und Kinderstäbchen!
Auch wir wollten uns ein paar richtig gute Partnerstäbchen gravieren lassen. Ich habe auf je ein Stäbchen den Namen in Latein und auf das andere Stäbchen in Japanisch schreiben lassen. Die Spitzen sind angeraut für besseren Griff beim Essen und sie sind aus einem dunklen Holz handgefertigt. Am Ende der Stäbchen sind Darstellungen des Fuji zu sehen. Einmal bei Sonnenuntergang und einmal mit Kirschblüten. Die Stäbchen für die Frauen sind übrigens tatsächlich ein Stückchen kleiner als die Stäbchen für Männer. Billig ist so ein handgefertigtes und graviertes Stäbchen natürlich nicht. Ich habe für meine Exemplare ca. 40 Euro gezahlt. Aber als besonderes und vor allem nützliches Mitbringsel war es mir das auf jeden Fall wert. Schließlich ist es für echte Handarbeit immer noch ein günstiger Preis. Wer allerdings nicht so viel Wert auf Material und Qualität legt oder vielleicht ein günstiges Mitbringsel sucht, für den gibt es in so einem Laden (aber auch in vielen Touristen-Shops) Päckchen mit Stäbchen-Sets, die trotzdem recht gute Qualität haben und typische Touri-Motive wie Samurais oder Hello Kitty zeigen. Da bekommt ihr fünf Stäbchen-Paare schon für umgerechnet 5-6 Euro.

Der Fushimi Inari

Und nach unseren vielen schönen Ablenkungen auf dem Weg, machten wir uns endlich auf in Richtung des weltberühmten Schreins Fushimi Inari. Bekannt ist er vor allem für seine unzähligen roten Tore. Diese sind ein beliebtes Foto-Motiv und werden direkt mit Japan und Kyoto in Verbindung gebracht. Laut der Legende, soll man Hand in Hand durch diese Tore schreiten. Die Beziehung mit der Person, mit der man vom ersten bis zum letzten Tor Händchen hält, wird dann laut Legende für immer halten. Wir hatten uns natürlich vorgenommen, den Fushimi Inari ebenfalls Hand in Hand zu Dritt zu besuchen.

Bevor wir unsere Tour starteten, ließen wir uns erneut ablenken. Ein Shop mit Souvenirs forderte unsere Aufmerksamkeit. Ich habe zugeschlagen, denn ich hatte schon vor Jahren eine Hello Kitty im Kimono gesehen, die komplett aus Kimonostoff besteht. Ich hatte mir vorgenommen, mir so eine Hello Kitty zuzulegen, sollte ich sie in Japan finden. Das war meine Chance! Es gab sogar ein Vorteilspack und so konnte ich auch ein paar Freunden etwas tolles als Mitbringsel kaufen. Danach kam eine sehr wunderliche Japanerin mit Ohrschützern auf uns zu und fragte uns, wo wir herkommen mögen. Sie war wirklich sehr sehr wunderlich, aber supernett und es sollte nicht unsere letzte Begegnung mit ihr sein. Wir trafen sie in den vielen roten Toren noch einmal wieder und schossen ein Foto zusammen.

Und dann ging es ENDLICH zum Fushimi Inari. Wir sichteten die Karte und machten uns Hand in Hand auf den Weg. Was wir nicht wussten: Die Karte zeigte nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Weges der Tore auf den ganzen Berg hinauf und dann wieder hinunter. So wurde der Weg am Ende länger als gedacht. Interessant ist, dass die 1000 Tore alle durch Spenden von Unternehmen, Familien und Einzelpersonen gestiftet sind. Deswegen sind alle Tore mit unterschiedlichen Namen beschriftet. Die kleinste Art der Tore kostet um die 1700 Euro. Der Berg, den wir erklommen haben, ist 233 m hoch. Wir haben für den gesamten Weg gut 3-4 Stunden gebraucht. Alles Hand in Hand. Uns war auf einmal klar, wieso die Beziehung danach ein Leben lang halten muss. Wenn man solch verschwitzte Hände durchhält, schweißt (ha – welch Wortspiel) einen das förmlich zusammen.

Besonders einprägsam sind neben den roten Toren auch die unzähligen kleinen Figuren und Statuen, kleine Schreine und die Natur. Man sollte sich für diesen wunderbaren Berg unbedingt Zeit nehmen, er hat so wahnsinnig viel zu bieten! Nach unserer wirklich tollen und auch etwas anstrengenden Wanderung, waren wir dann aber auch überglücklich, die Hände wieder loslassen zu können. Wir hatten dann erstmal Hunger und haben uns quer durch die Stände auf der Straße vor dem Schrein gefuttert.
Da gab es neben den obligatorischen Taiyaki-Fischen, gefüllt mit roten Bohnen oder Vanillesoße auch Takoyaki, kleine Oktopusbällchen mit einer Soße und Mayo. Außerdem hatte ich ein paar kleine Gyoza, gefüllte Teigtaschen mit Fleisch, Zwiebeln und Soße. Sabi hat dann noch einen Teigspieß probiert. Takoyaki waren so gar nicht meins, was aber vor allem an der Konsistenz liegt, die ich so gar nicht mag. Oktopus ist so wahnsinnig zäh. Die Gyoza waren superlecker, genauso wie das Taiyaki.

Kiyomizudera – Klappe, die Erste

Unser nächstes Ziel sollte eigentlich der Tempel Kiyomizudera sein. Allerdings hatten wir im Fushimi Inari so viel Zeit verbracht, sodass wir erst gegen 17 Uhr beim Kiyomizudera eintrafen. Die meisten Tempel und Schreine schließen gegen 16 Uhr. Falls ihr Japan besuchen möchtet, plant also so, dass ihr die Tempel möglichst vormittags erledigt! Trotzdem haben wir uns in der Gegend und im Außenbereich des Tempels umgeschaut und die Aussicht genossen. Außerdem haben wir ein paar Läden erkundet. Die Stufen im Kiyomizudera sind übrigens in einem sehr merkwürdigen Maß gebaut. Ein Schritt ist zu kurz und zwei Schritte zu lang, um eine Stufe zu überwinden. Unfreiwillig tippelt man also umher auf diesen Stufen. Als langsam die Sonne unterging, beschlossen wir, ins nahe gelegene traditionelle Viertel Gion Shinbashi weiterzuziehen.

Gion Shinbashi

Gion Shinbashi ist nicht einfach nur traditionell, es ist die typische japanische Nachbarschaft, die man von Kyoto erwartet. Überall finden sich alte Holzhäuser und die Kulisse erinnert an den Film „Die Geisha“. Dort ist die Chance übrigens am größten, auf eine echte Geisha zu treffen. Wir hatten da kein Glück, aber die Umgebung hat und auf jeden Fall entschädigt. Kleine Gassen, rote Zäune, Flüsse und schummrig beleuchtete Straßen.

Zum Abschluss des Tages kehrten wir in einer Bar ein, die Soba anbot. Soba ist ein Nudelgericht aus dunklen Buchweizennudeln. Es wird heiß oder kalt serviert. In der kleinen Bar bestellte man nicht am Tresen oder beim Kellner, sondern am Eingang direkt bei einem Automaten, an dem man auch bezahlte. Man bekam dann eine Marke, ähnlich einer Wartenummer und konnte sich an den Tresen setzen. Diese Bar war wirklich winzig, es hatten an der Bar nur ungefähr 8 Personen Platz. Sehr urig und gemütlich. Dem Koch konnte man beim Kochen zusehen. Würzen konnten wir das Soba anschließend selbst mit Essig und Chili-Soße. Soba ist seit diesem Abend zu meinem japanischen Lieblingsnudelgericht avanciert und hat damit das viel verbreitete Ramen abgelöst. Diese Stärkung war an dem Abend dringend nötig, nachdem wir so viele Schritte getan hatten.

Innenstadt von Kyoto und Book-Off Store

Nach unserem Abendbrot machten wir noch die Innenstadt von Kyoto unsicher. Dort gibt es unzählige Shopping-Straßen. Besonders angetan hatte es uns der Book-Off Store. Dort gibt es gebrauchte Mangas, DVDs, CDs und Merchandise. Wir sind wieder mal eher zufällig dort hineingestolpert und diese Stores für uns entdeckt. Gerade beim Merchandise gibt es viele kleine Sammelfiguren, die super Mitbringsel sind oder einen selbst begeistern können. Es wurde im Verlauf der Reise zur Tradition direkt die Book-Off Stores anzusteuern. Ich habe unter anderem wunderschöne Häkelbücher gefunden. Dafür sollte man nur die passenden Vokabeln und ein paar Fragesätze parat haben, denn die Läden sind nicht gerade klein und es fällt mitunter schwer, das zu finden, was man sucht. Aber die Mitarbeiter waren stets sehr hilfsbereit und haben uns gut weitergeholfen. Also auch hier eine klare Empfehlung und sozusagen ein Insider-Tipp für euch: Book-Off Store. 🙂

Nach unserer gemütlichen Shopping-Tour sind wir wieder in Richtung Ferienwohnung aufgebrochen und haben den ganzen Tag sehr entspannt Revue passieren lassen, bevor wir wie jeden Tag völlig geschafft und glücklich in die Laken gefallen sind.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie wir eine wahre Tempel-Tour in Kyoto absolvierten und am Ende im wunderschönen Bambuswald in Arashiyama landeten. Folgt uns also auch dann wieder auf unserer Entdeckungstour – das erste Mal in Japan!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 4: Ghibli-Museum, Tokyo-Station und die Ankunft in Kyoto

Hallo meine lieben Leser,

heute erwartet euch die hoffentlich sehnsüchtig erwartete Fortsetzung meines Japan-Reisetagebuchs. Wie ich schon im letzten Beitrag angekündigt hatte, war Tag Nr. 4 unser letzter Tag in Tokyo und unser Anreisetag in Kyoto.
Man könnte meinen, dass knapp drei Tage in Tokyo viel zu wenig wären. Das kann ich zwar bestätigen, aber ich hatte das Gefühl, wir wären schon viel länger dort gewesen. Ich habe mich so wohl gefühlt, als wären wir locker eine Woche in dieser tollen Stadt gewesen.

An diesem Tag begann der Morgen mit dem Zusammenpacken unserer Sachen, da wir die Wohnung zu einer bestimmten Zeit verlassen sollten. Wir planten, unser Gepäck gegen eine Gebühr bei einer Gepäckaufbewahrungsfirma in der Tokyo Station abzugeben. Der Service war klasse und wir zahlten pro Person 8 Euro für den ganzen Tag. Das war fair. So waren wir sicher, dass unser Gepäck gut bewacht wurde und, dass wir nicht unnötig viel mit uns herumschleppten.

Denn wir hatten eine ganz besondere Station vor uns, bevor wir nach Kyoto weiterreisen würden. Wir fuhren zum Ghibli-Museum.

Nach einer längeren Fahrt mit der S-Bahn kamen wir an einem Bahnhof an, der uns mit einer ganz besonderen Überraschung erfreute. Hier waren überall Plakate, die Figuren der Charaktere aus der Anime-Serie „Detektiv Conan“ zeigten. Da wir alle Fans dieser Serie sind, waren wir sehr gespannt, was es damit auf sich haben sollte. Wie sich herausstellte waren die Plakate Teil einer Stempelaktion. An verschiedenen Bahnhöfen waren Stempelstellen installiert. Die Stempel konnte in einem dafür vorgesehenen Heft gesammelt werden. An unserem letzten Tag schafften wir natürlich nicht, alle Bahnhöfe zu erreichen, dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, die Aktion mitzumachen.

Ziemlich aufgeregt waren wir aber erst, als wir mitbekamen, dass in dem Bahnhof die Durchsagen von der japanischen Synchronstimme von Conan gesprochen wurden! Genau wegen solchen Dingen liebt man doch Japan!?

Zu Fuß machten wir uns nach dem Ergattern unseres ersten Stempels auf den Weg zum Ghibli-Museum. Durch japanische Nachbarschaften, vorbei an einem kleinen Bach, führte der Weg hin zum Eingang des viel gepriesenen Museums. Viel ist über das Innenleben des Museums nicht bekannt, da keine Fotos erlaubt sind. Dementsprechend waren unsere Erwartungen sehr schwammig.

Am Eingang haben uns die Gestaltungen im Stil der Filme des Studio Ghibli empfangen. Eine lange Schlange von Menschen stand bis zum Eingang. Karten gibt es nur durch Reservierung. Wie ihr das macht habe ich in einem meiner Beiträge erklärt.

Am Eingang wurde unser Voucher gegen die Eintrittskarte eingetauscht. Die Eintrittskarte ist spektakulär. Man bekommt ein wunderschönes Negativ, welches eine Szene aus einem Ghibli-Film zeigt.

Der Innenraum war ähnlich schön gestaltet wie der Außenbereich. Die Architekten dieses Gebäudes waren einfach grandios. Wer allerdings eine Art Disneyland in Ghibli-Manier erwartet, sollte seine Erwartungen etwas herunterschrauben. In diesem Museum wird sich vor allem mit der Geschichte und Machart der Ghibli-Filme beschäftigt. Hier können Zimmer voller Originalskizzen und -drehbücher bestaunt werden oder es wird gezeigt, wie einzelne Szenen koloriert wurden. Beim Rundgang solltet ihr außerdem die Schuhe schnell mal ausziehen können, denn es gibt in japanischer Manier Bereiche, die ihr nur in Socken betreten dürft. Neben dem Rundgang finden sich zwei kleine Shops und ein Cafe sowie ein gestalteter Außenbereich im Museum. Viele kleine Details laden zum genauen Erkunden ein.

Das Museum ist klein, aber fein und wir haben einige Zeit dort herumgebracht. Danach machten wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof. Auf dem Rückweg ergatterten wir einen weiteren Stempel. Die letzte Stunde vor unserer Abreise vertrieben wir uns in der Tokyo Station und kauften ein bisschen ein. Wer es auf typisch japanisches Shopping und auf Anime-Charaktere sowie Maskottchen abgesehen hat, sollte sich die Tokyo Station nicht entgehen lassen. Dort hätten wir uns gern noch mehr Zeit genommen, doch unser Shinkansen wartete auf uns, der uns nach Kyoto bringen sollte.

Deswegen holten wir unsere Koffer ab und machten uns auf zum Bahnsteig. Übrigens: Ein Shinkansen ist ein japanischer Schnellzug, der bis zu 300 km/h schafft. Wir schafften die rund 460 Kilometer zwischen Tokyo und Kyoto innerhalb von 3 Stunden. Dazu muss man bemerken, dass der Shinkansen sehr viel Komfort bietet. Aber dazu später mehr.

Zuerst ließen wir uns am Bahnsteig nieder, unser Zug war noch nicht am Bahnsteig eingetroffen. Gerade, als wir mit unserem Gepäck Platz nahmen, kam ein Japaner auf uns zu und drücke uns eine Tüte in die Hand. Als ich hinschaute, entdeckte ich drei heiße Automatenkaffee. Als ich mich bedankte und ihm sagte, dass das doch nicht nötig wäre, winkte er ab und meinte, dass das schon so in Ordnung wäre. Das war sehr nett und in Deutschland hätte man wahrscheinlich nicht einmal daraus getrunken, aber in Japan ist es gar nicht so unüblich, dass man als Ausländer einfach so etwas geschenkt bekommt. Die Japaner möchten ihr Land einfach so gut wie möglich präsentieren und den Aufenthalt dort so angenehm wie möglich machen, hat uns später auf der Reise jemand erklärt.

Mittlerweile war auch der Zug eingetroffen und die Putzkolonne durchgerauscht. Es war wirklich beeindruckend, die Putzfrauen in ihren pinkfarbenen Uniformen zu beobachten, wie sie in Sekundenschnelle den Shinkansen säuberten. Ich hatte vorher schon eine Dokumentation gesehen, in der erklärt wurde, dass dieser gründliche Schnellputz eine besondere Ausbildung benötigt.

Wir kauften uns vor der Abreise noch kurzfristig ein Bentou, eine japanische Box voller lokaler Spezialitäten. Natürlich gibt es auch immer ein paar Standardgerichte zu erwerben. Ich hatte mir beispielsweise ein klassisches Tonkatsu (paniertes Schweineschnitzel) mit Reis, einer Salzpflaume und eingelegtem Gemüse ausgesucht.

Als wir den Shinkansen betraten, war ich zunächst wahnsinnig erstaunt, wie geräumig dieser Zug ist. Zwischen den Sitzen war extrem viel Platz. Ich konnte den Koffer hinter den Sitz meines Vordermanns stellen und hatte bis zu meinen Knien immer noch jede Menge Platz. Auch die Toiletten waren mehr als geräumig und boten viel Luxus. Generell war der Zug wunderbar leise. Ungewohnt war nur, dass bei großer Beschleunigung ein ähnlicher Druck auf den Ohren lastete, wie in einem Flugzeug. Aber alles andere war perfekt. Ruhig lag der Schnellzug auf den Schienen, raste durch die Nacht – an zahllosen Städten vorbei und durch viele lange Tunnel – in Richtung Kyoto.

Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir endlich die Kulturhauptstadt Japans – das schöne Kyoto. Schon am Bahnhof merkten wir, dass die Stimmung dort ganz anders war als in Tokyo, der großen bunten Metropole. Auch Tokyos Atmosphäre war wundervoll, allerdings hatte Kyoto direkt etwas ganz familiäres an sich.

Nachdem wir den Bahnhof verließen, wandten wir uns nach rechts zu den Taxis. Unsere Gastgeberin Maki, bei der wir übernachten sollten, hatte uns vorher per Nachricht auf LINE (asiatischer Messenger, vergleichbar mit Whatsapp und mit viel süßeren Stickern) mitgeteilt, dass wir ihr Haus so spät abends am besten mit dem Taxi erreichen könnten. Man muss hierzu sagen, dass man in Kyoto vor allem mit dem Bus vorwärts kommt. So bequem wie in Tokyo, wo wir mit dem JR-Pass fast überall mit den JR-Linien hinfahren konnten, war es in Kyoto leider nicht. Aber wir haben uns einfach immer die Tageskarte von Kyoto besorgt und sind dann mit dem Bus zu unseren Zielen gefahren.

Also haben wir einen Taxifahrer angesprochen, der ein wenig Englisch konnte. Trotzdem war es von unverzichtbarem Wert, dass wir die Adresse unserer Gastgeberin vorzeigen konnten – nicht nur auf Papier, sondern auf Google Maps. Da es eine Unterkunft am Stadtrand war, war die Adresse dem Taxifahrer nämlich nicht ganz geläufig.

Wir fuhren los. Ich saß auf dem Rücksitz und genoss den Ausblick aus dem Autofenster. Kyoto zog im Dunkeln an mir vorbei und wir konnten einige erste Highlights erhaschen. Wir sahen ein paar Straßenabsperrungen, ähnlich denen an der Baustelle in Tokyo. Dieses Mal waren es aber keine süßen Enten, sondern der Hauptcharakter Ruffy von One Piece, der dort als Gestaltung gewählt wurde.

An uns vorbei zogen moderne und weniger moderne Häuser und wir kamen in immer ruhigere Wohngegenden. Wir wussten zwar, dass das Haus von Maki auf einem Berg lag, aber wir wussten nicht, dass wir uns bei unserer abendlichen Ankunft niemals selbst durch die zahllosen kleinen Gassen gefunden hätten. Bei Tag konnte man sich alles viel besser einprägen.

Der Taxifahrer hatte es fast geschafft, da musste er um eine mehr als knapp bemessene Kurve biegen. Es war so eng, dass er anhielt und aussteigen musste, um einzuschätzen, dass er mit dem Spiegel an der Mauer vorbeikommt.
Er bestand drauf, dass wir nicht aussteigen und zu Fuß weitergehen, denn er hatte den Anspruch, seinen Auftrag zu Ende zu bringen. Wahrscheinlich war ihm auch nicht wohl dabei drei ausländische Mädels mit so viel Gepäck diesen Berg hochzuschicken.
Besonders gut hat mir an den Taxifahrern und auch sonst allen Fahrzeugführern in Japan gefallen, dass sie alle weiße Handschuhe trugen. Da hat man sich gleich total wichtig gefühlt. 😉

Nach mehreren Anläufen schaffte der Taxifahrer es, sich mit dem Auto durch die Enge zu manövrieren. Er hielt vor Makis Haus. Die Steigung war wirklich sehr steil, sodass es sehr komisch war, auszusteigen und das Gepäck zu entladen. Ich hatte die ganze Zeit die Befürchtung, das Auto würde gleich auf uns zurollen. 😀

Maki hatte anscheinend das Taxi gehört und kam aus dem Haus, öffnete die kleine Tür ihres Gartens und stieg die teilweise schiefen Steintreppen hinunter, um uns zu begrüßen. Sie war eine wahrlich tolle Erscheinung, sie hatte warm strahlende Augen und kuschelte sich in eine dicke Wohnjacke (schließlich war es Februar und in Kyoto war es sehr viel kälter als in Tokyo, da es in einer Art Senke liegt). Freundlich nahm sie uns in Empfang, während wir den Taxifahrer entlohnten und uns fragten, wie er es rückwärts den Berg herunterschaffte, denn wenden konnte er dort nicht.

Als wir in Makis Haus eintraten umfing uns nicht, wie in Deutschland im Winter, eine wohlige Wärme, sondern es war erstaunlich kalt. Wie auch schon im Apartment in Tokyo hatte dieses traditionelle Haus keine Zentralheizung. Es bestand nur aus dünnen Holzwänden. Dazu gab es Schiebetüren, die nach außen hin Glasfenster hatten und eine zweite Front Schiebetüren, die mit Pergament bespannt waren. Um das Haus gab es einen kleinen Dachvorsprung, unter dem eine Art Holzweg um das Haus führte. Ich konnte mir gut vorstellen, wie man im Sommer auf dieser schmalen Veranda Füße baumelnd saß und den Sonnenuntergang genoss.

Doch zurück zu unserer Ankunft. Als Maki uns in unsere Zimmer führte, öffnete sie die Schiebetür zu unserem eigenen kleinen Wohnraum und uns verschlug es die Sprache. Die Schiebetür nach außen war geöffnet und so empfing uns ein atemberaubender Blick über die ganze Stadt, die in der dunklen Februarnacht wunderschön glitzerte. Wir waren ergriffen. Alles, was ich herausbekam, war ein leises „Wow“.

Danach zeigte Maki uns im Detail die zwei Zimmer, die für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollten. Eine Art Wohnraum mit einem Kotatsu (Tisch mit Heizdecke) und ein Schlafraum mit Platz für drei Futons, beide getrennt durch eine Schiebetür und jeweils mit einem Fenster, welches den Blick auf die Stadt freigab.

Wir setzten uns mit Maki an den Tisch in ihrer Wohnstube, die eine Wohnküche beherbergte. Sie wollte uns kennenlernen, servierte uns erstmal einen warmen Tee und stellte uns ihre beiden süßen Katzen vor. In der Wohnstube war es dank des Heizstrahlers wohlig warm. Auf dem Tisch lagen eine Menge Karten und Informationen und sie wollte gleich mit uns den Plan für die nächsten Tage besprechen, um uns ein paar Tipps zu geben, da sie morgens schon aus dem Haus sein würde, ehe wir aufgestanden wären. Auch in der Wohnstube stand der Tisch vor einem großen Panoramafenster mit Blick auf die Stadt. Wir unterhielten uns gut und schauten etwas fern mit Maki zusammen. Danach entließ sie uns zum Auspacken und Frischmachen, bevor wir uns bettfertig machten. Wir saßen noch einige Zeit mit den Beinen unter dem Kotatsu, der uns zumindest die untere Körperregion wärmte. Um den Oberkörper habe ich mir eine dicke Decke geschlungen, da es bei meinem Sitzplatz von hinten etwas gezogen hat. Das war aber überhaupt nicht ungemütlich, es war wunderbar, die Kälte zu spüren und es trotzdem so annehmlich zu haben. Der Blick aus dem Fenster entschädigte für alles und wir bereiteten noch ein paar Sachen für den nächsten Tag vor. Dann begaben wir uns ins Bett.

Wir hatten vorher noch nie auf Futons geschlafen. Das sind dünne Matratzen, vergleichbar mit dicken Daunenbetten, die auf dem Boden liegen. Der Boden selbst besteht aus Tatami, aus Strohmatten. Maki hatte uns wegen der Kälte und, weil wir noch keine Futon-Erfahrung hatten, je zwei Futons übereinander gelegt. Über uns hatten wir jeder eine dicke Daunendecke und zwei normale Kuscheldecken. So eingemurmelt ließ es sich leben. Unter den gefühlt 15 Schichten Decken hatten wir es uns gemütlich gemacht und wärmten gerade etwas auf, als wir merkten, dass jemand die Lampe löschen musste. Über uns baumelte eine alte Lampe, bei der man noch an einer Strippe ziehen musste. Das war total nostalgisch und passte in den Raum. Die Lampe hatte sogar mehrere Abstufungen. Als sie gelöscht war, fielen wir in einen glücklichen, erschöpften und unfassbar erholsamen Schlaf ohne jede Rückenschmerzen, vor denen man bei Futons immer Angst hat.

Und wieder war ein toller Tag im Traumland Japan vorüber. Der Tag war nicht ganz so ereignisreich wie die vorhergehenden, aber diese Entschleunigung tat uns allen sehr gut.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr nicht nur, wie wir Kyoto das erste Mal bei Tageslicht sahen, sondern auch, wie wir gleich am ersten Tag einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kyotos kennenlernten und eine neue Leibspeise fanden.
Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 1: Der Hinflug & Ankunft in Tokyo

Hallo liebe Leser,

endlich geht es los mit dem großen Reisetagebuch zu meiner Japanreise. Und natürlich fangen wir chronologisch mit dem ersten Tag und der damit verbundenen Anreise an.

DRESDEN > FRANKFURT

Gestartet sind wir in den sehr frühen Morgenstunden eines kalten und ungemütlichen Februartages. Unser Startpunkt war dabei die sächsische Stadt Dresden. Mit unserem ganzen Gepäck sind wir mit den öffentlichem Verkehrsmitteln zum Flughafen gefahren. Dort war um diese Uhrzeit nicht wirklich viel los, wir sind hoch auf die Aussichtsplattform gegangen, nachdem wir das Gepäck abgegeben hatten, um vor der Sicherheitskontrolle noch etwas zu entspannen. Soweit das eben möglich war, denn wir waren natürlich aufgeregt. Unser Plan, vor den Flügen noch Sportübungen zu machen, wurde zunichte gemacht von der schummrigen Beleuchtung und der Dunkelheit vor den bodenlangen Fenstern, durch die wir versuchten Flugzeugstart oder -landung zu erhaschen. Da saßen wir nun, ungeduldig in unseren bequemen Klamotten, die wir uns für den langen Flug gewählt hatten. Wir hatten uns ein bisschen Proviant mitgenommen, welchen wir nun als Stärkung zu uns nahmen. Danach sind wir gemütlich durch die Sicherheitskontrolle gegangen und haben uns in den Wartebereich gesetzt. Meine Flugangst war wie weggeblasen, denn auf der Strecke Dresden – Frankfurt bin ich oft auf Geschäftsreisen geflogen. Das machte sich bemerkbar, weil ich so zum Beginn gleich ein Heimspiel hatte und so meine Flugangst praktisch nicht existent war. Falls ihr euch erinnert, hatte ich in einem Beitrag vor der Reise von dieser Flugangst erzählt. Umso größer war nun meine Freude, dass meine Befürchtungen umsonst waren. Vielleicht hatte mir die gute Vorbereitung und die Techniken aus dem Flugangst-Forum geholfen.
So. Wir waren also im Wartebereich. Letzte wichtige Infos wurden diskutiert, das Reisegeld übergeben (das hatte ich für alle umgetauscht – money, money, money, hihi) und noch ein bisschen entspannt. Und als das Boarding begann … war ich entgegen meiner Vermutungen auch entspannt. Entspannter als jemals bei einem Flug zuvor. Und auf einmal hatte ich das Gefühl, es geschafft zu haben. Da habt ihr richtig gehört! Ich war selbst erstaunt, wo doch dieser lange Flug noch vor mir liegen sollte, hatte ich trotzdem schon das Gefühl, etwas erreicht zu haben. Wie sagt man doch? Der Weg ist das Ziel. Und ich denke, das beschreibt mein Gefühl ganz gut. Ich hatte so viele Monate alles geplant und vorbereitet, dass ich in diesem Moment einfach nur glücklich war, dass es endlich losging. Außerdem war ich beruhigt, da uns eine ganz liebe Freundin schon im Vorhinein ganz lieb bei der Sitzplatzbuchung unterstützt hatte und wir auch dank ihr auf jedem Flug zusammen saßen. Auch das beruhigte mich.

Unser erster Flug von Dresden nach Frankfurt war sehr ruhig und dauerte wie immer nur circa 40 Minuten. Ein kleines Getränk und schon war der Flug vorbei.

FRANKFURT > OSAKA

So kamen wir in Frankfurt am Main an und liefen auch dort entspannt und gemütlich durch die Sicherheitskontrolle. Danach sind wir in das Terminal gelaufen, von welchem wir nach Japan fliegen sollten. Auch da waren wir früh genug dran und haben gewartet. Ich bin währenddessen kurz in die Lounge und habe Essen für uns stibitzt, da mein Vielfliegerstatus Ende Februar auslief, wollte ich das noch nutzen. 🙂 Die Lounge in diesem Terminal ist übrigens noch viel komfortabler und hat ein gefühlt 50 Meter langes Panoramafenster. Sehr zu empfehlen.

Als wir dann endlich zu unserem Gate durften, waren wir sehr erleichtert, dass wir wieder ein Stück weiter waren. Denn das durfte man erst ab einer bestimmten Zeit vor dem Abflug, was mir auch noch nicht bekannt war. Und jetzt kommt eines der Highlights. Als wir das Gate erreichten, war dort tatsächlich direkt daneben eine Gaming-Ecke. Dort hatte man verschiedene Spiele, mit denen man sich die Zeit vertreiben konnte! Wie cool war das denn!? So hatten wir schlussendlich doch noch die Chance, unsere Sportübungen vor dem langen Flug zu machen, denn es gab das Tanzspiel „Just Dance“. Nachdem wir uns dort etwas verausgabt hatten, haben wir auf unser Boarding für den Flug nach Osaka gewartet. Viele fragen uns, warum wir erst nach Osaka geflogen sind, um dann nach Tokyo zu fliegen. Wieder andere fragen, warum wir nicht gleich in Osaka gestartet sind, weil wir die Stadt später doch sowieso besuchten. Nunja, ganz einfach. wir wollten in Tokyo starten und uns dann nach Süden vorarbeiten bis nach Fukuoka. Außerdem war dieser Flug billiger als ein Direktflug. Und es war nicht so stressig, wie wir vorher glaubten. Es war im Gegenteil mal ganz schön, sich zwischendurch die Beine zu vertreten.

Doch zurück zum Boarding in Frankfurt. Ich war nämlich schon ganz hibbelig, die große Boeing 747 zu sehen und sie ist wahrlich groß. Kein Vergleich mit dem A380, aber sie ist groß und ich war vorher noch nie in so einem großen Flieger unterwegs. Für mich war das ein absolutes Highlight. Wobei ich rückblickend sagen muss, dass wir in der japanischen Maschine auf dem Rückflug viel mehr Beinfreiheit hatten. Komisch, wenn man bedenkt, dass die Japaner kleiner sind. Allerdings war auch die Maschine kleiner und vielleicht lag es auch daran. Ich war jedenfalls überwältigt von der 747 und war schon gespannt aufs Essen und das Bord-Entertainment. Tatsächlich gab es zur Einstimmung auf Japan sofort die Wahl zwischen normalem und japanischem Menü. Außerdem gab es in der Bordküche jederzeit Onigiri (japanische Reisbällchen), wenn man Hunger bekommen sollte. Später auf dem Flug sollte ich auf einmal großen Hunger bekommen und habe gleich drei Stück in mich reingestopft und fünf Becher Wasser geleert. Zu Beginn des Fluges überwog die Freude und Euphorie und wir fingen sofort an, das Bord-Entertainment zu untersuchen. Da konnte man staunen, welch reichhaltige Film- und Serienauswahl der Flieger hatte (für mich, da ich ja kein Serien-/ Filmjunkie bin). Auch ein paar Minispiele waren dabei. Ich habe mir die Zeit also unter anderem mit dem guten alten „König der Löwen“ vertrieben. Ich konnte leider nicht einschlafen, weswegen ich versuchte mich mit Filmen und Musik in den Schlaf zu wiegen. Leider gelang es mir nur, knapp eine Stunde zu schlafen, was auch unseren Vordermännern zu verdanken war, die den ganzen Flug in der Lautstärke von Brüllaffen eine Unterhaltung führten. Da waren selbst meine Kopfhörer machtlos. Dafür war das Essen wirklich ein Highlight, es hat für das allseits belächelte Flugzeugmahl doch sehr fabelhaft geschmeckt.

Ausgestattet wurde man im Flugzeug neben Kopfhörern übrigens mit einem Kissen und einer Decke, was ich sehr angenehm fand. Aber auch meine eigenen Kopfhörer passten in die Buchse, was natürlich noch besser war. Ansonsten hatte ich mir für den Flug megaviel Beschäftigung mitgenommen (Rätselhefte etc.). Am Ende habe ich nichts davon gebraucht. Ich habe mir Filme angeschaut und versucht zu schlafen, ab und zu die Beine vertreten, die Wolken oder die Aussicht genossen und auf dem Radar geschaut, wo wir gerade sind. Es gibt an Bord so unglaublich viel zu entdecken. Sogar die Toiletten waren überraschend sauber, bis auf eine, die aber im Nu wieder gereinigt war. Ihr lacht vielleicht über diesen Fakt, aber saubere Toiletten sind ein wichtiges Thema, wie ich finde und dieses Thema wird euch auf jeden Fall nochmal in Japan erwarten, da japanische Toiletten für sich genommen schon eine Attraktion sind. 😉 Um es kurz zu machen – der Flug von 11 Stunden vergeht … na? … hihi … wie im Flug! Ha..ha..ha.. okay, der war nicht gut… aber irgendwoher kommt dieser Spruch ja auch…

ANKUNFT IN OSAKA

Als wir nun endlich das japanische Meer überquerten und das erste Mal japanisches Festland sahen, war es um uns praktisch schon geschehen. Tatsächlich war es ein magischer Moment, aber man konnte es noch nicht greifen und erst recht nicht realisieren. Der Anflug auf Osaka war etwas merkwürdig, da der Flughafen auf einer kleinen Insel vorm Festland ist. Kurz vor der Landung sieht man nur Wasser. Das war schon etwas merkwürdig, aber auch witzig. Und dann waren wir mit einem großen RUMMS in Japan gelandet.

Erkannt haben wir das auf den ersten Blick erstmal nur an der japanischen Werbung die irgendwo hing. Richtig bewusst war es uns aber noch lange nicht, auch nicht, als uns im Flughafen erstmal ein Pikachu und eine freundliche Klopapierrolle begrüßten. Wahrscheinlich waren wir einfach zu gerädert vom Flug und von der Aufregung.

Danach erwartete uns erstmal ein „Einwanderungs“-Prozedere. Wir gingen eine Treppe hinunter und auf einmal sah ich eine richtig kitschige Reklame und musste weinen. Warum? Weil mir in diesem Moment so richtig bewusst war, dass ich da bin. In Japan. Meinem Traumland. Das war ein unbeschreibliches und erhebendes Gefühl. Ich habe mich so sehr gefreut, ich konnte nicht anders, als ein paar Freudentränen zu verdrücken, denn ich war so so so glücklich. Neben der obligatorischen Passkontrolle erwarteten uns nett aussehende Japanerinnen an, auf den ersten Blick, Imbisswagen (wie im Flieger) … aber nein… das waren Maschinen zum Abgeben der Fingerabdrücke! Dann noch ein Stempel in den Pass und los ging es!

Wir sind dann schleunigst durch die Sicherheitskontrolle und haben unser Gepäck neu aufgegeben. Das muss man so machen, wenn man einen anschließenden Inlandsflug hat. Das hat den Grund, dass die Leute sehen wollen, dass jemand zum Gepäck gehört. Hat alles reibungslos geklappt, so wie alles in Japan – seufz. Aber dazu später mehr.  Danach ging es also noch einmal durch eine Kontrolle und dann konnten wir endlich etwas in Japan ankommen. Am Gate begrüßte uns ein kleiner Laden, wo ich mir auch sofort ein Onigiri, Mugi-cha (frei übersetzt „Strohtee“, schmeckt in etwa wie der Kinderkaffee Muckefuck) und Wasser kaufte. Dann konnten wir uns auch endlich unserer Thrombosestrümpfe entledigen, die wir vorsorglich anhatten. Ich war übrigens froh, dass wir das gemacht hatten, meine Beine fühlten sich auch so schon schwer an und ich will nicht wissen, wie das ohne Strümpfe gewesen wäre. Die haben schon echt was gebracht, auch wenn sie nicht wirklich schön sind. Kann ich nur empfehlen!

OSAKA > TOKYO

Dann ging es von Osaka nach Tokyo. Mit einer japanischen Airline. Die ein animiertes Belehrungsvideo hatte, in dem ein Roboter (gundam-like) alles erläuterte. Nun waren wir endgültig in Japan angekommen. 😀 Dieser Flug war allerdings komplett von Turbulenzen bestimmt, was mir durch den wenigen Schlaf viel mehr ausmachte, als ich zugeben möchte. Nicht schön. Aber es hat sich gelohnt, weil wir beim Anflug auf Tokyo den wunderwunderschönen Fuji-san sehen konnten. Und auch in Tokyo landeten wir mit einem großen RUMMS.

Wen wir am Flughafen trafen und was wir nach unserer Ankunft noch alles erlebt haben, bevor wir Schlafen gingen – das lest ihr im nächsten Artikel zu meiner Japanreise.
Coming soon! 😉

Ich hoffe der erste Artikel hat euch schon gefallen und ihr habt Lust auf mehr?

Bis bald,

EURE HACHIDORI

Reisetagebuch – Sächsische Schweiz – Lilienstein

Liebe Leser,

nachdem ich euch schon über den Pfaffenstein berichtete, möchte ich euch nun auch den Lilienstein in der Sächsischen Schweiz empfehlen.

Der Lilienstein liegt unweit vom Ort Königstein und in der Nähe des Örtchens Ebenheit. Da Ebenheit auf unserer Wanderkarte der nächste Ort war und wir dort mit dem Auto parken wollten, haben wir uns erstmal gründlich verfahren. Was wir nämlich nicht wussten: Ebenheit liegt eine Ebene weiter oben als Königstein und direkt von dort gibt es keine Zufahrtsstraße nach Ebenheit. Um dorthin zu gelangen, muss ein Umweg durch die umliegenden Orte gefahren werden. Wir aber gingen davon aus (weil so auf der Karte eingezeichnet), dass wir von Königstein aus direkt an der Elbe entlang fahren können, um dann nach Ebenheit zu fahren. Als wir unseren Fehler bemerkten, war es zu spät und wir erreichte eine Sackgasse. Aus diesem Grund entschieden wir uns, das Auto einfach direkt an der Elbe auf einem kleinen Parkplatz abzustellen, der uns während dieser Fahrt aufgefallen war. Direkt neben dieser Parkmöglichkeit war passenderweise ein Weg nach oben zum Lilienstein. Dieser Weg hatte es wirklich in sich, er war sehr steil und das Mädchen, welches vor uns lief und anscheinend auf dem Nachhauseweg von der Schule war, tat mir fast ein bisschen Leid, dass sie jeden Tag diesen Weg gehen musste. Stellt euch das mal vor! Jeden Tag mit der Fähre übersetzen und einen dermaßen steilen Berg hinauf. Folgt man diesem Weg, erreicht man die nächste Ebene in der Landschaft. 🙂 Dort oben liegt das kleine Örtchen Ebenheit, welches passend dazu diesen Namen trägt. Von unserem Weg aus hatte man einen tollen Blick auf den Lilienstein, der auf dieser Ebene thront.

Der Weg auf den Lilienstein ist eher geradlinig im Vergleich zum Pfaffenstein bzw. kam mir das so vor. Der Pfad führt wieder an mehreren ansehnlichen Felsen vorbei. Erneut führen steinerne und eiserne Treppen immer weiter nach oben, bis sich, nahe dem Gipfel des Tafelbergs, der Blick auf die Landschaft und die umliegenden Felsen des Liliensteins freigibt. Von hier aus hatten wir eine der vielen Aussichtsplattformen im Blick. Genau diese Aussichtsplattform sollte noch eine Herausforderung für mich werden. Weiter hinauf geht es wieder über eine steinerne Treppe, die aber breiter als ihre Vorgänger ist und mit den Felsen zu beiden Seiten eine mystische Ausstrahlung erhält. Dieses Bild rief in mir irgendwie Geschichten von Rittern, Burgen und Excalibur hervor, warum kann ich gar nicht so richtig sagen. Allerdings wird diese Wirkung auch dadurch unterstützt, dass überall moosbewachsene Stellen den Stein zieren.

Oben angekommen führte unser Weg vorbei an einem anderen Weg, der zu zwei Aussichtsplattformen führte. (Ihr erinnert euch? Die, die man von unten schon sehen konnte)
Ich wollte so gern dorthin, denn was wäre ein Aufstieg ohne den Aussichtspunkt? Um dorthin zu gelangen, war es nötig, eine eiserne Brücke zu überqueren. Diese verband zwei Felsen miteinander, unter der Brücke war eine Schlucht und natürlich konnte man durch die Brücke durchschauen. Noch dazu war es sehr windig. Ihr erinnert euch vielleicht daran, dass ich eine sehr ausgeprägte Höhenangst habe und ich sie zu bekämpfen versuche. Nun war es also nach der Leiter am Pfaffenstein wieder soweit. Ich war in der Zwickmühle, denn ich wollte die Aussicht sehen, aber diese 3 Meter Brücke über einen Abgrund und dann auch noch perfekt, um nach unten zu schauen, das war mir alles etwas viel. Nach einer geschlagenen Viertelstunde und dem Gefühl, ich würde es niemals schaffen, war ich wieder an dem Punkt angelangt, dass mich diese doofe Höhenangst nervte. Gemeinsam mit meinem Freund hab dann versucht, nur in seine Augen zu schauen und schwupps war ich drüben. Das Schwupps fühlte sich zwar eher nach einer halben Stunde an, aber hey, ich war drüben! Zur Belohnung gab es dann eine wunderschöne Aussicht und während mein Freund die zweite Plattform erkundete (dort waren wieder Leitern), habe ich eine kleine Pause eingelegt. Zurück das gleiche Spiel und danach machten wir uns auf, den Rest des Berges zu entdecken.
Wir wanderten einmal rund um den Lilienstein. Neben einer Baude, die leider geschlossen hatte, gab es auch ein Denkmal. Von dort aus hatten wir wieder einen super Ausblick. Ein kleines Mädchen spielte, während ihre Mutter am Denkmal saß und entspannte. Die Kleine war echt zuckersüß und kam zu uns und fragte: „Wie heißt du denn?“ und dann entwickelte sich ein sehr süßes Gespräch. Ihrem Wunsch, zusammen auf den Steinen herumzuspringen, sind wir dann leider nicht nachgekommen, weil wir nicht zu spät nach Hause aufbrechen wollten.


Der Abstieg war leider etwas unspektakulär mit vielen Metalltreppen und weniger Aussichten, dafür ging es aber durch ein kleines Waldstück. Danach ging es direkt zurück zu unserem Parkplatz und in die Ferienwohnung, gerade als das Wetter umschlug. Perfektes Timing also!

Fazit:
Auch der Lilienstein kann sich sehen lassen, war für mich landschaftlich sehr schön, obwohl mir der Pfaffenstein einen Tick besser gefiel. Der Lilienstein lädt zum Verweilen ein, da es viele schöne Aussichten und Plätze gibt, an denen man sich niederlassen kann. Außerdem kann man vom Lilienstein aus viele umliegende Felsen betrachten. Hier gibt es mal wieder eine Empfehlung für euch. 🙂

EURE HACHIDORI

Reisetagebuch – Sächsische Schweiz – Pfaffenstein

Meine lieben Leser,

endlich gibt es mal wieder einen Beitrag aus der Kategorie „Reisetagebuch“. Ehrlich gesagt war ich zwischendurch auch mal hier und mal da, aber ich habe einfach keinen passenden Zeitpunkt gefunden, darüber zu schreiben. Vielleicht hole ich das mal nach. Vorerst konzentrieren wir uns aber auf die aktuellsten Ereignisse. 😉

Im April war ich also in der Sächsischen Schweiz. Dazu muss man sagen, als Sachse kenne ich sie natürlich, aber es ist immer wieder auf besondere Art und Weise schön. Dazu kommt, dass ich meistens im Kindesalter oder im Rahmen von Ein-Tages-Ausflügen dorthin reiste. Dieses Mal sollte es aber Ziel meines ganz privaten Urlaubs mit meinem Freund werden, der auch mehr als einen Tag umfasste.

Tja und was macht man in der Sächsischen Schweiz bzw. dem Elbsandsteingebirge? Wandern, völlig klar. Wandern klingt für einige todlangweilig und ich gebe zu, dass ich bis vor ein paar Jahren noch genau so dachte. Ich verband mit dem Wort „Wandern“ immer Erinnerungen an langweilige Märsche mit meinen Großeltern. Als Kind war das einfach nicht so meine Welt.
Ein kleiner Exkurs, wie ich meine Liebe zum Wandern entdeckte: Um meinem Freund eine Freude zu machen (der nämlich gerne wandert), buchte ich unseren ersten gemeinsamen Urlaub zu zweit in den Alpen. „Wenn Gebirge, dann richtig.“, hatte ich gedacht. Ich sollte vielleicht erklären, dass es in meiner Heimatstadt zwar einen Hausberg gibt, dieser aber wirklich winzig ist. Ich hatte vor dem Alpenurlaub wirklich noch keinen „richtigen“ Berg gesehen und dementsprechend sprachlos stand ich dann am Fuße eines solchen Kolosses und fragte mich, wie ich das mit meiner Höhenangst überleben soll. Womit wir bei einem Thema wären, das ich eng mit dem Wandern verbinde. Ich habe extreme Angst vor Höhe. So richtig mit sich drehendem Untergrund und so, wenn ich irgendwo runterschaue. Deshalb sind gewisse Passagen beim Wandern, nun sagen wir, etwas problematisch. 😀 Trotz dieser Herausforderung entdeckte ich in den Alpen meine Liebe zum Wandern. Das Gefühl, oben auf dem Gipfel zu stehen war so erbauend und beim Wandern konnte ich so richtig den Kopf frei bekommen, dass ich richtig Blut geleckt hatte. Ich bin kein Profi oder so, aber es gibt mir etwas, aus meiner eigenen Kraft oben auf den Berg zu steigen und mich bei einigen Gelegenheiten meiner Höhenangst zu stellen. (Weil verdammt nochmal, die nervt mich ganz schön arg!) · EXKURS ENDE ·

Das erste Ziel in der Sächsischen Schweiz war der Pfaffenstein. Dieser Berg ist vielen bekannt durch einen sehr markanten Fels, der „die Barbarine“ genannt wird.
Die Barbarine ist durch ihr auffallendes Aussehen zum Symbol für das Elbsandsteingebirge geworden. Mit der Barbarine wird eine Sage verbunden, in der davon die Rede ist, dass sie eine versteinerte Jungfrau wäre. Ebendiese Jungfrau wurde von ihrer Mutter in die Kirche geschickt, stattdessen bestieg sie aber den Pfaffenstein, um Heidelbeeren zu suchen. Die Mutter erwischte sie und verwünschte ihre Tochter, sodass sie zu Stein wurde. So steht sie als versteinertes Mahnmal, um Kinder vor Ungehorsam zu warnen. Der Name der Barbarine wurde vom Namen der Jungfrau abgeleitet. Ebenfalls geläufig ist die Sage in einer anderen Version, in der die Jungfrau sich heimlich mit einem Jäger trifft und von einer Hexe verwünscht wird. (Vgl. Inkowik u.a.: Barbarine. https://de.wikipedia.org/wiki/Barbarine [Stand: 27.04.2017])
Welche Version besser gefällt, muss jeder für sich entscheiden. Ich finde, beide Geschichten haben etwas für sich.

Der Weg auf den Pfaffenstein war für mich etwas abenteuerlich. Es gibt einen „leichten“ Aufstieg und einen „schweren“. Wir wählten den schweren Weg, weil an den Wegweisern nur stand, dass dieser Weg nicht für Hunde geeignet ist. Da wir das aber andernorts auch schon gelesen hatten, dachte ich mir nichts dabei. Hätte ich vorher einen genauen Blick auf meine Wanderkarte geworfen, wäre mir da ein kleines Leitersymbol aufgefallen. Da ich aber völlig unbedarft losgewandert bin, stand ich irgendwann vor einer eisernen Leiter, die sich zwischen den Steinen ihren Weg bahnte. Sie hatte ca. 12 Sprossen, war also nicht wirklich hoch, aber bei mir spielte sich gleich wieder mein Höhenangst-Szenario ab. Da ich den Weg nicht wieder komplett zurückgehen wollte, habe ich mich (mit Unterstützung) an die Leiter gewagt. Ich verleugne es nicht: Es war furchtbar. Oben angekommen, war ich froh, wollte aber nichts sehnlicher, als mich an eine Wand aus Fels zu pressen. Um mich herum gab es nämlich nur die Leiter und eine Aussichtsplattform, für die ich gerade zu geschockt war. Aber die Aussicht von der Felswand aus war trotzdem unbezahlbar schön! Wenn die Sächsische Schweiz etwas kann, dann sind es Aussichten! Nachdem ich mich von meinem kleinen Schock erholt hatte, ging es weiter aufwärts. Immer wieder schlängeln sich steinerne Treppen durch diverse Steinformationen. Wunderschön!


Oben angekommen fiel als erstes der Felsboden ins Auge und die Vegetation, die sich trotzdem hier durchsetzen konnte. Der Pfaffenstein wird bewirtschaftet, auf dem Weg kommt man direkt am Gasthaus vorbei. Zunächst führte uns der Weg aber weiter, immer der Beschilderung folgend, zur besagten Barbarine. Der Weg führte auch durch enge Felsspalten, es machte sich bezahlt, den Rucksack streckenweise abzusetzen.


Danach gönnten wir uns einen Tee im Gasthaus, dem eine kleine verwunschene Burgruine direkt gegenüber lag. Es sind gerade noch ein paar Mauern erhalten, die einen Grundriss erahnen lassen. Alles ist mit Pflanzen bewachsen und erzeugt ein romantisches Flair. Am schönsten war eine Rundung, die an einen Balkon erinnerte. Von dort aus hatte man einen super Ausblick. Ich frage mich immer noch, was das für eine Ruine war und ob die Nutzung vielleicht gar nicht so lange zurückliegt. Der karierte Fußboden, den ich in einem Raum entdeckte, sah jedenfalls nicht danach aus, als wenn er schon hunderte Jahre alt wäre. Aber der Kontrast dieses Musters mit dem Grün der Pflanzen und den alten Mauern hatte es mir echt angetan. Ich konnte meine Augen nicht davon lassen!

Aufgrund meiner Höhenangst und des Leiterdramas wurde für den Rückweg dann doch lieber der „leichte“ Abstieg gewählt. Rückblickend hat sich das auch landschaftlich gelohnt! Durch eine bewachsene Schlucht führt der Weg zu einer Art felsigem Platz. Zu allen Seiten ragen beeindruckende, riesige Felsen empor. An dem größten ist eine Plakette mit einem Porträt angebracht, die dadurch eine majestätische Ausstrahlung erhält. Direkt daneben führt eine schmale, steile Treppe direkt zwischen den riesigen Felsen empor. Doch für uns ging es weiter den leichten Abstieg entlang.


Langsam entfernten wir uns aus dem felsigen Gebiet und gelangten auf gepflasterte Wege und Waldpfade. Der leichte Abstieg führte um den Berg herum. Am Ende hatte man einen Blick auf die unendlich wirkenden Wiesen der Umgebung und auf den Königstein. Und so ging eine wunderschöne Wanderung zuende, die mich zwar mit einer Leiter ziemlich schaffte, aber mir mindestens ebenso viel schöne Momente bescherte.

Mein Fazit:
Den Pfaffenstein kann ich als Wanderziel nur wärmstens empfehlen, da er anspruchsvoll ist und wunderschöne Blicke gewährt. Caspar David Friedrich malte nicht umsonst so viele Blicke der Sächsischen Schweiz, sie sind einfach atemberaubend! Die Felsen haben etwas mystisches und eigentlich erwartet man hinter jedem Stein einen Kobold oder sowas. Wer Höhenangst hat, dem würde ich von Anfang an den leichten Aufstieg empfehlen! Ansonsten lohnen sich die Herausforderungen und Ausblicke für alle mutigen Wanderfans unter euch. 🙂

EURE HACHIDORI

London-Impressionen: Anreise und erste Eindrücke

Hallo liebe Leser,

ich melde mich zurück aus meinem Urlaub! London war das Ziel und leider verging die Zeit viel zu schnell. Ein paar Beiträge hier auf meinem Blog werden meine Sentimentalität und hoffentlich euer Interesse an dieser atemberaubenden Stadt vergrößern!
Heute möchte ich euch von der Anreise und meinen/unseren ersten Eindrücken berichten. Ich war nämlich mit meinen zwei besten Freundinnen unterwegs. Ich bin ewig nicht geflogen, weswegen ich natürlich auch ordentlich nervös war. Der Start beim Fliegen ist alles andere als schön, aber die Aussicht entlohnt alles wieder! Ich musste mich auch daran gewöhnen, dass es in den Wolken immer etwas ruckelt und das, wo ich doch so ein Angsthase bin und Höhenangst habe. Solange das Flugzeug sich nicht geneigt hat, ging auch alles gut. Irgendwie begreift man ja doch nicht, dass man wirklich über den Wolken ist.
Nun endlich zu Großbritannien, England, London, wie auch immer! 😀 Ich finde das britische Geld sehr schön. Die Queen ziert die Geldscheine und auch Charles Darwin ist auf der 10-Pfund-Note zu sehen, auf dem übrigens auch ein Kolibri gedruckt ist 😉 (Anmerkung: Hachidori heißt Kolibri). Und es ist so bunt! 😀

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Witzig fand ich auch diese „interaktiven Umfragen“ an den Flughäfen in London, wie der Service zwecks Gepäck und Sicherheit war. Da haut man einfach im Vorbeigehen auf einen Knopf 😀
Ansonsten sind die Hinweise der Engländer ganz niedlich, in welche Richtung man vor dem Überqueren einer Straße schauen muss. Und ich mag die Ampeln. Schaut euch einfach die folgenden Bilder an, ich denke, das erklärt alles am besten. Von den Telefonzellen brauch ich ja nicht so viel erzählen, die sind eh weltbekannt und (zumindest von außen) schön. Innen hängen Schmuddelblätter und riechen tut´s da auch nicht so gut. Unser Erlebnis des Tages war ein Spaziergang durch mehrere Hintergassen, während dem wir an einer Villa vorbeikamen, in der gerade eine Art Swing-Sänger ein Konzert gab. Die Musik hat uns mitgerissen, wir haben auf der Straße dazu getanzt und dann kamen wir zu einem Fenster, durch das wir in den Festsaal schauen konnten, in dem der Sänger auf einer Art Podest performte. In Anzug und sehr stilvoll. Während einer Textpassage in der mehrmals das Wort „you“ vorkam und er in die Menge zeigte, schaute er auf einmal durch das Fenster zu uns nach draußen und zeigte bei „you“ auf uns. Das war so ein großartiger Moment. In einer englischen Straße, mit Livemusik, einbezogen von einem edel gekleideten Gentleman. Traumhaft.
Außerdem haben wir sogenannte „Flapjacks“ ausprobiert. Das sind kleine Haferhappen mit Honig und wahrscheinlich viiiiel Zucker, die beim ersten Bissen etwas interessant und komisch schmecken, aber sagen wir mal im Abgang ihren wahren Genuss entfalten. Sehr lecker, sehr empfehlenswert. Nach den Flügen und diesem ersten AUSflug waren wir dann ziemlich kaputt und sind schlafen gegangen.

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Soviel zum ersten Tag in London.
Lest bald mehr zu meinen Impressionen aus dieser Stadt!

Bis bald!

EURE HACHIDORI

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