Rezension – „54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe“ von Marieke Nijkamp

Hallo meine lieben Leser,

den Urlaub konnte ich wirklich gut für Lektüre nutzen. Eines der Bücher, die ich mir während des Sommerurlaubs auf den Nachttisch gelegt habe, war „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp. Das Buch wurde bereits 2016 in Originalsprache und 2017 in der Übersetzung bei uns hier in Deutschland verlegt. In diesem Jahr erschien nun eine neue Auflage mit einem neuen Cover. So wurde ich darauf aufmerksam und wollte mir unbedingt eine Meinung dazu bilden. Da das Buch das schwierige Thema eines Amoklaufs an einer Schule thematisiert, werde ich euch im Folgenden erläutern, was mich überzeugen konnte und was ich kritisch betrachtete.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: 54 Minuten – Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe
  • Autor: Marieke Nijkamp
  • Anzahl der Seiten: 327 Seiten
  • Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch, Drama, Roman

INHALT:

„Wir sind mehr als unsere Fehler. Wir sind mehr als das, was andere von uns erwarten. Daran muss ich glauben.“

Chris in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 119

Das Buch beginnt an einem normalen Tag in der Opportunity High. Die Schüler sind in der Aula versammelt, um der Begrüßungsrede für das neue Schuljahr Gehör zu schenken. Unter den Zuhörern sind auch die zwei Protagonistinnen Autumn und Sylv. Die beiden Mädchen verbindet eine Liebesbeziehung, die sie geheimhalten müssen.
Einige Schüler sind von der Begrüßungsrede freigestellt. Das betrifft beispielsweise das Sportteam der Schule, welches während der Rede mitten im Training steckt. Dort befindet sich die dritte Protagonistin Claire mit ihrem besten Freund Chris.
Zwei Schüler schwänzen die Rede. Tomás, als vierter Protagonist, ist mit seinem Kumpel Fareed in das Büro der Direktorin eingebrochen, um in den Schülerakten zu wühlen. Tomás ist der Bruder von Sylv und versucht etwas über Tyler Brown herauszufinden. Tyler ist der Bruder von Autumn. Er ist von der Schule gegangen und kehrt nun zurück. Sylv hat gegenüber Tomás erwähnt, dass sie Angst vor seiner Rückkehr hat. Tomás sucht nun also Hinweise in den Akten, was genau vorgefallen sein könnte.
Als die Begrüßungsrede endet, strömen die Schüler zu den Ausgängen. Diese sind jedoch verschlossen. Zunächst denken viele an einen Scherz. Als Tyler durch eine der Türen tritt, bemerken immer mehr Mitschüler, dass er bewaffnet ist. Unruhe verbreitet sich, danach unheimliche Stille. Spätestens nach den ersten, eiskalt geplanten Toten, haben alle verstanden, dass Tyler es ernst meint und nun die ganze Schülerschaft in der Aula in Lebensgefahr schwebt.

„Es ist einfacher zu sagen, wer ich nicht bin, als wer ich bin.
Wenn sowieso alle von mir erwarten, dass ich scheitere, ist es einfacher, gleich aufzugeben, als es weiter zu versuchen.
Der nächste Schuss haut mich fast um.“

Tomás in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 132

Im ersten Viertel des Buchs bleiben die Charaktere noch recht blass. Hier wird vor allem geschildert, was vor Beginn des Amoklaufs passiert. Zudem wird schon anfänglich auf die Vergangenheit der Protagonisten eingegangen. Hier fehlte es noch ziemlich an Tiefe. Durch die wenigen Seiten und vielen Perspektiven baute sich zunächst keine Bindung zu den Figuren auf und sie büßten so einiges an Authentizität ein. Vor allem traf das auf die Beweggründe von Tyler zu. Hier fehlte es mir zu Anfang des Buchs an Nachvollziehbarkeit. Das lag wahrscheinlich auch an den recht trockenen Schilderungen. Zusätzlich störte ich mich an einigen Logikfehlern in der Geschichte. Beispielsweise wird in einem Kapitel beschrieben, dass eine Tür sperrangelweit offen steht – in einem folgenden Kapitel wird dann aber erläutert, dass die Tür mit dem Fuß aufgestoßen wird. Zudem versuchen Charaktere, Hilfe zu holen, lassen aber ein Auto stehen, weil sie unter zu großem psychischen Druck stehen. Das war für mich störend und hat mich nach dem ersten Viertel des Buches sehr skeptisch zurückgelassen. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt schon sehr sicher, dass das Buch mich nicht überzeugen wird. Dazu beigetragen hat sicherlich auch, dass es mir am Anfang sehr schwer fiel, die Verbindungen zwischen den einzelnen Protagonisten herzustellen.

Neben der Hauptgeschichte, die eine sehr emotionale Problematik thematisiert, werden mehrere andere brisante Themen angesprochen. Zum Einen wäre da die lesbische Beziehung von Autumn und Sylv, welche geheim gehalten wird. Es wird kommuniziert, dass sie viel Ablehnung erfahren und sich nicht einmal trauen, Hand in Hand zu gehen. Bevor man die Hintergründe erfährt, kam mir diese Schilderung nicht mehr so zeitgemäß vor. Zugegebenermaßen wurde das Buch 2016 veröffentlicht und ich habe keine Ahnung, wie kritisch das Thema Homosexualität immer noch in Amerika betrachtet wird. Zum Glück wurden nachvollziehbare Motive für das Verhalten des Pärchens geliefert, die meine Überlegungen überflüssig machten. Dennoch war mir dieser Konflikt nicht wichtig genug für die Entwicklung der Geschichte und zu wenig ausgearbeitet. Dadurch war mir dieser Zweig der Geschichte etwas zu viel. Ich hätte mich gern mehr auf die Hauptgeschichte konzentriert, um dort mehr Emotionen zu spüren. Weitere Themen, die angesprochen wurden waren Alkoholismus, kranke/pflegebedürftige Verwandte, Vergewaltigung und die Suche nach einer eigenen Identität in der Pubertät. Mir persönlich war diese Ansammlung an Problematiken zu überladen. Es war nicht möglich, sich auf alle dieser Themen angemessen einzulassen. Das gaben die wenigen Seiten aber auch gar nicht her.

Ab Hälfte des Buches gewinnt es zunehmend an Ausdruckskraft, Spannung und Emotionalität. Hier nimmt die Geschichte mit einem Mal richtig Fahrt auf. Die Charaktere entwickeln Stärke und bekommen mehr Tiefe.
Hier war für mich der Wendepunkt in diesem Leseerlebnis. Ich konnte das Buch nach der Hälfte der Geschichte nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat nochmal alles aufgefahren und sich mehr auf die Hauptgeschichte fokussiert. Am Ende konzentriert sich das Geschehen auf einen Showdown, der einem nicht nur das Blut in den Adern gefrieren lässt, sondern wie versprochen dem Leser das Herz bricht.

SCHREIBSTIL:

„Wir werden uns über unsere Angst erheben. Wir werden heute hier heil rauskommen. Wir werden einen Weg finden.“

Claire in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 138-139

Die Geschichte um den Amoklauf wird aus vier Perspektiven geschildert. Abwechselnd werden die Ereignisse aus der Sicht der Protagonisten Claire, Autumn, Sylv und Tomás erzählt. Ich glaube, ich muss nicht besonders betonen, dass ich Perspektivwechsel als Element in einer Geschichte meistens nicht so toll finde. Erstaunlicherweise begegnen mir in den letzten Jahren sehr viele Werke, die genau diese Art der Erzählung nutzen. Auch in dem vorliegenden Roman ist der Wechsel gut gelungen. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass der Leser Informationen erhält, die er nur aus einer Perspektive heraus nicht bekommen hätte. Auch einen allwissenden Erzähler kann ich mir in dieser Geschichte nur schwerlich vorstellen. Von diesem Standpunkt aus kann ich sagen, dass mir der Perspektivwechsel hier wirklich gefallen hat und für die Wirkung und das Storytelling extrem wichtig war.

Die Übersetzung war leider nicht wirklich hochwertig. Neben Rechtschreib- gab es auch Grammatikfehler, wie bspw. Wortwiederholungen in aufeinanderfolgenden Sätzen. Leider mindert das immer sehr den Lesefluss, weswegen ich hier auf jeden Fall einen Punkt abziehen muss.

Zwischen den Kapiteln wurden immer wieder kleine Abbildungen eingebaut, die Social Media Posts oder SMS von Schülern zeigen, die keine Protagonisten sind. Dadurch wurde der Einblick in einzelne Schicksale erhöht. Teilweise erschreckend, aber auch berührend verfolgte man hier noch Nebenfiguren, die einem ans Herz wuchsen. Auch der Hass und Relativierung der Ereignisse wurde über dieses Element gezeigt. Hier hatte der Leser schon fast das Bedürfnis, dass sie bitte alle ruhig bleiben sollen und, dass sie nicht durch Hass die gleichen Dynamiken in Gang setzen, die bei Tyler zum Amoklauf führten.

Allgemein liest sich der Stil von Nijkamp gut. Kurze prägnante Sätze, anfänglich etwas trocken, im Verlauf immer emotionaler bilden den Grundtenor des Buches. An sich ein flüssig und schnell zu lesender Schreibstil, wenn man die Abstriche in der Übersetzung außer Acht lässt.

FAZIT:

„Die Welt besteht aus Veränderung. Aber solange du deine Erinnerungen wertschätzt und unterwegs immer wieder neue sammelst, ist es gleich.
Du wirst immer ein Zuhause haben.“

Sylv in „54 Minuten“ von Marieke Nijkamp, S. 295

Von einem Buch mit einem so sensiblen Thema wie dem eines Amoklaufs, erwarte ich auch eine sensible und vor allem tiefgreifende Auseinandersetzung mit diesem Sujet. Tatsächlich habe ich gehofft, dass beim Leser ein Gewissenskonflikt hervorgerufen wird, indem man den Amokläufer so authentisch und emotional beschreibt, dass man sich selbst vielleicht ertappt, seine Motivation nachvollziehen zu können. Hier hat der Klappentext die Messlatte bereits sehr hoch angesetzt, indem er verspricht „Dieser Roman lässt seine Leser mit gebrochenem Herzen zurück.“.
Der Gewissenskonflikt wurde nicht so erreicht, wie ich es erwartet hatte. Zumindest konzentrierte sich das Buch ab der Hälfte mehr auf Tiefe und Emotionalität sowie auf die Hauptgeschichte. Die nebenbei behandelten Themen hatten meiner Meinung nach nicht genügend Raum.
Zusammenfassend ein Buch, welches nach der Hälfte Fahrt aufnimmt und dann durch emotionale Charaktere, Spannung und Tiefe überzeugt. Erschreckend beschrieben und berührend in jeder Nebenfigur. Wie der Klappentext versprach, ist mir am Ende das Herz gebrochen. Ein gutes Jugendbuch mit einem sehr brisanten Thema. Lesenswert!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Erebos“ von Ursula Poznanski

Hallo liebe Leser,

schon vor einiger Zeit kam mit der Titel „Erebos“ bei Recherchen unter die Augen. Seitdem stand das Buch auf meiner Liste der Jugendbücher, die ich unbedingt noch lesen muss. Nicht zuletzt, weil das Buch so viele Auszeichungen wie den deutschen Jugendliteraturpreis bekam, hatte es meine Neugier geweckt. Vergleichsweise spät beschäftige ich mich nun also mit diesem hochgelobten Werk der Jugendliteratur.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Erebos
  • Autor: Ursula Poznanski
  • Anzahl der Seiten: 488 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag
  • Ausgabe : 7. Auflage (2011)
  • Genre: Jugendbuch

INHALT:

Der Protagonist Nick führt ein ziemlich normales Leben, bis er eigenartige Vorkommnisse an seiner Schule wahrnimmt. Immer mehr Schüler verhalten sich eigenartig oder fehlen gänzlich, verteilen untereinander ein mysteriöses Paket. Nick möchte herausfinden, was es damit auf sich hat, nicht zuletzt, weil einer seiner besten Freunde diesem unbekannten Paket anheim gefallen ist. Eine Mitschülerin erwählt Nick schließlich, ebenfalls das Corpus Delicti weiterzugeben. Er möchte unbedingt herausfinden, was es damit auf sich hat und die merkwürdigen Vorfälle an der Schule stoppen. Als er herausfindet, dass es sich um ein Computerspiel handelt, ist er zunächst verwundert, lässt sich davon aber mitziehen und verliert sich schließlich selbst in der Welt von Erebos. Das Spiel bezieht sich dabei nicht nur auf das virtuelle Fantasy-Abenteuer, sondern greift mit Aufträgen immer wieder in das reale Leben und den Schulalltag ein. Als diese Aufgaben immer gefährlicher werden und dadurch sogar Personen zu Schaden kommen, merkt auch Nick, dass hier etwas nicht stimmen kann. Während Nick aber selbst den Bezug zur Realität verliert, regt sich Widerstand unter ein paar Mitschülern, die versuchen die Hintergründe des Spiels und dessen verborgenes Ziel aufzudecken, um die Vorfälle an der Schule aufzuklären.
Als sie, später auch mit Nicks Unterstützung, immer tiefer in das Spiel eintauchen, finden sie immer mehr erschreckende Details, die auf ein schreckliches Verbrechen hinweisen. Beim Versuch, diese Straftat zu verhindern, kommt es zum finalen Showdown zwischen alles Beteiligten und dem Spiel selbst.

SCHREIBSTIL:

Ursula Poznanski schreibt „Erebos“ packend, teilweise aber auch mit einem trockenen Pragmatismus, der einen erahnen lässt, wie eine virtuelle Welt das eigene Leben derart vereinnahmen kann, dass man nicht nur sich selbst, sondern auch alles andere um sich herum vergisst. Stellenweise hat das Buch einige Längen, dennoch zeigt die Darstellung von Nick erstaunlich realitätsnah, welchen Einfluss das Spiel auf seinen Alltag hat. Gelegentliche Spannungsmomente unterbrechen den sonst recht gleichbleibenden Bogen der Geschichte, um dann im letzten Viertel nochmal richtig loszulegen und ein fulminantes Ende zu liefern.

FAZIT:

Poznanski hat es geschafft, ein Jugendbuch zu schreiben, welches ganz unterschwellig die Gefahren eines Computerspiels aufzeigt. Dabei ist es in keinem Fall anklagend, jedoch in hohem Maße zur Vorsicht ermahnend und dabei erschreckend realistisch. Der „Verfall“ des Protagonisten Nick durch das Spiel und die Auswirkungen auf die Realität, lassen aufhorchen und reißen Nick in eine Art Sog, den der Leser ebenfalls zu spüren scheint. Die teilweisen Längen konnte das Buch gut durch die aufregenden Momente und das spannungsgeladene, etwas unerwartete Ende wettmachen. Für mich völlig zurecht ein viel gelobtes Jugendbuch, welches ich mir gerade als Schullektüre sehr gut vorstellen kann, weil es ein interessantes Thema für Jugendliche thematisiert, dabei Diskussionsstoff liefert und zur Selbstreflektion animiert. Wer Jugendbücher mag, sollte dieses Werk unbedingt lesen! Klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Fire & Frost – Vom Feuer geküsst“ von Elly Blake

Hallo liebe Leser,

in Vorbereitung auf den dritten Teil der „Fire & Frost“-Reihe habe ich den ersten und zweiten Teil gelesen. Heute werde ich euch zusammenfassen, wie mir der zweite Band gefallen hat.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Fire & Frost – Vom Feuer geküsst
  • Autor: Elly Blake
  • Anzahl der Seiten: 444 Seiten
  • Verlag: Ravensburger Verlag
  • Ausgabe : 1. Auflage (2018)
  • Genre: Jugendbuch, Fantasy, Romantasy

 

INHALT:

Ruby und Arcus haben den Frostthron zerstört und müssen sich mit den gesellschaftlichen Schwierigkeiten am Hofe auseinandersetzen. Außerdem versucht Ruby herauszufinden, wie sie den Minax, den sie aus dem Thron befreite, zerstören kann. Während Arcus sich mit seinen Pflichten als König beschäftigt, fühlt sich Ruby immer mehr fehl am Platz. Während eines Balls, der zur Verständigung zwischen dem Frosthof und den anderen Königreichen dienen soll, trifft Ruby auf Kai, der als Botschafter für Sudesien vor Ort ist und somit als Vertreter der Feuerkönigin fungiert. Dieser bringt Ruby dazu, ihm nach Sudesien zu folgen. Sie entscheidet sich unter anderem dafür, weil es das Heimatland ihrer Mutter war und sie die Möglichkeit sieht, dort nicht fremd zu sein und zu lernen, mit ihren Kräften richtig umzugehen. Natürlich will sie ebenfalls die Beziehungen zwischen der Feuerkönigin und dem Frostkönigreich stärken und den Feuerthron zerstören.
Im Feuerkönigreich sieht sich Ruby dann zusehends unterschiedlichen Herausforderungen gegenüber. Sie kämpft nicht nur um die Gunst der Königin, sondern auch um die Anerkennung als Meisterin des Feuers, um Zugang zur Bibliothek zu bekommen und mehr Informationen zur Zerstörung des Minax zu erhalten.
Währenddessen entspinnen sich zweifelhafte Gefühle zu Kai, obwohl sie sich immer noch zu Arcus hingezogen fühlt.
Als die Königin sie mit einer Zwangsheirat unter Druck setzt, Arcus in Sudesien auftaucht und Ruby den Einfluss des Feuer-Minax auf die Königin entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse und es kommt zum Showdown.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist wie im letzten Band sehr einfach, schnell zu lesen und angenehm. Allerdings war das Buch dieses Mal sehr schleppend, richtig gefesselt hat es erst in den letzten zwanzig Prozent. Gefühlt passierte nicht wirklich viel im zweiten Band der Reihe. Erst kurz vor Ende gewinnt es an Fahrt und dann geht auf einmal alles Schlag auf Schlag. Der Schreibstil gefällt mir auch gegen Ende besser. Insgesamt ist es kein weltbewegender Stil, wie gesagt ist er leicht zu lesen, aber auch ohne Wiedererkennungswert.

FAZIT:

Dadurch, dass das Buch erst gegen Ende wirklich spannend wird, ist der zweite Band deutlich schwächer als der Vorgänger. Gut gefallen hat mir, dass Ruby Sudesien erkundet – hier fehlte mir aber die Schilderung des alltäglichen Lebens in Sudesien, es konzentrierte sich alles zu sehr auf Rubys Leben am Feuerhof. Auch die sich entspinnende Dreiecksgeschichte durch die aufkeimenden Gefühle für Kai fand ich leider nicht nachvollziehbar und hat mir die Protagonistin irgendwie unsympathischer gemacht. Wäre das Ende nicht so stark gewesen, hätte ich wahrscheinlich noch weniger Herzen vergeben. Ich hoffe nun, dass der dritte Band als Finale wieder mehr bieten kann. Für Fans der Reihe okay, aber nicht unbedingt empfehlenswert.

BEWERTUNG: ❤❤❤♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Sadie“ von Courtney Summers

Hallo meine lieben Leser,

ich hatte das große Glück das Jugendbuch „Sadie“ bei einer Buchverlosung von lovelybooks zu gewinnen. Vielen Dank an dieser Stelle für diese Möglichkeit, das Buch zu gewinnen. Tatsächlich hatte ich schon vorher mal versucht, das Buch im Rahmen einer Leserunde zu ergattern, was nichts geworden ist. Seitdem stand „Sadie“ ganz große auf meiner To-Read-Liste. Besonders gut hat mir der Einband gefallen, denn das Wort „Sadie“ ist ausgestanzt und im Inneren des Einbands kann man noch eine versteckte Botschaft der Protagonistin finden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Sadie – Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren
  • Autor: Courtney Summers
  • Anzahl der Seiten: 355 Seiten
  • Verlag: Beltz & Gelberg Verlag
  • Ausgabe : 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch, Thriller, Mystery, Suspense

Inhalt:

Das Buch beginnt mit einem Podcast und der Einsicht, dass Sadie verschwunden und ihre Schwester Mattie tot ist.

Mattie wurde umgebracht. Was mit Sadie geschehen ist erfährt man recht schnell. Sie ist auf der Suche nach dem Mörder ihrer Schwester und scheint genau zu wissen, wen sie suchen muss, allerdings nicht unbedingt, wo.

Während der Reporter des Podcasts die Geschehnisse fünf Monate nach den Ereignissen von Sadie und Mattie aufrollt und sich Schritt für Schritt auf den Spuren Sadies an deren Geschichte herantastet, wird ihre Geschichte direkt nach dem Verschwinden von ihr selbst erzählt. So bekommt der Leser immer abwechselnd Informationen aus der Gegenwart und der Vergangenheit.

Die Beziehungen der Charaktere wurden praktisch zwischen den Zeilen erzählt und obwohl das Buch so kurz ist, hat man das Gefühl, jede Person wirklich zu kennen oder zumindest schon einmal jemanden getroffen zu haben, der dieser Person ähnelt. Die Autorin spielt hier mit Klischees und Eigenarten der Menschen, skizziert über Macken und Ticks Personen, die jeder zu kennen scheint.

Diese Beziehungen tragen die Geschichte und vermitteln deren Botschaft sowie Sadies Persönlichkeit selbst, in die wir einen nicht unerheblichen Einblick erhalten.

Zur Spannung tragen klassische Detektivmomente bei. Das Finden von Beweisen entgegen aller Hindernisse, die Kombination der Indizien und das Erreichen des Ziels über verschiedene Stationen, die von einer interessanten Person zur nächsten führen, laden die Spannung zusätzlich auf. Hierbei hat das Ganze manchmal einen Hauch von Roadtrip.

Besonders zeichnet sich „Sadie“ durch den durchgängigen Spannungsbogen aus, typisch für das Genre Suspense. Die Information, dass Sadie verschwunden und ihre Schwester tot ist, dass Sadie den Mörder sucht, der Reporter des Podcasts aber so viele Monate nach dem Verschwinden immer noch nach ihr sucht, erzeugt ein dumpfes, unterschwelliges und ungutes Gefühl. Da man als Leser hier so wenige Informationen wie nötig bekommt, bleibt die (An)Spannung bis zur letzten Seite erhalten.

Besonders das Ende des Buchs hat mich sehr mitgenommen. Allerdings möchte ich euch nichts vorwegnehmen und hülle mich daher bezüglich des Inhalts an dieser Stelle in Schweigen.

Schreibstil:

Der Schreibstil ist kein 0815. Hier wird mit viel Zynik ein Tabuthema behandelt und das trotzdem mit viel Fingerspitzengefühl. Der Leser bekommt nur so viel Informationen wie nötig, sodass sich über die Seiten ein enormer Spannungsbogen aufbaut.

Die Sichtweise wechselt zwischen Podcast und Sadie selbst. Die Autorin schafft es, in dieser außergewöhnlichen Erzählweise den Leser unglaublich nah an Sadie heranzulassen, ohne die Dinge direkt beim Namen zu nennen. Den Großteil des Buchs weiß man nicht, was Sadie erlebt hat und was mit ihrer Schwester genau geschah und bis zum Ende wird dies auch nur so wenig wie möglich thematisiert. Hier spielt Summers mit der Sensationslust der Leser und bringt sie dazu, sich selbst zu reflektieren.

Besonders gefallen hat mir, dass mit wenig Tamtam viel erzählt wurde. Der Schreibstil ist weder ausschweifend, noch besonders blumig und genau deswegen passt er zu dieser Geschichte. Und vielleicht gerade deshalb ist es umso erstaunlicher, wie Summers es schafft, so viel Gefühl und Tiefe zu vermitteln. Einfach wunderbar.

Dazu ist der Schreibstil noch sehr leicht zu lesen und somit auch für Zwischendurch eine super Lektüre. Hier nur die Warnung – als Bettlektüre nur bedingt geeignet – weil man das Buch dank der durchgängigen Spannung nicht mehr weglegen kann.

Fazit:

Als ich das Buch zuschlug, ließ es mich mit einem leisen „Wow“ auf den Lippen zurück. Allerdings wollte ich auch gleichzeitig „Was!? Warum!?“ rufen.

Ich bin von dem Buch mehr als begeistert. Es hat einen tollen Stil, genügend Spannung und interessante Charaktere, sodass es mich von der ersten Seite an mitreißen konnte. Das Thema des Buchs ist allerdings auch ziemlich harter Tobak und nichts für ganz zarte Seelen. Allerdings – wenn ich es lesen konnte, mag das schon was heißen, denn ich bin der Schisser vom Dienst. Die Autorin ist hier brutal, ohne wirklich brutal zu schreiben. Diese unterschwelligen Botschaften und Gefühle machen für mich dieses Werk aus.

So sehr mich das Buch mitgenommen hat, so sprachlos lässt es mich irgendwie auch zurück. Ich kann es nur empfehlen!

Für mich jetzt schon eines meiner Jugendbuch-Highlights 2019!
Unbedingt lesen!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤❤

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Welcome to Reality“ von Len Vlahos

Liebe Leser,

eines der Bücher, auf das ich mich 2019 schon gefreut habe, war „Welcome to Reality“ von Len Vlahos. Am Erscheinungstag bin ich deswegen direkt in die Buchhandlung gehüpft und habe mir ein Exemplar besorgt. Ob es meinen Erwartungen entsprechen konnte, werde ich euch nun schildern.

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Welcome to Reality
  • Autor: Len Vlahos
  • Anzahl der Seiten: 395 Seiten
  • Verlag: cbj Kinder- und Jugendbuch Verlag
  • Ausgabe : 1. Auflage (2019)
  • Genre: Jugendbuch

INHALT:

Bereits im Klappentext erfährt man, dass Jackie, die 15 Jahre alt ist, einen schweren Schicksalsschlag erleiden muss. Ihr Vater erkrankt an einem Hirntumor. Um die Familie nach seinem Tod abzusichern, verkauft er sich meistbietend an einen Fernsehsender, der sein Sterben als Reality-Show übertragen soll. Jackie beschließt, dieses irrsinnige Vorhaben zu stoppen, um ihrem Vater und der Familie die Würde zurückzugeben.

Aufgrund dieser Informationen habe ich zunächst erstmal mit einem komplett anderen Einstieg in die Geschichte gerechnet. Ich dachte, es wäre bereits bekannt, dass Jackies Vater Jared den Tumor hat und dass relativ schnell der Konflikt mit dem Fernsehteam thematisiert werden würde.
Ich sollte mich täuschen. Gut das erste Viertel des Buches schildert zunächst die Familie mit all ihren Mitgliedern und es wird erläutert, wie Jared auf die Idee kommt, sein Leben bei ebay zu versteigern. Daraufhin gesellen sich zu den bereits bekannten Personen (Mutter, Vater, Jackie und deren Schwester) nun eine Vielzahl an unterschiedlichen Personen, die immer wieder in den Mittelpunkt der Geschichte rücken und deren Schicksale sich mit Jareds Idee verweben. Ein egoistischer TV-Mogul, ein stinkreicher Wahnsinniger, eine selbstverliebte Nonne, eine schüchterne Gamerin, Jackies russischer Facebook-Freund und der Tumor selbst (der hier eine Stimme bekommt) ergänzen nun das Dilemma der Familie Stone.

Das Buch brauchte insgesamt ungefähr ein Dreiviertel der Seiten, bis es an dem Punkt ankam, der sich mit meinen Erwartungen zumindest teilweise deckte. Erst dann nahm es wirklich Fahrt auf, sodass die Seiten nur so dahin flogen. Erst dort wurde der Konflikt der Familie mit dem Fernsehteam wirklich stark thematisiert. So kann ich zumindest sagen, dass mich das letzte Viertel des Buches wirklich überzeugt hat.
Der Rest des Buches lässt mich leider eher verhalten zurück. Die vielen Charaktere sind zwar sehr gut dargestellt und der Autor versteht es, die unterschiedlichen Motive der Personen schockierend real und dabei sehr trocken zu vermitteln, jedoch erschlug mich die Vielzahl an verschiedenen Einblicken. Hier wäre meiner Meinung nach weniger mehr gewesen. Im Ganzen gesehen war mir da zu viel Drumherum geschildert und zu wenig Handlung bei den Hauptpersonen.

Kommen wir zum kontroversesten Charakter in diesem Buch. Der Tumor von Jared. An sich ist die Idee, wenn auch makaber, einfallsreich. Dem unsichtbaren „Bösewicht“ eine Stimme zu verleihen, sein „Leben“ und seinen Werdegang als Tumor zu beschreiben – ja, ihn sogar als menschlich, fehlbar und fast bemitleidenswert und gutmütig darzustellen – ist sehr gewagt. Am Anfang wird der Tumor fachmännisch als Glioblastom beschrieben, im Laufe der Geschichte gewinnt er an (Jareds) Persönlichkeit und wird fortan nur noch Glio genannt. Diese Auseinandersetzung mit Krebs und Tumoren hat für mich zwar einen makaberen Beigeschmack, ist aber im Zusammenhang mit der Handlung im Buch durchaus gelungen. Gegenüber der Gräueltaten der modernen Unterhaltungsindustrie sieht das Glioblastom schon fast harmlos aus, wenn man nur die Motive hinter den Handlungen betrachtet. Und das ist auch der Kern, die Message und das, was das Buch uns zwischen den Zeilen sagen möchte. Es will uns darauf aufmerksam machen, dass es oft die gefährlichsten Bedrohungen sind, die wir zwar sehen können, die aber dabei unsichtbar bleiben.

Jackie als tragische Protagonistin der Geschichte bekommt, wie bereits geschildert, gerade in der ersten Hälfte des Buches, für meinen Geschmack viel zu wenig Raum. Umso erstaunlicher und bemerkenswerter finde ich, dass sie bis zum Ende der Geschichte eine wahre Wandlung erlebt. Sie erwächst von einer unterschätzten Jugendlichen zu einer wahren Heldin.

Die restlichen Charaktere waren mir, wie bereits erwähnt, zu detailliert gepackt und aus meiner Sicht auch oft überflüssig. Hier hätte man mehr Augenmerk auf die Protagonisten legen sollen, anstatt das Buch durch die vielen Nebenrollen dermaßen in die Länge zu ziehen. Ein Buch, was 100 Seiten weniger hat, kann manchmal erstaunlich viel mehr sagen, als ein Buch, welches diese vielen Seiten besitzt.

SCHREIBSTIL:

Den Schreibstil von Vlahos kann man als trocken, fokussiert und personengebunden beschreiben. In einer Klarheit werden hier auch sehr schockierende Fakten präsentiert, was deren Wirkung nur unterstreicht.

Vordergründig und präsent ist der Perspektivwechsel zwischen den vielen Charakteren. Ich habe schon mehr als einmal betont, dass es nur wenige Bücher gibt, die für mich einen Wechsel der Perspektive gekonnt einsetzen. Das Werk von Vlahos gehört leider nicht dazu. Der ständige Wechsel dient hier nicht der Geschichte, sondern reißt sie meiner Meinung nach auseinander. Ich habe mich oft ertappt, wie ich beim Lesen dachte: „Oh nein, ich habe keine Lust auf eine Passage über die Nonne, warum kann die Handlung nicht einfach weiter bei Jackie bleiben!?“ Somit tut diese Art zu Schreiben rein gar nichts für die Wirkung des Buchs. Viel eindrucksvoller wäre es für mich gewesen, sich hier auf die Familie und den Tumor zu beschränken, um an dieser Stelle noch mehr Tiefe zu erreichen.

FAZIT:

Allgemein wirkt das Buch langatmig, kommt nicht richtig in Gang und nimmt erst gegen Ende richtig Fahrt auf. Großteils fehlt mir hier auch die Tiefe und das Fingerspitzengefühl, was ich von einem Buch mit der Thematisierung von schwierigen gesellschaftlichen Themen wie Sterbehilfe, Machtmissbrauch und sozialen Medien erwartet hätte. Schade, dass das Potenzial der Handlung nicht ausgenutzt wurde.
Die Charaktere sind zwar vielschichtig und eingängig, leider verliert die Story durch die vielen Perspektivwechsel an Tempo und Spannung.

Ein Buch, was man mal lesen kann, welches ich aber nicht unbedingt weiterempfehlen würde. Es war mir einfach zu schwerfällig und es ging zuviel von dem verloren, was das Buch besonders macht. Auch wenn ich denke, dass es für die Interpretation in Schulstunden genug hergeben wird, bin ich etwas enttäuscht und muss zugeben, dass dieses Buch es entgegen meiner Erwartungen zu keinem Highlight 2019 schaffen konnte.

BEWERTUNG: ❤❤❤♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension | „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ von Neal Shusterman

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich euch schon vom ersten Band begeistert berichtet habe, konnte ich den zweiten Band von „Scythe“ gar nicht erwarten. Ich hatte ihn mir sofort zum Erscheinungsdatum gekauft und endlich bin ich dazu gekommen, es zuende zu schmökern!

Scythe - Band 2

Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Scythe – Der Zorn der Gerechten“
  • Autor: Neal Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 544 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 14.03.2018
  • Aktuelle Ausgabe : 14.03.2018
  • Genre: Utopie, Urban-Fantasy, Jugendbuch

Inhalt:

Wie schon im ersten Band, stehen die Protagonisten Rowan und Citra im Mittelpunkt der Handlung. Beide müssen mit ihrem Schicksal, was in Band 1 seinen Lauf nahm, zurechtkommen. Und natürlich ist ebenfalls das politische Machtspiel der neuen Scythe-Ordnung wieder ein wichtiges Thema. Während Rowan sich zu DEM Feind des Scythetums gemausert hat, ist Citra immer mehr eine richtige und vor allem bedeutende Scythe. Auch der Thunderhead bekommt in diesem Band eine größere und tragende Rolle. Was im ersten Band an Hintergrundinformationen fehlte, wird in diesem Band großteils erklärt. Allerdings finde ich, dass gerade die Umstände, wie der Thunderhead entstand noch weiter im Detail behandelt werden könnten. Ich habe aber schon gesehen, dass es einen ausgekoppelten Band zu Scythe mit dem Namen „Thunderhead“ geben wird und da hoffe ich einfach, dass Shusterman dort alle offen gebliebenen Fragen zum Weltgeschehen und -geschichte beantworten wird. Während das erste Viertel des zweiten Bandes etwas schleppend vorangeht, legt der Autor ab Mitte des Buchs so richtig los. Es wird zunehmend spannender und vor allem stehen unerwartete Ereignisse und Wendungen auf der Tagesordnung. Mir passierte es oft, dass ich völlig fassungslos vor dem Buch hockte und nicht wusste, ob ich weiterlesen oder ob ich das Gelesene vielleicht erstmal setzen lassen soll. Das hat Shusterman mal wieder sehr gut hinbekommen. Gegen Ende des Buchs ist die Spannung bald nicht mehr auszuhalten und nach der letzten Seite sehnt man sich sehr nach Band 3, um dann festzustellen, dass noch nicht mal ein Erscheinungsdatum bekannt ist. Aaaargh! Das Los eines Buchwurms.

Schreibstil:

In Manier des ersten Bandes wird wieder auf verschiedenste Perspektiven, inklusive Nebencharaktere gesetzt. Dieses Konzept funktioniert ebenso grandios wie beim ersten Band, wobei sich in Band 2 gefühlt mehr auf die Hauptcharaktere konzentriert wird. Wie bereits im ersten Band, befinden sich zwischen den Kapiteln kleine Einschübe. Im ersten Band waren sie geprägt von Tagebucheinträgen verschiedener Scythe. Im zweiten Band werden diese Einschübe jedoch vom Thunderhead bestimmt, der seine Ansichten darin preisgibt. Während ich die Einschübe im ersten Band wirklich philosophisch und perfekt fand, wirkten die Gedanken des Thunderheads auf mich meisten ziemlich belanglos. Einige wenige mögen einen geringen Anteil zur Handlung beigetragen haben, aber beim Großteil wäre es mir ehrlich gesagt nicht aufgefallen, wären sie nicht vorhanden gewesen. Sehr viel mehr hätten mich hier auch ein paar weitere Tagebucheinträge von den Scythe interessiert. Alles in allem aber wieder eine grandiose Umsetzung des Perspektivwechsels, der zu keiner Zeit langweilig war oder gestört hat.

Fazit:

Wie der erste Band ein wahres MUST READ. Shusterman hat eine eigene und schlüssige Welt erschaffen, in der er es versteht, mit Spannung nicht zu geizen. Für mich schon eines meiner Jahreshighlights und eine unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung: ❤❤❤❤❤

EURE HACHIDORI

Rezension – „Seele aus Feuer“ von Marie Rapp

Liebe Leser,

wie ich bereits vor einiger Zeit berichtete, war ich wieder bei einer tollen Leserunde dabei. Dieses Mal schmökerte ich den zweiten Band der Seelen-Trilogie, „Seele aus Feuer“ von Marie Rapp. Ich hatte sehnsüchtig auf diese Fortsetzung gewartet, hatte mich doch der erste Teil in vollem Maße begeistert. (HIER gehts zur Rezension von Band 1)

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Band 2 – Seele aus Feuer

Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Seele aus Feuer“
  • Autor: Marie Rapp
  • Anzahl der Seiten: 614 Seiten
  • Verlag: Selfpublisher
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 04.10.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 04.10.2017
  • Genre: Urban-Fantasy, Jugendbuch

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Inhalt:

Wie kehren zurück in die Welt von Lena. Oder auch nicht. Denn Lenas Geschichte spielt sich im zweiten Band größtenteils in der Welt der Avindan ab, was unheimlich viele interessante Personen und Orte zu Tage fördert. Lena verbringt, ohne  euch zu viel zu verraten, viel Zeit sowohl auf „guter“ als auch auf „böser“ Seite. Somit lernt sie nicht nur das Devindanat kennen, sondern auch die Legion und eben auch die Menschen, die an den jeweiligen Orten leben. Zuviel möchte ich über die Handlung nicht verraten, nur soviel: Mit Spannung wurde wieder nicht gegeizt und es sind wieder unerwartete Wendungen vorhanden sowie Liebe, Action und jede Menge Fantasy. Gerade im fantasievollen Bereich hat sich Marie Rapp dieses Mal richtig ausgetobt und begeistert mit wunderschönen Szenerien, einfallsreichen Fähigkeiten der Charaktere und fantastischen Wesen.

Sprachstil:

Gibt es ein schöneres Kompliment für ein Buch, als dass man sich darin völlig verlieren kann? Und genauso war es auch wieder bei diesem Folgeband. Schon der erste Teil überzeugte mit dem prägnanten und kurzweiligen Sprachstil, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Besonders toll ist es, dass die Autorin sich wirklich niemals zu lange an Details aufhält und dadurch nicht langweilt. Hier wird wirklich klar beschrieben und die Geschichte kommt zügig voran. Natürlich sind auch Momente der Ruhe in einem Buch wichtig. Auch das beherrscht die Autorin. An den richtigen Stellen werden Details genannt oder auch mal länger in einer Situation verweilt. Allerdings, wie zuvor schon betont, ohne jemals langweilig zu sein. Durch diesen tollen Stil wurde ich erneut komplett in die Geschichte gezogen und konnte mich nur sehr schwer daraus befreien.

Charaktere:

Mir ist die Entwicklung der Charaktere in Büchern immer wichtig. Ich finde, dass unsere Protagonistin Lena sich da super gemausert hat. Ich finde sie ist von einem anfangs normalen Teenie zu einer wahren Heldin erwachsen.
Im zweiten Band stoßen aber auch sehr viele neue Charaktere dazu und auch hier kann ich nur wieder bewundern (wie beim ersten Band), dass die Autorin es schafft, eine Vielzahl von Personen in die Geschichte einzubringen und sie dennoch alle mit Leben zu versehen. Allzu oft sind Nebenfiguren farblos und man bekommt keinen Draht zu ihnen. Aber auch in „Seele aus Feuer“ sind die unzähligen Personen und Figuren so toll dargestellt, dass jeder von ihnen auf seine eigene Art liebenswert ist. Aber nicht nur die Nebenfiguren verdienen ein Lob, sondern auch die vielen Figuren, die im Mittelpunkt stehen und wirklich toll ausgearbeitet wurden.

Fazit:

Was für ein Nachfolger! Ich finde ihn sogar noch besser als den ersten Band und bin hellauf begeistert. Dieses Buch hatte alles, was für mich zu einem guten Buch gehört. Spannung, Witz, Liebe, Action und Tiefe. Ich habe dieses Buch nicht einfach nur gelesen, ich war praktisch bei allen Geschehnissen hautnah dabei. Kaum eine Buchreihe hat das Prädikat „Pageturner“ so sehr verdient wie die Seelen-Trilogie. Dieses Buch ist für mich ein weiteres Jahres-Highlight! Unbedingt lesen!!!

Bewertung: ❤❤❤❤❤

EURE HACHIDORI

Rezension – „Scythe – Die Hüter des Todes“ von Neal Shusterman

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, habe überlegt, ob ich es sofort zur Erscheinung kaufen soll oder nicht. Zum Glück habe ich es gekauft, denn ich wurde nicht enttäuscht!

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Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Scythe – Die Hüter des Todes“
  • Autor: Neal Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 528 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.09.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 21.09.2017
  • Genre: Utopie, Urban-Fantasy, Jugendbuch

Inhalt:

Die Welt hat sich zu einer „perfekten“ Welt weiterentwickelt. Es gibt keine Krankheiten, keinen Tod, keine Kriege, keine Kriminalität. Für die Aufrechterhaltung dieses friedlebenden und unsterblichen Zustands ist der Thunderhead zuständig. Dabei handelt es sich um eine Art elektronisches, allwissendes und übermächtiges Gehirn. Es entwickelte sich aus der uns bekannten Cloud. Doch es gibt etwas, was unabhängig vom Thunderhead agieren darf, oder vielmehr es gibt jemanden. Die Scythe, die Hüter des Todes. Sie sind Menschen, die das natürliche Gleichgewicht unterstützen sollen. Dazu müssen sie töten. Wie eine Art Orden, folgen sie dabei Geboten und Regeln. Zum Scythe wird nicht ernannt, wer es sein möchte, sondern diejenigen, die diese Tätigkeit am meisten verabscheuen. So soll vor Missbrauch dieser Berufung geschützt werden. Das Töten wird von den Scythe als „nachlesen“ bezeichnet. Sie tragen Roben und verzichten auf viele Annehmlichkeiten, um dem Tod und den Toten gegenüber Respekt zu zollen. Jeder Scythe trägt zudem einen Ring.
Trotz der Einführung des Scythe-Ordens ist die Wahrscheinlichkeit, zu sterben, verschwindend gering. Somit leben die Menschen ein unsterbliches Leben. Die Menschen durchleben ihren normalen Lebenszyklus, können sich aber auch auf ein bestimmtes Alter zurücksetzen lassen, was „über den Berg kommen“ genannt wird.
Den Scythe gegenüber verhalten sie sich mal ehrfürchtig, mal ängstlich, mal heuchlerisch, sind es doch die einzigen, die ihnen gefährlich werden könnten.

„Wir können Dinge viel effektiver aufschieben, als die dem Tode Geweihten, weil der Tod für uns eine Ausnahme ist und nicht die Regel.“

Neal Shusterman (2017), Scythe – Die Hüter des Todes, Seite 443

Bei einer Nachlese erhalten die Hinterbliebenen Immunität, was bedeutet, dass sie ein Jahr lang nicht nachgelesen werden können. Diese Immunität wird durch das Küssen des Scythe-Rings gewährt. Weigert man sich gegen die Ausführung einer Nachlese, wird auch die gesamte Familie des Todgeweihten getötet.
Selbstmord ist ebenfalls nicht möglich, denn die Körper sind durch sogenannte Naniten selbstheilend und nach einem Selbstmordversuch werden die Menschen in Revival-Zentren wieder aufgepäppelt. Für Scythe ist der einzige Weg zu sterben allerdings der Selbstmord – die Selbstnachlese.

Soviel zur allgemeinen Schilderung der Gesetzmäßigkeiten dieser Welt. Natürlich ist das nur ein grober Anriss, denn das gesamte Bild um die Gebote der Scythe ergibt sich natürlich durch das Buch selbst. In dieser Welt stehen nun unsere Protagonisten Citra und Rowan im Mittelpunkt. Ihr alltägliches Leben wird dargestellt und dann folgt der wirkliche Anfang der Geschichte. Beide werden zu Scythe-Lehrlingen berufen. Sie müssen ihr vorheriges Leben hinter sich lassen und sich mit dem Tod mehr als jemals zuvor beschäftigen. Ich mochte es, wie sich der Autor auf die Gefühlswelten der Beiden konzentriert hat. Durch die Beschäftigung mit dem Tod und dem Töten wird ihnen das alte unsterbliche und sorglose Leben allmählich fremd. Das hat Shusterman wirklich super ausgearbeitet. Welcher Konflikt sich für die beiden ergibt, werde ich euch aber nicht verraten! 😉

Schreibstil:

Die Geschichte wird sowohl aus Citras als auch aus Rowans Perspektive erzählt. Es fließen allerdings immer mal wieder auch die Perspektiven von anderen Personen ein. Das dient meistens dazu, dass der Leser Gespräche oder Ereignisse mitbekommt, die den Protagonisten verborgen bleiben, die aber trotzdem für das Gesamtbild der Story sehr wichtig sind. Shusterman schafft es, dass der Perspektivwechsel kaum merkbar geschieht und der Leser nicht aus dem Lesefluss gerissen wird. Nein, ich tauchte sogar durch diese Perspektivwechsel immer weiter in die Geschichte ein und konnte mich ihr schließlich gar nicht mehr entziehen. Die Wirksamkeit dieser Erzählweise funktioniert dabei deswegen so grandios, weil Shustermann es versteht, das Instrument des Perspektivwechsels einzusetzen. Ganz anders als sonst, störten mich die vielen Ansichten nicht, sondern waren sogar vielmehr unbedingt notwendig.

Weiterhin findet sich nach jedem Kapitel ein kurzer Auszug aus verschiedenen Tagebüchern von unterschiedlichen Scythe. Die hier teils philosophischen Gedankengänge tragen maßgeblich zur Stimmung des Buches bei und regen den Leser auch zur Reflektion des Gelesenen an. Die Tagebucheinträge lassen unter anderem einen Einblick in das Seelenleben bekannter Scythe zu, sodass sich Beweggründe oder Charakterzüge sehr gut herausstellen.

„Unsterblichkeit kann die Torheit und Schwäche der Jugend nicht mindern. Die Unschuld ist dazu verdammt, einen sinnlosen Tod durch unsere eigenen Hände zu sterben, sie fällt den Fehlern zum Opfer, die wir niemals ungeschehen machen können. […]“

Neal Shusterman (2017), Scythe – Die Hüter des Todes, Seite 438

Besonders gut gefällt mir, dass sich durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Mittel die Frage aufwirft, ob ein unsterbliches oder ein sterbliches Leben lebenswerter ist.

Das Buch hat allgemein eine gewisse Grundspannung. In regelmäßigen Abständen werden interessante Infos gestreut und geschehen auch wirklich unvorhergesehene Dinge, die ich so nicht erwartet hätte.
Durch die prägnante, bildhafte und teilweise auch hochwertige Sprache ist der Schreibstil lebendig und hat mich auf jeder Seite gut unterhalten. Dank Shusterman weiß ich nun, was eine „Rotunde“ ist. 😉

Fazit:

Der Klappentext ließ mich vermuten, dass sich zwischen den Buchdeckeln eine 0815-Geschichte ala „die beiden Protagonisten lieben sich und begehren auf“ befindet. Ganz typisch, wie in vielen Dystopien/Utopien in den letzten Jahren. Erstaunlicherweise überraschte mich das Buch mit so viel mehr, als ich erwartet hatte. Da ist nicht nur das Dilemma der Berufung eines Scythe oder das Fremdwerden des alten Lebens durch den Tod (was im wahren Leben wirklich ein Thema ist), sondern auch politische Ränkespiele und eben so gar keine A-typische Liebesgeschichte im Sinne von „ich opfere mich für dich“. Die Liebe wird hier eher am Rand behandelt. Vielmehr steht im Mittelpunkt der Umgang mit dem Tod in einer Welt der Unsterblichkeit, die Aufklärung eines verschleiherten Mordes und die Konzentration auf die Gefühle der Protagonisten.

Das Buch ist einfach vollkommen durchdacht und spannend, aber auch grausam. Wer möchte, kann darin auch philosophisches über das Thema Tod finden. Diese eingeschobene Philosophie  ist schon fast ein Plädoyer für ein Leben in Endlichkeit und für den Tod selbst, welcher leider in unserem Leben oft noch ein Tabu-Thema ist. Besonders gut gefällt mir die Art, dieses Thema durch einen Roman zu thematisieren und dafür nicht nur zu sensibiliseren, sondern auch die eigenen Gedanken dorthin zu leiten, dass man ein endliches Leben schätzt, sich mehr auf das Leben konzentriert und dieses auch mehr genießt. Denn das ist die Botschaft. Durch die Thematisierung des Todes wird die Wertigkeit unseres Lebens betont. Grandios.

„[…] Es erinnert mich daran, dass einige Naturgewalten niemals ganz gebändigt werden können. Sie sind ewig, und das ist viel besser, als unsterblich zu sein.“

Neal Shusterman (2017), Scythe – Die Hüter des Todes, Seite 441

Ich kann nicht aufhören, dieses Buch zu loben. Eine Geschichte, die nachhallt. Für mich ein wirklich perfekter Reihenauftakt und mein zweites Jahreshighlight.
Darum: UNBEDINGT lesen.

Bewertung: ❤❤❤❤❤

 

EURE HACHIDORI

 

 

 

Rezension – „Sakura – Die Vollkommenen“ von Kim Kestner

Liebe Leser,

zwischen Kisten und Umzug schaffte ich es, das Buch „Sakura – Die Vollkommenen“ von Kim Kestner zu beenden. An meiner Rezension lasse ich euch gern teilhaben. 🙂

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Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Sakura – Die Vollkommenen“
  • Autor: Kim Kestner
  • Anzahl der Seiten: 408 Seiten
  • Verlag: Arena Verlag
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 23.03.2014
  • Aktuelle Ausgabe : 06.06.2017
  • Genre: Dystopie / Jugendbuch

Rezension:

*enthält SPOILER*

Ich habe mich auf dieses Buch sehr lange gefreut und wurde leider enttäuscht. Ich habe mich auf eine spannende Dystopie gefreut, die mit Japanbezug glänzt. Die Japanbezüge sind da, aber irgendwie einfacher, als ich dachte. Das Feeling kam für mich nicht rüber. Und letztendlich ist es für mich schade, dass diese Dystopie auch ohne die japanischen Begriffe genauso stattgefunden haben könnte. Somit wirkt dieser Japanbezug nicht nötig und vor allem auch aufgezwungen. Schade. Man hätte mehr daraus machen können.

Dazu kommt, dass das Mädchen auf dem Cover so gar nichts mit der Beschreibung von Juri gemein hat. Juri wird als kräftig, groß und muskulös, ja fast männlich und nicht wirklich schön beschrieben. Das Cover vermittelt da einen ganz falschen Eindruck. Dadurch, dass Juri sich bei den Männern einschmuggelt, hat es was von einem Mulan-Abklatsch. War aber an sich nett gemacht, finde ich.

Was mich gestört hat, war die fehlende Tiefe und irgendwie ging mir die Liebesgeschichte am Ende dann doch zu schnell. Es hat sich vorher nichts wirklich entwickelt und dann war es ZACK unausgesprochen geklärt. Da kamen bei mir gar keine Gefühle auf.

Fast zu erwarten war die in Dystopien gern verwendete Glaskuppel in der die Menschen leben… ich denke, da gibt es noch hundert andere Möglichkeiten, hat mich daher etwas gelangweilt.

Die Idee der Ebenen ist an sich nicht schlecht, allerdings ist auf den unteren Ebenen nicht wirklich viel passiert. Diese Prüfungen haben am Ende nicht wirklich Sinn ergeben und ihnen wurde für die anfänglichen ausschweifenden Erklärungen am Ende zu wenig Bedeutung beigemessen.

*SPOILER ENDE*

Alles in allem war der Schreibstil okay, aber das Buch im Ganzen war schwerfällig, man hatte das Gefühl, es passiert nichts, erst im letzten Viertel nimmt es an Fahrt auf, sodass man weiterlesen möchte. Außerdem war die Ausdrucksweise der Protagonistin an manchen Stellen so verroht, dass es mich nervte. Außerdem finde ich die Brutalität des Buchs für ein Jugendbuch nicht unbedingt angemessen.

Fazit:

Irgendwie wirkt es wie eine Mischung aus gängigen Dystopien, Japan und Mulan. Aber es wirkte nicht gewollt, sondern als wenn jemand selbst gern Dystopien liest, Japan mag und dann einen Mix daraus schreiben wollte. Wirklich gefesselt hat mich das Buch trotz des schönen Covers und der vielversprechenden Idee nicht. Schade, ich finde hier wurde viel Potenzial verschenkt, weswegen ich nur das Prädikat „kann man mal lesen“ vergeben kann. Deswegen nur drei Herzchen. Eins für Japan, eins für das Cover und eins für das letzte Viertel des Buchs.

Bewertung: ❤❤❤ ♡ ♡

EURE HACHIDORI

Rezension – „Angepasst / Ich, Bakoo“ von Hubert Wiest

Meine lieben Leser,

wie ihr wisst, durfte ich in den letzten Wochen an der Leserunde zum Buch „Angepasst“ von Hubert Wiest teilnehmen. Dazu stellte er Bücher bereit, die zwar das alte Cover inklusive des alten Titels „Ich, Bakoo“ trugen, aber das tat der Geschichte zwischen den Buchdeckeln natürlich keinen Abbruch!
Zunächst möchte ich mich bei Hubert Wiest und dem Verlag Lomoco für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danken. Außerdem auch ein Dankeschön an die eben Genannten und lovelybooks für die tolle Leserunde. Es hat mir wirklich sehr viel Freude bereitet!

Die Rezension ist *SPOILERFREI*.

Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Ich, Bakoo“ bzw. „Angepasst“
  • Autor: Hubert Wiest
  • Anzahl der Seiten: 408 Seiten
  • Verlag: Lomoco / CreateSpace Independent Publishing Platform
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.04.2014
  • Aktuelle Ausgabe : 06.12.2014
  • Genre: Science-Fantasy / Dystopie / Jugendbuch

Rezension:

In dem Buch geht es um Bakoo, einen Jugendlichen, der auf dem Wüstenplaneten Cambrium lebt. Er arbeitet auf einer Avoca-Zuchtstation. Avocas sind Reittiere, aber keine schmusigen Kuscheltiere, sondern potenziell gefährlich. Bakoo hat zu einem bestimmten Avoca, zu Muunabat, eine besonders innige Beziehung. Er träumt davon, zusammen mit Muunabat ein berühmter Avoca-Jockey auf der Rennbahn zu werden. Leider wird dieses Glück seinem Bruder Rango zuteil, der von den Eltern stark bevorzugt behandelt wird und dem Leser nicht wirklich ans Herz wächst. Wird Bakoo dennoch seinen Traum verwirklichen? Da möchte ich euch nicht zuviel verraten.

Der zweite Handlungsstrang widmet sich der Geschichte von Alelia und ihrem Bruder Jermo. Sie gehören zum Volk der Laikaren, eine Bevölkerungsgruppe, die in der Gesellschaft eher verpönt ist, da sie ein Nomadenleben in der Wüste führen. Sie stehen Jurlan, dem sozusagen „Vorstand“ des Planeten und Leiter einer Firma für Bromatium-Abbau gehörig im Weg, weswegen er die Stämme der Laikaren nach und nach in die Stadt umsiedeln lässt. Auch Alelia und ihr Bruder sind davon betroffen, verpassen aber die spontane Umsiedlung und sind auf einmal in der Wüste auf sich gestellt. Wie es mit den beiden weitergeht, möchte ich hier aber nicht verraten.

Am Anfang werden die einzelnen Schicksale der Protagonisten erläutert. Die vielen neuen Begriffe erschließen sich schnell und machen die Welt von Bakoo und Alelia erst so richtig lebendig. Nach und nach verweben sich die Geschichten der beiden und es öffnet sich der Vorhang für ein Sci-Fi-Abenteuer, in dem sich gesellschaftliche Intrigen genauso aufklären, wie die vielen Fragen, die durch die Erlebnisse von Bakoo und Alelia unweigerlich auftauchen. Wie sich am Ende der Kreis schloss, war für mich ein Höhepunkt des Buchs.

Die Geschichte aus zwei Perspektiven war angenehm geschrieben, der Perspektivwechsel war überhaupt nicht störend und sehr gut umgesetzt. Der Schreibstil ist klar, aussagekräftig und kreativ. Es hat richtig Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, es wurde nie langweilig und der Autor hat eine authentische Welt geschaffen, mit eigene  Vokabeln und viel Liebe zur Gestaltung des Settings. Außerdem passt sich der Schreibstil dem Alter der Protagonisten an, was ich wirklich klasse fand. Aufgrund des Stils und der Geschichte werde ich mit Sicherheit noch das ein oder andere Buch von Hubert Wiest in die Hand nehmen, da mich dieses Werk sehr begeistern konnte.

Die Handlung ist sehr spannend und hat fast etwas heimisches. Ich konnte mich sehr schnell in diese Welt hineinfinden, die Darstellung der Charaktere machte dies ungemein leichter. Gerade Bakoo wird in seinen Handlungen und Gefühlen nachvollziehbar dargestellt. Bakoo und Alelia sind keine aalglatten Helden, sondern sympathische und fehlerbehaftete Figuren, die im Laufe der Geschichte an ihren Herausforderungen wachsen. Dieser Umstand und die gelungene Story mit einer Mischung aus Abenteuer, Spannung, Freundschaft und Weltraum machen das Buch für mich zu einem Highlight des bisherigen Jahres.

Wie ich in der Leserunde vom Autor erfuhr, ist die Inspiration für das Buch eine wahre geschichtliche Begebenheit, an der er sich orientierte und zwar die sogenannte „Stolen Generation„, ein trauriges Kapitel in der jüngeren australischen Geschichte. Allerdings soll dieser Jugendroman keine Aufarbeitung darstellen, sondern ist vollkommen fiktiv. Weiterhin kam die Frage auf, ob der Name Avoca für die Reittiere vom Wort „Avocado“ abgeleitet wurde. Tatsächlich ist es allerdings der Name eines kleinen Ortes nahe Sydney, der den Autor zur Namensgebung inspirierte.

Fazit:

„Angepasst / Ich, Bakoo“ von Hubert Wiest überzeugt durch eine authentische Geschichte mit sympathischen Charakteren, liebevoll gestaltetem Setting und einem kreativen, klaren Schreibstil. Dieses Sci-Fi-Abenteuer um Freundschaft und den Wüstenplaneten Cambrium traf mich direkt ins Herz, obwohl ich sonst kein allzu großer Sci-Fi-Fan bin. Eine unbedingte Leseempfehlung für alle, die Lust auf eine abenteuerliche Geschichte haben, die ohne viel Schnickschnack auskommt.

Bewertung: ❤❤❤❤❤

EURE HACHIDORI