Rezension – „Die Stadt der träumenden Bücher – Teil 1: Buchhaim (Graphic Novel)“ von Walter Moers

Meine lieben Leser,

wer mir schon etwas länger folgt, wird sich vielleicht dunkel an meine Begeisterung für das Buch „Die Stadt der träumenden Bücher“ von Walter Moers erinnern. Als ich durch eine Bloggerkollegin darauf aufmerksam gemacht wurde, dass es die dazu passenden Graphic Novels noch als Rezensionsexemplare zu ergattern gibt, wollte ich die Chance natürlich nutzen, um mir ein eigenes Bild darüber zu machen. Denn vorher hatte ich schon unzählige Meinungen dazu gehört und die waren alle voll des Lobes. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar|

Vielen Dank, an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Stadt der träumenden Bücher – Teil 1: Buchhaim
  • Autor/in: Walter Moers
  • Zeichner/in: Florian Biege
  • Anzahl der Seiten: 112 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Fantasy

INHALT:

Der Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ war mein allererstes Buch von Walter Moers. Ich hatte es gekauft, nachdem ich ewig darum herumgeschlichen war. Die Covergestaltung hatte mir zuerst gar nicht gefallen, aber der Klappentext hat mich schließlich überzeugt. Und wer hätte gedacht, dass es zu einem meiner Lieblingsbücher werden würde? Ich war vollends begeistert und es ist eins der besten Bücher, was ich je gelesen habe.

Umso gespannter war ich auf die Umsetzung als Graphic Novel bzw. Comic. Die Welt Zamonien und ihre Bewohner sind schließlich allesamt bunt, abstrus und einzigartig. Demzufolge war ich sehr neugierg, ob dieser Comic mich überzeugen könnte – allerdings hatte ich schon sehr viel gutes Feedback gehört und war recht optimistisch.

Der Comic wird mit „Teil 1: Buchhaim“ untertitelt und behandelt die erste Hälfte der Abenteuer aus dem Roman. Im Mittelpunkt steht dabei der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz, der nach dem Tod seines Dichtpaten Danzelot Silbendrechsler ein geheimnisvolles Manuskript überreicht bekommt. Dieses Manuskript ist geradezu perfekt und löst beim Lesen alle Emotionen aus, die ein Leser während einer Lektüre fühlen kann. Hildegunst ist sich nach diesem Ereignis sicher: Der Autor dieses Manuskripts soll sein neuer Dichtpate werden. Deshalb zieht er aus, um in der großen Stadt „Buchhaim“ mehr über den Autor herauszufinden. Dabei gerät er an manngfaltige Gestalten und Kreaturen, erlebt unfassbare Momente und das größte Abenteuer seines Lebens, das ihn unter anderem in die Katakomben unter Buchhaim führt.

SCHREIBSTIL/ZEICHNUNGEN:

Der Schreibstil ist ebenso bildhaft und blumig geschrieben wie der originale Roman. Das mag auch daran liegen, dass der Autor selbst an diesem Comic mitgearbeitet hat. Es wird also nicht mit Worten gespart, die Romanfassung allerdings auf ein sehr viel geringeres Maß zusammengedampft. Für den Comic ist es genau angemessen und ich muss loben, wie es geschafft wurde, dass die Handlung dennoch alles vermittelt, was mir der deutlich seitenstärkere Roman rübergebracht hat. Ich war ebenso verzaubert und gefangen in dieser Welt von Buchhaim, wie bei meiner vorherigen Lektüre. Und somit war der Comic zwar schnell gelesen, aber alles andere als zu kurzweilig, weil eben doch sehr viele Informationen aus dem Roman übernommen wurden, was ich echt toll fand.

Die Zeichnungen von Florian Biege machen mich ehrlich gesagt etwas sprachlos. Sie sind so passend, so detailgetreu und fangen genau die Stimmung ein, die ich damals beim Lesen des Romans hatte. Jede Zeichnung ist hier ein Kunstwerk und traumhaft schön. Es gibt sogar kleine Easter-Eggs zu entdecken. Alleine der Optik wegen ist es für mich ein absolutes Highlight gewesen.

FAZIT:

Die Umsetzung als Comic hätte keine geeignetere Feder als die des Autors und keinen besseren Stift als den von Florian Biege finden können. Ein Kunstwerk in Perfektion, hier kann niemand auch nur ansatzweise meckern, weil es einfach formvollendet den Roman auf seine Essenz reduziert darstellt. Wer keine Muße hat, den Roman zu lesen, der nehme also dieses wunderschöne Graphic Novel zur Hand – und wer den Roman bereits kennt, dem empfehle ich dies ebenfalls, um in Erinnerungen und grandiosen Visualisierungen zu schwelgen.

Ein Comic, der dem Roman alle Ehre macht. Die Handlung des Romans auf sein innertes Wesen zusammengedampft, unterlegt mit traumhaft schönen und grandiosen Zeichnungen ergeben für mich ein vollkommen rundes Bild und somit eines meiner Jahreshighlights!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♥
Zeichnungen: ♥♥♥♥♥
Fantasy: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 5,0


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Tage in Tokio“ von Christian Peters

Meine lieben Leser,

ganz unerwartet hat sich ein bisschen Japan-Lektüre zwischen meine aktuellen Bücher gemogelt. Ich hatte wirklich richtig Bock auf Japan-Vibes und Fernweh-Gefühle. Da kam mir „Tage in Tokio“ von Christoph Peters gerade recht. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar |

Danke, an den Luchterhand Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Tage in Tokio
  • Autor/in: Christian Peters
  • Zeichner/in: Matthias Beckmann
  • Anzahl der Seiten: 256 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (September 2021)
  • Genre: Reisebericht

INHALT:

Christoph Peters beschäftigte sich laut Klappentext 35 Jahre lang intensiv mit Japan. In dem vorliegenden Buch beschäftigt er sich mit den Eindrücken seiner allerersten Japanreise, die ihn nach Tokio führt. Was mich persönlich solche Vorfreude auf das Buch entwickeln ließ, war die Ankündigung einer wahren Liebeserklärung an das Land der aufgehenden Sonne – so wird es im Klappentext bezeichnet.

Das Buch gliedert sich in acht Kapitel. Diese behandeln die Ankunft des Autors, die japanische Landschaft, seine Unterkunft in einem Ryokan (ein traditionelles japanisches Hotel), die Zen-Kultur, Kunst, die U-Bahn, Teekeramik, Sushi, Sprachgewohnheiten, das älteste Kaufhaus der Welt, Tempel und Boxkämpfe.

Am Anfang erfasste mich während der Lektüre erst einmal Wehmut. Die Schilderung der Ankunft, das erste Mal den Fujiyama sehen und die Beschreibung von Landschaft und Architektur erinnerten mich zwangsläufig an meine eigene Japanreise zurück. Auch seine Beschreibungen über den Asakusa-Tempel oder andere japanische Eindrücke waren für mich eine kurze mentale Reise in mein Herzensland.
Leider machen diese Reiseeindrücke nicht den Hauptteil des Buches aus. Der Autor baut immer wieder längere Passagen ein, in denen er über gewisse Eigenheiten der Japaner oder auch über komplett japanfremde Themen philosophiert und Interpretationen seinerseits erläutert. Viel Raum im Buch wird von seinen Erfahrungen und seinem Wissen über Teekeramik eingenommen, was ich zwar auch informativ fand, in diesem Detailgrad aus meiner Sicht aber unnötige Längen provoziert hat. Auch das letzte Kapitel über die Boxkämpfe hatte für mich wenig Japan-Flair und trug für mich nicht dazu bei, dass der Autor den Unterschied zwischen Japan und Deutschland darstellen konnte, was, wie er selbst erwähnt, das Leitthema seiner Werke ist.

Die Seitenanzahl ist eher niedrig angesetzt, würde für einen fokussierten Reisebericht aber meiner Meinung nach ausreichen, um ein grobes Bild mit einigen Details des Landes nachzuzeichnen.

SCHREIBSTIL:

Hier kommen wir zu einem für mich großen Manko des Buches. Mir hat der Schreibstil leider gar nicht zugesagt. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nach der angekündigten Liebeserklärung in dem Buch lange suchen musste und sie nur zwischen den Zeilen entdecken konnte. Der Autor hat für mich einen gewissen Unterton in seinem Schreibstil, der alle Schilderungen negativ und überkritisch wirken lässt. Wird am Anfang noch erläutert, dass er verneinte, als andere Leute ihn fragten, ob er nicht enttäuscht sein wird, wenn er nach so langer Zeit nach Japan reist; ergibt sich mir beim Lesen dann ein anderes Bild. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass er unterbewusst eben dieser Erwartung entsprechen wollte, indem er alles besonders kritisch betrachtet, damit er nur nicht zu begeistert sein könnte.
Ich hatte wahrscheinlich auch einfach andere Erwartungen an das Buch. Denn für jemanden, der sich 35 Jahre mit Japan beschäftigt, wirkte er im Umgang mit den japanischen Gepflogenheiten sehr unsicher, manchmal etwas wie der typische Tourist. Ich hätte zumindest erwartet, dass man in dieser langen Zeit einer Leidenschaft ein paar Worte Japanisch lernt, beispielsweise „sumimasen“ (Entschuldigen Sie) oder ein paar Floskeln für eine Bestellung in einem Restaurant, was nicht der Fall war. Denn als Japankenner ist einem durchaus bewusst, dass in diesem Land wenig bis gar kein Englisch gesprochen wird.
Eine weitere Ausprägung des Schreibstils waren die seitenlangen philosophischen Auseinandersetzungen mit den Details der japanischen Lebensweise oder einigen Marotten, die Japaner aus meiner Sicht so liebenswert machen. Oftmals wurde von Seiten des Autor hier eine Interpretation in Richtung Nationalismus und Angepasstheit der Japaner vorgenommen, der ich nicht vorbehaltlos zustimmen kann. Auch hier wirkten die Auseinandersetzungen mit diesen Themen eher kleinlich und überkritisch, anstatt liebevoll und begeistert. Zudem hatten diese Passagen wenig mit dem eigentlichen Reisebericht zu tun, sodass es mir schnell langatmig vorkam und ich ein bisschen die Lust an der Lektüre verlor.
Letztendlich war mir der Schreibstil zu distanziert, so kalt und zu stark analysierend sowie unnötig interpretierend, da hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Mir hätte es besser gefallen, wenn er sich mehr auf den Reisebericht fokussiert hätte, denn ich weiß nicht einmal, wie langer er jetzt eigentlich dort war, noch hat er aus meiner Lesersicht sonderlich viel gesehen oder erlebt in Tokio – zumindest habe ich es als Leser nicht wirklich erfahren.
Was ich allerdings als einen guten Ansatz empfunden habe, waren die historischen Fakten, die hier und da in den Bericht eingeflossen sind und sehr informativ und spannend waren.

FAZIT:

Leider konnte mich das Buch nicht abholen. Als echter Japan-Fan hatte ich mir davon eine mentale Reise nach Japan erhofft, aber nur sehr wenige Reiseeindrücke bekommen. Stattdessen wurde sich auf Themen konzentriert, die zwar nicht uninteressant waren, aber wenig Bezug zu Japan hatten. Die Infos über die Teekeramik waren zwar informativ, aber zu detailliert und dadurch langatmig. Auch die überkritische Auseinandersetzung und das Fremdeln mit der japanischen Kultur ließen mich beim Lesen eher unbehaglich zurück. Dazu kam ein sehr abruptes Ende, ohne wirkliches Schlusswort. Ich konnte für mich aus dem Buch leider nicht viel mitnehmen und deshalb war es leider nicht mein Fall und ich kann es schweren Herzens nicht besser bewerten, obwohl ich mich echt so sehr darauf gefreut hatte.

Zu wenig Reisebericht, zu viele Nebenschauplätze. Mir fehlte die Liebeserklärung an Japan, dafür waren mir der Ton des Buches zu negativ unterstetzt. Teils seitenlange Interpretationen und philosophische Gedankengänge des Autors erzeugten für mich eine dämpfende Schwerfälligkeit. Schade, ich hatte mir mehr versprochen.

BEWERTUNG: ♥♥♡♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♡♡
Unterhaltung/Emotionen: ♥♥♡♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♡♡♡
Japan-Vibes: ♥♥♡♡♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♡♡

Gesamtwertung = 2,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Schwur der Adlerkrieger“ von Jin Yong

Meine lieben Leser,

mit dem ersten Band „Die Legende der Adlerkrieger“ von Jin Yong durfte praktisch ein Stück Weltliteratur in meinen Bücherschrank einziehen. Im chinesischen Raum hat diese Romanreihe einen vergleichbaren Status wie „Herr der Ringe“ in der westlichen Kultur. Außerdem ist die Geschichte um die Adlerkrieger der meistgelesene Fantasy-Epos aller Zeiten. Nachdem mich der Auftakt auf eine ganz besondere Weise überzeugt hat – Rezension lest ihr hier – konnte ich nicht anders und musste den zweiten Band unbedingt lesen! Wie er mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar|

Vielen Dank, an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Schwur der Adlerkrieger (Band 2)
  • Autor/in: Jin Yong
  • Übersetzer/in: Karin Betz
  • Anzahl der Seiten: 560 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Ausgabe: Erstausgabe (September 2021)
  • Genre: Fantasy, Historische Fiktion

INHALT:

Auch im zweiten Band erwartet uns wie im Auftakt eine komplexe und epische Geschichte mit einem sehr umfangreichen Personenverzeichnis von über 50 Personen. Die Namen sind dem Leser nun schon teilweise bekannt, sodass die Zuordnung etwas leichter fällt als im ersten Teil. Dennoch sind ein paar Charaktere dazugekommen, die es also nochmal herausfordernder machen, zwischen all den chinesischen Namen und manchmal noch zweiten Kung-Fu Namen der Personen durchzusehen.

Die Geschichte im zweiten Band dreht sich zwar ähnlich wie im zweiten Teil hauptsächlich um Guo Jing, jedoch werden die Handlungsstränge manchmal aus leicht veränderter Perspektive geschildert. Gerade im ersten Viertel des Buchs hatte ich das Gefühl, dass eher Huang Rong im Mittelpunkt steht.
Generell ist Guo Jing im ganzen Buch mit Huang Rong, seiner Liebsten, unterwegs und im Groben liegt der Fokus auf all den Abenteuern, die sich den Liebenden in den Weg stellen. Dabei wollen die beiden nur eins und zwar heiraten. Ob sie sich entgegen aller Widrigkeiten das Ja-Wort geben können, lasse ich hier aber aus Spoilergründen offen.
Ich muss aber zusammenfassend feststellen, dass der zweite Band deutlich düsterer daherkommt. Der erste Teil wirkte auf mich bunter und alberner, während der Nachfolger gleich zu Beginn mit sehr ernsten, traurigen und dramatischen Szenen aufwartet. Davon gibt es einige und so kann der „Schwur der Adlerkrieger“ grob als nachdenklicher bezeichnet werden, wenn er mit dem Auftakt verglichen wird. Dennoch lassen die wunderbar skurrilen Kung-Fu-Kämpfer keine Gelegenheit aus, um sehr abstruse und amüsante Witze zu reißen. Sowieso ist der Humor und die Art der Geschichte etwas ganz besonderes. Guo Jing trifft in diesem Band auf allerlei Bekannte, aber auch auf viele neue – davon auch Kung-Fu-Meister.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist von einer ähnlichen Qualität wie im vorherigen Band. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, dass ich auf dem Markt schon etwas vergleichbares gelesen hätte. Sicherlich muss man als Leser offen sein und diese Art der Erzählung mögen, es bietet aber eine schöne Abwechslung zum Mainstream.
Teilweise fand ich einige Witze oder Situationen unangebracht – wahrscheinlich kollidieren hier meine aufgeklärten, modernen, feministischen und tierfreundlichen Ansichten mit der Herkunft des Buches. Hier bleibt allerdings zu sagen, dass das Buch vieles davon ins Lächerliche zieht oder auch mit einem Augenzwinkern behandelt, sodass eine Kritik zwischen den Zeilen erahnt werden kann. Ich denke jedenfalls, dass hier eine zu kritische Bewertung fehl am Platz wäre. Dennoch gab es mir ein paar Denkanstöße.
Eine Sache, die mich beim Lesen aber leider sehr gestört hat, war die Darstellung von Guo als dumm, naiv und dadurch minderwertig. Da er sich allerdings im Laufe der Geschichte mehrmals beweisen muss und über sich hinauswächst, konnte ich schlussendlich darüber hinwegsehen. Es war trotz alle leider eine sehr prominente Aussage bzw. Ansicht, die ich so als Leser nicht teilen konnte.

FAZIT:

Wie schon mehrfach betont ist dieses Buch etwas, was sich schlecht mit anderen Werken vergleichen lässt. Es ist so ganz anders als alles, was wir im westlichen Raum normalerweise lesen. Ich fühlte mich ähnlich wie beim Auftakt so, als würde ich einen Jackie-Chan-Film lesen, nur mit historischem Fantasy-Kontext. Einige Schilderungen kamen mir deshalb auch etwas fremd daher, doch die spannende Grundidee, die skurrilen Charaktere und die einzigartige Note haben mich komplett gefesselt.

Ein würdiger Nachfolger, der düsterer daherkommt als sein Auftakt, aber mindestens genau so amüsant ist. Ich fühlte mich wieder gut unterhalten und bin mit Guo gern in ein neues chinesisches Abenteuer eingetaucht. Dieses Mal muss er alles dafür tun, um seine große Liebe zu verteidigen – gegen alle Widrigkeiten, die sich ein Kung-Fu-Kämpfer nur vorstellen kann. Und so warte ich nun gespannt auf das große Finale!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Fantasy: ♥♥♥♡♡
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,8


ÜBER DIE AKTION „ASIABOOKS“:

Wer mich kennt, weiß um meine tiefe Leidenschaft für Japan. Genau so sehr faszinieren mich schon viele Jahre Geschichten, die einen asiatischen Kontext haben. Dazu muss es nicht zwingend japanisch sein – auch chinesisch angehauchte Settings können mich durchaus begeistern.
Ich werde bei der Aktion „AsiaBooks“ Bücher vorstellen, die ich gelesen und rezensiert habe. Vielleicht seid ihr ja genau so begeistert von Geschichten im asiatischen Setting wie ich? Dann hoffe ich, dass ihr bei mir noch etwas Anregung findet. 🙂


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Wilde Saat“ von Octavia E. Butler

Meine lieben Leser,

der Heyne Verlag hatte mich bei diesem Buch schon alleine wegen der Unterschrift „Meisterwerke der Science-Fiction“ neugierig gemacht. Der Klappentext hörte sich für mich sehr anders an und deshalb wollte ich „Wilde Saat“ unbedingt lesen. Wie mir dieses Werk aus den 80er Jahren gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar|

Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Wilde Saat
  • Autor/in: Octavia E. Butler
  • Übersetzer/in: Will Platten
  • Anzahl der Seiten: 480 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Ausgabe: Überarbeitete Neuausgabe (August 2021)
  • Genre: Science-Fiction

INHALT:

Doro ist ein körperloses Wesen, welches sich immer wieder wechselnd menschlicher Körper bemächtigen muss. Diese Menschen sterben, wenn Doro ihren Körper übernimmt. Er besitzt gottähnliche Fähigkeiten und ist unsterblich.
Seit vielen Jahrhunderten versucht er seiner Einsamkeit Herr zu werden, indem er Menschen mit sich und untereinander in einem Zuchtprogramm kreuzt. So will er schlussendlich den perfekten Nachfahren erschaffen, der ihm ebenbürtig ist.
Als er auf die Heilerin und Gestaltwandlerin Anyanwu trifft, weiß er sofort, dass sie anders ist. Sie ist ebenfalls ein außergewöhliches Wesen – und Doro ebenbürtig. Er kann sich ihr fortan nicht mehr entziehen und wittert seine Chance, durch diese Frau endlich den perfekten Nachfahren zu erzeugen.
Anyanwu findet zunächst Gefallen an Doro, dies wandelt sich aber schnell, nachdem sie sieht, zu welchen Gräueltaten er fähig ist. Für sie zählt ab diesem Moment nur noch der Schutz ihrer Familie.
Ein Tauziehen um die Macht entbrennt zwischen den beiden und Anyanwu muss sich immer wieder gegen seine Unterdrückung behaupten.

Das Buch ist in drei Bücher unterteilt, die in drei aufeinanderfolgenden Jahrhunderten spielen. Allerdings hat der zeitliche Aspekt weit weniger Einfluss auf die Handlung und die Charaktere, als ich es vermutet hatte.

Für alle, die vorhaben, es zu lesen, kann ich nur darauf hinweisen, dass in dem Buch viele Gewaltszenen und verstörende Situationen auftauchen. Die Lektüre ist daher sicherlich nichts für schwache Gemüter.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil von Butler ist beim Lesen sehr angenehm und die Seiten gehen sozusagen schnell von der Hand. Am Anfang wusste ich nicht, wo die Geschichte mit mir hin möchte. Als Leser wurde ich ins kalte Wasser geworfen und musste mich erstmal in dieser Welt und den Gepflogenheiten zurechtfinden.
Leider änderte sich dieser Zustand nicht unbedingt im Laufe der Geschichte. Es war vielmehr so, dass ich das Gefühl hatte, immer und immer wieder das Gleiche zu lesen, weil die Konfrontationen zwischen Doro und Ayanwu recht monoton abliefen.
Eine Sache, die mich störte, war die für mich oft unnötige Gewalt in diesem Buch. Ob Tritte, Schläge, das „Aussortieren“ von Babys, die nicht der angeblichen Norm entsprachen – es war mir an einigen Stellen zu viel. Damit zusammen hängt auch eine Kritik am Schreibstil, der sich zwar gut las, aber auch sehr distanziert war. Auch diese Szenen waren so distanziert geschrieben, dass es für mich beim Lesen unangenehm war. Ich hofft darauf, dass die Auseinandersetzung mit den Problematiken am Ende des Buchs erfolgen würde. Tatsächlich blieb diese Reflektion und moralische Einordnung komplett aus. Ratlosigkeit machte sich bei mir als Leserin breit. Gerade solch brisante Themen wie Rassismus, Sklavenhandel, Unterdrückung, toxische Beziehungen, Frauenrechte, Gewalt und Missbrauch haben meiner Meinung nach eine viel differenziertere Auseinandersetzung verdient, als es dieses Buch getan hat.
Denn aus meiner Sicht hat das Buch diese Themen einfach nur erzählt, aber nicht zum Nachdenken angeregt. Ich fragte mich dadurch oft, was die Autorin mir damit sagen möchte.

Leider waren auch die Charaktere sehr farblos und unsympathisch. Ich hatte gehofft, dass durch Beweggründe oder andere Erklärungen der Leser diese besser verstehen wird und somit vielleicht sogar ein Gewissenskonflikt entstehen könnte. Das wäre sehr spannend gewesen. Aber auch das blieb aus. Die Motive für viele Handlungen bleiben für mich im Dunklen und die wenigen Erklärungen, die vorhanden waren, fand ich wenig nachvollziehbar.

FAZIT:

Das Buch hat mich fasziniert, denn die Stimmung am Anfang war sehr anders und auch die Grundidee hatte viel Potential. Allerdings bin ich sehr unzufrieden mit der Umsetzung und der ausbleibenden Auflösung am Schluss. Der Klappentext hat mir persönlich falsche Erwartungen geschürt. Die tatsächliche Handlung geht in eine ganz andere Richtung.
Ein Buch mit einer guten Grundidee, aber das Potential wurde nicht genutzt. Es fehlt das Aha-Erlebnis am Ende und die Auseinandersetzung mit den thematisierten Problematiken. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt und ich hätte mir gerade vom Ende des Buches mehr Pfiff erwartet. Es war leider nicht meins.

BEWERTUNG: ♥♥♡♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♡♡♡
Emotionen: ♥♥♡♡♡
Science-Fiction: ♥♥♡♡♡
Charaktere: ♥♥♡♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 2,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Nahtod – Grenzerfahrungen zwischen den Welten“ von Dr. med. Bruce Greyson

Meine lieben Leser,

das Thema der Nahtoderfahrungen ist für viele Menschen etwas, was nicht zu greifen ist. Für einige ist es Hokus Pokus, andere haben sie selbst erlebt und berichten davon wie von echten Erlebnissen. Und sie werfen viele Fragen auf. Nicht zuletzt sind sie für uns Menschen so interessant, weil sie uns die Möglichkeit vermitteln, etwas darüber zu erfahren, was nach unserem Tod passiert. Doch ist das wirklich so? Und was weiß die Wissenschaft über das Phänomen der Nahtoderfahrungen? Das wird in diesem Buch von Dr. med. Bruce Greyson erläutert, dem führenden Forscher, wenn es um dieses Thema geht. Wie mir das Buch gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar |

Danke, an den Ansata Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Nahtod – Grenzerfahrungen zwischen den Welten
  • Autor/in: Dr. med. Bruce Greyson
  • Übersetzer/in: Juliane Molitor
  • Anzahl der Seiten: 400 Seiten
  • Verlag: Ansata Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Juni 2021)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

„Es wurde schon viel über das Sterben und darüber, was danach kommen könnte, gesagt und geschrieben – und oft werden wissenschaftliche und religiöse Standpunkte gegeneinander ausgespielt. (…) Ich hoffe, zeigen zu können, dass Wissenschaft und Spiritualität durchaus vereinbar sind und dass Sie die Wissenschaft nicht aufgeben müssen, um spirituell zu sein.“

– Dr. med. Bruce Greyson in „Nahtod – Grenzerfahrungen zwischen den Welten“ von Dr. med. Bruce Greyson, S. 26 –

Der Autor Dr. med. Bruce Greyson arbeitet seit vielen Jahren als Psychiater und forscht mittlerweile seit über 45 Jahren an dem Phänomen der Nahtoderfahrungen. Ausgangspunkt war eine Erfahrung mit einer Patientin, die einen Tomatensoßenfleck auf seiner Krawatte bemerkte, als sie im Koma lag.
Dieses Ereignis beschäftigte Greyson jahrelang, bis andere Patienten ebenfalls merkwürdige Beobachtungen und Erfahrungen schilderten. Als Psychiater und Kind eines nicht religiösen Chemikers war er sehr skeptisch und machte es sich zur Aufgabe, dieser Sache auf den Grund zu gehen.
Der Begriff der Nahtoderfahrungen geht zwar auf einen anderen Forscher zurück, aber schnell avancierte Greyson zu DER Person, die andere Mediziner mit diesem Phänomen und dessen Erforschung in Verbindung brachten. Es wurde das Herzensthema des Autors und in diesem Buch stellt er verschiedene Ergebnisse vor sowie Fragen, die während der Forschungen aufgeworfen wurden.

Dabei geht Bruce Greyson darauf ein, wie man ein vermeintlich unwissenschaftliches Thema wissenschaftlich untersucht. Er betont immer wieder, dass nicht das Thema eine Untersuchung wissenschaftlich macht, sondern die Art der Untersuchung die Wissenschaft definiert.
Im Buch beschreibt er außerdem eindrucksvoll die verschiedenen wissenschaftlich untersuchten, typischen Merkmale von Nahtoderfahrungen wie das Gefühl der Zeitlosigkeit, die Lebensrückschau, außerkörperliche Erfahrungen, „göttliche“ Erscheinungen, das Treffen von Verstorbenen sowie die positiven und negativen Gefühle während dieses Ereignisses.
Zur Verdeutlichung zitiert er immer wieder die Erfahrungsberichte von Betroffenen und analysiert diese unter den wissenschaftlich möglichen Prämissen.
Zudem wird auf die Biologie eingangen. Also was passiert im Gehirn während einer Nahtoderfahrung? Welche Fragen werden dadurch wiederum aufgeworfen? Und was hat das alles mit der größten, bisher ungeklärten Frage der Neurowissenschaft zu tun: „Wo sitzt das Bewusstsein?“? Anders als wir vielleicht denken ist es nämlich keineswegs wissenschaftlich nachzuweisen, dass das Gehirn das Bewussstsein erzeugt.
Einer der interessantesten Aspekte des Buches waren für mich die Auswirkungen der Nahtoderfahrungen auf die Betroffenen – danach. Es gibt zumeist gut, aber auch schlechte Nachwirkungen. Die positiven können nachweislich sogar zur Prävention von Selbstmorden oder als Unterstützung in der Trauerarbeit fungieren.

Die letztendlichen Schlussfolgerungen zum sehr komplexen Thema der Nahtoderfahrungen möchte ich an dieser Stelle nicht spoilern, weil sie meiner Meinung nach als Fazit das Buch rund werden lassen und ich nichts vorweg nehmen möchte.
Nur soviel: Wir müssen offen sein und vielleicht in Kauf nehmen, dass da etwas ist, was wir nicht erklären können. Allerdings ist der Beweis für ein Leben nach dem Tod vielleicht gar nicht so wichtig, sondern die Wirkung, die diese Erfahrungen auf uns Menschen ausüben können.

SCHREIBSTIL:

Direkt zum Anfang der Lektüre überraschte mich der doch sehr eingängige, fast schon romanartige, erzählerische Ton des Autors. Sollte ich gar kein Sachbuch lesen? Meine Befürchtung wurde zerstreut, denn Greyson beleuchtet wirklich jeden noch so kleinen Aspekt zum Thema Nahtoderfahrungen sehr genau und wissenschaftlich fundiert. Der doch recht ungewöhnliche Schreibstil hat hier allerdings sehr dazu beigetragen, dass die Seiten praktisch dahinflogen, was für ein Sachbuch eine außergewöhnliche Leistung ist, wie ich finde. Dieses Werk ist kein bisschen trocken. Informationen aus Wissenschaft und Medizin werden stets aufgelockert durch Erfahrungsberichte und Beispiele, die einen emotionale berühren, tief bewegen und auch manchmal erschrecken.
Ein bisschen lesen sich die themengebundenen Kapitel dann aber übergreifend auch wie eine beruflich geprägte Biografie des Autors, was ebenfalls sehr zum Unterhaltungswert des Buches beitrug. Es ist überraschend, wie leichtfüßig dieses Buch geschrieben ist, obwohl es ein so ernstes, anspruchsvolles sowie in der Kritik stehendes Thema aufgreift. Meine Sympathie konnte Greyson durch seine Art der Schreibe auf jeden Fall für sich gewinnen.

Besonders gut fand ich, dass dieses Buch frei von religiösen Wertungen war, wie es in anderen Werken zu diesem Thema der Fall war. Der Autor schrieb stets wertungsfrei und gab dem Leser somit die Möglichkeit, sich auf Basis der Schilderungen selbst eine Meinung zu bilden.

FAZIT:

Dieses Buch beginnt als Reise in unbekannte, mysteriöse Gefilde und endet mit einem hoffnungsvollen Ausruf an das Leben. Wieder einmal hat mir ein Buch gezeigt, dass die Auseinandersetzung mit dem Tod – egal in welcher Form – nichts schreckliches sein muss, sondern die Chance beinhaltet, die Wertigkeit des Lebens zu betonen. Das Leben kann durch eine Begegnung mit diesem Phänomen – in Buchform oder anderweitig – dazu führen, das Leben neu zu bewerten, einen neuen Blickwinkel zu gewinnen, Veränderungen anzustoßen oder mehr Freude zu empfinden.
Aus meiner Sicht eine völlig zu unrecht unterschätztes Thematik in der Literatur, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat.

Ein Buch, welches mit einer unfassbaren Leichtigkeit über ein sehr komplexes Thema berichtet. Nie wurde wissenschaftlicher über den Nahtod berichtet, nie neutraler Schlussfolgerungen dazu gezogen. Ein Werk für Betroffene, Interessierte, aber auch und vor allem für alle anderen, die sich bisher nicht an solche Themen herangewagt haben. Ein wichtiges Stück Literatur – unbedingt lesen!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♥
Unterhaltung: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♥
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Astronaut“ von Andy Weir

Meine lieben Leser,

nach dem großartigen Buch „Der Marsianer“ war ich gefesselt von Andy Weirs Schreibstil. Als ich nun sah, dass „Der Astronaut“ veröffentlicht wird, war ich Feuer und Flamme, es zu lesen. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar |

Danke, an den Heyne Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Astronaut
  • Autor/in: Andy Weir
  • Übersetzer/in: Jürgen Langowski
  • Anzahl der Seiten: 560 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2021)
  • Genre: Science-Fiction

INHALT:

Worum geht es dieses Mal? Ryland Grace, ein Biologe, arbeitet als Lehrer an einer Schule. Er hat Theorien veröffentlicht, die in Wissenschaftskreisen eher kritisch beäugt werden. Doch sein beschauliches Leben hört auf zu existieren, als er aufwacht – allein, ohne Gedächtnis, in einer sehr ungewöhnlichen Umgebung. Roboterarme versorgen ihn und zu allem Überfluss erkennt er, dass er sich mit zwei Leichen in einem Raum befindet. Wo ist er? Und was ist passiert? Langsam erkennt er die unumstößliche Wahrheit: Er befindet sich im Weltraum – und sehr sehr weit weg von seinem Heimatplaneten. Doch er weiß nicht, wieso.

Ich hatte eine Geschichte ähnlich der Blockbuster der letzten Jahre erwartet und dann kam alles völlig anders. Es ist schwierig über dieses Buch zu sprechen, ohne nicht alles zu spoilern. Aus diesem Grund halte ich den Umfang meiner Inhaltsbeschreibung nur begrenzt.
Natürlich sieht sich Grace einem Überlebenskampf gegenüber, jedoch nicht ausschließlich. Nach und nach kehren seine Erinnerungen zurück, die in Rückblicken erzählt werden. Seine Mission und damit sein wahres Ziel wird dadurch aufgeklärt und unterscheidet sich sehr von den anderen bekannten Szenarien, die in Film und Fernsehen bereits oft dargestellt wurden. Der Fokus der Geschichte liegt aber mit fortschreitenden Seiten auch auf einer ganz bestimmten Entdeckung Grace‘ – die ich nicht verraten will, um nichts vorwegzunehmen. Viele Wendungen in der Geschichte halten die Spannung hoch, obwohl das Buch kein lautes ist.

SCHREIBSTIL:

Andy Weir hat es wieder einmal geschafft. Er stellt hochwissenschaftliche Themen dar und trotzdem wollte ich immer weiterlesen. Dazu muss ich sagen, dass ich wirklich kein Profi in Naturwissenschaften bin. Ich liebe die Sterne und den Weltraum, aber Physik oder Mathematik ist so gar nicht meine Welt. Weir beschreibt aber ebensolche Zusammenhänge, Erklärungen oder Berechnungen sehr genau, was mich überhaupt nicht gestört hat – ähnlich wie beim Marsianer. Es wäre zu viel gesagt, dass ich alles im Detail verstanden hätte, aber es hat ausgereicht, um der Geschichte zu folgen. Diese hochwissenschaftlichen Darstellungen tragen selbst beim Lesen durch einen Laien zur Authentizität der Geschichte bei.
Ebenfalls typisch für Weir: „Der Astronaut“ glänzt durch seine vielen Wendungen. Immer wenn ich dachte, jetzt wird alles gut, sah sich Grace wieder einer anderen Schwierigkeit gegenüber.
Allgemein war dieses Buch zwar spannend, aber auch recht ruhig und gemütlich im Tempo. Für mich hat das zu den Weiten des Weltraums gut gepasst.
Das Buch hat für mich einen entscheidenden Unterschied zum Marsianer, den ich leider aus nicht verraten kann, wenn ich nicht spoilern möchte. Ich möchte es so zusammenfassen, dass beim Astronauten aus meiner Sicht mehr Emotionen im Spiel waren. Ich war zumindest öfter als gedacht sehr gerührt.
Was noch Erwähnung finden muss, ist, dass die Geschichte abwechselnd aus Sicht von Grace im Weltraum und vor der Weltraumreise erzählt wird. Es werden also immer wieder Rückblicke eingearbeitet, sobald Erinnerungen zurückkehren. Am Anfang hat mich das etwas gestört, mit fortlaufenden Seiten jedoch wurde es immer stimmiger.
Einziges kleineres Manko waren selten auftretende Dopplungen von Erklärungen oder Absätzen.

FAZIT:

Nach anfänglicher Skepsis hat mich „Der Astronaut“ von Andy Weir vollends abholen können. Ich wollte das Buch gar nicht beenden, weil mir die zwischenzeitliche Atmosphäre so gut gefallen hat. Die Geschichte ging in eine ganz andere Richtung, als ich das vermutet hatte und genau das fand ich so super. Auch das Ende war für mich total passend, obwohl ich auch da etwas anderes erwartet hatte. Ein paar winzige Fragen bleiben offen – beispielsweise wird relativ spät aufgeklärt, warum Ryland Grace scheinbar keine sozialen Kontakte hatte – eine Frage, die ich mir das ganze Buch über gestellt habe. Wieso nie die Rede von etwaigen Angehörigen war. Die Begründung war am Ende okay – dennoch bleibt bei mir die Frage nach seinen Eltern oder seiner Familie offen. Ansonsten war aber alles sehr authentisch und ich habe den Protagonisten sehr gemocht. Am Ende bleibt nur eins zu sagen: Ich gehöre auf jeden Fall zu Team Rocky. Falls ihr es bereits gelesen habt, wisst ihr ja, was ich damit sagen möchte. 🙂

Eine Geschichte über Naturwissenschaft, Freundschaft und Raumfahrt. Realitätsnah, herzerwärmend und spannend – für mich ein Jahreshighlight!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♥
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Science-Fiction: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 4,6


Bis bald,
EURE HACHIDORI