Rezension – „Kopfkissenbuch“ von Sei Shōnagon

Meine lieben Leser,

heute gibt es mal wieder ein Buch, welches Japanbezug hat. Vor einiger Zeit hatte ich im Buddyread „Dinge, die das Herz höher schlagen lassen“ von Mia Kankimäki gelesen. Sie geht dabei auf die Person Sei Shōnagon ein, eine Hofdame aus Japan im 10. Jahrhundert. Dieses Buch gefiel mir so gut, dass ich das Kopfkissenbuch von Sei unbedingt selbst lesen wollte. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Kopfkissenbuch
  • Autor/in: Sei Shōnagon
  • Übersetzer/in: Michael Stein
  • Anzahl der Seiten: 736 Seiten
  • Verlag: Manesse Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (April 2019)
  • Genre: Biografischer Roman, Tagebuch

INHALT:

Im Kopfkissenbuch gibt es keine richtige Handlung, da es sich um eine Art Tagebuch handelt. Dennoch sind die Einträge nicht chronologisch sortiert, manchmal werden nur Listen von Dingen oder bspw. Bergen notiert.
Sei schreibt in ihr Kopfkissenbuch, was sie alltäglich beobachtet – sowohl in der Natur, im Alltag einer japanischen Hofdame und in der Kommunikation der Menschen um sie herum.
Die erwähnten Personen und Geschehnisse sind natürlich vor allem historisch interessant, dazu werden in den Anhängen, wie dem Glossar und dem Personenverzeichnis ausführliche Hilfestellungen geboten.
Besonders gut gefielen mir die Naturbeschreibungen oder auch die komplexe Kommunikation der japanischen Adligen in Briefen in gedichteter Form. Außerdem waren die zwischenmenschlichen Beschreibungen sehr spannend, vor allem dann, wenn es um Liebhaber von Sei ging.

SCHREIBSTIL:

Der Leser kommt gar nicht umhin, eine gewisse Zuneigung zur Autorin zu entwickeln, so amüsant und frech sie manchmal schreibt. Bisweilen ist sie auch mal etwas arrogant oder spitzfindig, aber genau das macht sie so herrlich menschlich und zugänglich auch für moderne Gemüter. Ob das nun Äußerungen sind, die beschreiben, wie gern sie am Hof arbeitet, anstatt Hausfrau zu sein – oder auch die Freude über einen lang erwarteten Brief – sie zeigt sehr deutlich, dass sich so viel in unserem Gefühlsleben seit dem 10. Jahrhundert gar nicht geändert hat.

FAZIT:

Dieses Buch umfasst gut 500 Seiten von Seis Gedanken und Aufzeichnungen, die schon zu ihren Lebzeiten bekannt wurden und sie zu einer kleinen Berühmtheit machten. Die restlichen Seiten sind Anhänge, die teils unverzichtbar sind, wenn der Leser das komplette Verständnis für diese Zeit aufbringen möchte. Die wenigen biografischen Dinge, die man über Sei weiß, sind ebenfalls im Anhang nochmals zusammengefasst worden. Für mich war es kein Buch, was in einem Stück verschlungen wird, sondern eine wahre Genusslektüre. Ich bin gern vorm Schlafengehen nochmal in die Erlebnisse von Sei eingetaucht, weil sie so herrlich charmant in ihrer Erzählweise war.

Ein historisch interessantes Werk, welches aber keineswegs altbacken daherkommt. Die Schilderungen der Hofdame Sei Shōnagon, die im 10. Jahrhundert in Japan lebte und kein Blatt vor den Mund nahm, waren so amüsant und einnehmend, dass sich ihr kein Leser zu entziehen vermag. Ein wirklich schönes Genussbuch für zwischendurch.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♡
Unterhaltung: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡
Japan-Vibes: ♥♥♥♥♥
Strukturiertheit: ♥♥♥♡♡

Gesamtwertung = 4,0


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Legende der Adlerkrieger“ von Jin Yong

Meine lieben Leser,

mit dem Buch „Die Legende der Adlerkrieger“ von Jin Yong durfte praktisch ein Stück Weltliteratur einziehen. Im chinesischen Raum hat diese Romanreihe einen vergleichbaren Status wie „Herr der Ringe“ in der westlichen Kultur. Außerdem ist die Geschichte um die Adlerkrieger der meistgelesene Fantasy-Epos aller Zeiten. Das waren genug gute Gründe, um mir den ersten Band mal genauer anzuschauen. Wie es mir nun insgesamt gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Legende der Adlerkrieger (Band 1)
  • Autor/in: Jin Yong
  • Übersetzer/in: Karin Betz
  • Anzahl der Seiten: 576 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Ausgabe: Erstausgabe (November 2020)
  • Genre: Fantasy, Historische Fiktion

INHALT:

Der Inhalt dieses Epos‘ ist schwer auf den Punkt zu bringen. Die Geschichte ist unheimlich komplex. Außerdem wartet das Buch direkt zum Anfang erstmal mit einem Personenverzeichnis auf, welches ganze 55 Charaktere umfasst. Die Namen in der Geschichte sind natürlich aufgrund des Ursprungs der Geschichte alle chinesisch oder mongolisch, was für westliche Leser durchaus – auch mit Interesse für Asien – zu einer kleinen Herausforderung werden kann. Denn einige Personen haben noch einen zweiten Namen aufgrund ihres Kung-Fus.

Es kann aber zumindest gesagt werden, dass die Geschichte sich hauptsächlich um Guo Jing dreht. Dieser ist ein junger Mann, der die hohe Kunst des Kung-Fu erlernt. In die Geschichte steigt der Leser allerdings weit vor der Existenz dieses jungen Schülers ein, den zunächst wird das Schicksal seiner Eltern beschrieben. Sein Vater hat dabei einen wichtigen Verbündeten, seinen Schwurbruder. Diese beiden Männer vereinbaren, dass ihre Kinder für immer verbunden sein mögen. Sollten es zwei Jungen oder Mädchen werden, sollen diese ebenfalls Schwurbrüder/-schwestern sein, bei unterschiedlichem Geschlecht sollen sie heiraten.
Als die Männer durch einen Hinterhalt in einen Kampf geraten und ihre Frauen verschleppt werden, wird Guo Jings Vater tödlich verwundet. Was aus den anderen elterlichen Parteien geworden ist, bleibt zunächst im Dunkeln.
Danach konzentriert sich das Geschehen auf Guo Jings Kindheit und Jugend, seine Ausbildung und seine Abenteuer. Er wird in allerlei Kämpfe und Intrigen hineingezogen und am Ende laufe viele rote Fäden zusammen, die allerlei Handlungsstränge verbinden.
Die Geschichte basiert dabei auf historischen Tatsachen, auch bekannte Persönlichkeiten wie Dschingis Khan tauchen auf. Es werden unzählige, aber niemals gleiche Kung-Fu-Kämpfe bestritten, bei Speis‘ und Trank‘ zusammengesessen und heimlich Gegener belauscht. Diese Geschichte bringt also zusammenfassend alles zusammen, was eine gute Kung-Fu-Geschichte ausmacht.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist wirklich etwas ganz Besonderes. Ich kann mich nicht erinnern in den letzten Jahren etwas vergleichbares gelesen zu haben. Durch die Erzählweise mutet es wirklich an wie eine alte Legende aus längst vergangenen Zeiten, es wirkt mythisch, oft auch amüsant oder skurril.
Die vielen Handlungsstränge sind vom Autor gekonnt gesetzt und laufen am Ende alle zusammen. Ledliglich am Ende des ersten Viertels erzeugte die genauere Beschreibung der Mongolen und ihrer politischen Ränkespiele eine gewisse Länge. Das Buch hat eher ein gemächliches Tempo, allerdings wollte ich als Leser immer wissen, wie es mit Guo Jing weitergeht und ob er seinem Schwurbruder oder seiner zukünftigen Braut begegnen wird.
Nichtsdestotrotz muss ich zugeben, dass dieser so ganz andere Schreibstil und die teilweise sehr skurrilen Situationen und Beschreibungen mir einiges abverlangt haben und für mich eine kleine Herausforderung waren.

FAZIT:

„Der Daoist legte einen Arm um Guo Jing, der sich wie von einer unsichtbaren Kraft angehoben fühlte. Wie Wolken im Sturmwind sausten sie über die Steppe.“

– „Die Legende der Adlerkrieger“ von Jin Yong, S. 291 –

Wie bereits erwähnt, ist dieses Buch etwas sehr Besonderes, was sich aus meiner Sicht schlecht vergleichen lässt. Es ist fast, als würde man Heldenmythen über die germanischen Götter bewerten wollen. Die Charaktere und die Geschichte stehen für sich allein und sind episch anmutend. Besonders gut gefallen haben mir die oft witzigen Situationen, in denen die Charaktere beispielsweise anstatt eines Kampfes zusammen tranken und mit Melonenkernen Schriftzeichen in den Schnee schrieben. Diese sehr merkwürdigen Aktionen werden im Buch gern durch Applaus quittiert und im Verlauf des Buches musste ich immer wieder darüber schmunzeln. Dieses Werk hat einen so einzigartigen Charme, dass sich viel mehr Leser heranwagen sollten. Allerdings nur, wenn sie offen für eine ganz andere Welt und eine besondere Erzählweise sind.

Eine Legende, ein Mythos, ein Epos – das meistgelesene Fantasy-Werk hat mich mit seinem besonderen Charme beeidruckt, mir aber durch diese ganz andere Erzählweise und die vielen Namen auch einiges abverlangt. Dennoch war ich am Ende so Feuer und Flamme, das Schicksal Guo Jings weiterzuverfolgen, dass es eine Schande wäre, dieses Buch nicht weiterzuempfehlen. Für mich war diese Lektüre so ganz anders als alles andere und eben deshalb besonders!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♡♡
Fantasy: ♥♥♥♡♡
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,6


ÜBER DIE AKTION „ASIABOOKS“:

Wer mich kennt, weiß um meine tiefe Leidenschaft für Japan. Genau so sehr faszinieren mich schon viele Jahre Geschichten, die einen asiatischen Kontext haben. Dazu muss es nicht zwingend japanisch sein – auch chinesisch angehauchte Settings können mich durchaus begeistern.
Ich werde bei der Aktion „AsiaBooks“ Bücher vorstellen, die ich gelesen und rezensiert habe. Vielleicht seid ihr ja genau so begeistert von Geschichten im asiatischen Setting wie ich? Dann hoffe ich, dass ihr bei mir noch etwas Anregung findet. 🙂


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Buchtipp – „Das Paradies der Armen“ von Suzanna Jansen

Liebe Leser,

ich habe mich vor nicht allzu langer Zeit bei lovelybooks.de angemeldet und mich für ein paar Buchverlosungen beworben.
Nun darf ich verkünden:
Ich habe ein Buch gewonnen!

Meine erste Leserunde in der Geschichte wird das Buch „Das Paradies der Armen“ von Suzanna Jansen sein.
Mein erster Eindruck

Das Cover ist schlicht. Es ist ein Foto in Sepia von zwei Kindern, es erinnert an die Covergestaltung typischer geschichtlicher Erfahrungsberichte. Das Vorwort wurde von einem gewissen Geert Mak geschrieben, allerdings konnte ich im Buchzusammenhang noch nicht herausfinden, um wen es sich dabei handelt.
Im Vorwort werden kurz die geschichtlichen Ereignisse erläutert, die im Zusammenhang mit der Familiengeschichte von Jansen stehen. Sehr schön finde ich den Stammbaum der Familie Jansen am Ende des Vorwortes, da wird sich während des Lesens sicherlich öfter die Gelegenheit ergeben, nochmal nachzuschauen, um welche Generation es sich gerade handelt.

Gerade eben lese ich das erste Kapitel und sobald ich damit durch bin, werde ich euch meine Eindrücke schildern.
Ich kann schon soviel verraten:
Es ist ein sehr angenehmer und leicht zu lesender Schreibstil.

EURE HACHIDORI

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