Rezension – „Das Reich der Asche“ von Victoria Aveyard

Meine lieben Leser,

das Buch „Das Reich der Asche (Realm Breaker 1)“ von Victoria Aveyard hat mich sehr gereizt und ich bin froh, dass ich es direkt nach Erscheinen lesen durfte. Ich war erst etwas skeptisch, ob es mich überzeugen können wird, da ich nicht wusste, ob es eher ein klassisches oder modernes Fantasy-Abenteuer wird. Wie es mir schlussendlich gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar|

Vielen Dank, an den Penhaligon Verlag für das Rezensionsexemplar!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Das Reich der Asche (Realm Breaker 1)
  • Autor/in: Victoria Aveyard
  • Übersetzer/in: Michaela Link
  • Anzahl der Seiten: 608 Seiten
  • Verlag: Penhaligon Verlag
  • Ausgabe: Erstausgabe (August 2021)
  • Genre: High-Fantasy

INHALT:

Dieses Buch hat für mich alles, was ich an klassischer Fantasy so liebe. Viele individuelle und vor allem eigensinnige Charaktere, die einem trotzdem vertraut vorkommen. Weite, endlos wirkende, verträumt anmutende Landschaften und Königreiche sowie einzigartige Völker und Fähigkeiten. Monster, Wesen, magische Erscheinungen und mächtige Feinde. Und vor allem die Helden der Geschichte, die liebenswerten und auch zuweilen schrulligen Protagonisten.
Im Detail geht es direkt am Anfang um Corayne, die Tochter einer Piratin, die sich nach fernen Welten und Abenteuern sehnt, allerdings auf Befehl ihrer Mutter in ihrer Heimat aufhält. Tagtäglich wartet sie darauf, dass ihre Mutter von Streifzügen durchs Meer wiederkehrt – und derweil träumt sie selbst von ihren (leider versagten) Routen auf dem Meer.
Ganz woanders in der Welt Allwacht verfolgt der Leser Andry, einen jungen Knappen, der in eine Schlacht verwickelt wird, die merkwürdige Umstände zustandebringen. Er überlebt und flieht als einziges Mitglied der Gruppe mit einem sagenumwobenen Schwert an den Hof zurück. Er weiß da noch nicht, dass dieser Tag sein Leben für immer verändern wird. Am Hof erwartet ihn Erida, die Königin, die kurz vor der Wahl eines Verlobten steht und als Frau die Geschicke des Landes leitet, was ihr immer wieder nicht zugetraut wird.
Domacridhan überlebte die Schlacht ebenfalls nur knapp und spürt nun Sorasa, eine Verbrecherin und Auftragsmörderin auf, mit der er Corayne über ihr Schicksal informieren möchte. Als sie Corayne begreiflich machen, dass nur sie das Land vor dem Untergang retten kann, indem sie die aus Legenden bekannten Spindeln schließt, die jetzt von jemand Mächtigen wieder geöffnet wurden – da ändert sich für Corayne alles und sie muss sich ihrem ganz eigenen Abenteuer stellen – auf Leben und Tod.

Der Inhalt ist sehr komplex und am Anfang brauchte ich einige Zeit, um in das Geschehen hineinzufinden. Den Prolog habe ich deshalb direkt zweimal gelesen, danach war mir aber einiges klarer. Es mag vielleicht auch an der Müdigkeit bei der ersten Lektüre gelegen haben. 😉
Ich mochte den Mix aus Piraten, Königreichen, Wüste, Magie und ein paar Artus-Saga-Vibes. Die Gestaltung des Covers spiegelt super die zentrale Rolle der Spindelklinge wieder.
Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass das Buch in Richtung Romantasy abdriften könnte, aber das war zu keiner Zeit der Fall. Es ist sehr fokussiert auf die Problemstellung und deren Lösung, dabei fehlte es zuweilen etwas an Tempo, was der Geschichte aber gar keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil schätze ich dieses „gemütliche“ Vorankommen an den klassischen Fantasy-Geschichten sehr, da es trotz Spannung und Schlachten immer ein Gefühl von Nachhausekommen im Buch erzeugt. Da die Welt und das Geschehen sehr komplex ist, muss man als Leser das Buch sowieso auch mal beiseite legen, sodass das moderate Tempo passend ist und nicht negativ auffällt.
Die Spannungshöhepunkte lagen für mich eindeutig mittig im Buch und am Ende. Ich bin schon sehr neugierig, wie der zweite Band wohl aufgebaut sein wird, jetzt wo die Gruppe der Protagonisten vollständig zueinander gefunden hat.

SCHREIBSTIL:

Das Buch wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt. Immer wieder wechselt das Geschehen zwischen Corayne, Andry, Sorasa, Erida und Domacridhan. Corayne nimmt dabei die wohl zentralste Rolle ein. Eine Besonderheit ist, dass die Charaktere die meiste Zeit von einem allwissenden Erzähler betrachtet werden, für kurze Gedanken allerdings in Kursivschrift die jeweiligen Personen aus der Ich-Perspektive Äußerungen treffen.
Der Schreibstil war insgesamt sehr anspruchsvoll, bildhaft und unheimlich detailliert. Diese Detailtiefe hat die Geschichte sehr lebendig und die Charaktere tiefenscharf gestaltet. Gerade dadurch baute ich als Leser schnell Nähe zu den vielen Personen auf, was eine Kunst für sich ist. Die Sprache des Buches konnte mich dadurch sehr begeistern und das eher gemütliche Tempo ausgleichen.
Nicht nur die Beschreibungen zu den Personen waren geradezu ausladend und detailverliebt, sondern auch die Beschreibung aller Orte, an die Corayne und die anderen gelangen. Ich konnte alles so bildhaft vor meinem inneren Auge sehen, dass ich immer wieder über die Aussagekräftigkeit des Geschriebenen staunte.

FAZIT:

Wie ich bereits betonte, ist das Tempo nicht allzu hoch und es wird nicht gerade mit Spannung um sich geworfen in diesem Buch. Aber es konnte mich gerade dadurch und durch die sprachliche Raffinesse sowie die außergewöhnliche Welt und die wirklich sehr tollen Charaktere komplett abholen. Die Geschwindigkeit der Geschichte war sicherlich auch deshalb etwas gedrosselt, weil die Gruppe der Charaktere hier im ersten Band hauptsächlich zusammenfindet und sich formiert. Erst gegen Ende erlebt die Gruppe dann gemeinsam ihre erste Herausforderung. Daher fällt dieser Punkt für mich kaum ins Gewicht, weil es der Auftakt ist und dieser ist sehr vielversprechend für die Folgebände.
Besonders gut hat mir auch das Reisen zwischen den einzelnen Orten gefallen. Von den Charakteren wünsche ich mir in den Folgebänden noch mehr Entwicklung, gerade von Corayne. Das hat dieser wahnsinnig detaillierte erste Teil allerdings nicht mehr zugelassen. Was diesen Punkt angeht, ist Andry mein liebster Protagonist, weil er eine relativ starke Veränderung durchmacht und ich ihn wirklich sehr mochte. Aber generell fand ich alle Charaktere sehr gelungen.

Ein Buch, welches mich überrascht hat und komplett abholen konnte. Einfach mal wieder richtig gute, klassische Fantasy, anspruchsvoll geschrieben, gemäßigtes Tempo, komplex ausgearbeitet und veredelt durch charismatische, liebenswerte Charaktere. Macht mir eindeutig Lust auf mehr, ein klasse Auftakt und somit ein Higlight für mich!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Fantasy: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,6


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Im Zeichen der Mohnblume“ von R. F. Kuang

Meine lieben Leser,

seitdem das Buch „Im Zeichen der Mohnblume“ angekündigt wurde, stand es auf meiner Wunschliste. Ich habe es dann auch direkt zum Erscheinen erworben, allerdings musste es auf dem SuB ausharren, weil andere Leseprojekte Vorrang hatten. Deshalb wurde es in das Frühjahrsputzbingo mit aufgenommen und nahm dort die Rolle des großen Finales ein. Meine Erwartungen waren recht groß, auch weil ich schon einige sehr positive Meinungen gelesen hatte. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | unbezahlt |

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin
  • Autor/in: R. F. Kuang
  • Übersetzer/in: Michaela Link
  • Anzahl der Seiten: 669 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • Ausgabe: Taschenbuch (2020)
  • Genre: Fantasy, historische Neuinterpretation

INHALT:

Rin wohnt bei ihrer Tante und ihrem Onkel und muss sich als Drogenkurier für Opium verdingen. Die Familie lebt in Armut und ist Rin gegenüber nicht gerade gnädig. Die einzige Vertrauensperson ist Lehrer Feyrik im Dorf. Von ihm hat sie viel gelernt und zu ihm geht sie auch, als sie ihr Herz ausschütten muss. Ihre Tante möchte sie verheiraten. Ihre einzige Chance, dem zu entgehen, besteht darin, an einer Akademie des Landes aufgenommen zu werden. Doch die Aufnahmeprüfungen sind hart und Rin möchte unbedingt in Sinegard an der Militärakademie angenommen werden.

Das Buch unterteilt sich in drei Teile. Im ersten Teil verfolgen wir Rin als unschuldiges Kind und Waisenmädchen, die der Vermählung entgehen will und alles dafür tut, in Sinegard angenommen zu werden. Außerdem wird ihre Zeit an der Akademie geschildert. Vor allem das Fach der mysteriösen Kultlehre nimmt eine besondere Stellung ein. Wie behauptet sich Rin in ihrer Klasse? Und auf welches Fach wird sie sich am Ende spezialisieren? Das dürft ihr gern selbst lesen.
Im zweiten und dritten Teil geht es vor allem um die erwachsen gewordene Rin in den Wirren des Krieges. Die strategische Kriegsführung, Politik und die Schrecken des Krieges werden hier sehr detailliert geschildert.
All das wird eingebettet in eine immer fantastischer werdende Handlung, denn Rins Fähigkeiten gehen weit über das menschenmögliche heraus und der Leser verfolgt mit Spannung ihren Kontakt zu den Göttern dieser Welt.

SCHREIBSTIL:

„Es ist einfach, mutig zu sein, aber schwerer zu wissen, wann man nicht kämpfen sollte.“

Jiang in „Im Zeichen der Mohnblume – Die Schamanin“, S. 579

Ich habe lange überlegt, wie ich den Schreibstil beschreiben könnte. Allem voran fiel mir das Wort „spannend“ ein. Die Autorin schaffte es, dass trotz ruhigerer Episoden und vielen militärischen und politischen Themen nie Langeweile für mich aufkam. Ich war so sehr an die Seiten gefesselt, dass ich es nie erwarten konnte, das Buch wieder zur Hand zu nehmen.
Gerade im ersten Teil hält sich die Brutalität noch ein Grenzen und ich habe mich richtig wohl gefühlt in dem Akademie-Setting und es war für mich so ein richtiges Wohlfühlbuch.
Spätestens in den folgenden Teilen des Buches verfliegt zwar aufgrund der Kriegsschauplätze dieses Gefühl, aber es wird umso spannender, düsterer und vor allem zwischen den Zeilen kritischer. Denn die Autorin hat mit ihrer Geschichte die asiatische Historie neu interpretiert. Gerade die Territorien der Föderation und des Kaiserreiches Nikan erinnern an China und Japan. Ebenso sieht der informierte Leser zwischen den Kriegsschauplätzen und -verbrechen extreme Parallelen zu historischen Schrecken wie bspw. in Nanking.
An dieser Stelle kann ich nur betonen, dass das Buch gerade ab Teil II nichts mehr für schwache Gemüter ist. Die Brutalität des Krieges wird hier völlig ungeschönt dargestellt und macht auch vor Babys oder Kindern nicht halt. Wer diese sehr detaillierten Gewaltbeschreibungen nicht abkann, der sollte das Buch vielleicht lieber nicht zur Hand nehmen. Ich fand selbst, dass es oft hart an der Grenze des Ertragbaren war und musste beim Lesen dieser Zeilen pausieren – allerdings muss uns klar sein, dass diese Schilderungen leider nicht so weit von der Realität entfernt sind, wie wir das gerne möchten. Die Realität ist oftmals sogar schlimmer gewesen. Und so schafft Kuang es, dass der Leser förmlich angewidert von den Gräueltaten des Krieges ist. Das macht dieses Werk tatsächlich sehr wichtig, denn wie gesagt wird zwischen den Zeilen Kritik geübt, die mich zum Nachdenken brachte.

Eine weitere Besonderheit waren für mich die Charaktere, denn diese sind alles andere als die typischen strahlenden Helden. Weder gelingt ihnen sofort alles beim ersten Versuch, wie wir das oft in ähnlichen Geschichten lesen, noch sind sie moralisch korrekte Personen. Sehr deutlich wird beschrieben, wie der beste Charakter vom Krieg und von Drogen verdorben wird. Auch das Streben nach Macht vergiftet nicht nur die vermeintlich bösen Charaktere, sondern auch liebgewonnene Figuren. Als Leser habe ich zu den Hauptfiguren eine Beziehung aufgebaut, nur um dann oftmals mit deren Entscheidungen zu hadern und meine Sympathie für sie zu hinterfragen. Denn auch, wenn man bspw. das Verlangen nach Rache nachvollziehen konnte, war das Genießen des Leides anderer eine fast nicht auszuhaltende Haltung der Personen, die ich nicht mit mir vereinbaren konnte.
Die Autorin hat hier meisterhaft gezeigt, dass kein Mensch völlig tadellos und frei von solchen Neigungen ist – schon gar nicht in einer absoluten Ausnahmesituation wie dem Krieg. Wir können in unserer Position von oben herab behaupten, dass wir anders handeln würden – Tatsache ist aber, dass der Kampf ums Überleben viele Gemüter komplett verändert und den Einblick in diese fragile Psyche hat die Autorin meiner Meinung nach super umgesetzt.
Das Worldbuilding rundet dieses ganze ernste Thema ab. Es ist unglaublich detailliert und durchdacht und ich hatte nach dem Lesen nicht einmal das Gefühl, dass wirklich viele Fragen offen geblieben wären. Vielmehr war alles in diesem Buch – angefangen von der Welt bis hin zu den Charakteren unfassbar authentisch.

Last but not least hat mir die Entwicklung von Rin sehr gut gefallen. Wir begegnen ihr anfangs als kleines Mädchen und über das Buch hinweg hat sie viel auszustehen und viele Herausforderungen zu bewältigen, bis sie schließlich zu einer Frau heranwächst, die ganz sicher nicht frei von Fehlern und falschen Entscheidungen ist.

FAZIT:

Ich hatte aufgrund des recht beschaulichen Anfangs der Geschichte etwas anderes erwartet und war dann total begeistert von der Richtung, in die sich alles entwickelt hat. Die Fantasy-Elemente spielen hier keine vorrangige Rolle, sondern fügen sich in die komplexe und militärisch-politische Handlung ein. Die Charaktere sind zahlreich, aber niemals farblos – und vor allem alles andere als perfekte Helden. Das macht sie so authentisch und lebensecht. Das Ende der Geschichte hat mich nochmal komplett umgehauen und auch, wenn ich aufgrund der düsteren Stimmung und der Brutalität jetzt erstmal etwas anderes lesen muss, kann ich den zweiten Band kaum erwarten.
Eine Geschichte um ein Waisenmädchen, das zu einer großen Soldatin wird. Sehr brutal, sehr mitlitärisch und politisch, aber auch sehr spannend. Besonders hervorzuheben sind die authentischen und unperfekten Protagonisten sowie die sehr wichtige Kritik zwischen den Zeilen. Eine gelungene Neuinterpretation der asiatischen Geschichte und ihrer Schrecken. Ein absolutes Jahreshighlight für mich!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♥
Fantasy: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,6


Wer mich kennt, weiß um meine tiefe Leidenschaft für Japan. Genau so sehr faszinieren mich schon viele Jahre Geschichten, die einen asiatischen Kontext haben. Dazu muss es nicht zwingend japanisch sein – auch chinesisch angehauchte Settings können mich durchaus begeistern.
Ich werde bei der Aktion „AsiaBooks“ Bücher vorstellen, die ich gelesen und rezensiert habe. Vielleicht seid ihr ja genau so begeistert von Geschichten im asiatischen Setting wie ich? Dann hoffe ich, dass ihr bei mir noch etwas Anregung findet. 🙂


Bis bald,
EURE HACHIDORI