Rezension – „Selma Lagerlöf – Die Liebe und der Traum vom Fliegen“ von Maria Regina Kaiser

Meine lieben Leser,

ich habe mein erstes Buch im historischen November mit Buchperlenblog beendet. 🙂 Mehr über unsere Aktion erkläre ich weiter unten. Das Buch „Selma Lagerlöf – Die Liebe und der Traum vom Fliegen“ wollte ich unbedingt lesen! Schon seit meinem Beitrag über Lagerlöf als bedeutende Frau der Weltgeschichte bin ich fasziniert von ihr. Aus diesem Grund war ich sehr gespannt auf diese Romanbiografie. Wie sie mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Selma Lagerlöf – Die Liebe und der Traum vom Fliegen
  • Autor/in: Maria Regina Kaiser
  • Übersetzer/in: –
  • Anzahl der Seiten: 256 Seiten
  • Verlag: Südverlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Romanbiografie

INHALT:

Das Buch ist in mehrere Kapitel unterteilt, die die Kindheit, das Erwachsenwerden und die Karriere Selma Lagerlöfs beleuchten. Es wird auch ihre Liebe zu Frauen in den Mittelpunkt gerückt.
Selma Lagerlöf ist vielen wahrscheinlich ein Begriff als Autorin von „Nils Holgersson“. Viel weniger Personen wissen allerdings, dass sie für die Verhältnisse der damaligen Zeit (Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts) sehr modern lebte.
Sie hatte zwei Partnerinnen, mit denen sich eine Dreiecksbeziehung entwickelte, die von Eifersucht geprägt war. In Schweden wurde „Freundschaft unter Frauen“ soweit geduldet, dass diese auch zusammenwohnen konnten. Alles darüber hinaus wurde mit dem Gefängnis bestraft. Deshalb verbrannte Lagerlöf viele Briefe und schwärzte brisante Stellen. Das machte die Recherche für die Autorin des vorliegenden Buches natürlich schwieriger.
Lagerlöf heiratete nie und hatte keine eigenen Kinder. Ihr einziges Kind war ihr Adoptivsohn Nils Holgersson, um dessen Adoption sie aufgrund seines Namens gebeten wurde. So richtig Mutter wurde sie für ihn nicht, sie kam lediglich für seinen Unterhalt auf.
Besonders engagierte sich Selma Lagerlöf in Frauenfragen. Sie trug maßgeblich dazu bei, dass in Europa das Frauenwahlrecht ein Thema wurde.
Ungewöhnlich war auch, dass sie als Frau zur damaligen Zeit als Schriftstellerin ihr eigenes Brot verdiente. Später kaufte sie den Hof, auf dem sie aufgewachsen war und wurde dessen Gutsbesitzerin.

Zuviel möchte ich aber nicht verraten, falls ihr das Buch noch selbst lesen möchtet.

SCHREIBSTIL:

An diesem Buch hat mir besonders gefallen, dass Maria Regina Kaiser es schafft, Selma Lagerlöf total lebendig werden zu lassen. Ich habe mich wirklich gefühlt, als würde ich mit ihr gemeinsam durchleben, was sie erfährt. Zudem wurde die Sprache dem Ton der damaligen Zeit angepasst, was für mich ein absolutes Muss in Büchern mit historischem Bezug ist. Nichts ist schlimmer, als wenn die Leute im 19. Jahrhundert so sprechen wie heutzutage.
Ein bisschen ausschweifender hätte die Autorin hier und da gern noch werden können, da gerade Selmas Kindheit sehr reduziert behandelt wurde.
Kaiser lässt zwischen den Zeilen eine leichte Poesie mitschwingen, denn oftmals sind die tieferen Botschaften in Symboliken und Tagträumen von Selma versteckt.

FAZIT:

Zeitweise wäre ich gern noch tiefer in das Leben Lagerlöfs eingetaucht und hätte über so einige Thematiken noch mehr Details erfahren wollen. Durch das zugrundeliegende Material war dieser Romanbiografie aber eine natürliche Grenze gesetzt. Das Buch konnte mich dennoch beeindrucken und begeistern. Es hat mich darin bestätigt, was für eine außergewöhnliche Persönlichkeit Selma Lagerlöf gewesen sein muss.
Ein Buch, das einen Eindruck über die Person Selma Lagerlöf und den damaligen Zeitgeist in Schweden vermittelt. Die Faszination der ersten Literaturnobelpreisträgerin wird bestätigt und lässt einen noch neugieriger zurück. Sehr lesenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


Informationen zur Person: ♥♥♥♥♡
Informationen zu Motiven: ♥♥♥♥♡
Darstellung Kontexte: ♥♥♥♡♡
Persönlichkeit: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 4,0


Über unsere Aktion „Historischer November“:

Im Rahmen unseres historischen Novembers lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis ca. 1960 – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #historischernovember.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im historischen November!


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Frauen der Weltgeschichte – Selma Lagerlöf

Selma Lagerlöf
schwedische Schriftstellerin und erste Nobelpreisträgerin für Literatur
1858 – 1940

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Titel: Selma Lagerlöf painted by Carl Larsson (Quelle)
Künstler: Carl Larsson

Selma Lagerlöf war eine schwedische Schriftstellerin, deren Werke noch heute zur Weltliteratur gehören. Sie war nicht nur die erste Frau, die den Nobelpreis für Literatur erhielt, sondern setzte sich mit ihrem bekannten Kinderbuch „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ selbst ein Denkmal.

Lagerlöf war eines von sechs Geschwistern. Zwei der Kinder starben früh, eine ihrer Schwestern an Tuberkulose. Dieses Thema verarbeitete sie in späteren Romanen. Selma Lagerlöf selbst wurde mit einem Hüftleiden geboren, welches ihr das Gefühl gab, eine Außenseiterin zu sein. Auch diesen Umstand ließ sie in ihre Werke einfließen, da dort oft Außenseiter eine tragende Rolle spielen. Später verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Familie, bis das Heim der Lagerlöfs veräußert werden musste. Auch diese Angst und der Verlust des Heims wurden in ihren Werken thematisiert. Die vielen prägenden Erfahrungen und ihr bereits frühes Interesse an Literatur (sie las wahnsinnig gern und führte auf dem Dachboden Puppentheaterstücke auf) schienen es mit ihr nicht anders zu wollen, als dass sie eine berühmte Schriftstellerin werden sollte.

Entgegen dem Willen ihres Vaters ging Lagerlöf nach Stockholm und wurde Volksschullehrerin. Während ihrer Lehramtstätigkeit schrieb sie ihren ersten Roman „Gösta Berling“, der heute zu den meistgelesenen Romanen in Schweden gehört. Nach vielen schlechten Kritiken, warf der Roman allerdings nicht so viel ab, wie Lagerlöf hoffte. Sie plante, den Beruf des Lehrers zugunsten der Schriftstellertätigkeit an den Nagel zu hängen. Ende des 19. Jh. gab Lagerlöf ihren Beruf als Lehrerin auf und unternahm eine Südeuropareise. Danach zog sie in den Ort, an dem ihre Schwester wohnte. Dort bekam sie durch ein paar Einheimische die Vorlage für ihren Roman „Jerusalem“, der ihr Durchbruch sein sollte. 1906 schließlich schrieb sie ihr wohl bekanntestes Buch über Nils Holgersson, welches bis heute in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde. Sie erhielt im Laufe der darauffolgenden Jahre nicht nur die Ehrendoktorwürde zweier Universitäten, sondern bekam außerdem im Jahre 1909 als erste Frau den Literaturnobelpreis verliehen. Lagerlöf kaufte vom Preisgeld das veräußerte Heim ihrer Familie zurück – ein kleines persönliches Happy End.

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Titel: Photograph by Atelje Jaeger, Stockholm 1928. (Quelle)
Künstler: Atelje Jaeger

Lagerlöf verband eine tiefe Freundschaft zu Sophie Elkan, ebenfalls eine schwedische Schriftstellerin. Mit ihr und der Studienrätin Valborg Olander bildete Lagerlöf eine brisante Dreiecksbeziehung. In mehreren Briefen sind die Liebesbekundungen und Eifersüchteleien der Frauen zu lesen.

Ebenfalls interessant ist, dass Lagerlöf gebeten wurde, sich um einen Jungen zu kümmern, der zufällig den Namen Nils Holgersson trug. Tatsächlich nahm sie ihn als ihren Pflegesohn auf und versuchte ihn nicht nur literarisch hoch zu bilden. Ihren Bemühungen zum Trotz wurde Nils Holgersson Bauarbeiter und wanderte nach Amerika aus.

Neben ihrem sozialen und politischem Engagement für Frauenrechte und jüdische Flüchtlinge aus Deutschland, schrieb sie noch viele weitere Romane, bevor sie 1940 in ihrem Haus an einem Schlaganfall starb.

(Vgl. Emmridet u.a.: Selma Lagerlöf. https://de.wikipedia.org/wiki/Selma_Lagerl%C3%B6f [Stand: 13.01.2019])

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