Rezension – „Das geheime Liebesleben der Pinguine“ von Lloyd Spencer Davis

Meine lieben Leser,

das ganze Jahr hatte ich auf dieses Buch gewartet und gehibbelt. Ich konnte es praktisch nicht erwarten, wieder Pinguin-Lektüre in den Händen zu halten. Wie mir das Buch schlussendlich gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | Rezensionsexemplar |

Danke, an die Deutsche Verlags-Anstalt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Das geheime Liebesleben der Pinguine – Ein vergessener Polarforscher, ein aufregender Fund und eine erstaunliche Erkenntnis
  • Autor/in: Llyod Spencer Davis
  • Übersetzer/in: Jürgen Neubauer
  • Anzahl der Seiten: 386 Seiten
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
  • Ausgabe: 1. Auflage (2021)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Der Forscher Llyod Spencer Davis nutzt dieses Buch, um seine persönlichen Erfahrungen während der Pinguinforschung zu erläutern. Es ist ein Abriss durch seine eigene Karriere, in der er zunächst vermeintlich neue Entdeckungen zum Liebesleben der Pinguine macht, die sich danach aber als längst bekannt herausstellen. Der Grund: Ein altes Manuskript des Forscher Levick wird entdeckt und veröffentlicht. Besonders interessant ist daran, dass Levick die besonders brisanten Stellen in einer Geheimschrift verfasste.
Spencer Davis‘ Neugier ist geweckt und er begibt sich auf Spurensuche zu diesem Forscher, der sogar der allererste Pinguinforscher der Welt war und den trotzdem niemand so richtig kennt. Zu sehr wird sein Schaffen von dem Heldentum seiner verstorbenen Antarktis-Kollegen überschattet, wie bspw. Scott, die in der Kälte dieses Kontinents im Kampf um das Erreichen des Südpols umkamen. Der Autor möchte hier also Levick ein Denkmal setzen und gleichzeitig auf die erstaunlichen Auswüchse der Sexualität von Pinguinen hinweisen.
In mehreren Kapiteln werden diese Themen angesprochen. Zur Sprache kommen Homosexualität, Scheidung, Untreue, Vergewaltigung und Prostitution.
Der Autor geht außerdem nicht nur auf seine eigene Biografie und die Levicks ein, sondern auch auf die Lebensgeschichten der anderen Antarktisforscher wie Scott, Amundsen u.v.m.

In der Mitte des Buches befindet sich ein umfangreicher Bildtteil, der das Geschriebene ergänzt. Zu sehen sind sowohl Schwarz-Weiß- als auch Farbaufnahmen.

SCHREIBSTIL:

Spencer Davis hat eine sowohl fachlich kompetente als auch humorvolle Art, die Ereignisse im Buch zu beschreiben. An den richtigen Stellen werden die Schilderungen der Antarktisexpeditionen durch Zitate der damaligen Beteiligten ergänzt.
Skurrilen Situationen und den Beschreibungen von Pinguinen haftet dabei immer ein leicht humoristischer Ton an, als würde der Autor mit dem Auge zwinkern oder schelmisch lachen. Es macht durchaus Freude, seinen Ausführungen zu folgen.

Das einzige Manko des Buches, was für mich den Leseeindruck sehr geschmälert hat, war der sehr starke Fokus auf den Expeditionen. Der Titel und auch die Kapitelüberschriften des Buches lassen vermuten, dass das Buch die Pinguine in den Mittelpunkt der Beschreibungen stellen würde. Dies ist nicht der Fall. Gefühlt 20% des Buches sind schätzungsweise den Pinguinen gewidmet, der Rest ist die Beschreibung der neuzeitlichen Recherche nach Levick oder der unterschiedlichen Antarktis- oder Nordpolexpeditionen. Hierbei wird besonders der Wettlauf um das Erreiche des Südpols von Amundsen und Scott ins Auge gefasst. Dazu hatte ich im Vorfeld bereits etwas gelesen, weswegen diese Erzählungen für mich persönlich leider nichts Neues mehr waren. Der Autor legt zudem das Augenmerk auch auf die biografischen Details, die das Liebesleben der historischen Persönlichkeiten betrifft, was ich wiederum sehr charmant fand, um die Brücke zum Buchtitel und den gefiederten Protagonisten zu schlagen.

FAZIT:

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich wahrscheinlich mit falschen oder einfach anderen Erwartungen an das Buch herangegangen bin. Ich hatte Lektüre über Pinguine erwartet, brisante Details über ihr Liebesleben, ein Eintauchen in den antarktischen Alltag dieser wunderbaren Tierchen. Stattdessen waren viele interessante Informationen über Antarktisexpeditionen vorhanden. Leider war ich auf dem Gebiet schon etwas belesen, sodass es für mich oft etwas langweilig war. Für Leser, die hier aber noch keine Vorkenntnisse haben, ist dieses Buch ein wahnsinnig umfassender und guter Überblick über die Expeditionen, gespickt mit allerlei Anekdoten, biografischen Details und kleinen Exkursen in die Welt der Pinguine.

Ein Buch, welches meine Erwartungen leider nicht erfüllen konnte. Für meinen Geschmack war hier zu wenig Pinguin vorhanden. Die sehr detaillierten Informationen über die Antarktisexpeditionen sind für Leser ohne Vorkenntnisse sehr lesenswert, für mich war es leider nicht viel Neues. Lediglich die biografischen Anekdoten über das Liebesleben der historischen Forscher waren für mich neu und erstaunlich. Wer Pinguinlektüre sucht, wird hier wahrscheinlich etwas enttäuscht sein, wer historische Expeditionen und die Antarktis kennenlernen möchte, wird her auf jeden Fall fündig!

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♡
Unterhaltung: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡
Pinguinfaktor: ♥♥♡♡♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,2


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Unverfrorene Freunde“ von Klemens Pütz

Liebe Leser,

dieses Jahr fängt mit mehr Büchern an als gewöhnlich. „Unverforene Freunde“ ist schon das zweite Buch, was ich dieses Jahr beendet habe. Unglaublich. Ich glaube, das ist mir noch nie passiert. 😀
Das Buch ist mir kurz vor Weihnachten im Buchladen ins Auge gefallen. Und auch, wenn man sich vor dem Fest eigentlich keine eigenen Geschenke machen soll … ich musste es einfach haben!
Und so habe ich das Jahr nicht nur untypisch mit einem Roman gestartet (siehe meine letzte Rezension), sondern nun auch noch mit einem Sachbuch. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Unverfrorene Freunde – Mein Leben unter Pinguinen
  • Autor: Klemens Pütz / Dunja Batarilo
  • Anzahl der Seiten: 267 Seiten
  • Verlag: Ullstein Verlag
  • Ausgabe : 1. Auflage (2018)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Von „Unverfrorene Freunde“ habe ich zuerst einmal etwas ganz anderes erwartet, als ich dann letztendlich gelesen habe. Ich habe wahrscheinlich gedacht, dass es hauptsächlich um den Pinguin an sich gehen wird. Dabei hätte mir bei dem Untertitel „Mein Leben unter Pinguinen“ völlig klar sein müssen, dass hier ein Forscher von seinem Berufsleben und seiner Passion berichtet.
Das tut dem Buch aber keinen Abbruch. Pütz behandelt neben Themen wie „Pinguine an Land“, „Pinguine im Wasser“ und der Evolution von Pinguinen auch erstaunlich viel alle gesellschaftlichen Themen, die mit diesen Tieren in Verbindung stehen. Er erläutert die Arbeit seiner Stiftung, den Einfluss des Menschen auf Pinguinpopulationen und politische Verträge und Beschlüsse zum Schutz von Pinguinen und dem Lebensraum Antarktis.
Besonders interessiert haben mich nicht nur die Beschreibungen der Lebensweise der Pinguine, sondern auch die Widerlegung so ziemlich aller Pinguin-Klischees. Laut Pütz sind sie nämlich „weder nett noch niedlich“ und ich muss ihm nach der Lektüre wohl oder übel zumindest teilweise recht geben.
Auch die Erläuterungen zur Antarkis und dem Kontinent Antarktika haben mich in ihren Bann gezogen. So sehr, dass ich mir direkt ein Buch über die Antarktis bestellt habe, auf welches Pütz verweist.
Natürlich sind die Beschreibungen der wissenschaftlichen Forschung mit Fahrtenschreibern und ähnlichem Equipment für mich teilweise etwas langatmig gewesen, allerdings ist es nicht weniger interessant, welche Ergebnisse sie zutage fördern. Pütz stellt ganz eindrucksvoll dar (und das in mehrerlei Hinsicht), dass man als einzelner Mensch auch im kleinen Stil etwas für Umwelt und auch für bedrohte Arten tun kann, die tausende Kilometer entfernt ums Überleben kämpfen.
Zu sagen bleibt, dass im Großteil des Buches die Forschung, also die Arbeit von Klemens Pütz im Vordergrund steht. Wer aber schon immer gern einen Einblick haben wollte, wie ein (oder vielmehr DER) Pinguinforscher arbeitet, was Pinguinarten unterscheidet, wie es um deren Lebensräume steht und dazu noch eine sehr umfangreiche Schilderung von Rahmenbedingungen lesen möchte – der ist hier genau richtig.
Für mich war es zwar anders als erwartet, allerdings hat mich das Buch unheimlich fasziniert und ich bin begeistert, was für die Pinguine dieser Erde bereits alles getan wird. Entschuldigt mich jetzt – ich muss nochmal einen Pinguin bei SANCCOB adoptieren! 😀

SCHREIBSTIL:

Pütz hat eine erfrischenden Schreibstil mit viel Humor, ja man möchte schon fast sagen, dass er Umgangssprache mit Fachtermini mixt. Die Schilderungen sind auch für Laien verständlich und es macht Freude, wenn der Autor die Pinguine in ihrem Verhalten beschreibt. Denn hier spürt man beim Lesen förmlich die Liebe und Verbundenheit, die er zu diesen Vögeln hegt. Von diesen Erläuterungen des Pinguin-Verhaltens hätte es nach meinem Geschmack noch viel mehr geben können. Allerdings zurecht betont Pütz immer wieder, dass das den Rahmen eines Buches sprengen würde. Eventuell wäre das ja eine Idee für ein weiteres Buch? 😉

FAZIT:

Klemens Pütz hat es geschafft, ein Sachbuch zu schreiben, welches sich gar nicht wie ein Sachbuch liest. Die geringe Seitenanzahl sollte hier nicht über den hochwertigen Inhalt hinwegtäuschen. Immerhin erhält man hier Informationen rund um Pinguine aus erster Hand. Besonders hat mich begeistert, dass Pütz die Pinguine eben nicht in gängiger Manier vermenschlicht hat, sondern ehrlich über diese wunderbaren Tiere und die aktuellen Zustände berichtet hat. Außerdem bietet er Einblicke in Umweltthemen und die Politik, die eng mit diesen Tieren und deren Habitaten zusammenhängen. Einziges Manko war für mich, dass sich an einigen Stellen Wiederholungen einschlichen und einige fachmännische Schilderungen etwas langatmig daherkamen. Man darf an dieser Stelle aber nicht vergessen, dass es nunmal ein Sachbuch ist. Ich bin auf jeden Fall begeistert!

Ein Buch, welches nicht nur interessant ist und sich mit Pinguinen und aktuellen Umweltthemen beschäftigt, sondern auch mit allen Pinguin-Klischees dieser Welt aufräumt. Ehrlich, teilweise schockierend und mit erfrischend viel Humor geschrieben. Für jeden Pinguinliebhaber und Sachbuchinteressierten UNBEDINGT zu empfehlen.

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI