Rezension – „Roboterland – Wie wir morgen lieben, leben, essen und sterben werden“ von Jenny Kleeman

Meine lieben Leser,

es ist unglaublich, wie schnell sich unsere Welt in den letzten Jahren entwickelt hat – vor allem die Technik. Mich fasziniert das, allerdings bin ich auch der Meinung, dass nicht alle Entwicklungen nur positiv sind. Als „Roboterland – Wie wir morgen lieben, leben, essen und sterben werden“ von Jenny Kleeman meinen Weg kreuzte, war klar, dass ich es unbedingt lesen muss. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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Danke, an den Goldmann Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Roboterland – Wie wir morgen lieben, leben, essen und und sterben werden
  • Autor/in: Jenny Kleeman
  • Übersetzer/in: Petra Pyka
  • Anzahl der Seiten: 412 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Mai 2021)
  • Genre: Sachbuch, Reportage

INHALT:

„Wir können entscheiden, ob wir uns mit den Unzulänglichkeiten unserer Existenz abfinden oder weiter versuchen, sie durch Technik auszumerzen.“

– „Roboterland – Wie wir morgen lieben, leben, essen und sterben werden“ von Jenny Kleeman, S. 402 –

Der Titel verrät schon, dass dieses Buch sich um das Lieben, Leben, Esse und Sterben unserer Zukunft dreht. Ich hatte zuerst die Erwartung, dass das Buch sich sehr allgemein als Überblick mit der Zukunft und den Erfindungen beschäftigt, die uns vielleicht erwarten könnten. Tatsächlich fokussiert sich die Autorin jedoch auf vier spezielle Erfindungen: Intelligente Sexpuppen, Kulturfleisch, Baby-Beutel und Maschinen für den selbstbestimmten Tod.
Diesen Erfindungen wird je ein ganzer Abschnitt mit mehreren Kapiteln gewidmet. Zu Anfang wird meist der Status Quo erläutert und auf bisherige Erfindungen, Studien und die Rahmendaten eingegangen. Danach folgen mehrere Kapitel zu besagter Erfindung in Form von verschiedenen Interviews. Es werden nicht nur die Erfinder interviewt, sondern auch Nutzer, Kritiker und Unterstützer sowie Wissenschaftler. Am Ende jedes Kapitels kann sich der Leser also aufgrund der Bandbreite an Informationen und Meinungen selbst ein Bild machen und entscheiden, wo er sich einordnet. Außerdem folgt am Ende jedes Abschnitts ein kleiner Ausblick in die Zukunft, falls diese Erfindungen tatsächlich auf den Markt kommen sollten.
Die Themen sind kontrovers, meistens nicht klar zu umreißen, da viele Punkte Einfluss nehmen. Dennoch schafft es die Autorin, alles auf den Punkt zu bringen, sodass der Leser nie die Orientierung verliert.

SCHREIBSTIL:

Am Anfang, gerade im Kapitel über die Sexpuppen, die eine Persönlichkeit bekommen sollen, war mir die Autorin erstmal nicht so sympathisch. Viel zu oft stellte sie sehr kritische Fragen und kam mir zu engstirnig vor. Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht wirklich sachlich an das Thema herangeht und somit auch die Meinung leicht zu beeinflussender Leser mehr oder minder in eine vorgegebene Richtung treibt. Ich wünschte mir zu diesem Zeitpunkt einen neutraleren Standpunkt der Journalistin, um mir selbst ein adäquates Bild machen zu können.
Das besserte sich massiv mit Fortschreiten des Buchs. Praktisch von Kapitel zu Kapitel und mit jedem Abschnitt wurden die Darstellungen professioneller und angemessener. Natürlich sind kritisches Hinterfragen und eine umfassende Beleuchtung in Journalismus und gerade bei Sachbüchern erwünscht, jedoch ist es auch wichtig, dass diese zum Nachdenken anregen und der Leser nicht einfach nur eine vorgefertigte Meinung übernimmt. Ich bin froh, dass die Autorin hier nochmal einen Wandel im Schreibstil hatte.
Das Buch ist ansonsten natürlich sehr fachlich, allerdings auch sehr spannend und einprägsam, teilweise erschreckend. Die Fülle der Informationen war sehr dicht und so konnte ich es nicht am Stück lesen, musste einige Stellen immer wieder mal setzen und nachhallen lassen. Doch genau das ist ein Merkmal für ein gutes Sachbuch, wie ich finde.

FAZIT:

„Des einen Dystopie ist des anderen glänzende Zukunft.“

– „Roboterland – Wie wir morgen lieben, leben, essen und sterben werden“ von Jenny Kleeman, S. 402 –

Das Buch hat mich fasziniert, erschreckt, teilweise geekelt und nachhaltig zum Nachdenken gebracht. Genau so wünsche ich mir ein Sachbuch. Nichtsdestotrotz war es eine recht schwere Lektüre, weil die Informationsfülle ihre Zeit brauchte. Oftmals entsteht bei den genannten Themen eine Diskrepanz zwischen Innovation und Ethik. Jeder muss hier für sich selbst definieren, wie viel Menschlichkeit er aufgeben möchte, um das Leben zu vereinfachen. Wie die Autorin mehrmals betont, wird der Wandel kaum aufzuhalten sein – jedoch sollten wir uns bewusst sein, dass unsere Art und Weise, wie wir die Erfindungen nutzen, dazu beitragen wird, ob sie uns zum Guten oder Schlechten gereichen.

Ein Buch, welches die technische Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten thematisiert und vier ausgewählte Erfindungen vorstellt. Dadurch werden vier kontroverse Themenkomplexe in den Mittelpunkt gestellt und diskutiert, wobei der Leser am Ende selbst entscheidet, wie er dazu steht. Beeindruckend, erschreckend, futuristisch – ein wichtiges Werk, das nachhaltig zum Nachdenken anregt.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♥
Unterhaltung: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,2


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Novozän – Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz“ von James Lovelock

Meine lieben Leser,

ich muss euch noch eine Rezension nachliefern. Leider war ich krank, als ich das Buch beendet habe und die letzten Wochen waren so turbulent, dass ich einfach nicht zum Schreiben kam. Also versüße ich euch jetzt die abgesagte Buchmessewoche. 🙂

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Novozän – Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz
  • Autor: James Lovelock
  • Anzahl der Seiten: 158 Seiten
  • Verlag: C. H. Beck Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Ein kurzweiliges Buch war „Novozän – Das kommende Zeitalter der Hyperintelligenz“ von James Lovelock. Wem der Name des Autors nichts sagt, sollte schnell sein Allgemeinwissen aufpolieren – er ist einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler und Erfinder unserer Zeit. Er revolutionierte unser ökologisches Weltbild, seine Erfindungen stehen auf dem Mars oder sind patentiert (mehr als 50 davon). Mit seinen mittlerweile 100 Jahren hat er uns nun diese 158 Seiten Zukunftsmusik und damit vielleicht sein letztes Werk überlassen.

„Die Hoffnung, irgendeine winzige Oase auf dem Mars zu finden, rechtfertigt eigentlich nicht die enormen Ausgaben, vor allem dann nicht, wenn Forschung, die nur einen Bruchteil (…) kostet, entscheidende Daten über die Erde liefern könnte.“

– „Novozän“ von James Lovelock, S. 24 –

Auch für naturwissenschaftliche Laien ist Lovelocks Buch erstaunlich gut und verständlich zu lesen. Er skizziert zuerst unsere derzeitige Welt und wie diese funktioniert, um dann einen Rückblick in unser Zeitalter des Anthropozän zu geben. Dabei wird auf den Beginn dieses Zeitalters genau so eingegangen, wie dessen Ende. Und was wir einsehen müssen – das Ende haben wir vielleicht gar nicht mitbekommen. Laut Lovelock sind wir im Umbruch zu einem neuen Erdenzeitalter – dem Novozän – oder haben es vielleicht sogar schon erreicht, ohne es zu realisieren. Was dieses neue Zeitalter für Herausforderungen und Chancen mit sich bringt, wie eine Hyperintelligenz in Form von elektronischem Leben uns helfen kann, unsere Erde zu retten und was das alles so gar nicht mit den Hollywood-Streifen wie „I Robot“ gemeinsam hat, erläutert Lovelock in diesem Weltenentwurf auf beeindruckende und manchmal erschreckende Weise.

Er betont selbst, dass es normal ist, Angst vor einem neuen Zeitalter zu haben. Um seine abschließende Botschaft zu zitieren: „So sind wir dennoch, wer wir sind.“

„Die menschliche Zivilisation hat keinen guten Weg eingeschlagen, als sie begann, die Intuition abzuwerten. Ohne sie sterben wir.“

– „Novozän“ von James Lovelock, S. 36 –

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist auch für Laien sehr gut verständlich, obwohl wissenschaftliche Themen besprochen werden. Ich war erstaunt, wie viel Inhalt in den 158 Seiten gesteckt haben. Da habe ich schon 200-Seiter gelesen, die weniger Substanz hatten.
Aufgeteilt wurde das Buch in drei Teile mit jeweils mehreren Kapiteln. Mir persönlich ist die Aufteilung gar nicht so präsent geworden, ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Ich hätte mir an der ein oder anderen Stelle gewünscht, dass Lovelock noch mehr ins Detail geht und seine Gedankengänge ein bisschen mehr ausbaut. Nichtsdestotrotz war das Buch einfach sehr gut und schnell wegzulesen.

FAZIT:

„Ich war einmal dumm genug zu glauben, dass das winzige Gehirn der Biene nie irgendetwas leisten könnte, das mit der sozialen Intelligenz des Menschen vergleichbar wäre. Aber ich fand (…) heraus, dass Bienen eine relativ komplexe Sprache haben und durch Tanzen kommunizieren. Und was höchst außergewöhnlich ist: Man konnte beobachten, dass Hummeln Fußball spielen.“

– „Novozän“ von James Lovelock, S. 71 –

Das Sachbuch von Lovelock kann mit Vermutungen, die von glaubhaften Argumenten untermauert werden überzeugen. Selten habe ich so viele Zitate in einem Buch markiert. Die Annahmen des Wissenschaftlers haben mich einfach unglaublich fasziniert und begeistert. Es wird sicherlich nicht das letzte Buch sein, welches ich von ihm gelesen habe.

Ein interessanter Weltenentwurf der Zukunft, der zum Nachdenken anregt und auch erschrecken kann. Überlegungen eines Wissenschaftlers zu einem neuen Zeitalter, in dessen Anbruch wir uns vielleicht schon befinden. Eine klare Leseempfehlung!

BEWERTUNG: ❤❤❤❤♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI