Rezension – „Die letzte Astronautin“ von David Wellington

Meine lieben Leser,

das nächste Bingo-Buch war „Die letzte Astronautin“ von David Wellington. Der Klappentext und das Cover hatten mich total geflasht und ich war so heiß auf dieses Buch, dass ich es direkt zu Erscheinen gekauft habe. Leider ist es dann erstmal aufgrund anderer Projekte auf dem SuB gelandet. Im Folgenden lest ihr, wie es mir nun gefallen hat.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die letzte Astronautin – Wir dachten, wir würden sie nicht länger brauchen, wir haben uns geirrt
  • Autor/in: David Wellington
  • Übersetzer/in: Simon Weinert
  • Anzahl der Seiten: 480 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Science-Fiction, Horror

INHALT:

Sally Jansen ist die letzte Astronautin der Erde. Zumindest die letzte, die noch als Astronautin ausgebildet wurde. Nach einem Vorfall auf der Mars-Mission wurde sie zur Geächteten und das Raumfahrt-Programm eingestellt.
Doch nun stehen die Wissenschaftler, die Regierung, ja die ganze Welt vor einer nie da gewesenen Herausforderung. Ein außerirdisches Raumschiff steuert auf die Erde zu. Niemand weiß, mit welcher Intention es auf dem Weg zur Erde ist.
Die NASA will dem Objekt eine Besatzung entgegen schicken, um die Kommunikation zu suchen. Sie haben nur ein Problem – sie brauchen die über 50-Jährige Sally Jansen für die Mission und die Ausbildung der anderen Crew-Mitglieder.

Das Buch dreht sich anschließend natürlich hauptsächlich um die Weltraum-Mission. Es wird die Reise zum unbekannten Objekt beschrieben, aber viel länger verbringt der Leser die Zeit mit den Crew-Mitgliedern innerhalb des außerirdischen Raumschiffes und begegnet dort allerlei Merkwürdigkeiten und vor allem sehr viel Dunkelheit.
Ihr Leben ist in Gefahr, doch das realisieren sie viel zu spät. Ein Wettlauf gegen die Zeit und beginnt, der droht, ihr gesamtes Verständnis und Wissen auf den Kopf zu stellen.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil – ohja – der hat mich direkt zum Anfang des Buches erstmal sehr daran zweifeln lassen, ob ich das Buch beenden werde. Ich wurde ziemlich auf die Probe gestellt, denn zugegebenermaßen habe ich noch kein anderes Buch in einem ähnlichen Stil gelesen.
Die Geschichte bedient sich des Perspektivwechsels, der ja mittlerweile ein sehr bekanntes Mittel ist, um verschiedene Einsichten in das Geschehen zu ermöglichen. Allerdings wurden die Perspektiven nicht kapitelweise durchgeführt, sondern absatzweise. Noch schwieriger war der Umstand für mich dadurch, dass die Perspektiven nicht gekennzeichnet wurden und ich so niemals wusste, wer gerade spricht. Das hat gerade zum Anfang der Geschichte bei mir für einiges an Verwirrung gesorgt, weil man praktisch mitten ins kalte Wasser geworfen wird und gar keine Orientierungshilfe bekommt. Die vielen unterschiedlichen Charaktere machen es nicht unbedingt einfacher, sich ein Bild von der Ausgangssituation zu verschaffen.
Da wären wir bei einem weiteren Punkt, der mir etwas zu schaffen machte. Die Geschichte wird aus den Perspektiven aller Crew-Mitglieder und auch einer Menschen, die auf der Erde blieben, erzählt. Der Redeanteil hält sich hier fast die Waage, sodass nicht wie erwartet der Fokus auf Sally, der letzten Astronautin liegt. Ganz im Gegenteil verlor ich als Leser den Bezug zu Sally als vermeintlicher Hauptperson und konnte mich bis zuletzt kaum mit ihr identifizieren. Generell führte der ständige Perspektivwechsel zu einer unglaublichen Distanzierung von mir als Leser zu allen Personen und Geschehnissen. Unterstützt wurde dies dann auch noch durch den generell sehr trockenen, emotionsarmen Schreibstil des Autors, der nicht nur an Dialogen, sondern auch öfter an Tiefgründigkeit gespart hat.
Ich hatte mir da von dem Buch etwas ganz anderes erhofft und finde es wirklich sehr schade, dass ich zu Sally so wenig Verbindung aufbauen konnte.
Nichtsdestotrotz war der Handlungsstrang interessant und spannend, sodass ich motiviert war, herauszufinden, was eigentlich hinter all den Fragen steckt, die aufgeworfen wurden. Die größte Wendung um das Raumschiff hat mich dann auch wirklich beeindruckt, weil es für mich eine doch ganz andere Idee war, als man bisher in Sci-Fi-Romanen gelesen hat. Diese innovative Idee hatte unheimlich viel Potenzial, hat zum Ende hin allerdings an Magie und Strahlkraft verloren. Das passierte vor allem auch durch die vielen Längen, die sich immer wieder einschlichen. Aus meiner Sicht war der Spannungsbogen nicht groß, sondern es waren eher viele kleine Erhebungen, die durch direkt nachfolgende Längen ihre Wirkung nicht entfalten konnten.

FAZIT:

Das Cover, der Titel und der Klappentext haben aus meiner Sicht völlig andere Erwartungen geweckt, als das Buch sie erfüllen könnte. Sally Jansen steht nicht im Mittelpunkt und die Geschichte ist nicht so spannend konzipiert, wie ursprünglich gedacht. Zusätzlich wurde die Story immer wieder mit Grusel- bzw. Horror-Elementen ausgestattet, die für mich weder gruselig, noch ein Mehrwert waren.
Die Grundidee und vor allem die Wendung bezüglich des Alien-Raumschiffes hat mir unglaublich gut gefallen und war sehr innovativ. Das Potenzial wurde zum Ende leider nicht ausgeschöpft. Alles in allem war die Geschichte interessant, aber ich fand es teilweise sehr anstrengend zu lesen, weil viele unnötige Längen vorhanden waren.

Eine spannende Grundidee, leider mit vielen Längen. Horror-Elemente waren für mich zu gewollt platziert, der Perspektivwechsel unübersichtlich und inflationär gebraucht. An sich ein nettes Buch, ich fand es aber auch anstrengend beim Lesen. Meine Erwartungen wurden leider enttäuscht.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♡♡
Emotionen: ♥♥♡♡♡
Science-Fiction: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♡♡♡

Gesamtwertung = 2,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber

Meine lieben Leser,

letztes Jahr hatte ich das Leseziel, auch mal außerhalb meines liebsten Genres „Fantasy“ zu lesen und ich muss zugeben, dass ich daran Gefallen gefunden habe. Denn schon früher habe ich gern mal zu einem Klassiker und Sachbuch gegriffen, aber zwischendurch ging mir das etwas verloren. Dieses Jahr führe ich dieses Vorhaben aber weiter und damit wären wir schon bei meiner aktuellen Lektüre. „Lass die Kindheit hinter dir“ habe ich mal als Empfehlung in irgendeiner Zeitschrift gesehen. Ich fand, es klang recht interessant und wie jeder von uns, schleppe auch ich meinen ganz persönlichen Ballast mit mir herum.
Die Autorin ist bekannt für ihre Kolumnen in der „Psychologie heute“ und arbeitet als Diplompsychologin. Ich war sehr gespannt, was das Buch mir über mich und meine Kindheit beibringen würde und war ehrlich gesagt auch oft sehr überrascht. Meinen Eindruck möchte ich daher wie immer gern mit euch teilen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Lass die Kindheit hinter dir – Das Leben endlich selbst gestalten
  • Autor: Ursula Nuber
  • Anzahl der Seiten: 317 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag
  • Ausgabe: Überarbeitete Neuauflage (Oktober 2019)
  • Genre: Ratgeber, Sachbuch, Psychologie

INHALT:

„Alles, was uns in unserer Lebensgeschichte widerfährt, schlägt sich in unserer Seele nieder, je nachdem, wie wir es verarbeiten. Und was sich innerlich niedergeschlagen hat, ist allzeit bereit, wieder geweckt zu werden.“

Friedemann Schulz von Thun in „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber, S. 103

In dem Buch von Ursula Nuber wird auf gar nicht mal so kurzen 317 Seiten ausführlich auf den Zusammenhang zwischen unserer Kindheit, daraus entstehenden Glaubenssätzen und der Auswirkung auf unser Verhalten und unsere Persönlichkeit im Erwachsenenalter eingegangen.
Dabei wird zunächst erläutert, warum wir individuell so sind, wie wir sind. Hier wird jedoch nicht einfach nur behauptet, dass die Kindheit uns zu einem festgeschriebenen Schicksal prägt – frei nach dem Motto: „Ich hatte eine schlechte Kindheit, also kann aus mir nichts werden.“ – Nein, vielmehr wird hier aufgezeigt, dass wir eben keine Marionetten der Vergangenheit sind und durchaus unseren eigenen selbstbestimmten Weg gehen können. Dazu braucht es aber viel Geduld und vor allem eine gehörige Portion Selbsterkenntnis und Mut.
Nuber beginnt damit, die Schlaglöcher aufzuzeigen, in die wir auf der Straße unserer Kindheit fallen können und die uns nachhaltig im Erwachsenenalter in Form von Glaubenssätzen zum Verhängnis werden können. Außerdem stellt sie dar, was die frühen, grundlegenden Bedürfnisse eines Kindes sind – und da reden wir hier natürlich nicht nur von Essen und ausreichende Schlaf, sondern vor allem von der emotionalen Ebene.
Auf Basis unserer ganz persönlichen Kindheitserfahrungen bildet sich letztlich unsere Persönlichkeit, die aufgrund dieser Erfahrungen aber auch unser wahres Selbst verbergen kann. Dieses zu entdecken, ist eine weitere Aufgabe, die bewältigt werden will.
Besonders interessant war nicht nur, zu erfahren, wie durch alte Wunden, Stress und Wiederholungszwänge die festgefahrenen Glaubenssätze aktiviert werden, sondern auch, wie alternative Erfahrungen unsere Seele schützen und sie sogar umprogrammieren können.
Gekonnt zeigt die Autorin auf, wie man lernt, mit den Schatten der Kindheit zu leben und selbst die Regie unserer eigenen Geschichte zu übernehmen. Abschließend gibt sie Anleitungen für die Entmachtung der Botschaften aus der Vergangenheit, wie wir unser inneres Kind beruhigen können, wie man vergibt und was im speziellen Fall passiert, wenn die eigenen Eltern im Alter Unterstützung brauchen.
Die Liste des von ihr sogenannten 8-Punkte-Programms am Ende fasst die wichtigsten Schritte noch einmal zusammen.

Zugegeben enthält dieses Werk viele bekannte Fakten und Methoden, wenn man selbst aus dem Bereich kommt, allerdings auch genügend Informationen, die ich so noch nicht wusste.

SCHREIBSTIL:

„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“

Søren Kierkegaard in „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber, S. 49

Ursula Nuber schreibt über dieses doch sehr tiefgehende, psychologische Thema so verständlich, dass auch Laien locker einen Zugang zu den Problematiken bekommen.
Nuber beschäftigt sich in einem Detailgrad mit diesem Thema, dass es durchaus Sinn macht, sich Notizen zu seiner eigenen Geschichte zu machen, um nebenbei direkt eine kleine Analyse anzufertigen. Selbst für Fachkundige kann sich ein Blick in dieses Buch lohnen, da eine Reflektion seiner Selbst immer bezahlt macht.
Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die vielen Dopplungen – die Autorin wiederholt einige Aussagen wirklich sehr oft, was ich schade finde. Ich denke, da hätte man das Buch auch noch etwas knackiger machen können. Auch die prominenten Beispiele hätten für mich nicht unbedingt im Buch stehen müssen, weil ich dazu viel weniger Bezug hatte als zu den Einschüben, in denen echte Beispiele aus dem „normalen“ Leben erzählt wurden.
Zusammenfassend muss man aber sagen, dass die Autorin es geschafft hat, ein recht komplexes Thema, verständlich aufzubereiten. Sie bleibt dabei realistisch und hat an passenden Stellen gut recherchierte Studien und Verweise zu anderen Psychologen und Autoren eingeflochten.

FAZIT:

„Wenn wir die Art und Weise verändern, wie wir die Dinge betrachten, werden sich die Dinge, die wir betrachten, verändern.“ Wayne Dyer

Auszug aus dem Abschnitt „Abstand halten“ in „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber, S. 211

Alles in allem bin ich nach der Lektüre sehr zufrieden. Für mich persönlich passt es gerade zu der ganzheitlichen Osteopathie, die ich gerade bekomme, sodass ich das Buch genau zur richtigen Zeit zur Hand genommen habe. Ich habe mir viele Notizen gemacht und hatte einige Aha-Momente, was ich von so einem Buch auch erwarte. Letztlich war es nicht nur informativ, sondern auch sehr interessant und spannend.
Besonders beeindruckt hat mich das Kapitel über das Körpergedächtnis und die unmittelbare Wirkung unserer Kindheitserfahrungen und unserer Psyche auf das Immunsystem und Erkrankungen wie bspw. Allergien. Dazu hätte ich gerade mit meinen Intoleranzen gern noch mehr gelesen, aber das hätte natürlich zu weit geführt, weswegen ich es toll finde, dass es wenigstens im Zusammenhang erwähnt wurde. Dazu werde ich sicherlich mal recherchieren und noch mehr lesen.

Ein leicht verständlicher und wahnsinnig interessanter Ratgeber, der mit gut recherchierten Informationen und Lösungsansätzen punkten kann. Für jeden zu empfehlen, der sich für Psychologie und/oder das eigene innere Kind interessiert – und sich endlich bewusst damit auseinandersetzen möchte.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI