Rezension – „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber

Meine lieben Leser,

letztes Jahr hatte ich das Leseziel, auch mal außerhalb meines liebsten Genres „Fantasy“ zu lesen und ich muss zugeben, dass ich daran Gefallen gefunden habe. Denn schon früher habe ich gern mal zu einem Klassiker und Sachbuch gegriffen, aber zwischendurch ging mir das etwas verloren. Dieses Jahr führe ich dieses Vorhaben aber weiter und damit wären wir schon bei meiner aktuellen Lektüre. „Lass die Kindheit hinter dir“ habe ich mal als Empfehlung in irgendeiner Zeitschrift gesehen. Ich fand, es klang recht interessant und wie jeder von uns, schleppe auch ich meinen ganz persönlichen Ballast mit mir herum.
Die Autorin ist bekannt für ihre Kolumnen in der „Psychologie heute“ und arbeitet als Diplompsychologin. Ich war sehr gespannt, was das Buch mir über mich und meine Kindheit beibringen würde und war ehrlich gesagt auch oft sehr überrascht. Meinen Eindruck möchte ich daher wie immer gern mit euch teilen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Lass die Kindheit hinter dir – Das Leben endlich selbst gestalten
  • Autor: Ursula Nuber
  • Anzahl der Seiten: 317 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag
  • Ausgabe: Überarbeitete Neuauflage (Oktober 2019)
  • Genre: Ratgeber, Sachbuch, Psychologie

INHALT:

„Alles, was uns in unserer Lebensgeschichte widerfährt, schlägt sich in unserer Seele nieder, je nachdem, wie wir es verarbeiten. Und was sich innerlich niedergeschlagen hat, ist allzeit bereit, wieder geweckt zu werden.“

Friedemann Schulz von Thun in „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber, S. 103

In dem Buch von Ursula Nuber wird auf gar nicht mal so kurzen 317 Seiten ausführlich auf den Zusammenhang zwischen unserer Kindheit, daraus entstehenden Glaubenssätzen und der Auswirkung auf unser Verhalten und unsere Persönlichkeit im Erwachsenenalter eingegangen.
Dabei wird zunächst erläutert, warum wir individuell so sind, wie wir sind. Hier wird jedoch nicht einfach nur behauptet, dass die Kindheit uns zu einem festgeschriebenen Schicksal prägt – frei nach dem Motto: „Ich hatte eine schlechte Kindheit, also kann aus mir nichts werden.“ – Nein, vielmehr wird hier aufgezeigt, dass wir eben keine Marionetten der Vergangenheit sind und durchaus unseren eigenen selbstbestimmten Weg gehen können. Dazu braucht es aber viel Geduld und vor allem eine gehörige Portion Selbsterkenntnis und Mut.
Nuber beginnt damit, die Schlaglöcher aufzuzeigen, in die wir auf der Straße unserer Kindheit fallen können und die uns nachhaltig im Erwachsenenalter in Form von Glaubenssätzen zum Verhängnis werden können. Außerdem stellt sie dar, was die frühen, grundlegenden Bedürfnisse eines Kindes sind – und da reden wir hier natürlich nicht nur von Essen und ausreichende Schlaf, sondern vor allem von der emotionalen Ebene.
Auf Basis unserer ganz persönlichen Kindheitserfahrungen bildet sich letztlich unsere Persönlichkeit, die aufgrund dieser Erfahrungen aber auch unser wahres Selbst verbergen kann. Dieses zu entdecken, ist eine weitere Aufgabe, die bewältigt werden will.
Besonders interessant war nicht nur, zu erfahren, wie durch alte Wunden, Stress und Wiederholungszwänge die festgefahrenen Glaubenssätze aktiviert werden, sondern auch, wie alternative Erfahrungen unsere Seele schützen und sie sogar umprogrammieren können.
Gekonnt zeigt die Autorin auf, wie man lernt, mit den Schatten der Kindheit zu leben und selbst die Regie unserer eigenen Geschichte zu übernehmen. Abschließend gibt sie Anleitungen für die Entmachtung der Botschaften aus der Vergangenheit, wie wir unser inneres Kind beruhigen können, wie man vergibt und was im speziellen Fall passiert, wenn die eigenen Eltern im Alter Unterstützung brauchen.
Die Liste des von ihr sogenannten 8-Punkte-Programms am Ende fasst die wichtigsten Schritte noch einmal zusammen.

Zugegeben enthält dieses Werk viele bekannte Fakten und Methoden, wenn man selbst aus dem Bereich kommt, allerdings auch genügend Informationen, die ich so noch nicht wusste.

SCHREIBSTIL:

„Leben lässt sich nur rückwärts verstehen, muss aber vorwärts gelebt werden.“

Søren Kierkegaard in „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber, S. 49

Ursula Nuber schreibt über dieses doch sehr tiefgehende, psychologische Thema so verständlich, dass auch Laien locker einen Zugang zu den Problematiken bekommen.
Nuber beschäftigt sich in einem Detailgrad mit diesem Thema, dass es durchaus Sinn macht, sich Notizen zu seiner eigenen Geschichte zu machen, um nebenbei direkt eine kleine Analyse anzufertigen. Selbst für Fachkundige kann sich ein Blick in dieses Buch lohnen, da eine Reflektion seiner Selbst immer bezahlt macht.
Was mir nicht so gut gefallen hat, waren die vielen Dopplungen – die Autorin wiederholt einige Aussagen wirklich sehr oft, was ich schade finde. Ich denke, da hätte man das Buch auch noch etwas knackiger machen können. Auch die prominenten Beispiele hätten für mich nicht unbedingt im Buch stehen müssen, weil ich dazu viel weniger Bezug hatte als zu den Einschüben, in denen echte Beispiele aus dem „normalen“ Leben erzählt wurden.
Zusammenfassend muss man aber sagen, dass die Autorin es geschafft hat, ein recht komplexes Thema, verständlich aufzubereiten. Sie bleibt dabei realistisch und hat an passenden Stellen gut recherchierte Studien und Verweise zu anderen Psychologen und Autoren eingeflochten.

FAZIT:

„Wenn wir die Art und Weise verändern, wie wir die Dinge betrachten, werden sich die Dinge, die wir betrachten, verändern.“ Wayne Dyer

Auszug aus dem Abschnitt „Abstand halten“ in „Lass die Kindheit hinter dir“ von Ursula Nuber, S. 211

Alles in allem bin ich nach der Lektüre sehr zufrieden. Für mich persönlich passt es gerade zu der ganzheitlichen Osteopathie, die ich gerade bekomme, sodass ich das Buch genau zur richtigen Zeit zur Hand genommen habe. Ich habe mir viele Notizen gemacht und hatte einige Aha-Momente, was ich von so einem Buch auch erwarte. Letztlich war es nicht nur informativ, sondern auch sehr interessant und spannend.
Besonders beeindruckt hat mich das Kapitel über das Körpergedächtnis und die unmittelbare Wirkung unserer Kindheitserfahrungen und unserer Psyche auf das Immunsystem und Erkrankungen wie bspw. Allergien. Dazu hätte ich gerade mit meinen Intoleranzen gern noch mehr gelesen, aber das hätte natürlich zu weit geführt, weswegen ich es toll finde, dass es wenigstens im Zusammenhang erwähnt wurde. Dazu werde ich sicherlich mal recherchieren und noch mehr lesen.

Ein leicht verständlicher und wahnsinnig interessanter Ratgeber, der mit gut recherchierten Informationen und Lösungsansätzen punkten kann. Für jeden zu empfehlen, der sich für Psychologie und/oder das eigene innere Kind interessiert – und sich endlich bewusst damit auseinandersetzen möchte.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

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