Rezension – „Die Einsame im Meer“ von Serena Valentino

Liebe Leser,

bereits vor einiger Zeit hatte ich aus der Disney-Villians-Reihe die deutschen Übersetzungen „Das Biest in ihm“ und „Die Schönste im ganzen Land“ gelesen.
Nach der großen Enttäuschung der Geschichte um das Biest, konnte mich die Vorgeschichte der bösen Königin überzeugen. Das machte mir Hoffnung für den frisch erschienenen Band „Die Einsame im Meer“, denn dort soll die Vorgeschichte von Ursula der Meerhexe aus dem Disney-Film „Arielle die kleine Meerjungfrau“ erzählt werden.
Ob mich das Buch genau so begeistern konnte wie die böse Königin oder genau so enttäuschte wie das Biest, das möchte ich euch nun näher erläutern.

 

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Einsame im Meer
  • Autor: Serena Valentino / Disney
  • Anzahl der Seiten: 194 Seiten
  • Verlag: Carlsen Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Disney, Jugendbuch, Fantasy, Märchen

Inhalt:

Der Klappentext verspricht, dass dieses Buch die Vorgeschichte von Ursula erzählt und verspricht (wie bei den Büchern zuvor auch) einen spannenden, psychologisch einfühlsamen Roman.
Das Buch widmet sich leider nur in etwa 10% der tatsächlichen Vorgeschichte. Diese wird von Ursula selbst nur sehr oberflächlich in einem Dialog erzählt. Ansonsten behandelt diese Geschichte ebenfalls oberflächliche Einblicke in den Film „Arielle – Die kleine Meerjungfrau“, wobei Textpassagen aus dem Film auftauchen, die im Wortlaut jedoch geändert wurden. Warum das gemacht wurde, bleibt mir genau wie bei der Geschichte um das Biest ein Rätsel. In ihrem berühmten Lied „Arme Seelen in Not“ wurde beispielsweise folgender Satz gesungen: „Beluga, Selfruga, kommt Winde vom kaspischen Meer.“. Im Buch lautet der Satz dann: „Beluga, Selfruga, die Winde der Wolga sind hier.“ Vielleicht bin ich zu detailverliebt – aber wenn man schon Szenen aus dem Film exakt nacherzählt, sollte meiner Meinung nach nicht das Original verändert werden.
Der Rest der Geschichte handelt von Tulip, einer Prinzessin, die im Disney-Universum nie erwähnt wurde. Sie ist eine der Prinzessinnen, die das Biest bzw. Prinz Adam angehimmelt hatten und die er abwies. Dadurch stürzte sie sich in den Tod und wurde von Ursula wiederbelebt. Warum die Geschichte um Tulip dermaßen aufgebauscht wurde und der echten Vorgeschichte den Platz gestohlen hat, kann ich mir nicht erklären. Das wollte ich jedenfalls nicht in diesem Buch lesen. Zudem treten die drei Hexen aus den anderen beiden Büchern wieder auf und bekommen ebenfalls ungerechtfertigt viel Anteil an der gesamten Geschichte. Bei den vorangegangenen Teilen war es für mich ebenfalls nicht sehr authentisch, dass die Hexen so viel Einfluss auf jede Disney-Geschichte gehabt haben sollen. Hier allerdings wird die Geschichte um Tulip und die drei Hexen der Geschichte von Ursula vorangestellt.
Leider lässt mir das bisschen Geschichte um Ursula auch wieder viele Fragen offen. Es wird beschrieben, dass sie schwarze Nebelschwaden kontrollieren könnte, die alles zerstören können. Da frage ich mich doch, warum sie nach Tritons Macht strebt – denn diese Macht kontrolliert ja schon Nebel – ein Wetterphänomen. Diese „Magie“ war für mich nicht schlüssig.
Was ich auch nicht abgekauft habe, war die Freundschaft zwischen Ursula und den drei Schwestern. Alle dieser vier Hexen werden als erbarmungslos brutal beschrieben – für mich undenkbar, dass sie wirklich ein echtes Gefühl von Freundschaft empfinden können. Generell werden die sonst so brutalen Schwestern in diesem Band erstaunlich harmlos dargestellt. Dass sie sogar das Ende von Ursula herbeigeführt haben sollen, war für mich wie in den letzten Bänden wieder an den Haaren herbeigezogen.
Leider werden auch dieses Mal in der Geschichte unwichtige Details genannt, die dann keine Bewandtnis mehr haben und an anderer Stelle fehlt es an Tiefe. Auch hier muss ich leider sagen – wie soll man auch auf 194 einen psychologisch einfühlsamen Roman schreiben? Für mich war auch die neue Wesensdarstellung von Triton nicht wirklich nachvollziehbar. Er soll neuerdings total besessen von Schönheit sein und Ursula nur aus diesem Grund nicht geduldet haben. Es wurden keine Motive genannt, die mir das alles schlüssig erscheinen lassen. Für mich war diese Darstellung viel zu flach, dafür, dass man eine Disney-Figur in ihrem Wesen komplett anders beschrieb. Vielleicht hätte die Autorin an dieser Stelle mehr Augenmerk auf die Geschichte von Triton und Ursula als Geschwister legen sollen, anstatt diese vielen unnötigen Nebenschauplätze zur Hauptstory zu machen.

Schreibstil:

Wie schon vorher, ist der Schreibstil von Valentino einfach gehalten und liest sich tendenziell gut. Ich fand aber, dass dieser Band auch vom Lesefluss bisher der schwächste Teil war. Irgendwie stockte ich beim Lesen immer wieder.
Das lag wahrscheinlich an dem wiederholt sehr schlechten Lektorat. Neben Rechtschreibfehlern und Tippfehlern konnte ich Grammatikfehler finden, Nebensätze waren alleinstehende Haupsätze und Satzzeichen fehlten. Das finde ich für große Namen wie Carlsen und Disney leider nicht in Ordnung. Da erwarte ich Qualität und vor allem dann, wenn die Vorgänger schon ein schlechtes Lektorat hatten. Da muss dringend nachgebessert werden.
Und wie beim letzten Mal angekreidet, muss ich auch dieses Mal fragen: Wieso werden einige Namen nicht übersetzt? Beim Biest war es „Cogsworth“ anstatt „Herr von Unruh“ und in diesem Buch hier wird „Maleficant“ erwähnt anstatt „Malefiz“. Klar, der Film heißt so, aber auch nur die Realverfilmung, was ich auch schon nicht richtig fand. Im Original heißt die gute Dame nun einmal Malefiz.

Fazit:

Das war wirklich eine wahre Meckerrezension. Aber was soll ich sagen? Hier kommt für mich alles zusammen, was ich von einem Buch nicht erwarte. Wenig Tiefe, falsche Versprechungen auf dem Klappentext und dadurch nicht erfüllte Erwartungen. Zudem eine Story, die für mich echt langweilig war und das Original „Arielle“ teilweise neu erzählte. Und als wenn das nicht reicht, kommt dazu noch das miese Lektorat, die Logikfehler, die offenen Fragen und die unnötigen Nebenschauplätze.
Leider wirkt der bisherige Großteil der Villians-Reihe so, als wenn man einfach diese supercoole Idee hatte, die Disney-Geschichten düster und erwachsen aus der Sicht der Bösewichte zu erzählen bzw. deren Vorgeschichte – es aber mal so richtig schlecht umgesetzt hat. Versteht mich nicht falsch, die Idee ist echt nett und ich bin ein großer Disney-Fan, aber wahrscheinlich auch genau deswegen hat mich dieses Buch sogar noch mehr enttäuscht als „Das Biest in ihm“.
Mein Flop 2019 – keine Tiefe, schlechtes Lektorat und nur minimal Vorgeschichte oder neue Informationen. Leider keine Empfehlung von mir – auch nicht für eingefleischte Disney-Fans. 

BEWERTUNG:♡♡♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

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