Japan – Tag 11: Onsen-Ausflug nach Yufuin, Spezialzug „Yufuin no Mori“ und Karaoke in Fukuoka

Liebe Leser,

da habe ich die Weiterführung des Reiseberichts aus Japan ja wirklich lange genug vor mir hergeschoben. Ich gebe aber zu, dass das vor allem daran liegt, dass ich mir nicht eingestehen will, dass die Reise schon wieder 1,5 Jahre her ist und ich diese Beitragsreihe nicht beenden möchte. Dann ist es wirklich vorbei. Seufz. Mir kommt das überhaupt nicht so vor. Zwischendurch ist auch so viel passiert, dass ich gar keinen Kopf hatte, mir die Zeit für diese ausführlichen Berichte zu nehmen. Allerdings werde ich das jetzt nachholen. 🙂 Denn es gibt noch zwei Tage zu berichten. Zum vorletzten Tag unserer Reise kommen wir heute. Nachdem wir im letzten Beitrag Hiroshima und Miyajima besichtigten, machen wir uns am elften Tag der Reise auf den Weg in das kleine Dorf Yufuin, um in einem Onsen zu baden.

Vor unserer Reise stand für uns fest: Wir wollen unbedingt ein Onsen besuchen. Für alle, die das Wort eventuell noch nicht gehört haben, folgt eine kurze Definition. Ein Onsen ist eine heiße Quelle, in der man baden kann. Es gibt heiße Quellen mit Freiluftbecken, Hotels haben kleine innenliegende Bäder und es gibt auch Badehäuser, die von heißen Quellen gespeist werden. Das besondere daran ist die hohe Temperatur und die Zusammensetzung des Wassers, welches sehr mineralreich und somit kreislaufanregend und gesundheitsfördernd wirkt. Onsen können nach Geschlechtern getrennte Becken besitzen oder gemischte Becken.

Für uns stand ebenfalls fest, dass wir auf jeden Fall ein Onsen im Freien besuchen wollten, damit wir ein Naturerlebnis dabeihaben. Wir haben viel recherchiert, denn es stellte sich uns ein kleines Problem. Ein Onsen mit Freiluftbecken, welches unseren ästhetischen Ansprüchen genügt, würde sich immer sehr weit von unserer Route entfernt befinden. Wir erkundigten uns bei unseren Gastgebern in Fukuoka, welche uns schlussendlich das Onsen in Yufuin empfohlen hatten. Mit seinem großen gemischten Becken, welches einen Ausblick auf die Berge bietet, gehört es sogar zu den schönsten Onsen in Japan. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Yufuin no Mori – ein japanischer Spezial-Zug

Noch in Tokyo und ganz am Anfang unserer Reise besprachen wir unsere Pläne mit meinem japanischen Kumpel, der uns empfahl, an einem Fahrkartenschalter der japanischen Zuglinie JR direkt alle Fahrten vorzubuchen und zu reservieren. Eher durch Zufall erfuhren wir, dass nach Yufuin ein Spezialzug namens „Yufuin no Mori“ fährt. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als der Bahnmitarbeiter uns erklärte, dass wir nicht einmal einen Aufpreis für diesen Zug zahlen müssten, weil es im JR-Pass inklusive wäre. Da sagt man doch nicht nein und schon war unser Trip nach Yufuin gebucht!

Als wir dann am elften Tag unserer Reise in Fukuoka zum Bahnhof aufbrachen, waren wir etwas aufgeregt und freuten uns schon auf einen entspannten Tag. Die Fahrt von Fukuoka nach Yufuin dauert mit dem Spezialzug gute vier Stunden. Japaner lieben das Zugfahren und es ist eine Art Urlaubserlebnis lange Zugreisen zu unternehmen. Richtig begreifen konnten wir den Zug-Hype erst, als wir den Zug betraten. Mit unseren Fahrkarten im Anschlag, machten wir uns auf den Weg zum betreffenden Gleis. Als wir dort warteten, fuhr schließlich der Zug ein. In diesem Moment realisierte eine meiner Freundinnen, dass sie ihre Fahrkarte nicht mehr finden konnte – sie hatte sie verloren. Wir brachen natürlich dezent in Panik aus und machten uns alle schnell auf den Weg zum Bahnhofsbüro. Mit Händen und Füßen erklärten wir, was vorgefallen war. Ihre Rückfahrkarte konnte meine Freundin schließlich noch vorzeigen. Die Mitarbeiter des Bahnhofs waren mehr als zuvorkommend und druckten uns mir nichts, dir nichts eine neue Fahrkarte aus. Dazu muss man sagen, dass man in diesem Spezialzug feste Sitzplätze hat und deswegen eigentlich sehr streng mit den Fahrkarten umgegangen wird. Wir waren superglücklich. Meine Freundin hatte eine neue Fahrkarte für einen anderen Platz und setzte sich erstmal auf den Platz, den sie eigentlich reserviert hatte, damit wir nebeneinander sitzen konnten. Wir waren völlig außer Atem, als wir uns auf den Plätzen niederließen, weil wir zurück zum Gleis gerannt waren, um den Zug noch rechtzeitig zu erreichen. Gerade, als wir uns ein bisschen beruhigt hatten, kam eine Zugbegleiterin in unser Abteil und blieb vor dem Platz meiner Freundin stehen. Sie übergab ihr die verlorene Fahrkarte und erklärte uns, dass sie beim Schaffner abgegeben wurde. Ein Fremder hatte die Karte also im Bahnhof gefunden und zum Zug gebracht. Wieder einmal waren wir beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Japaner.

Als der Zug dann startete, bewunderten wir das erste Mal das auffallend luxuriöse Interior. Der Zug ist auch deswegen ein Spezial-Zug. Er ist bekannt für seine aus Holz geschaffene Innenausstattung. An vielen Orten in diesem Zug kam man sich eher vor, als würde man sich in einem Hotel befinden und nicht in einem Zug. Während der Fahrt machten wir einen interessanten Rundgang durch den Zug, der uns vielfältig faszinieren konnte. Hier lasse ich gern die Bilder sprechen.

Was haben wir denn noch gemacht in diesen vier Stunden? Erstaunlicherweise ging die Zeit wahnsinnig schnell rum. Wir haben manchmal einfach nur aus dem Fenster geschaut und genossen, wie Japan an uns vorbeizieht. Nach den turbulenten und ereignisreichen Tagen, die hinter uns lagen, tat uns diese Entschleunigung und Entspannung einfach wahnsinnig gut. Außerdem hatten wir ja mobiles Internet und konnten so ein bisschen in den japanischen Apps und Spielen stöbern. Eine lange Zugfahrt war auch perfekt zum Reisetagebuch oder Postkarten schreiben. Und dann kam eine Zugbegleiterin mit einem großen Bild des Zuges inklusive Datum vorbei – inklusive in der Zugfahrt ist nämlich, dass man ein Erinnerungsfoto bekommt. Die Zugbegleiterin drückt einem dieses Bild in die Hand und bietet sich an, ein Foto zu schießen. Für Kinder gibt es die Möglichkeit, kleine Schaffnermützen aufzusetzen. Einfach liebevoll, wie man umsorgt wird. Zudem können Souvenirs im Zug gekauft werden oder typische Essenspakete, Getränke und Süßigkeiten. Zudem gibt es kleine Stempelkarten, auf denen man sich im Zug einen Stempel platzieren kann. Dieses Sammeln von Stempeln ist in Japan offensichtlich sehr beliebt und uns hatte dieser Virus direkt infiziert. Und dann waren die vier Stunden auch schon um. Wir hätten nie gedacht, dass diese Zeit so schnell vergeht. Doch am Ende fuhren wir schneller als gedacht in den Bahnhof des kleinen Dorfes Yufuin ein.

Yufuin – ein kleines japanisches Dorf

Yufuin begrüßte uns mit einem aus Holz gebauten Bahnhof. Wir fühlten uns direkt in der Zeit zurück versetzt. Nach dem Durchqueren des kleinen Bahnhofsgebäudes empfängt einen Yufuin mit direktem Blick auf den Berg Yufu.

Auf unserem Weg zum Onsen wanderten wir durch kleine Straßen, einen kleinen Berg empor und standen dabei ziemlich oft im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieses Dorf ist wirklich sehr weit weg von den üblichen Touristenzentren und die Bewohner beäugten uns interessiert und zuweilen kritisch. Eine meiner Freundinnen hatte sich entschieden, einen Spaziergang durch das Dorf zu machen, während meine andere Freundin und ich uns im Onsen entspannen würden. Deswegen teilt sich hier meine Berichterstattung, weil ich euch die Entdeckungen auf ihrem Spaziergang nicht vorenthalten möchte. Yufuin ist nicht groß und fast von überall im Dorf hat man einen wunderbaren Blick auf den Berg Yufu und die Natur um das Dorf herum. Auch hier möchte ich gern die Bilder sprechen lassen.

Das Onsen „Musouen“ in Yufuin

Nachdem wir den kleinen Berg zum Onsen erklommen hatte, sahen wir schon von Weitem einen kleinen Eingang aus Holz. Erstmal waren wir leicht orientierungslos, weil wir nicht wussten, wo wir einen Ansprechpartner finden würden. Dann fanden wir so etwas wie eine kleine Rezeption mit einer älteren Dame dahinter. Wir machten ihr verständlich, dass wir gern das Onsen nutzen würden. Es brauchte einige Zeit, bis wir verstanden, was sie uns im Gegenzug klarmachen wollte. Das große Becken mit Blick auf die Berge wurde an diesem Tag gereinigt und deswegen konnten wir es nicht nutzen. 😦 Wir waren so enttäuscht, waren wir doch extra wegen diesem Ausblick in dieses Onsen gefahren! Nach der ersten Enttäuschung besuchten wir also das kleinere Becken, welches nur für Frauen war. Für unsere erste Onsen-Erfahrung war das vielleicht auch besser so, denn in diesem kleinen Rahmen konnten wir uns besser an den anderen Frauen orientieren. Wir hatten uns vorher einige Anleitungen durchgelesen, wie man sich im Onsen verhält. Als wir dann tatsächlich im Umkleideraum zwischen den Japanerinnen standen, hatten wir ein totales Black-Out und sehr viel Angst, etwas falsch zu machen. Deswegen ließen wir uns ganz viel Zeit bei allen Dingen, die wir taten und orientierten uns an den Japanerinnen vor uns. Von dem Becken selbst haben wir leider keine Bilder, weil wir niemanden in Verlegenheit bringen wollten.

Zur Erklärung, in einem Onsen ist man komplett nackt. Es wird keine Badekleidung genutzt. Als wir die Tür zum Becken öffneten, standen wir gleich das nächste Mal im Mittelpunkt. So oft hatten die Japanerinnen wohl noch keine Ausländer dort gesehen. 🙂 Wir wunderten uns zunächst, dass die Anwesenden nicht direkt im Wasser saßen, sondern außen auf den Steinen. Es war Februar und nur fünf Grad Außentemperatur. Als wir dann eine Weile im sehr heißen Wasser saßen und die Minerale unseren Kreislauf auf Touren gebracht hatten, wussten wir wieso. Wir hielten es im Wasser gar nicht mehr aus und saßen auf einmal selbst draußen auf den Steinen, mit den Füßen im Wasser. Als nächstes waren wir verwirrt, dass die Anwesenden das Onsen so schnell wieder verließen. Selbst Personen, die nach uns das Becken betraten, waren eher wieder weg als wir. Später lasen wir nach, dass in einem Onsen eine Verweildauer von 10-15 Minuten empfohlen wird, da die Mineralien für den Kreislauf so fordernd sind. Das wussten wir nicht und waren ungefähr eine halbe Stunde in dem Becken. Danach war uns nicht nur wohlig warm, sondern wir schwebten wie auf Wolken durch die Welt. Unsere Haut und unsere Haare waren butterweich. Ein wunderbares Gefühl. Pure Entspannung. Warum wir so wabbelige Beine hatten, wussten wir ja dann später. 😉 Auf dem Rückweg machten wir noch ein paar Fotos von Yufuin und trafen unsere Freundin. Die Sperrung des Hauptbeckens hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon komplett vergessen, wir waren einfach glückselig.

Abschied von Yufuin

Wieder vereint, besuchten wir ein Restaurant und genossen das erste Mal kalte Soba. Spätestens seit unserem ersten Soba-Genuss in Kyoto waren wir große Fans dieses japanischen Nudelgerichts. In den angrenzenden Souvenir-Shops gingen wir noch kurz auf Entdeckungstour, bevor wir wieder in den Yufuin no Mori stiegen, der uns zurück nach Fukuoka bringen sollte. Zu unserem Erstaunen saßen wir dieses Mal sogar im Abteil der ersten Klasse, welches sehr nobel aussah und uns wieder mit der schönen Ausstattung begeisterte. Auch diese vier Stunden vergingen wie im Flug. Wahrscheinlich waren wir wirklich einfach geschafft von den Eindrücken der bisherigen Reise. Zudem mussten wir für unsere Abendpläne noch etwas Energie tanken.

Karaoke in Fukuoka

In Fukuoka trafen wir uns mit einem Freund von mir, den ich gebeten hatte, dass wir zusammen eine Karaoke-Bar besuchen. Das stand ganz groß auf unserer To-Do-Liste und am vorletzten Tag unserer Reise wollten wir da gern noch einen Haken dran setzen. Unweit vom Bahnhof nutzten wir eine Karaoke-Bar – Bezahlung und Klärung aller Details übernahm zum Glück mein Kumpel, denn unser Kopf war nach dem Onsen-Abenteuer wie in Watte gepackt. Wie läuft das alles ab? Man bezahlte eine Grundgebühr für einen bestimmten Zeitraum und bekam ein separates Zimmer mit Mikrofonen, Bildschirmen und einem Tablet. Zudem lag dort eine Getränkekarte. Jeder musste mindestens ein Getränk bestellen. Und danach begann unser Karaoke-Abend. Auf dem Tablet kann nach jedem erdenklichen Lied gesucht werden. Wer denkt, er muss japanische Schlager singen, hat hier weit gefehlt, denn wir konnten unsere gesamten Singstar-Erfahrungen unter Beweis stellen. Von George Michael bis Queen war alles dabei. Leider war die Zeit viel zu schnell vorbei. Danach sind wir noch ein bisschen im Book-Off-Store stöbern gegangen und haben eine Kleinigkeit zum Abendbrot gegessen. Und danach war der entspannte Onsen-Tag auch schon wieder vorbei. Für den nächsten Tag hatten wir gar nicht viel geplant. Und damit endete der elfte Tag unserer Japan-Reise.

Erfahrt im nächsten Beitrag, was wir an unserem letzten Tag in Fukuoka unternommen haben und wie sich unser Rückflug nach Deutschland am darauffolgenden Tag für uns angefühlt hat.

Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 9: Von Kyoto nach Fukuoka – Ab- und Anreisetag

Meine lieben Leser,

wie im letzten Beitrag schon angekündigt, wird es im Reisebericht zu Tag 9 in Japan etwas unspektakulärer als die Tage zuvor. Das liegt daran, dass wir an diesem Tag aus Kyoto abreisten und in Fukuoka anreisten. Wir haben also wie schon beim letzten Abreisetag gut 3 Stunden im Zug verbracht. Zudem hatten wir nach den vielen Eindrücken beschlossen, dass wir diesen Tag ganz ruhig angehen. Ich habe allerdings trotzdem beschlossen, euch über diesen Tag zu berichten, weil ich denke, es ist auch wichtig, die ruhigen Momente der Reise darzustellen und zu zeigen, wie man reist und sich nicht nur auf die großen kulturellen Höhepunkte zu konzentrieren. Wie schon in den anderen Beiträgen möchte ich auch einen Einblick geben, wie es bei einer Reise durch Japan „backstage“ so abläuft, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, ob es sich in Japan gut reisen lässt.

So startete unser Tag wirklich gemütlich damit, dass wir die letzten Sachen zusammenpackten, wir die Ferienwohnung fotografisch nochmal dokumentierten und wir uns noch Zeit nahmen, einen entspannten Tee/Kaffee vor dem Aufbruch zu trinken. Als wir den letzten Ausblick aus unserer Unterkunft über Kyoto genossen, waren wir wirklich sehr wehmütig. In den letzten Tagen waren diese zwei Zimmer und dieses wunderbare traditionelle Haus ein Platz in Japan geworden, wo wir uns wirklich zuhause fühlten. Wenn wir auf die komplette Reise zurückblicken, haben wir uns in dieser Unterkunft am wohlsten gefühlt. Schweren Herzens brachen wir schließlich auf und ließen diesen ruhigen, wunderbaren Ort hinter uns, um zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Langsam machte sich auch das zusätzliche Gepäck bemerkbar, denn wir hatten ja schon einiges eingekauft.

Am Bahnhof Kyoto angekommen, besorgten wir uns eine kleine Stärkung für den Weg, der vor uns liegen sollte. Neben Instant-Takoyaki und Instant-Pommes, gab es auch Reisbällchen, die mit wirklich merkwürdig aussehenden Würstchen serviert wurden. Generell sind Würstchen in Japan nicht auf dem Niveau, wie wir es von deutschen Fleischern gewöhnt sind. Sie haben sehr intensive Farben und sehen irgendwie künstlich aus. Probiert wurde es trotzdem und naja … Schuster bleib bei deinen Leisten! 😀

Auf der Fahrt konnten wir uns wieder super entspannen und von den wirklich atemberaubenden Eindrücken in Kyoto erholen. Denn so schön diese Reise auch war, es war auch anstrengend, so viele tolle Dinge zu verarbeiten. Diese kleinen Auszeiten im Zug waren goldwert und ich kann nur jedem raten, sich – auf welche Weise auch immer – Auszeiten zu gönnen, damit man nicht komplett den Blick für die wundervollen Details auf der Reise verliert. Die Zeit im Zug ist mit 3 Stunden nicht allzu kurz, aber die Zeit ist jedes Mal so schnell verflogen, vermutlich, weil man so viel zu verarbeiten hatte.
Wir haben auf der Fahrt im Shinkansen unter anderem unsere Getränke genossen. Ich hatte mir ein Softgetränk gekauft mit Sprudel und Pfirsichgeschmack. Sehr lecker und erfrischend! Eine der anderen beiden Mädels hatte sich bei Starbucks einen Kirschblüten-Kaffee gekauft. Dieser war im praktischen Reiseformat erhältlich und hatte ein praktisches ausfahrbares Trinkröhrchen dabei. Die Zeit, die wir nicht mit Entspannung, Essen, Trinken oder Unterhaltungen verbrachten, nutzten wir im Zug dazu, um Postkarten zu schreiben. Ja, Postkarten! Wir hatten eine Menge Personen auf unserer Liste, denen wir eine Karte schreiben sollten. 😀 Das erforderte teilweise logistisches Denken. Ich habe in jeder Stadt Postkarten gekauft und dann meine Liste Stück für Stück abgearbeitet.
Auf unserer Fahrt kamen wir auch an Hiroshima vorbei, wo wir von Fukuoka aus am nächsten Tag hinfahren würden. Wir wählten Fukuoka als Ausgangspunkt, weil ein Freund von mir dort wohnt und wir von dort aus unseren zweiten Tagesausflug zu einem Onsen perfekt ansteuern konnten.

Nach der Ankunft in Fukuoka, machten wir uns auf den Weg zu unserer Ferienwohnung/-zimmer. Wir lebten dort mit einem Paar zusammen, die ein Zimmer vermieteten. Die ganze Wohnung war mit Ghibli-Figuren und anderem Ghibli-Merchandise ausgestattet, ja man möchte fast sagen: „geschmückt“. Unser Zimmer war klein, übersichtlich, aber auch sauber und ausreichend. Wir haben die Zeit nach unserer Ankunft erstmal fürs Ankommen genutzt und uns ein wenig ausgeruht.

Nach unserer Verschnaufpause haben wir beschlossen, dass wir noch eine kleine Erkundungstour starten. Natürlich auch, um uns etwas zu Essen zu besorgen. Wir entdeckten neben einem Restaurantschild, welches verkehrt herum aufgehängt wurde, auch unseren geliebten Book-Off Store, wo wir direkt wieder nach gebrauchten Büchern, CDs & Co. Ausschau hielten. Dann stolperten wir in einen Konbini, wo wir uns mit Instant-Essen und Getränken für unser Abendbrot eindeckten. Als nächstes schauten wir in einem Supermarkt vorbei, wo wir das deutsche Bier „Prostel“ entdeckten, was uns sehr zum Schmunzeln brachte. Und natürlich mussten wieder die wunderschön gestalteten Gullideckel dokumentiert werden.

Nach unserem kleinen Abendspaziergang kehrten wir in unsere Ferienwohnung zurück und machten uns über unsere Einkäufe her. Und danach – waren wir einfach mal ein bisschen faul und gingen sehr bald ins Bett, nachdem wir noch gefühlt hunderte japanische Minispiele aufs Handy geladen und ausprobiert hatten.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, was wir auf unserer Reise nach Hiroshima und der angrenzenden Insel Miyajima, die zum Weltkulturerbe gehört, erlebten und warum ich fast einen Pinguin aus Japan mitgebracht hätte.

Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 6: Kiyomizudera, Jishu-Schrein, Suzumushidera und Arashiyama

Hallo meine lieben Leser,

getreu meinen Vorsätzen für 2019 geht es heute weiter mit dem Reisetagebuch zur Japanreise, die jetzt schon fast ein Jahr her ist. Unglaublich!

Heute widmen wir uns Tag 6 im Land der aufgehenden Sonne. Wir befinden uns immer noch in Kyoto und im letzten Beitrag endete Tag 5 mit der kleinen Enttäuschung, dass wir zu spät am Tempel Kiyomizudera ankamen und ihn somit nicht mehr besichtigen konnten. Für den sechsten Tag also war unsere erste Station klar! Auf in Richtung Kiyomizudera.

Doch zunächst, wie jeden Morgen, verspeisten wir ein paar Reisbällchen, um gut in den Tag starten zu können. Wie auch die letzten Tage begrüßte uns Kyoto mit einer wunderbaren Aussicht von unserer Unterkunft aus und einem strahlend blauen Himmel. Mit dem Wetter hatten wir auf der gesamten Reise extremes Glück. Es hat nie geregnet, nur ein einziges Mal haben wir während einer Zugfahrt ein bisschen Schnee gesehen, ansonsten Sonne satt und blauer Himmel mit ein paar Dekowölkchen.

Nach dem Frühstück gingen wir den altbekannten Weg zur Busstation und fuhren wieder Richtung Kiyomizudera. Erneut liefen wir die stark ansteigende Straße zum Tempel empor, vorbei an den vielen kleinen Läden mit japanischem Schnickschnack. Dieses Mal hatte der Tempel geöffnet.

Wir erkundeten zunächst das Tempelgelände, welches wir auch am Vortag schon ohne Eintrittsgebühren ein bisschen besichtigt hatten. Ursprünglich waren wir gar nicht so heiß darauf, den Kiyomizudera zu besichtigen. Vielmehr hatte es uns der Jishu-Schrein angetan, der Schrein der Liebe. Dieser liegt direkt neben dem Tempel und Google Maps schickte uns erstmal komplett falsch. Wir dachte, wir müssten nur für den Tempel Eintritt zahlen, der Schrein wäre auch so erreichbar. Deswegen sind wir erstmal wieder vom Tempelgelände verschwunden und in eine kleine Gartenanlage gestolpert, weil wir versuchten, ohne Einlasskontrolle den Schrein zu finden. Nunja, wie gesagt war Google Maps an dieser Stelle etwas verwirrt. Wir fragten also schnell ein paar Einheimische – dachten wir, denn tatsächlich waren es selbst Touristen, die nicht aus Kyoto kamen – und diese erklärten uns, dass man hinter der Einlasskontrolle zum Kiyomizudera auch den Weg zum Jishu-Schrein finden würde. Eigentlich war das auch wirklich überhaupt nicht schwer zu finden, aber wir haben uns hier wirklich mehr als glatt angestellt. 😉

Nach dieser Hilfestellung hieß es nun: Auf, auf, Eintritt zahlen und dann ENDLICH den Jishu-Schrein (und nun eben auch den Kiyomizudera) besichtigen. Da wir uns das Schmankerl bis zum Schluss aufheben wollten – haben wir uns erstmal den Tempel vorgenommen.

Kiyomizudera

Der Kiyomizudera ist ein buddhistischer Tempel und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Kyoto. Er gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bekannt ist er vor allem für seine hölzerne Terrasse, welche auf 13 Meter hohen Holzpfeilern an einen steilen Hang gebaut wurde.

Tatsächlich ist an dem Tempel vor allem sein Aussehen durch das wunderschön dunkle Holz in meiner Erinnerung geblieben. Selbst der Boden bestand aus dickem Holz mit Astlöchern. Es war sehr atmosphärisch, zumal trotz des vielen Holzes kleine Rauchschalen im Inneren standen. Alles wirkte groß und hell, da der Tempel nach außen hin großräumig offen war. Nur ein kleiner Bereich in der Haupthalle war mystisch und dunkel, genau dort, wo auch der Altar steht. Die Holzkonstruktionen des Tempels sind wirklich atemberaubend schön. Der ungeplante Besuch hatte sich auf jeden Fall gelohnt, denn auch die Aussicht vom Kiyomizudera aus war einfach klasse. Wir verweilten jedoch nur kurz im Inneren, denn wir wollten noch den Schrein und einige andere Highlights an diesem Tag besichtigen.

Jishu-Schrein

Weiter ging es zum Jishu-Schrein, dem Schrein der Liebe. Im Schrein befinden sich zwei Steine, die als „Liebes-Vorhersehungs-Steine“ bezeichnet werden. Geht man den Weg zwischen den beiden Steinen mit verschlossenen Augen, wird der Liebeswunsch dieser Person erfüllt. Wie ihr euch denken könnt, stieß diese süße Tradition bei unserer dreiköpfigen Mädels-Reisegruppe auf große Begeisterung. 🙂

Wir halfen uns dann gegenseitig, den Weg zwischen den Steinen mit verschlossenen Augen zu meistern. Laut Weissagung bedeutet dies außerdem, dass die helfenden Personen einem immer einen guten Rat in Sachen Liebe geben können. Das hatten wir vorher nicht gewusst, aber umso schöner, dass uns dieser kleine Aberglaube noch mehr verbindet. 😀

Natürlich gab es noch allerlei anderen Schnickschnack zu sehen. Bspw. eine kleine Papierfigur, auf die die eigenen Sorgen und Probleme geschrieben werden. Geht diese Figur im dabeistehenden Wassertrog unter, werden sich diese Probleme lösen. Bleibt die Figur allerdings an der Wasseroberfläche, werden die Sorgen nicht vergehen. Das wollte ich doch gleich mal ausprobieren! Und – puh – Glück gehabt, meine Figur ging unter!

Außerdem gab es allerlei kleine Glücksbringer zu kaufen. Ich habe für meinen Freund bspw. einen Anhänger gekauft, für allzeit gute Fahrt. Natürlich mit obligatorischem Glöckchen, damit die Götter auf ihn aufmerksam werden beim Fahren. 😉
Außerdem gab es Partner-Talismane für Glück in der Liebe. Aber auch für Menschen ohne Partner war die Auswahl beträchtlich. Wie überall konnte man auch schlicht einen Talisman für Gesundheit, Erfolg oder Babyglück erwerben.

Nach diesem „Liebesabenteuer“ machten wir uns auf den Rückweg, um etwas Essbares zu finden. Wir haben uns in einem kleinen Restaurant am Ende der steilen Straße niedergelassen, die zum Kiyomizudera führt. Es sah sehr unscheinbar aus, allerdings hatten sie erstaunliche Nudeln im Angebot. Neben normalen Udon-Nudeln gab es dort auch Matcha-Soba. Das musste ich natürlich ausprobieren. Und tatsächlich erhielt ich Grüne-Tee-Nudeln. Sie waren extrem lecker. Eine meiner Freundinnen hatte sich Udon bestellt und die andere Freundin einen Kaffee und ein Stück Matcha-Kuchen. Dazu bekamen wir als kleine Süßigkeit Matcha-Bonbons und knusprige Sesam-Plättchen. Was mir besonders an Japan fehlt, sind die Erfrischungstücher, die einem vor jedem Essen gereicht werden, damit man sich vorm Essen die Hände reinigen kann. Das fand ich nicht nur hygienisch, sondern auch einen super Service. Daumen hoch! Auch der kostenlose grüne Tee oder das kostenlose Wasser, was man in den Restaurants erhält, würde ich hier in Deutschland gern einführen.

Nach unserer Sättigung fuhren wir mit dem Bus eine längere Strecke in den Bezirk Arashiyama. Dort wollten wir vor allem den berühmten Bambuswald besichtigen, fanden aber auf dem Weg noch andere Attraktionen. Wir sind dann ein bisschen durch die Gegend spaziert, weil wir auf der Karte den Tempel Suzumushidera entdeckten. Diesen Abstecher gönnten wir uns, auf dem Weg zur nächsten Bushaltestelle. Dabei liefen wir durch ein ruhiges und abgelegenes, japanisches Wohnviertel. Die japanische Architektur ist so komplett anders als unsere, dass uns selbst nach fast einer Woche noch jeder Straßenzug in Verzückung versetzte.

Suzumushidera

Der Tempel ist vor allem bekannt für sein Grillenzirpen, was verständlicherweise von uns nicht zu hören war, da wir im Winter reisten. Der Tempel ist nicht allzu groß, hat aber eine sehr schöne Gartenanlage, die man gegen Bezahlung besichtigen kann. Wir wussten nichts von dem Eintritt und sammelten beim Suzumushidera noch einen weiteren Eintrag für unser Goshuin-Buch (worin man Kalligraphien der Tempel sammeln kann). Wir haben uns den kleinen Vorgarten angesehen und haben uns dann entschieden, lieber weiterzuziehen, damit wir noch mehr Zeit für den Bambuswald hätten.

Also ging es auf zur nächsten Bushaltestelle. Mit dem Bus fuhren wir nun weiter. Wir kamen nahe des Katsura Flusses an und bewunderten auf der dortigen Brücke die Umgebung mit ihren Bergen und dem kleinen Damm „Kadono Ooi“.

Durch das Viertel Arashiyama machten wir uns nun auf den Weg zum weltweit bekannten Bambuswald. Am Wegesrand fanden wir wieder kleine Läden und viel Sehenswertes. Arashiyama ist eine touristisch nicht allzu überlaufene und eher ruhige Gegend gewesen, was wir sehr genossen. Dort bin ich tatsächlich das erste Mal so richtig runtergefahren in unserem Urlaub. Wir aßen ein viel zu teures frittiertes Käsestäbchen und ein japanisches Crépe.

Danach stolperten wir wieder mal zufällig über einen Rilakkuma-Shop. Rilakkuma ist ein japanisches Maskottchen, ein kleiner Bär, der sich sehr sehr großer Beliebtheit erfreut. Und das nicht nur in Japan! Wir hatten den Rilakkuma Honey Shop gefunden! Alle Kuscheltiere hatten kleine Bienenanzüge an. Das war so oberniedlich! Überall in diesem Shop waren kleine Rilakkuma-Details versteckt. Hach – wir waren selig.

Nach diesem Ausbruch an Niedlichkeit kamen wir an einem Stand vorbei, der leuchtende, bunte Zuckerwatte verkaufte. Leider war die letzte Bestellannahme schon vorbei und wir zogen ein bisschen enttäuscht weiter.

Der Bambuswald von Arashiyama

Und endlich war es soweit. Wir sahen den ersten Bambus! Als Europäer macht man sich ja keine Vorstellung, wie hoch diese Pflanze wachsen kann. Wir waren beeindruckt von der Größe dieser Pflanze. Noch beeindruckender war, dass beim ersten Schritt in den Bambuswald direkt alles etwas dunkler war. Die hohen Bambusstangen schluckten eine Menge Licht, weswegen auch das Fotografieren ohne Blitz auf einmal sehr viel schwieriger wurde.

Im Winter war der Anblick des Bambus wahrscheinlich sehr viel trostloser als im Sommer oder Frühling, aber wir haben den Spaziergang durch diesen Wald trotzdem sehr genossen. Es war eine sehr entspannende Atmosphäre und wie gesagt eine sehr beeindruckende Erfahrung, den Bambus in Natura so hoch wachsen zu sehen. Ich kann diesen Ort daher nur jedem Japanreisenden empfehlen. Viel darüber zu sagen bleibt eigentlich auch nicht, man sollte diesen Ort für sich sprechen lassen.

Nach unserem entspannten Tagesausklang sind wir erneut in die Innenstadt von Kyoto gefahren und haben ein paar Geschäfte unsicher gemacht, bevor wir wie immer erschöpft von den Eindrücken in unsere Ferienunterkunft zurückkehrten. Diesen Tag hatten wir absichtlich gemütlich gestaltet und sind nicht allzu spät ins Bett gegangen, da wir am nächsten Tag einen Tagesausflug nach Osaka machen wollten.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie wir während unseres Tagesausflugs die Stadt Osaka erkundeten, das erste Mal Okonomiyaki aßen und die berühmten Leuchtreklamen am Dotonbori Fluss besuchten. Bis zum nächsten Reisebericht!

EURE HACHIDORI

Hachidoris Welt – Umzug, Fernstudium, Japanreise und andere Meilensteine

Hallo liebe Leser,

ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Auf der einen Seite will ich mein Versprechen wahr machen und mehr Artikel schreiben als letztes Jahr und dazu muss ich meine Umzugspause mal wieder wett machen. Auf der anderen Seite hatte ich Angst, dass dieser Beitrag zu sehr nach einer Rechtfertigung klingt, so nach dem Motto „Ich habe nichts geschrieben, aber ich hatte einen guten Grund.“. Am Ende entschied ich mich für diesen Artikel, weil einfach eine Menge Meilensteine und tolle Sachen passiert sind und passieren werden, die ich wunderschön finde und die es einfach wert sind, mal benannt zu werden. Was war und ist also aktuell los im Leben von Sani Hachidori? 🙂

Vogel_SandraxD
Umzug

Wie ihr dem Blog entnehmen könnt, hatte ich eine kleine Umzugspause, weil ich mit meinem Prinz zusammengezogen bin. Es ist wirklich ein großer Meilenstein und irgendwie sind wir nach über einem Monat immer noch nicht fertig mit dem Räumen, sodass einiges liegen bleibt. Leider betrifft das auch meinen Blog und das tut mir in der Seele weh. Aber eins nach dem anderen. 🙂 Ich bin einfach froh, dass wir endlich ein gemeinsames Zuhause haben. Es gab viele, die uns einreden wollten, dass diese erste Zeit in der gemeinsamen Wohnung wahnsinnig schwierig wird, aber davon hat sich nichts bewahrheitet. Vielleicht, weil wir schon so lange zusammen sind, vielleicht, weil es einfach passt, wer weiß. Wir genießen es jedenfalls.

Fernstudium

Viel Zeit nimmt seit Anfang des Jahres auch mein Fernstudium in Anspruch. Ich hatte Bock auf geistiges Futter und es ist eine große Bereicherung für mein Leben. Das ist auf jeden Fall eine der besten Entscheidungen der letzten Jahre gewesen. Ich kann es nur jedem weiterempfehlen. Es macht unglaublich viel Spaß!

Japan-Reise

Tja, was soll ich groß sagen!? Es ist soweit. Nächstes Jahr geht es nach Japan. Und ich werde natürlich mein Bestes geben und während oder nach der Reise darüber berichten. Seit ca. 10 Jahren träumen meine besten Freundinnen und ich davon, dass wir zusammen dorthin fliegen und endlich erfüllen wir uns diesen Traum. Ich bin sehr sehr aufgeregt und ich kann es noch gar nicht realisieren. Die Planungen laufen und es ist nicht mehr lange hin.

Hochzeiten

Zudem gibt es gefühlt unzählige Hochzeiten im Freundes- und Bekanntenkreis. Die wichtigste davon wird die meiner besten Freundin. Ihre Verlobung hat mich in Hochstimmung und in Planungslaune versetzt. Alles sehr sehr aufregend.

Sonstiges

Und ganz nebenbei bemerkt habe ich auch noch ein paar Häkelprojekte, die ich für ein paar Leute fertigstellen muss und mein SuB möchte auch gern mal abgebaut werden. Naja … der Tag hat zu wenig Stunden!!! 😀

Ich möchte dennoch gern wieder ein paar Themen auf dem Blog angehen und werde das in aller Ruhe vorbereiten. Ich hoffe, ihr bleibt mir treu und ich danke euch schon für eure bisherige Geduld. 🙂 Schön, dass ich euch als Leser habe. ❤

Auf bald,

EURE HACHIDORI

 

Reisetagebuch – Sächsische Schweiz – Pfaffenstein

Meine lieben Leser,

endlich gibt es mal wieder einen Beitrag aus der Kategorie „Reisetagebuch“. Ehrlich gesagt war ich zwischendurch auch mal hier und mal da, aber ich habe einfach keinen passenden Zeitpunkt gefunden, darüber zu schreiben. Vielleicht hole ich das mal nach. Vorerst konzentrieren wir uns aber auf die aktuellsten Ereignisse. 😉

Im April war ich also in der Sächsischen Schweiz. Dazu muss man sagen, als Sachse kenne ich sie natürlich, aber es ist immer wieder auf besondere Art und Weise schön. Dazu kommt, dass ich meistens im Kindesalter oder im Rahmen von Ein-Tages-Ausflügen dorthin reiste. Dieses Mal sollte es aber Ziel meines ganz privaten Urlaubs mit meinem Freund werden, der auch mehr als einen Tag umfasste.

Tja und was macht man in der Sächsischen Schweiz bzw. dem Elbsandsteingebirge? Wandern, völlig klar. Wandern klingt für einige todlangweilig und ich gebe zu, dass ich bis vor ein paar Jahren noch genau so dachte. Ich verband mit dem Wort „Wandern“ immer Erinnerungen an langweilige Märsche mit meinen Großeltern. Als Kind war das einfach nicht so meine Welt.
Ein kleiner Exkurs, wie ich meine Liebe zum Wandern entdeckte: Um meinem Freund eine Freude zu machen (der nämlich gerne wandert), buchte ich unseren ersten gemeinsamen Urlaub zu zweit in den Alpen. „Wenn Gebirge, dann richtig.“, hatte ich gedacht. Ich sollte vielleicht erklären, dass es in meiner Heimatstadt zwar einen Hausberg gibt, dieser aber wirklich winzig ist. Ich hatte vor dem Alpenurlaub wirklich noch keinen „richtigen“ Berg gesehen und dementsprechend sprachlos stand ich dann am Fuße eines solchen Kolosses und fragte mich, wie ich das mit meiner Höhenangst überleben soll. Womit wir bei einem Thema wären, das ich eng mit dem Wandern verbinde. Ich habe extreme Angst vor Höhe. So richtig mit sich drehendem Untergrund und so, wenn ich irgendwo runterschaue. Deshalb sind gewisse Passagen beim Wandern, nun sagen wir, etwas problematisch. 😀 Trotz dieser Herausforderung entdeckte ich in den Alpen meine Liebe zum Wandern. Das Gefühl, oben auf dem Gipfel zu stehen war so erbauend und beim Wandern konnte ich so richtig den Kopf frei bekommen, dass ich richtig Blut geleckt hatte. Ich bin kein Profi oder so, aber es gibt mir etwas, aus meiner eigenen Kraft oben auf den Berg zu steigen und mich bei einigen Gelegenheiten meiner Höhenangst zu stellen. (Weil verdammt nochmal, die nervt mich ganz schön arg!) · EXKURS ENDE ·

Das erste Ziel in der Sächsischen Schweiz war der Pfaffenstein. Dieser Berg ist vielen bekannt durch einen sehr markanten Fels, der „die Barbarine“ genannt wird.
Die Barbarine ist durch ihr auffallendes Aussehen zum Symbol für das Elbsandsteingebirge geworden. Mit der Barbarine wird eine Sage verbunden, in der davon die Rede ist, dass sie eine versteinerte Jungfrau wäre. Ebendiese Jungfrau wurde von ihrer Mutter in die Kirche geschickt, stattdessen bestieg sie aber den Pfaffenstein, um Heidelbeeren zu suchen. Die Mutter erwischte sie und verwünschte ihre Tochter, sodass sie zu Stein wurde. So steht sie als versteinertes Mahnmal, um Kinder vor Ungehorsam zu warnen. Der Name der Barbarine wurde vom Namen der Jungfrau abgeleitet. Ebenfalls geläufig ist die Sage in einer anderen Version, in der die Jungfrau sich heimlich mit einem Jäger trifft und von einer Hexe verwünscht wird. (Vgl. Inkowik u.a.: Barbarine. https://de.wikipedia.org/wiki/Barbarine [Stand: 27.04.2017])
Welche Version besser gefällt, muss jeder für sich entscheiden. Ich finde, beide Geschichten haben etwas für sich.

Der Weg auf den Pfaffenstein war für mich etwas abenteuerlich. Es gibt einen „leichten“ Aufstieg und einen „schweren“. Wir wählten den schweren Weg, weil an den Wegweisern nur stand, dass dieser Weg nicht für Hunde geeignet ist. Da wir das aber andernorts auch schon gelesen hatten, dachte ich mir nichts dabei. Hätte ich vorher einen genauen Blick auf meine Wanderkarte geworfen, wäre mir da ein kleines Leitersymbol aufgefallen. Da ich aber völlig unbedarft losgewandert bin, stand ich irgendwann vor einer eisernen Leiter, die sich zwischen den Steinen ihren Weg bahnte. Sie hatte ca. 12 Sprossen, war also nicht wirklich hoch, aber bei mir spielte sich gleich wieder mein Höhenangst-Szenario ab. Da ich den Weg nicht wieder komplett zurückgehen wollte, habe ich mich (mit Unterstützung) an die Leiter gewagt. Ich verleugne es nicht: Es war furchtbar. Oben angekommen, war ich froh, wollte aber nichts sehnlicher, als mich an eine Wand aus Fels zu pressen. Um mich herum gab es nämlich nur die Leiter und eine Aussichtsplattform, für die ich gerade zu geschockt war. Aber die Aussicht von der Felswand aus war trotzdem unbezahlbar schön! Wenn die Sächsische Schweiz etwas kann, dann sind es Aussichten! Nachdem ich mich von meinem kleinen Schock erholt hatte, ging es weiter aufwärts. Immer wieder schlängeln sich steinerne Treppen durch diverse Steinformationen. Wunderschön!


Oben angekommen fiel als erstes der Felsboden ins Auge und die Vegetation, die sich trotzdem hier durchsetzen konnte. Der Pfaffenstein wird bewirtschaftet, auf dem Weg kommt man direkt am Gasthaus vorbei. Zunächst führte uns der Weg aber weiter, immer der Beschilderung folgend, zur besagten Barbarine. Der Weg führte auch durch enge Felsspalten, es machte sich bezahlt, den Rucksack streckenweise abzusetzen.


Danach gönnten wir uns einen Tee im Gasthaus, dem eine kleine verwunschene Burgruine direkt gegenüber lag. Es sind gerade noch ein paar Mauern erhalten, die einen Grundriss erahnen lassen. Alles ist mit Pflanzen bewachsen und erzeugt ein romantisches Flair. Am schönsten war eine Rundung, die an einen Balkon erinnerte. Von dort aus hatte man einen super Ausblick. Ich frage mich immer noch, was das für eine Ruine war und ob die Nutzung vielleicht gar nicht so lange zurückliegt. Der karierte Fußboden, den ich in einem Raum entdeckte, sah jedenfalls nicht danach aus, als wenn er schon hunderte Jahre alt wäre. Aber der Kontrast dieses Musters mit dem Grün der Pflanzen und den alten Mauern hatte es mir echt angetan. Ich konnte meine Augen nicht davon lassen!

Aufgrund meiner Höhenangst und des Leiterdramas wurde für den Rückweg dann doch lieber der „leichte“ Abstieg gewählt. Rückblickend hat sich das auch landschaftlich gelohnt! Durch eine bewachsene Schlucht führt der Weg zu einer Art felsigem Platz. Zu allen Seiten ragen beeindruckende, riesige Felsen empor. An dem größten ist eine Plakette mit einem Porträt angebracht, die dadurch eine majestätische Ausstrahlung erhält. Direkt daneben führt eine schmale, steile Treppe direkt zwischen den riesigen Felsen empor. Doch für uns ging es weiter den leichten Abstieg entlang.


Langsam entfernten wir uns aus dem felsigen Gebiet und gelangten auf gepflasterte Wege und Waldpfade. Der leichte Abstieg führte um den Berg herum. Am Ende hatte man einen Blick auf die unendlich wirkenden Wiesen der Umgebung und auf den Königstein. Und so ging eine wunderschöne Wanderung zuende, die mich zwar mit einer Leiter ziemlich schaffte, aber mir mindestens ebenso viel schöne Momente bescherte.

Mein Fazit:
Den Pfaffenstein kann ich als Wanderziel nur wärmstens empfehlen, da er anspruchsvoll ist und wunderschöne Blicke gewährt. Caspar David Friedrich malte nicht umsonst so viele Blicke der Sächsischen Schweiz, sie sind einfach atemberaubend! Die Felsen haben etwas mystisches und eigentlich erwartet man hinter jedem Stein einen Kobold oder sowas. Wer Höhenangst hat, dem würde ich von Anfang an den leichten Aufstieg empfehlen! Ansonsten lohnen sich die Herausforderungen und Ausblicke für alle mutigen Wanderfans unter euch. 🙂

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