Rezension | „Scythe – Der Zorn der Gerechten“ von Neal Shusterman

Hallo ihr Lieben,

nachdem ich euch schon vom ersten Band begeistert berichtet habe, konnte ich den zweiten Band von „Scythe“ gar nicht erwarten. Ich hatte ihn mir sofort zum Erscheinungsdatum gekauft und endlich bin ich dazu gekommen, es zuende zu schmökern!

Scythe - Band 2

Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Scythe – Der Zorn der Gerechten“
  • Autor: Neal Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 544 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 14.03.2018
  • Aktuelle Ausgabe : 14.03.2018
  • Genre: Utopie, Urban-Fantasy, Jugendbuch

Inhalt:

Wie schon im ersten Band, stehen die Protagonisten Rowan und Citra im Mittelpunkt der Handlung. Beide müssen mit ihrem Schicksal, was in Band 1 seinen Lauf nahm, zurechtkommen. Und natürlich ist ebenfalls das politische Machtspiel der neuen Scythe-Ordnung wieder ein wichtiges Thema. Während Rowan sich zu DEM Feind des Scythetums gemausert hat, ist Citra immer mehr eine richtige und vor allem bedeutende Scythe. Auch der Thunderhead bekommt in diesem Band eine größere und tragende Rolle. Was im ersten Band an Hintergrundinformationen fehlte, wird in diesem Band großteils erklärt. Allerdings finde ich, dass gerade die Umstände, wie der Thunderhead entstand noch weiter im Detail behandelt werden könnten. Ich habe aber schon gesehen, dass es einen ausgekoppelten Band zu Scythe mit dem Namen „Thunderhead“ geben wird und da hoffe ich einfach, dass Shusterman dort alle offen gebliebenen Fragen zum Weltgeschehen und -geschichte beantworten wird. Während das erste Viertel des zweiten Bandes etwas schleppend vorangeht, legt der Autor ab Mitte des Buchs so richtig los. Es wird zunehmend spannender und vor allem stehen unerwartete Ereignisse und Wendungen auf der Tagesordnung. Mir passierte es oft, dass ich völlig fassungslos vor dem Buch hockte und nicht wusste, ob ich weiterlesen oder ob ich das Gelesene vielleicht erstmal setzen lassen soll. Das hat Shusterman mal wieder sehr gut hinbekommen. Gegen Ende des Buchs ist die Spannung bald nicht mehr auszuhalten und nach der letzten Seite sehnt man sich sehr nach Band 3, um dann festzustellen, dass noch nicht mal ein Erscheinungsdatum bekannt ist. Aaaargh! Das Los eines Buchwurms.

Schreibstil:

In Manier des ersten Bandes wird wieder auf verschiedenste Perspektiven, inklusive Nebencharaktere gesetzt. Dieses Konzept funktioniert ebenso grandios wie beim ersten Band, wobei sich in Band 2 gefühlt mehr auf die Hauptcharaktere konzentriert wird. Wie bereits im ersten Band, befinden sich zwischen den Kapiteln kleine Einschübe. Im ersten Band waren sie geprägt von Tagebucheinträgen verschiedener Scythe. Im zweiten Band werden diese Einschübe jedoch vom Thunderhead bestimmt, der seine Ansichten darin preisgibt. Während ich die Einschübe im ersten Band wirklich philosophisch und perfekt fand, wirkten die Gedanken des Thunderheads auf mich meisten ziemlich belanglos. Einige wenige mögen einen geringen Anteil zur Handlung beigetragen haben, aber beim Großteil wäre es mir ehrlich gesagt nicht aufgefallen, wären sie nicht vorhanden gewesen. Sehr viel mehr hätten mich hier auch ein paar weitere Tagebucheinträge von den Scythe interessiert. Alles in allem aber wieder eine grandiose Umsetzung des Perspektivwechsels, der zu keiner Zeit langweilig war oder gestört hat.

Fazit:

Wie der erste Band ein wahres MUST READ. Shusterman hat eine eigene und schlüssige Welt erschaffen, in der er es versteht, mit Spannung nicht zu geizen. Für mich schon eines meiner Jahreshighlights und eine unbedingte Leseempfehlung!

Bewertung: ❤❤❤❤❤

EURE HACHIDORI

Rezension – „Scythe – Die Hüter des Todes“ von Neal Shusterman

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, habe überlegt, ob ich es sofort zur Erscheinung kaufen soll oder nicht. Zum Glück habe ich es gekauft, denn ich wurde nicht enttäuscht!

Scythe-Die-Hüter-des-Todes-Cover.jpg

Allgemeines zum Buch:

  • Titel: „Scythe – Die Hüter des Todes“
  • Autor: Neal Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 528 Seiten
  • Verlag: FISCHER Sauerländer
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.09.2017
  • Aktuelle Ausgabe : 21.09.2017
  • Genre: Utopie, Urban-Fantasy, Jugendbuch

Inhalt:

Die Welt hat sich zu einer „perfekten“ Welt weiterentwickelt. Es gibt keine Krankheiten, keinen Tod, keine Kriege, keine Kriminalität. Für die Aufrechterhaltung dieses friedlebenden und unsterblichen Zustands ist der Thunderhead zuständig. Dabei handelt es sich um eine Art elektronisches, allwissendes und übermächtiges Gehirn. Es entwickelte sich aus der uns bekannten Cloud. Doch es gibt etwas, was unabhängig vom Thunderhead agieren darf, oder vielmehr es gibt jemanden. Die Scythe, die Hüter des Todes. Sie sind Menschen, die das natürliche Gleichgewicht unterstützen sollen. Dazu müssen sie töten. Wie eine Art Orden, folgen sie dabei Geboten und Regeln. Zum Scythe wird nicht ernannt, wer es sein möchte, sondern diejenigen, die diese Tätigkeit am meisten verabscheuen. So soll vor Missbrauch dieser Berufung geschützt werden. Das Töten wird von den Scythe als „nachlesen“ bezeichnet. Sie tragen Roben und verzichten auf viele Annehmlichkeiten, um dem Tod und den Toten gegenüber Respekt zu zollen. Jeder Scythe trägt zudem einen Ring.
Trotz der Einführung des Scythe-Ordens ist die Wahrscheinlichkeit, zu sterben, verschwindend gering. Somit leben die Menschen ein unsterbliches Leben. Die Menschen durchleben ihren normalen Lebenszyklus, können sich aber auch auf ein bestimmtes Alter zurücksetzen lassen, was „über den Berg kommen“ genannt wird.
Den Scythe gegenüber verhalten sie sich mal ehrfürchtig, mal ängstlich, mal heuchlerisch, sind es doch die einzigen, die ihnen gefährlich werden könnten.

„Wir können Dinge viel effektiver aufschieben, als die dem Tode Geweihten, weil der Tod für uns eine Ausnahme ist und nicht die Regel.“

Neal Shusterman (2017), Scythe – Die Hüter des Todes, Seite 443

Bei einer Nachlese erhalten die Hinterbliebenen Immunität, was bedeutet, dass sie ein Jahr lang nicht nachgelesen werden können. Diese Immunität wird durch das Küssen des Scythe-Rings gewährt. Weigert man sich gegen die Ausführung einer Nachlese, wird auch die gesamte Familie des Todgeweihten getötet.
Selbstmord ist ebenfalls nicht möglich, denn die Körper sind durch sogenannte Naniten selbstheilend und nach einem Selbstmordversuch werden die Menschen in Revival-Zentren wieder aufgepäppelt. Für Scythe ist der einzige Weg zu sterben allerdings der Selbstmord – die Selbstnachlese.

Soviel zur allgemeinen Schilderung der Gesetzmäßigkeiten dieser Welt. Natürlich ist das nur ein grober Anriss, denn das gesamte Bild um die Gebote der Scythe ergibt sich natürlich durch das Buch selbst. In dieser Welt stehen nun unsere Protagonisten Citra und Rowan im Mittelpunkt. Ihr alltägliches Leben wird dargestellt und dann folgt der wirkliche Anfang der Geschichte. Beide werden zu Scythe-Lehrlingen berufen. Sie müssen ihr vorheriges Leben hinter sich lassen und sich mit dem Tod mehr als jemals zuvor beschäftigen. Ich mochte es, wie sich der Autor auf die Gefühlswelten der Beiden konzentriert hat. Durch die Beschäftigung mit dem Tod und dem Töten wird ihnen das alte unsterbliche und sorglose Leben allmählich fremd. Das hat Shusterman wirklich super ausgearbeitet. Welcher Konflikt sich für die beiden ergibt, werde ich euch aber nicht verraten! 😉

Schreibstil:

Die Geschichte wird sowohl aus Citras als auch aus Rowans Perspektive erzählt. Es fließen allerdings immer mal wieder auch die Perspektiven von anderen Personen ein. Das dient meistens dazu, dass der Leser Gespräche oder Ereignisse mitbekommt, die den Protagonisten verborgen bleiben, die aber trotzdem für das Gesamtbild der Story sehr wichtig sind. Shusterman schafft es, dass der Perspektivwechsel kaum merkbar geschieht und der Leser nicht aus dem Lesefluss gerissen wird. Nein, ich tauchte sogar durch diese Perspektivwechsel immer weiter in die Geschichte ein und konnte mich ihr schließlich gar nicht mehr entziehen. Die Wirksamkeit dieser Erzählweise funktioniert dabei deswegen so grandios, weil Shustermann es versteht, das Instrument des Perspektivwechsels einzusetzen. Ganz anders als sonst, störten mich die vielen Ansichten nicht, sondern waren sogar vielmehr unbedingt notwendig.

Weiterhin findet sich nach jedem Kapitel ein kurzer Auszug aus verschiedenen Tagebüchern von unterschiedlichen Scythe. Die hier teils philosophischen Gedankengänge tragen maßgeblich zur Stimmung des Buches bei und regen den Leser auch zur Reflektion des Gelesenen an. Die Tagebucheinträge lassen unter anderem einen Einblick in das Seelenleben bekannter Scythe zu, sodass sich Beweggründe oder Charakterzüge sehr gut herausstellen.

„Unsterblichkeit kann die Torheit und Schwäche der Jugend nicht mindern. Die Unschuld ist dazu verdammt, einen sinnlosen Tod durch unsere eigenen Hände zu sterben, sie fällt den Fehlern zum Opfer, die wir niemals ungeschehen machen können. […]“

Neal Shusterman (2017), Scythe – Die Hüter des Todes, Seite 438

Besonders gut gefällt mir, dass sich durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Mittel die Frage aufwirft, ob ein unsterbliches oder ein sterbliches Leben lebenswerter ist.

Das Buch hat allgemein eine gewisse Grundspannung. In regelmäßigen Abständen werden interessante Infos gestreut und geschehen auch wirklich unvorhergesehene Dinge, die ich so nicht erwartet hätte.
Durch die prägnante, bildhafte und teilweise auch hochwertige Sprache ist der Schreibstil lebendig und hat mich auf jeder Seite gut unterhalten. Dank Shusterman weiß ich nun, was eine „Rotunde“ ist. 😉

Fazit:

Der Klappentext ließ mich vermuten, dass sich zwischen den Buchdeckeln eine 0815-Geschichte ala „die beiden Protagonisten lieben sich und begehren auf“ befindet. Ganz typisch, wie in vielen Dystopien/Utopien in den letzten Jahren. Erstaunlicherweise überraschte mich das Buch mit so viel mehr, als ich erwartet hatte. Da ist nicht nur das Dilemma der Berufung eines Scythe oder das Fremdwerden des alten Lebens durch den Tod (was im wahren Leben wirklich ein Thema ist), sondern auch politische Ränkespiele und eben so gar keine A-typische Liebesgeschichte im Sinne von „ich opfere mich für dich“. Die Liebe wird hier eher am Rand behandelt. Vielmehr steht im Mittelpunkt der Umgang mit dem Tod in einer Welt der Unsterblichkeit, die Aufklärung eines verschleiherten Mordes und die Konzentration auf die Gefühle der Protagonisten.

Das Buch ist einfach vollkommen durchdacht und spannend, aber auch grausam. Wer möchte, kann darin auch philosophisches über das Thema Tod finden. Diese eingeschobene Philosophie  ist schon fast ein Plädoyer für ein Leben in Endlichkeit und für den Tod selbst, welcher leider in unserem Leben oft noch ein Tabu-Thema ist. Besonders gut gefällt mir die Art, dieses Thema durch einen Roman zu thematisieren und dafür nicht nur zu sensibiliseren, sondern auch die eigenen Gedanken dorthin zu leiten, dass man ein endliches Leben schätzt, sich mehr auf das Leben konzentriert und dieses auch mehr genießt. Denn das ist die Botschaft. Durch die Thematisierung des Todes wird die Wertigkeit unseres Lebens betont. Grandios.

„[…] Es erinnert mich daran, dass einige Naturgewalten niemals ganz gebändigt werden können. Sie sind ewig, und das ist viel besser, als unsterblich zu sein.“

Neal Shusterman (2017), Scythe – Die Hüter des Todes, Seite 441

Ich kann nicht aufhören, dieses Buch zu loben. Eine Geschichte, die nachhallt. Für mich ein wirklich perfekter Reihenauftakt und mein zweites Jahreshighlight.
Darum: UNBEDINGT lesen.

Bewertung: ❤❤❤❤❤

 

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