Japan – Tag 11: Onsen-Ausflug nach Yufuin, Spezialzug „Yufuin no Mori“ und Karaoke in Fukuoka

Liebe Leser,

da habe ich die Weiterführung des Reiseberichts aus Japan ja wirklich lange genug vor mir hergeschoben. Ich gebe aber zu, dass das vor allem daran liegt, dass ich mir nicht eingestehen will, dass die Reise schon wieder 1,5 Jahre her ist und ich diese Beitragsreihe nicht beenden möchte. Dann ist es wirklich vorbei. Seufz. Mir kommt das überhaupt nicht so vor. Zwischendurch ist auch so viel passiert, dass ich gar keinen Kopf hatte, mir die Zeit für diese ausführlichen Berichte zu nehmen. Allerdings werde ich das jetzt nachholen. 🙂 Denn es gibt noch zwei Tage zu berichten. Zum vorletzten Tag unserer Reise kommen wir heute. Nachdem wir im letzten Beitrag Hiroshima und Miyajima besichtigten, machen wir uns am elften Tag der Reise auf den Weg in das kleine Dorf Yufuin, um in einem Onsen zu baden.

Vor unserer Reise stand für uns fest: Wir wollen unbedingt ein Onsen besuchen. Für alle, die das Wort eventuell noch nicht gehört haben, folgt eine kurze Definition. Ein Onsen ist eine heiße Quelle, in der man baden kann. Es gibt heiße Quellen mit Freiluftbecken, Hotels haben kleine innenliegende Bäder und es gibt auch Badehäuser, die von heißen Quellen gespeist werden. Das besondere daran ist die hohe Temperatur und die Zusammensetzung des Wassers, welches sehr mineralreich und somit kreislaufanregend und gesundheitsfördernd wirkt. Onsen können nach Geschlechtern getrennte Becken besitzen oder gemischte Becken.

Für uns stand ebenfalls fest, dass wir auf jeden Fall ein Onsen im Freien besuchen wollten, damit wir ein Naturerlebnis dabeihaben. Wir haben viel recherchiert, denn es stellte sich uns ein kleines Problem. Ein Onsen mit Freiluftbecken, welches unseren ästhetischen Ansprüchen genügt, würde sich immer sehr weit von unserer Route entfernt befinden. Wir erkundigten uns bei unseren Gastgebern in Fukuoka, welche uns schlussendlich das Onsen in Yufuin empfohlen hatten. Mit seinem großen gemischten Becken, welches einen Ausblick auf die Berge bietet, gehört es sogar zu den schönsten Onsen in Japan. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Yufuin no Mori – ein japanischer Spezial-Zug

Noch in Tokyo und ganz am Anfang unserer Reise besprachen wir unsere Pläne mit meinem japanischen Kumpel, der uns empfahl, an einem Fahrkartenschalter der japanischen Zuglinie JR direkt alle Fahrten vorzubuchen und zu reservieren. Eher durch Zufall erfuhren wir, dass nach Yufuin ein Spezialzug namens „Yufuin no Mori“ fährt. Wir konnten unser Glück kaum fassen, als der Bahnmitarbeiter uns erklärte, dass wir nicht einmal einen Aufpreis für diesen Zug zahlen müssten, weil es im JR-Pass inklusive wäre. Da sagt man doch nicht nein und schon war unser Trip nach Yufuin gebucht!

Als wir dann am elften Tag unserer Reise in Fukuoka zum Bahnhof aufbrachen, waren wir etwas aufgeregt und freuten uns schon auf einen entspannten Tag. Die Fahrt von Fukuoka nach Yufuin dauert mit dem Spezialzug gute vier Stunden. Japaner lieben das Zugfahren und es ist eine Art Urlaubserlebnis lange Zugreisen zu unternehmen. Richtig begreifen konnten wir den Zug-Hype erst, als wir den Zug betraten. Mit unseren Fahrkarten im Anschlag, machten wir uns auf den Weg zum betreffenden Gleis. Als wir dort warteten, fuhr schließlich der Zug ein. In diesem Moment realisierte eine meiner Freundinnen, dass sie ihre Fahrkarte nicht mehr finden konnte – sie hatte sie verloren. Wir brachen natürlich dezent in Panik aus und machten uns alle schnell auf den Weg zum Bahnhofsbüro. Mit Händen und Füßen erklärten wir, was vorgefallen war. Ihre Rückfahrkarte konnte meine Freundin schließlich noch vorzeigen. Die Mitarbeiter des Bahnhofs waren mehr als zuvorkommend und druckten uns mir nichts, dir nichts eine neue Fahrkarte aus. Dazu muss man sagen, dass man in diesem Spezialzug feste Sitzplätze hat und deswegen eigentlich sehr streng mit den Fahrkarten umgegangen wird. Wir waren superglücklich. Meine Freundin hatte eine neue Fahrkarte für einen anderen Platz und setzte sich erstmal auf den Platz, den sie eigentlich reserviert hatte, damit wir nebeneinander sitzen konnten. Wir waren völlig außer Atem, als wir uns auf den Plätzen niederließen, weil wir zurück zum Gleis gerannt waren, um den Zug noch rechtzeitig zu erreichen. Gerade, als wir uns ein bisschen beruhigt hatten, kam eine Zugbegleiterin in unser Abteil und blieb vor dem Platz meiner Freundin stehen. Sie übergab ihr die verlorene Fahrkarte und erklärte uns, dass sie beim Schaffner abgegeben wurde. Ein Fremder hatte die Karte also im Bahnhof gefunden und zum Zug gebracht. Wieder einmal waren wir beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Japaner.

Als der Zug dann startete, bewunderten wir das erste Mal das auffallend luxuriöse Interior. Der Zug ist auch deswegen ein Spezial-Zug. Er ist bekannt für seine aus Holz geschaffene Innenausstattung. An vielen Orten in diesem Zug kam man sich eher vor, als würde man sich in einem Hotel befinden und nicht in einem Zug. Während der Fahrt machten wir einen interessanten Rundgang durch den Zug, der uns vielfältig faszinieren konnte. Hier lasse ich gern die Bilder sprechen.

Was haben wir denn noch gemacht in diesen vier Stunden? Erstaunlicherweise ging die Zeit wahnsinnig schnell rum. Wir haben manchmal einfach nur aus dem Fenster geschaut und genossen, wie Japan an uns vorbeizieht. Nach den turbulenten und ereignisreichen Tagen, die hinter uns lagen, tat uns diese Entschleunigung und Entspannung einfach wahnsinnig gut. Außerdem hatten wir ja mobiles Internet und konnten so ein bisschen in den japanischen Apps und Spielen stöbern. Eine lange Zugfahrt war auch perfekt zum Reisetagebuch oder Postkarten schreiben. Und dann kam eine Zugbegleiterin mit einem großen Bild des Zuges inklusive Datum vorbei – inklusive in der Zugfahrt ist nämlich, dass man ein Erinnerungsfoto bekommt. Die Zugbegleiterin drückt einem dieses Bild in die Hand und bietet sich an, ein Foto zu schießen. Für Kinder gibt es die Möglichkeit, kleine Schaffnermützen aufzusetzen. Einfach liebevoll, wie man umsorgt wird. Zudem können Souvenirs im Zug gekauft werden oder typische Essenspakete, Getränke und Süßigkeiten. Zudem gibt es kleine Stempelkarten, auf denen man sich im Zug einen Stempel platzieren kann. Dieses Sammeln von Stempeln ist in Japan offensichtlich sehr beliebt und uns hatte dieser Virus direkt infiziert. Und dann waren die vier Stunden auch schon um. Wir hätten nie gedacht, dass diese Zeit so schnell vergeht. Doch am Ende fuhren wir schneller als gedacht in den Bahnhof des kleinen Dorfes Yufuin ein.

Yufuin – ein kleines japanisches Dorf

Yufuin begrüßte uns mit einem aus Holz gebauten Bahnhof. Wir fühlten uns direkt in der Zeit zurück versetzt. Nach dem Durchqueren des kleinen Bahnhofsgebäudes empfängt einen Yufuin mit direktem Blick auf den Berg Yufu.

Auf unserem Weg zum Onsen wanderten wir durch kleine Straßen, einen kleinen Berg empor und standen dabei ziemlich oft im Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieses Dorf ist wirklich sehr weit weg von den üblichen Touristenzentren und die Bewohner beäugten uns interessiert und zuweilen kritisch. Eine meiner Freundinnen hatte sich entschieden, einen Spaziergang durch das Dorf zu machen, während meine andere Freundin und ich uns im Onsen entspannen würden. Deswegen teilt sich hier meine Berichterstattung, weil ich euch die Entdeckungen auf ihrem Spaziergang nicht vorenthalten möchte. Yufuin ist nicht groß und fast von überall im Dorf hat man einen wunderbaren Blick auf den Berg Yufu und die Natur um das Dorf herum. Auch hier möchte ich gern die Bilder sprechen lassen.

Das Onsen „Musouen“ in Yufuin

Nachdem wir den kleinen Berg zum Onsen erklommen hatte, sahen wir schon von Weitem einen kleinen Eingang aus Holz. Erstmal waren wir leicht orientierungslos, weil wir nicht wussten, wo wir einen Ansprechpartner finden würden. Dann fanden wir so etwas wie eine kleine Rezeption mit einer älteren Dame dahinter. Wir machten ihr verständlich, dass wir gern das Onsen nutzen würden. Es brauchte einige Zeit, bis wir verstanden, was sie uns im Gegenzug klarmachen wollte. Das große Becken mit Blick auf die Berge wurde an diesem Tag gereinigt und deswegen konnten wir es nicht nutzen. 😦 Wir waren so enttäuscht, waren wir doch extra wegen diesem Ausblick in dieses Onsen gefahren! Nach der ersten Enttäuschung besuchten wir also das kleinere Becken, welches nur für Frauen war. Für unsere erste Onsen-Erfahrung war das vielleicht auch besser so, denn in diesem kleinen Rahmen konnten wir uns besser an den anderen Frauen orientieren. Wir hatten uns vorher einige Anleitungen durchgelesen, wie man sich im Onsen verhält. Als wir dann tatsächlich im Umkleideraum zwischen den Japanerinnen standen, hatten wir ein totales Black-Out und sehr viel Angst, etwas falsch zu machen. Deswegen ließen wir uns ganz viel Zeit bei allen Dingen, die wir taten und orientierten uns an den Japanerinnen vor uns. Von dem Becken selbst haben wir leider keine Bilder, weil wir niemanden in Verlegenheit bringen wollten.

Zur Erklärung, in einem Onsen ist man komplett nackt. Es wird keine Badekleidung genutzt. Als wir die Tür zum Becken öffneten, standen wir gleich das nächste Mal im Mittelpunkt. So oft hatten die Japanerinnen wohl noch keine Ausländer dort gesehen. 🙂 Wir wunderten uns zunächst, dass die Anwesenden nicht direkt im Wasser saßen, sondern außen auf den Steinen. Es war Februar und nur fünf Grad Außentemperatur. Als wir dann eine Weile im sehr heißen Wasser saßen und die Minerale unseren Kreislauf auf Touren gebracht hatten, wussten wir wieso. Wir hielten es im Wasser gar nicht mehr aus und saßen auf einmal selbst draußen auf den Steinen, mit den Füßen im Wasser. Als nächstes waren wir verwirrt, dass die Anwesenden das Onsen so schnell wieder verließen. Selbst Personen, die nach uns das Becken betraten, waren eher wieder weg als wir. Später lasen wir nach, dass in einem Onsen eine Verweildauer von 10-15 Minuten empfohlen wird, da die Mineralien für den Kreislauf so fordernd sind. Das wussten wir nicht und waren ungefähr eine halbe Stunde in dem Becken. Danach war uns nicht nur wohlig warm, sondern wir schwebten wie auf Wolken durch die Welt. Unsere Haut und unsere Haare waren butterweich. Ein wunderbares Gefühl. Pure Entspannung. Warum wir so wabbelige Beine hatten, wussten wir ja dann später. 😉 Auf dem Rückweg machten wir noch ein paar Fotos von Yufuin und trafen unsere Freundin. Die Sperrung des Hauptbeckens hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon komplett vergessen, wir waren einfach glückselig.

Abschied von Yufuin

Wieder vereint, besuchten wir ein Restaurant und genossen das erste Mal kalte Soba. Spätestens seit unserem ersten Soba-Genuss in Kyoto waren wir große Fans dieses japanischen Nudelgerichts. In den angrenzenden Souvenir-Shops gingen wir noch kurz auf Entdeckungstour, bevor wir wieder in den Yufuin no Mori stiegen, der uns zurück nach Fukuoka bringen sollte. Zu unserem Erstaunen saßen wir dieses Mal sogar im Abteil der ersten Klasse, welches sehr nobel aussah und uns wieder mit der schönen Ausstattung begeisterte. Auch diese vier Stunden vergingen wie im Flug. Wahrscheinlich waren wir wirklich einfach geschafft von den Eindrücken der bisherigen Reise. Zudem mussten wir für unsere Abendpläne noch etwas Energie tanken.

Karaoke in Fukuoka

In Fukuoka trafen wir uns mit einem Freund von mir, den ich gebeten hatte, dass wir zusammen eine Karaoke-Bar besuchen. Das stand ganz groß auf unserer To-Do-Liste und am vorletzten Tag unserer Reise wollten wir da gern noch einen Haken dran setzen. Unweit vom Bahnhof nutzten wir eine Karaoke-Bar – Bezahlung und Klärung aller Details übernahm zum Glück mein Kumpel, denn unser Kopf war nach dem Onsen-Abenteuer wie in Watte gepackt. Wie läuft das alles ab? Man bezahlte eine Grundgebühr für einen bestimmten Zeitraum und bekam ein separates Zimmer mit Mikrofonen, Bildschirmen und einem Tablet. Zudem lag dort eine Getränkekarte. Jeder musste mindestens ein Getränk bestellen. Und danach begann unser Karaoke-Abend. Auf dem Tablet kann nach jedem erdenklichen Lied gesucht werden. Wer denkt, er muss japanische Schlager singen, hat hier weit gefehlt, denn wir konnten unsere gesamten Singstar-Erfahrungen unter Beweis stellen. Von George Michael bis Queen war alles dabei. Leider war die Zeit viel zu schnell vorbei. Danach sind wir noch ein bisschen im Book-Off-Store stöbern gegangen und haben eine Kleinigkeit zum Abendbrot gegessen. Und danach war der entspannte Onsen-Tag auch schon wieder vorbei. Für den nächsten Tag hatten wir gar nicht viel geplant. Und damit endete der elfte Tag unserer Japan-Reise.

Erfahrt im nächsten Beitrag, was wir an unserem letzten Tag in Fukuoka unternommen haben und wie sich unser Rückflug nach Deutschland am darauffolgenden Tag für uns angefühlt hat.

Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 10: Tagesausflug zur Insel Miyajima und nach Hiroshima

Liebe Leser,

nachdem wir im letzten Beitrag nichts allzu Spektakuläres zu berichten hatten, weil wir von Kyoto nach Fukuoka gereist sind, wird im heutigen Beitrag wieder etwas mehr zu erzählen sein. Für diesen Tag hatten wir nämlich einen Tagesausflug nach Hiroshima und die angrenzende Insel Miyajima geplant.

Wir machten uns also an Tag 10 auf zum Bahnhof Hakata in Fukuoka und fuhren ca. 1 Stunde nach Hiroshima. Vom dortigen Bahnhof ging es weiter Richtung Bahnof Miyajima. Dort würde uns eine Fähre auf die Insel Miyajima fahren. Es war ein wunderbar sonniger Tag und trotz der frühen Stunden wollten viele Menschen mit der kleinen Fähre übersetzen. Die Fahrt ist glücklicherweise im Japan Rail Pass inklusive und dauert nur 10 Minuten. Wir ließen also Hiroshima erstmal hinter uns und setzten über zum Weltkulturerbe.

Miyajima – die Schrein-Insel

Auf Miyajima angekommen, gönnten wir uns zunächst ein Eis. Ich wählte erneut ein Matcha-Eis, weil das letzte so lecker war, meine Begleiterinnen entschieden sich für die ausgefallenen Sorten „Süßkartoffel“ und „Schwarzer Sesam“. Diese Sorten schmeckten erstaunlicherweise sehr gut. 😁 Wir spazierten über die Insel und sahen schon von Ferne das bekannte rote Tori im Wasser stehen. Dieses bekannte Wahrzeichen Japans hatte auf mich eine ganz besondere Wirkung. Nochmals realisierte ich für kurze Zeit, dass ich wirklich im Land meiner Träume angekommen war. Direkt in Sichtweite befand sich der dazugehörige Itsukushima-Schrein und ein kleiner Strand. Der teilweise im Wasser stehende Schrein, die umliegenden Berge und der wunderschöne Blick über das Meer zur Stadt Hiroshima gaben ein idyllisches Bild ab. Nach den vielen Ausflügen und Eindrücken fühlte ich mich wieder einmal richtig entspannt. Auf Miyajima begegneten uns einige Rehe, die dort einfach zwischen den Statuen, auf den Wegen und um den Tempel herum lagen, standen und gingen. Was eigentlich typisch für die Stadt Nara ist, konnten wir dort in abgeschwächter Form erleben. Nach einem Gang durch den Tempel und einer kleinen Shoppingtour durch die kleinen Straßen von Miyajima bei Sonne satt, machten wir uns auch schon wieder auf den Rückweg nach Hiroshima.

Hiroshima – der Friedensgedenkpark

Nach unserem sehr entspannten Ausflug auf der Insel Miyajima, machten wir uns auf den Weg, um den weltbekannten Friedensgedenkpark zu besuchen. Dieser Park ist um die 12 Hektar groß und befindet sich mitten in der Stadt. Er ist ein Naherholungsgebiet, welches für die Bevölkerung geschaffen wurde, um an die Atombombenabwürfe aus dem zweiten Weltkrieg zu erinnern. Die Bombe von Hiroshima ist direkt über diesem Park detoniert. Hier ist ein Ort entstanden, der nicht nur zur Erholung dient, sondern der das Vergessen dieser schrecklichen Tat verhindert, der an die vollkommene Zerstörung dieses Ortes erinnert und der zum Nachdenken einlädt. Die Stimmung an diesem Ort ist schwer zu beschreiben. Es herrscht keine vollkommene Stille, aber jeder Besucher scheint in sich gekehrt und von einer Art monumentalem Respekt erfüllt.
Der Park ist gefüllt mit ca. 60 Monumenten, die alle ihre ganz eigene Geschichte und Bedeutung haben. Wir hatten nicht genug Zeit um alle 60 Monumente zu besichtigen, aber ich werde euch hier von denen berichten, die wir mit eigenen Augen gesehen haben.

Das Friedensdenkmal von Hiroshima – oder auch „Atombomben-Kuppel“

Das wohl bekannteste Monument ist das Friedensdenkmal, jedoch besser bekannt unter dem Namen „Atombomben-Kuppel“ (A-Bomb Dome). Dieses zerstörte Gebäude gehörte einst zur Industrie- und Handelskammer. Obwohl es nur 160 Metee vom Bodennullpunkt der Atombombe entfernt war, blieb es wie durch ein Wunder weitesgehend bestehen. Die Begründung dafür ist die Druckwelle der Bombe, die fast senkrecht auf das Haus einwirkte. Mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe, steht dieses Monument nicht nur für den Frieden und die Schrecken des Krieges, sondern auch für die unerschütterliche Steh-auf-Mentalität der Japaner. So erklärten uns später zwei Freundinnen aus Hiroshima, dass dieses Gebäude für Zeitzeugen ein Symbol der Hoffnung war.

Als wir vor diesem Gebäude standen, war es ein wirklich majestätischer Augenblick. Obwohl zerstört, strahlte es so viel Kraft aus. Es war für uns schwer zu begreifen, dass dieser nun idyllische Ort einst komplett zerstört war. Das Gebäude ließ erahnen, welche ungeheuerlichen Kräfte dort gewirkt haben mussten. Eisentreppen, verbogen wir Grashalme im Wind. Ein Bild zeigte, wie es an diesem Ort kurz nach der Zerstörung aussah. Erschreckend, luftraubend, angsteinflößend. Aber da war auch die Hoffnung, die das Monument ausstrahlte. Die Hoffnung, dass wir noch stehen und es besser machen können. Wir haben in diesem Moment verstanden, warum das Denkmal den Japanern so viel bedeutet und es ihnen positive Kraft gibt. Nach diesem Anblick waren wir dennoch erstmal sprachlos.

Der Gedenkturm für die mobiliserten Schüler

Wir kamen als nächstes an einem großen Turm vorbei, der mit bunten Bändern geschmückt war und einen Engel zu Füßen hatte. Wie sich herausstellte, erinnert dieser Turm an die Schüler, die mobilisert und anschließend getötet wurden.

Das Kinder-Friedensmonument

Das eindrucksvolle Monument besteht aus einer Art Kuppel, auf der ein Mädchen steht und dabei einen Origami-Kranich hält. Das Denkmal ist dem Mädchen Sadako Sasaki gewidmet, die 1955 an den Folgen der Strahlenkrankheit starb. Sie wurde zum Symbol einer Friedensbewegung. Sadako faltete Origami-Kraniche, um einen Wunsch freizubekommen. Dafür sind laut einer japanischen Legende 1.000 Stück notwendig. Nachdem sie diese Anzahl beisammen hatte, faltete sie unermüdlich weiter, in der Hoffnung auf Heilung. Sadako starb im Alter von 12 Jahren. Sie hatte bis dahin ca. 1.600 Kraniche gefaltet.
In den Schaukästen neben dem Monument sind tausende Papierkraniche zu sehen, die von Kindern aus aller Welt als Widerstand gegen den Atomkrieg im Rahmen der Friedensbewegung gefaltet wurden. Auf dem Monument steht: „Dies ist unser Ruf. Dies ist unser Gebet. Für den Aufbau von Frieden in der Welt.“

Ein Monument, welches mich ganz persönlich berührt hat. Die unzähligen Kraniche zu sehen und die Geschichte hinter dem Mädchen Sadako zu kenne, war einfach so unfassbar traurig und stark, dass es mir kurz die Tränen in die Augen trieb.

Die Flamme des Friedens

Dieses Monument stellt zwei zusammengelegte Hände dar, in deren Mitte eine ewige Flamme brennt. Diese Flamme wurde 1964 entzündet und ist seitdem nicht erloschen. Die Botschaft des Monuments ist, dass die Flamme brennen soll, bis der Tag kommt, an dem alle Atomwaffen von der Erde verschwunden sind.

Dieses Monument löste im Vergleich mit den anderen Denkmälern in mir das merkwürdigste Gefühl von allen aus. Dort zu stehen und die Flamme zu sehen, das bedeutete, dass jetzt in diesem Moment irgendwo eine Waffe vorhanden war, die genau das nochmal anrichten könnte, was wir hier auf Bildern gesehen hatten. Natürlich weiß man, dass es diese Waffen gibt – und, dass es nicht nur eine ist. Diesen Umstand allerdings visualisiert vor Augen gehalten zu bekommen – das fühlt sich so nah und bedrohlich an. Gedanken kann man leichter wegschieben als eine vor dir brennende Flamme.

Kenotaph für die Opfer der Atombombe

Der Kenotaph steht auf einer großen, freien Fläche und beinhaltet die Liste von Opfern verschiedener Nationalitäten, insofern die Angehörigen dem zustimmten. Die Liste wird auch heute noch erweitert. 2015 umfasste die Liste schon 108 Bände und 297.684 Namen. Auf dem Stein steht: „Lasse alle Seelen hier in Frieden ruhen, denn wir werden das Böse nicht wiederholen“.

Den Kenotaph betrachteten wir nur von der Ferne, aber auch dann war er mehr als beeindruckend. An diesem Punkt der Besichtigung erschlugen mich das erste Mal all die Eindrücke und Geschichten, die wir gerade gehört hatten. Ich wusste gar nicht mehr, wohin mit den vielen Gefühlen und Stimmungen.

Die Statue zum Gebet für den Frieden

Diese Statue ist beschriftet mit einem Gedicht von Shinpei Kusano. Frei übersetzt steht dort Folgendes:

„Über dem Halbmond am Himmel,
Eine greifbare Statue einer Mutter und ihres Kindes steht.
Dies ist das Symbol für dauerhaften Frieden.
Liebes kleines Kind, in der Liebe deiner Mutter, spiele die goldene Trompete.
Lass die klaren Töne des Friedens über der Erde und zum Himmel klingen.
Blase auf deine Wangen, spiele die goldene Trompete, die Melodien von nie mehr Hiroshima,
Egal wie unsere Zukunft aussehen wird.“

Diese Statue ist mir in meiner Reizüberflutung fast durch die Lappen gegangen, bis mich meine liebe Freundin darauf hingewiesen hat. Das Gedicht konnten wir damals natürlich nicht entziffern. Ich habe es anschließend noch einmal nachgeschlagen.

Das Atombomben-Hügel-Denkmal

Dieses Denkmal wirkt erstmal unscheinbar, je näher man herantritt, umso imposanter wird es aber. Ein riesiger Hügel, leicht beleuchtet. Daneben eine Tafel, die erklärt, dass hier die meisten der Überreste der Opfer zusammengetragen wurde, die bei dem Atombombenabwurf ums Leben kamen. Etwa 10.000 Urnen lagern hier unter der Erde. Unvorstellbar.

Hier war meine Beherrschung vorbei. Als ich las, dass hier die Aschen von 10.000 Menschen begraben lagen, weinte ich still und meine Freundinnen nahmen mich in den Arm. Dort davor zu stehen und zu wissen, wie sinnlos der Tod dieser Menschen war – ein Gefühl, was ich ganz furchtbar aber auch lehrreich fand. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit hatte, ihnen in Persona dort Respekt zu zollen.

Die Friedensglocke

Eine Stiftung hat dieses Denkmal errichtet. Es ist eine Kuppel mit einer Glocke. Beides ist umgeben von einem Wasserbecken mit Lotosblumen. Auf der Oberfläche der Glocke ist eine Welt ohne Grenzen abgebildet. An der Schlagstelle befindet sich ein Atomsymbol.

Dies war das letzte Monument, welches wir beim Verlassen des Parks sahen. Es war für mich ein Denkmal, welches wieder eine gewisse Hoffnung vermittelte, aber auch die Botschaft, dass wir Menschen es in der Hand haben, die Welt zu zerstören, wenn wir nicht darauf Acht geben.

Danach machten wir uns langsam wieder auf den Weg. Wir wollten noch ein paar Freunde in Hiroshima treffen. Aber die Stimmung war zunächst etwas gedrückt, als wir aus dem Park kamen. Es waren sehr viele Eindrücke gewesen, die es zu verarbeiten galt. Ein Gedanke begleitet uns noch heute. Nämlich, dass dort wirklich ein Wahrzeichen für den Frieden geschaffen wurde.

Okonomiyaki – Hiroshima Style

Wir hatten uns abends mit einer Freundin zum Essen verabredet. Sie hatte direkt gefragt, ob sie ihre beste Freundin mitbringen kann. Bevor wir uns mit den Beiden trafen, machten wir noch einen kurzen Abstecher in ein Kaufhaus – wo wir den Traum unserer schlaflosen Kuscheltier-Spielzeugfiguren-Träume fanden. Ich war wirklich kurz am Überlegen, ob ich den Pinguin mitnehme – aber der hätte wirklich gerade so in meinen Koffer gepasst.

Nach dem Abstecher machten wir uns auf zum Treffpunkt. Es war toll, meine Freundin mal in Natur und Farbe kennenzulernen. Ihre Freundin war auch sehr nett, aber hatte eine sehr überdrehte und quietschige Art an sich. 😀
Die beiden führten uns in ein Restaurant, wo wir Okonomiyaki im Hiroshima Style essen konnten. Anders als in Osaka wird hier nicht nur Teig und Kohl genutzt, sondern Nudeln. Diese Variante war auch extrem lecker, aber erneut viel zu viel – ich habe nur circa ein Dreiviertel davon geschafft.

Die beiden Freundinnen waren wirklich fotowütig und so haben wir einige schöne Erinnerungen von dem Abend zurückbehalten. Wir waren bei unserem Aufbruch nach Fukuoka allerdings mehr als gerädert, weil besagte Freundin so aufgeregt und überschwänglich war, dass wir aus dem Lachen gar nicht mehr herauskamen. Der Abend war gelinde gesagt streckenweise etwas anstrengend. Natürlich waren beide Mädels trotzdem sehr nett und haben uns wieder ein Geschenk gegeben. Da waren wir beruhigt, dass wir für all unsere Freunde Gastgeschenke dabei hatten.

Nach diesem eindrucksvollen Tag fuhren wir nur noch total gerädert mit dem Shinkansen zurück nach Fukukoka, um dort direkt müde ins Bett zu fallen. Für den nächsten Tag war nämlich ein weiterer Tagesausflug geplant – und das von der besonderen Art.

Erfahrt im nächsten Beitrag, wohin der nächste Tagesausflug am vorletzten Tag unserer Japanreise ging, was diese Unternehmung so besonders machte und warum wir danach wie auf Wolken schwebten! Bis zum nächsten Mal!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 9: Von Kyoto nach Fukuoka – Ab- und Anreisetag

Meine lieben Leser,

wie im letzten Beitrag schon angekündigt, wird es im Reisebericht zu Tag 9 in Japan etwas unspektakulärer als die Tage zuvor. Das liegt daran, dass wir an diesem Tag aus Kyoto abreisten und in Fukuoka anreisten. Wir haben also wie schon beim letzten Abreisetag gut 3 Stunden im Zug verbracht. Zudem hatten wir nach den vielen Eindrücken beschlossen, dass wir diesen Tag ganz ruhig angehen. Ich habe allerdings trotzdem beschlossen, euch über diesen Tag zu berichten, weil ich denke, es ist auch wichtig, die ruhigen Momente der Reise darzustellen und zu zeigen, wie man reist und sich nicht nur auf die großen kulturellen Höhepunkte zu konzentrieren. Wie schon in den anderen Beiträgen möchte ich auch einen Einblick geben, wie es bei einer Reise durch Japan „backstage“ so abläuft, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, ob es sich in Japan gut reisen lässt.

So startete unser Tag wirklich gemütlich damit, dass wir die letzten Sachen zusammenpackten, wir die Ferienwohnung fotografisch nochmal dokumentierten und wir uns noch Zeit nahmen, einen entspannten Tee/Kaffee vor dem Aufbruch zu trinken. Als wir den letzten Ausblick aus unserer Unterkunft über Kyoto genossen, waren wir wirklich sehr wehmütig. In den letzten Tagen waren diese zwei Zimmer und dieses wunderbare traditionelle Haus ein Platz in Japan geworden, wo wir uns wirklich zuhause fühlten. Wenn wir auf die komplette Reise zurückblicken, haben wir uns in dieser Unterkunft am wohlsten gefühlt. Schweren Herzens brachen wir schließlich auf und ließen diesen ruhigen, wunderbaren Ort hinter uns, um zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Langsam machte sich auch das zusätzliche Gepäck bemerkbar, denn wir hatten ja schon einiges eingekauft.

Am Bahnhof Kyoto angekommen, besorgten wir uns eine kleine Stärkung für den Weg, der vor uns liegen sollte. Neben Instant-Takoyaki und Instant-Pommes, gab es auch Reisbällchen, die mit wirklich merkwürdig aussehenden Würstchen serviert wurden. Generell sind Würstchen in Japan nicht auf dem Niveau, wie wir es von deutschen Fleischern gewöhnt sind. Sie haben sehr intensive Farben und sehen irgendwie künstlich aus. Probiert wurde es trotzdem und naja … Schuster bleib bei deinen Leisten! 😀

Auf der Fahrt konnten wir uns wieder super entspannen und von den wirklich atemberaubenden Eindrücken in Kyoto erholen. Denn so schön diese Reise auch war, es war auch anstrengend, so viele tolle Dinge zu verarbeiten. Diese kleinen Auszeiten im Zug waren goldwert und ich kann nur jedem raten, sich – auf welche Weise auch immer – Auszeiten zu gönnen, damit man nicht komplett den Blick für die wundervollen Details auf der Reise verliert. Die Zeit im Zug ist mit 3 Stunden nicht allzu kurz, aber die Zeit ist jedes Mal so schnell verflogen, vermutlich, weil man so viel zu verarbeiten hatte.
Wir haben auf der Fahrt im Shinkansen unter anderem unsere Getränke genossen. Ich hatte mir ein Softgetränk gekauft mit Sprudel und Pfirsichgeschmack. Sehr lecker und erfrischend! Eine der anderen beiden Mädels hatte sich bei Starbucks einen Kirschblüten-Kaffee gekauft. Dieser war im praktischen Reiseformat erhältlich und hatte ein praktisches ausfahrbares Trinkröhrchen dabei. Die Zeit, die wir nicht mit Entspannung, Essen, Trinken oder Unterhaltungen verbrachten, nutzten wir im Zug dazu, um Postkarten zu schreiben. Ja, Postkarten! Wir hatten eine Menge Personen auf unserer Liste, denen wir eine Karte schreiben sollten. 😀 Das erforderte teilweise logistisches Denken. Ich habe in jeder Stadt Postkarten gekauft und dann meine Liste Stück für Stück abgearbeitet.
Auf unserer Fahrt kamen wir auch an Hiroshima vorbei, wo wir von Fukuoka aus am nächsten Tag hinfahren würden. Wir wählten Fukuoka als Ausgangspunkt, weil ein Freund von mir dort wohnt und wir von dort aus unseren zweiten Tagesausflug zu einem Onsen perfekt ansteuern konnten.

Nach der Ankunft in Fukuoka, machten wir uns auf den Weg zu unserer Ferienwohnung/-zimmer. Wir lebten dort mit einem Paar zusammen, die ein Zimmer vermieteten. Die ganze Wohnung war mit Ghibli-Figuren und anderem Ghibli-Merchandise ausgestattet, ja man möchte fast sagen: „geschmückt“. Unser Zimmer war klein, übersichtlich, aber auch sauber und ausreichend. Wir haben die Zeit nach unserer Ankunft erstmal fürs Ankommen genutzt und uns ein wenig ausgeruht.

Nach unserer Verschnaufpause haben wir beschlossen, dass wir noch eine kleine Erkundungstour starten. Natürlich auch, um uns etwas zu Essen zu besorgen. Wir entdeckten neben einem Restaurantschild, welches verkehrt herum aufgehängt wurde, auch unseren geliebten Book-Off Store, wo wir direkt wieder nach gebrauchten Büchern, CDs & Co. Ausschau hielten. Dann stolperten wir in einen Konbini, wo wir uns mit Instant-Essen und Getränken für unser Abendbrot eindeckten. Als nächstes schauten wir in einem Supermarkt vorbei, wo wir das deutsche Bier „Prostel“ entdeckten, was uns sehr zum Schmunzeln brachte. Und natürlich mussten wieder die wunderschön gestalteten Gullideckel dokumentiert werden.

Nach unserem kleinen Abendspaziergang kehrten wir in unsere Ferienwohnung zurück und machten uns über unsere Einkäufe her. Und danach – waren wir einfach mal ein bisschen faul und gingen sehr bald ins Bett, nachdem wir noch gefühlt hunderte japanische Minispiele aufs Handy geladen und ausprobiert hatten.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, was wir auf unserer Reise nach Hiroshima und der angrenzenden Insel Miyajima, die zum Weltkulturerbe gehört, erlebten und warum ich fast einen Pinguin aus Japan mitgebracht hätte.

Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 8: Letzter Tag in Kyoto – Philosophenweg, Silberner Pavillon, Goldener Pavillon, Honen-In und Bären-Restaurant

Hallo meine lieben Leser,

nachdem ihr uns im letzten Beitrag auf einen Tagesausflug nach Osaka begleitet habt, sind wir in diesem Artikel den letzten Tag in Kyoto unterwegs. 🙂

Unser Tag hat begonnen wie jeder andere. Traumhaftes Wetter, traumhafte Aussicht, ein paar Reisbällchen und ein paar leckere Getränke aus dem Automaten. Auf dem Weg zu unserem ersten Ziel erkundeten wir wieder die Nachbarschaft. Unter anderem entdeckten wir mehrere kleine Tanuki-Figuren. Tanukis werden fälschlicherweise oft mit Waschbären verwechselt. Tatsächlich sind diese Tiere aber Marderhunde. In Japan sind die Tanukis, vor allem in Form von Figuren oder Statuen, fester Bestandteil der Kultur. Ihnen wird nachgesagt, dass sie ein Leben als Vagabunden führen, boshaft und fröhlich zugleich, immer zu Streichen aufgelegt und laut japanischem Glauben sind sie Meister der Gestaltwandlung. Man sagt, man erkennt einen Tanuki in anderer Gestalt nur an einem Blatt, welches an seinem Körper haftet. Die Figuren sind Glückssymbole. Sie werden oft in Vorgärten oder vor Restaurants oder Kneipen aufgestellt.
Der Hut des Tanukis steht für Schutz vor Unglück oder Unwetter, die großen Augen stehen für Achtsamkeit und das Treffen von guten Entscheidungen, die Sake-Flasche steht für die Tugend, der Schwanz des Tanukis steht für Stärke, Stabilität und das Erreichen von Erfolg, der übergroße Hodensack (eines der markantesten Merkmale dieser Figuren, welches vor allem uns Europäer erstmal verwirrt und belustigt hat) steht für finanzielles Glück. Weiterhin trägt der Tanuki einen Schuldschein, der für Vertrauen  und Treue steht. Der dicke Bauch steht für Entschlossenheit und natürlich trägt jeder Tanuki ein freundliches Lächeln, welches für Freundlichkeit und Glück steht.
In unserer Zeit in Japan haben wir uns haltlos in diese ulkigen Figuren verliebt. Ich kenne bisher niemanden, der diese drolligen Gesellen nicht ins Herz geschlossen hätte. 😀

Der Philosophenweg

Nach diesem kleinen Exkurs, kehren wir zurück zu unserem Weg zu unserer ersten Tagesstation. Wir kamen zum sogenannten Philosophenweg in Kyoto. Dieser Weg ist sehr bekannt und führt an einem Kanal entlang und wird von vielen Kirschbäumen gesäumt. Leider blühten sie während unserer Reise im Februar nicht, aber die reine Vorstellung, wie die Bäume in voller Blüte über dem Kanal hängen, fanden wir schon wunderschön. Der Philosophenweg hat eine wahrlich nachdenkliche Stimmung. Es ist eine sehr ruhige Gegend und er führt an vielen Tempeln vorbei. Wer einen entspannten Spaziergang genießen möchte, sollte diesen Weg nicht verpassen.

Zwischendurch machen wir kurz Halt an ein paar Läden, die Eis und gefüllte Teigbällchen anboten. Gefüllt sind diese meistens mit Fleisch, Zwiebeln, verschiedenen Gewürzen und einer Soße.

Der silberne Pavillon

Nach unserer kleinen Pause gingen wir weiter und erreichten bald unsere erste Station: Den silbernen Pavillon.

In Japan trägt er den Namen Ginkaku-ji und er wurde 1482 als Ruhesitz eines Shoguns erbaut. Als die Anlage erbaut wurde, zog sich die Fertigstellung sehr lange hin. Der Bau blieb bis zum Tode des Shoguns unvollendet. Auf seinen Wunsch hin, wurde die Anlage daraufhin zu einem Zen-Tempel umgestaltet. Während späteren Unruhen brannten viele der Gebäude des Tempels nieder. Den Namen „silberner Pavillon“ hat der Shogun an den goldenen Pavillon angelehnt, der von seinem Großvater erbaut wurde. Seit 1994 ist der Ginkaku-Ji Teil des Weltkulturerbes.
Neben dem Pavillon selbst, umfasst die Anlage einen großen Garten und einen kleinen Wald mit meditativ wirkenden Wegen. Die Anlage lädt zum Verweilen ein.
Ein kleiner Shop bietet wie immer eine Auswahl an tempelspezifischen Souveniren sowie Glücksbringern an.

Miroku-In

Praktisch unbeabsichtigt, kamen wir zufällig am Tempelgelände des Miroku-In vorbei. Dort saß niemand im Shop, man konnte sich selbst bedienen und dann einfach das Geld dafür hinlegen. Wahnsinn. Sowas würde hier nicht funktionieren. Wir kauften uns dort einen Eintrag für das Goshuin-Buch, in dem wir mittlerweile immer mehr Seiten gefüllt hatten. Dieser Tempel ist leicht zu übersehen, aber wer gern noch mehr Kultur auf diesem Weg einbauen möchte, sollte sich dieses kleine Schmankerl nicht entgehen lassen.

Honen-In

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station, machten wir noch einen kleinen Abstecher abseits der Wege. Wir besuchten den etwas versteckten Tempel „Honen-In“, der verborgen auf einer kleinen Anhöhe zwischen vielen Bäumen liegt. Dieser Tempel besticht vor allem durch seine unglaubliche Ruhe. Er ist nicht so bekannt wie die großen Pavillons und dadurch nicht annähernd so überlaufen. Wir waren mit einer kleinen japanischen Gruppe allein auf dem Gelände unterwegs und es war sehr schön, die Ruhe auf sich wirken zu lassen. Neben einer kleinen Gartenanlage, hat der Tempel auch interessante Statuen und Installationen zu bieten. Wer aufregende Momente sucht, ist hier falsch – wer dagegen im Reisetrubel mal zur Ruhe kommen möchte, für den ist der Honen-In genau richtig.

Das Bären-Restaurant

Langsam bekamen wir Hunger. Durch Zufall stolperten wir über ein Restaurant, welches komplett mit Bärchen dekoriert war und auch Essen in Form von Bären anbot. Das wollten wir uns doch nicht entgehen lassen! Also rein da! Wir bestellten zwei verschiedene Bären. Einer hielt unter einer Omelett-Decke ein Nickerchen und der andere hatte ein kleines Ingwerhütchen und Curry mit Hühnchen-Klamotten.

Der goldene Pavillon

Nach unserer Stärkung ging es auf direktem Wege zu unserer nächsten Station – dem goldenen Pavillon bzw. Kinkaku-ji. Wie vorher schon erwähnt, wurde dieser Pavillon vom Großvater des Shoguns erbaut. Bekannt ist die komplette Tempelanlage vor allem für den Pavillon selbst, dessen obere Stockwerke komplett mit Blattgold überzogen sind. Das Gebäude stammt aus dem Jahre 1397.

Die Anlage ist viel weitläufiger als die des Ginkaku-ji, deswegen sollte man hier einige Zeit einplanen, weil man hier gut verweilen kann. Es gibt neben dem Pavillon noch jede Menge andere kleine Highlights zu sehen. Besonders schön fanden wir den Pavillon zum späten Nachmittag, weil die tief stehende Sonne ihm eine ganz besondere Ausstrahlung gegeben hat.

Unseren Tag ließen wir dann anschließend ganz gemütlich mit einer Shopping-Tour in der Innenstadt von Kyoto ausklingen. Wir entdecken allerlei Kuriositäten. Neben Anime-Merchandise und Sojasoßen-Schälchen, stießen wir auf ein Gadget, welches man nutzen kann, falls man in der Wanne lesen möchte. Dort steckt man sein Buch hinein, verschließt es fest und kann mit zwei daumenförmigen Ausbuchtungen dann Umblättern. Ich konnte es mir nicht verkneifen, das für die Buchliebhaber unter euch zu fotografieren. 🙂 Falls ihr also Zeit entbehren könnt, solltet ihr in den vielfältigen Kaufhäusern in Kyoto vorbeischauen und euch von dem manchmal amüsanten Angebot verzaubern lassen.

Nach den vielen Metern, die wir an diesem Tag wieder gelaufen sind, machten wir uns auf den Rückweg in unsere Ferienwohnung. Denn der nächste Tag würde ganz im Zeichen der Abreise aus Kyoto stehen.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie wir von Kyoto nach Fukuoka gereist sind und welche Stationen wir für die folgenden Tage geplant hatten. Dieser Beitrag wird sehr kurz werden, dafür wird aber der darauffolgende Artikel umso länger werden!

Bis dahin!

EURE HACHIDORI

 

Japan – Tag 7: Tagesausflug Osaka – Schloss Osaka, Shinsekai „New World“ und Dotonbori-Flussufer

Liebe Leser,

nach dem Kultur-Trip in Kyoto am Vortag hatten wir an Tag 7 unserer Japanreise einen Tagesausflug geplant – und zwar nach Osaka! Osaka ist nicht nur für sein Nachtleben und seine moderne Architektur bekannt, sondern wird auch als „Die Küche Japans“ bezeichnet. Davon wollten wir uns unbedingt selbst ein Bild machen.

Doch zunächst – wie auch die letzten Tage – begann der Morgen für uns in Kyoto. Nach dem Genuss unserer obligatorischen Reisbällchen aus dem Konbini, machten wir uns auf den Weg zum Hauptbahnhof von Kyoto. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir in der Nachbarschaft wieder allerlei spannende Sachen. Als wir den Bahnhof erreichten, war ich besonders begeistert von der Pinguinstatue vor dem Eingang. Innerhalb des Bahnhofs konnte man sich schon auf die modernen Architektur in Osaka einstimmen. Denn hier sah es nicht weniger beeindruckend aus.

Wir reisten dank unseres Japan Rail Passes mit einem Shinkansen nach Osaka. So brauchten wir nur 10 Minuten, bis wir Osaka erreichten. Unsere Gastgeberin in Kyoto war darüber sehr amüsiert. Sie erzählte uns, dass eigentlich nie jemand von Kyoto nach Osaka mit dem Shinkansen fahren würde, weil es zu teuer wäre. Durch unseren Pass hatten wir da einen entscheidenden Vorteil. Mit der Lokalbahn dauert es aber auch nur gut eine halbe Stunde, bis man in Osaka ist, was für einen Tagesausflug durchaus auch okay ist.

Ankunft in Osaka

In Osaka angekommen, nahmen wir dort eine Bahn in Richtung des bekannten Schlosses von Osaka. Wir erwischten eine Bahn, die ein Women-only-Abteil besaß. Davon hatten wir vorher schonmal gelesen, aber natürlich wollten wir das mal hautnah erleben, in einem extra Abteil für Frauen zu fahren. Also stellten wir uns brav an die Markierungen dafür und stiegen dann in ebendiesen Waggon. Man sollte meinen, die Waggons hätten nicht viel anders sein müssen als der Rest der Bahn – allerdings hatten wir das Gefühl, dass neben den pinken Markierungen, auch die Innenausstattung etwas freundlicher wirkte und die Werbung war natürlich auch auf Frauen ausgelegt.

Nachdem wir nun endlich in dem Stadtteil von Osaka ankamen, zu dem wir wollten, konnte unsere Entdeckungstour beginnen. Wir begaben uns von einem der umliegenden Bahnhöfe nun in Richtung Burg Osaka. Auf dem Weg dorthin konnten wir schon erste Eindrücke zur Stadt sammeln. Osaka wirkt entgegen Tokyo und Kyoto etwas schäbiger, könnte man so lapidar sagen. Ein bisschen hatte es etwas von einer Studenten-Atmosphäre – chaotisch, frei und vor allem bunt. Allerdings ist der Stilbruch zwischen Moderne und Tradition hier auch nochmal ein Stück härter und darum spannender. Mich hat fasziniert, dass die Stimmung dieser drei Städte so verdammt verschieden war – vorher dachte man ja auch ein bisschen „Japan ist Japan“. Allerdings werden die Unterschiede sehr schnell und vor allem im Stadtbild klar.

Schloss Osaka

Auf dem Weg zum Schloss passierten wir Wolkenkratzer und geschäftige Kreuzungen. Immer weiter tasteten wir uns vor, bis wir in der Nähe des Schlosses waren. Wir wollten das Schloss gar nicht von innen besichtigen, wir wollten uns lediglich ein bisschen die Anlage drumherum und das Schloss von außen betrachten. Schließlich hatten wir an diesem Tag ein straffes Programm. 🙂
Wir gingen also durch die Befestigungsanlagen und über mehrere Brücken. Tatsächlich dauert es gefühlt ewig, bis man auch nur im Entferntesten in die Nähe des Schlosses kommt. Man hat von der Schlossanlage einen tollen Blick zur Skyline von Osaka und man kann dort sehr gut einige Zeit spazieren gehen. Wer das ganze Gelände erkunden will, sollte also anders als wir genügend Zeit mitbringen. Besonders beeindruckend fanden wir die Dimensionen – die Mauern waren an einigen Stellen so unfassbar hoch und wenn man sich vorstellt, wie diese Anlagen erbaut wurden, ist es wirklich Wahnsinn, wie groß das alles ist. Nach einer Pause, in der wir ordentlich Fotos geschossen hatten, machten wir uns dann auf zu unserer nächsten Station.

Was mir besonders gut gefallen hat, war, dass die Wege zwischen unseren fixen Punkten schon ein Erlebnis waren. Es gab so unheimlich viel zu entdecken. Osaka war in jedem Fall eine sehr lebendige Stadt. Wir entdeckten zwar auch viele Kuriositäten, aber diese Stadt hat uns mit ihrem einzigartigen Charme schon in den ersten Stunden fasziniert. Wir entdeckten nicht nur erneut wunderschöne Gulli-Deckel, sondern auch lustige Hinweisschilder, einen Grundriss der Bahnhofstoilette und, und, und.

Shinsekai

Unsere nächste Station war Shinsekai, eines der bekanntesten Viertel in Osaka. Hier findet man an jeder Ecke Essen, Essen und nochmals Essen, sowie Souvenirshops, Videospielautomaten und weiteren Firlefanz. Shinsekai ist wirklich verrückt. Hier betritt man praktisch eine Art Parallelwelt. Alles ist nochmals bunter als sowieso schon und die Fassadengestaltungen erschlagen einen praktisch mit ihren Eindrücken. Wahrzeichen dieser Gegend ist beispielsweise der Kugelfisch, der an einer Fassade angebracht ist, sowie der Tsutenkaku Tower, den man von hier aus sehr gut sehen kann. Außerdem habe ich mal gelesen, dass dieses Viertel die höchste Kriminalitätsrate in Japan haben soll, allerdings ist diese wie im ganzen Land im Vergleich mit anderen Ländern verschwindend gering. Besonders begeistert hat mich ein Restaurant, welches Sumoringer-Portionen anbot. Hier konnte man Desserts für 15 Personen oder ein Omelett für 20 Personen bestellen. Die Essensnachbildungen vor dem Restaurant brachten uns zum Staunen.

Nach diesen Eindrücken hatten wir dann selbst etwas Kohldampf. Und was isst man in Osaka? Natürlich Okonomiyaki. Dafür ist diese Stadt ja unter anderem bekannt. Okonomiyaki ist eine Art Eierkuchen/Pfannkuchen aus Teig, Kohl, Gemüse und wenn man möchte Fleisch und Ei – darüber kommt dann eine Soße und Mayonnaise und wenn man möchte Lauch. Die Variationen sind sehr vielfältig. Als wir ein Okonomiyaki-Restaurant in Shinsekai gefunden hatten, warteten wir am Eingang und trugen uns in de Gästeliste ein. Nach ein paar Minuten wurde uns ein Tisch zugewiesen. Dort bediente uns eine Kellnerin, die nicht nur die Bestellungen aufnahm, sondern auch die Okonomiyaki vor unseren Augen auf einer im Tisch eingelassenen Herdplatte zubereitete. Das ist zum Einen sehr interessant anzusehen, zum Anderen aber auch echt fies, wenn man Hunger hat und warten muss, bis das dampfende Okonomiyaki fertig ist und es während der Entstehungsphase direkt vor einem liegt. 😀 Es war superlecker, aber eine viel zu große Portion. Gegessen wird mit Stäbchen, aber Stückchen abgetrennt werden mit einer kleinen Spachtel. Solltet ihr in Osaka zu Gast sein – lasst euch diese Speise nicht entgehen!

Nach dem Essen waren wir gestärkt und konnten endlich den Rest von Shinsekai erkunden. Hier lasse ich einfach mal die Eindrücke wirken – denn man kann nur zusammenfassen: Shinsekai ist bunt, verrückt und wirklich japanisch!

Nambayasaka-Schrein

Nach unserem Shinsekai-Trip hatten wir noch den Nambayasaka-Schrein auf unserer To-Do-Liste. Leider sind wir so in der New-World-Idylle von Shinsekai versunken, dass wir den Schrein nicht mehr zur Öffnungszeit erreichten. Deswegen verrenkten wir uns, um wenigstens ein Foto unterm Türschlitz hindurch zu ergattern. Der Nambayasaka-Schrein ist bekannt für sein riesiges Löwenmaul, welches sehr eindrucksvoll ist. Auch, wenn wir nur einen Blick erhaschten, haben wir einen schönen Abendspaziergang durch Osaka erlebt.

Da es nun langsam dunkel wurde, begaben wir uns zu unserer letzten Station des Tages. Auf dem Weg dorthin entdeckten wir eine Disney-Schuhkollektion und sammelten wieder viele Eindrücke. Tatsächlich haben wir an diesem Tag viel Zeit einfach verlaufen. Man vergisst sich, wenn man so durch die Straßen von Osaka streift. Doch dann kam unser Ziel in Reichweite – wir waren auf dem Weg zu dem bekannten Flussufer des Dotonbori mit seinen Leuchtreklamen.

Dotonbori

Alltag aus, Nachtleben an! Hier spürt man, warum die Gegend um den Fluss Dotonbori so bekannt ist. Unzählige Leuchtreklamen und viel zu viele Menschen. Es war atemberaubend, aufregend und auf seine ganz eigene Art wunderschön.
Direkt am Dotonbori konnten wir den bekannten Glico-Man bewundern. Natürlich war diese beeindruckende Kulisse auch sehr reizüberflutend. Man weiß einfach nicht, wohin man zuerst schauen soll, da nahezu alles dort spektakulär wirkt.

Nachdem wir uns in dieser Gegend etwas umgesehen hatten, sind wir wieder Richtung Kyoto gefahren. Der Tagesausflug mit seinen vielen gelaufenen Metern machte sich gerade jetzt bemerkbar. Wir waren sehr kaputt, aber wie immer glücklich über die tollen Eindrücke, die wir sammeln durften. Und so zufrieden gingen wir zu Bett.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, was wir am letzten Tag in Kyoto unternahmen, welche Tempel wir dort besuchten und was es damit auf sich hatte, dass wir Bären gegessen haben. WTF!? Lasst euch überraschen und bis zum nächsten Mal!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 6: Kiyomizudera, Jishu-Schrein, Suzumushidera und Arashiyama

Hallo meine lieben Leser,

getreu meinen Vorsätzen für 2019 geht es heute weiter mit dem Reisetagebuch zur Japanreise, die jetzt schon fast ein Jahr her ist. Unglaublich!

Heute widmen wir uns Tag 6 im Land der aufgehenden Sonne. Wir befinden uns immer noch in Kyoto und im letzten Beitrag endete Tag 5 mit der kleinen Enttäuschung, dass wir zu spät am Tempel Kiyomizudera ankamen und ihn somit nicht mehr besichtigen konnten. Für den sechsten Tag also war unsere erste Station klar! Auf in Richtung Kiyomizudera.

Doch zunächst, wie jeden Morgen, verspeisten wir ein paar Reisbällchen, um gut in den Tag starten zu können. Wie auch die letzten Tage begrüßte uns Kyoto mit einer wunderbaren Aussicht von unserer Unterkunft aus und einem strahlend blauen Himmel. Mit dem Wetter hatten wir auf der gesamten Reise extremes Glück. Es hat nie geregnet, nur ein einziges Mal haben wir während einer Zugfahrt ein bisschen Schnee gesehen, ansonsten Sonne satt und blauer Himmel mit ein paar Dekowölkchen.

Nach dem Frühstück gingen wir den altbekannten Weg zur Busstation und fuhren wieder Richtung Kiyomizudera. Erneut liefen wir die stark ansteigende Straße zum Tempel empor, vorbei an den vielen kleinen Läden mit japanischem Schnickschnack. Dieses Mal hatte der Tempel geöffnet.

Wir erkundeten zunächst das Tempelgelände, welches wir auch am Vortag schon ohne Eintrittsgebühren ein bisschen besichtigt hatten. Ursprünglich waren wir gar nicht so heiß darauf, den Kiyomizudera zu besichtigen. Vielmehr hatte es uns der Jishu-Schrein angetan, der Schrein der Liebe. Dieser liegt direkt neben dem Tempel und Google Maps schickte uns erstmal komplett falsch. Wir dachte, wir müssten nur für den Tempel Eintritt zahlen, der Schrein wäre auch so erreichbar. Deswegen sind wir erstmal wieder vom Tempelgelände verschwunden und in eine kleine Gartenanlage gestolpert, weil wir versuchten, ohne Einlasskontrolle den Schrein zu finden. Nunja, wie gesagt war Google Maps an dieser Stelle etwas verwirrt. Wir fragten also schnell ein paar Einheimische – dachten wir, denn tatsächlich waren es selbst Touristen, die nicht aus Kyoto kamen – und diese erklärten uns, dass man hinter der Einlasskontrolle zum Kiyomizudera auch den Weg zum Jishu-Schrein finden würde. Eigentlich war das auch wirklich überhaupt nicht schwer zu finden, aber wir haben uns hier wirklich mehr als glatt angestellt. 😉

Nach dieser Hilfestellung hieß es nun: Auf, auf, Eintritt zahlen und dann ENDLICH den Jishu-Schrein (und nun eben auch den Kiyomizudera) besichtigen. Da wir uns das Schmankerl bis zum Schluss aufheben wollten – haben wir uns erstmal den Tempel vorgenommen.

Kiyomizudera

Der Kiyomizudera ist ein buddhistischer Tempel und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt Kyoto. Er gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Bekannt ist er vor allem für seine hölzerne Terrasse, welche auf 13 Meter hohen Holzpfeilern an einen steilen Hang gebaut wurde.

Tatsächlich ist an dem Tempel vor allem sein Aussehen durch das wunderschön dunkle Holz in meiner Erinnerung geblieben. Selbst der Boden bestand aus dickem Holz mit Astlöchern. Es war sehr atmosphärisch, zumal trotz des vielen Holzes kleine Rauchschalen im Inneren standen. Alles wirkte groß und hell, da der Tempel nach außen hin großräumig offen war. Nur ein kleiner Bereich in der Haupthalle war mystisch und dunkel, genau dort, wo auch der Altar steht. Die Holzkonstruktionen des Tempels sind wirklich atemberaubend schön. Der ungeplante Besuch hatte sich auf jeden Fall gelohnt, denn auch die Aussicht vom Kiyomizudera aus war einfach klasse. Wir verweilten jedoch nur kurz im Inneren, denn wir wollten noch den Schrein und einige andere Highlights an diesem Tag besichtigen.

Jishu-Schrein

Weiter ging es zum Jishu-Schrein, dem Schrein der Liebe. Im Schrein befinden sich zwei Steine, die als „Liebes-Vorhersehungs-Steine“ bezeichnet werden. Geht man den Weg zwischen den beiden Steinen mit verschlossenen Augen, wird der Liebeswunsch dieser Person erfüllt. Wie ihr euch denken könnt, stieß diese süße Tradition bei unserer dreiköpfigen Mädels-Reisegruppe auf große Begeisterung. 🙂

Wir halfen uns dann gegenseitig, den Weg zwischen den Steinen mit verschlossenen Augen zu meistern. Laut Weissagung bedeutet dies außerdem, dass die helfenden Personen einem immer einen guten Rat in Sachen Liebe geben können. Das hatten wir vorher nicht gewusst, aber umso schöner, dass uns dieser kleine Aberglaube noch mehr verbindet. 😀

Natürlich gab es noch allerlei anderen Schnickschnack zu sehen. Bspw. eine kleine Papierfigur, auf die die eigenen Sorgen und Probleme geschrieben werden. Geht diese Figur im dabeistehenden Wassertrog unter, werden sich diese Probleme lösen. Bleibt die Figur allerdings an der Wasseroberfläche, werden die Sorgen nicht vergehen. Das wollte ich doch gleich mal ausprobieren! Und – puh – Glück gehabt, meine Figur ging unter!

Außerdem gab es allerlei kleine Glücksbringer zu kaufen. Ich habe für meinen Freund bspw. einen Anhänger gekauft, für allzeit gute Fahrt. Natürlich mit obligatorischem Glöckchen, damit die Götter auf ihn aufmerksam werden beim Fahren. 😉
Außerdem gab es Partner-Talismane für Glück in der Liebe. Aber auch für Menschen ohne Partner war die Auswahl beträchtlich. Wie überall konnte man auch schlicht einen Talisman für Gesundheit, Erfolg oder Babyglück erwerben.

Nach diesem „Liebesabenteuer“ machten wir uns auf den Rückweg, um etwas Essbares zu finden. Wir haben uns in einem kleinen Restaurant am Ende der steilen Straße niedergelassen, die zum Kiyomizudera führt. Es sah sehr unscheinbar aus, allerdings hatten sie erstaunliche Nudeln im Angebot. Neben normalen Udon-Nudeln gab es dort auch Matcha-Soba. Das musste ich natürlich ausprobieren. Und tatsächlich erhielt ich Grüne-Tee-Nudeln. Sie waren extrem lecker. Eine meiner Freundinnen hatte sich Udon bestellt und die andere Freundin einen Kaffee und ein Stück Matcha-Kuchen. Dazu bekamen wir als kleine Süßigkeit Matcha-Bonbons und knusprige Sesam-Plättchen. Was mir besonders an Japan fehlt, sind die Erfrischungstücher, die einem vor jedem Essen gereicht werden, damit man sich vorm Essen die Hände reinigen kann. Das fand ich nicht nur hygienisch, sondern auch einen super Service. Daumen hoch! Auch der kostenlose grüne Tee oder das kostenlose Wasser, was man in den Restaurants erhält, würde ich hier in Deutschland gern einführen.

Nach unserer Sättigung fuhren wir mit dem Bus eine längere Strecke in den Bezirk Arashiyama. Dort wollten wir vor allem den berühmten Bambuswald besichtigen, fanden aber auf dem Weg noch andere Attraktionen. Wir sind dann ein bisschen durch die Gegend spaziert, weil wir auf der Karte den Tempel Suzumushidera entdeckten. Diesen Abstecher gönnten wir uns, auf dem Weg zur nächsten Bushaltestelle. Dabei liefen wir durch ein ruhiges und abgelegenes, japanisches Wohnviertel. Die japanische Architektur ist so komplett anders als unsere, dass uns selbst nach fast einer Woche noch jeder Straßenzug in Verzückung versetzte.

Suzumushidera

Der Tempel ist vor allem bekannt für sein Grillenzirpen, was verständlicherweise von uns nicht zu hören war, da wir im Winter reisten. Der Tempel ist nicht allzu groß, hat aber eine sehr schöne Gartenanlage, die man gegen Bezahlung besichtigen kann. Wir wussten nichts von dem Eintritt und sammelten beim Suzumushidera noch einen weiteren Eintrag für unser Goshuin-Buch (worin man Kalligraphien der Tempel sammeln kann). Wir haben uns den kleinen Vorgarten angesehen und haben uns dann entschieden, lieber weiterzuziehen, damit wir noch mehr Zeit für den Bambuswald hätten.

Also ging es auf zur nächsten Bushaltestelle. Mit dem Bus fuhren wir nun weiter. Wir kamen nahe des Katsura Flusses an und bewunderten auf der dortigen Brücke die Umgebung mit ihren Bergen und dem kleinen Damm „Kadono Ooi“.

Durch das Viertel Arashiyama machten wir uns nun auf den Weg zum weltweit bekannten Bambuswald. Am Wegesrand fanden wir wieder kleine Läden und viel Sehenswertes. Arashiyama ist eine touristisch nicht allzu überlaufene und eher ruhige Gegend gewesen, was wir sehr genossen. Dort bin ich tatsächlich das erste Mal so richtig runtergefahren in unserem Urlaub. Wir aßen ein viel zu teures frittiertes Käsestäbchen und ein japanisches Crépe.

Danach stolperten wir wieder mal zufällig über einen Rilakkuma-Shop. Rilakkuma ist ein japanisches Maskottchen, ein kleiner Bär, der sich sehr sehr großer Beliebtheit erfreut. Und das nicht nur in Japan! Wir hatten den Rilakkuma Honey Shop gefunden! Alle Kuscheltiere hatten kleine Bienenanzüge an. Das war so oberniedlich! Überall in diesem Shop waren kleine Rilakkuma-Details versteckt. Hach – wir waren selig.

Nach diesem Ausbruch an Niedlichkeit kamen wir an einem Stand vorbei, der leuchtende, bunte Zuckerwatte verkaufte. Leider war die letzte Bestellannahme schon vorbei und wir zogen ein bisschen enttäuscht weiter.

Der Bambuswald von Arashiyama

Und endlich war es soweit. Wir sahen den ersten Bambus! Als Europäer macht man sich ja keine Vorstellung, wie hoch diese Pflanze wachsen kann. Wir waren beeindruckt von der Größe dieser Pflanze. Noch beeindruckender war, dass beim ersten Schritt in den Bambuswald direkt alles etwas dunkler war. Die hohen Bambusstangen schluckten eine Menge Licht, weswegen auch das Fotografieren ohne Blitz auf einmal sehr viel schwieriger wurde.

Im Winter war der Anblick des Bambus wahrscheinlich sehr viel trostloser als im Sommer oder Frühling, aber wir haben den Spaziergang durch diesen Wald trotzdem sehr genossen. Es war eine sehr entspannende Atmosphäre und wie gesagt eine sehr beeindruckende Erfahrung, den Bambus in Natura so hoch wachsen zu sehen. Ich kann diesen Ort daher nur jedem Japanreisenden empfehlen. Viel darüber zu sagen bleibt eigentlich auch nicht, man sollte diesen Ort für sich sprechen lassen.

Nach unserem entspannten Tagesausklang sind wir erneut in die Innenstadt von Kyoto gefahren und haben ein paar Geschäfte unsicher gemacht, bevor wir wie immer erschöpft von den Eindrücken in unsere Ferienunterkunft zurückkehrten. Diesen Tag hatten wir absichtlich gemütlich gestaltet und sind nicht allzu spät ins Bett gegangen, da wir am nächsten Tag einen Tagesausflug nach Osaka machen wollten.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie wir während unseres Tagesausflugs die Stadt Osaka erkundeten, das erste Mal Okonomiyaki aßen und die berühmten Leuchtreklamen am Dotonbori Fluss besuchten. Bis zum nächsten Reisebericht!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 5: Katzen-Café, Fushimi Inari, Kiyomizudera und Gion Shinbashi

Meine lieben Leser,

mein letzter Beitrag über meine Japanreise im Februar 2018 ist schon viel zu lange her. Mittlerweile ist ja schon fast ein Jahr vergangen, seit ich in dem Land der aufgehenden Sonne war. Das kommt mir wirklich überhaupt nicht so vor. Mittlerweile habe ich gut ein Dreiviertel der Fotos sortiert (leider haben mich die Highlights des letzten Jahres etwas aufgehalten) und das erste Fotobuch über Tokyo fertiggestellt.

Dieses Jahr geht es für euch und mich hier auf dem Blog mit den Reiseberichten aus Kyoto weiter. Wie ihr euch vielleicht dunkel erinnert, habe ich euch im letzten Beitrag berichtet, wie wir abends nach einer dreistündigen Zugfahrt mit viel Gepäck auf einem Berg in unserer Ferienwohnung ankamen und mit einem atemberaubenden Ausblick aus unserem Zimmer über ganz Kyoto überrascht wurden. Wow! Danach sind wir ziemlich geschafft ins Bett gefallen – oder sollte ich besser „ins Futon gefallen“ sagen? Denn in unserer Unterkunft in Kyoto haben wir auf echten Futons (dünne Matratzen auf dem Boden) geschlafen. Ich habe nie besser geschlafen als auf einem Futon. Dazu die angenehm kalte Luft durch fehlende Zentralheizung … es war unheimlich erholend. Unsere Gastgeberin hatte uns extra zwei Futons übereinander gelegt, damit es für unsere bettenverwöhnten Rücken nicht zu hart wird. Über uns lagen schließlich drei Schichten aus Decken, um uns gut zu wärmen. Unbequem war das Futon zu keiner Zeit, was sicherlich auch an den Tatami-Matten liegt, die in diesen traditionellen Häusern ausliegen. Tatami-Matten werden aus Reisstroh hergestellt und haben eine dämmende und dämpfende Wirkung. Es ist ein ganz anderes Gefühl, über diese Matten zu laufen oder darauf zu schlafen, als auf unserem gewohnt harten Boden in Deutschland.

Nach diesem Exkurs, zurück zu Tag 5 in Japan. Wir wachten also den ersten Morgen in Kyoto auf. Wir hatten auf den Futons traumhaft gut geschlafen, ohne jegliche Rückenschmerzen. Meine Freundin, die direkt am Fenster lag, schob die Schiebetür vor dem Fenster beiseite, sodass Tageslicht ins Zimmer fiel und wir Kyoto das erste Mal bei Tag sahen. Wieder schoss ein leises „Wow“ durch meine Kopf. Der Blick über die Stadt bei Tag war mindestens so atemberaubend wie bei Nacht. Zudem konnte man nun den wunderschönen Garten und mehr Details des Hauses im Außenbereich erkennen.

Unsere Gastgeberin hatte das Haus bereits am Morgen verlassen. Wir begannen den Morgen damit, in der Wohnküche Tee und Kaffee zuzubereiten, um in den Tag zu starten. Wie jeden Tag hatten wir uns am Vortag in einem Konbini (24/7-Shop) ein paar frische Onigiri (gefüllte Reisbällchen) besorgt, die wir immer zum Frühstück aßen. Meine Lieblingssorte war neben dem Klassiker Thunfisch mit Mayo übrigens Kombu-Alge und Lachs. Ei und Kürbis war nicht so mein Fall. Und die beiden anderen Mädels haben noch andere Sorten probiert, von denen wir zum Teil nicht mal wissen, was es war, weil wir keine Übersetzung wussten oder gefunden haben. xD

Als wir uns auf den Weg machten, die Stadt zu erkunden, waren wir davon fasziniert, was für eine malerische Umgebung um unsere Ferienunterkunft zu finden war. Wir hatten Blick auf die umliegenden Berge, auf denen im Sommer zum Sommerfestival große Schriftzeichen entzündet werden. Die dafür vorgesehen Stellen konnten wir auch im Winter erkennen. Unsere Gastgeberin betonte immer wieder, dass wir im Sommer zu diesem Festival unbedingt nochmal wiederkommen müssten. Und das habe ich vor. Das steht ganz groß auf meiner To-Do-Liste. Nun weiter mit der Beschreibung der Umgebung. Denn dort fand sich nicht nur der tolle Blick auf die Berge, sondern auch ein kleiner Bambus-Hain direkt vor unserer Haustür. Unser erster japanischer Bambus!

Unsere Gastgeberin hatte uns den Weg zum Bahnhof beschrieben, allerdings zweigten wir erstmal falsch ab und kamen nicht nur an einem Warnschild „Vorsicht, Bären!“ vorbei, sondern auch an einem japanischen Friedhof. Dieser war im Gegensatz zu unseren Friedhof erstaunlich prunk- und vegetationslos. An einem Getränkeautomaten hatten wir dann wieder mal die Gelegenheit uns eine kleine Erfrischung zu holen. Ich habe extra fotografiert, wie die heißen und kalten Getränke dort gekennzeichnet werden.

Irgendwann wählten wir dann den richtigen Weg und kamen an der Bushaltestelle zum Bahnhof an. Dort bot sich uns ein Schauspiel, was sich mir für immer eingeprägt hat. Anscheinend war gerade ein Marathon gewesen, denn überall waren Baken und Läufer zu sehen. Allerdings schien dies das Ende des Marathons zu sein. Denn hinter dem letzten Läufer fuhr ein kleiner Lastwagen und neben diesem Gefährt liefen mehrere Japaner, die die Baken und alles, was an den Marathon erinnerte, direkt auf den Wagen schmissen. Während bei uns nach einem Marathon noch zwei Tage aufgeräumt wird, wird in Japan kurzerhand direkt hinter dem letzten Läufer alles in Ordnung gebracht. Das war nicht nur beeindruckend, sondern auch beneidenswert.

Als wir nach einer Busfahrt (in Kyoto gibt es hauptsächlich Busnetze und nicht so viele S- und U-Bahnen) am Bahnhof ankamen, wählten wir endlich eine Bahn in Richtung unseres ersten Ziels für den fünften Tag in Japan. Auf in Richtung Fushimi Inari!

Das Katzen-Café

Auf dem Weg von der Station „Fushimi-Inari“ zum Schrein, stolperten wir sehr zufällig über das Neko Café TIME, ein Katzen-Café. Mittlerweile haben davon ja schon fast alle mal etwas gehört, die sich irgendwie mit Japan beschäftigen, aber für alle anderen: Ein Katzen-Café bietet die Möglichkeit Getränke zu bestellen und nebenbei mit Katzen zu kuscheln. Für eine meiner Begleiterinnen stand es auf der unbedingten To-Do-Liste, ein solches Café zu besuchen. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden, wo und wann wir es machen wollten und wählten nun spontan dieses Café aus. Unsere Wahl sollte nicht enttäuscht werden. Oftmals werden in den Cafés Katzen aus dem Tierheim oder von der Straße aufgepeppelt und versorgt. Zudem bietet Japan mit dem geringen Wohnraum den Japanern oft auch gar nicht die Möglichkeit Tiere zu halten, weswegen die Katzen-Cafés so auch einen sozialen Nutzen haben. Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass die vielen Tier-Cafés (es gibt auch welche mit Igeln, Eulen, Pinguinen o.ä.) nicht immer gut geführt und die Tiere nicht immer gut versorgt werden. Immer wieder wird von fatalen Zuständen berichtet. Wir hatten Glück und haben ein Café mit genügend Platz und sehr gut gepflegten und glücklichen Katzen vorgefunden. Daher möchten wir hier auf jeden Fall eine Empfehlung für das Neko Café TIME aussprechen. Hier gibt es sogar die Möglichkeit, für seinen Liebling am Ausgang zu voten und am Ende des Monats wird die Katze des Monats gekürt. Das Café wurde zudem von Trip Advisor ausgezeichnet und hatte eine helle und freundliche Atmosphäre. In einem kleinen Buch kann man etwas über die Geschichten und Charaktere der Katzen nachlesen. Wir haben auch Getränke bestellt und ich hatte endlich meinen Zitronentee in der Dose gefunden! Ich habe vor vielen Jahren eine Folge in Detektiv Conan gesehen, wo es um den berühmten heißen Zitronentee in einer Dose ging. Deswegen war ich etwas enttäuscht, in den Getränkeautomaten immer nur Flaschen vorzufinden. Hier war ich also nun voller Glück und hatte eine heiße Dose Zitronentee ergattert. Meine Freundin war ebenfalls selig und widmete sich ganz den kleinen Vierbeinern.

Das Stäbchen-Fachgeschäft

Ebenfalls zufällig drüber gestolpert sind wir über ein Stäbchen-Fachgeschäft. Ich garantiere euch, so viele verschiedene Stäbchen habt ihr auf einem Haufen noch nie gesehen! Als Europäer mag ein Stäbchen oftmals nicht so eine Bedeutung haben, aber für die Japaner ist es DAS Utensil zur Nahrungsaufnahme und das auch heute noch. In diesem Laden merkte man, dass es für jede Person das passende Stäbchen geben muss. Unterschiedliche Materialien, angeraute oder glatte Spitzen, ausfahrbare und zusammenschraubbare Reisestäbchen, Luxusstäbchen, verzierte Stäbchen, geschirrspülergeeignete Stäbchen, handbemalte und gravierte Stäbchen und ja – sogar Partnerstäbchen und Kinderstäbchen!
Auch wir wollten uns ein paar richtig gute Partnerstäbchen gravieren lassen. Ich habe auf je ein Stäbchen den Namen in Latein und auf das andere Stäbchen in Japanisch schreiben lassen. Die Spitzen sind angeraut für besseren Griff beim Essen und sie sind aus einem dunklen Holz handgefertigt. Am Ende der Stäbchen sind Darstellungen des Fuji zu sehen. Einmal bei Sonnenuntergang und einmal mit Kirschblüten. Die Stäbchen für die Frauen sind übrigens tatsächlich ein Stückchen kleiner als die Stäbchen für Männer. Billig ist so ein handgefertigtes und graviertes Stäbchen natürlich nicht. Ich habe für meine Exemplare ca. 40 Euro gezahlt. Aber als besonderes und vor allem nützliches Mitbringsel war es mir das auf jeden Fall wert. Schließlich ist es für echte Handarbeit immer noch ein günstiger Preis. Wer allerdings nicht so viel Wert auf Material und Qualität legt oder vielleicht ein günstiges Mitbringsel sucht, für den gibt es in so einem Laden (aber auch in vielen Touristen-Shops) Päckchen mit Stäbchen-Sets, die trotzdem recht gute Qualität haben und typische Touri-Motive wie Samurais oder Hello Kitty zeigen. Da bekommt ihr fünf Stäbchen-Paare schon für umgerechnet 5-6 Euro.

Der Fushimi Inari

Und nach unseren vielen schönen Ablenkungen auf dem Weg, machten wir uns endlich auf in Richtung des weltberühmten Schreins Fushimi Inari. Bekannt ist er vor allem für seine unzähligen roten Tore. Diese sind ein beliebtes Foto-Motiv und werden direkt mit Japan und Kyoto in Verbindung gebracht. Laut der Legende, soll man Hand in Hand durch diese Tore schreiten. Die Beziehung mit der Person, mit der man vom ersten bis zum letzten Tor Händchen hält, wird dann laut Legende für immer halten. Wir hatten uns natürlich vorgenommen, den Fushimi Inari ebenfalls Hand in Hand zu Dritt zu besuchen.

Bevor wir unsere Tour starteten, ließen wir uns erneut ablenken. Ein Shop mit Souvenirs forderte unsere Aufmerksamkeit. Ich habe zugeschlagen, denn ich hatte schon vor Jahren eine Hello Kitty im Kimono gesehen, die komplett aus Kimonostoff besteht. Ich hatte mir vorgenommen, mir so eine Hello Kitty zuzulegen, sollte ich sie in Japan finden. Das war meine Chance! Es gab sogar ein Vorteilspack und so konnte ich auch ein paar Freunden etwas tolles als Mitbringsel kaufen. Danach kam eine sehr wunderliche Japanerin mit Ohrschützern auf uns zu und fragte uns, wo wir herkommen mögen. Sie war wirklich sehr sehr wunderlich, aber supernett und es sollte nicht unsere letzte Begegnung mit ihr sein. Wir trafen sie in den vielen roten Toren noch einmal wieder und schossen ein Foto zusammen.

Und dann ging es ENDLICH zum Fushimi Inari. Wir sichteten die Karte und machten uns Hand in Hand auf den Weg. Was wir nicht wussten: Die Karte zeigte nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Weges der Tore auf den ganzen Berg hinauf und dann wieder hinunter. So wurde der Weg am Ende länger als gedacht. Interessant ist, dass die 1000 Tore alle durch Spenden von Unternehmen, Familien und Einzelpersonen gestiftet sind. Deswegen sind alle Tore mit unterschiedlichen Namen beschriftet. Die kleinste Art der Tore kostet um die 1700 Euro. Der Berg, den wir erklommen haben, ist 233 m hoch. Wir haben für den gesamten Weg gut 3-4 Stunden gebraucht. Alles Hand in Hand. Uns war auf einmal klar, wieso die Beziehung danach ein Leben lang halten muss. Wenn man solch verschwitzte Hände durchhält, schweißt (ha – welch Wortspiel) einen das förmlich zusammen.

Besonders einprägsam sind neben den roten Toren auch die unzähligen kleinen Figuren und Statuen, kleine Schreine und die Natur. Man sollte sich für diesen wunderbaren Berg unbedingt Zeit nehmen, er hat so wahnsinnig viel zu bieten! Nach unserer wirklich tollen und auch etwas anstrengenden Wanderung, waren wir dann aber auch überglücklich, die Hände wieder loslassen zu können. Wir hatten dann erstmal Hunger und haben uns quer durch die Stände auf der Straße vor dem Schrein gefuttert.
Da gab es neben den obligatorischen Taiyaki-Fischen, gefüllt mit roten Bohnen oder Vanillesoße auch Takoyaki, kleine Oktopusbällchen mit einer Soße und Mayo. Außerdem hatte ich ein paar kleine Gyoza, gefüllte Teigtaschen mit Fleisch, Zwiebeln und Soße. Sabi hat dann noch einen Teigspieß probiert. Takoyaki waren so gar nicht meins, was aber vor allem an der Konsistenz liegt, die ich so gar nicht mag. Oktopus ist so wahnsinnig zäh. Die Gyoza waren superlecker, genauso wie das Taiyaki.

Kiyomizudera – Klappe, die Erste

Unser nächstes Ziel sollte eigentlich der Tempel Kiyomizudera sein. Allerdings hatten wir im Fushimi Inari so viel Zeit verbracht, sodass wir erst gegen 17 Uhr beim Kiyomizudera eintrafen. Die meisten Tempel und Schreine schließen gegen 16 Uhr. Falls ihr Japan besuchen möchtet, plant also so, dass ihr die Tempel möglichst vormittags erledigt! Trotzdem haben wir uns in der Gegend und im Außenbereich des Tempels umgeschaut und die Aussicht genossen. Außerdem haben wir ein paar Läden erkundet. Die Stufen im Kiyomizudera sind übrigens in einem sehr merkwürdigen Maß gebaut. Ein Schritt ist zu kurz und zwei Schritte zu lang, um eine Stufe zu überwinden. Unfreiwillig tippelt man also umher auf diesen Stufen. Als langsam die Sonne unterging, beschlossen wir, ins nahe gelegene traditionelle Viertel Gion Shinbashi weiterzuziehen.

Gion Shinbashi

Gion Shinbashi ist nicht einfach nur traditionell, es ist die typische japanische Nachbarschaft, die man von Kyoto erwartet. Überall finden sich alte Holzhäuser und die Kulisse erinnert an den Film „Die Geisha“. Dort ist die Chance übrigens am größten, auf eine echte Geisha zu treffen. Wir hatten da kein Glück, aber die Umgebung hat und auf jeden Fall entschädigt. Kleine Gassen, rote Zäune, Flüsse und schummrig beleuchtete Straßen.

Zum Abschluss des Tages kehrten wir in einer Bar ein, die Soba anbot. Soba ist ein Nudelgericht aus dunklen Buchweizennudeln. Es wird heiß oder kalt serviert. In der kleinen Bar bestellte man nicht am Tresen oder beim Kellner, sondern am Eingang direkt bei einem Automaten, an dem man auch bezahlte. Man bekam dann eine Marke, ähnlich einer Wartenummer und konnte sich an den Tresen setzen. Diese Bar war wirklich winzig, es hatten an der Bar nur ungefähr 8 Personen Platz. Sehr urig und gemütlich. Dem Koch konnte man beim Kochen zusehen. Würzen konnten wir das Soba anschließend selbst mit Essig und Chili-Soße. Soba ist seit diesem Abend zu meinem japanischen Lieblingsnudelgericht avanciert und hat damit das viel verbreitete Ramen abgelöst. Diese Stärkung war an dem Abend dringend nötig, nachdem wir so viele Schritte getan hatten.

Innenstadt von Kyoto und Book-Off Store

Nach unserem Abendbrot machten wir noch die Innenstadt von Kyoto unsicher. Dort gibt es unzählige Shopping-Straßen. Besonders angetan hatte es uns der Book-Off Store. Dort gibt es gebrauchte Mangas, DVDs, CDs und Merchandise. Wir sind wieder mal eher zufällig dort hineingestolpert und diese Stores für uns entdeckt. Gerade beim Merchandise gibt es viele kleine Sammelfiguren, die super Mitbringsel sind oder einen selbst begeistern können. Es wurde im Verlauf der Reise zur Tradition direkt die Book-Off Stores anzusteuern. Ich habe unter anderem wunderschöne Häkelbücher gefunden. Dafür sollte man nur die passenden Vokabeln und ein paar Fragesätze parat haben, denn die Läden sind nicht gerade klein und es fällt mitunter schwer, das zu finden, was man sucht. Aber die Mitarbeiter waren stets sehr hilfsbereit und haben uns gut weitergeholfen. Also auch hier eine klare Empfehlung und sozusagen ein Insider-Tipp für euch: Book-Off Store. 🙂

Nach unserer gemütlichen Shopping-Tour sind wir wieder in Richtung Ferienwohnung aufgebrochen und haben den ganzen Tag sehr entspannt Revue passieren lassen, bevor wir wie jeden Tag völlig geschafft und glücklich in die Laken gefallen sind.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr, wie wir eine wahre Tempel-Tour in Kyoto absolvierten und am Ende im wunderschönen Bambuswald in Arashiyama landeten. Folgt uns also auch dann wieder auf unserer Entdeckungstour – das erste Mal in Japan!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 4: Ghibli-Museum, Tokyo-Station und die Ankunft in Kyoto

Hallo meine lieben Leser,

heute erwartet euch die hoffentlich sehnsüchtig erwartete Fortsetzung meines Japan-Reisetagebuchs. Wie ich schon im letzten Beitrag angekündigt hatte, war Tag Nr. 4 unser letzter Tag in Tokyo und unser Anreisetag in Kyoto.
Man könnte meinen, dass knapp drei Tage in Tokyo viel zu wenig wären. Das kann ich zwar bestätigen, aber ich hatte das Gefühl, wir wären schon viel länger dort gewesen. Ich habe mich so wohl gefühlt, als wären wir locker eine Woche in dieser tollen Stadt gewesen.

An diesem Tag begann der Morgen mit dem Zusammenpacken unserer Sachen, da wir die Wohnung zu einer bestimmten Zeit verlassen sollten. Wir planten, unser Gepäck gegen eine Gebühr bei einer Gepäckaufbewahrungsfirma in der Tokyo Station abzugeben. Der Service war klasse und wir zahlten pro Person 8 Euro für den ganzen Tag. Das war fair. So waren wir sicher, dass unser Gepäck gut bewacht wurde und, dass wir nicht unnötig viel mit uns herumschleppten.

Denn wir hatten eine ganz besondere Station vor uns, bevor wir nach Kyoto weiterreisen würden. Wir fuhren zum Ghibli-Museum.

Nach einer längeren Fahrt mit der S-Bahn kamen wir an einem Bahnhof an, der uns mit einer ganz besonderen Überraschung erfreute. Hier waren überall Plakate, die Figuren der Charaktere aus der Anime-Serie „Detektiv Conan“ zeigten. Da wir alle Fans dieser Serie sind, waren wir sehr gespannt, was es damit auf sich haben sollte. Wie sich herausstellte waren die Plakate Teil einer Stempelaktion. An verschiedenen Bahnhöfen waren Stempelstellen installiert. Die Stempel konnte in einem dafür vorgesehenen Heft gesammelt werden. An unserem letzten Tag schafften wir natürlich nicht, alle Bahnhöfe zu erreichen, dennoch ließen wir es uns nicht nehmen, die Aktion mitzumachen.

Ziemlich aufgeregt waren wir aber erst, als wir mitbekamen, dass in dem Bahnhof die Durchsagen von der japanischen Synchronstimme von Conan gesprochen wurden! Genau wegen solchen Dingen liebt man doch Japan!?

Zu Fuß machten wir uns nach dem Ergattern unseres ersten Stempels auf den Weg zum Ghibli-Museum. Durch japanische Nachbarschaften, vorbei an einem kleinen Bach, führte der Weg hin zum Eingang des viel gepriesenen Museums. Viel ist über das Innenleben des Museums nicht bekannt, da keine Fotos erlaubt sind. Dementsprechend waren unsere Erwartungen sehr schwammig.

Am Eingang haben uns die Gestaltungen im Stil der Filme des Studio Ghibli empfangen. Eine lange Schlange von Menschen stand bis zum Eingang. Karten gibt es nur durch Reservierung. Wie ihr das macht habe ich in einem meiner Beiträge erklärt.

Am Eingang wurde unser Voucher gegen die Eintrittskarte eingetauscht. Die Eintrittskarte ist spektakulär. Man bekommt ein wunderschönes Negativ, welches eine Szene aus einem Ghibli-Film zeigt.

Der Innenraum war ähnlich schön gestaltet wie der Außenbereich. Die Architekten dieses Gebäudes waren einfach grandios. Wer allerdings eine Art Disneyland in Ghibli-Manier erwartet, sollte seine Erwartungen etwas herunterschrauben. In diesem Museum wird sich vor allem mit der Geschichte und Machart der Ghibli-Filme beschäftigt. Hier können Zimmer voller Originalskizzen und -drehbücher bestaunt werden oder es wird gezeigt, wie einzelne Szenen koloriert wurden. Beim Rundgang solltet ihr außerdem die Schuhe schnell mal ausziehen können, denn es gibt in japanischer Manier Bereiche, die ihr nur in Socken betreten dürft. Neben dem Rundgang finden sich zwei kleine Shops und ein Cafe sowie ein gestalteter Außenbereich im Museum. Viele kleine Details laden zum genauen Erkunden ein.

Das Museum ist klein, aber fein und wir haben einige Zeit dort herumgebracht. Danach machten wir uns wieder auf den Weg zum Bahnhof. Auf dem Rückweg ergatterten wir einen weiteren Stempel. Die letzte Stunde vor unserer Abreise vertrieben wir uns in der Tokyo Station und kauften ein bisschen ein. Wer es auf typisch japanisches Shopping und auf Anime-Charaktere sowie Maskottchen abgesehen hat, sollte sich die Tokyo Station nicht entgehen lassen. Dort hätten wir uns gern noch mehr Zeit genommen, doch unser Shinkansen wartete auf uns, der uns nach Kyoto bringen sollte.

Deswegen holten wir unsere Koffer ab und machten uns auf zum Bahnsteig. Übrigens: Ein Shinkansen ist ein japanischer Schnellzug, der bis zu 300 km/h schafft. Wir schafften die rund 460 Kilometer zwischen Tokyo und Kyoto innerhalb von 3 Stunden. Dazu muss man bemerken, dass der Shinkansen sehr viel Komfort bietet. Aber dazu später mehr.

Zuerst ließen wir uns am Bahnsteig nieder, unser Zug war noch nicht am Bahnsteig eingetroffen. Gerade, als wir mit unserem Gepäck Platz nahmen, kam ein Japaner auf uns zu und drücke uns eine Tüte in die Hand. Als ich hinschaute, entdeckte ich drei heiße Automatenkaffee. Als ich mich bedankte und ihm sagte, dass das doch nicht nötig wäre, winkte er ab und meinte, dass das schon so in Ordnung wäre. Das war sehr nett und in Deutschland hätte man wahrscheinlich nicht einmal daraus getrunken, aber in Japan ist es gar nicht so unüblich, dass man als Ausländer einfach so etwas geschenkt bekommt. Die Japaner möchten ihr Land einfach so gut wie möglich präsentieren und den Aufenthalt dort so angenehm wie möglich machen, hat uns später auf der Reise jemand erklärt.

Mittlerweile war auch der Zug eingetroffen und die Putzkolonne durchgerauscht. Es war wirklich beeindruckend, die Putzfrauen in ihren pinkfarbenen Uniformen zu beobachten, wie sie in Sekundenschnelle den Shinkansen säuberten. Ich hatte vorher schon eine Dokumentation gesehen, in der erklärt wurde, dass dieser gründliche Schnellputz eine besondere Ausbildung benötigt.

Wir kauften uns vor der Abreise noch kurzfristig ein Bentou, eine japanische Box voller lokaler Spezialitäten. Natürlich gibt es auch immer ein paar Standardgerichte zu erwerben. Ich hatte mir beispielsweise ein klassisches Tonkatsu (paniertes Schweineschnitzel) mit Reis, einer Salzpflaume und eingelegtem Gemüse ausgesucht.

Als wir den Shinkansen betraten, war ich zunächst wahnsinnig erstaunt, wie geräumig dieser Zug ist. Zwischen den Sitzen war extrem viel Platz. Ich konnte den Koffer hinter den Sitz meines Vordermanns stellen und hatte bis zu meinen Knien immer noch jede Menge Platz. Auch die Toiletten waren mehr als geräumig und boten viel Luxus. Generell war der Zug wunderbar leise. Ungewohnt war nur, dass bei großer Beschleunigung ein ähnlicher Druck auf den Ohren lastete, wie in einem Flugzeug. Aber alles andere war perfekt. Ruhig lag der Schnellzug auf den Schienen, raste durch die Nacht – an zahllosen Städten vorbei und durch viele lange Tunnel – in Richtung Kyoto.

Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir endlich die Kulturhauptstadt Japans – das schöne Kyoto. Schon am Bahnhof merkten wir, dass die Stimmung dort ganz anders war als in Tokyo, der großen bunten Metropole. Auch Tokyos Atmosphäre war wundervoll, allerdings hatte Kyoto direkt etwas ganz familiäres an sich.

Nachdem wir den Bahnhof verließen, wandten wir uns nach rechts zu den Taxis. Unsere Gastgeberin Maki, bei der wir übernachten sollten, hatte uns vorher per Nachricht auf LINE (asiatischer Messenger, vergleichbar mit Whatsapp und mit viel süßeren Stickern) mitgeteilt, dass wir ihr Haus so spät abends am besten mit dem Taxi erreichen könnten. Man muss hierzu sagen, dass man in Kyoto vor allem mit dem Bus vorwärts kommt. So bequem wie in Tokyo, wo wir mit dem JR-Pass fast überall mit den JR-Linien hinfahren konnten, war es in Kyoto leider nicht. Aber wir haben uns einfach immer die Tageskarte von Kyoto besorgt und sind dann mit dem Bus zu unseren Zielen gefahren.

Also haben wir einen Taxifahrer angesprochen, der ein wenig Englisch konnte. Trotzdem war es von unverzichtbarem Wert, dass wir die Adresse unserer Gastgeberin vorzeigen konnten – nicht nur auf Papier, sondern auf Google Maps. Da es eine Unterkunft am Stadtrand war, war die Adresse dem Taxifahrer nämlich nicht ganz geläufig.

Wir fuhren los. Ich saß auf dem Rücksitz und genoss den Ausblick aus dem Autofenster. Kyoto zog im Dunkeln an mir vorbei und wir konnten einige erste Highlights erhaschen. Wir sahen ein paar Straßenabsperrungen, ähnlich denen an der Baustelle in Tokyo. Dieses Mal waren es aber keine süßen Enten, sondern der Hauptcharakter Ruffy von One Piece, der dort als Gestaltung gewählt wurde.

An uns vorbei zogen moderne und weniger moderne Häuser und wir kamen in immer ruhigere Wohngegenden. Wir wussten zwar, dass das Haus von Maki auf einem Berg lag, aber wir wussten nicht, dass wir uns bei unserer abendlichen Ankunft niemals selbst durch die zahllosen kleinen Gassen gefunden hätten. Bei Tag konnte man sich alles viel besser einprägen.

Der Taxifahrer hatte es fast geschafft, da musste er um eine mehr als knapp bemessene Kurve biegen. Es war so eng, dass er anhielt und aussteigen musste, um einzuschätzen, dass er mit dem Spiegel an der Mauer vorbeikommt.
Er bestand drauf, dass wir nicht aussteigen und zu Fuß weitergehen, denn er hatte den Anspruch, seinen Auftrag zu Ende zu bringen. Wahrscheinlich war ihm auch nicht wohl dabei drei ausländische Mädels mit so viel Gepäck diesen Berg hochzuschicken.
Besonders gut hat mir an den Taxifahrern und auch sonst allen Fahrzeugführern in Japan gefallen, dass sie alle weiße Handschuhe trugen. Da hat man sich gleich total wichtig gefühlt. 😉

Nach mehreren Anläufen schaffte der Taxifahrer es, sich mit dem Auto durch die Enge zu manövrieren. Er hielt vor Makis Haus. Die Steigung war wirklich sehr steil, sodass es sehr komisch war, auszusteigen und das Gepäck zu entladen. Ich hatte die ganze Zeit die Befürchtung, das Auto würde gleich auf uns zurollen. 😀

Maki hatte anscheinend das Taxi gehört und kam aus dem Haus, öffnete die kleine Tür ihres Gartens und stieg die teilweise schiefen Steintreppen hinunter, um uns zu begrüßen. Sie war eine wahrlich tolle Erscheinung, sie hatte warm strahlende Augen und kuschelte sich in eine dicke Wohnjacke (schließlich war es Februar und in Kyoto war es sehr viel kälter als in Tokyo, da es in einer Art Senke liegt). Freundlich nahm sie uns in Empfang, während wir den Taxifahrer entlohnten und uns fragten, wie er es rückwärts den Berg herunterschaffte, denn wenden konnte er dort nicht.

Als wir in Makis Haus eintraten umfing uns nicht, wie in Deutschland im Winter, eine wohlige Wärme, sondern es war erstaunlich kalt. Wie auch schon im Apartment in Tokyo hatte dieses traditionelle Haus keine Zentralheizung. Es bestand nur aus dünnen Holzwänden. Dazu gab es Schiebetüren, die nach außen hin Glasfenster hatten und eine zweite Front Schiebetüren, die mit Pergament bespannt waren. Um das Haus gab es einen kleinen Dachvorsprung, unter dem eine Art Holzweg um das Haus führte. Ich konnte mir gut vorstellen, wie man im Sommer auf dieser schmalen Veranda Füße baumelnd saß und den Sonnenuntergang genoss.

Doch zurück zu unserer Ankunft. Als Maki uns in unsere Zimmer führte, öffnete sie die Schiebetür zu unserem eigenen kleinen Wohnraum und uns verschlug es die Sprache. Die Schiebetür nach außen war geöffnet und so empfing uns ein atemberaubender Blick über die ganze Stadt, die in der dunklen Februarnacht wunderschön glitzerte. Wir waren ergriffen. Alles, was ich herausbekam, war ein leises „Wow“.

Danach zeigte Maki uns im Detail die zwei Zimmer, die für die nächsten Tage unser Zuhause sein sollten. Eine Art Wohnraum mit einem Kotatsu (Tisch mit Heizdecke) und ein Schlafraum mit Platz für drei Futons, beide getrennt durch eine Schiebetür und jeweils mit einem Fenster, welches den Blick auf die Stadt freigab.

Wir setzten uns mit Maki an den Tisch in ihrer Wohnstube, die eine Wohnküche beherbergte. Sie wollte uns kennenlernen, servierte uns erstmal einen warmen Tee und stellte uns ihre beiden süßen Katzen vor. In der Wohnstube war es dank des Heizstrahlers wohlig warm. Auf dem Tisch lagen eine Menge Karten und Informationen und sie wollte gleich mit uns den Plan für die nächsten Tage besprechen, um uns ein paar Tipps zu geben, da sie morgens schon aus dem Haus sein würde, ehe wir aufgestanden wären. Auch in der Wohnstube stand der Tisch vor einem großen Panoramafenster mit Blick auf die Stadt. Wir unterhielten uns gut und schauten etwas fern mit Maki zusammen. Danach entließ sie uns zum Auspacken und Frischmachen, bevor wir uns bettfertig machten. Wir saßen noch einige Zeit mit den Beinen unter dem Kotatsu, der uns zumindest die untere Körperregion wärmte. Um den Oberkörper habe ich mir eine dicke Decke geschlungen, da es bei meinem Sitzplatz von hinten etwas gezogen hat. Das war aber überhaupt nicht ungemütlich, es war wunderbar, die Kälte zu spüren und es trotzdem so annehmlich zu haben. Der Blick aus dem Fenster entschädigte für alles und wir bereiteten noch ein paar Sachen für den nächsten Tag vor. Dann begaben wir uns ins Bett.

Wir hatten vorher noch nie auf Futons geschlafen. Das sind dünne Matratzen, vergleichbar mit dicken Daunenbetten, die auf dem Boden liegen. Der Boden selbst besteht aus Tatami, aus Strohmatten. Maki hatte uns wegen der Kälte und, weil wir noch keine Futon-Erfahrung hatten, je zwei Futons übereinander gelegt. Über uns hatten wir jeder eine dicke Daunendecke und zwei normale Kuscheldecken. So eingemurmelt ließ es sich leben. Unter den gefühlt 15 Schichten Decken hatten wir es uns gemütlich gemacht und wärmten gerade etwas auf, als wir merkten, dass jemand die Lampe löschen musste. Über uns baumelte eine alte Lampe, bei der man noch an einer Strippe ziehen musste. Das war total nostalgisch und passte in den Raum. Die Lampe hatte sogar mehrere Abstufungen. Als sie gelöscht war, fielen wir in einen glücklichen, erschöpften und unfassbar erholsamen Schlaf ohne jede Rückenschmerzen, vor denen man bei Futons immer Angst hat.

Und wieder war ein toller Tag im Traumland Japan vorüber. Der Tag war nicht ganz so ereignisreich wie die vorhergehenden, aber diese Entschleunigung tat uns allen sehr gut.

Im nächsten Beitrag erfahrt ihr nicht nur, wie wir Kyoto das erste Mal bei Tageslicht sahen, sondern auch, wie wir gleich am ersten Tag einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kyotos kennenlernten und eine neue Leibspeise fanden.
Bis dahin!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 3: Asakusa, The Golden Poo, Tokyo Skytree und die neue Hachiko-Statue

Hallo liebe Leser,

nachdem ich euch im letzten Beitrag davon erzählte, wie wir Shibuya unsicher machten, wenden wir uns nun Tag 3 der Reise zu.

Auch dieser Tag begrüßte uns sonnig. Nebenbei bemerkt: Wir hatten keinen einzigen Regentag in den zwei Wochen. Nach unserem obligatorischen Frühstück, welches jeden Tag aus Onigiri (gefüllten Reisbällchen) bestand, machten wir uns an diesem Tag auf einer unbekannten Route auf zu einem anderen Bahnhof, von dem aus wir nach Asakusa fahren konnten. Das war von unserem vorher hoch frequentierten Bahnhof in Kita nicht möglich. Dabei haben wir auch ein paar andere Straßen dieser Nachbarschaft kennengelernt. 🙂

Besonders markant in Japan und vor allem in dieser Nachbarschaft waren die viel zu kleinen Vorgärten, die trotz alledem üppig bepflanzt waren. Auf unserem Weg entdeckten wir zwischen all den Häusern einen Yuzu-Baum. Eine Yuzu ist eine Zitrusfrucht, vergleichbar mit einer Orange. Direkt daneben war ein Zitronenbaum. Das erstaunte uns in dem Sinne, dass wir im Februar dort waren und die Temperaturen bei durchschnittlich 7-9 Grad lagen und in der Nacht Minusgrade herrschten. Und dennoch hingen an diesen Bäumen nicht mal wenige Früchte. Beeindruckend.

Auf der ungewohnten Route wurde uns noch einmal bewusst, dass wir in Japan waren, was man wirklich auf jedem Meter durch die andere Architektur merkt. Alle Häuser sind kleiner, gedrungener und irgendwie … typisch japanisch. Ich bin da nicht bewandert genug, um die Besonderheiten japanischer Architektur wiederzugeben, aber vielleicht reicht es auch einfach, euch ein paar Eindrücke zu zeigen. 😉

Falls ich es nicht vorher schon erwähnt habe: Ich habe an diesem Morgen meinen heißgeliebten grünen Automatentee getrunken. Der wirklich heiß ist. Die Sorte unten auf dem Bild hat mir persönlich am besten geschmeckt. Was ich an grünem Tee aus Japan besonders mag, ist, dass dieser überhaupt nicht bitter schmeckt. Er ist total sanft und wieder mal kein Vergleich zu den Sorten hier in Deutschland. Selbst der Automatentee schmeckt dort besser als der lose grüne Tee hier. 😀

Wir liefen ein Stück und kamen nicht nur an weiteren Einkaufstraßen und einer Schule, sondern auch an einem Bahnübergang vorbei. Irgendwie gehören Schienen und Züge zu Japan, wie Bier zu Deutschland. Auch Zugfahren ist in Japan eine ganz andere Liga, aber dazu in den folgenden Beiträgen mehr.

Was uns neben den Toiletten, Getränkeautomaten und Gullideckeln in Japan am meisten beschäftigte, waren die Straßen- und Hinweisschilder. Es gibt einige Schilder, die einfach sehr abstrus oder lustig sind. Vielleicht gibt es zu diesen Themen ja auch mal ein paar Spezial-Beiträge. 😉 Es gibt einfach so viel zu erzählen, auch über Details!

Am Bahnhof angekommen, besuchten wir unseren ersten japanischen Buch-/Zeitschriftenladen, der bis obenhin mit Mangas vollgestopft war. Es war herrlich, aber dort haben wir noch nichts gefunden, was wir mitnehmen wollten, weswegen wir uns auf den Weg zum Bahnsteig machten.

Asakusa

Wir kamen am geplanten Bahnhof an und nutzen den sogenannten Panda-Brücken-Ausgang, um uns auf den Weg nach Asakusa zu machen. Warum hieß diese Brücke wohl „Pandabrücke“? Das sollte sich direkt nach Verlassen des Bahnhofsgebäudes aufklären, denn dort saß in einem riesigen, gläsernen Schaukasten ein ebenso riesiger Panda (und auch ein kleinerer). Was es damit nun auf sich hatte, konnten wir nicht wirklich herausfinden, aber lustig war es allemal.

Wir gingen weiter in Richtung Asakusa, wo wir unseren ersten Tempel und unseren ersten Schrein besuchen wollten.
Tempel und Schrein – das ist tatsächlich etwas verschiedenes. Ein Tempel ist ein Gebäude des buddhistischen Glaubens und stellt eine Gottheit in den Mittelpunkt. Schreine sind Bauten des shintoistischen Glaubens und verehren neben Göttern manchmal auch Menschen oder Tiere. Tempel sind im allgemeinen sehr viel pompöser, während Schreine oft kleiner sind.

Bevor wir jedoch in den Genuss unseres ersten kulturellen Höhepunkt des Tages kamen, kreuzten wir viele Straßen und auch dort gab es einiges zu entdecken! Beispielsweise standen vor einem Laden kleine mit Wasser gefüllte Schalen, in denen eine Art grünes Gelee lag. Wie sich herausstellte, war das essbares Matcha-Gelee, welches in kunstvollen Fomen angeboten wurde.

Ein Stückchen weiter erwartete uns ein Shop, der das sogenannte asakusa-pan (Asakusa-Brot) verkaufte. Das sind riesige mit Zucker bestrichene Brote, die man auch mit Sahne oder Eis gefüllt erwerben kann. Ich habe mich für die Variante mit Eis entschieden, während meine Freundin sich für ein originales, ungefülltes Exemplar entschied. Wie wir feststellten, war sie deutlich besser dran – denn meine Kombination war allein nicht zu schaffen – eine wahrlich mächtige Zwischenmahlzeit. Aber auch so verdammt lecker! Ich kann es nur empfehlen!

Nach unserem kleinen Stop, liefen wir weiter in Richtung des Asakusa-Tempelgeländes. Von Weitem konnten wir schon den Tokyo Skytree erspähen und wir beschlossen, in diese Richtung zu laufen, sollten wir noch genug Zeit haben.

Und da war er nun – der Asakusa-Tempel. In einer kleinen Gasse sahen wir den Seiteneingang. Ein großes rotes Tor erwartete uns und es war emsiges Treiben auf dem Tempelgelände und auch in den Straßen davor zu sehen. Dazu muss man sagen, dass der Asakusa-Tempel einer der beliebtesten Touristen-Spots in Tokyo ist und das merkt man auch. Das mindert aber aus meiner Sicht keineswegs seine Schönheit.

Nachdem wir das Seitentor durchschritten hatten, konnten wir über das Tempelgelände schauen. Vor uns der große rote Asakusa-Tempel mit seinen vielen kleineren Tempelgebäuden und links von uns das Haupttor, rechtsseitig von uns das graue, unscheinbare Shinto-Tor des Asakusa-Schreins. Wir entschieden uns, zuerst den shintoistischen Schrein zu besuchen.

Der Asakusa-Schrein

Vor dem grauen Tor verbeugten wir uns, so hatten wir das in einer Anleitung gelesen, die ich vorher ausgedruckt hatte. Beim Durchschreiten eines solchen Shinto-Tores zu einem Schrein, betritt man das Geisterreich – das Reich der Götter, so sagt man. Um den Göttern Respekt entgegenzubringen, ist eine Verbeugung eine höfliche Ehrerbietung. In der Realität haben das tatsächlich kaum irgendwelche Leute gemacht, allerdings waren wir so von Erfurcht erfüllt, dass wir uns fast gar nicht trauten, unseren ersten Schrein ohne Verbeugung zu betreten.
Danach sahen wir geradezu den Asakusa-Schrein, der deutlich unauffälliger war, als sein Pendant der Tempel. Zuerst begrüßten uns die zwei Löwenhunde, über die wir bereits gelesen hatten, dass dies die Wächter des Schreins sind, die böse Geister abhalten sollen.

Links vor dem Schrein war ein kleiner Unterstand mit Wasser und Kellen. Auch das hatten wir in unserer Anleitung gelesen. Bevor man den Göttern entgegentritt, ist eine rituelle Reinigung zu vollziehen. Wir gingen also zu dem Wasserbecken. Doch wie vieles in Japan, gibt es hier genaue Regeln. Die Hände direkt in das Wasser tauchen, das wäre ein Fauxpas. Also Kelle nehmen, Wasser schöpfen und erst die linke Hand, dann die rechte Hand waschen, dann mit der linken Hand den Mund waschen, die linke Hand erneut waschen und danach die Kelle waschen. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört – auch wenn man nach einer Weile den Dreh raus hat.

Nun waren wir gereinigt und bereit, den Göttern gegenüberzutreten. Zuerst haben wir Geld in eine Kiste vor dem Schrein geworfen. Um die Götter auf sich aufmerksam zu machen, läutet man an einer Glocke – was ich nebenbei bemerkt wirklich sehr toll finde. Auch hier ist ein genauer Ablauf nötig. Nach dem Läuten der Glocke folgen zwei Verbeugungen, zweimal in die Hände klatschen, danach den Wunsch an die Götter in Gedanken vortragen, nochmal verbeugen und danach hat man es geschafft! Wir haben kurz vorher den ganzen Ablauf auswendig gepaukt, damit wir nicht auf die Anleitung starren, während wir es machen. Es war eine tolle Erfahrung und ich habe das japanische Lebensgefühl einmal mehr verstehen gelernt.

Danach haben wir einen Wunsch auf ein Ema, eine kleine Holztafel geschrieben und diese aufgehängt. Die Wünsche werden, wenn die Wände zum Aufhängen voll sind, verbrannt und die Götter erfüllen dann diesen Wunsch.

Außerdem haben wir ein Orakel gezogen. Dieses kann gut oder schlecht sein. Es war zwar nur auf Japanisch, aber da wir meinen Freund Ryu am Abend wiedersehen würden, machten wir schlichtweg Fotos, damit er sie uns übersetzt. Da wir im aktuellen Moment nicht wussten, was darauf steht, banden wir sie an dafür vorgesehene Wände. Damit wendet man schlechte Vorhersagen ab. So gingen wir auf Nummer sicher. Dem Orakel lag ein kleiner Talisman bei, den ich seit der Reise an meiner Kamera trage.

Ein kleines Stück seitlich am Schrein entlang führte der Weg zu einem weiteren kleinen Schrein. Hier waren die Wächter kleine Füchse mit roten Lätzchen, die uns in Japan noch öfter begegnen sollten. Wichtig ist in diesen religiösen Anlagen übrigens auch, dass man niemals in der Mitte der Wege läuft, denn dort bewegen sich die Götter entlang.

Eine weitere Besonderheit Japans haben wir im Asakusa-Schrein begonnen: Goshuin-Stempel sammeln. Diese Stempel, die mit einer wunderschönen Kalligrafie verbunden sind, können in ein Buch, das Goshuin, in vielen Tempeln und Schreinen eingetragen werden. Sie bezeugen, dass man diesen Ort besuchte und zudem sind es wunderbare Andenken.

Asakusa-Tempel

Danach gingen wir zum Asakusa-Tempel und ließen die Eindrücke auf uns wirken. Im Tempelgarten kamen wir ein wenig zur Ruhe, bevor wir uns zum Haupttor aufmachten, um uns zur Nakamise-Straße zu begeben. Am Haupttor hängen riesige Strohsandalen, die einer Art Wächter-Gottheit des Tempels gehören. Im Haupttor hängt eine riesige rote Laterne, wie sie auch im Asakusa-Tempel selbst zu finden ist.

Im Tempel haben wir nicht gebetet, weil wir es schon im Schrein getan haben und im Tempel war uns einfach auch etwas zu viel los. Wir haben aber ein paar Räucherstäbchen gekauft, angezündet und in eine Räucherschale gesteckt. Dort haben wir uns auch rituell mit Rauch gereinigt. Dazu fächelt man den Rauch zu seinem Gesicht bzw. Körper. Wir haben uns an den vielen anderen Menschen orientiert und es ihnen nachgetan.

Diese religiösen Rituale waren für uns ein ganz besonderes Erlebnis. Der Shintoismus fließt in Japan so sehr in das Alltagsleben ein, dass es ein Must-Have während der Reise sein sollte, solche Erfahrungen zu machen. Dabei brauch man auch keine Berührungsängste haben oder sich komisch vorkommen, weil man diese Religion nicht vertritt. Der Shintoismus hat keine Glaubensbekenntnisse, er wird im Hier und Jetzt gelebt und ist für alle da. Jeder, unabhängig von seiner Herkunft oder der Häufigkeit des Betens, ist willkommen, seine Wünsche den Göttern vorzutragen. Wer mehr wissen will, sollte unbedingt mehr zu dieser faszinierenden Religion lesen – ein Exkurs würde an dieser Stelle zu weit führen.

Nakamise-dori (Nakamise-Straße)

Direkt hinter dem Asakusa-Tempel bzw. davor, wenn man den Haupteingang nutzt, befindet sich die Nakamise-dori. Diese von kleinen Läden und Buden gesäumte Straße ist ein wahres Paradies für Touristen. Für mich ist es am besten vergleichbar mit den deutschen Strandpromenaden, die typische Waren der Region anbieten, darunter auch häufig Schund zu horänden Preisen. Neben vielen Imbissbuden finden sich hier eben auch solche, die Dekoration oder traditionelle japanische Dinge verkaufen. Allerdings kann man hier auch Postkarten, T-Shirts und viel Kitsch erwerben.

Während die anderen beiden sich ein paar Esskastanien und Maronen gönnten, wartete ich geduldig auf unseren nächsten Halt bei den kleinen Reisbällchen, die in Sojamehl gewälzt wurden. Ein sehr leckerer Snack! Sie sind etwas klebrig, süß und das Sojamehl enthält eine winzige, herbe Note. Danach fanden wir noch einen Stand mit gefüllten Teigtaschen, sogenannte Monja-man. Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen hatten, spielte ich das erste mal Pokemon-Go in Japan. Und ich habe direkt ein Porenta auf der Nakamise-dori gefangen, ein Pokemon, was es nur in Japan gibt. 🙂

„The Golden Poo“

Nun waren wir also alle gesättigt und noch zufriedener als vorher. Wir besprachen uns kurz und stellten fest, dass wir vor dem Treffen mit meinem Freund Ryu noch Zeit hatten und wir unseren Tagesplan eigentlich erledigt hatten. (Wie uns später einfiel, hatten wir eine große Station einfach im Freudentaumel vergessen!)
Jedenfalls beschlossen wir, dass wir einen Spaziergang zum Tokyo Skytree machen wollen, den wir vorher schon zwischen den Häusern gesehen hatten. Unser Weg führte uns durch zahlreiche Straßen, bis wir schließlich eine große Kreuzung, die Edo-dori Avenue erreichten. Von dort aus sahen wir ein Highlight in Tokyo, welches wir eigentlich gar nicht eingeplant hatten – „The Golden Poo“.

Eigentlich ist dieses goldene, an Exkremente erinnernde … Ding … das Logo des japanischen Bierkonzerns „Asahi“. Als es dann dreidimensional auf dem Firmengebäude am Sumida-Fluss platziert wurde, sorgte es für einigen Spott und Häme in der Bevölkerung, die diesen verheißungsvollen Namen prägten. Bevor wir aber über die angrenzende Azuma-Brücke gingen, gönnten wir uns noch ein Softeis. Aber nicht irgendeines – es war ein Matcha-Softeis. Es schmeckte so herrlich nach grünem Tee, dass ich mich immer noch nach dieser Eissorte in Deutschland sehne!

Auf der Azuma-Brücke begegneten uns ein paar alte Bekannte. Die Mario-Kart-Fahrer vom Vortag waren wieder da! Nach ein paar Schnappschüssen mit dem goldenen „Poo“ schlenderten wir weiter durch die Straßen. Dort entdeckten wir eine dieser typischen japanischen Baustellenabsperrungen. Diese hier hatte die Form von Enten. 🙂 Einfach zuckersüß!

Tokyo Skytree

In der Nähe des Tokyo Skytree überquerten wir eine weitere Brücke und entdeckten rosafarbene Blüten. Wir waren völlig aus dem Häuschen! War die Kirschblüte nicht viel später? Wie uns Ryu später erklärte, hatten wir „nur“ Pflaumenblüten erspäht, die aber nicht minder schön waren!

Wir schauten uns ein wenig um, den Skytree besteigen wollten wir nicht, die Preise waren heftig und wir wollten die Gegend noch etwas erkunden. Wir machten noch einen kleinen Stop in unserem ersten Don-Quijotte-100-Yen-Shop. Dort war es laut, bunt und es gab alles, was man für das Leben gebrauchen könnte. Neben niedlichen Mickey-Ohrreinigern und Hello-Kitty-Pflastern, gab es allerlei anderen Kitsch. In der oberen Etage kaufte ich mir ein Ghibli- und ein Disney-Puzzle für läppische Preise. 😀 Ich war restlos glücklich!!! Denn dieses Disney-Puzzle hatte ich in Deutschland im Internet nur für sehr viel mehr Geld entdeckt!

Die neue Hachiko-Statue

Unsere nächste Station war die neue Hachikostatue in der Universität Tokyo. Sie wurde erst 2015 errichtet und zeigt das Wiedersehen von Professor Ueno und seines treuen Hundes. Herzzerreißend!

Allerdings sollten wir erstmal ziemlich planlos über den Campus irren, da wir keine genaue Karte von dem Komplex hatten und auch auf Google Maps nicht eingezeichnet ist, wo diese Statue denn nun steht. Auf einem Universitätsplan auf der Straße war auch nichts vermerkt, sodass wir erstmal ins Blaue aufbrachen. Letztendlich kamen wir an einem kleinen Pförtnerhäuschen vorbei. Dort fragten wir den japanischen Mann, der dort Wache hielt. Er kehrte auf unser Ansinnen hin in sein kleines Häuschen zurück und kramte herum. Wir waren uns unsicher, ob er uns verstanden hatte, doch wieder einmal waren all unsere Bedenken umsonst! Er hatte auf einer ausgedruckten Karte den Weg für uns eingezeichnet und überreichte jedem von uns stolz zwei limitierte Aufkleber der Universität Tokyo, die die Geschichte von Hachiko und dem Professor erklärten und ein Bild der zwei im Manga-Stil zeigte. Das war so unglaublich toll! Und letztendlich erreichten wir die wunderschöne Statue, die ich jetzt einfach für sich sprechen lasse.

Das Restaurant eines Freundes in Ginza

Nach diesem emotionalen Monument machten wir uns auf zu unserer Verabredung. Wir wollten uns mit Ryu in Ginza treffen, um das Restaurant meines Freundes Kazuki zu besuchen. Ich hatte ihn über eine Sprachlern-App kennengelernt und es stellte sich heraus, dass er ein Gourmetkoch ist. Letztes Jahr eröffnete er sein italienisches Restaurant in Ginza. Die Gerichte kocht er alle nur mit Zutaten aus seiner Heimat – also alles sehr frisch. Wir sollten nicht enttäuscht werden, denn das war das leckerste italienische Essen, was ich je gegessen hatte! Also falls ihr mal in der Gegend seid – besucht das Restaurant „a gatte tanshie“. 🙂

Vollgefuttert und geschafft von den Eindrücken des Tages, machten wir uns auf den Heimweg. Am Bahnhof in Kita sahen wir das erste Mal einen Tanuki. Eine Art Marderhund, viele sehen ihn als Waschbär mit sehr großem Gemächt. Laut Legende ist er ein Trunkenbold, treibt Scharbernack, bringt aber auch Glück und Umsatz, weswegen er vor allem vor Geschäften, aber auch in privaten Gärten als Figur zu finden ist. Am Getränkeautomaten fanden wir noch einen Schalter, der uns an den goldenen Poo erinnerte.

In der Unterkunft angekommen, ließen wir den Tag bei ein paar letzten heißen Zitronentees ausklingen, die wir in der Nähe in der Passage aus dem Automaten gezogen hatten. Dort hatte uns ein Polizist angehalten, der unser Visum sehen wollte. Da wir aber für den Urlaub nur unseren Stempel für die 90 Tage Aufenthaltserlaubnis brauchten, waren wir erstmal aufgeschmissen. Wie erklärt man ohne Englisch und ohne richtiges Japanisch, was Sache ist!? Danach telefonierte er noch und entließ uns. Er selbst fuhr mit seinem Fahrrad weiter Streife. Anscheinend waren wir doch keine Verbrecher. 😉 Auf dem Heimweg fiel uns auf einmal ein, dass wir vergessen hatten, dass wir den Kaiserpalast besuchen wollten. 😀 Aber man muss sich ja noch was für spätere Reisen aufheben!

Dies war unsere letzte Nacht in Tokyo, denn am nächsten Tag reisten wir schon weiter in die nächste Stadt – nach Kyoto. Doch nicht bevor wir in Tokyo noch eine besondere Lokalität besuchten – das Ghibli-Museum. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

Was wir im Ghibli-Museum erlebten, ob die Abreise klappte und was uns in Kyoto in der Unterkunft erwartete, erfahrt ihr im nächsten Artikel über meine Japanreise!

EURE HACHIDORI

Japan – Tag 2: Shibuya, Game-Station, japanisches Sushi und viele gute Freunde

Liebe Leser,

nachdem ich euch im letzten Beitrag von meinem schlimmen Jetlag und dem dadurch nicht so gut geratenem Ende des ersten Tages erzählte, folgt heute nun die Fortsetzung zu Tag 2 meiner Japanreise.

Am Vorabend hatten wir aufgrund meines Jetlags beschlossen, später aufzustehen und den Tagesplan etwas zu reduzieren. Ich kann nur jedem empfehlen, den ersten Tag nach der Ankunft etwas ruhiger zu planen und auf jeden Fall auszuschlafen, denn mir ging es nach dem Aufstehen bedeutend besser. Ich konnte sogar wieder etwas essen und ich hatte auch nicht mehr das Gefühl, dass diese Reise eine Schnapsidee war.

Da ich am Vorabend auch nicht mehr in der Lage war, zu duschen, habe ich mein Hygieneprogramm an diesem Morgen absolviert, während die anderen beiden Mädels gemütlich Kaffee getrunken und Fernsehen geschaut haben. Es war ein idyllischer Morgen, die Sonne schien und das Wetter machte Lust, die Welt zu erkunden. Nach unserem Frühstück, was wir am Vorabend gekauft hatten, machten wir uns auf den Weg. Unsere Station sollte Shibuya sein, ein Stadtteil von Tokyo mit zahlreichen Geschäften und Büros und dem bekannten Bahnhof „Shibuya“. Weltbekannt ist auch die große Straßenkreuzung in Shibuya, die abends manchmal von bis zu 15.000 Menschen gleichzeitig überquert wird. Später zu den Einzelheiten der Sehenswürdigkeiten noch mehr Details.

Unser Ziel war nicht nur Shibuya an sich, sondern wir wollten uns auch mit ein paar Freunden treffen, die an diesem Tag alle Zeit hatten. Das lag daran, dass dieser Tag ein Feiertag in Japan war, der Gedenktag zur Gründung der Nation. Dieser Feiertag existiert sogar schon seit 1872. Wir hatten jedenfalls großes Glück, dass an unserem ersten aktiven Tag in Tokyo auch alle unsere Freunde frei hatten und das haben wir ausgiebig genutzt. Ryu, der uns am Vortag schon vom Flughafen abholte, war unser erster Kontakt an diesem Tag. Wir trafen ihn an unserem Bahnhof, denn dort wartete er bereits auf uns. Zusammen fuhren wir schließlich nach Shibuya. Dort angekommen, machten wir uns auf den Weg zu einem der bekanntesten Treffpunkte in Japan und dem beliebtesten in ganz Tokyo. Wer kennt sie nicht, die Hachiko-Statue!

HACHIKO, SHIBUYA, TOKYO

Ein kleiner Exkurs für diejenigen, die keine Ahnung haben, wovon die Rede ist: Hachiko war ein in Japan und auch mittlerweile darüber hinaus bekannter Hund von der Rasse Akita. Er gilt dank seiner Geschichte als Inbegriff für Treue. Sein Besitzer war der Universitätsprofessor H. Ueno, der an der Universität Tokyo unterrichtete. Hachiko brachte sein Herrchen jeden Tag zum Bahnhof und holte ihn auch wieder ab. Eines Tages starb Professor Ueno während einer Vorlesung an einer Hirnblutung. Seine Witwe zog fort. Hachiko wurde zu Verwandten in Tokyo gegeben, er riss dort allerdings aus und kam jeden Tag seines Lebens zu einer festen Zeit zum Bahnhof Shibuya, um sein Herrchen abzuholen. Der frühere Gärtner von Professor Ueno wohnte glücklicherweise in Bahnhofsnähe und übernahm die Pflege von Hachiko. Hachiko wartete fast zehn Jahre vergebens auf die Rückkehr seines Herrchens.
An eben diesem Bahnhof steht heute eine Statue von Hachiko, die man nach dem Verlassen des Bahnhofs nur schwer verfehlen kann. Diesen Treffpunkt nutzen viele Japaner. Und ihr könnt euch wirklich kaum vorstellen, wie viele Menschen an diesem Feiertag vorhatten, sich dort zu treffen. Ich war leicht überfordert, denn wir wollten meine Freundin Aiko und ihre Freundin Megumi treffen. Beide hatte ich noch nie persönlich gesehen, Aiko lediglich zweimal über Skype und so hatte ich Sorge, sie zwischen all den fremden Japanern nicht zu erkennen. Glücklicherweise entdeckten Aiko und Megumi uns zuerst, als wir völlig fasziniert auf die Hachiko-Statue starrten und hin- und hergerissen waren zwischen der Suche nach unseren Freunden und dieser entzückenden Fotomöglichkeit.
Ich war auf einmal sehr aufgeregt, denn Aiko spricht kaum Englisch und wir waren auf unsere paar Brocken Japanisch angewiesen und auf Megumi, die für Aiko einige Sachverhalte übersetzte. Mittlerweile war es Mittag und wir hatten nicht allzu viel gefrühstückt, weil wir uns mit unseren Freunden zum Essen verabredet hatten. Sie schlugen uns vor, dass wir japanisches Sushi essen gehen könnten, was auf allgemeine Begeisterung bei uns traf. Vorher jedoch wollten wir noch ein Foto von und mit Hachiko schießen. Warum dort zwei Katzen saßen und vor allem sitzen blieben, das ist uns nach wie vor ein Rätsel.

In der Sushi-Bar

Danach machten wir uns also auf den Weg zur Sushi-Bar „Genki Sushi“. Sie lag nicht weit entfernt, hinter der großen Shibuya-Kreuzung ein paar Straßen weiter. Es war ein Running-Sushi, bei dem die Teller mit dem bestellten Sushi auf einem Förderband an den Tisch geliefert werden. Die Auswahl in Tokyo erfolgte nicht etwa über einen Kellner, sondern über ein Tablet. Dort konnte man seine Bestellung aufgeben und pro einer bestimmten Anzahl bestelltes Sushi bekam man ein kleines Mini-Spiel angezeigt. Dort konnte man Roulette spielen und ein zusätzliches Gericht gewinnen.

Nun fragt ihr euch sicher, ob das Sushi in Japan sich von Sushi in Deutschland unterscheidet. Ich muss zugeben, ich habe mir immer gedacht, dass es da gar nicht so viele Unterschiede geben kann, aber da habe ich eindeutig falsch gelegen. Zwischen Sushi in Japan und Sushi in der Heimat liegen Welten (und das nicht nur von der Entfernung her). Es gibt einfach Sorten, die es in Deutschland nicht gibt. Und auch, wie das Sushi serviert wird, unterscheidet sich oft. Nehmen wir mein Lieblingsbeispiel: pürierter aufgeschäumter Thunfisch mit Sahnehäubchen auf Reis. Ja, das ist Sushi. Konsistenz – gewöhnungsbedürftig. Geschmack – 1A. Generell gab es unzählige Fischsorten, die wir erstmal googlen mussten. Und natürlich schmeckt der Fisch unheimlich frisch in Japan. Man merkt einfach, dass man am Meer und an der Quelle sitzt. Wer in Japan ist, sollte sich das japanische Sushi auf keinen Fall entgehen lassen. Bei Miso-Suppe wäre ich übrigens vorsichtig. Wir hatten eine bestellt, in der eine halbe Krabbe drinlag – mit Schere und Auge. Wer da zu zart besaitet ist, der sollte vorher ganz genau übersetzen lassen, was drin ist.
Das beste am Sushi-Restaurant war (neben dem Sushi) der Wasserhahn mit heißem Wasser auf dem Tisch. Wozu? Natürlich, um sich den bereitstehenden Matcha-Tee anzurühren. In Japan bekommt man in jedem Restaurant kostenlos Wasser und/oder grünen Tee. Das war wirklich sehr praktisch, weil man Kosten einsparte und immer genug zu trinken hatte. Dieser Service ist einer der Dinge, den ich sofort nach Deutschland übernehmen wöllte.
Nachdem wir uns durch die Speisekarte gefuttert und einen beachtlichen Tellerturm gebaut hatten (die Bedienung hat uns unterstützt, damit wir unseren Fotowunsch erfüllen können), haben wir uns so schnell es ging entfernt, denn gemütliches Rumsitzen ist in japanischen Restaurants nicht üblich. Dort wird gegessen und dann weitergezogen.

Unser erster japanischer Shop

Wir hatten schließlich noch einiges vor. Beispielsweise wollten wir den Shop „It´s Demo„, den wir auf dem Hinweg zum Restaurant sahen noch besuchen. Dort gab es Schminke und Kitsch, wie Büroutensilien und sowas. Es war ein bunter, kitschiger, absolut japanischer Laden. Ich war sofort verliebt und hätte auf Anhieb alle Klebezettel und jeden anderen Firlefanz kaufen können. Aber da war das Budget noch frisch und wir Mädels noch etwas knauserig und vorsichtig.
Am Ende haben wir erstmal nichts gekauft und sind zurück zur großen Kreuzung gelaufen, weil wir uns noch einen Lebenstraum erfüllen wollten.

Die verrückte Shibuya-Aktion

Wir hatten uns geschworen, sollten wir nach Japan kommen, würden wir japanischen Boden küssen. Als geeigneten Ort haben wir die Shibuya-Kreuzung auserwählt. Es mag etwas übermütig und krass euphorisiert klingen, war am Ende aber eine meiner Lieblingserinnerungen. Als die Ampeln auf Grün schalteten, rannten unsere Freunde voraus, filmten und knipsten uns, was das Zeug hielt und wir verbeugten uns, knieten nieder und küssten japanischen Boden. (In Japan kann man sowas in einer Metropole machen – Japan ist sauberer als alles, was ich vorher sah.) Und der Freude über unsere Aktion nicht genug, einige Japaner applaudierten uns und ein besonders mutiger Japaner machte einfach mit! Da soll nochmal einer sagen, die Japaner wären schüchtern oder verklemmt. 😉 Später erklärte mir Ryu, dass auf dieser Kreuzung oft irgendwelche verrückten Flashmobs von Ausländern gemacht werden und, dass die Japaner deswegen gar kein Problem mit solchen Aktionen hätten.

Nachdem wir uns alle sehr über unseren filmreifen Auftritt amüsiert hatten, mussten wir uns auch schon von Megumi trennen, die noch eine andere Verabredung hatte. In dieser kurzen Zeit war sie uns schon so sehr ans Herz gewachsen, dass es für uns ein wirklicher Verlust war, sie gehen zu lassen. Aiko und Ryu jedoch blieben und begleiteten uns zu unserer nächsten Station – einer japanischen Game-Station.

Auf dem Weg zur Game-Station sahen wir beim erneuten Überqueren der Shibuya-Kreuzung die sehr bekannten Mario-Kart-Fahrer. Sie sind oft in Videos über Japan zu sehen. Mario-Kart ist ein Videospiel mit Super Mario und anderen Charakteren aus diesem Universum. Sie fahren in Karts um die Wette. In Tokyo gibt es eine Gruppe Personen, die diese Figuren nachstellt und damit durch den Stadtverkehr düst. Wir hatten sogar das Glück, sie ein zweites Mal am nächsten Tag zu sehen, aber dazu ein andermal mehr. Wir freuten uns jedenfalls sehr, als wir diese Gruppe zu Gesicht bekamen.

Taito Game Station, Shibuya, Tokyo

Wer vielleicht den Film „Wasabi“ mit Jean Reno kennt, der erinnert sich an die Szene in einer japanischen Spielhalle. Einer unserer Träume ging mit dem Besuch dort in Erfüllung. Wir besuchten die nahegelegene Taito Game Station Shibuya. Wir wurden empfangen von einer unglaublichen Lautstärke. Ein Gemisch aus japanischer Musik, quietschigen Lauten und Geklimper und Getrommel. Zudem war die Umgebung auf einmal mehr als taghell und so bunt, dass jeder von uns erstmal reizüberflutet war. Jeder Zentimeter wollte aufgenommen und erkundet werden, aber es waren schlicht zu viele Eindrücke. Im Obergeschoss befanden sich typische Spielautomaten, wie man sie vom Rummel kennt. Unschaffbare Herausforderungen, bei denen es unheimlich süße Stofftiere zu gewinnen gibt. Aber auch ein paar andere Spiele waren schon vertreten. Beispielsweise ein Trommelspiel, bei dem man im Takt verschiedene Teile der Trommel schlagen muss. Mein Kumpel Ryu gewann ein paar Süßigkeiten bei einem Spiel, wo man die Gewinne von einer Plattform schieben muss. Wir Mädels haben im Obergeschoss kläglich versagt. 😉

Nachdem ein paar Spiele ausprobiert wurden, gingen wir ins Untergeschoss. Dort war es schon etwas düsterer. Spärliche Beleuchtung und unzählige Automaten, einige Tische erinnerten an ein Casino, nur dass diese hier in Tokyo direkt aus der Zukunft stammen könnten. Wir bahnten uns unseren Weg durch lange von Automaten gesäumte Wege. An fast jedem Gerät saß ein Japaner. Es gab unzählige verschiedene Spiele, allen voran viele Koordinations- und Rhythmusspiele. Letztere waren so schwer, dass sie uns unschaffbar erschienen. An einem Automaten hatte man sieben verschiedenfarbige große Tasten, die immer passen zur Anzeige auf dem Bildschirm gedrückt werden sollten. Das klingt allerdings erstmal einfacher, als es dann wirklich ist. Bei der Geschwindigkeit, die dort an den Tag gelegt wird, braucht man eine unglaubliche Konzentration. Mein Highlight war das Tanzspiel. Sowas wollte ich schon immer in einer japanischen Spielhalle machen, also konnte noch ein Haken auf die Lebens-To-Do-Liste. Eine meiner Freundinnen wagte mit mir das Tanzspiel zu starten. Wir versuchten uns an der Anfängerstufe, die wir einigermaßen gut absolvierten. Danach wollten wir es wissen und versuchten noch die Basisstufe … und versagten erneut. Wir hatten natürlich trotzdem sehr viel Spaß und haben sehr sehr viel gelacht.

Nachdem wir das Spiel beendeten, startete ein Japaner das Spiel. Er wählte den Profi-Modus und spielte diesen auch noch perfekt! Es war unfassbar. Verschwitzt aber glücklich, machten wir uns auf den Weg zu unserer nächsten Station.

Für mich war der Besuch einer Game-Station ein absolutes Muss, aber ich kann es auch jedem anderen empfehlen, der in Japan unterwegs sein sollte. Es ist selbst dann ein Erlebnis, wenn man keine Spiele ausprobieren möchte. Es ist allein schon beeindruckend, den Profis dabei zuzusehen. Es lohnt sich. Also, falls ihr mal in Tokyo sein solltet… 😉

Calla Lily – Purikura Arcade, Shibuya, Tokyo

Unsere nächste Station war ein weiterer Punkt auf dem Wunschzettel und betraf eine weitere typisch japanische Aktivität: Purikura. Das sind süß verzierte Automatenfotos. Natürlich kein Vergleich mit den Fotoautomaten in Deutschland, die eher schnöde und langweilig daherkommen. In Japan wird daraus eine Wissenschaft gemacht. Die Automaten haben verschiedene Filter, schminken die Personen und vergrößern ihrer Augen automatisch. Und damit nur ein kleiner Überblick über deren Funktionen. Natürlich werden diese dann noch mit virtuellen Stickern und Sprüchen von den Fotografierten verziert.

Wir wählten für diese Aktivität die Cally Lily Purikura Arcade. Das ist ein Geschäft, wo viele dieser Automaten stehen und auch Aktionen mit Berühmtheiten stattfinden. Interessant: Männer dürfen nicht in dieses Geschäft, maximal mit einer weiblichen Begleitung. Ryu durfte uns also begleiten, aber erst, nachdem die Dame am Einlass das genehmigt hatte. Wir suchten uns anschließend einen freien Fotoautomaten (was gar nicht so einfach war) und stellten uns hinein. Ja, man steht. Wir hatten zu fünft auch locker Platz und vor uns eine Ablage für unsere Klamotten und unser Gepäck. Es waren Kameras an verschiedenen Stellen angebracht und ein Bildschirm vor uns, auf dem wir uns sehen konnten. Dort wurde uns auch angezeigt, was wir für eine Geste machen sollen. Typische japanische Gesten natürlich. 😀
Man muss sich ziemlich beeilen, die Fotos werden schnell hintereinander geschossen. Danach tritt man heraus und geht um den Automaten herum in einen anderen Bereich des Automaten, wo man die Fotos bearbeitet. Und auch dafür hat man ein Zeitlimit von 5 Minuten, was auf den ersten Blick viel erscheint, wenn man aber nur wenig Japanisch kann und sich durch die Masken klicken muss, ist das erstaunlich wenig. 😉
Am Ende hat Aiko uns dabei wahnsinnig viel geholfen. Danach werden die Fotos ausgedruckt und man kann an einem eigenes dafür eingerichteten Tisch die Fotos zuschneiden.

Vor dem Purikura-Laden standen komische Kästen, die wir erst nicht so richtig zuordnen konnten, bis wir erkannten, dass das kleine Automaten waren, aus denen man Figuren oder anderen Schnick-Schnack gegen ein kleines Entgelt bekommen konnte. Ich hatte mich unsterblich in einen kleinen Pinguin mit einem Reisbällchen verliebt. Ich hatte totales Glück, dass ich ihn tatsächlich bekam, denn es waren noch andere Figuren dort drin. Diese Automaten stehen ungelogen überall in Japan und es lohnt sich, alle zu erkunden, da das Angebot niemals komplett gleich ist. Einige Figuren haben wir wirklich nur an einer Stelle vorgefunden. Die kleinen und detaillierten Figuren sind tolle und preiswerte Mitbringsel.

 

Tokyu Hands & Disney Store, Shibuya, Tokyo

Mittlerweile hatten mir zwei andere Freunde geschrieben, dass sie für uns alle ein Restaurant reserviert haben. Wir hatten bis zur vereinbarten Zeit, zu der wir uns wieder an Hachiko treffen wollten noch Zeit, also schlenderten wir etwas durch Shibuya. Und so stolperten wir in einen der Läden, der zurückblickend zu unseren Lieblingen gehört: Tokyu Hands.
Dieser Laden hat einfach alles, was das Handarbeits- und Bastlerherz begehrt. Von Papier über Sticker bis hin zu Bastelsets. Es war einfach ein Traum. An dieser Stelle möchte ich gar nicht so viel schreiben, sondern lasse die Bilder einfach wirken. Es seit nur bemerkt, dass es 8 Stockwerke gab.

Wir hatten im Tokyu Hands völlig die Zeit vergessen und es war auf einmal spät und wir drängten zur Eile, da wir eine Verabredung hatten. Auf dem Weg zu Hachiko kamen wir am Disney Store vorbei, in den ich wenigstens schnell mal hineinschauen wollte. Und auch da lasse ich die Bilder sprechen, denn ich war verzaubert und wandelte dort wie in einem Traum. *seufz*

Nun verabschiedete sich auch Aiko, was uns nach diesem schönen Tag wirklich Leid tat. Sie war so eine sanfte und nette Person, die wir einfach nicht gehen lassen wollten.

Bei Hachiko trafen wir Shun und Sue. Die beiden waren 2010 auf einer Sprachreise in Erfurt, wo wir sie das erste Mal trafen. Es war wirklich etwas merkwürdig, sich nach so langer Zeit wiederzusehen, zumal Sue und Shun selbst keinen Kontakt mehr hatten. xD Wir bringen die Menschen zusammen. Auf jeden Fall hatten sie nicht nur irgendein Restaurant reserviert, sondern es sollte einer unserer besondersten Erinnerungen werden.

Izakaya „Ohashi“, Shibuya, Tokyo

Sie führten uns geradewegs in das Izakaya „Ohashi“. Das ist ein traditionell japanisches Restaurant, welches auch traditionell eingerichtet ist und ebensolche Speisen serviert. Es war malerisch schön. Der Eingangsbereich war von Bambus gesäumt, drinnen die obligatorische Schwelle, vor der die Schuhe abgelegt wurden. Im gesamten Izakaya waren Tatami-Matten ausgelegt, weswegen wir ohne Schuhe dort entlang gingen. Jede Gästegruppe hatte einen eigenen Raum, der mit einer Tür oder einem Tuch abgetrennt war. Man saß natürlich standesgemäß auf dem Boden, unter dem Tisch war ein Loch, wo man die Beine abstellen konnte. Diese Art von Sitzen wurde wohl erst entwickelt als mehr Ausländer nach Japan kamen, erklärte man uns. Die Beleuchtung war warm und schummrig, langsam merkte ich die zurückgelegten Meter des Tages und wurde auf einmal ziemlich müde. Ich beschloss, auf Toilette zu gehen und mich kurz frisch zu machen. Ich öffnete die Schiebetür, schloss sie leise hinter mir, bedacht auf ein höfliches und ruhiges Verhalten. Vorbei an den leicht wehenden Vorhängen hörte ich japanisches Gemurmel, sah sitzende Silhouetten und hörte ein paar Japaner lachen. Ich kam zu einem Rondell, welches über und über mit kleinen LED-Lampen ausgestattet war. Man konnte von hier oben in einen Innenhof schauen, der japanisch bepflanzt war. Ich war verzaubert. Ich war im Himmel. Das war so ziemlich das japanischste, was uns passieren konnte mitten in der Großstadt. Und das gleich am ersten Tag. Ich war seltsam ergriffen. Auf Toilette angekommen musste ich dann jauchzend lachen, denn dort standen die ersten Toilettenpantoffeln, die wir auf unserer Reis wirklich selten sahen. In Japan ist es üblich, dass für die Toilette extra Hausschuhe bereitstehen, damit man den Rest der Wohnung nicht verunreinigt, wenn man vom Klo kommt. Nachdem ich mich etwas frisch gemacht hatte, begab ich mich zurück, wo die anderen schon über der Speisekarte brüteten. Unsere Freunde bestellten einfach mehrere Spezialitäten für uns. Da war neben Salat auch Krabbenpaste, Kartoffelbrei mit Fischsauce und allerlei andere Speisen, die uns erwarteten. Außer der Krabbenpaste hat alles sehr lecker geschmeckt.

Takeshita Dori, Harajuku, Tokyo

Nachdem wir aufgegessen hatten, machten wir uns auf den Heimweg. Ryu begleitete uns, denn wir wollten noch einen Abstecher auf die Takeshita Dori machen. Diese Shoppingstraße hattez war längst geschlossen, aber wir wollten sie gern wenigstens kurz sehen, da wir die nächsten Tage keine Gelegenheit mehr dazu haben würden. Auf dieser Straße gibt es viele Mode-Boutiquen, Cafés und Restaurants. Direkt hinter der Straße liegt der Bahnhof „Harajuku“, von dem wir anschließend nach Hause fuhren.

Auf dem Nachhauseweg kauften wir in einem Konbini (24-h-Laden) noch das Frühstück für den Folgetag und beschlossen, auf den Tag anzustoßen. Als wir in der Unterkunft ankamen, hoben wir die Gläser (naja… Dosen) auf unsere Reise. Ein wirklich gelungener Auftakt.

Wir hatten viel erlebt, viele Freunde getroffen und viel gesehen. Auch an diesem Tag fielen wir in einen tiefen, sehr sehr glücklichen Schlaf.

Was wir am nächsten Tag in Tokyo alles erlebten, wie der erste Tempel und Schrein für uns war und wen wir dort noch alles getroffen haben, erfahrt ihr im nächsten Beitrag zu meinem Japan-Special!

Coming soon!

EURE HACHIDORI

Was würde auf eurer Japan-/Tokyo-Wunschliste stehen? Stehen vllt sogar schon einige der genannten Aktivitäten darauf? Habt ihr vielleicht jetzt erst Lust bekommen, Japan mal zu bereisen? Lasst mir gern einen Kommentar mit euren Gedanken hier!