Rezension – „Freundinnen – Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom / Theresa Donovan Brown

Meine lieben Leser,

dieses Sachbuch war ebenfalls Teil meines Frühjahrsputz-Bingos. Ich habe es vor einiger Zeit in einem Sale ergattert und seitdem lag es auf meinem SuB. Ich bin sehr froh, dass ich es im Rahmen des Bingos gelesen habe. Wie es mir gefallen hat, könnt ihr im Folgenden lesen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Freundinnen – eine Kulturgeschichte
  • Autor/in: Marilyn Yalom, Theresa Donovan Brown
  • Übersetzer/in: Liselotte Prugger
  • Anzahl der Seiten: 409 Seiten
  • Verlag: btb Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2017)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Dieses Sachbuch ist sehr umfangreich und gut strukturiert aufgebaut. In drei Teilen sowie vierzehn Kapiteln wird auf die Geschichte von Frauenfreundschaften eingegangen.

In Teil I wird der Fokus auf die Zeit gelegt, in der das Erscheinungsbild von Freundschaften noch männlich war. Denn es ist keineswegs so, dass Freundschaft immer beiden Geschlechtern zugestanden worden ist. Ausführlich wird auch auf die wenigen Erwähnungen von Frauenbeziehungen in der Bibel eingegangen. Besonders interessant war unter anderem, dass Jesus einer der wenigen Propheten war, der auch weibliche Jüngerinnen annahm. Umso interessanter dass zwei Jüngerinnen, die historisch nachgewiesen werden können, weder auf dem Abendmahl auftauchen, noch in dieser textlichen Ausführlichkeit wie die anderen Jünger. Dies sollte einen nicht verwundern, wurde die Bibel doch von Männern geschrieben.
Weiterhin wird darauf eingegangen, dass auch sehr bekannte Philosophen und Kleriker nicht davor gefeit waren, Freundschaften zwischen Frauen als nicht existent oder minderwertig zu betrachten.

In Teil II dreht sich dann alles um die Zeit, in der die Geschichte Frauenfreundschaften entdeckte. Es wird von Nonnen erzählt, die zunächst die einzigen Frauen mit Zugang zu Bildung waren und somit die einzigen Schriftstücke zurückließen, die Frauenfreundschaften und -beziehungen dokumentieren. Denn auch, wenn es immer noch Menschen gibt, die es abstreiten: Auch Liebesbeziehungen gleichgeschlechtlicher Natur gab es schon allseits in der Menschheitsgeschichte.
Letztlich wird darüber berichtet, wie sich die Frauenfreundschaften auch immer mehr Raum außerhalb der Klöster errangen. Diese Freundschaften existierten auch selten mit Männern, die aber sonst solche Beziehungen eher als Klatsch, denn als Seelenverwandtschaft abtaten.
Es wird außerdem auf die sogenannten Précieuses eingegangen, ein literarischer Kreis von Frauen im 17. Jahrhundert, die sich der Pflege der französischen Sprache und gesellschaftlicher Sitten verschrieben hatten.
Ebenfalls wird auf patriotische und romantische Freundschaften eingegangen. Alle diese Kapitel sind jeweils mit historischen Beispielen veranschaulicht, sodass der Leser auch die kurzen Biografien der Personen erfährt.
Die Bedeutsamkeit von Gebeten, Vereinen oder des Quiltknüpfens in den ersten amerikanischen Siedlungen für Frauenfreundschaften wird danach thematisiert. Die Verbundenheit, die durch solche Vereinigungen und gemeinsame Tätigkeiten entstand, bot den perfekten Rahmen für die Entstehung eines Austauschs und Verbindungen zwischen Frauen.
Schließlich widmet sich das Kapitel der Erstarkung der Frau an sich und somit auch ihrer Beziehungen, indem es auf Studentinnen, Stadtmädchen und „die neue Frau“ eingeht. Diese neue Frau hat endlich größeren Zugang zu Bildung und definiert sich dadurch auf ganz anderen Ebenen, wird selbstständiger und selbstbewusster.
Maßgeblich dazu beigetragen und für Frauen eingesetzt hat sich Eleanor Roosevelt. Ihrer Biografie und ihren Freunden wurde ein ganzes Kapitel gewidmet, um das Schaffen dieser Persönlichkeit nicht nur darzustellen, sondern zu ehren.
Die Entwicklung der Partnerschaft hin zu einer schwesterlichen Beziehung bildet schließlich den Abschluss des zweiten Teils.

TEIL III beschäftigt sich mit dem modernen 21. Jahrhundert und dem persönlichen Kontakt von Frauen zu ihren Freunden. Es wird auf die sogenannte Freundintimität eingegangen und auf das Geben und Nehmen in einer Freundschaft, die in einer Marktwirtschaft existiert. Auch auf die allseits gern gestellte Frage: „Können Männer und Frauen Freunde sein?“ wird in einem Kapitel eingegangen. Letzlich werden auch die modernen Kommunikationswege kurz beleuchtet.

Der Epilog bietet schlussendlich ein Resümee über die Frauenfreundschaften über alle Jahrhunderte hinweg, was davon bleibt und wir für unsere Beziehungen daraus lernen können.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist für ein Sachbuch sehr eingängig. Viele Kapitel lesen sich sehr schnell weg, andere wiederum sind etwas trockener, was auch den vielen politischen Rahmenbedingungen geschuldet ist, die erklärt werden müssen, um den Zusammenhang zu verstehen.
Die kleinen Biografien, die überall mit einfließen, haben mir sehr gut gefallen, da sie auf das Nötigste reduziert waren und einen guten Einblick geben konnten, ohne den Leser zu überfrachten.
Die Autorinnen schreiben mit sehr viel Leidenschaft, oft auch appellierend, aber niemals belehrend. Kritische Stellen werden sachlich beleuchtet, sodass sich der Leser selbst ein Bild machen kann.

FAZIT:

Dieses Buch ist wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn Frauenfreundschaften zeigen sehr deutlich, wie sich auch das Bild der einzelnen Frau über die Jahrhunderte gewandelt hat. Wie eng auch die Beziehungen von Frauen mit dem politischen und gesellschaftlichen Geschehen verwoben sind, war mir vorher nicht in dieser Fülle und Klarheit bewusst. An so manchen Stellen des Buchs hatte ich Aha-Momente und wurde beeindruckt, ja bin ich sogar stolz, was unsere Vorfahrinnen für uns erreicht und gegen welche Widerstände sie sich behauptet haben. Ebenfalls interessant war, wie schmal der Grad zwischen Freundschaft und romantischer Beziehung ist. Denn wie die unzähligen Beispiele im Buch zeigen, kann eine Freundschaft auch ohne sexuellen Einschlag mindestens so leidenschaftlich ablaufen, wie eine Liebesbeziehung. Ich frage mich auch, wie unsere Freundschaften wohl dokumentiert werden, da wir doch heutzutage keine Briefe mehr schreiben. Denn nur dadurch wurde uns dieses Erbe erhalten.
Ein wichtiges historisches Dokument der Frauenfreundschaften im Wandel der Zeit. Es bietet nicht nur viele biografische Beispiele bekannter Persönlichkeiten, sondern macht auch deutlich, welches Einfluss das politische und gesellschaftliche Geschehen auf Frauen und deren Beziehungen hat. Sehr interessant und lesenswert.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♡
Unterhaltung: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,0


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe

Meine lieben Leser,

es geht ruckzuck vorwärts mit dem Frühjahrsputz-Bingo! Das Buch „Auf der richtigen Seite“ von William Sutcliffe ist mir auf einem Schnäppchentisch als Mängelexemplar in die Hände gefallen. Mich hat das Cover irgendwie begeistert und der Klappentext hörte sich spannend an. Außerdem war es für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, weswegen ich mir dachte, dass es nicht so ein schlechtes Buch sein kann. Ob es mir letztendlich gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Auf der richtigen Seite
  • Autor/in: William Sutcliffe
  • Übersetzer/in: Christiane Steen
  • Anzahl der Seiten: 346 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Verlag
  • Ausgabe: Taschenbuch (2014)
  • Genre: Jugendroman

INHALT:

Der Leser lernt einen 13-jährigen Jungen kennen, der später in der Handlung auch einen Namen erhält. Lange Zeit jedoch bleibt er namenslos. Zunächst beobachtet der Leser dessen Alltag in einer Stadt, die durch ihre immer gleichen Häuser und das gepflegte äußere eine scheinbare Idylle darstellt. Diese wird nur durch die sogenannte Mauer unterbrochen, hinter der angeblich Menschen leben, die ihm und allen anderen Bewohnern nach dem Leben trachten und Bomben einschmuggeln wollen.
Es gibt sogenannte Checkpoints, an denen man mit Erlaubnis auf die „andere Seite“ gelangen kann.
Als der Fußball des Jungen auf eine hoch eingemauerte Baustelle fliegt, klettert er über die Absperrung, um ihn zurück zu holen, obwohl er weiß, dass es ihm nicht erlaubt ist. Auf der Baustelle findet er ein zerstörtes Haus, welches zur Hälfte planiert ist und einen mysteriösen Tunnel. Als er sich entscheidet, diesen Tunnel zu erkunden und so auf der „anderen Seite“ herauskommt, sieht er sich auf einmal mit einer völlig neuen Realität konfrontiert, die alles infragestellt, was er bisher kannte. Nicht nur sein Weltbild gerät ins Wanken, sondern er begibt sich in große Gefahr, um zu helfen und setzt dabei alles aufs Spiel.
Es ist bezeichnend, dass der Protagonist gerade in dem Beginn dieser Schwierigkeiten einen Namen erhält.

SCHREIBSTIL:

Das Buch ist unheimlich emotionsstark und dicht geschrieben. Es passiert vielleicht nicht allzu viel in dem Buch, aber die Emotionen und Gedanken des Protagonisten zu jeder Situation werde sehr eingängig beschrieben. Dieser tiefgehende Schreibstil macht das Buch aus und zu etwas besonderem. Meiner Meinung nach war es völlig zurecht für den Preis nominiert.
Die Atmosphäre im Buch ist mysteriös, ja fast schon erdrückend, da der Leser kaum Informationen über die Welt bekommt, in der die Handlung stattfindet. Lediglich kleinere Fetzen werden dem Leser ab und zu hingeworfen, sodass sich ein diffuses Bild ergibt und erahnt werden kann, um welches Setting es sich handeln könnte. Schlussendlich wird in der Danksagung ein Bezug zu Israel und dessen Besatzungszonen genannt, sodass sich die Ahnungen bestätigt finden.
Die fehlenden Informationen zur Welt machen das Buch leider etwas unscharf und die offenen Fragen werden leider auch am Ende nicht beantwortet, was mich etwas enttäuschte. Auch fand ich das Ende sehr abrupt. In der Handlung wird sich für jegliche Emotionen und Ereignisse sehr viel Zeit genommen, während das Ende sehr schnell abgehandelt wird. Hier hätte ich mir mehr Raum für Erklärungen und Emotionen gewünscht.

FAZIT:

Das Buch behandelt eine große Themenvielfalt. Es werden unter anderem Kriegsgebiete und -zustände, Gewalt in Familien und auf der Straße, Patchworkfamilien, Tod, Krankheit, Armut, Erwachsenwerden, Toleranz und Diskriminierung angesprochen. All das wird verpackt in eine spannende Handlung um diesen 13-jährigen Jungen. Er wächst durch die Erlebnisse schnell von einem Kind zum reifen jungen Mann heran und tut das einzig Richtige: Er verhält sich moralisch korrekt und hört auf sein Herz. Er reißt die Mauer in seinem Verstand nieder, die ihn von der real besetzten Stadt trennt. Dieser Mut kostet ihn jedoch viel und der Leser stellt sich unweigerlich die Frage: War es das wert?
Ein starkes Jugendbuch, welches hart, aber ebenso berührend schildert, dass es nicht DIE richtige Seite gibt. Es steht ein für Menschlichkeit über Grenzen hinweg und zeigt, was einzelne Menschen bewegen können und bereit sind dafür zu opfern. Lediglich das Ende hat das Potenzial nicht ausgeschöpft. Lesenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Rahmen / Worldbuilding: ♥♥♥♡♡
Charaktere: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,6


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Geisterseher“ von Kai Meyer

Meine lieben Leser,

dieses Buch liegt schon seit einigen Jahren auf meinem SuB. Im Rahmen des Frühjahrsputz-Bingos 2021 habe ich es nun endlich erlöst und damit nicht nur den SuB abgebaut, sondern auch ein weiteres Buch für mein Leseprojekt gesammelt, in dem ich mir das Ziel gesetzt habe, das Gesamtwerk von Kai Meyer zu lesen.
Wie mir dieser historische Roman von Kai Meyer gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Geisterseher – Ein unheimlicher Roman aus dem klassischen Weimar
  • Autor/in: Kai Meyer
  • Anzahl der Seiten: 362 Seiten
  • Verlag: Aufbau Verlag
  • Ausgabe: Taschenbuch (2017)
  • Genre: Historischer Roman, Historische Mystery

INHALT:

Dieses Buch von Kai Meyer entführt uns in das Weimar des frühen 19. Jahrhunderts.
Er schickt die Gebrüder Grimm auf eine undurchsichtige Reise. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm treffen dabei auf viele bekannte Persönlichkeiten dieser Zeit.
Die Geschichte beginnt und sie finden sich zu Gast beim großen Geheimrat Goethe wieder. In seinem Auftrag suchen sie den schwer erkrankten Schiller und dessen Frau auf. Sie liefern eine Medizin zu dem im Sterben liegenden Dichter. Gleichzeitig sollen sie sein letztes Manuskript abholen und anschließend Goethe übergeben.
Auf dem Rückweg werden sie jedoch von einer dunklen Gestalt überfallen, das Manuskript kommt abhanden und sie setzen nun alles daran, es wiederzufinden.

Aufgrund des Klappentextes könnte der Leser meinen, dass die Suche nach dem Manuskript zum zentralen Element wird, jedoch ist dem nicht im Geringsten so. Das Manuskript taucht bald wieder auf und mit ihm jede Menge Fragen und eine große Verschwörung darum. Auf einmal sehen sich die Gebrüder Grimm mit verschiedensten Parteien konfrontiert, die es auf das Manuskript abgesehen haben.
Goethe und die ägyptische Geheimloge kämpfen genau so um dessen Besitz wie eine mysteriöse Gräfin und die Nachfahrin der Gräfin Cosel.
Das Manuskript soll nach Warschau in Sicherheit gebracht werden, doch dort geht ein Mörder um, der nur „Der Sandmann“ genannt wird. Außerdem verliebt sich Wilhelm Hals über Kopf in eine Reisegefährtin die für Jacob hexerische Fähigkeiten besitzt.
Und auf einmal steht nicht nur das Manuskript im Fokus, sondern auch die Brüder – die sich immer mehr gegeneinander wenden.

SCHREIBSTIL:

Die Geschehnisse werden von Wilhelm Grimm selbst erzählt. Während dieser eher emotional getrieben und ungestüm ist, stellt sein Bruder Jacob die schiere Vernunft und das rationale Handeln dar. Klar, dass es zwischen diesen beiden Charakteren krachen muss. So werden immer wieder kleine Streitereien zwischen den Brüdern eingebaut, was ich teilweise anstrengend, aber auch authentisch fand.
Die vielen bekannten Persönlichkeiten, wie Goethe, Schiller oder auch E.T.A. Hoffmann wurden meiner Meinung nach etwas inflationär eingebaut. Da es sehr viele solcher Charaktere gab, fand ich es leider etwas unglaubhaft, dass die Gebrüder Grimm ihnen tatsächlich allen begegnet sein könnten – geschweige denn, dass diese Persönlichkeiten alle dermaßen in ein mysteriöses Komplott verstrickt sein könnten.
Der Sprachstil an sich hat mir sehr gut gefallen, da Wilhelm sich eines Ausdrucks bedient, der für die damalige Zeit typisch ist. Leider konnte das für mich nicht über die Schwächen der Handlung hinwegtrösten, denn so richtig gepackt hat mich das Buch leider bis zum Ende hin nicht.
Trotz allem fand ich den historischen Rahmen sehr interessant, denn der Leser lernt auch einiges über die Städte oder Umgebungen, in denen die Gebrüder unterwegs sind. Auch in der Danksagung ist erkenntlich, dass Kai Meyer sehr viel Recherche betrieben hat, um diesen Rahmen der Geschichte zu schaffen.

FAZIT:

Die Idee des Buches hat mich direkt zum Lesen animiert, da ich die Märchen der Gebrüder Grimm sammle und mich dafür interessiere. Aus ihrer Sicht ein Abenteuer zu erleben, klang zunächst nach einem spannenden Einfall. Leider ruckelte es für mich in der Umsetzung. Die Handlung war undurchsichtig und für lange Zeit war kein übergeordnetes Ziel erkennbar, sodass der Leser keine Ahnung erhält, wo die Geschichte hinführen soll. Die Aufgaben, die von den beiden Brüdern erledigt werden sollen, finden schnell ihre Lösung, sodass ich mich beim Lesen öfter fragte: „Und was soll jetzt noch kommen?“. Nicht unbedingt erleichtert wird dieser Umstand durch die vielen Charaktere, die mal mehr, mal weniger Bewandtnis haben und teilweise sehr blass bleiben. Es fehlte mir an Struktur, es wurden so viele Elemente gemischt, dass mich beim Lesen oft der Eindruck überkam, den Überblick und letzendlich den Überblick zu verlieren. Punktuell war die Handlung immer wieder mal spannend, danach aber auch immer wieder mal recht zäh. Die Atmosphäre war durch einige unheimliche Momente recht düster, aber nicht angsteinflößend. Am Ende spannt sich zwar ein kleiner Bogen, aber die Auflösung bleibt unspektakulär und lässt Fragen offen, weshalb ich doch etwas enttäuscht zurückblieb.
Sprachlich wunderbar, aber zusammenhangslos und zerstückelt in der Handlung. Sehr viele, teils blasse Charaktere und zu viele gemixte Elemente wie bekannte Persönlichkeiten und Geheimlogen lassen schnell den Überblick verlieren. Das Potenzial wurde für mich nicht ausgenutzt. Eines der schwächeren Bücher von Kai Meyer für mich.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♡♡
Spannung / Gruselfaktor: ♥♥♥♡♡
Historischer Rahmen: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Meine lieben Leser,

das dritte Buch im Frühjahrsputz-Bingo war „Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens. Seit 2019 liegt dieses Buch auf meinem ungelesenen Stapel. Es wurde hochgelobt und deswegen wagte ich mich mal wieder aus meiner Fantasy-Komfortzone und entschied mich für diesen Roman. Ob er mich ebenso überzeugen konnte, wie alle anderen, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Gesang der Flusskrebse
  • Autor/in: Delia Owens
  • Übersetzer/in: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann
  • Anzahl der Seiten: 462 Seiten
  • Verlag: Hanserblau Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2019)
  • Genre: Kriminalroman, Bildungsroman, Mystery

INHALT:

Das Buch handelt von Kya, einem kleinen Mädchen, welches im Laufe der Geschichte zur Frau erwächst. Sie lebt anfangs mit ihrer Familie, später auf sich allein gestellt in den sogenannten Marschlanden, einer speziellen Form des Umlandes, bestehend aus Sandbänken, Wiesen, Flussläufen und sumpfähnlichen Strukturen. Kya wächst isoliert auf und lernt im Gegensatz zu anderen Kindern, mit der Natur zu leben. Sie kennt jeden Stein, jeden Vogel und jedes Insekt und sammelt leidenschaftlich gern Federn, Muscheln und was die Natur noch zu geben hat. Dafür lebt sie zurückgezogen, eine Ausgestoßene, die von den Bewohnern des Nachbarortes misstrauisch beäugt wird.
Sie bleibt ungebildet, bis sich ein Junge dazu entschließt, ihr das Lesen beizubringen. So öffnet sich für Kya eine ganz andere Welt. Diese wird jedoch jäh erschüttert, als im nahegelegene Örtchen Barkley Cove ein Mordfall geschieht. Ein junger Mann wird tot aufgefunden und die Schuld sehen die Dorfbewohner in dem Marschmädchen – in Kya.

SCHREIBSTIL:

Dieses Buch ist so dicht und so atmosphärisch geschrieben, dass es mir schwer fällt, es in Worte zu fassen. Der Leser begleitet Kya nicht nur durch ihr gesamtes Leben, sondern auch durch den ungerechten Ablauf der Kriminalgeschichte. Selten habe ich so mit einem Charakter mitgefiebert, weil die Autorin sie so authentisch und doch außergewöhnlich gezeichnet hat.
Ganz besonders herausragend sind in diesem Debüt die Beschreibungen der Natur. Kyas Expertise der Marschlande geht nach und nach auch auf den Leser über, der in ihren Möwen nach kurzer Zeit ebenfalls gute Freunde entdeckt und die Faszination für die unterschiedlichsten Lebensformen teilt.
Auch die Beziehungsgeflechte zwischen Kya und ihrer Familie sowie zu den zwei Männern in ihrem Leben werden mit einer Tiefe erzählt, die mir oft eine Gänsehaut bereitete. Bereitwillig folgte ich Kya auf ihren Erkundungstouren und Versteckspielen in der Marsch, beim Einkaufen im Örtchen oder bei Jumpin, ihrem Vertrauten und Vaterersatz und ich erlebte so gern mit ihr die erste Liebe, die unzähligen ersten Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg durch das Erwachsenwerden gemacht hat.

FAZIT:

Für mich ist jetzt völlig klar, wo die Begeisterung vieler Leser für dieses Buch herrührt. Es ist nicht nur sprachlich wunderschön geschrieben, sondern sehr eingängig, tiefsinnig und feinfühlig. Es hat auf mich einen richtigen Sog ausgeübt. Es ist eine Hommage an die Natur, an das Erwachsenwerden und an die Toleranz, die in diesen Tagen oft fehlt. Es lädt zum Reflektieren ein, wenn es zwischen den Zeilen Vorurteile anprangert und überrascht mit einigen Verläufen der Handlung. Was das Buch besonders macht, sind nicht nur die vielen Details, sondern auch die unfassbare Authentizität, mit der sie erzählt werden.
Für mich ganz großes Kino. Starke Bilder, wunderschöne Naturbeschreibungen, tiefe Gefühle und Kritik zu immer noch aktuellen Themen. Ein Buch mit Sog-Charakter. Wer es noch nicht gelesen hat, sollte das nachholen. Für mich ein absolutes Highlight!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♥
Emotionen: ♥♥♥♥♥
Kriminalfall: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Iron Flowers – Die Rebellinnen“ von Tracy Banghart

Meine lieben Leser,

das zweite Buch des Frühjahrsputz-Bingos ist nun also schon geschafft und ich möchte euch die Rezension dazu natürlich nicht vorenthalten. Die zwei Bände von „Iron Flowers“ haben den Weg vor einigen Jahren durch ein Gewinnspiel zu mir gefunden. Endlich konnte ich den ersten Band vom SuB befreien. Ob sich das gelohnt hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Iron Flowers – Die Rebellinnen
  • Autor/in: Tracy Banghart
  • Übersetzer/in: Anna Julia Strüh
  • Anzahl der Seiten: 380 Seiten
  • Verlag: Fischer Sauerländer Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2018)
  • Genre: Dystopie

INHALT:

Das Buch „Iron Flowers – Die Rebellinnen“ handelt von den beiden Schwestern Nomi und Serina. Serina wurde ihr Leben lang dazu ausgebildet, eine Grace des Regenten zu werden, während Nomi die Rolle ihrer Zofe einnehmen sollte. Jedes Mädchen im Land hat theoretisch die Chance, eine Grace zu werden. Wichtig sind gefälliges Aussehen und bestimmte Begabungen wie Harfe spielen oder die Unterhaltung von hochrangigen Regierungsmitgliedern.
Die aktuellen Graces werden in einer Art Ausscheid bestimmt. Nachdem Serina in ihrer Region ausgewählt wurde, wird sie zum Ausscheid im Palast eingeladen. Das Besondere: Dieses Jahr werden die Graces nicht für den Regenten, sondern für den Thronfolger ausgewählt. Zu diesem Ereignis fahren Nomi und Serina gemeinsam. Während Nomi auf ihre Schwester wartet, sucht sie die Toilette und begegnet zufällig dem Thronfolger und seinem Bruder.
Als schließlich Nomi anstatt Serina als Grace gewählt wird, ist nicht nur die Verwirrung und Verzweiflung groß, sondern auch die Empörung der anderen Teilnehmerinnen. Serina wird nun die Rolle der Zofe einnehmen.
Zu sagen bleibt, dass in der Gesellschaft, die im Buch beschrieben wird, die Frauen eine niedere Stellung bekleiden. Sie dürfen nicht aufmüpfig werden, werden verheiratet und dürfen nicht lesen lernen. Gleichgeschlechtliche Liebe ist verboten. Wer dem nicht gehorcht, wird bestraft.
Da Nomi lesen kann, geht sie ein großes Risiko ein, als sie ein Buch aus der königlichen Bibliothek an sich nimmt. Serina und Nomi kennen das Buch. Serina kann zwar nicht lesen, aber rezitiert aus dem Buch und wird erwischt. Hier beginnt die eigentliche Handlung des Buches.
Serina wird auf die Frauengefängnisinsel gebracht und Nomi muss sich im Palast als Grace behaupten.

Welche Rolle der Thronfolger und sein Bruder in der ganzen Geschichte spielen, wie es beiden ergeht und wie stark ihr Zusammenhalt als Schwestern ist, dürft ihr gern selbst lesen.

SCHREIBSTIL:

Die Geschichte wird abwechselnd aus Nomis und Serinas Sicht erzählt. Mit Nomi erlebt der Leser das ganze Ausmaß der unsinnigen Regeln für Graces und lernt sowohl den Thronfolger als auch seinen Bruder kennen.
Aus Serinas Sicht wird man auf die Gefängnisinsel gebracht und muss sich unter unmenschlichen Bedingungen behaupten, ja gar bis zum Tode kämpfen.
Mir hat besonders dieser Wechsel der Szenarien gefallen und wie die Autorin sie umsetzte. Ganz entgegen meiner Erwartungen entwickelte sich die Geschichte oft in eine andere Richtung, als ich es mir vorgestellt hatte.
Der Schreibstil ist sehr klar, liest sich schnell und erzeugt fast durchgehend eine leichte Spannung. Der Fokus ist hier vor allem auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Politik sowie die Schwesternliebe gelegt, was ich als sehr angenehm empfand.

FAZIT:

Aufgrund des Thronfolgers und seines Bruders hatte ich eine platte Dreiecksgeschichte erwartet, aber ich wurde überrascht. Zwar hat die Geschichte typische moderne Elemente einer Dystopie, wie beispielsweise den Palast und den Ausscheid sowie den Überlebenskampf auf der Insel, jedoch hat die Autorin das mit einem ganz eigenen Charme umgesetzt. Im Mittelpunkt steht nicht eine einzelne heroische Heldin, sondern zwei Schwestern die auf ganz eigene Weise um ihre eigene Freiheit und die Freiheit aller Frauen im Land kämpfen. In der Geschichte gab es einige Wendungen, die ich nicht vorhersehen konnte und die mich sprachlos zurückließen. Zwar hatte ich auch mal kleinere Vorahnungen, habe diese aber oft wieder verworfen aufgrund des Verlaufs der Geschichte. Das Buch hat mich gut unterhalten und teilweise war es eine Mischung aus Panem und Selection, jedoch mit einem recht asiatischen Einschlag von den gesellschaftlichen Strukturen her und einer ganz individuellen Note.
Eine wirklich gute und zeitgemäße Dystopie über Frauenrechte, Schwesternliebe und politische Intrigen. Die Geschichte konnte mich super unterhalten, auch wenn einige Fragen offen blieben und das Worldbuilding gern detaillierter hätte sein können. Lesenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Dystopischer Rahmen: ♥♥♥♥♡
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 4,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Erebos 2“ von Ursula Poznanski

Meine lieben Leser,

im Rahmen des Frühjahrsputz-Bingos 2021 habe ich als erstes Buch „Erebos 2“ von Ursula Poznanski gelesen.
Das Buch lag bereits seit 2019 auf meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) und ich habe es durch diese SuB-Abbau-Aktion endlich erlöst.
Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Erebos 2
  • Autor/in: Ursula Poznanski
  • Anzahl der Seiten: 512 Seiten
  • Verlag: Loewe Verlag
  • Ausgabe: Limitierte Auflage (2019)
  • Genre: Thriller

INHALT:

Nick, der im ersten Teil bereits mit dem Spiel Erebos zu kämpfen hatte, arbeitet mittlerweile als Fotograf, um sich sein Studium zu finanzieren. Es sind also schon viele Jahre vergangen seit den Ereignissen in Band 1. Auf einmal sieht Nick sich jedoch erneut Erebos gegenüber, als es sich ungefragt auf dem Handy und dem PC installiert und ihn so nun auf Schritt und Tritt überwacht. Doch welches Ziel steht dieses Mal hinter der Software? Wer ist der Drahtzieher?
Nick muss unbedingt Kontakt zu den anderen Spielern des ersten Teils aufnehmen. Allein ist er Erebos 2 nicht gewachsen, denn die Regeln des ersten Teils gelten nicht mehr. Die Spieler können nicht mehr aussteigen.

SCHREIBSTIL:

Das Buch hat sich ganz im Stil Poznanskis flüssig und gut gelesen. Es war sehr spannend, auch wenn es zuweilen durch kleinere Längen an Tempo verlor. Die Geschichte und die Charaktere haben mir gut gefallen, weil sie lebendig waren und ich wirklich wissen wollte, wie es weitergeht.
Die Längen ergaben sich vor allem durch viele Schilderungen der Spielwelt, also in Erebos selbst. Unzählige Kämpfe, Missionen und Begegnungen, die auch im Nachgang nicht wirklich viel zur Handlung beigetragen haben. Mir fehlten wirklich sichtbare Spuren oder Hinweise, die die Spieler schlussendlich auf den Drahtzieher brachten. Natürlich wurde das am Ende aufgelöst, aber das erklärte nicht alles, was im Spiel vorkam und wirkte auch etwas willkürlich.
Die Geschichte wird hauptsächlich aus zwei Perspektiven erzählt – aus Nicks Perspektive und aus Dereks Perspektive. Während Nick den Part des erfahrenen Spielers einnimmt, der den Drahtzieher hinter dem zweiten Teil ausmachen will, erfüllt Derek die Rolle des neuen Spielers, der in dem Spiel Zuflucht und Anerkennung findet.

FAZIT:

Das Buch hat sich alles in allem gut und spannend gelesen und ich war sehr auf die Auflösung am Ende gespannt. Jedoch störten mich neben den Längen ein paar Sachen. Einerseits machte es für mich nach der Auflösung wenig Sinn, warum das Spiel reaktiviert wurde – die Person, die dahintersteckte fand ich auch etwas weit hergeholt. Auch, dass am Ende alle sozusagen nachvollziehen konnten, warum er es getan hatte und keiner der Beteiligten sauer war, konnte ich nicht verstehen. Immerhin hat eine Spielerin ihr Kind an das Jugendamt verloren und solche Sachen – da sollte man doch etwas mehr Emotionen erwarten.
Der andere Punkt, der mich unzufrieden zurück lässt ist der technische Hintergrund. Ich hatte auf eine Erklärung am Ende gehofft, die die Geschehnisse logisch und nachvollziehbar darstellt. Allerdings wurde der Leser hier mit wenigen Sätzen zurückgelassen, so ganz nach dem Motto: „Das war einfach so.“. Technisch gesehen ist diese Umsetzung allerdings mehr als unrealistisch, wenn man betrachtet, wer hinter dem ganzen am Ende steckte. Leider wirkt es so, als hätte die Autorin hier zu wenig im Bereich IT recherchiert. Da es ein realistisches und zeitgemäßes Setting hat, kann da auch leider kein Auge zugedrückt werden.
Spannend geschrieben, sympathische Charaktere, kleinere Längen – leider inhaltliche und Logikfehler. Das Ende und die Auflösung ließen mich eher unzufrieden zurück. Schade. Hatte mir etwas mehr erhofft.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♡♡
Spannung: ♥♥♥♥♡
Logik / Rahmen: ♥♥♡♡♡
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 3,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Merle – Das steinerne Licht“ von Kai Meyer

Meine lieben Leser,

der erste Band der Merle-Reihe von Kai Meyer hatte mich ja sehr überzeugt. Deshalb musste ich direkt den zweiten Band hinterher lesen. Ob der Folgeband mich genau so überzeugen konnte, wie der Auftakt, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Merle – Das steinerne Licht
  • Autor/in: Kai Meyer
  • Anzahl der Seiten: 365 Seiten
  • Verlag: Fischer Sauerländer Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Fantasy, Jugendbuch

INHALT:

*** Achtung! Es handelt sich um den zweiten Band – evtl. Spoiler zum ersten Band vorhanden! ***

Nach der Flucht von Merle, der fließenden Königin und Vermithrax aus Venedig, begeben diese sich auf die Suche nach Lord Licht. Dieser hatte in der Vergangenheit schon mehrmals seine Hilfe im Kampf gegen die Ägypter und deren Sphinxe angeboten, diese wurde jedoch immer wieder ausgeschlagen. Da Venedig ohne den Schutz der fließenden Königin praktisch wehrlos von den Ägyptern überrannt wird, wollen Merle und ihre Begleiter ihn daher zur Hilfe holen. Dazu müssen sie sich allerdings geradewegs auf den Weg in die Hölle machen, um ihn dort zu suchen.
Währenddessen bildet sich in Venedig eine Widerstandsbewegung, der auch die ehemaligen Spiegelmacher-und Weberlehrlinge angehören. Serafin wird ebenfalls von ihnen angeworben. Die Rebellen werden von Lalapeja, einer Sphinx angeführt, die sich gegen die Ägypter gewandt hat. Als ihr Attentat auf den Pharao fehlschlägt, fliehen sie auf das Meer und sehen sich bald einer Meerhexe gegenüber, auf deren Hilfe sie nun angewiesen sind.
Welche Rolle Lalapeja und Lord Licht genau spielen, was mit Junipa geschah und ob Merle und Serafin einen Ausweg aus ihren Situationen finden, dürft ihr aber selbst lesen. Überraschende Enthüllungen sind auf jeden Fall gewiss.

SCHREIBSTIL:

Die Geschichte wird im Wechsel von Merle und Serafin erzählt. Kai Meyer schafft es auch im zweiten Band mit einer grenzenlosen Fantasie zu überzeugen. Der Mix aus ägyptischen Wesen und Wesen anderer Mythologien hatte mich ja bereits im ersten Band in seinen Bann geschlagen. Dieses Mal wurde es um weitere Elemente bereichert. Ein Charakter, der mir dabei besonders in Erinnerung blieb, war Winter, die Jahreszeit in Person.
Das Buch erzählt auf fast 400 Seiten wieder in kurzen, prägnanten und trotzdem sprachgewaltigen Sätzen erstaunlich viel Handlung. Lediglich am Anfang brauchte die Geschichte eine kleine Weile, um in Schwung zu kommen, aber danach nahm sie wieder an Fahrt auf und hat mich wieder zum Ende hin an die Seiten gefesselt. Die Spannung, die erzeugt wird, ist nicht unbedingt vordergründig zu verorten, sondern liegt vielmehr in den Geheimnissen und dem Unausgesprochenen, dessen Lösung es zu finden gilt.
Werden schlussendlich diese Lösungen präsentiert, bleibt der Leser sprachlos und erstaunt zurück. Sehr gut gefällt mir, dass Kai Meyers Handlung nicht komplett voraussehbar ist und mit genug Überraschungen aufwartet, sodass es nie wirklich langweilig wird.

FAZIT:

Der zweite Band führt uns nicht nur in die Gefilde der Hölle und lässt uns allerlei komische Gestalten kennenlernen, sondern schildert auch mit Spannung die Entstehung des Widerstands in Venedig.
Merle macht eine sichtbare Entwicklung durch und gewinnt dabei zunehmend an Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, in der sie sich auch nicht vor Göttinnen oder anderen Wesen scheut.
Ich habe jede Sekunde mit der kleinen Merle aus dem ersten Band mitgefiebert und war erstaunt über einige unerwartete Wendungen.
Ein würdiger Nachfolger, der ein bisschen schwächer war als der Auftakt. Er überzeugt allerdings wieder durch die unfassbare Fantasie und spannende Wendungen. Absolut lesenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Fantasie: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die schlimmste Reise der Welt – Die Antarktis-Expedition 1910-1913“ von Apsley Cherry-Garrard

Meine lieben Leser,

als ich letztes Jahr ein Sachbuch über Pinguine las, wurde unter anderem auf das Buch „Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard verwiesen. Ich war sofort Feuer und Flamme und erwarb es so schnell, wie ich das andere Buch gelesen hatte. Doch dann ist das Buch erstmal auf meinem SuB versauert – hat es mir mit seiner Fachlichkeit und den 678 Seiten doch erstmal gehörigen Respekt eingeflößt.
Die strahlende Rettung kam in Form von Gabriela von Buchperlenblog und unserer Aktion „Historischer November“. Der perfekte Rahmen für dieses Buch, also wagte ich mich an die Lektüre.
Wie mir das Buch gefallen hat und was den mutigen Leser während der Lektüre erwartet, lest ihr im Folgenden.

| Werbung | unbezahlt, weil selbstgekauft |

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die schlimmste Reise der Welt – Die Antarktis-Expedition 1910-1913
  • Autor/in: Apsley Cherry-Garrard
  • Übersetzer/in: Simon Michelet
  • Anzahl der Seiten: 678 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag / MALIK NATIONAL GEOGRAPHIC
  • Ausgabe: Ungekürzte Taschenbuchausgabe (Januar 2013)
  • Genre: Biografie, Memoiren, Reiseliteratur

INHALT:

„Der eigene Atem raucht und bildet eine Raureifschicht auf dem Gesicht und auf dem Bart; wenn es sehr kalt ist, kann man es beim Einfrieren knacken hören.“

Bowers in „Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard, S. 265

Apsley Cherry-Garrard ist einer der Überlebenden der Südpol-Expedition 1910-1913. Nach seiner Rückkehr verfasste er das vorliegende Buch, welches sehr umfassend die Geschehnisse am Pol schildert.
Es wird von ihm praktisch kein Detail dieser beschwerlichen ausgespart, angefangen bei der Reise von England nach Südafrika und weiter nach Neuseeland. In diesem Teil der Reise wird dem Leser viel über die Schifffahrt erläutert, aber auch über das Leben an Deck. Ich ertappte mich oft, wie ich staunte, denn viele Dinge macht sich ein Mensch der heutigen Zeit gar nicht bewusst, wenn er über derartige Reisen nachdenkt. Cherry-Garrard und seine Kameraden beispielsweise stellten schon relativ früh auf dieser Reise fest, dass ihr Schiff leckschlägt, aber anstatt umzukehren, haben sie einfach jeden Morgen und Abend das Schiff leergepumpt und teilweise um ihr Leben geschöpft, als diese ausfielen.
Als die Besatzungsmitglieder schließlich die Antarktis erreichen, sind bereits fast 200 Seiten gelesen. Der Autor spart auch in den folgenden Kapitel nicht mit wissenschaftlichen (Beschreibungen von Biologie und Geologie) und alltäglichen Details (wie die Vorliebe von Cherry-Garrard für überbackene Käseschnitten), die einen praktisch mit den Forschern der damaligen Zeit in einer Hütte leben lassen.
Es wird von den Depotreisen erzählt, bei denen die Depots für die eigentlichen Expeditionen mit Essen und anderen Materialien bestückt wurden. Mir war vorher gar nicht bewusst, dass die Wissenschaftler die Strecken fast doppelt absolvieren mussten.
Die erste große und bedeutende Reise des Teams war die sogenannte „Winterreise„, die zum Ziel hatte, ein Ei eines Kaiserpinguins zu ergattern. Denn zum damaligen Zeitpunkt wussten die Menschen fast nichts über diesen wunderlichen Vogel. Ein Embryo sollte Aufschluss darüber geben, welche genetischen Vorfahren dieses Geschöpf hat. Die Winterreise war bereits mehr als beschwerlich, der Leser leidet mit den drei losgezogenen Forschern Hunger und Kälte. Es ist ein Wunder, dass sie diese Reise überlebten, denn nie zuvor hatten sich Forscher in den antarktischen Winter gewagt.
Nach dem Frühling und einer Erholungsphase wurde dann die Polarreise geplant. Auch diese umfasste das Bestücken der Depots und viele Vorbereitungen. Die Forscher unterteilten sich in mehrere Gruppen. Zwei davon kehrten an den dafür vorgesehenen Stationen um, während die letzte Gruppe des Südpol erreichen sollte. Es war alles sorgfältig geplant und der Proviant durch die vielen Gruppen adäquat platziert. Durch sehr besondere Witterungsverhältnisse (sogar für die Antarktis) und jede Menge Pech gerieten die fünf Männer auf dem Rückweg vom Südpol in unvorhersehbare Schwierigkeiten. Jeder einzelne von ihnen starb auf dieser Reise.
Die letzte Polarreise wurde schlussendlich von den Überlebenden durchgeführt, die sich auf die Suche nach den Leichen und Habseligkeiten ihrer Kollegen und Freunde machten. Nach drei beschwerlichen Monaten fanden sie ihre Kameraden und konnten so – wie Cherry-Garrard – ihre Geschichte verbreiten.

SCHREIBSTIL:

„Der Luxus der Zivilisation erfüllt nur jene Bedürfnisse, die er doch selber erst schafft.“

„Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard, S. 248

Cherry-Garrard schreibt sehr umfassend und detailliert, fast schon übergenau über die wissenschaftlichen Fakten der Reise. Dies, so sagt er selbst, soll anderen Polarforschern in der Zukunft helfen, indem sie aus ihren Erfahrungen lernen können. Er nennt oftmals die genauen Längen- und Breitengrade, wo sich Ereignisse abspielen und analysiert die Umgebung und ihr Auftreten wie nur ein Forscher es vermag.
Geradezu herzerwärmend sind seine Schilderungen über Pinguine und Robben, aber auch über ihre Pferde und Hunde. Ebenso brutal beschreibt er deren Tod, der oft aufgrund des Überlebenskampfes des Forschungsteams unabdingbar wurde.
Trocken, ja geradezu distanziert, schildert er die verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen, denen das Team immer wieder ausgesetzt war. Das reichte von Depressionen über Knochenbrüche bis in zu Skorbut und schlimmsten Erfrierungen.
Einprägsam sind auch die ausführlichen Landschafts- und Schneebeschreibungen. Noch nie habe ich über so viele Arten von Schnee gelesen und dabei wurde es trotzdem nie langweilig. Sei es Schnee, der den Weg beschwerlicher machte, weil er wie Sägemehl war oder der sogenannte Firn – Schnee, der über ein Jahr alt ist.
Letztlich schreibt Cherry-Garrard mit viel Einfühlungsvermögen und kameradschaftlicher Treue über seine verstorbenen Freunde. Es ist herzzerreißend, brutal, bedrückend und ungeheuerlich, wenn die letzten Worte von Scott niedergeschrieben werden oder der Autor seine Kameraden im Porträt vorstellt. Und dazu immer wieder diese unsägliche Kälte, die allgegenwärtig ist.
Eines kann Cherry-Garrard niemand absprechen: Er hat ein literarisches Denkmal für seine Freunde errichtet. Genau so beeindruckend, wie deren Grabmal in der Antarktis.

Titel: Last Rest (Grave of Scott, Wilson, and Bowers) (Quelle)
Fotograf: Unbekannt

FAZIT:

„Man kann die einfachen, unaffektierten Schilderungen dieser Reisen nicht lesen, ohne von ihrer Aufrichtigkeit berührt zu sein und ohne sich über die wunderbare Hartnäckigkeit und den Mut zu wundern, den sie an den Tag legten.“

Vorwort von Marie-Luise Frimont in „Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard, S. 21

Dieses Buch war ein gelungener Abschluss für den historischen November. Es war geradezu ein Monument aus Buchstaben. Ich kann nicht verleugnen, dass das Buch einige Längen aufweist, die sich ganz zwangsläufig aus der Wissenschaftlichkeit und dem Detailgrad der Schilderungen ergeben. Aber dennoch waren mir Cherry-Garrard und seine Kameraden am Ende des Buches so nah, als wäre ich selbst mit ihnen auf diese Reise gegangen. Ich habe als Leser mit ihnen gelacht, gelitten, gehungert und gefroren – und habe ihren unendlichen Forscherdrang, ihre Loyalität und ihren eisernen Willen gespürt.
Fast 700 Seiten begleitet der Leser diese tapferen Männer auf ihrem Weg durch die Antarktis. Fast 700 Seiten voller Wissenschaft, Freundschaft und bitterer Kälte. Und am Ende ist jede Träne, die um diese einzigartigen Charaktere geweint wurde, es wert gewesen.
Ein wissenschaftlich interessantes Buch, welches auch viel Lebensweisheit enthält. Eine Hommage an die mutigsten Forscher ihrer Zeit, die für so viel mehr stehen als ihr pures Wissen – für Freundschaft, Treue und Menschlichkeit im Angesicht des Todes.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung / Informationen: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Historischer Kontext: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 4,4


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Wonderlands – Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.“ von Laura Miller u.a.

Meine lieben Leser,

als ich das Buch „Wonderlands“ sah, war ich sofort Feuer und Flamme, es zu lesen. Der wbg-Verlag hat mir freundlicherweise ein Exemplar zur Verfügung gestellt, welches ich euch im Folgenden vorstellen darf. Schon der Untertitel des Buches verheißt uns, dass wir uns auf eine interessante Reise machen werden. Ganz nebenbei passte dieses Buch perfekt in den historischen November mit Buchperlenblog!

| Werbung | Rezensionsexemplar|

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Wonderlands –  Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.
  • Herausgeber/in: Laura Miller
  • Autoren/innen: Jes Battis, Lawrence Battersby, Matthew Cheney, Noel Chevalier, John Clute, Gary Dalkin, Richard Erlich, Peter Fitting, Andrew E. George, Lev Grossman, Mary Hamilton, Robert Holden, Nick Holdstock, Kat Howard, Maya Jaggi, Lydia Kiesling, Paul Kincaid, Reyes Lázaro, Ann Morgan, Mahvesh Murad, Jonathan Newell, Jeff Nunokawa, Abigail Nussbaum, Margaret J. Oakes, Laurie Penny, Andrew H. Plaks, Eric Rabkin, Adam Roberts, David Seed, Tom Shippey, Jared Shurin, Sharon Sieber, James Smythe, Maureen Speller, Darryl Sterk, Matthew Strecher, John Sutherland, Andrew Taylor, Kola Tubosun, Lisa Tuttle, Benjamin Widiss
  • Übersetzer/in: Hanne Henninger, Susanne Kolbert, Madeleine Kaiser
  • Anzahl der Seiten: 320 Seiten
  • Verlag: wbg Theiss Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Enzyklopädie

INHALT:

Vorweg muss direkt erwähnt werden, wie schön dieses Buch aufgemacht ist. Die Texte sind reich bebildert und sehr hochwertig aufbereitet.

Das Buch „Wonderlands“ ist eine Enzyklopädie, die mit dem Leser eine Reise durch 3000 Jahre der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur unternimmt. Jedem Buch sind dabei zwischen 2-5 Seiten gewidmet. Für jedes dieser Porträts wird über die Handlung des Buches und den Autor berichtet, sowie kleine interessante Fakten in einer Randnote erläutert. Das Cover der ersten Ausgabe und ein Foto bzw. eine Malerei des Autors werden ebenfalls untergebracht.

Gegliedert ist das gesamte Werk in unterschiedliche Epochen. Von „Alte Mythen & Legenden“ über „Wissenschaft & Romantik“, „Das Goldene Zeitalter der Fantasy“ geht es über in die „Neue Weltordnung“ und schließt ab mit dem „Computerzeitalter“.

Angefangen mit dem Gilgamesh-Epos und abschließend mit der neuzeitlichen Literatur, bin ich eingetaucht in die Geschichte meiner liebsten Genres. Hier trifft der Leser auf Altbekanntes, Unbekanntes und neue Impulse. Ich habe unfassbar viele Klebezettelchen verbraucht und meine Wunschliste ist durch dieses Buch nicht gerade kleiner geworden.

Bis auf wenige Ausnahmen, die ich gern vertreten gesehen hätte – mir fehlte bspw. Diana Wynne Jones – habe ich nichts missen müssen. Im Gegenteil war ich überrascht, welche Fülle an Büchern aus dem Genre mir bisher gänzlich unbekannt waren.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist in diese Fall sehr schwierig zu bewerten, da er in einer Enzyklopädie eher berichtend daherkommt. Zuweilen hatte ich zwar schon das Gefühl, dass die einzelnen Kommentare zum Buch von verschiedenen Autoren stammen könnten – aber das waren nur kleinere Unterschiede, die mich dazu veranlassten. Vor allem bemerkte ich es in der Nutzung von Fachtermini und der Verständlichkeit, mit der die Handlung des Buches erläutert wurde.
Für mich war der Großteil sehr leicht verständlich und interessant, nur wenige Passagen waren mir etwas zu trocken und konnten mich nicht packen, was dann aber auch an den behandelten Büchern gelegen haben kann.

FAZIT:

Zusammenfassend kann ich dieses Buch nur empfehlen. Es ist nicht nur das perfekte Geschenk für jeden Bücherwurm, der die Genres Fantasy und Science-Fiction liebt, sondern auch eine unverzichtbare Dokumentation der wichtigsten Werke aus diesem Bereich. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, die vielen verschiedenen Welten und Geschichten zu entdecken. Die Aufmachung durch den wbg Theiss Verlag hat ihr Übriges getan, um mich abzuholen, da es durch die großformatigen Bilder ein wahrer Augenschmaus war. Durch die kurzen Kapitel lädt es ein, auch zwischendurch in diesem Buch zu blättern. Für mich ist es eines meiner Jahres-Highlights geworden.
Eine wunderschön anzusehende und sehr interessante Enzyklopädie der berühmtesten Werke der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur, beginnend vor 3000 Jahren. Absolut empfehlenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Männerherz“ von Richard Schneebauer

Meine lieben Leser,

zum heutigen internationalen Männertag möchte ich euch in einem Beitrag außer der Reihe ein passendes Buch vorstellen.

Richard Schneebauer hat bereits im Jahre 2017 mit dem Buch „Männerabend“ darüber berichtet, warum Männer einen Mann zum Reden brauchen und was Frauen darüber wissen sollten. Mir waren seine Bücher bisher gänzlich unbekannt. Zum Anlass seines neu erschienenen Buches „Männerherz“ habe ich ein Doppelpaket der beiden Bücher erhalten und mich natürlich erstmal der Novität gewidmet. Ich erwartete mir viele interessante Einblicke in das Seelenleben von Männern und neue Impulse im gegenseitigen Verständnis. Wie das Buch mir gefallen hat und ob es meine Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Männerherz – Was Männer bewegt – Freiheit.Beziehung.Selbstbestimmung
  • Autor/in: Richard Schneebauer
  • Anzahl der Seiten: 200 Seiten
  • Verlag: Goldegg Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Ratgeber

INHALT:

Das Buch „Männerherz“ ist in Kapitel und Unterkapitel unterteilt, wobei jedes Kapitel den Titel eines bekannten Songs trägt. So wollte der Autor die angesprochenen Themen anschaulich verpacken.

Der Autor widmet sich zunächst der Frage, wonach ein Männerherz strebt, geht dabei auch kurz auf die Frauen ein.
Er beschreibt außerdem, wie es zur Idee des Buches kam und was seine persönliche Wahrheit ist, die er mit den Lesern teilen möchte. Diese hat sehr stark mit der Trennung von seiner Frau zu tun.
Weiterhin wird über Sicherheit und Langeweile in Beziehungen gesprochen, sowie auf die romantische Liebe unter die Lupe genommen. Das Buch vermittelte durchgehend das Gefühl, dass der Autor davon nicht viel hält.
Auch dem Thema der modernen Rollenbilder widmet sich der Autor, wobei er zu der Aussage findet, dass Männer sich in neue Rollen einfinden müssen, da Frauen in der Moderne ganz andere Persönlichkeiten sind als noch vor einigen Jahrzehnten.
Dann wechselt das Szenario zu der Anfangszeit einer Beziehung und es wird im weiteren Verlauf über Nähe und Distanz in Beziehungen gesprochen. Auch die Herausforderung gemeinsamer Kinder wird kurz angeschnitten.
Der Autor plädiert dann für eine eigene Wahrheit, mehr Besinnen auf das eigene Wohlergehen und endet schließlich in einer erneuten Schilderung der Trennung von seiner Frau.
Welche wichtigen Grundpfeiler für mehr Self-Care vorhanden sein müssen, wird in einem extra Kapitel sehr kurz behandelt. Dieses Kapitel hat mir von allen noch am besten gefallen, weil es im Entferntesten einen Bezug zur Praxis hatte.
Auch auf das Thema der Sexualität in Beziehungen wird eingegangen.
Dann widmet der Autor erneut ein komplettes Kapitel der Trennung und Scheidung, bevor er erneut seine eigene Wahrheit erläutert und im letzten Kapitel nochmals erläutert, was die Trennung von seiner Frau für ihn bedeutet und verändert hat.
Ab und zu kommt der Autor zudem auf das Thema des inneren Kindes und die Wichtigkeit von Kommunikation in der Beziehung zu sprechen.

Wie man sieht, sind ganze 3 Kapitel mit dem Thema der Trennung verbunden. Da dieses Thema aber auch in anderen Kapiteln immer wieder mal zur Sprache kam und auch oft im Zusammenhang damit das Wort „Freiheit“ fiel, kam ich nicht umhin, das Buch als Trennungsbewältigung des Autors zu empfinden. Zeitweise hatte ich als Leser das Gefühl, dass der Autor die Trennung als einzige Lösung für alle Fragen anbietet, die er aufwirft. Empfehlungen, Ratschläge oder Impulse für Paare, die nicht schon völlig am Abgrund stehen, konnte ich nicht oder nur sehr wenig herauslesen.

SCHREIBSTIL:

Der Autor schreibt für mein Dafürhalten leider wenig konkret, schneidet Themen nur oberflächlich an und wirft viele Fragen auf, beantwortet diese aber nicht.
Zuweilen wirkt die gesamte Darstellung sehr strukturlos, als hätte er über dieses Thema nachgegrübelt und direkt so aufs Papier gebracht, ohne es sinnvoll auf den Punkt zu bringen.
Der Fokus geht dadurch stark verloren und liegt dabei auch nicht auf der Sicht oder dem Erleben der Männer. Was beschrieben wird, sind Gefühle, die auch für Frauen übertragbar sind, oft geht es nur allgemein um die Beziehung an sich und Ratschläge dazu. Aber auch hier bleibt er oft viel zu oberflächlich und die Informationen waren leider sehr durcheinander angeordnet.
An einigen Stellen werden Aussagen gedoppelt, um wiederum an anderer Stelle sehr abrupt abzubrechen und Fragen offen zu lassen.
Sehr oft kommt der Autor auf seine eigene Trennung von seiner Frau zurück, die für ihn der richtige Weg zu mehr Freiheit war, pauschalisiert dies meiner Meinung nach aber zu stark. Dadurch wurde der allgemeine Ton einfach sehr negativ von mir empfunden.
Dass der Autor Themen wie Monogamie und romantische Liebe eher kritisch beleuchtet, hat mir dann den Zugang zum Buch noch schwerer gemacht. Durch den fehlenden Fokus konnte ich diesbezüglich auch keinen klaren Standpunkt herauslesen.
Zusammenfassend wurde viel geschrieben, was für mich wenig Aussage hatte. Ich hatte tiefgehende Informationen erwartet und wurde enttäuscht.

FAZIT:

Für mich war das Buch sehr unkonkret und andererseits auch sehr überladen. Die fehlende Struktur führte dazu, dass ich keinen Zugang zu den Botschaften des Autors fand. Das mag vielleicht zum Teil an mir selbst liegen, da ich mich ab einem bestimmten Punkt nur noch durch das Buch quälte. Zum anderen Teil lag es aber auch an den sehr durcheinander gewirbelten Informationen, die mir den Fokus und das Verständnis nahmen. Einige wenige Impulse konnte ich für mich mitnehmen, die ich aber auch schon in anderen psychologischen Büchern gelesen habe und die dort bei Weitem besser erklärt wurden. Da das Buch mich leider so gar nicht abholen konnte, werde ich das Buch „Männerabend“ wohl erstmal nicht lesen.
Ein Buch, welches weniger die Gefühle von Männern behandelt, sondern vielmehr als allgemeiner Beziehungsratgeber daherkommt und die Trennungserfahrungen sowie neu gewonnenen Freiheiten des Autors behandelt. Fehlender Fokus und Strukturlosigkeit machten es leider sehr schwer zugänglich für mich.

BEWERTUNG: ♥♥♡♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♡♡♡
Unterhaltung: ♥♥♡♡♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♡♡♡
Strukturiertheit: ♥♥♡♡♡
Sprache / Schreibstil: ♥♥♥♡♡

Gesamtwertung = 2,2


Bis bald,
EURE HACHIDORI