Rezension – „Aves – Vögel – Charakterköpfe“ von Tom Krausz

Meine lieben Leser,

dieses Buch hat sich zwischen mein Frühjahrsputz-Bingo gemogelt und war eine schöne Abwechslung. Es sollte Vögel unserer Erde porträtieren und ich war gespannt auf die Umsetzung. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Aves | Vögel | Charakterköpfe
  • Autor/in: Tom Krausz / Elke Heidenreich / Urs Heinz Aerni
  • Anzahl der Seiten: 176 Seiten
  • Verlag: Dölling und Galitz Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Oktober 2020)
  • Genre: Sachbuch, Bildband

INHALT:

Dieses Buch umfasst 65 Porträts von einheimischen und ausländischen Vogelarten. Jeder Vogel wird in einem oder mehreren großformatigen Fotos dargestellt und in einem dazu passenden Text beschrieben. Die Fotoaufnahmen sind in Schwarz-Weiß. Die wichtigsten Eckdaten sind jeweils in einer Kopfzeile vorhanden. Unterteilt werden die jeweiligen Vögel in verschiedene Gruppen: Luftjäger, Wasserjäger, Aasfresser, Ansitz- und Lauerjäger, Laufjäger, Wassersucher, Baum- und Bodensammler, Baumsammler und Bodensammler.
In der Einleitung wird gut beschrieben, warum die Bilder „nur“ in Schwarz-Weiß dargestellt sind. Dies soll an frühere physiognomische Arbeiten erinnern und auch die Vergänglichkeit des Lebens auf der Erde betonen. Denn viele dieser Vogelarten sind bedroht und darauf soll aufmerksam gemacht werden.

SCHREIBSTIL:

Die Autoren schaffen es, dass selbst der unansehnlichste Vogel noch zum Sympathieträger wird. Einige Arten sehe ich nach der Lektüre mit anderen Augen, auch aufgrund der Porträtfotografie, die sich nur auf das Gesicht der Vögel konzentriert. Es ist fast, als würden diese Lebewesen tatsächlich ganz eigene Charaktere haben und die Bilder mannigfaltige Emotionen transportieren.
Ich hatte allerdings eher einen Sachbuchcharakter erwartet, weswegen ich sehr überrascht war, wie umgangssprachlich die Texte dann doch geschrieben waren. Auch, wenn der Leser oft erkennen kann, welchen Spaß die Autoren beim Schreiben der Erläuterungen hatten, erinnerte mich die schriftlich Komponente in diesem Buch mehr an Feuilleton denn an ein Sachbuch. Dazu kamen einige Hinweise darauf, dass die Zeichen bzw. die vorgegebene Textlänge bei dem jeweiligen Abschnitt nicht mehr reichte und der Leser weitere Informationen bei den Autoren direkt erfragen sollte. Das fand ich nach mehrmaliger Anwendung etwas uncharmant. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich gut unterhalten und habe die Lektüre genossen.

FAZIT:

Die Vögel in diesem Buch bekommen eine angemessene Würdigung, nicht zuletzt aufgrund der wunderschönen und großformatigen Fotografien, die vor Emotionen überquellen.
Die Texte hätten für mich zwar gern mehr Sachbuchcharakter haben können, aber es war trotzdem genug Information vorhanden, um mein Leserherz zufriedenzustellen. Auch Gedichte sind hier eingeflossen, was ich sehr gelungen fand.
Ein lesenswertes Buch über Vogelarten unserer Zeit, welches durch die wunderschönen Fotografien besticht und grundlegende Informationen zu den porträtierten Vögeln bietet. Eine gelungene Lektüre für zwischendurch.


BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♡♡
Unterhaltung: ♥♥♥♥♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♡♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 3,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Freundinnen – Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom / Theresa Donovan Brown

Meine lieben Leser,

dieses Sachbuch war ebenfalls Teil meines Frühjahrsputz-Bingos. Ich habe es vor einiger Zeit in einem Sale ergattert und seitdem lag es auf meinem SuB. Ich bin sehr froh, dass ich es im Rahmen des Bingos gelesen habe. Wie es mir gefallen hat, könnt ihr im Folgenden lesen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Freundinnen – eine Kulturgeschichte
  • Autor/in: Marilyn Yalom, Theresa Donovan Brown
  • Übersetzer/in: Liselotte Prugger
  • Anzahl der Seiten: 409 Seiten
  • Verlag: btb Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2017)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Dieses Sachbuch ist sehr umfangreich und gut strukturiert aufgebaut. In drei Teilen sowie vierzehn Kapiteln wird auf die Geschichte von Frauenfreundschaften eingegangen.

In Teil I wird der Fokus auf die Zeit gelegt, in der das Erscheinungsbild von Freundschaften noch männlich war. Denn es ist keineswegs so, dass Freundschaft immer beiden Geschlechtern zugestanden worden ist. Ausführlich wird auch auf die wenigen Erwähnungen von Frauenbeziehungen in der Bibel eingegangen. Besonders interessant war unter anderem, dass Jesus einer der wenigen Propheten war, der auch weibliche Jüngerinnen annahm. Umso interessanter dass zwei Jüngerinnen, die historisch nachgewiesen werden können, weder auf dem Abendmahl auftauchen, noch in dieser textlichen Ausführlichkeit wie die anderen Jünger. Dies sollte einen nicht verwundern, wurde die Bibel doch von Männern geschrieben.
Weiterhin wird darauf eingegangen, dass auch sehr bekannte Philosophen und Kleriker nicht davor gefeit waren, Freundschaften zwischen Frauen als nicht existent oder minderwertig zu betrachten.

In Teil II dreht sich dann alles um die Zeit, in der die Geschichte Frauenfreundschaften entdeckte. Es wird von Nonnen erzählt, die zunächst die einzigen Frauen mit Zugang zu Bildung waren und somit die einzigen Schriftstücke zurückließen, die Frauenfreundschaften und -beziehungen dokumentieren. Denn auch, wenn es immer noch Menschen gibt, die es abstreiten: Auch Liebesbeziehungen gleichgeschlechtlicher Natur gab es schon allseits in der Menschheitsgeschichte.
Letztlich wird darüber berichtet, wie sich die Frauenfreundschaften auch immer mehr Raum außerhalb der Klöster errangen. Diese Freundschaften existierten auch selten mit Männern, die aber sonst solche Beziehungen eher als Klatsch, denn als Seelenverwandtschaft abtaten.
Es wird außerdem auf die sogenannten Précieuses eingegangen, ein literarischer Kreis von Frauen im 17. Jahrhundert, die sich der Pflege der französischen Sprache und gesellschaftlicher Sitten verschrieben hatten.
Ebenfalls wird auf patriotische und romantische Freundschaften eingegangen. Alle diese Kapitel sind jeweils mit historischen Beispielen veranschaulicht, sodass der Leser auch die kurzen Biografien der Personen erfährt.
Die Bedeutsamkeit von Gebeten, Vereinen oder des Quiltknüpfens in den ersten amerikanischen Siedlungen für Frauenfreundschaften wird danach thematisiert. Die Verbundenheit, die durch solche Vereinigungen und gemeinsame Tätigkeiten entstand, bot den perfekten Rahmen für die Entstehung eines Austauschs und Verbindungen zwischen Frauen.
Schließlich widmet sich das Kapitel der Erstarkung der Frau an sich und somit auch ihrer Beziehungen, indem es auf Studentinnen, Stadtmädchen und „die neue Frau“ eingeht. Diese neue Frau hat endlich größeren Zugang zu Bildung und definiert sich dadurch auf ganz anderen Ebenen, wird selbstständiger und selbstbewusster.
Maßgeblich dazu beigetragen und für Frauen eingesetzt hat sich Eleanor Roosevelt. Ihrer Biografie und ihren Freunden wurde ein ganzes Kapitel gewidmet, um das Schaffen dieser Persönlichkeit nicht nur darzustellen, sondern zu ehren.
Die Entwicklung der Partnerschaft hin zu einer schwesterlichen Beziehung bildet schließlich den Abschluss des zweiten Teils.

TEIL III beschäftigt sich mit dem modernen 21. Jahrhundert und dem persönlichen Kontakt von Frauen zu ihren Freunden. Es wird auf die sogenannte Freundintimität eingegangen und auf das Geben und Nehmen in einer Freundschaft, die in einer Marktwirtschaft existiert. Auch auf die allseits gern gestellte Frage: „Können Männer und Frauen Freunde sein?“ wird in einem Kapitel eingegangen. Letzlich werden auch die modernen Kommunikationswege kurz beleuchtet.

Der Epilog bietet schlussendlich ein Resümee über die Frauenfreundschaften über alle Jahrhunderte hinweg, was davon bleibt und wir für unsere Beziehungen daraus lernen können.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist für ein Sachbuch sehr eingängig. Viele Kapitel lesen sich sehr schnell weg, andere wiederum sind etwas trockener, was auch den vielen politischen Rahmenbedingungen geschuldet ist, die erklärt werden müssen, um den Zusammenhang zu verstehen.
Die kleinen Biografien, die überall mit einfließen, haben mir sehr gut gefallen, da sie auf das Nötigste reduziert waren und einen guten Einblick geben konnten, ohne den Leser zu überfrachten.
Die Autorinnen schreiben mit sehr viel Leidenschaft, oft auch appellierend, aber niemals belehrend. Kritische Stellen werden sachlich beleuchtet, sodass sich der Leser selbst ein Bild machen kann.

FAZIT:

Dieses Buch ist wichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn Frauenfreundschaften zeigen sehr deutlich, wie sich auch das Bild der einzelnen Frau über die Jahrhunderte gewandelt hat. Wie eng auch die Beziehungen von Frauen mit dem politischen und gesellschaftlichen Geschehen verwoben sind, war mir vorher nicht in dieser Fülle und Klarheit bewusst. An so manchen Stellen des Buchs hatte ich Aha-Momente und wurde beeindruckt, ja bin ich sogar stolz, was unsere Vorfahrinnen für uns erreicht und gegen welche Widerstände sie sich behauptet haben. Ebenfalls interessant war, wie schmal der Grad zwischen Freundschaft und romantischer Beziehung ist. Denn wie die unzähligen Beispiele im Buch zeigen, kann eine Freundschaft auch ohne sexuellen Einschlag mindestens so leidenschaftlich ablaufen, wie eine Liebesbeziehung. Ich frage mich auch, wie unsere Freundschaften wohl dokumentiert werden, da wir doch heutzutage keine Briefe mehr schreiben. Denn nur dadurch wurde uns dieses Erbe erhalten.
Ein wichtiges historisches Dokument der Frauenfreundschaften im Wandel der Zeit. Es bietet nicht nur viele biografische Beispiele bekannter Persönlichkeiten, sondern macht auch deutlich, welches Einfluss das politische und gesellschaftliche Geschehen auf Frauen und deren Beziehungen hat. Sehr interessant und lesenswert.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♡
Unterhaltung: ♥♥♥♡♡
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♡
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 4,0


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Atlas der verlorenen Sprachen“ von Rita Mielke

Meine lieben Leser,

das Buch „Atlas der verlorenen Sprachen“ habe ich gesehen und war sofort Feuer und Flamme, es zu lesen. Der Duden Verlag hat eine Menge interessanter und liebevoll gestalteter Bücher über Sprache und alles, was es darüber zu erzählen gibt. Ob und wie mir nun der Atlas gefallen hat, berichte ich euch im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Atlas der verlorenen Sprachen
  • Autor/in: Rita Mielke
  • Illustrationen: Hanna Zeckau
  • Anzahl der Seiten: 240 Seiten
  • Verlag: Duden Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Sachbuch, Atlas, Lexikon, Sprachen

INHALT:

Der Atlas der verlorenen Sprachen untergliedert sich in Kontinente. Für jeden Kontinent werden zwischen 9-11 Sprachen vorgestellt, die ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind.
Dabei wird auch viel Wissen über die Völker vermittelt, die diese Sprachen lebten und jetzt noch sprechen. Denn – und das lernt der Leser ganz eindrücklich in diesem Buch – die Sprache ist eng mit unserer Kultur, unserem Denken und unserer Sicht auf die Welt verknüpft.
Natürlich sind diese Sprachen nicht die einzigen, die hier aufgeführt werden müssten, aber der DUDEN Verlag hat mich dahingehend informiert, dass die Auswahl der Sprachen für dieses Buch ennorm schwer fiel, weil jede Sprache etwas Besonderes hat.
Zwischen all den Kapiteln gibt es immer mal wieder Zusammenfassungen, die allgemein Wissenswertes zu Sprachen vermitteln.
Die einzelnen Kapitel werden immer durch eine Karte eingeleitet, die das Verbreitungsgebiet auf dem Globus darstellt. Manchmal sind es winzig kleine Inseln bis hin zu riesigen Gebieten.
Das Buch berichtet mit Charme und Witz, aber auch viel Feingefühl und Tiefgründigkeit von der Vielfalt unserer bedrohten Sprachen. 
Da gibt es Sprachen von Völkern, deren Urtier und somit Erschaffer der Welt eine Ente ist.
Oder Sprachen, die nur von einer einzigen Person auf dem Planeten gesprochen werden.
Sprachen, die Völker sprachen, die die Grundlage für die Geschichte Jim Knopfs waren.
Oder viele Sprachen, die durch die Kolonialisierung zerstört oder neu erschaffen wurden.
Sprachen von vermeintlich Wilden in denen der Eigenname des Volkes schlichtweg „Mensch“ bedeutet.
Sprachen, die keine Farben oder Richtungen kennen.
Sprachen, die über 60 verschiedene Verwandschaftsverhältnisse kennen.
Sprachen, die viel komplexer als unsere eigene sind und von unseren Vorfahren trotzdem als minderwertig angesehen wurden.
Sprachen, die nur mündlich oder schriftlich existieren.
Geheimsprachen, die bspw. Frauen ohne Zugang zu Bildung eine Möglichkeit zum Ausdruck gaben.
Und vor allem Sprachen, die kein „Danke“ kennen, weil sowieso alles geteilt wird, in denen die Wörter „Krieg“ und „Mord“ nicht existieren.

Die vielen farbigen Illustrationen aus der Feder von Hanna Zeckau runden das Gesamtbild ab und setzen dem Lesevergnügen das Krönchen auf.

SCHREIBSTIL:

Rita Mielke schreibt mit einer Leichtigkeit über die Völker und ihre Sprachen, die mich oft vergessen ließ, dass ich ein Sachbuch lese. Für Laien ist es genau so verständlich, wie für Sprachinteressierte – und ich denke, dass selbst Experten dem Buch etwas abgewinnen werden. Die Autorin bringt das Wichtigste auf den Punkt, ohne dabei langweilig zu werden. Einige Kapitel haben mich so neugierig gemacht, dass ich mich tiefer belesen habe. Der Humor und die liebevolle Note, mit der das Wissen vermittelt wird, geben dem Buch den letzten Schliff. So geht unterhaltsame Aufbereitung von Informationen!

FAZIT:

Der DUDEN Verlag hat hier ein brandaktuelles Thema wunderbar charmant und liebevoll verpackt. Die einzelnen Kapitel lesen sich auch schnell mal zwischendurch oder nebenbei und vermitteln neben dem Wissen über die vielen Sprachen auch eine wahnsinnig wichtige Botschaft. Ich war so fasziniert von den Sprachen und Völkern dieser Welt dass ich es nicht aus der Hand legen wollte. So konnte sich der Atlas zu einem absoluten Highlight mausern.
Ein Buch wie eine Liebeserklärung an unsere Welt, an uns selbst, unsere Vielfältigkeit und an unsere Sprachen, die es sich zu erhalten lohnt. Ein Weckruf gegen das Sprachensterben und ein so gar nicht langweiliges Lexikon, welches mich oft zum Staunen brachte.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♥♥♥
Unterhaltung: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♥
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♥♥♥
Strukturiertheit: ♥♥♥♥♥

Gesamtwertung = 5,0


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die schlimmste Reise der Welt – Die Antarktis-Expedition 1910-1913“ von Apsley Cherry-Garrard

Meine lieben Leser,

als ich letztes Jahr ein Sachbuch über Pinguine las, wurde unter anderem auf das Buch „Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard verwiesen. Ich war sofort Feuer und Flamme und erwarb es so schnell, wie ich das andere Buch gelesen hatte. Doch dann ist das Buch erstmal auf meinem SuB versauert – hat es mir mit seiner Fachlichkeit und den 678 Seiten doch erstmal gehörigen Respekt eingeflößt.
Die strahlende Rettung kam in Form von Gabriela von Buchperlenblog und unserer Aktion „Historischer November“. Der perfekte Rahmen für dieses Buch, also wagte ich mich an die Lektüre.
Wie mir das Buch gefallen hat und was den mutigen Leser während der Lektüre erwartet, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die schlimmste Reise der Welt – Die Antarktis-Expedition 1910-1913
  • Autor/in: Apsley Cherry-Garrard
  • Übersetzer/in: Simon Michelet
  • Anzahl der Seiten: 678 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag / MALIK NATIONAL GEOGRAPHIC
  • Ausgabe: Ungekürzte Taschenbuchausgabe (Januar 2013)
  • Genre: Biografie, Memoiren, Reiseliteratur

INHALT:

„Der eigene Atem raucht und bildet eine Raureifschicht auf dem Gesicht und auf dem Bart; wenn es sehr kalt ist, kann man es beim Einfrieren knacken hören.“

Bowers in „Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard, S. 265

Apsley Cherry-Garrard ist einer der Überlebenden der Südpol-Expedition 1910-1913. Nach seiner Rückkehr verfasste er das vorliegende Buch, welches sehr umfassend die Geschehnisse am Pol schildert.
Es wird von ihm praktisch kein Detail dieser beschwerlichen ausgespart, angefangen bei der Reise von England nach Südafrika und weiter nach Neuseeland. In diesem Teil der Reise wird dem Leser viel über die Schifffahrt erläutert, aber auch über das Leben an Deck. Ich ertappte mich oft, wie ich staunte, denn viele Dinge macht sich ein Mensch der heutigen Zeit gar nicht bewusst, wenn er über derartige Reisen nachdenkt. Cherry-Garrard und seine Kameraden beispielsweise stellten schon relativ früh auf dieser Reise fest, dass ihr Schiff leckschlägt, aber anstatt umzukehren, haben sie einfach jeden Morgen und Abend das Schiff leergepumpt und teilweise um ihr Leben geschöpft, als diese ausfielen.
Als die Besatzungsmitglieder schließlich die Antarktis erreichen, sind bereits fast 200 Seiten gelesen. Der Autor spart auch in den folgenden Kapitel nicht mit wissenschaftlichen (Beschreibungen von Biologie und Geologie) und alltäglichen Details (wie die Vorliebe von Cherry-Garrard für überbackene Käseschnitten), die einen praktisch mit den Forschern der damaligen Zeit in einer Hütte leben lassen.
Es wird von den Depotreisen erzählt, bei denen die Depots für die eigentlichen Expeditionen mit Essen und anderen Materialien bestückt wurden. Mir war vorher gar nicht bewusst, dass die Wissenschaftler die Strecken fast doppelt absolvieren mussten.
Die erste große und bedeutende Reise des Teams war die sogenannte „Winterreise„, die zum Ziel hatte, ein Ei eines Kaiserpinguins zu ergattern. Denn zum damaligen Zeitpunkt wussten die Menschen fast nichts über diesen wunderlichen Vogel. Ein Embryo sollte Aufschluss darüber geben, welche genetischen Vorfahren dieses Geschöpf hat. Die Winterreise war bereits mehr als beschwerlich, der Leser leidet mit den drei losgezogenen Forschern Hunger und Kälte. Es ist ein Wunder, dass sie diese Reise überlebten, denn nie zuvor hatten sich Forscher in den antarktischen Winter gewagt.
Nach dem Frühling und einer Erholungsphase wurde dann die Polarreise geplant. Auch diese umfasste das Bestücken der Depots und viele Vorbereitungen. Die Forscher unterteilten sich in mehrere Gruppen. Zwei davon kehrten an den dafür vorgesehenen Stationen um, während die letzte Gruppe des Südpol erreichen sollte. Es war alles sorgfältig geplant und der Proviant durch die vielen Gruppen adäquat platziert. Durch sehr besondere Witterungsverhältnisse (sogar für die Antarktis) und jede Menge Pech gerieten die fünf Männer auf dem Rückweg vom Südpol in unvorhersehbare Schwierigkeiten. Jeder einzelne von ihnen starb auf dieser Reise.
Die letzte Polarreise wurde schlussendlich von den Überlebenden durchgeführt, die sich auf die Suche nach den Leichen und Habseligkeiten ihrer Kollegen und Freunde machten. Nach drei beschwerlichen Monaten fanden sie ihre Kameraden und konnten so – wie Cherry-Garrard – ihre Geschichte verbreiten.

SCHREIBSTIL:

„Der Luxus der Zivilisation erfüllt nur jene Bedürfnisse, die er doch selber erst schafft.“

„Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard, S. 248

Cherry-Garrard schreibt sehr umfassend und detailliert, fast schon übergenau über die wissenschaftlichen Fakten der Reise. Dies, so sagt er selbst, soll anderen Polarforschern in der Zukunft helfen, indem sie aus ihren Erfahrungen lernen können. Er nennt oftmals die genauen Längen- und Breitengrade, wo sich Ereignisse abspielen und analysiert die Umgebung und ihr Auftreten wie nur ein Forscher es vermag.
Geradezu herzerwärmend sind seine Schilderungen über Pinguine und Robben, aber auch über ihre Pferde und Hunde. Ebenso brutal beschreibt er deren Tod, der oft aufgrund des Überlebenskampfes des Forschungsteams unabdingbar wurde.
Trocken, ja geradezu distanziert, schildert er die verschiedenen Erkrankungen und Verletzungen, denen das Team immer wieder ausgesetzt war. Das reichte von Depressionen über Knochenbrüche bis in zu Skorbut und schlimmsten Erfrierungen.
Einprägsam sind auch die ausführlichen Landschafts- und Schneebeschreibungen. Noch nie habe ich über so viele Arten von Schnee gelesen und dabei wurde es trotzdem nie langweilig. Sei es Schnee, der den Weg beschwerlicher machte, weil er wie Sägemehl war oder der sogenannte Firn – Schnee, der über ein Jahr alt ist.
Letztlich schreibt Cherry-Garrard mit viel Einfühlungsvermögen und kameradschaftlicher Treue über seine verstorbenen Freunde. Es ist herzzerreißend, brutal, bedrückend und ungeheuerlich, wenn die letzten Worte von Scott niedergeschrieben werden oder der Autor seine Kameraden im Porträt vorstellt. Und dazu immer wieder diese unsägliche Kälte, die allgegenwärtig ist.
Eines kann Cherry-Garrard niemand absprechen: Er hat ein literarisches Denkmal für seine Freunde errichtet. Genau so beeindruckend, wie deren Grabmal in der Antarktis.

Titel: Last Rest (Grave of Scott, Wilson, and Bowers) (Quelle)
Fotograf: Unbekannt

FAZIT:

„Man kann die einfachen, unaffektierten Schilderungen dieser Reisen nicht lesen, ohne von ihrer Aufrichtigkeit berührt zu sein und ohne sich über die wunderbare Hartnäckigkeit und den Mut zu wundern, den sie an den Tag legten.“

Vorwort von Marie-Luise Frimont in „Die schlimmste Reise der Welt“ von Apsley Cherry-Garrard, S. 21

Dieses Buch war ein gelungener Abschluss für den historischen November. Es war geradezu ein Monument aus Buchstaben. Ich kann nicht verleugnen, dass das Buch einige Längen aufweist, die sich ganz zwangsläufig aus der Wissenschaftlichkeit und dem Detailgrad der Schilderungen ergeben. Aber dennoch waren mir Cherry-Garrard und seine Kameraden am Ende des Buches so nah, als wäre ich selbst mit ihnen auf diese Reise gegangen. Ich habe als Leser mit ihnen gelacht, gelitten, gehungert und gefroren – und habe ihren unendlichen Forscherdrang, ihre Loyalität und ihren eisernen Willen gespürt.
Fast 700 Seiten begleitet der Leser diese tapferen Männer auf ihrem Weg durch die Antarktis. Fast 700 Seiten voller Wissenschaft, Freundschaft und bitterer Kälte. Und am Ende ist jede Träne, die um diese einzigartigen Charaktere geweint wurde, es wert gewesen.
Ein wissenschaftlich interessantes Buch, welches auch viel Lebensweisheit enthält. Eine Hommage an die mutigsten Forscher ihrer Zeit, die für so viel mehr stehen als ihr pures Wissen – für Freundschaft, Treue und Menschlichkeit im Angesicht des Todes.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung / Informationen: ♥♥♥♥♡
Emotionen: ♥♥♥♥♡
Historischer Kontext: ♥♥♥♥♥
Charaktere: ♥♥♥♥♥
Sprache/Schreibstil: ♥♥♥♥♡

Gesamtwertung = 4,4


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

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Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Wonderlands – Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.“ von Laura Miller u.a.

Meine lieben Leser,

als ich das Buch „Wonderlands“ sah, war ich sofort Feuer und Flamme, es zu lesen. Der wbg-Verlag hat mir freundlicherweise ein Exemplar zur Verfügung gestellt, welches ich euch im Folgenden vorstellen darf. Schon der Untertitel des Buches verheißt uns, dass wir uns auf eine interessante Reise machen werden. Ganz nebenbei passte dieses Buch perfekt in den historischen November mit Buchperlenblog!

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Wonderlands –  Die fantastischen Welten von Lewis Carroll, J.K. Rowling, Stephen King, J.R.R. Tolkien, Haruki Murakami u.v.a.
  • Herausgeber/in: Laura Miller
  • Autoren/innen: Jes Battis, Lawrence Battersby, Matthew Cheney, Noel Chevalier, John Clute, Gary Dalkin, Richard Erlich, Peter Fitting, Andrew E. George, Lev Grossman, Mary Hamilton, Robert Holden, Nick Holdstock, Kat Howard, Maya Jaggi, Lydia Kiesling, Paul Kincaid, Reyes Lázaro, Ann Morgan, Mahvesh Murad, Jonathan Newell, Jeff Nunokawa, Abigail Nussbaum, Margaret J. Oakes, Laurie Penny, Andrew H. Plaks, Eric Rabkin, Adam Roberts, David Seed, Tom Shippey, Jared Shurin, Sharon Sieber, James Smythe, Maureen Speller, Darryl Sterk, Matthew Strecher, John Sutherland, Andrew Taylor, Kola Tubosun, Lisa Tuttle, Benjamin Widiss
  • Übersetzer/in: Hanne Henninger, Susanne Kolbert, Madeleine Kaiser
  • Anzahl der Seiten: 320 Seiten
  • Verlag: wbg Theiss Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Enzyklopädie

INHALT:

Vorweg muss direkt erwähnt werden, wie schön dieses Buch aufgemacht ist. Die Texte sind reich bebildert und sehr hochwertig aufbereitet.

Das Buch „Wonderlands“ ist eine Enzyklopädie, die mit dem Leser eine Reise durch 3000 Jahre der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur unternimmt. Jedem Buch sind dabei zwischen 2-5 Seiten gewidmet. Für jedes dieser Porträts wird über die Handlung des Buches und den Autor berichtet, sowie kleine interessante Fakten in einer Randnote erläutert. Das Cover der ersten Ausgabe und ein Foto bzw. eine Malerei des Autors werden ebenfalls untergebracht.

Gegliedert ist das gesamte Werk in unterschiedliche Epochen. Von „Alte Mythen & Legenden“ über „Wissenschaft & Romantik“, „Das Goldene Zeitalter der Fantasy“ geht es über in die „Neue Weltordnung“ und schließt ab mit dem „Computerzeitalter“.

Angefangen mit dem Gilgamesh-Epos und abschließend mit der neuzeitlichen Literatur, bin ich eingetaucht in die Geschichte meiner liebsten Genres. Hier trifft der Leser auf Altbekanntes, Unbekanntes und neue Impulse. Ich habe unfassbar viele Klebezettelchen verbraucht und meine Wunschliste ist durch dieses Buch nicht gerade kleiner geworden.

Bis auf wenige Ausnahmen, die ich gern vertreten gesehen hätte – mir fehlte bspw. Diana Wynne Jones – habe ich nichts missen müssen. Im Gegenteil war ich überrascht, welche Fülle an Büchern aus dem Genre mir bisher gänzlich unbekannt waren.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist in diese Fall sehr schwierig zu bewerten, da er in einer Enzyklopädie eher berichtend daherkommt. Zuweilen hatte ich zwar schon das Gefühl, dass die einzelnen Kommentare zum Buch von verschiedenen Autoren stammen könnten – aber das waren nur kleinere Unterschiede, die mich dazu veranlassten. Vor allem bemerkte ich es in der Nutzung von Fachtermini und der Verständlichkeit, mit der die Handlung des Buches erläutert wurde.
Für mich war der Großteil sehr leicht verständlich und interessant, nur wenige Passagen waren mir etwas zu trocken und konnten mich nicht packen, was dann aber auch an den behandelten Büchern gelegen haben kann.

FAZIT:

Zusammenfassend kann ich dieses Buch nur empfehlen. Es ist nicht nur das perfekte Geschenk für jeden Bücherwurm, der die Genres Fantasy und Science-Fiction liebt, sondern auch eine unverzichtbare Dokumentation der wichtigsten Werke aus diesem Bereich. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, die vielen verschiedenen Welten und Geschichten zu entdecken. Die Aufmachung durch den wbg Theiss Verlag hat ihr Übriges getan, um mich abzuholen, da es durch die großformatigen Bilder ein wahrer Augenschmaus war. Durch die kurzen Kapitel lädt es ein, auch zwischendurch in diesem Buch zu blättern. Für mich ist es eines meiner Jahres-Highlights geworden.
Eine wunderschön anzusehende und sehr interessante Enzyklopädie der berühmtesten Werke der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur, beginnend vor 3000 Jahren. Absolut empfehlenswert!

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

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Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Männerherz“ von Richard Schneebauer

Meine lieben Leser,

zum heutigen internationalen Männertag möchte ich euch in einem Beitrag außer der Reihe ein passendes Buch vorstellen.

Richard Schneebauer hat bereits im Jahre 2017 mit dem Buch „Männerabend“ darüber berichtet, warum Männer einen Mann zum Reden brauchen und was Frauen darüber wissen sollten. Mir waren seine Bücher bisher gänzlich unbekannt. Zum Anlass seines neu erschienenen Buches „Männerherz“ habe ich ein Doppelpaket der beiden Bücher erhalten und mich natürlich erstmal der Novität gewidmet. Ich erwartete mir viele interessante Einblicke in das Seelenleben von Männern und neue Impulse im gegenseitigen Verständnis. Wie das Buch mir gefallen hat und ob es meine Erwartungen erfüllen konnte, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Männerherz – Was Männer bewegt – Freiheit.Beziehung.Selbstbestimmung
  • Autor/in: Richard Schneebauer
  • Anzahl der Seiten: 200 Seiten
  • Verlag: Goldegg Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Ratgeber

INHALT:

Das Buch „Männerherz“ ist in Kapitel und Unterkapitel unterteilt, wobei jedes Kapitel den Titel eines bekannten Songs trägt. So wollte der Autor die angesprochenen Themen anschaulich verpacken.

Der Autor widmet sich zunächst der Frage, wonach ein Männerherz strebt, geht dabei auch kurz auf die Frauen ein.
Er beschreibt außerdem, wie es zur Idee des Buches kam und was seine persönliche Wahrheit ist, die er mit den Lesern teilen möchte. Diese hat sehr stark mit der Trennung von seiner Frau zu tun.
Weiterhin wird über Sicherheit und Langeweile in Beziehungen gesprochen, sowie auf die romantische Liebe unter die Lupe genommen. Das Buch vermittelte durchgehend das Gefühl, dass der Autor davon nicht viel hält.
Auch dem Thema der modernen Rollenbilder widmet sich der Autor, wobei er zu der Aussage findet, dass Männer sich in neue Rollen einfinden müssen, da Frauen in der Moderne ganz andere Persönlichkeiten sind als noch vor einigen Jahrzehnten.
Dann wechselt das Szenario zu der Anfangszeit einer Beziehung und es wird im weiteren Verlauf über Nähe und Distanz in Beziehungen gesprochen. Auch die Herausforderung gemeinsamer Kinder wird kurz angeschnitten.
Der Autor plädiert dann für eine eigene Wahrheit, mehr Besinnen auf das eigene Wohlergehen und endet schließlich in einer erneuten Schilderung der Trennung von seiner Frau.
Welche wichtigen Grundpfeiler für mehr Self-Care vorhanden sein müssen, wird in einem extra Kapitel sehr kurz behandelt. Dieses Kapitel hat mir von allen noch am besten gefallen, weil es im Entferntesten einen Bezug zur Praxis hatte.
Auch auf das Thema der Sexualität in Beziehungen wird eingegangen.
Dann widmet der Autor erneut ein komplettes Kapitel der Trennung und Scheidung, bevor er erneut seine eigene Wahrheit erläutert und im letzten Kapitel nochmals erläutert, was die Trennung von seiner Frau für ihn bedeutet und verändert hat.
Ab und zu kommt der Autor zudem auf das Thema des inneren Kindes und die Wichtigkeit von Kommunikation in der Beziehung zu sprechen.

Wie man sieht, sind ganze 3 Kapitel mit dem Thema der Trennung verbunden. Da dieses Thema aber auch in anderen Kapiteln immer wieder mal zur Sprache kam und auch oft im Zusammenhang damit das Wort „Freiheit“ fiel, kam ich nicht umhin, das Buch als Trennungsbewältigung des Autors zu empfinden. Zeitweise hatte ich als Leser das Gefühl, dass der Autor die Trennung als einzige Lösung für alle Fragen anbietet, die er aufwirft. Empfehlungen, Ratschläge oder Impulse für Paare, die nicht schon völlig am Abgrund stehen, konnte ich nicht oder nur sehr wenig herauslesen.

SCHREIBSTIL:

Der Autor schreibt für mein Dafürhalten leider wenig konkret, schneidet Themen nur oberflächlich an und wirft viele Fragen auf, beantwortet diese aber nicht.
Zuweilen wirkt die gesamte Darstellung sehr strukturlos, als hätte er über dieses Thema nachgegrübelt und direkt so aufs Papier gebracht, ohne es sinnvoll auf den Punkt zu bringen.
Der Fokus geht dadurch stark verloren und liegt dabei auch nicht auf der Sicht oder dem Erleben der Männer. Was beschrieben wird, sind Gefühle, die auch für Frauen übertragbar sind, oft geht es nur allgemein um die Beziehung an sich und Ratschläge dazu. Aber auch hier bleibt er oft viel zu oberflächlich und die Informationen waren leider sehr durcheinander angeordnet.
An einigen Stellen werden Aussagen gedoppelt, um wiederum an anderer Stelle sehr abrupt abzubrechen und Fragen offen zu lassen.
Sehr oft kommt der Autor auf seine eigene Trennung von seiner Frau zurück, die für ihn der richtige Weg zu mehr Freiheit war, pauschalisiert dies meiner Meinung nach aber zu stark. Dadurch wurde der allgemeine Ton einfach sehr negativ von mir empfunden.
Dass der Autor Themen wie Monogamie und romantische Liebe eher kritisch beleuchtet, hat mir dann den Zugang zum Buch noch schwerer gemacht. Durch den fehlenden Fokus konnte ich diesbezüglich auch keinen klaren Standpunkt herauslesen.
Zusammenfassend wurde viel geschrieben, was für mich wenig Aussage hatte. Ich hatte tiefgehende Informationen erwartet und wurde enttäuscht.

FAZIT:

Für mich war das Buch sehr unkonkret und andererseits auch sehr überladen. Die fehlende Struktur führte dazu, dass ich keinen Zugang zu den Botschaften des Autors fand. Das mag vielleicht zum Teil an mir selbst liegen, da ich mich ab einem bestimmten Punkt nur noch durch das Buch quälte. Zum anderen Teil lag es aber auch an den sehr durcheinander gewirbelten Informationen, die mir den Fokus und das Verständnis nahmen. Einige wenige Impulse konnte ich für mich mitnehmen, die ich aber auch schon in anderen psychologischen Büchern gelesen habe und die dort bei Weitem besser erklärt wurden. Da das Buch mich leider so gar nicht abholen konnte, werde ich das Buch „Männerabend“ wohl erstmal nicht lesen.
Ein Buch, welches weniger die Gefühle von Männern behandelt, sondern vielmehr als allgemeiner Beziehungsratgeber daherkommt und die Trennungserfahrungen sowie neu gewonnenen Freiheiten des Autors behandelt. Fehlender Fokus und Strukturlosigkeit machten es leider sehr schwer zugänglich für mich.

BEWERTUNG: ♥♥♡♡♡


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Informationen: ♥♥♡♡♡
Unterhaltung: ♥♥♡♡♡
Botschaft / Praxisbezug: ♥♥♡♡♡
Strukturiertheit: ♥♥♡♡♡
Sprache / Schreibstil: ♥♥♥♡♡

Gesamtwertung = 2,2


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Und auf einmal diese Stille – Die Oral History des 11. September“ von Garrett M. Graff

Meine lieben Leser,

jeder von uns – vorausgesetzt, er ist alt genug – wird seine ganz speziellen Erinnungen an den 11. September 2001 haben. Die Anschläge auf das World Trade Center erschütterten damals nicht nur Amerika, sondern die gesamte Welt. Ich erinnere mich, wie ich von der Schule nach Hause kam und im Fernsehen den ersten brennenden Turm sah. Auch an den Einschlag des zweiten Flugzeugs erinnere ich mich. Begreifen konnte ich es im Grundschulalter nur begrenzt. Am nächsten Tag hielten wir im Unterricht eine Schweigeminute ab und über allem schwebte eine erdrückende Atmosphäre.

Garret M. Graff hat in diesem Buch nun die Oral History dieses Tages dokumentiert – das bedeutet, dass die Ereignisse chronologisch durch die Worte der Betroffenen erzählt werden. Ich wollte das Buch unbedingt lesen, weil diese Ereignisse mich damals zutiefst berührt haben und es heute noch tun. Meine Meinung zum Buch lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Und auf einmal diese Stille – Die Oral History des 11. September
  • Autor/in: Garrett M. Graff
  • Übersetzer/in: Philipp Albers, Hannes Meyer
  • Anzahl der Seiten: 542 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Nova Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Geschichte, Zeitbericht

INHALT:

Das Buch „Und auf einmal diese Stille“ erzählt als eine Art Logbuch die Geschehnisse des 11. September 2001 chronologisch aus der Sicht von Überlebenden und Opfern.
Abwechselnd wird aus deren Sicht der komplette Tag vor den Anschlägen bis hin zu den Jahren danach erläutert. Die Kapitel sind unterteilt nach den Vorkomnissen des Tages sowie den verschiedenen Anschlagsorten. Die Aussagen werden nur von gelegentlichen kurzen Passagen unterbrochen, die erklären, welche Umstände gerade kommentiert werden.
Die Geschichten werden von Menschen erzählt, die selbst in den Türmen waren, im Marriot Hotel, die sich außerhalb der Türme befanden, die Angehörige verloren, als Feuerwehr oder Polizisten im Einsatz waren, als Nachrichtensprecher unterwegs berichteten, im Pentagon gewesen sind, Aufnahmen aus den Flugzeugen und Erinnerungen der Flugsicherung werden dargestellt sowie die Erlebnisse von Mitarbeitern des Präsidenten in der Air Force One.
Zu diesem Buch könnte vieles gesagt werden, aber ich möchte gar nicht mehr erzählen, weil die Aussagen der Betroffenen für sich alleine stehen. Der Autor betonte so schön, dass dieses Buch die Ereignisse gar nicht im Sinne irgendwelcher Theorien interpretieren will, sondern einfach nur die Menschen zu Wort kommen lassen will, die selbst dabei waren.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil ist bei diesem Buch gar nicht so richtig zu bewerten, weil das bedeuten würde, den O-Ton der Betroffenen zu beurteilen. Der Autor hat die Aussagen im Maß des Möglichen gekürzt und angepasst bzw. für Verständniszwecke vervollständigt, was der Eindringlichkeit des Gesagten jedoch keinen Abbruch tut.

FAZIT:

Dieses Buch ist nicht nur ein einfaches historisches Zeugnis, sondern eine lebendige Erinnerung an die schrecklichen Geschehnisse des 11. September 2001. Die vielen Augenzeugenberichte, aus denen dieses Werk besteht, bilden zusammen ein Gedenken an alle Opfer und Betroffenen – aus meiner Sicht die beste nur mögliche Art, wie über diese Anschläge berichtet werden sollte. Literatur ist unter anderem für genau solche Bücher geschaffen – um Erinnerungen zu bewahren und nichts der Vergessenheit zu überlassen.
Ein Buch, welches berührt und schockiert. Selbst hier ist nur ein Bruchteil aller Schicksale dargestellt und doch wird ein Gefühl für die Geschichten hinter der Katastrophe vermittelt. Ein tiefgehendes Zeitzeugnis und ein wichtiges Gedenken.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♥


ÜBER DIE AKTION „HISTOLOVE“:

Im Rahmen von HistoLove lesen die liebe Buchperlenblog und ich alles von Steinzeit bis in die Neuzeit – also Bücher mit historischem Bezug, welche schon viel zu lange auf unserem SuB liegen. Außerdem hat dieses Genre ein viel zu angestaubtes Image. Auch neuere Erscheinungen sind dabei und erlaubt! Jeder kann jederzeit einsteigen – wir freuen uns auf eure Beiträge! Verlinkt uns gern und nutzt den Hashtag #histolove.

Hier geht es zur Übersicht all unserer gelesenen Bücher im Rahmen von HistoLove.


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Wir müssen reden, Frau Doktor!“ von Dr. med. Yael Adler

Meine lieben Leser,

kennt ihr das auch, wenn Ärzte sich nicht immer so verhalten, wie ihr es von ihnen erwartet? Ich selbst habe eine wahre Ärzte-Odyssee hinter mir durch meine Histaminintoleranz und weiß, dass es gute und schlechte Ärzte gibt. Wie wichtig eine gute Beziehung zwischen Arzt und Patient ist, erläutert Dr. med. Yael Adler in ihrem Ratgeber „Wir müssen reden, Frau Doktor!“. Ich hatte das große Glück, dass ich ein Rezensionsexemplar bei Lovelybooks gewonnen habe und werde euch im Folgenden berichten, ob das Buch mich überzeugen konnte.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Wir müssen reden, Frau Doktor! – Wie Ärzte ticken und was Patienten brauchen
  • Autor: Dr. med. Yael Adler
  • Übersetzer:
  • Anzahl der Seiten: 368 Seiten
  • Verlag: Droemer-Knaur Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (September 2020)
  • Genre: Ratgeber, Sachbuch, Medizin

INHALT:

Das Buch verspricht einen Überblick darüber, wie Ärzte ticken und was Patienten brauchen. Dabei soll die Wichtigkeit einer gesunden Beziehung zwischen diesen beiden Parteien unterstrichen werden.

In 16 Kapiteln plus Einleitung und Nachwort berichtet die Autorin nicht nur über Ärzte- und Patienten-Klischees, sondern auch über die Grundlagen unseres Gesundheitssystems und Kommunikation. Außerdem werden exemplarisch Probleme dargestellt, die in dieser Beziehung auftauchen können sowie Tipps für beide Seiten gegeben, um die Kommunikation und Beziehung zu verbessern.

Oft werden Anekdoten erzählt, die die Autorin entweder selbst erlebt oder von anderen Ärzten oder Patienten erzählt bekommen hat. Das macht die Erklärungen gut nachvollziehbar und lebhaft.

Bei den beschriebenen Klischees hätte ich mir gewünscht, dass diese nicht nur auf den Erfahrungen der Autorin selbst beruhen, sondern in Umfragen o.ä. erhoben worden wären. So ist es nur ein Auszug einer einzelnen Meinung und ich habe oft gedacht, dass ich diese Arzt-Typen gar nicht kenne bzw. ich die Ärzte, die ich erlebt habe gar nicht in diesem Buch repräsentiert finde. So ging es mir teilweise auch mit den Krankheiten oder mit den Schilderungen von Problemen. Natürlich kann nicht von allen existierenden Krankheiten gesprochen werden, das würde den Rahmen sprengen, aber ich hätte mir zumindest bei der Schilderung der Krisen der Beziehung zwischen Arzt und Patient gewünscht, dass ich mich dort wiederfinde. Die Probleme, die für mich existieren, wurden dort nicht wirklich abgedeckt, was ich sehr schade fand.

Ebenfalls auffällig waren die oft abwertenden und negativen Äußerungen über alternative Heilmethoden. Natürlich sollten Patienten vor Abzocke geschützt werden, aber ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass die Offenheit gegenüber Methoden wie ganzheitlicher Osteopathie oder Homöopathie nicht vorhanden war. Dabei weist die Autorin selbst auf einen Zusammenhang zwischen Körper und Geist hin und darauf, dass diese beiden Einheiten nicht getrennt betrachtet werden sollten. Genau diese Einstellung haben viele alternative Heilmethoden und ich kann sagen, dass mir das zehnmal mehr gebracht hat, als ein Schulmediziner, der wirklich NUR den Körper betrachtet. Oder manchmal auch NUR die Psyche, wenn sie körperlich auf den ersten Blick keine Ursache finden konnten.

Mir hat gut gefallen, dass die Autorin darauf aufmerksam macht, dass heutzutage nur Symptome behandelt werden und nicht nach Ursachen geforscht wird. Diesem Problem stehe ich momentan auch gegenüber und auch dort waren die alternativen Methoden eine größere Unterstützung als alle Schulmediziner, bei denen ich bereits war. 

Auch die Nutzung von Social Media im medizinischen Kontext wird für mich gefühlt im eher negativen Licht gezeigt, obwohl ich aus meiner Erfahrung sagen kann, dass gerade bei sehr seltenen Diagnosen der Austausch über solche Medien unabdingbar geworden ist, weil die Ärzte als Ansprechpartner oft einfach inkompetent sind und man sich auf die Erfahrungen von anderen Betroffenen verlassen muss, um seinen eigenen Weg zu finden. Da hätte ich mir mehr Informationen gewünscht.

SCHREIBSTIL:

Dr. med. Yael Adler schreibt zugänglich und leicht, der Lesefluss ist stets gegeben. Das Buch ist auch für Laien sehr gut verständlich und liest sich auch als Abendlektüre sehr gut weg. Immer wieder wird in die Schilderungen etwas Humor eingebaut, bisweilen sogar Sarkasmus und Appelle.
Was mir leider nicht so gut gefallen hat, waren die redundanten Informationen. Es kam doch recht häufig vor, dass Dopplungen und Wiederholungen vorzufinden waren, was mir persönlich den Lesespaß etwas trübt, weil ich mich dann schnell langweile und die betreffenden Passagen eher überfliege als sie wirklich in mich aufzunehmen.
Es war auch ab und zu der Fall, dass die Schilderungen durch diesen Umstand an Aussagekraft verloren. Ich vermisste klare Handlungsempfehlungen. Zwar werden in Tabellen immer Tipps mitgeliefert, aber mir waren viele Aussagen zu schwammig und wenig hilfreich für mich selbst. Das ist natürlich eine subjektive Einschätzung und kann für andere Leser ganz anders sein. Ich hatte aber oft das Gefühl, dass in dem Buch für mich selbstverständliche Sachen erklärt werden, die sowieso beachtet werden sollten (schlimm genug, dass das offensichtlich nicht selbstverständlich ist), weswegen ich mir im Rückblick doch etwas mehr Tiefe und Fachlichkeit gewünscht hätte.

Ich hätte mir außerdem an einigen Stellen gewünscht, dass Aussagen näher erklärt werden. Leider kam es doch öfter vor, dass ein Satz in den Raum geworfen wurde, aber ich mich danach fragte: „Ja und wieso ist das jetzt so?“ – bestes Beispiel ist die Aussage, dass ein Einlauf zur Darmreinigung überhaupt nichts bringt und dabei eher Verletzungen entstehen, als dass es beim Aufbau einer gesunden Darmflora hilft. Ich frage mich immer noch: „Warum, wieso, weshalb?“ Da hätte ich gern einfach mehr darüber gewusst.

Natürlich finde ich es gelungen, dass die Beziehung zwischen Arzt und Patient mit Freundschaften oder Liebesbeziehungen verglichen wird – denn die Dynamiken in Beziehungen sind immer gleich. Allerdings hätte ich die Verweise auf sexuelle Teile der Liebesbeziehungen nicht unbedingt gebraucht, weil das dann wirklich nichts mit meinem Arzt zu tun hat. 😉

FAZIT:

Das Buch war angenehm zu lesen und hat mich um einige Erkenntnisse reicher gemacht – beispielsweise war ich erstaunt, dass die Homöopathie nur durch die Nationalsozialisten den Stellenwert hat, den sie heute besitzt.
Andererseits blieben für mich doch viele Fragen offen und die redundanten Informationen haben einige Passage für mich etwas schwerfällig gemacht.
Ein netter Ratgeber für zwischendurch, der sich leicht wegliest und mit Humor aufwartet. Interessante Fakten, ein wichtiger Appell für mehr Empathie in deutschen Arztzimmern, leider hat das Buch aber kleinere Schwächen.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Plant Love“ von Alys Fowler

Meine lieben Leser,

das Buch „Plants Love“ von Alys Fowler habe ich als Leseexemplar über Lovelybooks erhalten. Ich komme mit Pflanzen zwar gut zurecht, aber ich wollte mir gerade für Zimmerpflanzen ein paar Anregungen holen, weil ich das Gefühl hatte, dass meine vorhandenen Pflanzen manchmal nicht ideal stehen bzw. ich auch Lust darauf hatte, passende Pflanzen für einige Räume zu finden, die bisher noch keine haben. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Plant Love – Die perfekte Zimmerpflanze für jede Ecke
  • Autor: Alys Fowler
  • Anzahl der Seiten: 176 Seiten
  • Verlag: Eugen Ulmer Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (Juni 2020)
  • Genre: Ratgeber

INHALT:

Das Buch hat nicht nur ein superschönes Cover, sondern ist auch innerlich toll gestaltet. Großformatige Bilder, eingängige Grafiken und das richtige Maß an Text runden sich gemeinsam zu einem perfekten Erscheinungsbild ab. Es war schon allein deswegen eine Freude, sich in dieses Buch zu vertiefen.
Das Buch bietet mehrere Übersichten über die Platzierung der Pflanzen nach ihrem Lichtbedürfnis und nach ihrer Widerstandsfähigkeit. Beispielsweise wird in einer Übersicht erklärt, welche Pflanzen in der Nähe einer Heizung stehen können.
Außerdem wartet es auf mit allgemeinen Informationen zum „Halten“ einer Pflanze und zu deren Vermehrung. Im Prinzip bietet dieses Büchlein also auch einen kleinen Crashkurs in Sachen Zimmerpflanzen. Für Anfänger auf jeden Fall toll – für Experten gibt es nicht viel Neues, aber trotzdem ein paar kleinere Anregungen.
Das Highlight des Buchs sind die Pflanzenporträts. Je ein oder mehrere große Bilder kombinieren sich mit den wichtigsten Informationen zu dieser Pflanze und ihren Erscheinungsformen. Hier hat mir zwar eine generelle Übersicht gefehlt – bspw. wie groß die Pflanze wird oder ähnliches – in einem Steckbrief präsentiert. Stattdessen wird in Fließtext das Wichtigste aus der Vita der Pflanze berichtet, was aber nicht minder interessant und hilfreich ist.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil von Fowler ist umgangssprachlich, eingängig und leicht verständlich. Das macht das Verständnis für absolute Pflanzen-Neulinge möglich. Pflanzen-Profis kommen aber auch auf ihre Kosten, denn mit lateinischen Namen und interessanten Zusatzinformationen wird nicht gespart. Hier kann auch ein Experte noch etwas für sich mitnehmen. An manchen Stellen hat mir ein bisschen der Fokus bzw. die Struktur gefehlt. Es wäre für mich schöner gewesen, wenn Fowler zu jeder Pflanze die gleichen Rahmenpunkte beschrieben hätte.

FAZIT:

Für mich war das Buch nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch ein toller Ratgeber, der mir neue Ansätze für die Optimierung bei meinen Zummerpflanzen geben konnte. Es läuft zwar ganz gut, aber ich merke, dass ich noch vieles besser machen könnte. Die Darstellung der originalen Lebensbedingungen der Pflanzen wird mir hoffentlich helfen, ihnen ein möglichst großes Gefühl von Heimat zu geben.
Ein guter Ratgeber für Pflanzen-Neulinge – vergleichbar mit einem Zimmerpflanzen-Crashkurs. Auch für Experten ist so manche neue Info dabei. Alleine durch die Gestaltung schon ein Hingucker.

BEWERTUNG: ♥♥♥♥♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Der Ruf der rosa Delfine“ von Sy Montgomery

Meine lieben Leser,

ich hatte wieder einmal Glück und durfte im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks das Buch „Der Ruf der rosa Delfine“ von Sy Montgomery lesen. Nach ihrem Buch „Rendezvous mit einem Oktopus“ dürfte sie vielen von euch ein Begriff sein. Für mich ist das vorliegende Werk meiner erste Lektüre der Autorin und ich war gespannt, wie mir das Buch gefallen würde.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Der Ruf der rosa Delfine – Wie die schlauen Säugetiere uns in die letzten Geheimnisse des bedrohten Amazonas einweihen
  • Autor: Sy Montgomery
  • Übersetzer: Gertrud Bauer
  • Anzahl der Seiten: 272 Seiten
  • Verlag: Eden Books
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Sachbuch

INHALT:

Das vorliegende Buch beginnt sehr spannend mit einer Bestandsaufnahme der letzten zwanzig Jahre – denn vor so langer Zeit wurde es bereits veröffentlicht. Aus diesem Grund war es der Autorin ein Anliegen, die Zustände im Amazonas zwischen damals und heute gegenüberzustellen. Es ist dabei erschreckend, wie wenig sich getan hat.
Weiterhin bekräftigt die Autorin stets und auch in einer eigens dafür angelegten Einleitung, dass sie ihr Herz an den Amazonas verloren hat. Auch aus diesem Grund ist dieses Werk für sie etwas ganz Besonderes.
Im weiteren Verlauf beschreibt sie ihre Forschungsreise durch den Amazonas und die Orte Manaus, Iquitos und dem Reservat von Tamshiyacu-Tahuayo. Sie versucht, die Delfine aufzuspüren und kommt während ihrer Suche immer wieder auf die Tierarten im Amazonas zu sprechen, aber vor allem auch auf die gesellschaftlichen Um- und Missstände in Peru und dem gesamten Gebiet des Amazonas.
Die persönlichen Erfahrungen der Autorin auf ihrer Reise stehen im Fokus, genau so wie die vielen Legenden, die sich die Einheimischen erzählen.
Die rosa Delfine werden eher nebensächlich behandelt und kommen erst im letzten Viertel des Buches etwas detaillierter zur Sprache.
Abgerundet wird das Erscheinungsbild durch ein wirklich wunderschönes Cover und kleine Tierillustrationen im Text.
(Vorsicht Spinnenphobiker: Leider gibt es keine Triggerwarnung und es wird eine Vogelspinne illustriert abgebildet!)

SCHREIBSTIL:

Das Buch ist in einem einfachen, zugänglichen Stil geschrieben, der es auch Laien verständlich macht, worüber die Autorin informieren möchte. Nichtsdestotrotz hat es mich extrem gestört, dass sie in ihren Beschreibungen sehr häufig zwischen der 1. Person im Präteritum und Präsens gewechselt hat. Das hat den Lesefluss leider sehr ausgebremst und machte den Text für mich inkonsistent.
Weiterhin konnte ich mich mit den vielen Dopplungen nicht so recht anfreunden. Fakten oder auch Beschreibungen werden oft wiederholt. Durch diese Redundanz verlor ich als Leser schnell das Interesse und quälte mich durch einige Abschnitte geradezu durch, weil nichts von Mehrwert erzählt wurde. Zusätzlich wurden auch Informationen gegeben, die ich so nicht hätte wissen wollen und die ich eher als Selbstdarstellung empfand. Beispielsweise beschreibt Montgomery, wie sie menstruierend in den Fluss steigt, weil das die angeblich Delfine anlocken soll oder wie Ameisen ihren verbrannten Rücken „auffressen“, indem sie ihre Wundflüssigkeit tranken und Hautfetzen wegschleppten. Natürlich spricht ihr niemand diese Erfahrungen ab, ich fragte mich nur oft, was das jetzt zu dem Thema der Delfine beitragen soll. Die wissenschaftliche Komponente fehlte mir im Text leider gänzlich.

FAZIT:

Dieses Buch versprach nicht zuletzt durch den Titel viele Informationen über die mysteriösen rosa Delfine im Amazonas. Schlussendlich ist das Buch für mein Dafürhalten viel zu wenig wissenschaftlich gewesen. Es wird über die Delfine so wenig gesprochen, dass ich über die Tiere selbst kaum etwas erfahren konnte, außer deren Farbe, ihr grobes Aussehen und einige wenige Vermutungen zum Verhalten. Der Fokus des Buches liegt zwar mit den gesellschaftlichen Missständen und kulturellen Bräuchen sowie der Beschreibung der Forschungsreise auf nicht weniger wichtigen und interessanten Themen – jedoch wurden durch den Titel und das Cover des Buches völlig falsche Erwartungen geweckt, die somit nicht erfüllt wurden. Die angesprochenen Themen werden für mich abschließend gesehen auch zu grob behandelt, als diesen wirklich gerecht zu werden. Es hätte mir daher besser gefallen, wenn die Autorin sich eher auf diese Themen fokussiert und sie detaillierter ausgearbeitet hätte, anstatt es um die wenigen Informationen der Delfine herumzubasteln.

Ein interessantes Buch, welches über gesellschaftliche Missstände, kulturelle Bräuche und Tiere in der Amazonas-Region berichtet. Die Delfine spielen leider nur eine untergeordnete Rolle – für mich war es eher ein Reisebericht einer Forschungsreise mit ein paar Schwächen als ein Sachbuch über Delfine.

BEWERTUNG: ♥♥♥♡♡

Bis bald,
EURE HACHIDORI