Rezension – „Star Wars – Die Hohe Republik – Das Licht der Jedi“ von Charles Soule

Meine lieben Leser,

und es geht weiter mit meinem Star-Wars-Leseprojekt! Dieses Mal weiche ich ab von meiner chronologischen Reihenfolge beim Lesen und zwar fรผr die Neuerscheinung „Das Licht der Jedi“, welches der Auftakt zu einer ganz neuen Epoche in der Star-Wars-Zeitrechnung ist. Es werden mehrere Romane und anderes zur Hohen Republik erscheinen. Mit „Das Licht der Jedi“ wird hier also der Startschuss gesetzt. Ich hatte das Buch lange herbeigesehnt und bin froh, dass ich es nun gelesen habe. Wie es mir gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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Vielen Dank, an den Blanvalet Verlag fรผr das Rezensionsexemplar!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Star Wars – Die Hohe Republik – Das Licht der Jedi
  • Autor/in: Charles Soule
  • รœbersetzer/in: Andreas Kasprzak
  • Anzahl der Seiten: 496 Seiten
  • Verlag: Blanvalet Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (August 2021)
  • Genre: Science-Fiction

INHALT:

Und endlich beginnt sie, die neue Epoche im Star-Wars-Universum! Endlich kรถnnen Fans die Zeit der Hohen Republik erkunden! Zeitlich gesehen spielen die Ereignisse nach „The Old Republic“ und vor Episode I, um fรผr euch eine ungefรคhre Einordnung zu erreichen. In meiner chronologischen Liste der Romane findet ihr allerdings noch eine genauere Zuordnung.

Die Ereignisse starten im Hetzal-System und รผberschlagen sich. Im System erscheinen unzรคhlige Objekte aus dem Hyperraum, die nicht identifiziert werden kรถnnen. Da die Objekte nicht angreifen, wird eine feindliche Invasion ausgeschlossen. AuรŸerdem gibt es im Hetzal-System nichts zu holen, da sie nur Landwirtschaft betreiben. Dennoch steuern die Objekte direkt auf die Planeten, Monde und Stationen in diesem Sonnensystem zu und mรผssen um jeden Preis gestoppt werden, da sie sonst drohen, die komplette Bevรถlkerung auszulรถschen.
Es wird eine Hilfseinheit der Republik informiert, die gemeinsam mit den Jedi alles versucht und ihr Leben aufs Spiel setzt, um die Bewohner des Hetzal-Systems zu retten.
Was sie nicht wissen, ist, dass sie sich durch diese Rettungsmission bald einem bisher unbekannten, aber skrupellosen Gegner gegenรผbersehen werden …

Die Geschichte ist in drei Teilen geschrieben.
Im ersten Teil werden hauptsรคchlich die Ereignisse im Hetzal-System beschrieben inklusive der Schicksale vieler Menschen, die daran beteiligt sind.
In Teil zwei lernt der Leser dann mehr รผber einige dieser Personen, aber auch viele neue tauchen auf, die eine mehr oder minder groรŸe Rolle spielen. Eine besonders hervorstechende Figur ist der Antagonist Marchion Ro. Dieser entwickelt sich vom Mittelsmann zum brutalen Drahtzieher und macht durch seine geheimnisvolle Vergangenheit neugierig auf die Folgebรคnde.
Im letzten Teil werden die Ereignisse des ersten und die Erkenntnisse des zweiten Teils gekonnt miteinander verwoben, eine Brรผcke zum Anfang geschlagen, was alle Ereignisse im Buch in einem anderen Licht erscheinen lรคsst und ein groรŸartiges Ende abgeliefert, das neugierig auf mehr macht. Das Ende hat mich tatsรคchlich nochmal richtig hart erwischt und war einfach nur episch, sodass ich fassungslos, begeistert und voll des Lobes fรผr Charles Soule und seinen Roman zurรผckbleibe.

SCHREIBSTIL:

Da ich vom Buch zuerst etwas ganz anderes erwartet hatte, war ich umso รผberraschter, wie sehr mich der Autor auch mit seinem Schreibstil abholen konnte. Dabei hat das Buch einige sehr hervorstechende Besonderheiten!

Tatsรคchlich gibt es in diesem Buch keine expliziten Protagonisten, denn es gibt nicht nur unzรคhlige Charaktere, sondern es wird auch kaum zwischen Haupt- und Nebencharakter entschieden. Diese sind in ihren Schicksalen meisterhaft mit der Rahmenhandlung verstrickt, auf die das Buch den Fokus legt. Dennoch schafft der Autor es, innerhalb kรผrzester Zeit Nรคhe zu den Charakteren zu schaffen und ihnen Tiefe zu verleihen. Chapeau!

Die Handlung steigt mit einem sehr hohen Tempo und Spannungsbogen ein – das besondere ist, dass dieses Niveau fast durchgรคngig bis zum Ende gehalten wird, was ich als eher untypisch, aber gerade deshalb sehr erfrischend fรผr ein Star-Wars-Buch empfinde. Der Autor hat es wirklich geschafft, niemals langweilig zu schreiben, sondern mich stets wieder aufzurรผtteln.

Das Buch glรคnzt auรŸerdem durch seine zahlreichen Wendungen und deren Kompromisslosigkeit, die mich emotional einnehmen konnten. Hier ist es dem Autor gelungen, mich sehr oft zu รผberraschen. Viele Ereignisse habe ich so absolut nicht kommen sehen und er zรถgert auch nicht, den ein oder anderen Charakter umzubringen, der dem Leser durchaus wichtig erscheint. Und immer, wenn ich dachte, dass jetzt alles gut wird oder die Gerechtigkeit siegen wรผrde, kam der Autor mit einem Moment um die Ecke, der mich einfach eiskalt erwischte.

FAZIT:

Ich kann echt nicht viel meckern, das Buch hat mich absolut begeistert. Wow, wow, wow! Was fรผr ein Auftakt fรผr diese neue Epoche in der Star-Wars-Welt! Falls ihr einen Star-Wars-Roman lesen wollt, dann lest diesen hier. Es war fรผr mich wie ein spannender Blockbuster, der mich nicht mehr losgelassen hat. Eigentlich hatte ich eine gemรผtliche „Meister-Schรผler-retten-die-Welt“-Geschichte erwartet und dann war es so anders und gerade dadurch so absolut meisterhaft!

Temporeich, spannungsgeladen, kompromisslos. Der Auftakt zu den Romanen aus der Zeit der Hohen Republik mit einem grandiosen Antagonisten, dem Fokus auf einer Rahmenhandlung, die viele Charaktere in ihren Schicksalen verbindet und prominent platzierte Protagonisten รผberflรผssig macht. Das epische Ende konnte mich vollends begeistern. Eines meiner absoluten Jahreshighlights!

BEWERTUNG: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅ


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅ
Emotionen: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅ
Science-Fiction: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅ
Charaktere: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก
Sprache/Schreibstil: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅ

Gesamtwertung = 4,8


Wer sich fรผr Star Wars interessiert, wird wissen, dass es unzรคhlige Bรผcher und Comics aus diesem Universum gibt. Ich hatte irgendwann die fixe Idee, alle Romane zu lesen, die mit Star Wars zu tun haben. Ich halte mich dabei an die zeitliche Chronologie. In anderen Quellen wird noch zwischen den Legends-Romanen und den Kanon-Romanen unterschieden. Ihr dรผrft mir Glรผck wรผnschen bei diesem galaktischen Unterfangen. ๐Ÿ˜‰


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Wilde Saat“ von Octavia E. Butler

Meine lieben Leser,

der Heyne Verlag hatte mich bei diesem Buch schon alleine wegen der Unterschrift „Meisterwerke der Science-Fiction“ neugierig gemacht. Der Klappentext hรถrte sich fรผr mich sehr anders an und deshalb wollte ich „Wilde Saat“ unbedingt lesen. Wie mir dieses Werk aus den 80er Jahren gefallen hat, lest ihr im Folgenden.

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Vielen Dank an den Heyne Verlag fรผr die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Wilde Saat
  • Autor/in: Octavia E. Butler
  • รœbersetzer/in: Will Platten
  • Anzahl der Seiten: 480 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag
  • Ausgabe: รœberarbeitete Neuausgabe (August 2021)
  • Genre: Science-Fiction

INHALT:

Doro ist ein kรถrperloses Wesen, welches sich immer wieder wechselnd menschlicher Kรถrper bemรคchtigen muss. Diese Menschen sterben, wenn Doro ihren Kรถrper รผbernimmt. Er besitzt gottรคhnliche Fรคhigkeiten und ist unsterblich.
Seit vielen Jahrhunderten versucht er seiner Einsamkeit Herr zu werden, indem er Menschen mit sich und untereinander in einem Zuchtprogramm kreuzt. So will er schlussendlich den perfekten Nachfahren erschaffen, der ihm ebenbรผrtig ist.
Als er auf die Heilerin und Gestaltwandlerin Anyanwu trifft, weiรŸ er sofort, dass sie anders ist. Sie ist ebenfalls ein auรŸergewรถhliches Wesen – und Doro ebenbรผrtig. Er kann sich ihr fortan nicht mehr entziehen und wittert seine Chance, durch diese Frau endlich den perfekten Nachfahren zu erzeugen.
Anyanwu findet zunรคchst Gefallen an Doro, dies wandelt sich aber schnell, nachdem sie sieht, zu welchen Grรคueltaten er fรคhig ist. Fรผr sie zรคhlt ab diesem Moment nur noch der Schutz ihrer Familie.
Ein Tauziehen um die Macht entbrennt zwischen den beiden und Anyanwu muss sich immer wieder gegen seine Unterdrรผckung behaupten.

Das Buch ist in drei Bรผcher unterteilt, die in drei aufeinanderfolgenden Jahrhunderten spielen. Allerdings hat der zeitliche Aspekt weit weniger Einfluss auf die Handlung und die Charaktere, als ich es vermutet hatte.

Fรผr alle, die vorhaben, es zu lesen, kann ich nur darauf hinweisen, dass in dem Buch viele Gewaltszenen und verstรถrende Situationen auftauchen. Die Lektรผre ist daher sicherlich nichts fรผr schwache Gemรผter.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil von Butler ist beim Lesen sehr angenehm und die Seiten gehen sozusagen schnell von der Hand. Am Anfang wusste ich nicht, wo die Geschichte mit mir hin mรถchte. Als Leser wurde ich ins kalte Wasser geworfen und musste mich erstmal in dieser Welt und den Gepflogenheiten zurechtfinden.
Leider รคnderte sich dieser Zustand nicht unbedingt im Laufe der Geschichte. Es war vielmehr so, dass ich das Gefรผhl hatte, immer und immer wieder das Gleiche zu lesen, weil die Konfrontationen zwischen Doro und Ayanwu recht monoton abliefen.
Eine Sache, die mich stรถrte, war die fรผr mich oft unnรถtige Gewalt in diesem Buch. Ob Tritte, Schlรคge, das „Aussortieren“ von Babys, die nicht der angeblichen Norm entsprachen – es war mir an einigen Stellen zu viel. Damit zusammen hรคngt auch eine Kritik am Schreibstil, der sich zwar gut las, aber auch sehr distanziert war. Auch diese Szenen waren so distanziert geschrieben, dass es fรผr mich beim Lesen unangenehm war. Ich hofft darauf, dass die Auseinandersetzung mit den Problematiken am Ende des Buchs erfolgen wรผrde. Tatsรคchlich blieb diese Reflektion und moralische Einordnung komplett aus. Ratlosigkeit machte sich bei mir als Leserin breit. Gerade solch brisante Themen wie Rassismus, Sklavenhandel, Unterdrรผckung, toxische Beziehungen, Frauenrechte, Gewalt und Missbrauch haben meiner Meinung nach eine viel differenziertere Auseinandersetzung verdient, als es dieses Buch getan hat.
Denn aus meiner Sicht hat das Buch diese Themen einfach nur erzรคhlt, aber nicht zum Nachdenken angeregt. Ich fragte mich dadurch oft, was die Autorin mir damit sagen mรถchte.

Leider waren auch die Charaktere sehr farblos und unsympathisch. Ich hatte gehofft, dass durch Beweggrรผnde oder andere Erklรคrungen der Leser diese besser verstehen wird und somit vielleicht sogar ein Gewissenskonflikt entstehen kรถnnte. Das wรคre sehr spannend gewesen. Aber auch das blieb aus. Die Motive fรผr viele Handlungen bleiben fรผr mich im Dunklen und die wenigen Erklรคrungen, die vorhanden waren, fand ich wenig nachvollziehbar.

FAZIT:

Das Buch hat mich fasziniert, denn die Stimmung am Anfang war sehr anders und auch die Grundidee hatte viel Potential. Allerdings bin ich sehr unzufrieden mit der Umsetzung und der ausbleibenden Auflรถsung am Schluss. Der Klappentext hat mir persรถnlich falsche Erwartungen geschรผrt. Die tatsรคchliche Handlung geht in eine ganz andere Richtung.
Ein Buch mit einer guten Grundidee, aber das Potential wurde nicht genutzt. Es fehlt das Aha-Erlebnis am Ende und die Auseinandersetzung mit den thematisierten Problematiken. Meine Erwartungen wurden leider nicht erfรผllt und ich hรคtte mir gerade vom Ende des Buches mehr Pfiff erwartet. Es war leider nicht meins.

BEWERTUNG: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก
Emotionen: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก
Science-Fiction: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก
Charaktere: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก
Sprache/Schreibstil: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก

Gesamtwertung = 2,4


Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die letzte Astronautin“ von David Wellington

Meine lieben Leser,

das nรคchste Bingo-Buch war „Die letzte Astronautin“ von David Wellington. Der Klappentext und das Cover hatten mich total geflasht und ich war so heiรŸ auf dieses Buch, dass ich es direkt zu Erscheinen gekauft habe. Leider ist es dann erstmal aufgrund anderer Projekte auf dem SuB gelandet. Im Folgenden lest ihr, wie es mir nun gefallen hat.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die letzte Astronautin – Wir dachten, wir wรผrden sie nicht lรคnger brauchen, wir haben uns geirrt
  • Autor/in: David Wellington
  • รœbersetzer/in: Simon Weinert
  • Anzahl der Seiten: 480 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Science-Fiction, Horror

INHALT:

Sally Jansen ist die letzte Astronautin der Erde. Zumindest die letzte, die noch als Astronautin ausgebildet wurde. Nach einem Vorfall auf der Mars-Mission wurde sie zur Geรคchteten und das Raumfahrt-Programm eingestellt.
Doch nun stehen die Wissenschaftler, die Regierung, ja die ganze Welt vor einer nie da gewesenen Herausforderung. Ein auรŸerirdisches Raumschiff steuert auf die Erde zu. Niemand weiรŸ, mit welcher Intention es auf dem Weg zur Erde ist.
Die NASA will dem Objekt eine Besatzung entgegen schicken, um die Kommunikation zu suchen. Sie haben nur ein Problem – sie brauchen die รผber 50-Jรคhrige Sally Jansen fรผr die Mission und die Ausbildung der anderen Crew-Mitglieder.

Das Buch dreht sich anschlieรŸend natรผrlich hauptsรคchlich um die Weltraum-Mission. Es wird die Reise zum unbekannten Objekt beschrieben, aber viel lรคnger verbringt der Leser die Zeit mit den Crew-Mitgliedern innerhalb des auรŸerirdischen Raumschiffes und begegnet dort allerlei Merkwรผrdigkeiten und vor allem sehr viel Dunkelheit.
Ihr Leben ist in Gefahr, doch das realisieren sie viel zu spรคt. Ein Wettlauf gegen die Zeit und beginnt, der droht, ihr gesamtes Verstรคndnis und Wissen auf den Kopf zu stellen.

SCHREIBSTIL:

Der Schreibstil – ohja – der hat mich direkt zum Anfang des Buches erstmal sehr daran zweifeln lassen, ob ich das Buch beenden werde. Ich wurde ziemlich auf die Probe gestellt, denn zugegebenermaรŸen habe ich noch kein anderes Buch in einem รคhnlichen Stil gelesen.
Die Geschichte bedient sich des Perspektivwechsels, der ja mittlerweile ein sehr bekanntes Mittel ist, um verschiedene Einsichten in das Geschehen zu ermรถglichen. Allerdings wurden die Perspektiven nicht kapitelweise durchgefรผhrt, sondern absatzweise. Noch schwieriger war der Umstand fรผr mich dadurch, dass die Perspektiven nicht gekennzeichnet wurden und ich so niemals wusste, wer gerade spricht. Das hat gerade zum Anfang der Geschichte bei mir fรผr einiges an Verwirrung gesorgt, weil man praktisch mitten ins kalte Wasser geworfen wird und gar keine Orientierungshilfe bekommt. Die vielen unterschiedlichen Charaktere machen es nicht unbedingt einfacher, sich ein Bild von der Ausgangssituation zu verschaffen.
Da wรคren wir bei einem weiteren Punkt, der mir etwas zu schaffen machte. Die Geschichte wird aus den Perspektiven aller Crew-Mitglieder und auch einer Menschen, die auf der Erde blieben, erzรคhlt. Der Redeanteil hรคlt sich hier fast die Waage, sodass nicht wie erwartet der Fokus auf Sally, der letzten Astronautin liegt. Ganz im Gegenteil verlor ich als Leser den Bezug zu Sally als vermeintlicher Hauptperson und konnte mich bis zuletzt kaum mit ihr identifizieren. Generell fรผhrte der stรคndige Perspektivwechsel zu einer unglaublichen Distanzierung von mir als Leser zu allen Personen und Geschehnissen. Unterstรผtzt wurde dies dann auch noch durch den generell sehr trockenen, emotionsarmen Schreibstil des Autors, der nicht nur an Dialogen, sondern auch รถfter an Tiefgrรผndigkeit gespart hat.
Ich hatte mir da von dem Buch etwas ganz anderes erhofft und finde es wirklich sehr schade, dass ich zu Sally so wenig Verbindung aufbauen konnte.
Nichtsdestotrotz war der Handlungsstrang interessant und spannend, sodass ich motiviert war, herauszufinden, was eigentlich hinter all den Fragen steckt, die aufgeworfen wurden. Die grรถรŸte Wendung um das Raumschiff hat mich dann auch wirklich beeindruckt, weil es fรผr mich eine doch ganz andere Idee war, als man bisher in Sci-Fi-Romanen gelesen hat. Diese innovative Idee hatte unheimlich viel Potenzial, hat zum Ende hin allerdings an Magie und Strahlkraft verloren. Das passierte vor allem auch durch die vielen Lรคngen, die sich immer wieder einschlichen. Aus meiner Sicht war der Spannungsbogen nicht groรŸ, sondern es waren eher viele kleine Erhebungen, die durch direkt nachfolgende Lรคngen ihre Wirkung nicht entfalten konnten.

FAZIT:

Das Cover, der Titel und der Klappentext haben aus meiner Sicht vรถllig andere Erwartungen geweckt, als das Buch sie erfรผllen kรถnnte. Sally Jansen steht nicht im Mittelpunkt und die Geschichte ist nicht so spannend konzipiert, wie ursprรผnglich gedacht. Zusรคtzlich wurde die Story immer wieder mit Grusel- bzw. Horror-Elementen ausgestattet, die fรผr mich weder gruselig, noch ein Mehrwert waren.
Die Grundidee und vor allem die Wendung bezรผglich des Alien-Raumschiffes hat mir unglaublich gut gefallen und war sehr innovativ. Das Potenzial wurde zum Ende leider nicht ausgeschรถpft. Alles in allem war die Geschichte interessant, aber ich fand es teilweise sehr anstrengend zu lesen, weil viele unnรถtige Lรคngen vorhanden waren.

Eine spannende Grundidee, leider mit vielen Lรคngen. Horror-Elemente waren fรผr mich zu gewollt platziert, der Perspektivwechsel unรผbersichtlich und inflationรคr gebraucht. An sich ein nettes Buch, ich fand es aber auch anstrengend beim Lesen. Meine Erwartungen wurden leider enttรคuscht.

BEWERTUNG: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™กโ™ก


BEWERTUNGSKATEGORIEN:

Handlung: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™กโ™ก
Emotionen: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก
Science-Fiction: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก
Charaktere: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™กโ™ก
Sprache/Schreibstil: โ™ฅโ™ฅโ™กโ™กโ™ก

Gesamtwertung = 2,8


Bis bald,
EURE HACHIDORI

MEIN LESEMONAT MAI & NEUZUGร„NGE

Meine lieben Leser,

da steht der Sommer praktisch schon vor der Tรผr und trotzdem war bisher eher mieses Wetter. Den Pflanzen hat es gut getan, aber ich wรผnsche mir endlich etwas mehr Sonne und Glรผcksgefรผhle. Da der vierte Mai der Star-Wars-Tag ist, habe ich diesen Monat auch fรผr einige Star-Wars-Geschichten genutzt, um mein Leseprojekt voranzubringen. Das hat dann mehr oder minder gut geklappt, weil ich auch in die Comics reingeschaut habe. Alles in allem war der Mai wirklich Sci-Fi-lastig. Im Juni und Juli folgt aber wieder mehr Abwechslung, denn unser Sommerloch-Bingo ist gestartet!

LESEMONAT MAI

Insgesamt waren es sieben Bรผcher (und Comics), die ich im Mai gelesen habe. Auf „Der Astronaut“ hatte ich wirklich lange hingefiebert und deshalb war ich umso glรผcklicher, dass ich es als Rezensionsexemplar lesen durfte. ๐Ÿ™‚ Mit den Comics habe ich mal etwas auรŸerhalb meiner normalen Lese-Routine ausprobiert und war sogar recht angetan. Da ich mein Star-Wars-Leseprojekt aber nicht noch weiter vergrรถรŸern will, wird es wohl vorerst bei den Romanen als Zielstellung bleiben.

Und aus folgenden Bรผchern besteht mein Lesemonat:

โ€“ โ€žDer Astronautโ€œ von Andy Weir โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅ
โ€“ โ€žRoboterlandโ€œ von Jenny Kleeman โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก
โ€“ โ€žStar Wars – Jedi-Chroniken: Das goldene Zeitalter der Sithโ€œ von K. J. Anderson / D. Carrasco u.a. โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™กโ™ก
โ€“ โ€žStar Wars – Der vergessene Stamm der Sithโ€œ von John Jackson Miller โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก
โ€“ โ€žStar Wars – Dawn of the Jedi: Machtsturmโ€œ von John Ostrander / Jan Duuserna โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™กโ™ก
โ€“ โ€žStar Wars – Dawn of the Jedi: Der Gefangene von Boganโ€œ von John Ostrander / Jan Duuserna โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก
โ€“ โ€žStar Wars – Dawn of the Jedi: Machtkriegโ€œ von John Ostrander / Jan Duuserna โ€“ โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก

BรœCHER-NEUZUGร„NGE MAI

Und hier ist die Liste meiner Neuzugรคnge und wie ich dazu gekommen bin:

โ€“ โ€žDas fehlende Glied in der Ketteโ€œ von Agatha Christie aus dem Fischer Verlag (gebraucht gekauft)
โ€“ โ€žDie Wรคchter von Londonโ€œ von Benedict Jacka aus dem Blanvalet Verlag  (Mรคngelexemplar)
โ€“ โ€žStar Wars – Darth Bane: Schรถpfer der Dunkelheitโ€œ von Drew Karpyshyn aus dem Blanvalet Verlag (gebraucht gekauft)
โ€“ โ€žStar Wars – Darth Scabrousโ€œ von Joe Schreiber aus dem Blanvalet Verlag  (gebraucht gekauft)
โ€“ โ€žStar Wars – Darth Bane: Die Regel der Zweiโ€œ von Drew Karpyshyn aus dem Blanvalet Verlag (gebraucht gekauft)
โ€“ โ€žArtemisโ€œ von Andy Weir aus dem Heyne Verlag  (Mรคngelexemplar)
โ€“ โ€žDer Totgeglaubteโ€œ von Michael Punke aus dem Malik Verlag (gebraucht gekauft)
โ€“ โ€žStar Wars – The Old Republic: Eine unheilvolle Allianzโ€œ von Sean Williams aus dem Panini Verlag  (gebraucht gekauft)
โ€“ โ€žAufstieg und Fall der Dinosaurierโ€œ von Steve Brusatte aus dem Piper Verlag (Mรคngelexemplar)

SUB-ABBAU

Ende Mรคrz lag der SuB bei 178 Bรผchern.
Der SuB liegt momentan bei 186 Bรผchern.

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne“ von Christopher Paolini

Meine lieben Leser,

es ist mittlerweile fast ein Jahrzehnt her, dass wir das letzte Mal etwas vom Autor Christopher Paolini gehรถrt haben. Es ist mittlerweile 16 Jahre her, dass ich mich in den ersten Band der „Eragon“-Reihe verliebte. Noch heute stehen sie in meinem Regalbrett fรผr Allzeit-Favoriten. Nach dem letzten Band der Reihe wurde es jedoch sehr still um Paolini, die Grรผnde dafรผr erlรคutert er in der Danksagung seines neuen Buches.
Und damit sind wir bei diesem Schmuckstรผck, welches ich euch heute vorstellen mรถchte! Was habe ich dieses Buch herbeigesehnt, denn als ich Anfang des Jahres erfuhr, dass Paolini ein neues Buch geschrieben hat, war ich ganz aus dem Hรคuschen. Mich รผberraschte, dass er kein Fantasy-Jugendbuch geschrieben hatte, sondern sich an das Science-Fiction-Genre heranwagte. Umso mehr fieberte ich auf den Erscheinungstermin hin.
Als ich dann bei einer Aktion auf Instagram eine von 30 glรผcklichen Gewinnern war, die das Buch vorablesen durften, bin ich quasi ausgerastet. ๐Ÿ™‚ Deswegen kann ich euch meine Rezension jetzt schon prรคsentieren.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne
  • Autor: Christopher Paolini
  • รœbersetzer: Barbara Hรคusler, Anke Kreutzer, Eberhard Kreutzer, Katharina Naumann
  • Anzahl der Seiten: 960 Seiten
  • Verlag: Droemer-Knaur Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (15. September 2020)
  • Genre: Science-Fiction

INHALT:

„Unbezahlbar wertvoll waren sie [die Planeten], leuchtende Gรคrten, in denen die Wรคrme und Bewegung inmitten der todlosen Leere pulsierten.“

„Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne“ von Christopher Paolini, S. 771

Der Klappentext des Buches verrรคt noch nicht allzu viel. ๐Ÿ™‚ Die Geschichte dreht sich um die junge Xenobiologin Kira Navarez, die immer davon trรคumte, ferne Welten zu entdecken. Zusammen mit ihrem Forschungsteam erkundet sie Monde und Planeten, um sicherzustellen, dass dort Bedingungen herrschen, die eine Kolonialisierung mรถglich machen. Dazu gehรถrt auch der Nachweis, dass es dort kein auรŸerirdisches Leben gibt. Auf einer Mission, die eigentlich reine Routine ist, stรผrzt sie in eine Felsspalte und entdeckt etwas, was kein Mensch vor ihr zu Gesicht bekommen hat. Diese Entdeckung verรคndert anschlieรŸend ihr komplettes Leben und bringt nicht nur sie, sondern das ganze Universum in Gefahr.

Das ist die Zusammenfassung der anfรคnglichen Ereignisse, die meiner Meinung nach noch viel zu wenig darรผber vermittelt, worum es in diesem Buch eigentlich geht. Da ich aber niemanden spoilern will, belasse ich es dabei und fasse nur allgemein die Eindrรผcke zusammen.

Der Inhalt strukturiert sich in sechs Teile. Die ersten drei Teile bauen sozusagen die Brรผcke zu den letzten drei Teilen. Jeder Teil ist in Kapitel unterteilt, wobei jeder Teil mit dem Kapitel „Exeunt“ (lat. Verlassen) endet. Die Teile sind ebenfalls lateinisch bezeichnet und heiรŸen „Exogenesis“ (lat. Exogenese: von auรŸen einwirkend / eindringend), „Sublimare“ (lat. Sublimieren: verfeinern / von einem Zustand in einen anderen รผbergehen), „Apokalypsis“ (lat. Apokalypse: Untergang), „Fidelitatis“ (lat. Treue), „Malignitatem“ (lat. Bรถsartigkeit) und „Quietus“ (lat. Schlafen).
Angehรคngt ist noch das sogenannte „Addendum“ (lat. Zusatz, Nachtrag), welches physikalische Berechnungen und Erklรคrungen zur Raumzeit und รœberlichtgeschwindigkeit bietet, sowie ein Glossar und eine Chronik.

Ergรคnzt wird der Inhalt durch zahlreiche Abbildungen, darunter eine Sternenkarte, auf der die unterschiedlichen Planeten und Sterne und deren Entfernung zueinander verzeichnet sind. AuรŸerdem finden sich zwischen den Kapiteln mehrere Abbildungen der Sonnensysteme, in denen Kira unterwegs ist.

Allgemein ist die Handlung in den ersten drei Teilen sehr rasant. So rasant, dass ich mir manchmal wirklich gewรผnscht hรคtte, in einigen Momenten lรคnger zu verweilen. Denn lange war nicht klar, wo das Buch mit dem Leser eigentlich hin will, es fehlte an einem รผbergeordneten Ziel. Die ersten drei Teile warfen unzรคhlige Fragen auf und davon im Verlauf immer mehr, sodass ich mir danach wirklich eine Auflรถsung wรผnschte. Weiterhin waren diese Teile geprรคgt von technischen Details, der Einfรผhrung in diese ganz andere Welt und auch von Weltraumschlachten. Diese Schlachten gab es in hoher Zahl und fรผr mein Dafรผrhalten hรคtten das in diesen drei Teilen gern ein paar weniger sein kรถnnen, da sie unnรถtige Lรคngen provozierten.

Der Leser wird ab Teil vier jedoch mit Gefรผhlen, Tiefe und Antworten belohnt, die bis dahin gefehlt hatten. Zwar werden bis zum Ende nicht alle Fragen abschlieรŸend geklรคrt, aber es wird eine Spannung geboten, die fast nicht auszuhalten ist. Das Tempo in den letzten drei Teilen war mir aber deutlich angenehmer und sie lasen sich viel leichter weg.

Viele Wendungen oder Ereignisse in diesem Buch waren fรผr mich unerwartet, viele Szenen meisterhaft und bildgewaltig beschrieben. Die Charaktere waren liebenswert und authentisch. Einige von ihnen haben mein Herz gestohlen, allen voran Gรถffel und รผber den Verlauf der Geschichte auch der Schiffsverstand Gregorovich.

Letztlich wurde von Paolini sogar der ein oder andere Hinweis auf Eragon eingebaut, den der Leser mit wachem Auge entdecken kann.

SCHREIBSTIL:

„Der Pfad an unser Ziel ist selten gerade. Er ist oft verschlungen, das macht die Reise unterhaltsamer, als sie es sonst wรคre.“

„Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne“ von Christopher Paolini, S. 180

Wer Paolini bereits durch Eragon kennt, weiรŸ, dass er gut darin ist, sich NICHT kurz zu fassen. Sein Schreibstil erzeugt beim Lesen dafรผr aber sehr starke Bilder und ich hatte mehr als einmal das Gefรผhl, einen richtig ausgefeilten Hollywood-Blockbuster zu schauen.
Und auch, wenn der Schreibstil an sich gar nicht so komplex ist, erzeugt er durch die vielen Details der Handlung eine Komplexitรคt, die sich nicht mal eben schnell wegliest.
Trotzdem ist die Sprache des Autors von einer Schรถnheit und Prรคgnanz geprรคgt, die ihresgleichen sucht. Der Einfallsreichtum sprengte bisweilen meine eigene Vorstellungskraft, sodass ich einige Absรคtze mehrmals lesen musste, um sie komplett in mich aufnehmen zu kรถnnen.
Durch diese Punkte wird aus dem doch recht unspektakulรคr wirkenden Schreibstil eine anspruchsvolle Lektรผre, die ganz ohne Schnรถrkel auskommt und gerade dadurch das Leserherz erfreut.

Erinnert hat mich das Buch in der Aufmachung und dem Schreibstil an bekannte Werke wie „Der Marsianer“ von Andy Weir sowie „DinoPark“ von Michael Crichton.

FAZIT:

„Das Entscheidende, kรถnnte man sagen, ist doch wohl, dass wir lernen, damit klarzukommen, wo wir gerade sind, und nicht, wo wir waren.“

„Infinitum – Die Ewigkeit der Sterne“ von Christopher Paolini, S. 180

Fรผr mich hat Paolini mit seinem Come-Back einwandfrei abgeliefert.
Zuweilen war mir das Tempo zu schnell, aber er hat es geschafft, in diesem Buch zu beweisen, dass er nicht nur Fantasy, sondern auch Science-Fiction at it’s best schreiben kann. Mit seinen 960 Seiten und der doch komplexen Handlung ist dieses Buch alles andere als eine Lektรผre fรผr Zwischendurch und verbraucht gerade durch die technischen Details einiges an Hirnschmalz, jedoch begeisterte mich die Vielfalt, der Humor, die Authentizitรคt und der (mit Sicherheit) extrem hohe Rechercheaufwand in diesem Buch. Er hat ein Meisterwerk mit Herzblut geschaffen.

Bildgewaltig, brutal und unbegreiflich (schรถn) wie das Universum selbst. Science-Fiction in Reinform und ein wahrer Epos mit ein paar Lรคngen. Fรผr mich ein Jahres-Highlight, trotz kleinerer Schwรคchen.

BEWERTUNG: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „DinoPark“ von Michael Crichton

Meine lieben Leser,

wie ich euch letztens berichten konnte, habe ich in Gabriela von Buchperlenblog eine grandiose Lesepartnerin gefunden. Nachdem wir uns zusammen dem Glรถckner von Notre-Dame gestellt haben, stellten wir fest, dass wir doch recht viele identische Bรผcher auf dem SuB haben, die wir im Buddyread lesen kรถnnten. Spontan haben wir uns diesen Monat fรผr einen Buddyread zu „DinoPark“ von Michael Crichton entschieden, welches die Romanvorlage fรผr den bekannten Film „Jurassic Park“ ist. Wie sie uns gefallen hat und sie im Vergleich mit dem Film abschneidet, lest ihr im Folgenden.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: DinoPark
  • Autor: Michael Crichton
  • รœbersetzer: Klaus Berr
  • Anzahl der Seiten: 536 Seiten
  • Verlag: Droemer Knaur Verlag
  • Ausgabe: Taschenbuch (1993)
  • Genre: Thriller, Sci-Fi

INHALT:

„Haben Sie eigentlich eine Vorstellung (…) wie unwahrscheinlich es ist, dass auch nur einer von uns diese Insel lebend verlรคsst?“

Ian Malcom in „DinoPark“ von Michael Crichton, S. 423

Ein alter Mann namens Hammond kauft eine Insel und jede Menge Personal, um einen Zoo der besonderen Art zu erรถffnen. Wer die Filme kennt, weiรŸ, dass er aber gleichzeitig die Grenzen der Gentechnik sprengt und das Unmรถgliche mรถglich macht – er erschafft aus Millionen Jahre alter DNS die ersten Dinosaurier der Neuzeit. Er wittert ein groรŸes Geschรคft und lรคdt mehrere Menschen vor der Erรถffnung ein, um sein Projekt zu begutachten.
Darunter befinden sich unter anderem Dr. Grant, Palรคontologe und seine Studentin Ellie Sattler, die sich auf Palรคobotanik spezialisiert hat. Dazu kommt Gennaro, ein Vertreter einer Firma, die Hammonds Projekt finanzieren. Er soll รผberprรผfen, ob die Investitionen sich weiterhin lohnen. Zudem werden die Enkel von Hammond eingeladen, Tim (11 Jahre) und Lex (8 Jahre). Er verspricht sich davon, dass Gennaro durch die Kinder besรคnftigt wird und die Schรถnheit des Parks erkennt. Auch der aus dem Film bekannte Ian Malcom, ein philosophischer Mathematiker, der stets vor den Gefahren des Parks warnt, findet hier seinen angestammten Platz.
Einige Angestellte von Hammond bekommen nach und nach ebenfalls tragende Nebenrollen im Buch – so zum Beispiel Dr. Wu, der Genetiker von Hammond und Muldoon, der Sicherheitsbeauftragte und sozusagen „Wildhรผter“ des Parks. Eine besondere Rolle bekommt Nedry, der Chef-Entwickler, der am Ende der Auslรถser fรผr die schlimmen Ereignisse im Park sein wird.

Als sie die Insel betreten, sind alle Beteiligten zunรคchst geblendet von den vielen Informationen und der unglaublichen Schรถnheit der Dinosaurier als Wesen, die so eigentlich nicht existieren dรผrften. Dr. Grant und Ellie Sattler sind vor allem aus wissenschaftlicher Sicht fasziniert, da sie nun Erkenntnisse gewinnen, die รผber das Deuten von Knochen hinaus gehen.
Tim ist so begeistert von den Dinosauriern, dass er direkt einen Draht zu Dr. Grant aufbauen kann.
Wรคhrend der Tour entspinnt sich im Hintergrund eine Intrige. Nedry lรคsst sich bestechen und setzt das komplette Sicherheitssystem des Parks auรŸer Kraft, um die wertvollen Embryos zu stehlen und einem Gegenspieler Hammonds zukommen zu lassen. Dafรผr soll er reich entlohnt werden.
Durch dieses Ereignis werden auch die Sicherheitszรคune abgeschaltet und das Chaos bricht im Park aus. Die Dinosaurier, inklusive des gefรผrchteten Tyrannosaurus Rex, hinterlistigen Velociraptoren, giftspuckender Dilophosaurier und kleiner, aber gefรคhrlicher Compys kann sich nun frei im Park bewegen.
Die Insassen der Jeeps auf der Besichtigungstour stecken auf einmal fest und spรคtestens nach dem ersten Aufeinandertreffen mit den groรŸen Bestien ist klar, dass hier nichts nach Plan lรคuft.
Ein Wettrennen ums รœberleben beginnt und die Charaktere stolpern ab diesem Moment von einer Herausforderung in die nรคchste.

Buch vs. Film – einige Unterschiede

Anders als im Film, sind die Rollen der Kinder leicht vertauscht. So ist Lex im Film die ร„ltere der beiden und besitzt Computerkenntnisse, wรคhrend im Buch all das Tim zugeschrieben wird. Lex ist im Buch lediglich nervig und macht sich durch ihren Lieblingssatz: „Ich habe Hunger.“ mehr als unbeliebt, da sie uneinsichtig bleibt und niemals den Ernst der Lage zu erfassen scheint.
Zudem ist Hammond alles andere als der nette Bilderbuch-Opa. Vielmehr ist er ein gieriger Raffzahn, der die ganze Zeit nur an sein Projekt denkt und zu keiner Zeit einsehen will, dass Lebensgefahr besteht. Bis zuletzt besteht er darauf, dass seinen Dinosauriern kein Haar gekrรผmmt wird, weil er sie fรผr den Umsatz noch brauchen wird. Geld, Geld und nochmals Geld – mehr scheint in seinem Kopf nicht mehr zu existieren. Er ist geradezu besessen vom DinoPark.
Eine weitere Abweichung liegt in dem Ablauf der Geschichte. Zwar finden wir uns als Leser oftmals an bekannten Schauplรคtzen wie dem Aviarum mit den bedrohlichen Pteranodons oder der Cafetaria des Besucherzentrums wieder, aber der Ablauf ist weit weniger actiongeladen als im Film, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut.
Die Art, wie die Menschen in diesem Buch zu Tode kommen, ist jedoch weitaus brutaler als im Film und die Anzahl hรถher. Ich mรถchte hier nicht spoilern, wen es betrifft, nur soviel: im Buch sterben mindestens zwei Personen, die im Film am Leben bleiben.
Im Buch gibt es zudem noch deutlich mehr Erzรคhlperspektiven, die im Film gar nicht vorkommen. Gerade am Anfang der Geschichte wird รผber mehrere Personen am Festland berichtet, die in Kontakt mit kleinen Echsen geraten. Es werden vermehrt Angriffe auf Kinder und Babys beobachtet und eine ร„rztin auf dem Festland behandelt einen von Dinosauriern verletzten Bauarbeiter von Hammonds Insel.

SCHREIBSTIL:

„Das ist die alte Crux unserer Spezies (…) Jeder sieht es kommen, nur nicht so bald.“

Ian Malcom in „DinoPark“ von Michael Crichton, S. 129

Und schon im Jahre 1993 bewies Michael Crichton, wie gut Perspektivwechsel in einer Geschichte funktionieren kรถnnen, wenn man sie nur gekonnt einsetzt. Wer mich kennt, weiรŸ, dass ich kein Fan von wechselnden Perspektiven bin, es sei denn, es trรคgt unmittelbar zum Verstรคndnis der Geschichte bei. Das ist im vorliegenden Buch der Fall und ich finde, es wurde grandios geschrieben.
Crichton versteht sich darauf, wissenschaftliche Zusammenhรคnge ganz nebenbei in die Geschichte einzubauen und so zu erklรคren. AuรŸerdem hat er einen trockenen Humor, der mir sehr gut gefallen hat. Der Spannungsbogen erhรถht sich รผber den Verlauf der Geschichte und bleibt dann bis zum Ende mit kleineren Unterbrechungen stetig erhalten.
Bis auf einige Szenen, in denen mit Crichton wohl etwas die Fantasie durchgegangen ist, war das Buch fรผr mich sehr authentisch und erschreckend real. Ganz nebenbei ruft der Autor zwischen den Zeilen zum verantwortungsvollen Umgang mit der Natur auf und weist auf den Schaden hin, der durch eine wirtschaftliche Nutzung der Genforschung entstehen kann.
Gleichzeitig sind die รผber 500 Seiten nur so dahingeflogen. Ich habe das Buch geradezu verschlungen und der Schreibstil war mehr als eingรคngig und gleichzeitig intelligent.

FAZIT:

„Der Planet ist nicht in Gefahr. Wir sind in Gefahr. Wir haben nicht die Macht, den Planeten zu zerstรถren – oder ihn zu retten. Aber vielleicht haben wir die Macht, uns zu retten.“

Ian Malcom in „DinoPark“ von Michael Crichton, S. 492

Dieser Klassiker unter den Thrillern ist eine Hommage an die Dinosaurier und das Leben, welches wir nicht versuchen sollten, zu kontrollieren. Wie an meinen Zitaten zu sehen ist, kommen die scharfsinnigsten Worte von Ian Malcom, der schon frรผh vor den Folgen und Gefahren des DinoParks warnt. Gerade diese ร„uรŸerungen sind es auch oft gewesen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Das Buch hat mich aber auch schmunzeln und mitfiebern lassen – und am Ende ist es das, was ich bei einem Buch suche: ein Potpourri an Gefรผhlen, die beim Lesen ausgelรถst werden. Ich komme zu dem Schluss, dass jeder dieses Buch gelesen haben sollte, der sich einen echten Dinosaurier-Fan schimpft. ๐Ÿ™‚
Ein intelligentes, immer noch brandaktuelles Buch mit wichtigen Botschaften, trockenem Humor, viel Spannung und einer gehรถrigen Portion Dinosaurier-Biss. Ein unsterblicher Klassiker der Neuzeit!

BEWERTUNG: โ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ฅโ™ก

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange“ von Suzanne Collins

Meine lieben Leser,

an diesem Buch kommt man momentan schwerlich vorbei. Und auch ich musste es mir direkt zum Erscheinungstag kaufen. Allerdings war ich auch sehr skeptisch, da ich nicht sicher war, ob diese Vorgeschichte der Panem-Reihe gerecht werden wรผrde. Ich sollte รผberrascht werden – und in welchem Sinne, kรถnnt ihr nun hier nachlesen.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Die Tribute von Panem X – Das Lied von Vogel und Schlange
  • Autor: Suzanne Collins
  • Anzahl der Seiten: 608 Seiten
  • Verlag: Oetinger Verlag
  • Ausgabe: 1. Auflage (2020)
  • Genre: Dystopie, Sci-Fi, Thriller, Abenteuerfiktion, Kriegsroman

INHALT:

„Jedes Mal, wenn er sah, wie die bunten Seiten der Bilderbรผcher seiner Kindheit (…) zu Asche zerfielen, musste er weinen.“

– Tribute von Panem X von Suzanne Collins, S. 14 –

Vorab sei gesagt: Wer in diesem Buch eine zweite Version der „Tribute von Panem“-Reihe erwartet, liegt hier komplett falsch. Aufgrund vieler kritischer Stimmen mรถchte ich hier unbedingt erwรคhnen, dass es wichtig ist, sich unabhรคngig von der Panem-Reihe auf dieses Buch einzulassen, denn es lohnt sich wirklich sehr.

Das Buch erzรคhlt die Jugend des spรคteren Prรคsidenten Snow, den wir aus der ursprรผnglichen Geschichte als Gegenspieler kennen. Die Handlung spielt sich zur Zeit der 10. Hungerspiele ab, also 64 Jahre vor den Ereignissen der Panem-Reihe und kurz nach dem Rebellen-Krieg.

Der Krieg ist in der Welt des jungen Corolianus Snow noch allgegenwรคrtig. Auch das Kapitol und deren Bewohner haben mehr oder weniger unter den Folgen zu leiden. Mit seiner Familie – bestehend aus seiner GroรŸmutter und seiner Schwester – versucht er seine Stellung in der Gesellschaft zu erhalten.
Wir erhalten nicht nur Einblicke in Snows Familienleben, sondern auch in den Schulalltag, der bald durch eine Besonderheit aufgemischt wird. Fรผr die 10. Hungerspiele sollen das erste Mal Mentoren aus den Reihen der Schรผler ausgewรคhlt werden, um je einen Tribut bei den Spielen zu unterstรผtzen. Snow erhรคlt ebenfalls einen begehrten Platz als Mentor. Sein weiblicher Tribut ist anscheinend ein unerwarteter Glรผcksgriff, doch bereits vor Beginn der Spiele stehen sie vor groรŸen Herausforderungen.

Anders, als man vermuten kรถnnte, liegt der Hauptfokus des Buches nicht auf den Hungerspielen, den Tributen und der Arena. Die Schilderung dieser Ereignisse macht nur einen geringen Teil dieser komplexen Geschichte aus.

Vielmehr begleitet der Leser Snow durch eine zunehmend befremdliche Entwicklung, seinen Kampf gegen die Herausforderungen des Lebens im Kapitol und auch gegen sich selbst.
Getrieben von Ehrgeiz, hin- und hergerissen zwischen seiner persรถnlichen, gerechten, ja auch mitfรผhlenden Meinung und den Ansprรผchen der Gesellschaft sowie einer ideologischen Staatsidee, ist die Wandlung des jungen Schรผlers zu einem skrupellosen Staatsmann tiefgehend behandelt worden.

Der Antagonist wird zum Helden seiner eigenen Geschichte – oder doch nicht?

SCHREIBSTIL:

„Wie flรผchtig die Zivilisation doch ist. All ihre guten Manieren (…), alles, worauf sie stolz sind – im Bruchteil einer Sekunde fortgewischt, und รผbrig bleibt nur, was sie eigentlich sind. (…) So ist der Mensch in seinem Naturzustand.“  

– Tribute von Panem X von Suzanne Collins, S. 288 –

Anders als in der Panem-Reihe, die in der Ich-Perspektive geschrieben ist, wird Snows Vorgeschichte aus der dritten Person erzรคhlt. Der Text ist auf hohem Niveau verfasst, liest sich dennoch sehr schnell, eingรคngig und die Seiten flogen fรผr mich nur so dahin. An einigen Stellen ist es brutal in den Beschreibungen und auf eine ganz eigene Weise emotional.

Der Text wird immer wieder durch gedichtartigen Songtexte unterbrochen, was ich sehr abwechslungsreich fand. Zum Ende hin wurden mir allerdings die Abstรคnde zwischen der eingeschobenen Lyrik zu kurz. Diese Verse sind teilweise aus echten Liedern entlehnt, teils aber auch von der Autorin selbst geschrieben. Darauf verweist sie in ihrer Danksagung.

Der Aufbau dieser komplexen Geschichte, hatte regelmรครŸige Spannungsmomente. Zwischendurch war es auch oft etwas ruhiger, was kritisiert werden kรถnnte – wenn diese ruhigen Phasen nicht so eine gute Brรผcke zwischen den Hรถhepunkten bauen wรผrden.

Letztlich schlรคgt die Autorin gekonnt, aber nicht aufdringlich, einen Bogen zu den in der Zukunft liegenden Hungerspielen, die wir bereits kennen. Da tauchen kleine Verbindungen oder Vorfahren zu bekannten Nebenfiguren auf, ein immer wiederkehrender und schlรผssiger Verweis auf das Tier des Spotttรถlpels und dessen Bedeutung fรผr Snow und noch so vieles mehr.

Zum Schreibstil kann ich nur jedem Leser raten, hier vor allem auch auf Details zu achten und zwischen den Zeilen zu lesen. Dann entdeckt man auch einige Botschaften, die nicht vordergrรผndig benannt werden – letztlich auch durch starke Symbole.

FAZIT:

„Ich glaube, der Mensch ist im Kern gut. Man weiรŸ genau, wann man die Grenze zum Bรถsen รผberschreitet, und es ist eine stรคndige Herausforderung im Leben, auf der richtigen Seite dieser Grenze zu bleiben.“

– Tribute von Panem X von Suzanne Collins, S. 575 –

Wie man unschwer erkennen kann, hat mich dieses Buch wider Erwarten begeistert. Ich war sehr skeptisch, ob mich eine Vorgeschichte รผberzeugen kรถnnte. Zu oft schon sind andere vormals gescheitert. Es war allerdings erstaunlich wunderbar, in die Welt von Panem zurรผckzukehren. Nicht nur Snow wird aus einer anderen Perspektive gezeigt, sondern auch die politische und gesellschaftliche Situation Panems und des Kapitols. Der Anspruch, zu verstehen, wie Snow so werden konnte, wie er am Ende war, wurde fรผr mich in vollem MaรŸe erfรผllt. Das Buch war spannend, tiefgrรผndig und vermittelt zwischen den Zeilen, wie eine Ideologie, Ehrgeiz und Egoismus zusammenspielen kรถnnen, um Persรถnlichkeiten zu zerstรถren. Dabei ist es erstaunlich feinsinnig, anspruchsvoll und realistisch, weil der Leser irgendwann nicht mehr sicher ist, ob Snow wirklich der Held in dieser Geschichte ist. 

Dieses Schmuckstรผck vermag es, fรผr sich allein zu stehen und trotz alledem eine Geschichte in Panem-Manier zu erzรคhlen. Spannend, tiefgrรผndig und komplex – so ein gutes und niveauvolles Prequel habe ich selten gelesen. Jetzt schon ein Jahreshighlight fรผr mich!

BEWERTUNG: โคโคโคโคโค

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Scythe – Das Vermรคchtnis der ร„ltesten (Band 3)“ von Neal Shusterman

Meine lieben Leser,

lange haben wir gewartet und endlich war er da – der Moment, als der finale Band der Scythe-Trilogie auf den Markt kam. Zugegeben, es hat etwas gedauert, bis ich dieses Buch beenden konnte, aber meine Rezension mรถchte ich euch jetzt natรผrlich nicht vorenthalten.

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ALLGEMEINES ZUM BUCH:

  • Titel: Scythe – Das Vermรคchtnis der ร„ltesten
  • Autor: Neal Shusterman
  • Anzahl der Seiten: 604 Seiten
  • Verlag:ย FISCHER Sauerlรคnder
  • Ausgabe:ย 1. Auflage (2019)
  • Genre: Dystopie, Utopie, Sci-Fi, Fantasy, Abenteuerfiktion

Inhalt:

„Menschen sind GefรครŸe (…) Sie nehmen das auf, was in sie hineingeschรผttet wird.“

– Jeri in „Scythe – Das Vermรคchtnis der ร„ltesten“ von Neal Shusterman, Seite 425 –

Wie habeย ich diesen dritten und finalen Band der Scythe-Reihe herbeigesehnt! Ich war wirklich Feuer und Flamme, da mich die beiden vorhergehenden Teile so begeistern konnten. Zu meiner hellen Freude gewann ich den letzten Band bei einem Gewinnspiel anderer Blogger und bekam ihn sogar schon vor dem offiziellen Erscheinungsdatum zugesendet. Ich war wirklich glรผcklich. Umso enttรคuschter war ich, dass ich mich mit dem โ€žVermรคchtnis der ร„ltestenโ€œ so schwergetan habe. Ich kam irgendwie einfach nicht rein in die Story. Nach dem tragischen Ende des zweiten Bandes, war ich in hoffnungsvoller Erwartung, dass die Geschichte wieder bei Citra und Rowan anknรผpft, was sie aber leider nicht tat. Erstmal bekommen wir ganz typisch fรผr Shusterman andere Personen und Schauplรคtze unter die Nase gehalten. Ich war dermaรŸen hibbelig, dass ich sehr froh war, als man nun doch mehr รผber Citras und Rowans Schicksal erfuhr.

„Ideale verblassten, Tugenden trรผbten sich, und selbst der Kรถnigsweg hatte schlecht beleuchtete NebenstraรŸen.“

– „Scythe – Das Vermรคchtnis der ร„ltesten“ von Neal Shusterman, Seite 505 –

Generell ist die erste Hรคlfte des Buches aber recht schleppend fรผr mich gewesen. Ich bin einfach nicht richtig warm geworden damit. Das, was der Perspektivwechsel in den anderen Bรคnden so groรŸ machte, nahm der ersten Hรคlfte des Finales irgendwie die Substanz. Ich wรผrde gern anders urteilen, aber was das angeht, war der dritte Band der bisher schwรคchste der ganzen Scythe-Reihe. Es fehlte die Spannung, die Gefรผhle und das besondere Etwas.
Jedoch schafft es Shusterman, ab der zweiten Hรคlfte zu gewohntem Esprit zurรผckzufinden. Ab da ist es wieder rundum gelungen, der Perspektivwechsel greift wieder mit der Story ineinander und fesselt den Leser an das Buch. Diese bessere Hรคlfte des Werks mรผndet in einem Finale, welches spannend, aber auch kurzweilig ist. Ein Ende, fรผr das sich das Durchhalten lohnt, was allerdings auch gern noch etwas mehr Tiefe und Details haben kรถnnte.
Alles in allem ein guter Abschluss fรผr diese grandiose Reihe, auch, wenn er am Anfang schwรคchelte.

Schreibstil:

“ (…) Sein eigenes Ende zu fรผrchten ist Teil des Lebens. So weiรŸ ich, dass wir tatsรคchlich wahrhaft lebendig sind.“

– Thunderhead in „Scythe – Das Vermรคchtnis der ร„ltesten“ von Neal Shusterman, S. 485 –

Ganz klar, die Scythe-Reihe lebt von den Perspektivwechseln. Leider hat Shusterman sich meiner Meinung nach in der ersten Hรคlfte des Buchs in eben diesem Erzรคhlstil verloren. Mir lag der Fokus im GroรŸteil des Buchs leider zu viel auf den Nebenfiguren und viel zu wenig auf den beiden Protagonisten. Dadurch geriet die Bindung und Spannung zum Buch in den Hintergrund.

Shusterman findet in der zweiten Hรคlfte zu seiner gewohnten Qualitรคt zurรผck โ€“ fast als hรคtte vorher ein anderer Mensch geschrieben. Schlagartig ist man wieder gefangen in seinen prรคgnanten und fast schon trockenen Schilderungen, die zwischen den Zeilen so viel Gefรผhl vermitteln und mit feinem Gespรผr die gesellschaftlichen Missstรคnde anprangern. Wรคre er im gesamten Finale auf diesem Niveau gewesen, wรคre diese Reihe perfekt gewesen.

Fazit:

“ ‚Was ist los mit uns, dass wir uns dermaรŸen hochgesteckte Ziele suchen und dann das Fundament in Stรผcke reiรŸen? Warum mรผssen wir immer das Streben nach unseren eigenen Trรคumen sabotieren?‘
‚Weil wir fehlerhafte Wesen sind (…) Wie sollten wir in eine perfekte Welt passen?‘ „

– Faraday & Munira in „Scythe – Das Vermรคchtnis der ร„ltesten“ von Neal Shusterman, Seite 571 –

Meine hohen Erwartungen nach den grandiosen Vorgรคngern wurden leider nicht komplett erfรผllt. Shusterman konnte nicht durchgรคngig sein hohes Niveau halten und hat mich mit der ersten Hรคlfte des Buchs schon fast ein wenig gelangweilt. Ich war wirklich enttรคuscht von diesem Finale, bis ich รผber den Berg war (๐Ÿ˜‰ Scythe-Insider-Witz, haha.) und die zweite Hรคlfte des Buchs umso mehr genieรŸen konnte.
Fรผr den Abschluss auf den letzten Seiten hat sich das Durchhalten und Warten gelohnt. Mit etwas mehr Substanz am Anfang hรคtte mir der finale Band allerdings besser gefallen. Ab der zweiten Hรคlfte jedoch gewohnt grandios.
Deswegen trotz Mankos eine Leseempfehlung, denn wer diese Reihe nicht beendet, ist selbst Schuld!

BEWERTUNG: โคโคโคโคโ™ก

Bis bald,
EURE HACHIDORI

Rezension – „Angepasst / Ich, Bakoo“ von Hubert Wiest

Meine lieben Leser,

wie ihr wisst, durfte ich in den letzten Wochen an der Leserunde zum Buch „Angepasst“ von Hubert Wiest teilnehmen. Dazu stellte er Bรผcher bereit, die zwar das alte Cover inklusive des alten Titels „Ich, Bakoo“ trugen, aber das tat der Geschichte zwischen den Buchdeckeln natรผrlich keinen Abbruch!
Zunรคchst mรถchte ich mich bei Hubert Wiest und dem Verlag Lomoco fรผr die Bereitstellung des Rezensionsexemplares danken. AuรŸerdem auch ein Dankeschรถn an die eben Genannten und lovelybooks fรผr die tolle Leserunde. Es hat mir wirklich sehr viel Freude bereitet!

Die Rezension ist *SPOILERFREI*.

Allgemeines zum Buch:

  • Titel: โ€žIch, Bakooโ€œ bzw. โ€žAngepasstโ€œ
  • Autor: Hubert Wiest
  • Anzahl der Seiten: 408 Seiten
  • Verlag: Lomoco / CreateSpace Independent Publishing Platform
  • Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.04.2014
  • Aktuelle Ausgabe : 06.12.2014
  • Genre: Science-Fantasy / Dystopie / Jugendbuch

Rezension:

In dem Buch geht es um Bakoo, einen Jugendlichen, der auf dem Wรผstenplaneten Cambrium lebt. Er arbeitet auf einer Avoca-Zuchtstation. Avocas sind Reittiere, aber keine schmusigen Kuscheltiere, sondern potenziell gefรคhrlich. Bakoo hat zu einem bestimmten Avoca, zu Muunabat, eine besonders innige Beziehung. Er trรคumt davon, zusammen mit Muunabat ein berรผhmter Avoca-Jockey auf der Rennbahn zu werden. Leider wird dieses Glรผck seinem Bruder Rango zuteil, der von den Eltern stark bevorzugt behandelt wird und dem Leser nicht wirklich ans Herz wรคchst. Wird Bakoo dennoch seinen Traum verwirklichen? Da mรถchte ich euch nicht zuviel verraten.

Der zweite Handlungsstrang widmet sich der Geschichte von Alelia und ihrem Bruder Jermo. Sie gehรถren zum Volk der Laikaren, eine Bevรถlkerungsgruppe, die in der Gesellschaft eher verpรถnt ist, da sie ein Nomadenleben in der Wรผste fรผhren. Sie stehen Jurlan, dem sozusagen „Vorstand“ des Planeten und Leiter einer Firma fรผr Bromatium-Abbau gehรถrig im Weg, weswegen er die Stรคmme der Laikaren nach und nach in die Stadt umsiedeln lรคsst. Auch Alelia und ihr Bruder sind davon betroffen, verpassen aber die spontane Umsiedlung und sind auf einmal in der Wรผste auf sich gestellt. Wie es mit den beiden weitergeht, mรถchte ich hier aber nicht verraten.

Am Anfang werden die einzelnen Schicksale der Protagonisten erlรคutert. Die vielen neuen Begriffe erschlieรŸen sich schnell und machen die Welt von Bakoo und Alelia erst so richtig lebendig. Nach und nach verweben sich die Geschichten der beiden und es รถffnet sich der Vorhang fรผr ein Sci-Fi-Abenteuer, in dem sich gesellschaftliche Intrigen genauso aufklรคren, wie die vielen Fragen, die durch die Erlebnisse von Bakoo und Alelia unweigerlich auftauchen. Wie sich am Ende der Kreis schloss, war fรผr mich ein Hรถhepunkt des Buchs.

Die Geschichte aus zwei Perspektiven war angenehm geschrieben, der Perspektivwechsel war รผberhaupt nicht stรถrend und sehr gut umgesetzt. Der Schreibstil ist klar, aussagekrรคftig und kreativ. Es hat richtig SpaรŸ gemacht, dieses Buch zu lesen, es wurde nie langweilig und der Autor hat eine authentische Welt geschaffen, mit eigene ย Vokabeln und viel Liebe zur Gestaltung des Settings. AuรŸerdem passt sich der Schreibstil dem Alter der Protagonisten an, was ich wirklich klasse fand. Aufgrund des Stils und der Geschichte werde ich mit Sicherheit noch das ein oder andere Buch von Hubert Wiest in die Hand nehmen, da mich dieses Werk sehr begeistern konnte.

Die Handlung ist sehr spannend und hat fast etwas heimisches. Ich konnte mich sehr schnell in diese Welt hineinfinden, die Darstellung der Charaktere machte dies ungemein leichter. Gerade Bakoo wird in seinen Handlungen und Gefรผhlen nachvollziehbar dargestellt. Bakoo und Alelia sind keine aalglatten Helden, sondern sympathische und fehlerbehaftete Figuren, die im Laufe der Geschichte an ihren Herausforderungen wachsen. Dieser Umstand und die gelungene Story mit einer Mischung aus Abenteuer, Spannung, Freundschaft und Weltraum machen das Buch fรผr mich zu einem Highlight des bisherigen Jahres.

Wie ich in der Leserunde vom Autor erfuhr, ist die Inspiration fรผr das Buch eine wahre geschichtliche Begebenheit, an der er sich orientierte und zwar die sogenannte „Stolen Generation„, ein trauriges Kapitel in der jรผngeren australischen Geschichte. Allerdings soll dieser Jugendroman keine Aufarbeitung darstellen, sondern ist vollkommen fiktiv. Weiterhin kam die Frage auf, ob der Name Avoca fรผr die Reittiere vom Wort „Avocado“ abgeleitet wurde. Tatsรคchlich ist es allerdings der Name eines kleinen Ortes nahe Sydney, der den Autor zur Namensgebung inspirierte.

Fazit:

„Angepasst / Ich, Bakoo“ von Hubert Wiest รผberzeugt durch eine authentische Geschichte mit sympathischen Charakteren, liebevoll gestaltetem Setting und einem kreativen, klaren Schreibstil. Dieses Sci-Fi-Abenteuer um Freundschaft und den Wรผstenplaneten Cambrium traf mich direkt ins Herz, obwohl ich sonst kein allzu groรŸer Sci-Fi-Fan bin. Eine unbedingte Leseempfehlung fรผr alle, die Lust auf eine abenteuerliche Geschichte haben, die ohne viel Schnickschnack auskommt.

Bewertung: โคโคโคโคโค

EURE HACHIDORI